
Einer der traurigen Aspekte des iPads – und aller eBook-Readers – ist, dass die Typographie von den Händen des Gestalters in die des Users überwechselt, und die des Hardware-Herstellers, in dessen System eben nicht Sabons und Bembos, sondern Verdana, Arial, Times und bestenfalls Georgia angeboten werden. Nimmt man dazu falsche Kapitälchen, Blocksatz und einen fluiden Umbruch, der den Text den jeweiligen Bildschirmbedingungen anpasst, ist das Ergebnis ein typographischer Alptraum. Gerade als Leser amerikanischer Bücher ist man ja nicht allzu verwöhnt, und viele neue Bücher aus Deutschland haben teilweise auch einen Blocksatz und Umbruch aus der Hölle, aber die «Bücher» auf dem iPad ähneln eher schlecht gestalteten Homepages aus den frühen 90ern. Ich hoffe, dass es bald Möglichkeiten geben wird, in eBooks verbindliche Schriften einzubingen und typographische Opentype-Features zu nutzen. Denn so, wie das auf Apples Preview-Video aussieht, ist das bestenfalls eine Kompromisslösung, nichts, was mir beim Lesen Spaß bereiten würde.


30. März 2010 14:40 Uhr. Kategorie Design, Technik. Tag Apple, iOS, Typographie. 6 Antworten.
Gibt es für das Umbruchproblem eigentlich keine Lösungen für das Web?
jQuery oder anderer Schnick? Trennungen müssten doch irgendwie ordentlich zu machen sein :X
»… in dessen System eben nicht Sabons und Bembos, sondern Verdana, Arial, Times und bestenfalls Georgia angeboten werden«
Wobei man fairerweise sagen muss, dass die Systemschriften eben doch beim Thema Hinting und Bildschirmoptimierung nachwievor die Nase vorne haben. Dann lieber eine saubere Georgia als eine »krümmelige« Bembo.
Trifft dieses Systemschriften-Fallback-System nur auf »geliehene« E-Books zu, oder ist das ein ganz allgemeines (technisches) Problem? Bei herunterladbaren/eigenen E-Books sollte doch eine Schrifteinbettung im Pdf(?) möglich sein?!
Ich kenne mich mit E-Books leider nicht aus, da mir richtige Bücher noch immer lieber sind.
ePub ist meines Wissens kein PDF. Sonst wäre der Schriftenwechsel, den Apple da so anpreist, ja nicht machbar. Ich bin nicht sicher, wie das Hinting auf dem iPad aussieht – das Display hat ja eine höhere Auflösung. So oder so, an das Lesegefühl von «gedruckt» kommt das nicht näherungsweise heran, da kann sich zumindest die gehobene Verlagswelt noch ein zwei Jährchen entspannen.
E-Reader … letztes Jahr auf der Buchmesse habe ich mir mal alles angesehen, was bis dato auf dem Markt war. Für Vielleser und Vielreiser ist das E-Book sicher eine Super-Sache und und ich fand das Handling der Geräte, und auch den Monitor (ja, gut, ist ja kein richtiger) auch relativ angenehm. Man darf eben nur gar nicht erst in die Versuchung kommen, diese Reader mit einem Buch zu vergleichen, dann sind die Dinger ok.
Aber was gar nicht geht, ist der Umbruch … Nein, ich brauch auch keine tolle Typo, und ich brauch auch keine feinen Serifen, und eine Systemschrift reichte mir auch aus … aber der Umbruch … Und da fragt man sich halt schon … so schwierig kann das noch sein, hier eine Lösung zu finden. Da konnte man nicht mal umstellen auf Flatter, und so viel Wasser wie da reinpasst in die Gießrinnen, hat man unterwegs gar nicht dabei ;-) Nö. Dann eben nicht.
Stephen Coles hat sich das iPad live angesehen und kommt zu einem ähnlichen Resultat:
http://fontfeed.com/archives/ipad-typography/
Kann sich ein Hersteller, der DER eBook-Anbieter sein will derart miese Typographie erlauben?
And Liz Castro goes into some details:
http://www.pigsgourdsandwikis.com/2010/04/ibooks-on-ipad-first-glance.html