
Es ist schwer bis unmöglich, sich dieses Debütalbum anzuhören und nicht sofort an Led Zeppelin, Sabbath, Deep Purple und so weiter zu denken – der leicht folkig angehauchte Rocksound der Briten steckt knietief in Geschichte, der Opener «Sillbury Sands» lässt daran keinen Zweifel aufkommen. Die Sounds, das Flair, Jack Sharps Vocals – nichts an dieser Platte klingt modern oder gar neu. Im Gegenteil, Steeple ist ein verkiffter Trip zurück in die Vergangenheit, die auf diesem Album dennoch seltsam modern klingt, vorangetrieben von Tom Watts komplexen Drumgrooves, die hier und da ein wenig an Jack White erinnern, hier und dort dann wieder massiv an Ian Paice oder natürlich John Bonham. Steeple ist die Sorte Platte, die du in der Plattensammlung deiner (Groß-)Eltern ebenso gut hättest finden können, die Sorte psychedelischer Rock, der auch nach 40-50 Jahren noch überraschend gut klingt. Wolf People haben dem Oevre der von ihnen zitierten Bands eigentlich nicht viel hinzuzufügen, noch bauen Sie auch nur näherungsweise eine Brücke in die Jetztzeit, sondern scheinen vollauf damit zufrieden, eine möglichst authentische Kopie abzuliefern, eine Coverband ohne Coversongs zu sein. Die Band tut das mit großem kompositorischen und spielerischem Geschick, kommt aber über Retro-Prog-Rock zu keinem Moment hinaus. Muss ja vielleicht auch manchmal nicht sein – Steeple ist eine Platte, die man sich ausgezeichnet anhören kann, die sehr ehrlich, sehr direkt, ausgezeichnet gespielt daherkommt und die eine famose Bluesstimmung verbreitet, eine Art druckvoll-lasziver Traurigkeit, ein echtes erdiges Rockalbum, wie man es eben nicht mehr so oft zu hören kriegt, schön authentisch produziert und eine Platte, die eben nicht mehr sein will, als sie ist. Und diese Art von Bescheidenheit macht Spaß beim Zuhören.
29. Januar 2011 19:50 Uhr. Kategorie Musik. Tag Alternative, Rock. Keine Antwort.