
Stell dir vor, du packst eine Staffel Lindenstraße, eine Staffel Frauenknast, eine Staffel Natalie – Endstation Babystrich und eine Staffel Sesamstraße in einen einzigen Film. Et voilà… Vier Minuten.
Das Positive vorweg: Wirklich gute Kameraarbeit von Judith Kaufmann. Monica Bleibtreu macht mit kleinen Gesten das absolut beste aus einer schlechten Rolle. Herzsprung ist gut, wenn sie nicht overacted wie irre. Das finale Klavierkonzert von Herzsprung ist ein, wenn auch etwas wenig originell gemachtes, schönes und furioses Ding aus Kameraschnitt und Musik und macht Spaß.
Und das war’s mit Lustig.
Der Film beginnt mit einem Vogelschwarm, der über Stacheldraht hinwegschwebt. So schwer pseudosymbolisch und so gruselig holzhämmernd bleibt der gesamte Film. Wer also bei Vögel-und-Stacheldraht-Symbolik schon (zurecht) zusammenzuckt, weil der Saccharinanteil doch arg zu dicke ist, sollte sofort das Kino verlassen. Es lohnt sich. Denn besser wird es nimmer, eher im Gegenteil.
Nichts, aber auch NICHTS an diesem Film ist klischeefrei. Es ist alles drin, was für ein ganzes Jahr miese Sat-1-Soap reichen würde, nur kollabiert (im Wortsinne) auf 90 Minuten. Homosexualität, Inzest, Fehlgeburt, Knastbrutalität, brutale Bullen, dumme Bullen, korrupte Gefängnisleiter, böse Nazis, verkannte Genies, tragische Liebe, Generationenkonflikt, hilflose Wut missverstandener Menschen und blablablablablablablablablablablabla. Bis—- zum—- Erbrechen. vielleicht fehlt ein afroamerikanischen Sodomist, aber ansonsten ist die Klischeegallerie aus der Schule zum einfältigen Drehbuch ziemlich perfekt abgearbeitet, wirklich. Exzellente Sache, wirklich.. Vordiplom an einer Waldorfschule, keine Frage. Es ist unaussprechlich. Kein Klischee, kein Fettnäpfchen wird auch nur ansatzweise ausgelassen. Munter springt das Drehbuch von einer Plattheit zur nächsten, von einer Club-der-toten-Dichter-Imitation zum nächsten Billy-Elliot-Plagiat, von einer Frauenknast-Kopie zur nächsten RTL-II-Dokusoap-Grenzwertigkeit. Der Setbau verzichtet auf jede Logik, solange man nur einen Asiawok ins Nichts stellen kann, Opernhäuser sind natürlich INNEN vollbesucht, von AUSSEN aber natürlich total menschenleer und dunkel, sieht nämlich dramatischer aus, unsere Protagonisten sind sinnfrei in dramatisches blaues Licht getaucht und überhaupt: Hauptsache, eine Szene schaut nett aus, auch wenn es keinen Sinn macht. Was anderen Filmen schwindelerregend einfach gelingt – zum Beispiel beim abstrusen Setbau von Royal Tennenbaums oder auch bei Little Miss Sunshine –, wir hier zur Katastrophe. Warum ein offensichtlich im heute spielender Film nach 1979 aussehen muß und sich anfühlt wie eine alte Loriot-Folge, ist mir schleierhaft. Und es überzeugt visuell einfach nicht, das ist viel schlimmer, es verführt nicht. Wobei ich zugebe… unter dem Paradigma, es handele sich in Wirklichkeit um eine Art Loriot-Sketch, macht der Film DEUTLICH mehr Sinn. Sogar erschreckend viel mehr Sinn. Dieser Linie folgt das Drehbuch auch bei der Handlung, durch die sich immer wieder mal eine mittlere Cruise Missile einfädeln ließe, so groß sind die Plotlöcher. Logik braucht ein deutsches Drehbuch scheinbar eh nicht, ebenso wenig wie die Charaktere eine Art Motivation. Warum Jasmin Tabatabai so einen Hals auf Hannah Herzsprung hat… man weiß es nicht. Vielleicht ging es um die Frage, wer die dramatischer aussehenden Tränensäckchen hingeschminkt bekommen hat oder sowas. Keine Ahnung, der Film verrät es nicht. Wenn am Ende dann auch noch die Leiche vom Anfang des Films HAARGENAU so baumelt wie die tote Freundin von Frau Krüger (wir alle wissen, wenn zwei Mädchen im Nazi-Regime Händchen halten, dann geht das nicht gut aus, ja… also ist das KEIN Spannungsmoment, lieber Autor. Nicht … die… Spur), dann möchte man nur noch weinen, weil man so viele Klischeebilder in so kurzer Zeit selten so um die Ohren geschmettert bekam. Wenn der Holzhammer es nicht tut, liebe Leute, greift der Autor auch zur Kettensäge. Die kleinen Ladenmädchen werden es ihm danken.
Das wirklich schreckliche aber war, das uns zwei mitteljunge Damen aus der ersten Reihe, schwer ergriffen von der seifigen Dramatik des Streifens anscheinend, verboten haben, gar giftig über den Film zu tuscheln. Was uns irgendwie den ganzen Spaß verdorben hat, weil es SO viel schönes zu lästern gab – und e seigentlich den Film rettet, wenn man sich bei jedem gruseligen Moment High-Five gibt. Man möchte förmlich aus dem Film ein Trinkspiel machen. Jedesmal, wenn ein Kinoklischee kommt oder eine pseudosymbolische Flachheit, muss man einen Wodka trinken. Nach einem Viertel des Films bist du komplett betrunken, egal, wie hart deine Leber ist, mein Freund. Irgendwie spannend, das Leute feuchte Augen kriegen, wenn sie fiktional dargestellt sehen, wie fies Knuddellesben von Bösenazis behandelt wurden, dann aber ratzefatze selbst zu einer Art Bibliothekar-Faschist werden und Pssstpssstpssst machen müssen. Get a live, folks. Und schaut vor allem bessere Filme. Auf DVD. Zuhause. Am Nordpol. Danke.
Immerhin war der Trailer von Letters from Iwo Jima vielversprechend. Flags und Letters scheint ein sehenswertes Double zu werden,auch wenn ich Kriegsfilme verabscheue.
Ich werde jetzt losgehen und versuchen, mir diesen Film mit einigen Cocktails aus dem Kopf zu knallen. Warum ist unausweichlich jeder deutsche Film, den das Feuilleton lobt, unsagbar oberflächlich?
Jesus fucking Christ!!!!
2. Februar 2007 23:35 Uhr. Kategorie Film. 67 Antworten.
Wie schön, dass Kritiken subjektiv sind und jeder sich selbst definieren darf, was ein Klischee ist – aber eben auch, wann vielleicht das betrachtete Original jeden Gedanken an “Klischees” eigentlich sinnlos macht. Die Geschichte, die Begegnung der beiden Frauen, die Darstellung, das Drehbuch und die Visualisierung sind absolut stark und berührend. Wer natürlich bei jeder Szene dieses Films zig andere Filme, Serien und Vergleiche bemüht, scheitert an seinen Ansprüchen. Offene Ohren und offene Augen (offen im Sinne von: unvoreingenommen) würden helfen, eine objektivere (und dazu viel emotionalere) Sicht auf dieses Werk zu erhalten.
Sorry, Klischees sind nicht subjektiv, sondern absolut objektiv. AQ Ein Roland Emmerich hat nicht subjektiv, sondern objektiv einen gewissen Mangel an eigenen Ideen, und so ist es auch hier. Wenn in einem Film Handlung und Charakterentwicklung von Anfang an hervorsehbar sind, wenn der Plot aus zigtausendmal gesehenen Versatzstücken besteht, wenn man angesichts der ermüdenden Banalität auf der Leinwand fast peinlich berührt ist und wenn eben Drehbuch und Visualisierung nicht berührend, sondern nichtssagend und phrasenartig bleiben, dann ist das nicht subjektiv, sondern ganz ganz objektiv ein schlecht gemachter, ein schlecht gedachter Film, den auch die beiden guten Hauptdarstellerinnen nicht retten. Die Vergleiche bemüht man nicht, und wir waren durchaus unvoreingenommen in den Film gegangen, sie kommen eben automatisch, wenn man diesen Plumpaquatsch sieht. Weil NICHTS an diesem Film auch nur ansatzweise eigen und originell und neu und kraftvoll ist. Die Frage, warum man einen Film macht, der keinerlei eigene Note besitzt, keinerlei eigenes Bestreben, außer dem faden Aufguß tausendmal bemühter abgenudelter Recylclingversatzstücke der narrativen Popkultur. Mit anderen Worten: Kitsch auf dem Niveau eines Privatfernsehenfilms. Und selbst die sind besser, kann ich gar nicht mitereden, sich schau seit ewig kein TV mehr, kann ja besser geworden sein. An diesem Film ist SO wenig gut, daß dagegen andere schlechte Filme des vergangenen Jahres fast bemerkenswert sind.
Wie man nebenbei eine objektivere und zugleich viel emotionalere Sicht haben kann – ZUGLEICH neutral und gefühlig – das möchte ich ja mal gern wissen.
Subjektiv ist der Film so mies, das ich danach eine kleine Katze lebendig häuten wollte vor Wut. Ein grandioses Ärgernis und eine Beleidigung für mich als Zuschauer.
Objektiv ist es einfach nur Verschwendung von Zelluloid und ein weiterer deutscher FIlm mit Hype aber ohne Inhalt. Der handwerklich und inhaltlich einfach nicht viel mehr leistet als Fragmente angelsächsischer Vorlagen zu rezitieren. Und das auch noch in minderer Qualität. Der nichts neues gibt. Der NICHTS schafft. Was aber das Maß eines guten Films sein sollte. Man kann auch eine Bekannte Geschichte so erzählen, daß sie eine neue Struktur, Facette erhält. Das ist hier nicht der Fall. In diesem Potpourri sozialdemokratischer Gutmenschenhandlungsstandardzutaten ist nichts, was überrascht, nichts, was unterhält. Das schlimmste ist eben… der FIlm langweilt. Und vergeudet die Kraft zweier guter Darsteller und einer wirklich guten Kamerafrau. Schade drum.
Alter Lachs, Chris Kraus wird NICHT mein größter Fan werden, befürchte ich :-D.
Alles mit einer Prise Salz nehmen, please.
Wunderbar – ich bin nun davon überzeugt, den Film NICHT zu sehen :-)
Ohje, jetzt versteh ich…:-)
dieser titel aus dem film ist cool http://www.vierminuten.de/static/flash/flash.html
bzw. von der homepage des films….
stand gestern noch vor dem kino und habe mir überlegt reinzugehen,
habs dann doch nicht gemacht … war anscheind besser so.
“Vier Minuten” ist ein beeindruckender Film! Was hier einige überschwenglisch festhalten kann ich absolut nicht bestätigen.
Kurzum möchte ich dazu raten, dass sich jeder selbst ein eigenes Bild davon machen sollte – und nicht nur einseitige Propaganda adaptiert.
Don’t judge a book by its cover!
Viele Grüsse,
Tom
Propaganda? Meiiiister…
Man sollte generell nie nach Reviews einen Film beurteilen, oder? Ich hab nur gute Rviews gelesen und fand Vier Minuten grauenhaft.
Ist natürlich absolut OK die eigene Meinung (in diesem Fall wars wohl ‘grauenhaft’) zu vertreten.
Merkwürdig (Zweifelhaft) finde ich hierbei aber, dass dabei ein komplettes Referat wird. Da frage ich mich, wieviel davon einfache, verbale Selbstinzinierung ist.
Viele Grüsse,
Tom
lieber hd, ich glaub du hast mit dem enkel eines baptistenpredigers einen neuen fan! ;-)
Tom, das hier ist ein BLOG. Nicht Spiegel Online. Nicht Die Zeit. Es ist ein Tagebuch und meinethalber by its very definition *natürlich* verbale Selbstinszenierung. Hast du damit ein Problem, hab ich da eine einfache Lösung… lies es einfach nicht :-D…
Das gleiche gilt für Buch- und Plattenrezensionen. Das hier ist keine Zeitschrift. Und ein Referat schreibe ich nicht, das schreiben nun mal Schüler. Zumal der Text zu Vier Minuten auch für meine Verhältnisse recht kurz war (verglichen mit, sagen wir mal, Superman Returns, wenn auch nicht so kurz wie etwa The Departed ;-)). Wenn dir der Film gefällt, dufte, aber du hast es bisher nicht mal begründet. Und auf eine Begründung, die mir diesen Film irgendwie schönredet, bin ich ja mal ECHT gespannt.
Hallo, habe gestern den Film gesehen und fühle mich voll bestätigt in dem, was ich hier lese.
“Subjektiv ist der Film so mies, das ich danach eine kleine Katze lebendig häuten wollte vor Wut.”
Wunderbar, dieser Satz! Ich fand den Film entsetzlich überfrachtet und klischeehaft und war hinterher völlig erschlagen. So viel abgedrehte Schreierei und psychologisch unglaubwürdige Reaktionen – war das von irgendwelchen RTL-Satiren (“Frauen im Knast” oder wie heißt die Serie?) abgeguckt? Dass bei der furiosen Pianistenszene am Schluss nicht der Flügel in Stücke gegangen ist, hat mich nur gewundert. In einem echten Wettbewerb wären längst die Männer mit den Zwangsjacken gekommen, um das Klavier vor so viel Berserkertum zu schützen. Außerdem hatte ich dauernd gedacht, der Film spielte in den 50er Jahren oder so, erst als ich in einer Szene das Bild von unserem Bundespräsidenten an der Wand sah, wurde mir klar, dass er tatsächlich in der Gegenwart spielte. Gibt es solche Knäste heute überhaupt noch? Das allein wage ich sehr zu bezweifeln. Dabei waren die Schauspieler/innen wirklich gut, sie können ja nichts dafür, dass das Drehbuch so schlecht war. Da hat man aber wirklich alles reingepackt, was an Problemen und Gewaltexzessen so möglich ist in einem kurzen Leben. Noch ein Mord dabei, einige Vergewaltigungen und ein paar Diebstähle, und alles wäre perfekt gewesen.
Schrecklicher Film, total überfrachtet. Wieso habe ich bisher nur gute Kritiken darüber gelesen oder gehört?
Schelllack nennt das “meinen Text” – dachte immer, “Text” entsteht durch Sprache, nicht durch schnöseliges Gestammel… Die Cocktails haben wohl bereits mehr als nur schlechte Filme weggeknallt?
Junge, hier gehts ja rund :-D
Wenn doch Kritiker selber was machen müssten. Wie könnten wir ablachen!
Ach das alte Eunuchen-Argument. Wie novel. Es geht hier um ein massenmediales Produkt, das sich der Kritik jedes Konsumenten stellen muss und dies auch WILL… ansonsten würde der Film ja nur in kleinen erleuchteten Zirkeln gezeigt, gelle? Wer keine KRITIK verträgt… bitte, es gibt genug Praise für den Streifen, lest das dann doch einfach, wenn eure Meinung kein Kontra erträgt. Ansonsten: Schaut euch The God Shepherd an und überlegt, warum DIESER Film tatsächlich so gut ist, wie Vier Minuten nur angeblich sein soll.
He, he mal langsam! Es geht Ihnen doch nicht darum, ob der Film gut oder schlecht ist. Da hat sicher jeder das Recht seine Meinung zu haben – selbstverständlich auch Sie – nur das Manipulieren der eventuellen Neugier auf den Film anderer nervt. Ziemlich viel manieristische Originalitätsgier in Ihrer Rezension oder? ;)
Sockenschuss? Das hier ist keine Zeitung. Ich schreib, was mir in den Kram passt. Ums für mich festzuhalten. Den Anspruch von Neutralität gibts da gar nicht. Bitte die ZEIT oder FAZ lesen, wenns im professionelle Kritik geht, nicht ausgerechnet das hier. Und ich war nicht originell, ich war nur sauer, weil mir ein Film fast zwei Stunden meines Lebens geklaut hat, die mir keiner wieder gibt.
Ich habe selten einen so faszinierenden Film gesehen. Der Film hat mich sehr berührt und ich würde ihn am liebsten noch dreimal sehen. Eine so gute Kombination aus Musik, Kameraführung und Dialog habe ich selten genossen. ich finde den film sollte man sich auf keinen fall entgehen lassen, allein schon wegen den Schauspielern. Hannah Herzsprung hat ein unglaubliches Talent. Seht euch den Film an und bildet euch selbst eine Meinung…!
Endlich mal einer, der schreibt, warum er den Film gut findet, anstatt sich nur über mich aufzuregen :-D.
Herzsprung und Bleibtreu fand ich nebenbei, wie erwähnt, auch wirklich gut.
Ich fand den Film ebenfalls großartig. Es kommen zwar einige Klischees drin vor, die aber durch schauspielerische Leistung absolut wieder wettgemacht werden. Die eher altmodische Inszenierung (wahrscheinlich das, was du mit Loriot-Sketch-Atmosphäre meinst) und vor allem die Musik schaffen es den Film auf eine künstlerisch-emotionale Ebene zu heben, so dass die intensive Dramatik sich gut ins Gesamtbild einfügt.
Das Ganze ist eben kein Dokumentarfilm, sondern eher als leidenschaftliche Tragödie zu verstehen. Insofern macht auch die melodramatische Inszenierung durchaus Sinn.
Shakespeare bedient in seinen Stücken schließlich auch viele Klischees, und es sind genau diese dramatischen Effekte, die die Welt noch heute fasziniert.
Die Meinungen & Rezeptionen sind halt verschieden. Ich habe auch einige kritische Reviews gelesen (im Feuilleton der ZEIT wurde der Film übrigens, entgegen deiner Hasspredigt auf die deutsche Presse, mehr oder weniger verrissen…)
Merkwürdig finde ich allerdings, dass du in deinem Urteil kaum ein Wort über das leitende Thema des Films verlierst: Die Musik! Dabei hinterlässt die musikalische Einbettung, und die überaus gelungene Verknüpfung von klassischer & moderner Musik den größten Eindruck, und sollten nicht irgnoriert werden, auch wenn man den Film sonst nicht so mag.
An dem, der zum furiosen Finale nicht mehr zu sagen hat als ein kühles “wenig originell gemachtes, schönes und furioses Ding aus Kameraschnitt und Musik und macht Spaß”, tja, an dem ist der Film wohl eindeutig künstlerisch & emotional vorbeigegangen.
Schade!
PS.: Das Adjektiv “sozialdemokratisch”, dass du anscheinend als negativ empfindest, möchte ich in diesem Zusammenhang allerdings noch einmal erläutert haben.
Nun finde ich, daß das Motiv «Musik heilt Seele» in ungezählten Filmen bereits verbraucht und abgenutzt wurde, zuviel um sie auch nur ansatzweise aufzuzählen. Es ist ein entsetzliches Klischee und muss – sofern man denn unbedingt davon Gebrauch machen will – unbedingt meisterhaft genutzt werden, was hier meiner Meinung nach nicht ansatzweise der Fall ist. Man hat einfach das Gefühl, die gleiche Idee schon x-mal besser gesehen zu haben. Und ja, der Film ist eindeutig an mir emotional und künstlerisch vorbeigegangen, wir haben im Kino nicht mehr viel mehr gemacht als zu lästern über die scherenschnitthaften Charaktere, das vorhersehbare Finale, die aus der Welt der Soap-Opera stammenden Denouments. Kitschkino vom feinsten, und ganz ehrlich und mit allem Verständnis… wem das gefällt, der kann sich auch mit Sat-1-Filmen anfreunden. Andere Filmreviews hier zeigenja, das ich durchaus von Filmen zu begeistern bin. Aber Babel und Vier Minuten spielen nichgt mal ansatzweise in der gleichen Klasse.
Shakespeare auch nur im gleichen Atemzug mit diesem Drehbuch zu nennen, sorry, geht gar nicht. Zur Strafe einmal The Tempest lesen. ;-).
Mit «sozialdemokratisch» meine ich hier einen Film, der seinen Figuren keine Chance zur gebrochenen Authentizität einräumt, sondern lindenstraßenartige Klarheit braucht. Gut und Böse sind so unglaublich platt dargestellt und zudem auch noch so hirntötend flach präsentiert, dass man kreischen möchte. Roland Emmerich verzeiht man sowas, aber nicht einem Film, der mehr sein möchte als Popcorn-Entertainment. Sorry, Vier Minuten eignet sich für mich ideal als Trinkspiel. Jedesmal, wenn ein Filmklischee aufkommt, muss man einen Wodka trinken. Du schaffst es nicht durch die ersten 30 Minuten, I promise. Der Film begeistert sicher Menschen, die keinen Funken Zynismus im Leib haben, oder im Leben höchstens drei Filme gesehen haben, aber ansonsten…? Sorry, einfach nicht mein Ding. Ging mir bei «Die fetten Jahre sind vorbei» schon genauso. Riesenhype in den Feuilletons, und der Film war einfach schrecklich. (http://www.hdschellnack.de/?p=273) Vier Minuten ist in dem Sinne sozialdemokratisch, in dem auch Rudolf Scharping sozialdemokratisch ist: humorfrei, ironielos, innovationsfern, klischeeverhaftet, und uunterm Strich irgendwie ja gut gemeint, aber entsetzlich langweilig. Nix gegen Rudi persönlich…
Das ein Verweis auf Shakespeare-Blasphemie kommen würde, habe ich mir schon gedacht, und glaube mir, ich habe mich reichlich mit seinen Dramen beschäftigt. Es ging mir auch nicht um eine Nivellierung des jeweiligen künstlerischen Anspruchs, sondern um die Verwendung von Klischees, um Emotionen im Publikum hervorzurufen.
Ich kann deine Kritik absolut nachvollziehen: Das Drehbuch weist so manche Lücke auf, die Charaktere (insbesondere der Nebendarsteller) sind z.T. nicht überzeugend integriert worden: Welche Bedeutung hatte eigentlich der Vater?! usw.
Es geht hier, wie in einer Shakespeare-Tragödie nicht um Zynismus, oder um Realitäten, sondern um menschliche Leidenschaften. Ich habe einen guten Bekannten einmal eine ähnliche Kritik äussern hören, wie du. Dabei ging es um John Maddens “Shakespeare In Love”: “Unoriginelles, klischeehaftes Schmierentheater, wie aus dem Ohnesorg-Theater” sagte er damals, und übersah, dass es sich nicht um eine Biographie-Verfilmung handelte, sondern um eine Hommage an Shakespeares Stücke: Mit ebenso klischeehaften Wendungen, eigentlich ausgelutschten Crossdressing-Motiven, Liebe (!) und Leidenschaften, und zu allem Überfluss mit einem historisch höchst inkorrekten Happy-End mit Judie Dench als Elisabeth I im Globe-Theater…
Kann man alles unerträglich finden, wenn man sich nicht darauf einlassen möchte, aber hat trotzdem das Potenzial – schnulzig gesprochen – das Herz zu erheben, oder zumindest zu bewegen.
Ich halte Liebe, Hass, aber auch das “Kunst heilt Seele”-Motiv für ewige Themen, die sich auch in Zukunft nicht abnutzen werden, zumindest wenn sie gut präsentiert werden.
Daher kann ich dir zustimmen, was die technische Seite betrifft: Geschmackssache.
Allerdings polarisiert der Film wohl gerade deswegen so, weil einige sich davon berühren lassen wollen, und andere eben nicht. Die Bereitschaft muss eben da sein.
Und glaube mir: Ich bin alles andere, als ein naiver Kinogänger “ohne einen Funken Zynismus im Leib”. Aber manchmal tut es gut, den Zynismus draußen zu lassen.
Übrigens: Hättest du die ganze Zeit labernd hinter mir gesessen, wären wir wohl auch aneinandergeraten. Geschmack hin, Zynismus her…
Der Vater? War das Klischee des reumütigen Kindsvergewaltigers. Was ja an sich schon knirscht. Homosexualität, Strafvollzug, Faschismus, Kindervergewaltigung, Fehlgeburt… Vier Minuten ist eine Checkliste von solchen Themen. En oder zwei davon, okayokay… aber alle auf einmal? Zuviel des Gutmenschelnden. Zumal dann Herzsprungs Charakter auch noch VÖLLIG unschuldig war. Was einiges ihres Verhaltens im Film völlig unlogisch erscheinen lässt.
Das Shakespeare klischeebesetzt schreibt, müssten die Damen und Herren der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft mit dir durchdiskutieren. Ich persönlich würde das nicht so sehen. Abgesehen davon, dass der Mann das alles schon so früh geschrieben hat, dass es für uns erst ex post zum Klischee wurde, ist da vieles überraschend der Zeit voraus und frisch. Etwas schwierig, so alte Theaterstücke mit einem Drehbuch von heute vergleichen zu wollen. Zumal Shakespeare in Love mit dem Meister selbst NICHTS zu tun hat.
ich weiß nicht, ob dieses musiktherapeutische Thema nun ein «ewiges» ist. Ich freu mich sicher über jede clevere Umdeutung und jeden guten Ansatz. Aber ein simpler Aufguß bestehender Kinoklischees, die in Wort und Bild nicht EINE neue Idee, nicht eine Novität zu bieten haben, sondern nur Gefühlskino für das Bürgertum produzieren wollen… aua. Too little, too late.
Ich lasse mich gern von einem Film berühren, mich hat The Good Shepheard streckenweise wirklich mitgerissen, wenn auch nicht an den Stellen, an denen DeNiro darauf vielleicht spekuliert (Brautkleid), sondern in den ruhigeren Momenten… aber ich will nun wirklich nicht unbedingt von Seifenoper belästigt werden. Wenn ich bei einem Film nach drei Minuten wichtige Plotelemente RICHTIG vorhersagen kann, weil sie xxxx-mal bereits gezeigt wurden und das Drehbuch nichts anderes ist als zusammengeschustertes Recycling kultureller Fertigbausteine, dann bleibt mir wenig anders übrig, als zu lästern. Ehrlich, die Augsburger Puppenkiste ist innovativer.
Ich finde es sehr spannend, die anderen Meinungen zu lesen und nochmal drüber nachzudenken, ob die Kritiker, zu denen ich ja auch gehörte, zu hart waren. Aber ich bleibe dabei: Weniger wäre mehr gewesen. Was mich wirklich genervt hat, war diese absolute Überladenheit von möglichen Problemenstellungen. Homosexualität im Dritten Reich alleine hätte schon ein Stoff sein können, der für einen Problemfilm reicht. Aber es müssen auch noch unbedingt Inzest, Hass, Mord eines musikalischen Genies und alle möglichen anderen verwickelten Konstellationen dabei sein, einfach zu viel des Guten bzw. Schlechten. Übrigens typisch deutsch, weil pseudotiefgründig und für mich überhaupt alles pseudo, auch die Gefühle, die teilweise reine Hysterieausbrüche waren und mit wirklichen Gefühlen eigentlich nichts zu tun hatten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass so ein Film aus Frankreich oder Italien kommen könnte. Ein einfacher Film wie “Cinema Paradiso” oder “La Strada” berührt mich 100.000 mal mehr als so viel tiefgründelnder, problembeladener Schwulst.
Einen Film mit dem Herzen, dem Geist und der Seele zu schauen ist die Art und Weise wie ich an diese Kunst herangehe.
Es koennen alles so große KLISCHEES sein wie Sie denken und das beschreiben. Ich selbst lebe vielleicht nur STEREOTYPEN.
VIER MINUTEN ist für mich ein TRIP auf HOCHSPANNUNG. Es besteht die Möglichkeit diesen Film hochemotionalisiert zu erleben, wenn es dem Betrachter gelingt sich von all den Wertungs- und Beurteilungsmustern frei zu machen…
Vielleicht bedarf es dazu jedoch eines Zugangs zum Thema Gefängenschaft, Lehrer-Schüler-Verhältnissen, Erinnerungen…
Ich weiss nicht wem ich dafür danken darf einen Film unvoreingenommen und urteilsfrei auf mich wirken lassen zu können, einzusteigen in eine Geschichte und mich gefangen nehmen zu lassen… mich vollkommen einzulassen.
Ich bedanke mich und möchte diese Gabe gerne weitergeben.
Mein Verstand ist analytisch genug Defizite in meinen Lebenswelten aufzuspüren, doch meine Sensibilität lässt es zu mich nichtsdestotrotz “erwischen” zu lassen.
VIER MINUTEN hat mich “gepackt”.
Einen Film mit dem Herzen, dem Geist und der Seele zu schauen ist die Art und Weise wie ich an diese Kunst herangehe.
Es koennen alles so große KLISCHEES sein wie Sie denken und das beschreiben. Ich selbst lebe vielleicht nur STEREOTYPEN.
VIER MINUTEN ist für mich ein TRIP auf HOCHSPANNUNG. Es besteht die Möglichkeit diesen Film hochemotionalisiert zu erleben, wenn es dem Betrachter gelingt sich von all den Wertungs- und Beurteilungsmustern frei zu machen…
Vielleicht bedarf es dazu jedoch eines Zugangs zum Thema Gefängenschaft, Lehrer-Schüler-Verhältnissen, Erinnerungen…
Ich weiss nicht wem ich dafür danken darf einen Film unvoreingenommen und urteilsfrei auf mich wirken lassen zu können, einzusteigen in eine Geschichte und mich gefangen nehmen zu lassen… mich vollkommen einzulassen.
Ich bedanke mich und möchte diese Gabe gerne weitergeben.
Mein Verstand ist analytisch genug Defizite in meinen Lebenswelten aufzuspüren, doch meine Sensibilität lässt es zu mich nichtsdestotrotz “erwischen�? zu lassen.
VIER MINUTEN hat mich “gepackt�?.
Ein Freund rief an: vier Minuten ein Muss!! Also im Internet erkundet wo läuft der Film und worum gehts und auch gleich die erste Kritik gelesen und natürlich angespitzt durch die heftige Antihaltung mit kritischem Auge verfolgt.
Richtig ist, dass es viele unlogische Erzählstränge gibt, die nicht zum Wesentlichen beitragen und soll es eine Liebesgeschichte sein oder….das bleibt letzlich auch offen.Wer liebt wen oder nutzt wen bis hin zum Akt des getrennten Ehepaares.Welche Schande heut lesbisch zu sein, und der Schnapspapa, Inzest,Misshandlung, die Totgeburt, und Musiktherapie im Knast, und natürlich das Wokset…und dann die Moral und das Opfer, und dann wirds tatsächlich auch langweilig, denn die Ideenvielfalt bezieht sich nicht logisch aufeinander.
Dass die beiden hervorragenden Hauptdarstellerinnen aber gegen die Erwartung spielen ist in der Tat überraschend und beglückend, Hut ab. Damit ist der Film gerettet.
Ich kann es einem Jungfilmer nicht verübeln, dass er sein Werk mit spekulativen ” Plattheiten ” spickt in der Angst nicht zu genügen. Das ist schade, denn der Film hätte richtig gut sein können, wenn eine Situation genau erzählt worden wäre.
Aber wieviel Schrott hab ich schon auch von erfahrenen Filmern anschauen müssen und wer setzt denn hier die Maßstäbe?
Dieser totale Hass woher kommt denn der ?
Was wäre zum Beispiel, wenn es sich um ne Biographie handelt, die deratig komplex ist, dass er das einfach nicht sortiert bekommen hat und wollte aus Loyalität der wahren Geschichte gegenüber auf nix verzichten?
Natürlich absurd ihn mit Shakespeare oder Fellini zu vergleichen.
Die Priorität des heutigen Abends lag bei den Darstellern und das war großartig und rechtfertigt die gesamte Veranstaltung.
EIN MUSS bleibt dieser Film fuer mich, auch wenn ich heute noch einmal ueber diese ganzen Krtiken schaue!!!
Was ist denn das wesentliche ELEMENT von Schauspiel in Film oder Theater?
Das sind immer die Schauspieler, bleiben die Schauspieler.
Sicherlich gibt es diverse filmisch verarbeitete oder auf im weitesten Sinne Bühnen präsentierte künstlerische Arbeiten verschiedenster Gattung von Musik über Performance bis zum Tanz oder eben allem und mehr, die ohne das SCHAUSPIEL auskommen und trotzdem großen Gehalt haben, wirken…. doch immer dann wenn es um schauspielerischen Einsatz im Zentrum einer erzählten Geschichte geht, dann setze ich genau dort auch an mit einer (falls notwendigen) Kritik.
Um mich auch noch einzureihen in den Reigen der durch alle Jahrhunderte geführten Vergleiche. Es gibt einen Theaterregisseur Jürgen Kruse, der Arbeiten abgeliefert hat, die einen wilden Assoziationsraum bieten -
In so etwas sehe ich eine Qualitaet. Ich bin ein selbst denkender Mensch mit einer Phantasie, wie sie jeder Mensch hat, wenn er sie nur bemüht und zulässt. Verschiedene Erzählstränge, wnn ich es einmal in der Sprache meiner Vorredner ausdrücken darf, zu eröffnen und nicht alle logisch zu Ende zu bringen und zu verknüpfen finde ich großartig… mein Hirn ist angeregt weiterzuspinnen und zu vernetzen, denn ich bekomme keine Lösungen serviert.
Gewollte oder unbeabsichtigte “Ungereimtheiten” finde ich also dementsprechend höchst anregend.
Dieser Film reisst eine Geschichte aus dem Leben, eine Geschichte aus der Zeit und flechtet sie ein in Versatzstücke aus dem davor, gibt Anregungen für ein eventuelles danach… Erinnerungen, Teilinformationen und natürlich mit Mitteln der Komödie auch unterhaltsame Strecken – diese machen die Intensität über große Strecken erträglich –
Ich war dankbar über Platheiten lachen zu dürfen und nehme zwar das Wort meiner Vorredner, doch finde ich, dass auch Plattheiten ein mögliches Gestaltungselement sind.
Nein, ich betreibe hier keine SCHÖNFÄRBEREI/SCHÖNREDEREI – ist nur ein Anstoß auch anders auf die Dinge zu schauen…
GERADE deswegen (was hier alles als verwerflich kritisiert und sogar beanstandet wird), mindestens aber TROTZDEM bleibt es für mich eine ergreifende und mich noch lange bewegende Erzählung aus dem Leben, die, um es mit fremden Worten zu sagen, in der Lage ist TRAUERARBEIT zu leisten.
DANKE
EIN MUSS bleibt dieser Film fuer mich, auch wenn ich heute noch einmal ueber diese ganzen Krtiken schaue!!!
Was ist denn das wesentliche ELEMENT von Schauspiel in Film oder Theater?
Das sind immer die Schauspieler, bleiben die Schauspieler.
Sicherlich gibt es diverse filmisch verarbeitete oder auf im weitesten Sinne Bühnen präsentierte künstlerische Arbeiten verschiedenster Gattung von Musik über Performance bis zum Tanz oder eben allem und mehr, die ohne das SCHAUSPIEL auskommen und trotzdem großen Gehalt haben, wirken…. doch immer dann wenn es um schauspielerischen Einsatz im Zentrum einer erzählten Geschichte geht, dann setze ich genau dort auch an mit einer (falls notwendigen) Kritik.
Um mich auch noch einzureihen in den Reigen der durch alle Jahrhunderte geführten Vergleiche. Es gibt einen Theaterregisseur Jürgen Kruse, der Arbeiten abgeliefert hat, die einen wilden Assoziationsraum bieten -
In so etwas sehe ich eine Qualitaet. Ich bin ein selbst denkender Mensch mit einer Phantasie, wie sie jeder Mensch hat, wenn er sie nur bemüht und zulässt. Verschiedene Erzählstränge, wnn ich es einmal in der Sprache meiner Vorredner ausdrücken darf, zu eröffnen und nicht alle logisch zu Ende zu bringen und zu verknüpfen finde ich großartig… mein Hirn ist angeregt weiterzuspinnen und zu vernetzen, denn ich bekomme keine Lösungen serviert.
Gewollte oder unbeabsichtigte “Ungereimtheiten�? finde ich also dementsprechend höchst anregend.
Dieser Film reisst eine Geschichte aus dem Leben, eine Geschichte aus der Zeit und flechtet sie ein in Versatzstücke aus dem davor, gibt Anregungen für ein eventuelles danach… Erinnerungen, Teilinformationen und natürlich mit Mitteln der Komödie auch unterhaltsame Strecken – diese machen die Intensität über große Strecken erträglich –
Ich war dankbar über Platheiten lachen zu dürfen und nehme zwar das Wort meiner Vorredner, doch finde ich, dass auch Plattheiten ein mögliches Gestaltungselement sind.
Nein, ich betreibe hier keine SCHÖNFÄRBEREI/SCHÖNREDEREI – ist nur ein Anstoß auch anders auf die Dinge zu schauen…
GERADE deswegen (was hier alles als verwerflich kritisiert und sogar beanstandet wird), mindestens aber TROTZDEM bleibt es für mich eine ergreifende und mich noch lange bewegende Erzählung aus dem Leben, die, um es mit fremden Worten zu sagen, in der Lage ist TRAUERARBEIT zu leisten.
DANKE
@Tobias. Sorry, Dude. Ich schaue einen Film mit den Augen. Und das zentrale Element eines Films oder eines Theaterstückes sind für mich nicht die Schauspieler. Da würde man Dramaturgie, Drehbuch, Setbau usw schrcklich unrecht tun. Schauspieler stehen da un tun, was ihnen gesagt wird… nein, das ist gemein. Sorry. Aber Theater und Film ist sehr viel mehr als ein Actor-Meeting.
Ich hab übrigens keinen Hass auf den Film, er ist einfach nur nicht gut, fertig.
Und, so sorry, aber wer ernsthaft das Wort «Trauerarbeit» verwendet, soltle zur Strafe die Jahrgänge 1985-2005 der Titanic lesen ;-D. Nix für ungut. Aber der Film ist eben wirklich für Menschen gemacht, die Worte wie Trauerarbeit echt im Kopf haben. Das ist das, was ich weiter oben mit «sozialdemokratisch» meinte.
[...] Schellnack sieht zuviel Klischees, Tivoli fand “Vier Minuten” sensationell gut, Mehr Licht “absolut packend”, critic.de den “Plot glaubwürdig und den Film berührend”, die evangelische Filmarbeit hält ihn für “ein gelungenes Plädoyer für die Chance, sich aus aufgezwungenen Mechanismen und persönlicher Verschlossenheit lösen zu können.” [...]
Liebe Leser,
meine Worte sind geschrieben.
(siehe oben)
Allen Kinogängern wünsche ich ein sie persönlich ergreifendes Erlebnis.
Tobias
Sehr geehrte Kinogaenger, Cineasten, Zuschauer und Gesprächs- respektive Schreibpartner,
angenehm ueberrascht bin ich von einem solchen Forum, das den Austausch ueber KUNST im speziellen, weitesten und allgemeinen Sinne ermöglicht.
Ich entschuldige mich an dieser Stelle sehr fuer meine Ignoranz gegenüber den Aussagen und Werturteilen einiger Forumsteilnehmer auf die ich nicht oder zumindest nur äußerst unwesentlich eingegangen bin, selbst, wenn sie sich auf meine Standpunkte bezogen.
Selbstredend verschwende ich keinen Gedanken oder Kommentar an Aussagen meiner “Vorredner”, die sie selbst disqualifizieren. Ich bin der Ansicht das jeder mit ein wenig Reflexionsvermögen selbst erkennt welche Argumente sich selbst aushebeln und allenfalls kurzzeitig verblüffen.
Es gebührt einer gewissen Sitte der Kritik, mit seinen Urteilen, Bezügen, Spekulationen oder Vergleichen nicht in einem Atemzug Unbeteiligte zu diffamieren. Aussagen dieser Art kann ich leider nicht ernsthaft beachten, da sie voraussetzen wuerden erst einmal die Parameter zu deffinieren, um auf einer gleichen/mindestens ähnlichen Ausgangsbasis zu stehen, bzw. die des Gesprächpartners zu kennen.
Abschließend zum Thema Schauspieler und ihrer Bedeutung für den Film (ich spreche in diesem Zusammenhang immer von den Genres an Filmen, deren Erzählung über die Handlung von Darstellern in Situationen vermittelt wird und deren Inhalte die “Schicksale” von Figuren vermitteln, die stellvertretend für reale Lebenswelten stehen – ACHTUNG: NICHT AUSSCHLIESSLICH BIOPICS!!! -) möchte ich mich auf eine Begegnung mit einem Mönchen beziehen, der mich als seinen Schüler fragte: “Was denkst du ist das wichtigste im Leben?”
Ich gruebelte einige Zeit über diesem KOAN, bis ich solch banale Antworten gab wie Nahrung, Wasser, der Mitmensch – Er nahm mich beim Schopfe und tauchte meinen Kopf unter Wasser. Schon nach wenigen Sekunden wand ich mich nach Luft japsend aus seinem Griff. Er antwortete: “Der Mensch kann einige Tage ohne Wasser weiter existieren, sogar lange Zeit ohne Nahrung und die Einsamkeit raubt ihm nicht so schnell sein Leben. Doch ohne den Atem kann er kaum eine Minute aushalten.”
Ich selbst bin ein großer Liebhaber sauber gearbeiteter Filme und genieße die Gesamtkomposition eines filmischen Werkes mit Bild, Ton, Musik, Schnitt etc., doch wenn ich selbst das geistige Experiment anstrenge mir aus einem Film mal das eine, mal das andere Element herauszudenken oder aber mir in seiner schlechtesten mir erdenklichen Ausfuehrung vorzustellen, komme ich immer wieder zu einem Ergebnis: OHNE den SCHAUSPIELER vermittelt sich die Erzählung über menschliche Schicksale kaum mehr. Nur durch seine Leistung (es sei dahingestellt, ob diese aus technischer und handwerklicher Perfektion Regieanweisungen umzusetzen oder aus schöpferischer Eigenarbeit sich zusammensetzt)kommen wir in den “Genuss” der Fabel.
Mir ist bewusst, dass dieser BLOG sich um den Film VIER MINUTEN bemüht und nicht allgemeine Statements, doch in diesem Fall ist es mir eine Not die Lanze zu brechen für den SCHAUSPIELER/die SCHAUSPIELERIN. Ohne ihn gäbe es mit Sicherheit exzellente und ergreifende Kunstprodukte nicht jedoch die “Erzählung” im engsten Wortsinn. (Wie immer findet der neutrale Begriff auch hier seine Anwendung und schließt sowohl die weiblichen als auch männlichen Vertreter dieser Zunft ein.)
Ich bedanke mich herzlich für das Interesse an diesem kurzen Exkurs.
Tobias Junglas
Sehr geehrter Herr Tom Robbins,
um Sie besser einornen zu koennen interessiert mich, ob Sie der Autor des Buchs VILLA INKOGNITO sind.
Nur Ihr Name und dies: Don’t judge a book by its cover!
verleitete mich zu dieser Annahme.
Vielen Dank für eine Information
Wie geil eigentlich, daß sich alle über diesen Eintrag aufregen und nicht über andere Filme… vielleicht sollte ich öfter mal deutsche Filme in den Boden stampfen :-D
Erstaunlich, was hier so abgeht. Ich bin der Regisseur von VIER MINUTEN und freue mich, wenn mit den Füßchen gestampft oder in die Hände geklatscht oder auch auf leidenschaftliche Weise gegähnt wird, denn letztlich ist jeder Film ein Versuch zu kommunizieren, was in diesem BLOG offensichtlich funktioniert. Im übrigen ist es wirklich ein hübsch geschriebener, lustiger Verriß, Herr Schellnack. Auf Ihr Talent und Ihre Galle sollten Sie stolz sein, aber nicht so stolz, daß dies durch den Text schimmert. Das bringt Sie nicht weiter. Bleiben Sie angreifbar,
das wünscht von Herzen
Chris Kraus
Ach ne komm, Mann, ich sehe das ja alles mit Humor.
Und ich freu mich für euch, dass der Film so begeistert, dass hier so viele Leute Sturm laufen. Ein größeres Kompliment gibt’s doch gar nicht ;-D
Lässige Reaktion, Chapeau…!
Das ist ja hervorragend, dass sich Herr Kraus hier einfindet. Es ist für mich kaum erklärbar, wie sie nach dem Scherbentanz einen derartigen Mist vom Stapel lassen konnten. Dem werten Verfasser dieses Blogs möchte ich voll beipflichten und dafür danken, dass hierdurch hoffentlich viele Menschen vor der Geldverschwendung eines überflüssigen Kinobesuchs bewahrt blieben. Dieser Film ist vom Plot her zu billig für RTL oder SAT1. Alleine die völlig abwegigen Konstellationen, die hier ein Netzwerk aus cineastischer Stümperei bilden: Opulente Kirche im atheistischen Brandenburg (Ist das die Knastkapelle oder hat man die Mörder in die Kathedrale verfrachtet?), Knastpsychologin und einer der Wärter sind Expaar, zerstritten, unterschiedliche Auffassung von Vollzug, vögeln am Ende wieder (was sollte das?), was sollten die Klavierträger, deren düstere Vergangenheit so aufdringlich dämlich hervorgehoben wurde? Wie kann eine lesbische Frau, die von den Nazis durch den Mord an deren Freundin in den psychischen Abgrund gestürzt wurde zu schwarzer Musik übertrieben oft und abfällig Negermusik sagen. Hat sie durch den Verlust nichts gelernt? Sie wird doch als eigenwillige, systemkritische Frau dargestellt. Dadurch wird die Figur völlig lächerlich gezeichnet. Ein unverzeihlicher logischer Fehler, der die ganzen Rückblenden in die Nazizeit völlig gegenstandslos macht. Was soll dieseer dümmlich dargestellte Wärter, der nicht mal als Schülerlotse geeignet erscheint? Was haben sie sich bloß dabei gedacht, Herr Kraus. Dieser Film hat das Niveau der Lüneburger Heide: Ziemlich flach.
Die Vögel sind Kraniche und wer ihren Ruf nicht mit Freiheit und Fernweh assoziiert, ist entweder gefühlskalt, absolut ungebildet oder hat ihn nie gehört. Dem Frauenknastklischee stimme ich zu.
Ansonsten fand ich den Film brilliant, wollte ihn auch schon rezensieren, aber mir fehlt der Atem. Finde, es geht hauptsächlich um die Unmöglichkeit einer Bewältigung des Nationalsozialismus. Sehr genial die Reaktion der übrigens hinreißenden Anna Herzsprung: “Soll ich jetzt heulen oder was?�? Jegliches Erzählen nähert sich dem Kitsch an, wird brüchig und erstirbt.
Auch die Kritik an Positivismus und Halbbildung für die der Auswendiglernende Wächter steht, ist adornesk in ihrer Tiefe. Aufklärung bringt eben nichts, wenn sie nicht Erfahrung einbezieht. Wobei die Lehrerin ja selbst in ihrer Abscheu vor Negermusik und Disziplinlosigkeit dem Adorno noch erstaunlich nahesieht.
Interessant. Richtig abkotzen tut gut…. oder? Ist immerhin eine der Möglichkeiten, is ja nur ein Blog, die Grenze zwischen Meinung und Beleidigung kann hier wohl bedenkenlos überschritten werden. Geschmacksache. Nicht meine Wahl der Möglichkeit. Aber im Sinne einer plakativen Diskussion? Also sei’s drum.
Zum Thema an sich:
Es sind wirklich viele Klischees und Plattheiten in dem Film. Warum? Ist nicht nachvollziehbar. Man hätte sich auch mehr auf die Figuren und ihre Persönlichkeit verlassen können. Der Konflikt ist krass und packend, auch ohne die ganzen Erklärungen, die den Film etwas überfrachten und in ihrer Kürze eben klischeehaft sind. Trotzdem sollte man sich davon nicht abhalten lassen. Der Film hat dank seiner Hauptdarstellerinnen und Judith Kaufmanns Kameraarbeit eine enorme Kraft. Die durchaus den Film trägt.
Natürlich ist es schwer, sich darauf einzulassen, wenn man zu sehr mit den Klischees, die des Filmes und ich wage zu behaupten, den eigenen, beschäftigt ist.
Wer anprangert begibt sich aber auch auf dünnes Eis und sollte wasserdicht sein, auch in seiner “Wut�? (“… Opernhäuser sind natürlich INNEN vollbesucht, von AUSSEN aber natürlich total menschenleer und dunkel, sieht nämlich dramatischer aus, unsere Protagonisten sind sinnfrei in dramatisches blaues Licht getaucht und …)
Wenn alle drin sind, ist keiner draussen. Vollbesetzte Häuser wirken oft seltsam verlassen. Konzentriert nach innen hin. Nur lautes Klatschen weist manchmal auf die laufende Vorstellung, auf das vollbesetzte Haus hin. So mein persönliche Erleben.
Dramatisches Blau ist die übliche Beleuchtung auf der Hinterbühne, wenn die Vorstellung läuft. Kein Klischee – Tatsache.
Alles in Allem find ich es gut, das es Filme gibt die polarisieren und das es Foren gibt, wo das sichtbar wird.
Wenn du meine anderen Reviews liest, weißt du, das ich sonst nicht so «abkotze». Hat irgendwo auch seine Bedeutung, befürchte ich.
Und die Kamerarbeit fand ich auch wirklich gelungen. Mainstreamig und zu bildverliebt, aber sehr solide und mit viel Gespür.
Und ich kenne kein Theater, kein Opernhaus, wo es draußen so photogen leer ist: Hier dominiert das Bild, der gewollte Eindruck. Was ich völlig richtig und gut finde, Film ist inszenatorisch und sollte in starken Bildern denken. Ich frage mich nur, warum es hier so gewollt und aufdringlich wirkt. Vielleicht, weil es nicht zuur Story paßt. Bei den Royal Tennenbaums passt die wunderbar surreale Bildwelt zum Film, hier clasht mir zu vieles. Das reißt immer wieder aus der eigentlichen Geschichte, Setbau stellt sich nicht in den Dienst der Geschichte, sondern etwas zu eitel davor.
Und narrativ ist es für mich als Besucher unbefriedigend, wenn ich einen Film von A bis Z voraussagen kann. Ein TV-Film kann sich solche parasitäre Nacherzählung leisten, ein Kinofilm – zumal einer mit solchen Vorschusslorbeeren – Gott, da ist doch KLAR, dass die Fallhöhe und die Enttäuschung eine andere ist, hm?
RAINER SPEIDEL:
“Wenn alle drin sind, ist keiner draussen. Vollbesetzte Häuser wirken oft seltsam verlassen. Konzentriert nach innen hin. Nur lautes Klatschen weist manchmal auf
die laufende Vorstellung, auf das vollbesetzte Haus hin. So mein persönliche Erleben.
Dramatisches Blau ist die übliche Beleuchtung auf der Hinterbühne, wenn die Vorstellung läuft. Kein Klischee – Tatsache.”
HD SCHELLNACK:
“Und ich kenne kein Theater, kein Opernhaus, wo es draußen so photogen leer ist: Hier dominiert das Bild, der gewollte Eindruck. Was ich völlig richtig und gut finde, Film ist inszenatorisch und sollte in starken Bildern denken. Ich frage mich nur, warum es hier so gewollt und aufdringlich wirkt. Vielleicht, weil es nicht zuur Story paßt. Bei den Royal Tennenbaums passt die wunderbar surreale Bildwelt zum Film, hier clasht mir zu vieles. Das reißt immer wieder aus der eigentlichen Geschichte, Setbau stellt sich nicht in den Dienst der Geschichte, sondern etwas zu eitel davor.”
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Aus diesem kurzen Austausch wird deutlich wie sehr die Autoren der Artikel jeder aus seiner Sichtweise auf das Kunst-Film-Werk Recht behalten werden, egal wie lange noch auf den Wogen der Argumentation hin und her gesurft werden wird.
Herrn Schellnack moechte ich, trotz seiner geradezu genialen Faehigkeit und Gabe der Argumentation und ebenso der Begabung um “ueberhoerbare” Argumente einfach herumzuschiffen, doch zu bedenken geben, dass sich nicht nur ein Setbau eitel vor die Geschichte zu stellen vermag, sondern auch eine Argumentations- und Streitetikette sich in Eitelkeiten zu verlieren drohen kann.
Es sollte zu der Faehigkeit eines Rezipienten gehoeren sich nicht allzusehr von den aeußerlich produzierten Fallhoehen gefangen nehmen zu lassen, sondern selbst zu bestimmen von welcher Hoehe man startet. Jeder besitzt die Freiheit, besonders ein reflektierender intelligenter Mensch wie Sie Herr Schellnack, selbst zu bestimmen, mit welcher Erwartungshaltung ich einsteige in eine Sache. (“Fehler sind falsche Erwartungen” – Clemens Kuby)
Das aeußerlich leere Opernhaus kann einer als gewollt sehen, ein anderer als Plattheit oder ein Zuviel an Inszenierung. Ungewoehnlich ist es keineswegs… und das nicht einmal in Berlin – an keinem der großen Häuser im Uebrigen. Ueberall kann man diese Situation nicht selten erleben. Natuerlich kann man sich geschmaecklerisch darueber auseinandersetzen, ob es der Geschichte (auf welche Weise ist es hinderlich?) dienlich ist.
“Verlassenheit” als ganz reale Wirkung ist in diesem Zusammenhang kein falscher dramaturgischer Eindruck, der sich mir im Nachdenken darueber erst stellt. Im Moment des Schauens empfand ich keinerlei Unstimmigkeiten.
Klar gebe ich einigen Kritikpunkten Ihrerseits, Herr Schellnack, deutlich Recht, was fuer mich, einem sehr wohl kritischen Zuschauer, noch zusaetzlich fuer die hohe Qualitaet der ueberwiegenden Elementen dieses Filmes spricht, wenn erstere es nicht geschafft haben das Gesamtbild derartig einzutrueben.
Ich moechte eingestehen, dass ich selbst allein in Anbetracht meiner an Zahl niedrigeren Jahre und bestimmt auch der Frequenz meiner Filmbesuche, weit weniger visuelle Kapazitaet und Kompetenz besitze als Sie Herr Schellnack und doch:
Wissen erst macht das Leben erst richtig spannend und man sieht nur was man weiss zwar, doch der naiver betrachtende Zuschauer lebt manchmal staunender und verwunderter ueber die Phaenomene der Welt. Das ist kein Plädoyer fuer as Nicht-Wissen, sondern fuer die sich zu bewahrene Faehigkeit eines dialektischeren Blickes auf die Kunst, eines zugleich kindlichen als auch kritikfaehigen Blickes.
Aus einer Melange von beidem zu einem mittleren Weg ergibt sich ein deutlich annehmbareres Urteil…
Und doch, im Sinne der Dialektik, bin ich dankbar fuer Ihre manchmal sehr daneben liegenden und unanstaendigen Bemerkungen Herr Schellnack, weil Sie einem zu denken geben. Sehr wohl!!! Und sich daran zu reiben, ohne sich an den unklugen Zwischetoenen aufzureiben, das ist ein großartiges Uebungsfeld.
Vielen Dank
Ich habe den Film gerade erst gesehen und fand ihn gut. Bin aber vor allem von der wilden Debatte begeistert, in der jetzt eigentlich schon alles (mehrfach!) gesagt ist. Aber das es jemand wagt, diesen Film mit de Niros Machwerk “Guter Hirte” zu vergleichen, kränkt mich tief. Dieser aufgeblasene Kostüm-Mist, wo einfach NICHTS passiert, sollte nicht in einem Atemzug mit “Vier Minuten” genannt werden. Aber wenn wir schon mal dabei sind, hier eine Aufstellung:
good shepherd: 150min gediegener langeweile mit haesslichen frisuren
4′: drama, gefühl, action, durchaus auch spannung
gs: leere hülsen von figuren, grottigste schauspielerei, die sich auf whisky-glas- halten beschränkt
4′: überzeichnete, aber anrührende charaktere (mütze!), prima gespielt
gs: ausharren, hoffen, das noch IRGENDWAS läuft, nur noch kopfschütteln bei der frau-aus-dem-flugzeug-szene, den ewigen “ich habe bezahlt und muss auch bis zu ende gucken”-ethos verfluchen
4′: weinen um die einsame alte frau, genuss der furiosen abschluss-szene
gs: wirklich schade um das viele geld, das ins klo gekippt wurde, um diese hochglanz-schmonzette zu verbrechen
4′: geiler spät-ddr-”polizeiruf”-look – ich dachte der film würde in luckau spielen, da passt die optik
Vielleicht habe ich im Leben zu wenig RTL-Frauenserien geguckt, um das beurteilen zu können, aber ich fand den Film nicht rührselig, sondern wirklich rührend. Die Nazi-Story war ein bisschen viel wie auch sonst sicher manches, aber die Klaustrophobie dieser Zeit war zumindest einfach gut, in wenigen Bildern angedeutet. Ein bisschen sehr auf den internationalen Markt geschielt, schien mir. Es war nicht real, sondern ein Märchen, und wenn man das so begreift, kann mans auch einfach genießen.
Wer bei «Der Gute Hirte» meint, es passiert nichts, der verdient es auch ECHT, Vier Minuten GUT zu finden. Das passt dann schon. :-D
HIER: Beispiel der Ignoranz meiner Aussagen von Herr Schellnack!
Du findest deine EIGENEN Aussagen ignorant? Meister… don’t be so hard on yourself.
HIER: Beispiel dafür wie Herr Schellack einen Formulierungsfehler (bei seiner Intelligenz traue ich ihm zu meine Aussage verstanden zu haben) nutzt das Rad zu seinen Gunsten zu wenden.
(er wird es auch jetzt wieder schaffen!!!)
FAZIT: SORRY (mit Schellacks Worten): es lohnt hier nicht weiter zu kommuniziren.
(wahrscheinlich genau das beabsichtigte ZIEL erreicht (bewusst unklar!!!! – herr schellack wird es zu nutzen wissen))
geht es hier eigentlich noch um den film oder um die kritik von HD??????
Ziel?
Zu meinen Gunsten?
Zuviel Sun Tzu gelesen?
Hier gibt es keine Ziele. Ich habe meine Meinung zu einem Film für mich festgehalten. Und andere Leute haben eine andere Meinung, was ich einerseits voll akzeptiere, womit ich aber andererseits auch gern etwas polemischen Fun habe.
Ich finds ja voll okay, wenn Leute The Good Shepherd schlecht finden und Vier Minuten dufte. Muß so sein. Muß Leute geben, die bei Rosamunde Pilcher Gefühle kriegen und nicht bei Amy Hempel oder Jon Fosse. Die Andre Rieu für Klassik halten und nicht Glenn Gould. Die Kind of Blue nicht verstehen, aber Herbert Grönemeyer für begnadet halten. Jesus, Geschmäcker sind verschieden und jeder Geschmack findet sein Produkt. Mein Geschmack tendiert nicht in Richtung falscher Bombast und aufgepappte große Gefühle. Und wer Bob deNiros Film nicht versteht, die emotionale Wucht und historische Spannbreite nicht in den Kopf kriegt, der wird auch auf Theaterstücke abfahren, die ich overacted finde oder Musik mögen, die ich als kitschig empfinde. Ich will da niemanden missionieren. Dieeinen mögen Schweinchen Wilbur, die anderen SAW, ich freu mich auf den Letzten König von Schottland. So ist das Leben. Ich ärgere mich ja nur, aus Versehen ein Rosamunde-Pilcher-Buch gelesen zu haben. Ich hab den höchsten Respekt vor der Arbeit, die in so einem Produkt steht, wie ich auch den höchsten Respekt vor dem Aufwand einer André-Rieu-Tournee habe. Ich würde mir persönlich eben nur wünschen, das gleiche Herzblut würde in etwas stecken, was mich auch nur näherungsweise berührt und nicht einfach nur wütend macht, weil es so oberflächlich und blutarm bleibt. Auch Leute, die von Rieus Kitschklassik berührt sind, oder von Pilchers Wortmüll, sind beleidigt, wenn man auf die untere Mittelklasse der Qualität dessen, was sie berührt, verweist.
Und jemand, der große Gefühle in Vier Minuten findet und denkt, in Good Shepherd passiere nichts… der, mea culpa, ist abgestumpft und braucht eine große fette dicke Ladung ponroartigen Kitsches, um überhaupt noch zu empfinden. Mir vorzuwerfen, ich sei zu abgestumpft, um die sensiblen Seiten von Vier Minuten wahrzunehmen und dann de Niro nicht zu verstehen, das hat schon Format. Nur leider eben TRAURIGES Format. Das ist dann eben bei Pilcher weinen und einen Jon Fosse nicht kapieren. Sätze wie «weinen um die einsame alte Frau» untermauern das ja nun mal auch. Sorry, bei so Sachen werde ich etwas nickelig und das ist auch richtig so. Shepherd und Minuten sind nicht mal in der gleichen Arena, nicht mal in der gleichen Stadt, nicht mal im gleichen Land, was die Qualität angeht.
Und das ist auch kein Snobismus. Ich steh ja auch dazu, dass ich die Bon-Scott-AC/DC und ich liebe Trash. Ich bin beileibe kein Gourmet-Snob. Aber wenn ich 100 Minuten lang einen Film sehe, der nur aus Versatzstücken bereits unzählige Male wiedergekäuter Grasmasse besteht und dessen einzige Leistung ist,d diese Kulturtrümmer aufs abstruse aufeinander zu stapeln… ach ne, da darf man eben auch mal zickig sein. Meine meisten anderen Reviews sind ja durchaus viel freundlicher, selbst The Good German ließ sich noch irgendwie irgendwo was abgewinnen.
Und sowieso… der Film ist doch alt. Ich meine, ich hab seitdem vier oder fünf andere und bessere Filme gesehen. Life goes on.
Take it easy, Arno, Tobias schreibt ja nicht mal meinen Nachnamen richtig, das geht dann nicht als Kritik durch bei mir.
REAKTION WIE ERWARTET
Mann, so viel Menschenkenntnis und die CapsLock-taste kann er auch bedienen :-D
Ah sorry, ich werd bissig :-D. Nix für ungut, Mate.
@HD haste mal seine vita auf der hp gelesen? :-)
Ne, wieso?
Welche HP?
Ist ja auch egal, unabhängig von der Vita steht ja ein Kommentar für sich, oder?
http://www.tobiasjunglas.de.tf/
Oh… jetzt werden die ganz dicken dinger ausgepackt – porno, andré rieu und rosamunde pilcher – da verstehe sogar ich als verkitschter kleingeist, dass das nicht so positiv ist und man das nicht gut finden darf… find ich aber knorke von dir, dass du trash gut findest, da gehört schon mut dazu. aber mal ehrlich – vielleicht gibts ja hier noch ne good-shepherd-diskussionsseite, aber egal – WAS fandest du an dem film groß? hältst du das hölzerne spiel für gewollte reduktion? waren die gelegentlichen treffs mit dem edlen russen für dich großes historisches drama? fandest du das workoholic- und patriotismus-hinterfrag-geseier irgendwie bewegend? waren frauenstolz und sohnesliebe für dich echte konflikte? wir werden uns nicht einigen – das wär ja auch schade. über geschmack streitet man, wie du ja schon sehr richtig bemerkt hast, unterhaltsam (wie hier) oder gar nicht. für mich jedenfalls war der doofe hirte der schlechteste film diesseits des rio bravo.
Good Shepherd findest du an anderer Stelle im Blog ausführlicher.
http://www.hdschellnack.de/?p=1756
Hölzern fand ich da wenig, reduziert sehr viel. Es gibt eine Stelle im film, die zu aufgesetzt ist, der Rest ist durchgehend mustergültig minimal. Der Gute Hirte ist die Selbst-Dekonstruktion der Seele eines Poeten zum Beamten, der im Laufe des Films peu a peu alles verliert und all das verkauft Damon dir ohne eine Rührung, mit steinerner Miene. Es ist halt so, die einen brauchen dieses Overacting wie bei Vier Minuten, ich selbst komme gut mit weniger aus. Ich mag Autoren wie Palahniuk, Hempel und Carver oder Fitzgerald, obwohl Batman natürlichauch super ist :-D. Ich mag Filme wie Lost In Translation oder Babel. Ich mag es, wenn ein Film dir als Betrachter die Chance gibt, selbst etwas zu sehen anstatt dich mit hermeneutischem Überangebot totzuschlagen. Less is more. Und das ist beim Good Shepherd mustergültig, meisterhaft gelungen. Wobei ich nicht weiß, wie weit du in der US-Historie Mitte der 40s bis Ende der 60s steckst. Ohne geht der Film fast gar nicht. Und vielleicht fand ich ihn nur so gut, wiel er DAS geniale Pendant zu American Tabloid und The Cold Sixthousand ist, zwei großartigen, überbordenden Romanen des zum Gonzo-Literaten gewandelten James Ellroy. Vor der Folie seiner Bücher, die sich um Schweinebucht, Vietnam und die beiden Kennedys drehen, und die ihrerseits einiges an Google über diese Phase nötig machten,um konsumierbar zu sein… macht Der Gute Hirte einfach nahtlos Sinn.
ber es ist wie ich sage, und das wertfrei… wer Shepherd hölzern und unemotional findet, der ist bei Vier Minuten richtig. Wer Shepherd als präzises Carveresques Psychodrama nimmt, der MUSS Vier Minuten kitschig und übertrieben und klischeebeladen finden. Es sind einfach Wahrnehmungsabstufungen. Und vielleicht auch Erfahrungsabstufungen, keine Ahnung. Klingt so etwas wertend oder von oben herab, ist aber gar nicht so gemeint. Es sind einfach unterschiedliche Sensibilitäten.
… wer Shepherd hölzern und unemotional findet, der ist bei Vier Minuten richtig. Wer Shepherd als präzises Carveresques Psychodrama nimmt, der MUSS Vier Minuten kitschig und übertrieben und klischeebeladen finden. Es sind einfach Wahrnehmungsabstufungen. Und vielleicht auch Erfahrungsabstufungen, keine Ahnung. Klingt so etwas wertend oder von oben herab, ist aber gar nicht so gemeint. Es sind einfach unterschiedliche Sensibilitäten.
Tatsaechlich MUSS das ueberhaupt nicht so sein. Den einen der beiden Filme gut zu finden schliesst nicht aus ebenso den anderen gut zu finden, wenn es dem Betrachter gelingt sich fuer die jeweiligen Qualitaeten – und das sind ganz unterschiedliche – zu sensibilisieren. Es gibt ausserhalb von einem Eingespanntsein in Erfahrungs- und Wissenswelten immer noch die Moeglichkeit der werkimmanenten Betrachtung und Diskussion.
Zu Shepherd werde ich mich an anderer Stelle aeussern.
Stimme Tom Robbins 100%ig zu: Verbale Selbstinszenierung, das trifft es. Da findet sich offenbar jemand GANZ GANZ toll.
Vier Minuten ist ein absolut packender Film, Hannah Herzsprung spielt beeindruckend.
Was ich wunderbar finde ist, dass Menschen, die einen Film mit bösen Nazis so ergreifend finden, schon angesichts einer einfachen persönlichen Meinung, die von ihrer eigenen abweicht, sofort unreflektiert persönlich verletzend werden und zur Stürmer-Phrasierung greifen müssen. Was die Kritik an der Kritik völlig aushebelt, Freunde. Cracauer hätte seine helle Freude an euch.
[...] Deutsche Filme machen mir meist Angst, wenn ich hineingehe. Egal, wie gelobt – deutsche Produktionen stecken oft in einem Dickicht aus Hype-Netzwerken, die man als Außenstehender kaum durchschaut, nicht jeder hochgelobte Film wird gelobt, weil er wirklich GUT ist -, manche Filme sind so schlecht, dass einem der Atem stockt. [...]
[...] Selbstmord zu begehen, der einfach weitermacht, weil es keine Alternative mehr für ihn gibt. Nach Vier Minuten ist es eine Wohltat, so viel emotionalen Impact so dezent und so entspannt präsentiert zu [...]
Wie schön hier immer noch im Internet Zeugnisse meiner Vergangenheit zu finden. Nach Jahren! Und es ändern sich die Dinge. Beinahe schon wäre ich gestorben und meine Aussagen verlieren an dieser Stelle im Angesicht des Todes echt ihre Bedeutung. Welch vermeintliche Wichtigkeit steckte dahinter in alten Zeiten. Sie lassen mich schmunzeln, ebenso wie mich auch die Gegenrede in dieser Konversation lächeln lässt.
A BIG SMILE :-)
Das geht mir mit allem so, was ich schreibe – in dem Moment ist das immer wichtiger als vier Tage später. Ist doch auch gut so.
Ich weiß noch, dass ich deine Beiträge SEHR zu schätzen wusste – nichts ist besser als wenn man mit jemanden debattieren kann und gern auch – lieber auch! – kontrovers. Wenn zwei das gleiche denken, ist es ein kurzes und armes Gespräch («Super Film!» «Jau!»), wenn man nicht kongruent geht, wird es spannend und solange es nicht persönlich wird und man offen für Argumente am runden Tisch sitzt und alles wissen, dass es VIEL wichtigeres im Leben ist und man sich ja nur gemeinsam die Zeit vertreibt, ist es doch super. Darüber hinterher lächeln zu können – das zeigt ja auch Wachstum, oder?
Schön von dir zu hören – aber was heißt «im Angesicht des Todes?» Ich habe den Namen gegoogelt und einen TJ gefunden, der wohl 2005 einen Unfall mit Koma hatte – bist du das? Aber war 2005 nicht vor dem Film…?
Wie dem auch sei – ich hoffe, es geht dir gut. Laß von dir hören, hier oder per Mail – ich würde mich freuen!!!