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White Lies: To lose my Life…

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Bei den White Lies aus London ist nicht nur das Cover dezent im 80er-Jahre-Stil gehalten – auch die Musik erinnert stark an die Eighties und selbst die Videos wirken wie aus den Frühzeiten von U2. Der leicht an Franz Ferdinand erinnernde Titeltrack To Lose My Life wartet insofern nicht umsonst mit dem dekade-typischen 4/4-Drums mit dem primitiven aus drei Snareschlägen bestehenden Fill am Patternende auf und auch der Gesang wälzt sich unverschämt im vokaldehnenden Pathos von Bands wie Tears for Fears oder der späten Ultravox. Die White Lies stehen insofern auf dem gleichen Kriegsschauplatz wiezahlreiche andere Bands - A Place to Hide klingt nicht ohne grund wie etwas poppigere Editors oder nicht ganz so exaltierte Killers – aber Harry McVeighs mitunter an Dredg erinnernder Gesang hat genug eigene Nuancen, um das Album über die reine Retrosound-Karikatur (an die die Synths nun tatsächlich ständig heranreichen) hinaus zu tragen, auch wenn ein Track wie E.S.T. schon geradezu dreist Joy Division und Tears for Fears fusioniert. Wahrlich neues haben die White Lies tatsächlich nicht zu sagen, bewegen sich im sicheren Hafen zwischen Pathos Rock und recht chartstauglichem Indie, wo Bands wie die spürbar trockeneren Interpol oder die Jesus-and-Mary-Chain-lärmenderen Glasvegas (deren producer auch To Lose My Life mitproduzierte) auch ihre Boote am Kai haben. Es ist mitunter die Kopie der Kopie, von Ian Curtis zu Paul Banks zu Harry McVeigh -  die Leistung von White Lies ist dabei ein unverschämter symphonischer Cinemascope-Pop-Breitband-Bigband-Sound, der sich scheinbar keine Sekunde dafür schämt, hochgradig emotional und uncool daherzukommen. Wobei das bei einem 4-Minuten-Miniepos wie das nur zu treffend betitelte Nothing to Give durchaus auch mal anstrengend sein kann, wenn der Gesang ohne greifbare Songstruktur durch Synthesizerwolken hindurch auf- und abmoduliert wie ein verrückt gewordener Pitchbender. Die White Lies sind eine Sounds-like-XXX… Band, über die man wenig schreiben kann ohne Bezugnahme auf andere Musiker, sie haben selbst wenig Neues zu sagen und sind in keiner Hinsicht eine «wichtige» Band, sondern wahrscheinlich eine Eintagsfliege, es sei denn die Band kann ihr Gespür für großartige Hooklines und klare Refrains am Tipping Point von Radiokompatibilität und Dark Disco ausbauen und aus dem reinen 80s-Pastiche befreien. Man muss sich förmlich zwingen, die sch anbietenden Referenzen und Vergleiche aus dem Kopf zu kriegen, um Songs wie Farewell to the Fairground genießen zu können. Nostalgia ist gut für ein Album, für eine Post-Hype-Karriere werden die White Lies nicht darauf aufbauen können.

30. März 2009 08:04 Uhr. Kategorie Musik. Tag . 2 Antworten.

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