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YOUR OWN PERSONAL GRAVIS

Eigentlich will ich Gravis ja mögen – immerhin haben sie bei der Wahl ihres Designstudios ja Geschmack bewiesen. Das gelungene Branding  (und das sehr schicke g von Susanna) funktioniert ja einfach im Kopf des Konsumenten, wenn es um das Bild eines Dienstleisters geht. Das smoothe, moderne g legt Tnmpo und Effizienz nahe, digitalen Wunschlosglücklichservice. Aber die Praxis scheint da leider anders zu sein – das Design ist besser als die Realität.

Ich habe vor fünf Wochen einen MacPro (3,2 Ghz, 16 GB, 4 TB, 8800 GeForce) und einen iMac (3,06, 4 GB, 1 TB, 8800 GeForce) bestellt. Der MacPro sei angeblich «sofort» lieferbar und der iMac (der damals ja gerade vorgestellt wurde so in «zwei bis drei Wochen.» Da ich die Anfrage ziemlich kompliziert gestellt habe – mit verschiedenen Varianten halt – hab ich sogar bestens verstehen können, dass einige konkrete Anfragen zum MacPro (sind da noch Clover- oder schon Harpertowns drin?) eher verwirrt zum iMac beantwortet wurden, der gar keine 3,2er Prozessoren hat, schon gar nicht 2×4. Das in beiden Angeboten das gravis Protection Plus Pack nicht dabei war, obwohl ich darum gebeten hatte, ist eher doof – meine Bitte, zumindest beim MacPro kulanterweise die 99 Euro einfach in den Preis einzurechnen, wurden abgewimmelt (beim iMac hätte ich das nicht erwartet, das Gerät ist einfach nicht hochpreisig genug, aber bei einer Kiste für 6000 Euro sollten 99 Euro Kulanz im Entscheidungsspielraum eines Fillialleiters liegen, oder?). Anrufen bei Gravis ist bekannterweise schwierig – man landet fast sofort bei der Hotline in Berlin. Auf meine eMails, was ich anzahlen solle, kam keine Antwort. Ende letzter Woche schrieb ich letztmals, dass die Lieferfristen inzwischen alle überschritten seien und ich – sofern ich nicht bis Anfang dieser Woche ein Feedback bekäme – den Auftrag stornieren würde. Ich habe BIS JETZT keine Antwort, heute aber bei Gravis Berlin den Auftrag zurückgestellt und um Rücküberweisung der Anzahlung gebeten. Die Berliner Hotline teilte mir mit, dass bei Geräten, die so wie meine «maßgeschneidert» seien (wobei sich alle meine Wünsche absolut im Rahmen des im Apple Store konfigurierbaren bewegen, so ist nun nicht) eine Lieferzeit von 4-6 Wochen einzurechnen sei. Worauf hin ich ihr erklärte, dass sei schon starker Tobak, an sich aber okay gewesen, wenn es mir nur ehrlich jemand von vorneherein so gesagt hätte. Dann hätte man entsprechend planen können. Zusammen mit einigen Erfahrungen mit dem iMac 2,8, den ich bei Gravis geholt habe, finde ich dabei vor allem erschreckend, wie schlecht derService beim für ein Unternehmen angenehmsten Teil der Kunden-Firmen-Kommunikation ist, nämlich dem Auftrag. Was machen die erst, wenn es mal richtig Garantiefälle und wichtige zeitkritische Abstimmung gibt?  Sorry, mag sein, dass man bei Gravis fix mal einen ipod kaufen kann – wie bei Karstadt, Amazon und sonstwo auch – aber als Systemhaus reichts nicht. Ich bin da natürlich von meinem sehr persönlichen und wunderbaren Service in Sachen PC-Welt sehr verwöhnt, keine Frage – aber ich frage mich schon, warum die Jungs mehr oder minder freiwillig auf diese Aufträge verzichten (und die eventuellen Folgeaufträge, die sich ja unweigerlich irgendwann ergeben). Wäre Gravis Essen so kompetent gewesen wie die Telefondame heute in Berlin, der die Sache spürbar leid tat, gäbs ja keine Probleme. Jetzt bin ich erst mal gespannt, wie sich scnet machen, wo Frank Kirsch zumindest heute schnell, kompetent und freundlich die Sache angeschoben hat.

Ich finde es immer schade, wenn bei einem Laden das Design besser ist als die tatsächliche Performance. Gravis hat von Erik und Partnern einen zwar nicht völlig makellosen, aber sauberen und wohl architektonischsten Auftritte in der PC-Handelslandschaft bekommen, effizient, modern, schnell. Ich hab mal einen Kunden gehabt, dessen Marketingchef mir erklärte, mein Design sei eigentlich gefährlich, weil es ein Maß an Qualität und Service suggeriere, dass der Laden realistisch nicht leisten könne. Ich hab das damals nicht verstanden und dachte – denke immer noch – das gutes Design eine Chance für ein Unternehmen ist, sich weiterzuentwickeln, eine Zukunftsprojektion.

Aber irgendwie verstehe ich jetzt schon, was er meinte – die Enttäuschung des Kunden ist vorprogrammiert, wenn außen alles superglossyshiny ist und innen die Infrastruktur einfach nicht steht.

24. Juni 2008 23:28 Uhr. Kategorie Technik. 22 Antworten.

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