Bei Icon findet sich eine lange Liste von Gründen, warum Design vom unterernährten Kind der zwanziger und fünfziger Jahre zu einer Art fetten Moloch geworden ist, der längst an sich selbst siecht. Die Flut von Magazinen, überteuerten Designartikeln, Shops, Superstardesigner, Bombastspektakel, kurzlebige Brandings, der Tod jeder Form von Subkultur wie Punk oder NewWave, die heute sofort unter den Designmainstream subsumiert werden… all das und vieles mehr geben Anlass zur kritischen Betrachtung einer Branche, die eben auch von dem generellen «Zu Viel» einer Gesellschaft erfasst ist, in der Konsum Alles und Alles Konsum geworden ist.
Der Ruf nach einer Rezessionsphase im Design stärkt die Ansicht, das Design eine Wandlung, eine Rückbesinnung erfahren muss. In Zeiten ultimativer Machbarkeit und rückhaltslosen Marketings, in dem jede Oberfläche ohne Rücksicht auf ursprüngliche Inhalte für den Absatz okkupiert wird, ist die Aufgabe des Designers nicht mehr die des Machers, sondern im Zweifelsfall vielleicht die des Bremsers, der Nein-Sagers. Der der Flut des Machbaren skeptisch gegenübersteht und filtert. Der weniger Quantität und mehr Qualität einfordert. Die neue Qualität des Daseins lässt sich in einem Abschied vom Exzess bestimmen. Weg von gammeliger Massenware, hin zur geprüften Vertrauenssache. Weniger, aber besser. Das lässt sich nicht auf jedes Projekt so anwenden, aber als Tendenz sind wir in der Designbranche an dem Punkt, wo Expansion nicht mehr uneingeschränkt unter einem positiven Vorzeichen steht.
16. September 2007 14:15 Uhr. Kategorie Design. 7 Antworten.
yes. und in einer der letzten dotdotdot ausgaben, gibt es einen schönen text dazu.
too many books
Ich hab’ da mal ‘ne Frage und hoffe hier kann sie mir wer beantworten:
Warum sieht die taz vom Wochenende so aus, wie sie aussieht? Als Nicht-Designerin verstehe ich nicht wo der Sinn dieser “Sonderausgabe” liegt.
Für mich ist sie anstrengend: Keine Bücher mehr erkenntlich und jede Seite bricht mit Zeitungs-Lese-Gewohnheiten.
Warum?
Ich hab die Borsche-TAZ leider nicht, Katrin…
Schade. Hatte gehofft, du kannst mich aufklären.
tja für design gilt halt um moment wie für vieles andere auch: oversexed and underfucked. dazu passt auch ganz gut james p. othmer. the futurist. amüsante schutzimpfung gegen den nächsten web x.0 hype etc..viele grüße,
a.
Wenns der Mirko Borsche ist, wird es schon gut sein. Ansonsten müßte mir wer die TAZ schicken, dann schreib ich gern was dazu :-D
Generel finde ich, dass Zeitungen weniger und weniger aussehen sollten wie «Zeitung» – nicht durch die Bank, aber der Look von Zeitung folgt eigentlich dem Primat von Drucktechnik, die sich aber längst weiterentwickelt hat. Nur wenige Zeitungen nutzen die Möglichkeiten, die sie seit Jahren haben. Und ein Blatt wie die TAZ sollte viel mehr experimentieren. Andererseits sind die einst progressiven Linken natürlich längst zu den konservativsten Kräften erstarrt.
Hey Jen, kannst du bitte hier den Link zu diesem dotdotdot-Artikel posten oder wo findet man das dotdotdot-magazin? Kenne das leider nicht.