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Wendy and Lisa: White Flags of Winter Chimneys

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Wer hätte das gedacht? Fast eine Dekade nach dem letztenAlbum von Wendy Melvoin und Lisa Coleman erscheint mit White Flags of Winter Chimneys ein neues Lebenszeichen, das fast nahtlos an Girld Bros anschließt. Die beiden Musikerinnen, die meiner Meinung nach zutiefst verantwortlich für den frühen, weniger funklastigen und experimentelleren Sound von Prince bis circa Cherry Moon waren, sind inzwischen hauptsächlich als Soundtrack-Produzentinnen tätig (u.a. Heroes Season 1), und das hört man dem neuen Album wohltuend an. Die Tracks sind balladenlastig, langsam, dicht, malerisch und ähnlich buntverschwommen wie das Coverartwork suggeriert. Sweet Suite etwa ist in jeder Hinsicht cinematographisch, ein fast 9 Minuten langer musikalischer Film, der sich mit düsteren Akkorden und typischen Lisa-Harmoniefolgen, die an Tracks von Eroica  erinnern als idealer Schlusspunkt des Albums anbietet, zumal er die Motive des ersten Tracks Balloon 1:1 aufgreift und einfach nur aus dem eher upliftig spirit des Openers eine Art Nocturne gewinnt. Insgesamt bleibt das Album ruhig, mature, selbst ein scheinbar schnellere Track wie Invisible bleibt unaufgeregtes Singer/Songwriter-Handwerk. Schillernd und zugleich zurückhaltend produziert ist White Flags kein aufregendes oder neues Album, sondern eher eine Art distillierter Essenz der Arbeit von Melvoin und Coleman, kleine psychedelische Aquarelle, die die gewohnte dichte Gitarren und Keyboardarbeit der beiden mit dicht verwobenen Gesangsstrukturen und nahtloser Produktion verbindet. Das Duo hat nach der Trennung inzwischen scheinbar zu neuen festen Beziehungen gefunden und präsentiert sich gefestigt, musikalisch wie persönlich, mit diesem Album als eine Größe in der Popwelt. Die Songs navigieren feingliedrig zwischen Melodrama, Psychedelia, Rock und Pop, sind nie einfach eingängig und wirken eher erst nach mehrfachem Hören, wirkentrotz mitunter bombastischer Produktion immer fast ätherisch und selbst eher flache Rocknummern wie Salt&Cherries (MC5) zeigt, was dieses Album ausmacht: Es ist eine Quintessenz durch die Karriere von Wendy und Lisa, fasst den typischen Sound des Duos griffig zusammen und entwickelt ihn aber zugleich weiter, obwohl jeder Track zurückgreift auf die kompositorische Erfahrung von zwei Dekaden,klingen die Lieder selten altbacken – und das, obwohl sie keineswegs modern sein wollen. Zusammen betrachtet ist das Album in dem leichten Oszillieren, dem Up und Down der Songs, wunderbar zusammengestellt, ein sehr tightes, geschlossenes Werk, das dem Werkkatalog der beidem Musikerinnen nicht viel überraschend Neues hinzufügt, die aber zehn Jahre nach dem letzten semi-offiziellen Album gleichzeitig gewachsen und in sich ruhend zeigt. Was will man mehr? Vielleicht ein paar Prince-Alben, die diese Qualität hätten.

5. Juni 2009 07:24 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

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