
Heute abend treffen in der FH Wuppertal erneut im Rahmen der Ferngespräche-Reihe zwei namhafte Größen der Branche aufeinander. Nachdem in den letzten Wochen bereits Uwe Lösch, Niklaus Troxler, Horst Moser und Sarah Illenberger sich die Klinke der Folkwang Universität der Künste auf dem Wuppertaler Campus in die Hand gaben, sind nun mit Johannes Erler und Andreas Uebele zwei der erfolgreichsten Designbürobetreiber der Branche zu Gast, Erler hat mit Factor Design schlichtweg moderne Designgeschichte geschrieben und ungezählte ähnliche Büros inspiriert, Uebele ist wie kein zweiter deutscher Designer zu einem Begriff für Informationsdesign geworden und hat mit dafür gesorgt, dass uns Gestaltern auch eigentlich der Architektur verwandte Betätigungsfelder immer selbstverständlicher offenstehen.
Johannes Erler hat sich bereits im vergangenen Jahr via Fontblog mehrfach zu Wort gemeldet, um seine Haltung zu Design, Honoraren und den Arbeitsbedingungen der Branche zu teilen und ist dabei auf durchweg positives Feedback gestoßen. Dabei redet er nicht nur, sondern handelt auch, etwa indem Factor Design ein nuanciertes Praktikums-Angebot ausgearbeitet hat. Andreas Uebele ist mit seiner Meinung weniger publik, aber seine Erfahrung in der Praxis und Bildung sowie einige Statements von ihm machen klar, dass auch er eine pointierte und klare Meinung zu unfairen Wettbewerben, Preisdumping und Crowdsourcing hat.
Ein Abend also, nachdem ich im letzten Monat arbeitsbedingt die Ferngespräche versäumt hatte (sehr ärgerlich, weil alle drei Veranstaltungen top waren, Troxler ist immer sehenswert, Horst Moser ein unfassbarer Schatz an Information), den ich ohnehin besucht hätte. Umso schöner, dass man mich jetzt zwingt, dorthin zu kommen, weil ich den Abend moderieren darf. Als Ersatz für Deutschlands Trendforscher Nr. 1 Prof. Peter Wippermann einzuspringen, ist allerdings in jeder Hinsicht eine schlichtweg nicht zu meisternde Aufgabe, an der ich hoffentlich zumindest mit etwas Würde scheitern werde. Ich hoffe darauf, dass die beiden Gäste den Abend schon retten werden ;-). Dazu passt ja durchaus, dass ich seit Samstag eine Halsentzündung habe und ohnehin wenig sprechen kann – was ja bei mir durchaus mal eine Abwechslung wäre.
Wenn jemand Fragen zum Thema Design/Kosten/Honorare an Erler oder Uebele hat, schreibt sie bitte in die Kommentare, vielleicht kriege ich eine eingebaut. Ansonsten freue ich mich sehr auf heute abend und auf eine spannende Diskussion.
7. Juni 2010 11:19 Uhr. Kategorie Design. Tag Studium. 5 Antworten.
Das klingt in der Tat sehr spannend.
Gibt es _irgendeine_ Möglichkeit das als Aufzeichnung zu verfolgen, und wenn es nur Audio ist?
Viel Vergnügen beim Moderieren und Diskutieren.
Das war auch sehr schön, muss ich sagen, vor allem Respekt, dass alle die insgesamt vier Stunden durchgehalten haben – ich fand schon richtig, dass Johannes hinterher einfach sagte «Ich kann nicht mehr» und man was trinken ging :-D.
Ich habe mich sehr gefreut, Andreas Uebele als klaren und deutlichen, aber auch mehr als umgänglichen und netten, engagierten, leidenschaftlichen und humorvollen Designer kennenzulernen. Bei Johannes wusste ich, dass all diese Adjektive auf ihn zutreffen, aber bei Uebeles sehr klarer Arbeit war ich mir nicht so sicher – und war sehr positiv überrascht und begeistert. Wie Andreas und Johannes aus dem Nähkästlein ihrer Büros erzählt haben, fand ich so gut, dass ich gern mein ursprüngliches Gesprächskonzept über Bord geworfen habe – diese Einblicke in Wettbewerbe, Lebensläufe und die Denke von Agenturgründern sind mehr wert als theoretische Betrachtungen von Design als Luxusgut oder Kammergründungen, finde ich.
Einen Riesenrespekt habe ich vor Dirk Büchsenschütz und seiner Crew, die hier mal um mal absolut namhafte Gäste (die man sonst für viel Geld auf der Typo und nicht so nah erleben kann) nach Wuppertal bringen, sich von dem kommenden Aus für ihren Studiengang oder dem nicht so ganz brennenden Interesse der eigenen Professoren nicht beirren lassen und ein in jeder Hinsicht tolles Programm auf die Beine gestellt haben, bei dem ich ehrlich gesagt fast lieber im Publikum gesessen hätte :-D
Es war wirklich ein sympathischer, intimer und ehrlicher Einblick den die beiden von sich gezeigt haben. Und trotz der länger, hast du die beiden sehr gut beim Thema gehalten.
Allerdings sind aus meine Sicht Beide die Antwort schuldig geblieben: Wie schaff ich es einem nicht ästhetisch-gebildeten Menschen — dazu gehören natürlich auch viele Firmenchefs ;) — zu erklären, was Kommunikationsdesign ausmacht, warum es mehr Geld kostet als er sich im Normalfall vorstellt und warum das Design von Factor besser ist als das von irgendeiner großen oder kleinen Werbeagentur. (Man schaue sich nur an was Metadesign für unspannende Gestaltung macht.)
Es kommt natürlich nicht von ungefähr, dass viele spannende “medienübergreifende Designkonzepte” im Kulturbereich entstehen, oder bei Firmen die designorientierte Produkte herstellen. Die größer Herausforderung ist aber eigentlich, “normale” Mittelständische Unternehmen davon zu überzeugen welche Bedeutung Kommunikationsdesign auch für sie hat.
Vielleicht lassen sich bestimmte Branchen und Menschen auch nie überzeugen. Vielleicht ist Design im Sinne von Factor auch nur für eine ganz kleine und ausgewählte Gruppe möglich.
Zum einen lässt sich die Frage nach dem Mehrwert von Design ja nur schwer pauschal beantworten. Es gibt, egal ob in Kultur oder Business, immer Auftraggeber, die designaffin sind und solche, die die Wirkung sinnvoll gestalteter Kommunikation nicht verstehen. Dazu kommt, dass man gerade im Wettbewerb nie vorher weiß, was der Partner sucht, sondern nur seine eigene visuelle Strategie erarbeiten und zeigen kann.
Ich glaube aber nicht, dass Erler und Uebele die Antowrt schuldig blieben. Bei Johannes hattest du gerade am Anfang seiner Präsentation viele Arbeiten, die deutlich machen, dass er und Factor das besondere in einer Lösung suchen. Eine Social Networking Site die eine ganz andere Art von Lesung ist, eine Software die beliebige Texte synchronisiert, Bücher, die die Kunst des Buchmachers an die Grenze des Machbaren bringen. Das Beispiel Dresden zeigt, wie er im Pitch, denn daher kam viel des gezeigten Materials ja, seine Idee herleitet, vertieft, dekliniert, aus dem recht einfachen klarenn Ansatz über das Video und einige Beispiele eine spielerische Idee, eben eine Inszenierung von Theater in der Stadt, herleitet. Wir haben das u.a. Bei der nicht verwendeten vierten Idee für Scene Ungarn mit den Schafen auch gemacht… Du versuchst, so simpel das klingt, dich selbst für etwas zu begeistern, und diesen Enthusiasmus zu übertragen. Idee, Novität,, Strategie, Handwerk..
Auch bei Andreas ist greifbar, wie und warum er seine Einzigartigkeit kommuniziert. Zum einen ist er selbst Architekt, spricht also die Sprachen seiner Kunden und hat auch deren Habitus. Seine Site, seine Bücher, sein Duktus ist geprägt vom Auftreten vieler deutscher Architekten, die ich kenne, und so ist es doch kein Wunder, wenn ein Werner Sobek sich seinenn Auftritt von einem Gleichgesinnten machen lassen wird. In seiner Präsentation wurde darübe hinaus auch deutlich, dass große Orientierungssysteme ein Hochmaß an technischem KnowHow verlangen, an Umsetzungskompetenz, gepaart mit einem milden Wahnsinn im Denken, und beides hat Uebele, plus eine Mischung aus harter (Selbst)kritik, die mal eben einen fast fertigen Entwurf selbst über den Haufen wirft, und einem schwäbischem Charme, der entwaffnend und ehrlich ist. Nicht umsonst kommen viele gute und erfolgreiche Marken aus Stuttgart – wir haben Kunden in BW, denen liegt das gute Verkaufen auch im Blut.
Natürlich arbeiten FD und büro uebele für spezifische Kundenkreise, und sicher ist es leichter, bei COR gutes Design zu kommunizieren als bei Lidl. Aber beide haben sicher auch ihre Erfahrung mit beratungsresistenten Klienten, beide klangen so, als hätten eben auch sie die Hochs und Tiefs mit guten und weniger guten Marketingpartnern auf Auftraggeberseite erlebt, und zumindest ich kann nsagen, dass Kultur nicht automatisch Freiheiten und kreative Höhenflüge erlaubt, im Gegenteil, es bedeutet meist extrem knappe Budgets und gleich mehrere kreative Menschen, die am fertigen Produkt beherzt und mit Energie ihre eigenen Ideen realisiert sehen möchten, was toll sein kann, oft aber auch viel Abstimmung und kurzfristig auch Verstimmung bedeuten kann, weil alle Beteiligten Kompromisse machen müssen. Das seltene Getier der Kunden, der dich einfach machen lässt mit minimaler Oder sogar positiver, beflügelnder Interferenz gibt es in Kulturjobs ebenso rar wie in der Wirtschaft… aber es existiert auf beiden Seiten. Factor, die ja viel für Mittelstand arbeiten, beweisen das mit einem ja fast an Personen festzumachenden Spagat zwischen Kultur und herstellenden Firmen ja recht gut. Wie gut eine Arbeit am Ende ist, hängt so gar nicht von der Branche ab, sondern am Ende immer vom Mut einer oder weniger Entscheider, die Lust haben, mehr zu machen als Werbung pro forma, sondern die etwas bewegen wollen und mit dem, was in ihrem Namen erscheint, selbst glücklich sein wollen,
ja, so wie ich mit meiner Giraffe:-)