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Uffie: Sex Dreams and Denim Jeans

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Als Freundin des Edbanger-DJs Feadz war Uffie vor ein paar Jahren Teil des ganzen Elektro-Hypes um Justice und Mr. Oizo, zu dem ihre androgyn-gelangweilt-überspannte Sexualität nur zu perfekt passen wollte zum Soundtrack einer vom Rock auf den Dancefloor übertragenen Sex-and-Drugs-Attitude. Dann ist Uffie irgendwie ziemlich abgetaucht und ein LA-Girlie namens Kesha hat den Autotune-Gesang von Uffie mit Kirmesklingeltechno gekoppelt und sich zum Chartstar aufgeschwungen. Dumm gelaufen – zumindest sofern Karriere und Geld die wichtigsten Faktoren sind. Wobei Uffie das Leben eines Popstars ohnehin lebt, auch ohne jemals wirklich einer gewesen zu sein, vielleicht spielt es dann auch irgendwie keine Rolle, ob die auf Platz Eins in den Charts bist.

Das Album selbst ist alles andere als der Versuch, der Nachahmerin den Hitparaden-Thron streitig zu machen, im Gegenteil. Sex Dreams and Denim Jeans wirkt entspannt, fast verpeilt, enthält neben dem Klassiker «Pop The Glock» eine Vielzahl verschiedener Ansätze, die mal straighter in Richtung des von Uffie vertrauten naiven Kinder-Hiphop gehen («Add SUV»), mal in Richtung nervöse New-Wave-Hommage gehen («Hong Kong Garden») und sich ansonsten in dem so abgesteckten Feld zwischen Dancefloor und Indie munter von Idee zu Idee hangeln, so dass sogar mal ein mit Schrammelgitarren durchsetzte gerade Popnummer geht («Sex Dreams and Denim Jeans»). Auch wenn hier und da mal eine Justice-Snaredrum durchblitzt – die Tracks wirken weniger druckvoll und energetisch als man es von EdBanger gewöhnt wäre (mit Ausnahme von «MCs can kiss»), die Beats sind meist gerader, altmodischer, weniger dekonstruiert. Ähnlich wie Robyn in ihrern besseren Momenten gelingt Uffie ein urban-gelangweilt-androgyner Gesang irgendwo zwischen normalen Vocals und Sprechgesang, eine Art Anne Clark auf Valium. Hört man die durch Autotune verfremdete Stimme von Uffie, verkörpert die Sängerin, die keine ist, eine Art Sehnsucht nach digitaler Perfektion, mit der es kein echter Mensch mehr aufnehmen kann – Uffie ist die Stimme der Androiden und Replikanten, ein hedonistisches Echo aus der Zukunft. Und ihr Musik ist der Soundtrack zum verquartzten Aftershow-Frühstück in elegant-unaufgeräumten Wohnzimmern, die unaufdringliche Backgroundmusik, Post-Pop-Post-Soul-Chillout- Muzak, eine Art Pop-Art der Popmusik, eine gekonnte Auseinandersetzung mit den Methoden, die momentan die Charts beherrschen, die aber in dieser Produktion von Feadz, Oizo, Mirwais and SebastiAn zu völlig anderen Ergebnissen führen. Wo Sampling von 70er und 80er Songfetzen, analoge Drumsounds und entkörperlichter Gesang sonst zu Hits führen, mündet dieses Album in einer phantastischen Trägheit, die es immer einen Hauch vom reinen Chartspop entfernt hält – es ist lasziv, müde, too drunk to fuck. Der Versuch, diese bei «Pop the Glock» erfolgreiche Mixtur über ein ganzes Album zu ziehen, gelingt natürlich nicht immer, vielleicht bräuchte es aber auch eigentlich gar kein «echtes» Album von Uffie, sondern immer nur mal wieder ein oder zwei Songs bei MySpace. Denn am Ende ist der Reiz an Uffie, dass Sie das quintessentielle Teenie-Mädchen ist, das mit der Haarbürste in der Hand und billigen My-First-Sony-Effekten zu ihren Lieblingsliedern trällert und vorm Spiegel hüpft bevor sie am Samstag in die große Stadt geht.

4. Januar 2011 10:20 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

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