Mr. Wong haben ja mit ihrem Crowdsourcing-Wettbewerb für einiges an Rumoren gesorgt. Ich finde, die Ergebnisse sprechen einfach für sich. Sieht aus wie diese Sites, wo man für 40 Euro zig Logos kaufen kann. Gerade in diesem WUST von Logos, die hintereinander kommen, wird deutlich, wie sehr Crowdsourcing eben Bedeutungslosigkeit und Masse generiert und keinerlei Entwicklung aufzeigt, sondern nur Nebel ergibt. In der Masse sind natürlich rein visuell ein paar okay-e Sachen dabei, aber zugleich zeigt die reine Flut, wie beliebig und austauschbar ein solches Logo wird, der Prozess der Identitätsfindung, der Selektion, wird zu einem Deutschland-sucht-den-Superstar-Casting. Was, bekanntermaßen, eben keine Superstars hervorbringt.
7. September 2007 14:43 Uhr. Kategorie Online. 5 Antworten.
http://www.mister-wong.com/contest/index.php?do=vote&i=0de0852231f8cb65d5273d0b7feec530
ich nehm das.
Soviel verschwendete Energie macht mich immer etwas traurig. Diese Crowdsourcing Geschichten sind leider sehr erfolgreich. Es ist fast unmöglich, nicht zu jedem Crowdsourcing das gestartet werden gutgemeinte eMail von Freunden und Kollegen zu bekommen, die einem zur Teilnahme animieren wollen.
Joah, aber man sieht ja gerade bei Spreeblick, dass im Kern Masse nicht das gewünschte Ziel bringt, sondern vor allem die Verwirrung und Unsicherheit STEIGERT. Wenn du mit deinem alten Look unsicher geworden bist und was neues willst, brauchst du jemanden, der dich im Gespräch und mit Vorschlägen und FIngerspitzengefühl und einer eigenen externen Vorstellung deiner Sache ans Ziel führt, gemeinsam. Einfach 500 aus der Hüfte geschossene Ideen machen einfach kein bündiges Erscheinungsbild.
Ein Problem bei Crowdsourcing und ähnlichen Ansätzen (Ausschreibungen usw): Man umgeht den oft (unangenehmen und anstrengenden) Dialog mit einem Designer, der oft spoerrig und hartleibig bestimmte Sachen verteidigt, oder – viel schlimmer – bestimmte Sachen einfach nicht MACHEN WILL (weil sie meist Scheisse sind) und wie ein bockiger Hund um jeden Zentimeter kämpft, um z uverhindern, dass der Kunde sich selbst am Ende in den Fuss schießt. Dieser Prozess des NEIN-Sagens, der Selektion, der Qualitätssicherung, ist aus meiner Sicht die wahre und wichtigste Funktion des Designs, nicht das Bezierkurvengeschiebe. Reden, diskutieren, Alternativen finden. Ich denke, beim Anblick von über 500 mehr oder minder miesen Logo-Ansätzen sieht man am Ende echt den Wald vor lauter Bäumen nicht. Zumal in diesem Falle die ein oder andere Idee so aussehen, als wäre sie in 10 Minuten entstanden oder aus einer Schublade geholt.
Ja, das ist sehr richtig. Ich erinnere mich ungern an einen meiner unliebigsten Kunden, der nie mit mir diskutieren wollte und stattdessen verlangte, immer mehr und mehr Entwürfe zu sehen in der Hoffnung, sich am Ende einen aussuchen zu können. Der Dialog mit einem Designer verlangt viel Souveränität- die Art, die einem erlaubt, andere Meinungen zu Akzeptieren, sich führen zu lassen. Viele Kunden sind unsicher und haben, besonders wenn sie es gewohnt sind als Chef-der-sagt-wo’s-langgeht aufzutreten, große Schwierigkeiten, sich von so einem “Künstler” den Weg diktieren zu lassen und sich auf seine Ebene “herabzubegeben” (vielleicht treten deshalb so viele Grafiker so künstlich überseriös auf). Viele scheint es zu stören, daß sie sich überhaupt mit so einem bekloppten rumschlagen müssen nur weil der heutige Markt verlangt, daß ein Qualitätsprodukt auch mit einem guten Design angeboten wird und eine Firma im Internet mit einem coolen Logo und einer representativen Website auftritt. Meine Erfahrung ist jedenfalls zu 100%: “geniale” Logos auf die ich bis heute stolz bin (darf man doch sein, oder?) sind immer das Ergebnis langer, quälender Suchen gewesen, Konflikte, Auseinandersetzungen bis kurz vorm Nervenanfall, oder auch ein angenehmes Hingleiten mit einem Kunden, der selbst sehr brauchbare kreative Ideen hat- ein Traum.
Das mit der Souveränität und dem «sich führen lassen» unterschreibe ich so nicht. Was es braucht ist vielleicht eher Neugierde, Unternehmergeist, etwas Mut und nicht so sehr die Bereitschaft sich «führen» zu lassen (das würde ich von meinen Kunden nicht verlangen, ich bin kein Alphamännchen), sondern vielmehr vielleicht sich «verführen» zu lassen.
Künstler, nebenbei, sind wir nicht. Wir produzieren nicht im Voraus und verkaufen in Galerien. Wir stellen keine Werke her, die ganz persönliche Auseinandersetzungen mit der Welt sind. Ich finde immer schlimm, wenn mich jemand als «Künstler» bezeichnet. Nicht nur, weil die Arbeit des Grafik Designs dem nicht immer gerecht wird, sondern auch, weil da mitschwingt: Ach, der ist ja Künstler, der macht das doch gern… muß dann ja nichts kosten.
Naja, und ein geniales Logo, mit dem ich zu 100% zufrieden bin, habe ich noch nie gemacht. Ich bin nie mit meiner Arbeit zufrieden.