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TYPO BERLIN 2006 TAG ZWEI

Die Bilderflut von Tag 2 der Typo. Da ich den größten Teil des Tages nicht bei Vorträgen war, außer bei eBoy und natürlich Chip Kidd, sondern bei Petr Bloklands Spiel und in Gesprächen mit ein paar Rednern und Besuchern, sind die Photos von Steffi & Séan, es viel kann ich also nicht dazu schreiben. Heute sollte ich mal sehen, daß ich die Slanted-Crew finde und Nick Blume… die Typo ist irgendwie immer so, daß man einfach nicht alles schaffen kann, was man schaffen will, es gibt einfach zu viel zu sehen und zu erleben…






























Bei Typoradio werden die Zwischenüberschriften live mit zwei Obverhead-Projektoren gemacht, ganz lofi mit Nudeln und Gebäck und so.

























Die Typeradio-Show ist unisono abgefeiert worden…






















Bilder von Petrs Design-Spiel/Workshop. Great fun.



Ellen Lupton, die übrigens eine absolut gleich aussehende Zwillingsschwester hat, signiert ihre DIY-Bücher. Im Background ein netter Student von der L4 aus Berlin.



Chip Kidd ist ein Sonderfall für mich, weil ich ausnahmsweise mal nicht ERST den Designer und DANN die Produkte kannte, sondern eher immer dachte. Whoa, die Amerikaner haben ja ziemlich schöne Bücher. Und dann erst in den Staaten feststellte, daß dem gar nicht so ist, die meisten Bücher sind dort eher grell oder langweilig. Ich hatte nur eben zufällig recht häufig Bücher von Kidd oder seinen Nachahmern in den Händen :-D. Und von da war es ein kurzer Schritt zu einer ersten kleinen Monographie über ihn und dann schließlich seiner eigenen letztjährig erschienen Retrospektive. Bei Kidd ist es weniger so, daß ich seine ganz konkrete Arbeit immer super finde (das meiste ist schön, aber es gibt auch recht nichtssagende Designs aus meiner Sicht), sondern eher, daß jedes Cover spürbar auf die Texte reagiert, eine flexible, aber klare Handschrift da ist, eine Intuition, ein Feeling und zugleich eine wunderbare Suche nach Ideen. Außerdem ist Chip ein unglaublicher Comic-Book-Freak, wie ich ja auch, und das tröstet doch irgendwie ungemein ;-). Stephanie hat ihn gebeten, einen Batman auf ihre Typo-Card zu pinseln. Und ich glaube, eine Menge Leute haben die Idee von ihr übernommen. Chip malt tatsächlich einen sehr soliden Bruce-Timm-on-drugs-Batman. Auerdem: Schönes Hemd, schöne Uhr, perfekter Haarschnitt, manikürte Hände, perfekte Clark-Kent-Glasses, der Dreitagebart das perfekte Gegengewicht, daß die Sache menschlich erdet und Kidd vorm Dandytum bewahrt. Gentleman, durch und durch. Die Perfektion.




















eBoy, die Deichkinder unter den Designern. Mit dem was sie so tun, gab es nur zwei denkbare Karriereverläufe: Entweder als durchgeknallte Freaks abgetan werden und verhungern oder eben einfach Stars werden. Sie sind Stars geworden und das absolut zurecht. Und machen jetzt das, was sie immer tun wollten und kriegen (hoffentlich) ein Mördergeld dafür. Respekt!



Killerbiiiiirds.








Ralf Grauel ist ein mörderisch guter Entertainer und wäre auch ein guter Moderator für die Typo, finde ich. Ich kenne und mag seine Artikel in der BrandEins, und es ist verblüffend wie locker und relaxed er seine Inhalte auf die Bühne bringt.






Ellen Lupton versucht, die Typographie vor ihren Beschmutzern zu retten. Too late, too late.

Zu schade, daß es kein Photo davon gibt, WIE der Vortrag hieß. Es war der Titel eines Zeitungsvortrages über eine Vegas-Show von Celine Dion: There is a Style Gland that turns malignant in Nevada... Absurd and funny.



Kidd, mutigmutig, fängt mit Comic-Book-Nerdism 101 an. Nämlich mit seinen Arbeiten für DC, für die er neben etlichen Edel-Hardcovern auf Druck von Frank Miller auch das Comic-Book-Design für All Star Superman und All Star Batman machen durfte. Seien wir doch mal ehrlich… daß Chip ein Star-Designer, das ist ja schön und gut. Das er unendlich talentiert ist, sicher sicher. Damit leben wir. Aber… er kennt Frank Miller. Und Ellroy. Und Updike. Und wahrscheinlich auch noch Elmore. Und Sedaris. Hallo? DA hat man dann langsam echt einen Grund zum Sozialneid :-D.






Ein altes Supie-Cover. Kidd leitet seine Idee für das neue Logo aus dem alten klassischen Logo von Superman her. Sein Superman-Logo fliegt weg, Batman und Robin kommen hingegen visuell gesprochen durchs Dachlicht geschwungen. Kidd hätte so gern dynamische Bilder für die Cover gehabt. Big and bold… Aber…


Gay Superman. Kidd erklärt die Reaktion der Comic Book Geeks auf die All Star-Comics und die Covermotive – und (obwohl ich absolut nicht weiß, wieviel Leute ASBARTBW und ASS überhaupt kennen), der Saal tobt. Erik erklärt mir hinterher, er kenne sich mit DC Comics ganz gut aus. Schon drei Comic Nerds auf der Typo…




Chip geht in seinem Vortrag neben seiner Obsession für NY auch aktuelle Arbeiten durch, erklärt den Prozeß u.a. der Entstehung der neuen CD von Paul Simon und ist in Gestik, Mimik, Tonfall ein so geniales Amalgam einer Scott-F-Fitzgerald-Figur und eines 40/50s-Kate-Hepburn-Films, das er definitiv die beste Rede der Tagung bringt. Lebendig, druckvoll, witzig, voller Charme und Wärme und Liebe, voller Selbstironie und komischer Seitenhiebe auf die eigenen Kunden, voller Frustration über Dinge, die falsch gelaufen sind. Großartig. Wenn schon ein Vortrag aus Selbstdarstellung bestehen muß… dann bitte wenigstens so. Very nice und zu recht mit stürmendem Applaus bedacht.




Das hochkomische Powerpoint-Karaoke. Ich habe nicht mitgemacht, weil eine der Typo-Damen zu feige (sagen wir es noch einmal laut: ZU FEIGE) war, mitzumachen. Zu recht, insofern vor allem: Thank god. Ich hätte mich neben den Leuten, die auf der Bühne durch die abstrusesten PPTs hangelten, doch absolut blamiert. Großartig fand ich Nina mit Rauchen am Arbeitsplatz, muß ich sagen, die sich einfach von Null auf Hundert hochgerockt hat. Aber die Präsentation, die Rauchen im Job und die Themenblöcke AIDS und Gewalt grandios nahtlos miteinander verknüpft, ist ja nun einmal auch Steilvorlage :-D. Feine Sache, wäre vielleicht cooler gewesen in anderem Kontext mit mehr Leuten, mehr Stehen, mehr Bier, mehr Party. Und die Jury war mir eindeutig zu sehr im «Wir persiflieren DSDS»-Modus, das war nüscht und nahm nur den Speed aus der Sache.

20. Mai 2006 09:08 Uhr. Kategorie Leben. Keine Antwort.

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