
Das dritte Album des New Yorker Trios um Karen Orzolek schiebt die schon auf Show Your Bones spürbare Anpassung an eine Art Mainstream weiter voran in Richtung Dancefloor. Vom Garagegewitter der ersten EPs und Fever to Tell ist wenig zu spüren, zugleich verschwindet aber auch der (gesanglich allerdings nach wie vor nahezu unvermeidbare) Vergleich zu Siouxie Sioux. Glamouröser, discoglitteriger treten die YYYs auf, von der Produktion herspürbar elektronischer, deutlich nicht mehr auf den Spuren von 80er Gitarren-Goth, sondern eher bei Heaven 17 und französischem Elektro angelangt. Was vielleicht nur schlüssig ist – Show Your Bones war sicherlich das Ende der Gitarre/Schlagzeug/Vocals-Schiene, ein neues Album wäre nur Selbstplagiat geworden. Stattdessen bleibt die Band ihrem vertrackten Grundsound erkenntbar treu und wechselt lediglich die Instrumente. Es bleibt die große Geste, es bleibt der Pathos, es bleibt die grandiose Stimme von Karen O, aber hinzu kommt ein neues Spektrum von Werkzeugen zum Ausdruck musikalischer Idee. Entsprechend etwas tanzbarer, mitunter auch etwas sanfter, ist Blitz geworden, weniger explosiv, dafür mitunter ehrlicher und verletzlicher (Skeletons) und große Pop-Musik. Tracks wie Dull Life oder das noisige Shame and Fortune bezeugen unzweifelhaft, dass die Band immer noch zickige Beats und ordentliche Verweigerungshaltung kann, aber selbst hier überwiegt ein weniger stacheliges, insgesamt positiveres Feeling, mehr Party, weniger Düsterheit. Die neue Komplexität der Produktion – nicht zuletzt TV-on-the-Radio-Gitarrist Dave Sitek zu verdanken, der auch beim letzten Album die Finger am Mischpult hatte – bringt die Band an die Vorderfront der ja nicht wenigen New Yorker Discowave-Bands, mit einem Mix aus Krach und Melodik, Softness und Härte, der bemerkenswert ist. Kein Track des Albums ist wirklich jemals glatt, aber zugleich ist die Eingängigkeit, der emotionale Zugang zu den Liedern, deutlich erhöht, vielleicht weil die Band – wie jede Combo – mit zunehmenden Alter mehr ruhige Songs produziert (Runaway). Insgesamt gibt es eine fast erschreckende Dichte potentieller Auskopplungs-Kandidaten auf dem Album (das Blondie-esque Zero, Heads will Roll, Dull Life, Dragon Queen, das vielleicht etwas flache Faces) und wäre It’s Blitz nicht trotzdem insgesamt ein sehr erwachsenes und sperriges Album, könnte man vermuten, die Band wolle endlich mal einen großen Dancefloor-Kracher haben. Mit dem dritten Album zeigt sich Karen O eigentlich auf dem Sprung zum Soloalbum und zur Pop-Diva. Auf der hauchdünnen Rasierklinge zwischen melodisch sperrigem Independent und affirmativer Spaßdisco ist die Platte aber sicher eine der spannenderen Popproduktionen der letzten Zeit – und unter der glitzernden Oberfläche vielleicht sogar unangepasster als Songs wie Gold Lion oder Way Out.
17. September 2009 05:53 Uhr. Kategorie Musik. Tag Alternative. Keine Antwort.