Zeche Bochum: Kaizers Orchestra

Das mit Kaizers Orchestra ist so eine Sache. Erst in Köln nicht gesehen, weil wir keinen Parkplatz gefunden haben, eine Beule in den Wagen gefahren und dann einfach keine Lust gehabt haben. Dann in Essen-Werden unter Alkohol so halb mitgekriegt. Aber jetzt, dank einem lieben und echt großzügigen Geschenk von Julia und Annette, endlich richtig ohne miesen Festivalsound und Nieselwetter, in der Zeche Bochum. Die nicht so derb ausverkauft war wie etwa bei Dredg, so daß man recht entspannt bis komplett in die erste Reihe marschieren konnte, um sich die erste Konzerthälfte noch recht entspannt anzuhören und in der zweiten etwa so im Bühnenmittenbereich zweite reihe mitzufeiern. Und gefeiert wurde da. Abgesehen von ein paar moshenden älteren Typen, die aussahen, als hätten sie auch schon den ein oder anderen Norwegen-Urlaub hinter sich, zieht das Orchestra eine mehr als treue Fangemeinschaft an, die – seltsamerweise – die norwegischen Texte auswendig mitsingen kann, die Band frenetisch feiert und von dem charismatischen Sänger Janove Ottesen um den kleinen Finger gewickelt wird, mitklatscht, singt, tanzt, und den Sänger wörtlich auf Händen trägt. Und zu Recht. Nach einer skurillen Vorband kommen die Herren Kaizer in hippe Anzüge gewandt auf die Bühne und geben Gas, bis die Show vorbei ist. Die 2000 gegründete Kapelle klingt dabei mit ihrem Gypsy Folk Rock wie der perfekte Soundtrack zu einem Tarantino-Film, aber deutlich härter und druckvoller als auf den Alben, die ich stets etwas brav fand. Die Setlist umfasst alle (selbst mir) bekannten Songs wie Biitzregn Baby, KGB, Maestro, aber auch neues Material, wie etwa 9 mm, das ein klein wenig mainstreamiger daherkommt und von der Band auch weniger frenetisch abgefackelt wird. Ansonsten gibt es aber wenig Stillstand bei diesem Gig: Die Ölfässer und Radfelgen werden mit Schraubenschlüsseln demoliert was das Zeug hält, Drummer Rune prügelt derart auf sein Kit ein, meist schon mal direkt im Stehen, dass sich sein Crashbecken in der Mitte des Konzertes verabschiedet, und die beiden Gitarristen Terje und Geir posen als wäre man auf einem AC/DC-Konzert. Zu diesem Old-School-Rock-Feeling trägt vor allem die Show des Sängers «The Jackal» bei, der ganz in alter Bono-Manier einen neuen Fan auf die Bühne holt, mehrfach vom Publikum aus singt und am Ende Gitarristen «Hellraizer» Geir auf den Schultern durch die Menge trägt, als wäre er Angus Young persönlich. Das am Ende des Gigs von den schicken Anzügen nicht mehr viel über ist und man sich durch gut 90 Minuten (eine Zugabe nur, leider) eines fast absurden Mixes aus osteuropäischer Melodik, Punk, etwas Neubauten-Industrialflair, skurrilen Einlagen und klassischen Rockriffs gewütet hat, ist bei solchem Körpereinsatz fast selbstverständlich. Genau die Sorte Konzert, bei dem du dir zum einen wünscht, vorher mehr getrunken zu haben, man kommt sich im Vergleich zur Band viel zu nüchtern vor, und bei dem man sich immer wieder dabei erwischt, wie man breit grinsend zur Bühne hochschaut und «Fuck, yeah» sagt.

Nach dem Break mehr schöne Bilder von Steffi, als Wiedergutmachung für meine schlechten Photos von Phoenix und Mit