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UNSEEN

Gestern also die Präsentation von der zweiten Koan-Aufgabe: Unseen.

Erarbeite ein Design (Plakat Din A1, vierfarbig) mit allen gestalterischen Mitteln deiner Wahl (Photo, Typographie, Graphik, Illustration, Malerei, Collage, handmade, digital, was auch immer du magst in jeder beliebigen Mixtur….) mit etwas, was ich noch NIEMALS zuvor gesehen habe und NIEMALS mehr vergessen werde. Abgabe reicht analog, also nur auf Papier. Nach Möglichkeit keine zusammengeklebten Zettel mehr (4 x A4 und ein Meter Tesa), sondern handwerklich überzeugend auf einem Stück A1 präsentiert, entweder als Ausdruck oder in Handarbeit.


Noch einmal zur Erinnerung. bei den Koans geht es weniger um die konkrete gestalterische Lösung, obwohl ich es super finde, wenn die Sachen wirklich gut aussehen, als vielmehr darum, etwas in sich selbst zu entdecken. Bei dieser Aufgabe geht es um den Kern des Design-Jobs: Ist man in der Lage, etwas einzigartiges in sich zu finden, etwas wirklich Neues zu schaffen oder zu aus bestehenden Kulturspuren zu synthetisieren und es dann auch so klar und zugespitzt zu kommunizieren, dass es sich anderen ins Gedächtnis brennt? Nichts anderes ist ja die Aufgabe von Design im Allgemeinen – Überraschen, Gefühle auslösen, in Erinnerung bleiben, Denken verändern. Selbst die klassische Werbung setzt auf den Effekt. Also im Grunde die Basisaufgabe schlechthin: Hast du eine (möglichst eigene, einzigartige) Idee und kannst du sie prägnant, auf den Punkt kommunizieren? Wer hier in sich entdeckt, dass er das eine oder das andere nicht kann, weiß ab diesem Punkt, was er zu tun hat. Es mag eine negative Lektion seien, aber ich glaube, Designer wird man nicht wie man Friseur wird, sondern eher wie man Musiker oder Autor wird. Man muss sich entfalten, entdecken, einen möglichst umfassenden kulturellen Horizont erweitern, Ideen haben, selbst denken. Und dann auch noch die Tools haben, es umzusetzen. Man muß, vereinfacht, Songs schreiben können, Lieder in sich haben und optimalerweise auch noch Gitarre oder Klavier spielen oder singen können. Ansonsten wird das irgendwie ja doch schwierig mit der Karriere als Musiker. Eins von beiden sollte man sich selbst erarbeiten, idealerweise beides.

Annas Entwurf. Das Bild im Hintergrund aus Google und 72 dpi, was auf A1 nicht wirklich funktioniert. Ich denke, man hätte das Thema «Gekaufte Liebe» und den Bogen von normalen Werbesprüchen zu Prostitution sicher unvergesslicher angehen können. Gerade die Abstraktion macht es eher austauschbar, unpersönlich. Gestalterisch passiert viel zu viel auf dem Ding, die Blickführung ist nicht klar. Und: Einfach mal selbst verschiedene Schrifthersteller wie Fontshop International, Emigre, Fountain, Village und so weiter besuchen, damit ihr bei der Wahl von Schrift mehr Bandbreite kennenlernt. Der Font möchte modern wirken, tut aber seinen Job nicht.





Christine zeigt den Schimmel auf Makkaroni in ihrem Kühlschrank. Unser Urteil: Nur bedingt WG-fähig :-D. Ganz klar ist hier erfüllt, dass ich sowas noch nie gesehen habe und so schnell nicht mehr vergessen werde (ugh…). Vielversprechend finde ich den Ansatz, Bild und Schrift durch horizontale Teilung zu trennen, eine gestalterische Gewichtung zu schaffen. Wobei der weißraum unten vielleicht nicht ideal genutzt wird. Leider ist ihr bei der Erstellung der PDF für den Druck wohl etwas schiefgelaufen, der Font ist nicht richtig eingebettet und eine Ersatzschrift wurde verwendet.






Fabian und Chris haben etwas zusammen gebastelt. Was ohnehin schon ihre Punktzahl halbiert. Nun kann man fragen, ob ich mich selbst noch nie im Spiegel gesehen habe? Aber Bonuspunkte für den liebevollen HD-Nachbau, Leute. Die Sache hier zeigt, dass Design witzig sein kann. Wie fast immer bei Christoph und Fabian ist die Sache phantasievoll, weird gedacht und clever.



Apropos witzig: Johannes kommt mit Wurst am Stiel. Schöne Idee, die mir noch besser gefallen hätte, wenn man den vernacular style von Frittenbudenschildern einen Tick realer hingekriegt hätte. Der arme Jo musste dann eine kleine Lektion in Sachen «wie setzt man digitale Handschriften» über sich ergehen lassen. Ich finde ohnehin, wenn man irgendwie einen Stift bedienen kann (also im Gegensatz zu mir), sollte man immer auf die Simulation des Natürlichen durch solche Pseudo-Handfonts verzichten. Selfmade ist einfach schöner.


Karol frönt der schon von seiner Site bekannten Squirrelmania. Hatte ich durch den Link schon vorher gesehen, natürlich und im Grunde sind uns solche Charaktere auch via Comic und Anime doch recht vertraut, oder? Und so ganz leise beschleicht mich der Verdacht, ob es das Bild nicht OHNEHIN gab, ich also nur etwas sehe, was Karol auch ohne die Aufgabenstellung erarbeitet hätte? Wunderbar malen und zeichnen kann Karol auf jeden Fall, bin gespannt, was er uns zaubert, wenn er es tatsächlich in Design einfließen lässt, nicht nur in reine Illustration.

Katherine mit Unterwasserfeuerwehr. Spongebob olé. Sicherlich nichts, was man noch nie gesehen hätte. Und auch sehr wenig aus dem eigenen Inneren kommend, vielleicht ein bisschen unpersönlich. Bei Katharina, wie bei vielen anderen, fällt auf, wie unmotiviert die Typographie oft in die Bilder kommt, dass es ein noch unbedingt zu entwickelndes Gespür für Copyspace, Bildkomposition, Gestaltung gibt. Es ist einfach nur eine Photomontage mit Text druff, im Grunde nur zwei Ebenen, die hier zum Zuge kommen… dabei kann Gestaltung ja sehr viel mehr sein.





Marcel kommt mit einem Entwurf, bei dem sich die Klasse sehr einig ist, dass es nicht nur NICHT «Unseen», sondern eher schon zu oft gesehen ist. Das Umweltthema, gerade diese Woche auf dem Spiegelcover, ist eher über- als unterpräsent, nicht einzigartig, sondern längst ein kommunikativer Klassiker geworden. Nicht so schlimm, wenn man es dann einzigartig, überraschend und smart umgesetzt hätte. Leider sieht das Plakat aus wie ein von Laien gestaltetes Protestplakat oder eine Art Powerpoint-Grafik. Nicht professionell schlicht und auf den Punkt, aber auch nicht von einem Designer geleistete Kommunikation von Komplexität auf mehreren Bild-/Textebenen. Es bleibt insofern einfach ungestaltet.








Mascha gewährt uns einen Blick in ihre Seele. Den aber leider im Kurs keiner kapiert. Insofern großen Respekt vor dem Versuch, wirklich etwas persönliches zu kommunizieren, um nichts anderes geht es ja bei Design, aber im nächsten Schritt solltest du danach suchen, deine Botschaft so zu codieren, dass das Rätsel für Außenstehende lösbar bleibt, oder? Nicht flacher machen, nicht «dumbing down», aber hin zur Chance von Reaktion und Kommunikation. Unverständlich darf Kunst sein, Design nicht. Design lädt ein, regt an, schafft Diskurs. Maschas Entwurf, versucht als einer der ganz wenigen in dieser Aufgabe, bewusst mit Schrift zu arbeiten, durch ungewohnte Umbrüche und eine klare Orientierung am linken unteren Anschnitt. Einziger Einwand: Wenn schon Grunge-Typo, dann unbedingt selbst machen. Ausdrucken, kaputtmachen, wieder einscannen. DYI macht mehr Spaß als einfach nur eine Schrift aus der Kiste zu nehmen. Der Rechner ist dein Werkzeug, du nicht seins. Ich finde, Maschinen machen uns den Weg des geringsten Widerstandes zu leicht. Schrift Nummer 342 nehmen, fertig. Das ist sicher okay bei Jobs mit ultraengen Deadlines im echten Leben, aber als Student, wo man sich selbst, einen Ansatz von eigenem Stil und eigenem Ausdruck sucht, ist das natürlich tödlich. Du solltest die Maschine beherrschen wie eine natürliche Verlängerung deines Körpers, aber auch immer wissen, wann es bessere Alternativen gibt. Sie ist eine Kamera, nicht das Photo.


Kirsten hat kaputte Glasaugen angebracht. Noch nie gesehen, und der Anblick zerschlagener Augäpfel ist wirklich merkenswert. Großartige Idee. Aber leider ist da komplett sinnfrei und nur ornamental einiges an Blumengedöhns auf der Seite. Einfachste Regel: Was dem Design nicht dient, kann weg (es sei denn, man ballert so extrem, daß es ohnehin nur noch um den reinen visuellen Impact geht). Ich finde, es gibt zwei einfache Regeln im Design was Masse angeht. Entweder man nimmt solange Dinge VON der Seite, bis nichts mehr wegzunehmen ist, ohne die Botschaft zu zerstören. Keine Angst vor einfachsten Lösungen, die sind meist die schwierigsten. Oder: Soviel Inhalt auf eine Seite bringen, soviel Resonanz und AMbience und Bedeutungsanklänge, dass es für den Betrachter zum Genuß wird, die Seite zu betrachten und man stundenlang Spaß mit den verborgenen Botschaften und Signalen haben kann. Auch das ist sehr schwer, weil es nie in Chaos oder Beliebigkeit münden darf und du als Designer sehr zielsicher die einzelnen Elemente und Ebenen verwalten und positionieren mußt, was ein hohes Maß an Intuition erfordert. Aber beide Richtungen, Less is More und More is More, sind legitim. Alles dazwischen ist oft unentschieden und wirkt unfertig. Nicht genug weggenommen oder nicht genug reingetan :-D.

Und Blumenornamente sind, wie Frakturschrift, einfach echt overused. Nichts gegen die Neoromantik, aber wenn die Bücher aus dem Gestaltenverlag in Blumenornamenten seit Jahren ertrinken, sollte man dem Trend nicht auch noch hinterherrennen, sondern seinen eigenen Stil zu finden versuchen. Als Student geht es ja darum, sich selbst zu finden, oder? Nachahmung gehört immer dazu, durch Imitation findet man seinen eigenen Stil, aber es sollte nicht die Nachahmung eines Elementes sein, dass man bei istockphotos.com massenweise herunterladen können. Die Zeit und Energie, die du in die Kreation dieser Floralelemente steckst, kannst du viel gewinnbringender in deine eigene, unverwechselbare Art von Design investieren. Mit der Aachen mal eine etwas ungewohntere Schrift, die man vielleicht noch einen Hauch liebevoller in das Bild hätte setzen können. Wobei auch hier das Photo schon so geschossen ist, dass man Schwierigkeiten mit der Textebene bekommen muss. Schon bei der Bildkomposition sollte man das finale Design im Kopf haben. Dafür gibt es ja Scribbles :-D. Aber: Wirklich schöne Idee und ganz greifbar Talent zu mehr! Man sieht bei Kirsten, finde ich, dass sie schon mal real via Praktikum eine ganze Zeit mit Gestaltung durchgehend gearbeitet hat. Was ich jedem Studenten echt nur empfehlen kann.





Manuela bringt via Photoshop Schildkröte und Bär zusammen. Lustig, aber auch nichts, was man nicht bei worth1000 oder anderen Gagsites nicht schon gesehen hätte. Mit dem zotigen Spruch darunter ist es mehr so eine Art Fun-Bild, aber eher wenig Design. Auch hier wieder das Problem, Bild und Text zu vermählen, oder? Der Text steht etwas lieblos in einem Weißen Balken unter dem Photo. Gestaltet ist das nicht, sondern Photo und Untertext. Aber ein schöner Anlass für mich, kurz ein bisschen über das Thema fi-Ligatur loszugehen. Der Entwurf zeigt Manuelas quirlige und witzige Denke, aber auch, dass sie sich über Bücher, Ausstellungen, Online-Portfolios ein Auge für Gestaltung aneignen muss. Das geht, denke ich, immer nur über das Ansehen und Erforschen anderer guter Arbeiten.






Viviane präsentiert vegetarische Details. Noch nicht gesehen, und auch interessant anzusehen, aber so richtig unvergesslich ist es wohl eigentlich nicht. Auch hier ist die Typo etwas unmotiviert ins Bild gehauen, ohne ein wirkliches Feeling für Größe, Proportion. Auch hier der Tipp. Anschauen wie es andere machen und im Zweifelsfall zuhause dreist nachbauen, bis man die Prinzipien verstanden hat. Design ist nicht einfach Schrift auf ein Bild setzen.





Peter arbeitet nicht verdaute Horrorfilme auf. Auch hier nicht wirklich durchgestaltete Typographie, das ganze sieht eher wie ein Titelblattausriss der BILD aus. In der Gruppe erkennt niemand das Bildmotiv, was dem drastischen Ansatz zuwiderläuft. Hardcore muss man auch erkennen dürfen. Mein Hauptkritikpunkt: So etwas habe ich schon tausendmal gesehen. Injury to the eye ist ein ganz altes Horrorfilmmotiv, aus Literatur und Film, eine der Urängste des visuellen Menschen, und so zeigt Peter nicht, was er aus SEINEM Kopf ziehen kann an Einzigartigkeit, sondern präsentiert nur vorgefertigte Kulturangebote, Horrorfilm, Computerspiele. Ich bin 100% sicher, da ist mehr in dir.



Daniela zeigt ein selbstphotographiertes Rattenembryo mit winzigem Text. Der Kritik des Kurses, der Text sei zu klein, kann ich mich nicht anschließen, ich finde gerade die verlorene winzige Typo eindeutig richtig so. Das Bild könnte klarer, besser gemacht sein, der Freisteller ist auf jeden Fall schlimm (never ever Zauberstab verwenden), Idee und Komposition an sich finde ich aber sehr vielversprechend. Hier ist eben konsequent Minimalismus gemacht und das mit Wirkung, die den Betrachter zum Denken, zum Lösen anregt. Sehr effizient und trotz Detailmängel im Kern für mich eben gerade Design. Bin gespannt, ob das nur ein Glückstreffer ist (bei minimalen Sachen kann das ja mal vorkommen) oder ob Daniela uns weiter überrascht.



Wanda kommt uns märchenhaft mit goldenen Eiern. Rätselhaft und deshalb irgendwie nur schwer angreifbar. Kritik des Kurses ist, dass man es nicht versteht und sicher ist die Menge an hermeneutischen Möglichkeiten in so einem Motiv, plus der Mangel an klassischer Gestaltung, eher etwas, was in die Kunst-Richtung verweist. Ich persönlich fand es aber verständlich, wenn man auch einen Quantenraum hat, in dem man zu verschiedenen Ergebnissen der Interpretation gelangen kann, und gestalterisch vom Ansatz her durchaus ein «Design». Kritikpunkte: Die Schrift ist nachträglich in Photoshop o.ä. eingekritzelt und das sieht man von nahem auch absolut. Hier wäre mehr Zeit und mehr Liebe und ein bündigeres, homogeneres, einzigartigeres Bild wichtig gewesen. So kommt schnell der Verdacht, Wanda habe nur ein beliebiges Bild genommen und schnell Text eingebaut. Was ja schade wäre.


Sebastian macht es simpel, aber mit gutem Auge. Ein einfaches, grobkörniges Photo im Handy-Look. Warum die Leute bei «Deutsches Reich» anscheinend sofort an das Nazi-Regime denken, ist mir zwar schleierhaft, aber die Gegenüberstellung von Straßenschild und Döner-Laden finde ich schon nice und als Aussage kraftvoll. Mich macht vor allem, seltsamerweise, die Frau vorne rechts im Bild, ganz happy. Schönes Motiv. Bin gespannt, ob Sebastian sein Gespür für Motive auch beweist, wenn er gestalten muss.



Jana zeigt, wie wichtig es ist, auf den Dozenten zu hören und in A1 zu produzieren,. Ganz abgesehen von fünf verlorenen Punkten wegen des Formates, kann einfach kein Mensch etwas auf ihrem Motiv erkennen und sie holt sich starke Kritik ab. Ich finde, die Arbeit zeigt einen künstlerischen Anspruch, ist aber auf der Designebene schwächelnd. Auch hier ist der Text in einer eher an griechische Restaurants erinnernden Typo einfach an den unteren Rand geklatscht, Nachgedanke statt zentraler Gestaltungsfaktor. Ob es etwas ist, was ich noch nie gesehen habe? Keine Ahnung. Aber die Illustration an sich, wenn auch zu rechnerbasiert, ist ansehnlich, Form und Gegenform, Textur, trotz einer gewissen Beliebigkeit von Elementen. Wenn man nicht erklären kann, wieso etwa eine Ikea-Vase im Bild auftaucht, warum ist sie dann da?


Sebastians Motiv wurde für einen Flyer für eine Gay-Disco gehalten. Und in dem Wirbel von Pink, sinnfreien Deko-Elementen und Goth-Look ist das vielleicht auch nachvollziehbar. Hier ist natürlich nichts «ungesehen», weil wir nichts sehen. Sebastian trappt in die Falle vieler Gestalter, einfach nur wild herumzustylen, bis es irgendwie vage nach Gestaltung aussieht und bemerkt nicht, dass im Kern des Photoshop-Wirbels die eigentliche Idee verloren gegangen ist, sofern sie je da war. Hier ist ganz klar ein technisches, handwerkliches Geschick da, jetzt gilt es, das ganze mit einer eigenen Aussage, einer Idee, einer klaren Kommunikation zu vermählen. Sonst bleibt es heißes Luft, postmoderne Beliebigkeit.




Yvonne vertraut auf ihr Können als Photographin, was ganz richtig ist. Wenn man eine Fähigkeit hat, sollte man sie ausbauen. Ich persönlich finde, das Bild wäre ohne Slip drastischer und ehrlicher geworden und klarer, die Aussage ist trotzdem gut, der Kurs war auch recht einhellig angetan. Schwachpunkt ist das typographische Element am unteren rechten Rand, wo sich usselige Sharewareschrift und Systemfont die Hand reichen. Das Ganze wäre viel stärker, in Aussage und auch formal, ohne «Kunst gegen Missbrauch» gewesen. Ambivalenter, auch eben weniger gutmenschelnd. Und eben auch gestalterisch entschiedener. Das Bildmotiv an sich ist prima, aber schau dir an, wie Designer Typographie einsetzen.

Generelle Anregungen

– Hab eine Idee. Um Ideen zu haben, muss man seinen eigenen Kopf haben, muss anderes denken als der Mainstream. Dazu gehört, dass man sich in Literatur, Musik und allen möglichen Medien einen Horizont erarbeitet. Designer ist nicht, wer mit Indesign arbeitet, sondern wer aus den verschiedensten kulturellen Eindrücken und Erfahrungen und Hintergründen neue Ideen spinnen kann. Wer aus dem Stehgreif, binnen Minuten, aus der Luft, aus seinem Kopf, eine Kreation machen kann. Also: Lesen, Musik hören, die ihr nicht kennt, Ausstellungen besuchen, auch mal nen Film gucken, der eben nicht im Cinemaxx läuft, Horizonte erweitern. Werdet kluge, interessierte, neugierige, mutige Menschen. Das hat nicht nur mit Design zu tun, sondern mit dem Genuss von Leben an sich. Wer blind und taub durch sein eigenes Leben taumelt, wird niemals ein guter Designer.

- Lebe Design. Um das zu können, müsst ihr euch mit den Arbeiten der Designer vor euch vertraut machen. Hey, du wirst auch kein guter Rockgitarrist, ohne dich intensiv mit Jimi Hendrix zu befassen. Design ist ein reicher kultureller historischer Prozess seit dem Art Deco, und wer ein guter Designer ist, navigiert souverän durch die Entwicklung und die Stilbandbreite von Design. Es geht nicht, daß du als Student nicht weißt, welcher Stil Emil Ruder und welcher Tomato zuzuordnen ist. Nicht, weil man muss, sondern, weil es dein Leben ist. Deine Passion. Also: lesen, lesen, lesen. Online-Portfolios durchsuchen, Monographien durchsehen, Annuals, Bücher… das ist ein lebenslanger Prozess. Weil es keine Arbeit ist, sondern ein Spiel.

- Meistere dein Werkzeug. Das bringt dir niemand bei, nur ansatzweise, das erarbeitet man sich selbst in schlaflosen Nächten. Mit der Kamera, mit dem Stift, vor allem heute mit dem Rechner. Es gibt nichts schlimmeres, als eine Idee zu haben, die man nicht realisieren kann. Einen Song im Kopf, aber du kannst nicht Gitarre spielen, eine gute Geschichte, aber du kannst nicht schreiben. Designer sein ist schwierig, so schwierig wie Architekt zu sein, auch wenn das viele Leute vergessen. Du musst eine ganze Bandbreite von Skills beherrschen, technisch, gestalterisch, sozial, psychologisch. Das ist vielleicht unfair, aber anders geht es nicht. Die Wahl, ob du ein Mediengestalter wirst, der schlecht und recht die Ideen anderer umsetzt (ergo ein Tanzkapellenmusiker) oder ob du deine eigenen Ideen erfolgreich realisieren willst, liegt bei dir.

- Work harder. Ihr fangt zu spät mit den Aufgaben an. 14 Tage für ein Plakat ist mehr als Luxus. Mein persönlicher Rekord liegt bei fast sechzig Entwürfen an einem Tag zu einem Thema. Die Norm ist, dass du ein oder zwei Tage für einen kommerziellen Entwurf. Als Student solltest du die dir gegebene Zeit aber aktiv nutzen. Arbeite nicht nur an einer Idee, sondern an fünf oder zehn und nimm dann die beste. Entwickele, verwerfe, entdecke. Studiere. Das sind keine Mathe-Hausaufgaben, keine Schule, sondern ein Angebot an dich, auf einen Trip zu gehen. Nimm dir die Zeit und entdecke etwas in dir. Wer Montag anfängt, für Dienstag eine Hausaufgabe zu machen, tut sich und mir keinen Gefallen und wird immer und immer und immer wieder frustriert werden. Einer der Gründe für diese Koans ist, Potentiale und Defizite in sich selbst zu entdecken und entschieden dagegen vorzugehen, selbst zu lernen, wie man lernt, sich zu verbessern. Das ist der Kern eines Studiums gegenüber der Schule. Du wirst nicht gefüttert, sondern mußt lernen, selbst zu kochen. Es geht also nicht darum, euch zu frustrieren oder niederzumachen, sondern um Potentiale zu entdecken und euch Feuer unterm Hintern zu machen. :-D Aber wer permanent Lob erwartet, sollte sowieso nie Designer werden wollen. Es ist im Idealfall ein Beruf fast ständiger Suche, ständigen Hungers, der Unzufriedenheit mit der eigenen Leistung und der Fahnden nach dem besserem Ausdruck. Alle Photographen, Architekten, Designder, die ich kenne und mag, schauen nach vorne zur nächsten Herausforderung und sind die härtesten Kritiker ihrer eigenen Arbeit. Die richtige Mischung aus Selbstbewusstsein und Unzufriedenheit zeichnet diese Menschen oft aus.

- Fang an. Warte nicht darauf, das dir jemand etwas beibringt. Fang einfach an. Spring über den Zaun. Design ist kein Lernberuf wie Friseur, es geht nicht um Noten, oder Scheine oder Abschlüsse. Es geht nur, einzig, um deine Arbeiten, um dein Können. Niemand fragt Benjamin von Stuckrad-Barre nach seiner Deutschnote in der siebten Klasse. Niemand fragt den Gitarristen der YeahYeahYeahs nach seiner Note im Musikunterricht. Was zählt ist, was du KANNST.

9. November 2006 12:04 Uhr. Kategorie Stuff. 42 Antworten.

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