
Last not least die Bilder vom dritten Tag, ebenfalls unedited. Ganz wichtig: Ich habe die Photos natürlich nicht selbst geschossen, sondern hauptsächlich stammen sie von Katharina und Stefanie, die den ganzen Tag die schwere Kamera in der Hand hatten und tolle Momente eingefangen haben – 1000 Dank!!!















Sascha Lobe von L2M3 hält einen unserer absoluten Favoritenvorträge. Zwar auch eine reine Portfolio-Show, von denen es auf der Typo recht viele gibt, was in Zeiten, wo man sich jedes Designerportfolio online ansehen kann, irgendwie nicht mehr so prickelnd wirkt, aber immerhin erläuternd und ganz architektonisch immer wieder die gestalterischen Ansätze der verschiedenen Orientierungssysteme oder Ausstattungen herbeileitend, wodurch die oft reduktionistischen und schlichten Entwürfe umso smarter wirken. Dass er tatsächlich Ideen herausgesucht hat, die mit Space, mit 2D/3D zu tun haben, ist umso besser und in seiner ruhigen Bühnenpräsenz verkauft Lobe die Arbeit seines Studios ideal als bodenständig und hochsouverän. Neben Davies und Hanzer unser aller Liebling auf der Typo und in der TypoShow völlig unter Wert verkauft.







































Wegen Gemma O’Brien hatte ich am Vorabend ein Mißverständnis mit Ulrike Daraghma, die hinter den Kulissen der Typo grandiose Arbeit geleistet hat. Ich war etwas unglücklich darüber, dass auf der Typo-Site und im Blog immer wieder die etwas exploitativen Videos und Photos von Gemma leichtbekleidet mit Ganzkörperbemalung präsentiert worden. Ich meine, wo bleibt da der nackte Josh Davies? Andere Stimmen haben bereits das Thema Sex sells aufgegriffen, aber als jemand, der Gemmas Blog kennt und ihre Arbeit, war ich etwas enttäuscht, dass die auf dieses eine Ding reduziert ist, auch wenn es medial natürlich super funktioniert (ohne den Video wäre sie ja kaum in Berlin gelandet :-D). Aber ich denke, es ist ein Unterschied, ob sich Gemma selbst filmt, online stellt und somit verkauft, oder ob es die Typo macht. Das ist ein feiner Unterschied, den man nach einer Party auch nur schwer erklären kann, den ich aber wichtig finde. Denn tatsächlich spiegelten viele Twitter-Kommentare aus der rappelvollen Hall (sex sells…) Überraschung wider, das die angezogene, smarte Gemma einen ganzen Haufen guter Arbeiten für ihr Alter vorzuweisen hat und nebenbei noch einen Film aus dem Hut zauberte. Dabei sollte das an sich keine Überraschung sein müssen, wenn man ihr Blog kennt. Und ich finde es etwas schade, die auf ein Bikinigirl zu reduzieren. Egal, so waren eben mehr Leute überrascht und hoffentlich begeistert – wenn es den Saal voll gemacht hat, ists ja am Ende vielleicht auch gut so. Gemma zeigte auf jeden Fall wenig Haut und viele Arbeiten, war souverän und lustig und obwohl ihre Arbeiten noch lange nicht ausgereift sind, ist ihr Enthusiasmus und ihre Verspieltheit deutlich greifbar und niemanden dürfte wundern, wenn wir von ihr noch eine ganze Menge mehr sehen und hören werden. Der Film, obwohl das Audioediting wirklich übel war, ist auch ein Beispiel von kleinen handwerklichen Schönheitsfehlern, die man aber schnell vergisst, weil das Herz am rechten Fleck sitzt. Manchmal haben Youtube-Hypes eben doch auch Substanz :-D















Ivo Gabrowitsch (dessen Namen wir auf dem Etch-a-Sketch-Poster falsch geschrieben haben, sorry again) hält einen launigen Vortrag über die Vorzüge von Open-Type, sehr fokussiert auf FontShop-Fonts, was vielleicht einfach berufsbedingt ist, aber auch etwas schade, weil die FF-Schriften nicht immer die Paradepferde im Rennen um die besten Features sind. Obwohl ich bei Dingen wie OTF Pro Greek oder OTF Pro Kyrillic eher kreischen möchte (in einen guten Pro gehören die Glyphen für diese Sprachen rein, sofern vorhanden und basta), erklärt Ivo laienverständlich, warum man Type-1 und True-Type vergessen kann (auch wenn beide Formate unter dem OTF-Mäntelchen ja irgendwie eigentlich weiterleben). Sehr feiner Vortrag, mit wunderbarer Musik von Just van Rossum und einem sehr netten, freundschaftlichem Flair im Publikum.















Sol Sender, der das Barrack-Obama-Logo für den Wahlkampf 2008 entwickelt hat, ist Highlight der TYPO, deren Programm man sich rückblickend förmlich aus dem Fontblog zusammenstellen kann. Als Headliner an den Schluss des Tages gesetzt, liefert Sol einen soliden Vortrag über die Entwicklung des Logos – wobei eben die Entwicklung schon rein visuell mit dem raster verschiedener Ansätze mitunter an Crowdsourcing-Designs erinnert – und die Verwendung des finalen Entwurfs, mit der Senders Büro nicht mehr viel zu tun hatte. Obwohl unterhaltsam aufgezogen, gab es eigentlich nicht so viel zu der Sache zu sagen und am spannendsten waren somit vielleicht eher Sols (kurze) Kommentare zum Auftritt der deutschen Bundespräsidenten/Kanzler-Kandidaten, die ja in der Tat frustrierend sind. Sein Vortrag gibt einen spannenden Mikro-Einblick in die Wahlkampfmaschinerie von Obama und der Professionalität, mit der auch kleinste Details getuned wurden, aber der richtig kickende Schlußakkord ist Sol Sender, der seinen Ruhm ja nur sozusagen dem US-Präsidenten entleiht und kein atemberaubend designaffines Portfolio aufweisen kann, eigentlich nicht, zumal man die Kernentwicklung des Logos schon via Youtube kannte. Vielleicht wäre Joshua Davies hier besser aufgehoben gewesen.
Dennoch unterm Strich eine atemberaubende Typo, auf der man wie jedes Jahr fast mehr verpasst als erlebt und von der man recht ausgepowert heimkehrt. Ich selbst habe zu viele Leute nicht gesprochen oder nur zu kurz (Dan, Slanted, Nick… und und und), obwohl ich fast permanent im Dialog war und nur Samstag mal in Ruhe Vorträge geschaut habe. Ich bin immer zu feige, Leute anzusprechen oder erkenne sie nicht und habe viele Leute nicht angesprochen, die ich gern gesprochen hätte – bei der nächsten Typo, ob 10 oder 11, kommt zur Not einfach auf mich zu, ich freu mich echt. Die Leute, mit denen ich gesprochen habe, haben mir viel mitgegeben und viel viel Spaß gemacht, von mir aus könnte die Typo aus drei Tagen Vortrag und drei Tagen in der Sonne sitzen und in Ruhe plaudern bestehen. Ich war mir gestern noch sicher, nicht zur Typo10 zu gehen – nicht weil ich der Typo müde bin, sondern weil ich einfach nicht durch Überpräsenz nerven will (und ich bin die Sorte Mensch, die schnell nervt, vor allem am Freitag, wo ich ja auch noch eine Bühne hatte :-D, weswegen ich mich Samstag schon wieder sehr zurückgezogen habe und ganz bewusst sehr «normaler» Gast war) – aber wenn ich mir die Photos hier ansehe, bin ich mir schon nicht mehr sicher. Einfach abwarten, Spaß hat es so oder so unbedingt gemacht.
23. Mai 2009 23:59 Uhr. Kategorie Design. Tag Typographie. 11 Antworten.
irgendwann im leben schaff ichs vielleicht auch noch mal zur typo
Solltest du, it rocks!
PS, schön zu hören, dass du in Weimar bei den Typographie-Tagen Vortragender bist!
aha -hört man das schon?!?!
jo da freu ich mich drauf – nach weimar wollte ich immer schon mal
Wenn sie vorhanden sind, sind sie ja in Pro mit drin. Das hätte ich vielleicht etwas deutlicher herausstellen können, denn ich gebe zu, das ist durchaus nicht immer auf den ersten Blick erkennbar.
Auf jeden Fall vielen Dank für dein wie immer ehrliches Review und die – auch wie immer – tollen Bilder.
Hey, Quotes sehen hier ja richtig gut aus :-D Der Raffael…
Ähm, du kennst meine Haltung: FSI sollte in Sachen OTF die Innovationsführerschaft so zurückgewinnen wie es in den 90s in Sachen Service ja auch der Fall war. Ihr seid da inzwischen auf gutem Weg – Mr. K, die neue Trixie (Erik und Just kriegen ja aus jeder Technik das Maximum raus :-D) – und ich bin der erste der versteht, warum Fontdesigner keine Lust haben, nun auch noch griechisch oder russisch zu lernen. Ich glaube aber, das ist nur eine Frage der Zeit und ich denke, ihr seid auf bestem Weg. Ich finde immer noch, ein Umdenken von statischer «Schrift» auf ein fluides «Software»-Denken ist ein Weg, indem man Upgrades und andere Dinge einplant. Village macht das und verdient dadurch Geld mit mir, während ich die Galaxie 2 sicher nicht als Ganzes gekauft hätte. Analog würde ich sicher für ein Update meiner ollen Type-1-Fonts zahlen (wie bei iTunes auf DRM-frei :-D), etwa für die Unit oder die Scala uswpp. Hat mich schon nicht gefreut, die DIN – die ich komplett als T1 habe – auch nochmal komplett als OTF Pro kaufen zu dürfen… da kann man noch optimieren. Was aber schon Kritik auf extrem hohen Niveau ist, zugegeben, zumal es vielleicht nicht ganz fair ist, FSI als größeres, komplexeres und internationales Gebilde mit kleineren Einrichtungen wie Village oder Parachute zu vergleichen, bei denen dert Weg zwischen Designer und Vertrieb meist sehr kurz, wenn nicht sogar Personalunion ist :-D. Ist einfach eine andere Situation. Aber trotzdem hätte ich als User natürlich gern die Kievit, Nexus uswpp alle gleich so ausgebaut wie die Sachen bei Parachute. Das ist, zugegeben, die reine Gier. Aber ich fände pragmatisch ein Model, wo ich Updates auf Fonts kaufen kann, toll – technologisch immer up to date und ab und zu dann eben ausgebaut oder modifiziert, vielleicht sanft gestaffelt nach dem Alter des tatsächlichen Fontkaufs. Auf den ersten Blick kompliziert, auf den zweiten eine Methode, niedrigschwellig Schrifttechnologie langfristig sicher zu verkaufen…
Die Photos, nebenbei, finde ich technisch nicht so dolle. Die Eos 5II hat etwas probleme mit dem Typo-Saallicht, und ich hab alle Bilder wirklich im Grunde völlig unbearbeitet gelassen. Sollte ich noch mal machen, maybe. Aber die Motive an sich,die Katharina und Steff gemacht haben, sind wirklich toll geworden – finde ichvor allem bei den Vorträgen,wo ich gar nicht dabei war.
Der Beamer in der Show lässt sich übrigens unglaublich schlecht photographieren (Farbüberlagerungen), der in der Hall ist viel besser in der Hinsicht.
HD,
Na denn mal los! Hier ist noch einen schreibtisch frei. Aber im ernst: Welche buchstaben denn? In welchem umfang möchtest Du denn Griechisch oder Cyrillisch unterstützen? Für letztes sind bestimmte akzentbuchstaben nicht mal von Unicode berücksichtigt und (da trotz OpenTypes unterscheidung von character und glyph die gängige software eine character=glyph identität erzwingen) in den meisten schriften nicht enthalten. Die frage des umfangs stellt sich schon früher. Was FontShop und andere, ich eingeschlossen, in sachen Lateinischen buchstaben bieten, ist im grunde genommen recht wenig. Schau mal in Adobes neuere herein, und selbst die sehen mager aus gegen einige arbeitstiere von Microsoft. Es ist kein bloßes ausfüllen von leeren buchstaben die irgendwie irgendwo schon da sind. Man muß zunächst ordentlich recherchieren um entscheiden zu können, was man überhaupt berücksichtigen will. Dummerweise sind designer nicht notwendigerweise auch linguisten. Nix basta …
Auf die gefahr, daß ich mich hier in eine FontShop-interne diskussion einmische:
Schrift ist service. Direkter kontakt zwischen schriftdesigner und schriftnutzer ist in der tat ein vorteil. Da kann man, wenn man ein anwendungsbeispiel gesehen hat und die zeit erlaubt, auch ohne langes hin und her eine ‹sonderausführung› machen mit veränderten zeichen oder erweitertem zeichensatz. Oder die frage ‹Kennst Du so eine schrift?›, nach erfolglosem durchforsten von musterbüchern, eineinhalb tage später beantworten mit ‹Leider nicht, aber was hältst Du davon?› und eine neue schrift als minifont vorlegen.
Für den designer ist die herausforderung oder einfach der spaß eh der spannendere aspekt. Aber das ‹verdient dadurch geld mit mir› war sicher mehr für die interne argumentation gedacht? :D
KL, um einen ganz wichtigen möglichen Mißversteher auszuräumen: Ich habe KEINE Ahnung von Fontshop-Interna in irgendeiner Art. Meine Zeit als Beirat ist einiges hin und ich kann und will in keiner Weise für FontShop sprechen, im Gegenteil – ich bin reiner Kunde. Ich habe keine Ahnung von den Dingen, die bei FS und FSI intern ablaufen und kann auch nicht mehr als als Halblaie – ich bin kein Schriftenentwickler – meinen Senf dazu geben, was ich mir als Kunde wünsche. Dass es beim Kyrillischen (mit all den Submöglichkeiten) natürlich ein Wahnwitz wird und meine Kundenwünsche für Schriftdesigner ein Irrsinn sind, ist mir klar. Aber ich sehe in der Praxis halt, dass ich etwa mit den Schriften von Parachute, Adobe-ProOT oder jetzt auch der Galaxie eine einfache Anzeige auf Kyrillisch setzen kann (Microsoft ist noch extremer ausgebaut, da die Fonts wirklich weltweit funktionieren müssen, das ist teilweise schon etwas beängstigend), mit der Nexus oder Kievit oder Milo aber nicht.
Und das ist einfach schade. Ich war zuerst überrascht von Chesters Methode bei der Galxie aus der 1.0 eine 2.0 zu machen, deutlich ausgebaut und mit der schnieken Condensed als Dreingabe für 199,–, aber auf den zweiten Blick fand ich das für mich als Consumer extrem genial. Inwieweit das für ihn als Designer sinnvoll ist – oder inwieweit das für andere Häuser ein Weg ist, kann ich nicht beurteilen. Als Laie denke ich: Okay, wenn ich die Wahl habe, einmal Software X zu kaufen und dann Upgrades zu bezahlen erhöht das meine Bereitschaft, X zu kaufen und dabei zu bleiben, beträchtlich (siehe Adobe Creative Suite) – ist das eine Idee, die sich auf Fonts übertragen lässt? Was ist mit Demofonts? Und so weiter, Ich denke – nicht von der businessseite her kommend – über Probleme/Möglichkeiten nach, die ich von meiner Seite her bei Schrift sehe. Das die «andere» Seite die immer anders sieht, ist oft klar – aber ich denke, es ist immer prima, drüber zu reden. Dabei geht es mir jetzt weniger darum, mir eine Schrift anpassen zu lassen – was viele kleine Kunden auch nicht zahlen können – als vielmehr um die Frage, wie man Schriften langfristig ausbauen und entwickeln kann (bedenk mal, wie lange die Meta zB schon an Lebenszeit hat, das ist ein Produkt, das Upgrading vertragen kann). Upgrading wäre da eine Möglichkeit, in soliden Zyklen eine Schrift auszubauen und verbessert anzubieten – und zugleich die Kunden besser zu binden.
[...] Nach zwei Monaten Leerlauf im Fontwerk wird es mal wieder Zeit für ein paar Zeilen. Was liegt näher, als kurz noch die vergangene TYPO Berlin zu resümieren, wie ich es auch in den letzten Jahren getan habe. Diese TYPO war eine sehr besondere für mich, da ich zum ersten Mal als Sprecher aktiver Teil der größten europäischen Designkonferenz sein durfte. Um es gleich vorweg zu nehmen: dieser Teil der Veranstaltung lief recht gut. Zu meiner eigenen Überraschung konnte ich mich fünf Minuten vor Präsentationsbeginn auf den Ruhepuls von Dschamolidin Abduschaparov einstellen, so dass die Situation auf der Bühne erträglich wurde und so die unendlichen typografischen Weiten von OpenType im Vordergrund standen [Bericht von HD]. [...]
Das habe ich mit dem absatz “Schrift ist service.” etc zu sagen versucht. Was man für sich selbst oder einen kunden macht (für viel, wenig oder gar kein geld, je nachdem) fließt früher oder später in die normale version ein, denn: Wenn ein kunde bemerkt, daß bestimmte zeichen fehlen, fehlen sie vielleicht nicht nur ihm. Was man einmal an arbeit gemacht hat, kann man denn früher oder später auch jedem zugänglich machen. Und was man einmal bei einer schrift gemacht hat, überträgt man wahrscheinlich früher oder später auf andere oder alle. Mit anpassungen meinte ich übrigens keineswegs nur, das ohr des r etwas anzulupfen.
Fonts bekommen schon jetzt ständig updates. Was das “soliden zyklen” betrifft, wäre ich zogerlicher. In die (schrift)kundenposition herübergewechselt, würde ich dann schnell auf reine marketingstrategie schließen.