TYPO BERLIN 2006 TAG EINS

Wer mich etwas kennt, weiß, daß ich ab und zu kein Ende finde. In diesem Sinne ein einfacher, nicht endenwollender Bilderstrom vom ersten Tag der Typo 2006 unter dem Motto PLAY in Berlin. Einfach deshalb so viel, weil es Spaß macht, sich die Bilder anzusehen (mir jedenfalls). Mea culpa an alle Modemuser, nach dem Break kommen über 150 Bilder. Kommentieren werde ich die Bilder wohl erst nachträglich können, da ich gleich schon wieder auf dem Sprung bin und gestern nacht keine Zeit mehr hatte, zumal das Laptop tatsächlich jetzt rund 8 Stunden an den RAWs herumgerechnet hat, was etwas unwirklich ist. Also: Später nochmal reinsehen. Los gehts …















Kalle Lasn, für mich Tibor Kalmans legitimer Erbe, an dessen legendäres und immer noch akutes First Things First Manifest er anknüpft, eröffnet als Keynote-Speaker die Typo. Er faßt die Essenz seines grandiosen Buches Design Anarchy, das es in Germany glaube ich immer noch nicht gibt, zusammen und spricht über die Rolle der Mediengestalter in Zeiten ökonomischer und ökologischer Desaster. Designer haben vergessen, daß sie als Shapers of Media tatsächlich bewußtseinsveränderd wirken können und sollten, wie es Bauhaus und Gropius et al nach den Erfahrungen vom Zweiten Weltkrieg versuchten. Designer geben sich heute zu oft damit zu frieden Desire for Merchandise zu produzieren. Neben grundsätzlichen zeigt Lasn auch Beispiele für das, was er Psychodesign nennt. Design, das die Psychodynamik des Nutzers ändert, wie etwa ein offen in der Wohnung sichtbarer Stromzähler, der den eigenen Verbrauch sichtbar macht und so dem Nutzer die Möglichkeit und den Ansporn gibt, Energie zu sparen. Psychodesign erinnert so an individuelle oder soziale Probleme wie Engerieverschwundung, Alkoholmißbrauch, Übergewicht usw und wirkt aktiv und clever, durchaus auch unterhaltend dagegen.





Die Ggoßartige Gail Anderson, die ich zutiefst vergöttere. Ich kenne Gails Arbeiten seit Jahren via Rolling Stone, wo sie 15 Jahre im Designteam war und obwohl ich nicht einmal wußte, daß sie inzwischen bei der New Yorker Agentur SpotCo ist, kenne ich deren wunderbare Arbeiten auch nahezu ausnahmeslos via TDC-Annual :-D. Gail hält einen schnellen, hochsympathischen Vortrag, stellt ihre Kollegen und Arbeiten vor, zeigt den Prozeß hinter der Entstehung von Plakaten für die Broadway-Shows, die SpotCo als eine der einzigen beiden Agenturen in NY produziert. Tröstlich und frustrierend zugleich, ist zu sehen, daß selbst solche legendären Talente sich nicht mit ihren Ideen immer durchsetzen können. Am Beispiel des Plakates von High Fidelity zeigt Anderson den mitunter wirren Entscheidungsweg ihres Kunden auf, der mit der Präzision einer wärmegesteuerten Rakete den schlechtesten Entwurf auswählt und dann auch noch modifiziert. Wenn Sie Montag zurück in New York ist, ist diese Baustelle das erste, worum sie sich kümmern muß. Mit Gail durfte ich am nächsten Tag noch etwas plaudern, über ihre Arbeit, ihren Weggang vom Rolling Stone zu SpotCo, die Arbeit mit «echten» Klienten und sie war absolut hochrelaxt, nett und lustigerweise kannten wir beide die gleichen Fernsehserien – sie war fast entsetzt, daß ich es geschafft habe, mich von Lost loszureissen :-D.



Der Design-Blimp, aus dem ich beim Abbau am dreitten Tag Helium saugen durfte. Meine Stimme klingt nicht besser,wenn sie drei Oktaven höher liegt.


Maren Thomsen. Irgendwann habe ich endlich mal einen Kunden, mit dem ich ein Riesenbudget bei denen flachhauen kann. Maren Thomsen haben mir mein Sudelbuch wunderbar wiederbelebt und sind für mich für immer die Nr. 1 in Sachen Magie-mit-Papier.



Passend zu Play gibt es eine riesige Spieleecke, mit Golf, alten Telespielen, an denen ich und Séan Soccer gespielt haben, wobei ich einen unfairen Vorteil habe… ich hatte das Originalspiel als Kind. Außerdem sind die Typo-Katzen als Spiel umgesetzt, beautifully.



Surfen, abhängen, Spielen. Hier treffen sich unglaublich viele Studenten zwischen den Vorträgen. Die Atmo hier ist einfach nur fun.


Das Telespiel-Museum, passend zu Jörg Gudehus Vortrag über Game Grafix morgen.



Das Fontbook steht bevor und der Fontshop feiert sich (zu Recht) für diese bewältigte Herkulesaufgabe. Man konnte sich das Book als Vorab-Ausdruck ansehen, erschlagend wie die gigantische Version des Covers am Stand. Schön ist, wie aktuell und zeitlos das ja nicht ganz neue Design des Covers von Erik immer noch wirkt.





Piet Schreuders zeigt Arbeiten von sich und wie sie eine Art echokammer kultureller Referenzen sind. Für eine niederländische Katzenliebhaberzeitung entstehen so Ausgabe um Ausgabe genialer Rip-Offs und ein Buch mit Katzenschwanz. Ich muß aber persönlich zugeben, nach Lasn flammendem Appell an die Zukunft des Designs für ein ökosoziologisches Design von Morgen, wirkt sowohl Gail mit ihren grandios schwungvollen Retroamericana-Kleinoden als auch Piet mit seinen Liebeserklärung an niederlänbdisches und internationales Design der 40er bis 70er einfach etwas unglücklich placiert, was für mich die an sich guten Vorträge etwas schwächt.


Die wunderbare Auster, hier noch im Regen. Nächstes Jahr wird umgebaut, da geht es also wahrscheinlich an den Alexanderplatz. Schade, wo man doch endlich mal gelernt hat, wie man sich im Haus der Kulturen zurechtfindet :-D





















The wonderful people of Typo. Leider hat Sean Freitag und Samstag, höflich wie er ist, weniger Menschen photographiert. Die Besucher der Typo sind natürlich automatisch eine spannende Truppe. Jede Menge Designer und Kreative und dann auch noch sensibilisiert genug für High-End Typpgraphie. Hier trifft man weniger auf Leute, die sich Montags morgend entscheiden, ob sie nun Times oder Arial für ein Corporate Design nehmen und entsprechend spannend sind fast alle Gespräche, die man nach den Lectures so mitkriegt. Ist immer für jemanden wie mich schwer, da nicht sofort in Debatten einzusteigen und entsprechend habe ich am zweiten Tag keinen Vortrag mitgekriegt, sondern nur mit Gästen geplaudert.


David Carson signiert. Etwas erschreckend für mich, daß bei Carsons Buchsignierstunde wirklich eine endlos lange Schlange stand, bei dem genialen Kalle Lasn aber nur eine winzige Handvoll. Lasn ist das Design von heute, vielleicht von morgen, Carson das von gestern. Lasn spricht, wie Tibor Kalman vor ihm, von einem Design, das eine Aufgabe für die Menschen erfüllt (nicht nur für DEN Menschen, der es macht), das nicht nur gut aussieht, sondern vor allem und zuerst auch etwas bewirken möchte. Carson ist das Gegenmodell, ein narzisstisches Me-First-Design, das ein wunderbares Styling bietet, aber im Kern mehr BlingBling (danke an Anne für den Begriff für Styling-Design) bietet und wenig Substanz. Ich bin ein großer Fan von David als Künstler, der ein unglaubliches Gespür für Buchstaben und Raum hat und wie kein zweiter die Idee von Dada, von Tempo und Feeling, von Design-as-Rock-n-Roll verköpert. Ich mag seine Arbeit unglaublich. Aber Lasn ist hier und jetzt der Mann, dessen Autogramm man sich angelt. Das von Carson hast du von 1994 oder gar nicht mehr, Baby :-D. Carson war aber supernett und geduldig und offen mit seinen Fans, unglaublich allürenfrei, Photos, nette Autogramme. All around nice guy, der sogar am Samstag auf der Typo-Party noch abhing und sich mit seinen Fans unterhielt. Für jemanden, der sich wie kein zweiter eine miese Attitude leisten dürfte, weil jeder ihn vollquasselnb will, ist er unglaublich West Coast: Relaxed, sunny, offen und kommunikativ.








Ich hoffe, Klaus killt mich nicht für das Photo :^).




Sag mal, hab ich nicht mal gelernt, daß man bei vierstelligen Ziffern keinen Punkt macht, erst ab 10.000? Bring ich da meinen Studenten was Falsches bei? Ich meine, FSI würde da doch keinen Mist bauen, oder?








Es ist un-glaub-lich, wieviel Leute auf der Typo photos gemacht haben. Handy, Digicam, SLRs, sogar eine Porif-Photosession im oberen Bereich. Außerdem Video und Podcast und Radio. Multimedia olé. Jürgen Sieberts Schreibtisch muß in den nächsten Wochen explodieren, wenn die Leute ihm die Bilder schicken, die sie so gemacht haben. Wenn ich bedenke, daß ich noch 2005 fand, zu wenig online über die Typo zu erfahren… das wird sich in den nächsten Jahren gravierend ändern, weil die Design-Bölogosphäre und das Typo-Publikum nah beeinander sind.




Ein Mini-Fontbook-Museum. Ich war überrascht zu lernen, daß das Fontbook nicht vom Fontshop als Schriftenvertrieb, sondern von FontShop International, also der Font Foundry und dem Lizenzgeber der Shops, produziert wird. Logistische Meisterleistung und für mich mit vielen Erinnerungen verknüpft. Ich war auch überrascht, daß Petr Blokland an einer alten Version des Fontbook mitgewirkt hat und hinter der Software stand, die die Fonts listet. Aaaaber zu Petr später mehr.









Einer meiner vielen Doppelgänger, die Steffi und Séan immer verwirrten. Ich bin echt ein Designklischee, oder? Glatze, schwarze Klamotten, Kaffeekonsum. Damn….







Der Fontshop-Stand, mit Jürgen Siebert, der es irgendwie geschafft hat, seine Gastgeberrolle wahrzunehmen, am Stand charmant die Besucher zu infotainen und dabei stets relaxed und natürlich zu wirken. Ich hätte spätestens an Tag Zwei einen Burnout gehabt. Ich glaube, Jürgen, Holge und Benno (und das gesamte Team um sie herum) können hyperstolz auf diese Leistung sein, die ja immerhin schon seit 11 Jahren funktioniert und der Designevent (Design, nicht Werbe!) in Deutschland ist. Ich hoffe, jeder beim Fontshop leistet sich auf der Typo den Luxus, einen Moment aus der eigenen Hektik herauszutreten und sich dieses Monster anzusehen und einfach absolut glücklich zu sein. Der Moment, wo man von der Treppe unten bei Typobox und SpeakersRoom in die Halle kommt, ist dafür perfekt. Es wimmelt von Leuten, Action, Leben. Und alles, weil eine handvoll Leute 1994 entschlossen hat, mal was neues auszuprobieren. Rock and Roll.







Der Magma/Slanted/Bastard/Volcano-Stand. Lars, Boris und Co haben es geschafft, sich von HP UND von Océ sponsoren zu lassen und komen mit dem Slanbted-Magazin UND dem Bastard-Book auf die Typo. Monströs. Das Buch hab ich auf der Typo nicht auch noch gekauft, wir haben die Sachen so noch kaum nach Hause geschleppt gekriegt, es ist aber sowas von bestellt :-D. Klasse, Lars und Boris, die ich ja auch nur online kenne, kurz kennenzulernen. Ich war, wie immer, wenn ich ich übermüdet und hyperaktiv zu gleich bin, im Dauerquasselmodus, und hab hoffentlich nicht ZU sehr genervt.




Linotype stellt den hocherfolgreichen FontExplorer vor.







Andreas Frohloff, von dem ich ein großer Fan bin, auch wenn er wahrscheinlich nicht mal weiß, wer ich bin :-D. Technik.Wizard und Kalligraphiemeister, der dir beim kurzen Gespräch deine Handschrift analysiert und drei Tipps gibt, wie man sie lesbarer kriegt, auch wenn da bei mir Hopfen und Malz verloren ist. Muß 2007 mal sehen, ob ich in einen seiner stets übervollen, unglaublich beliebten und leider viel zu kurzen Workshops komme.










Der Werbekongress bewirbt sich auf der Typo. Schöne Idee, bad Photoshop. :-D



Eins von zahlreichen fiktiven Plalkaten von Studenten zu fiktiven Typo-Themen. Love fände ich wirklich mal witzig. Und natürlich: die unvermeilichen Floralen Elemente, das Tabu von 2005/6.







Ellen Schimkat, von Arjo Wiggins.








Alessio, der nicht nur als Sprecher, sondern auch als Moderator (und Designer) für lässigen Humor und Charme steht. Der Moderatorenjob ist ziemlich undankbar, weil man eigentlich in Leute hineinspricht, die gerade kommen oder gehen und um dich herum wird umgebaut. Alessio schafft das alles locker und witzig und als Sprecher wäre ich irgendwie etwas nervös, nach IHM auf die Bühne kommen zu müssen. Great guy.


Ich fands immer etwas absurd, daß zwei schwarze Glatzköpfe mit fast identischen Objektiven durch die Typo geisterten an diesem Tag und war froh, als ich an Tag 2 und 3 nicht mehr photographierte :-D.








Clemens Theobert Schedler aus Wien hat sich nicht nur in den letzten 20 Jahren perfekt den Österreichischen Akzent und die landeseigene sexy Lässigkeit angewohnt, sondern auch einen der mutigsten Vorträge gemacht. Ohne Beamershow, ohne Brimborium, ohne am Pult zu kleben. Sichtbar nervös, sichtbar eben LIVE, aber im Laufe der Präsentation, beim grandiosen Feedback des Publikums, sehr warm werdend. Persönlich, klug, mit Mut zum Pathos und auch in der Lage, sich selbst zu ironisieren, spricht Clemens über seine Erfahrungen mit Kunden, seine eigene Entwicklung, Entscheidungen, Respekt und den Umgang zwischen Designer und Kunde. Darüber, sich nicht erpressen zu lassen, Selbstvertrauen zu haben, zu verstehen, was man da als Beruf leistet. Aber auch zuhören zu können, nicht permanent im Overdrive Kunden und sich selbst über-überzeugen zu müssen. Für mich, in meiner akuten Situation, persönlich einer der wichtigsten Vorträge. Nicht nur heute, überhaupt.





Mathias Mertens über Telespiel-Grafik. Spannend, aber von der reinen Terminologie wahrscheinlich an vielen Designer vorbeit, die von Topoi und Agenten noch nicht viel gelesen haben. Trotzdem groß.




Indraaaaa


Mein Kaffee-Lied. Ohhh, Coffee, Ohhh Tea, Ohhhh Espresso und so weiter. Jaja, sagt nichts.
Und who doesn’t like Hot Chocoloate, da kann man dann direkt am Ende weitersingen.
Oder heißt es: NULL COFFEE?


Me with banana. HD likes banana. Banana tells good story.


Die hyperbrutalen Vögel am Haus der Kulturen, die unter anderem einer Frau mal locker den Kuchen vom Teller geklaut haben und denen ich am zweiten Tag aus der Hand, beim Gespräch mit Nick, ein Brötchen verfüttern könnte. Sozialdarwinismus unter Vögeln. Das war schon etwas surreal, wie die abgingen.

















Best of Spiekermann. Erik macht einen Trip durch seine Geschichte, von der ausgebrannten Druckerei über die ersten Bücher, bis hin zu aktuellen Arbeiten für die Deutsche Bahn und Bosch. Spiekermann ist ein Kommunikator par excellence und schafft es, diese Retrospektive, die schnell wirken könnte, wie ein Flickenteppich aus Präsentationen und Lectures, solide zu verknüpfen, noch ein paar Typo-Basics einzubauen und nur er schafft es, ohne Langeweile auch noch die richtigen Wortzwischenraumeinstellungen in Indesign neben Videos aus Rob Reiner Spinal-Tap-Film zu bringen. Wenig neues, leider, aber hochunterhaltsam, informativ und voller netter Seitenhiebe (wie etwa Ulis Variante von Meta und den Gründungsmythos) und Kunden (wie etwa den Bahnfahrplangestaltern, die einfach die Helvetica gegen Eriks neue Schrift austauschten und die Pläne so nicht unbedingt lesbarer gemacht haben). Nice one. Erik ist einer der Leute, deren offensichtlicher Spaß an Schrift und dessen Sicht von Typographie nichgt als toter Mnaterie sondern als Aktivposten und Change Management Asset (auch wenn er das nie so nennen würde) in Firmen mich ziemlich in diesen Job gezogen hat. Und es ist immer noch witzig zu sehen, wie seine hyperaktive Art ansteckend und seine Denke meiner nicht zu unähnlich ist. Nur, daß Erik ungefähr den siebenmilliardenfachen Charmefaktor hat. Da kann man nix machen.







Simone Wolf von Typevents, die in der Hall moderiert und den souveränen, gut angezogenen Gegenpart zu Alessio gibt, Yin to his Yang.



Petr Blokland, für mich die Entdeckung der Typo. Autor, Programmierer, Designer, Dozent und wahrscheinlich viel mehr. Jürgen hat mich in Petrs Designing-the-design-process-Spiel gelotst, das Petr gemeinsam mit Studenten entwickelt als Spiel für Designstudenten des niedrigeren Jahrgangs entwickelt hat und das bereits per se großartig ist, weil es entscheidende Einsichten spielerisch vermittelt, sowohl denen, die im Spiel als Designer spielen als auch den Kunden (zu denen ich gehörte), und weil es tatsächlich nicht nur ein Spiel ist, sondern darüber hinaus auh ein Experiment, aus dem sich verallgemeinerbare Strukturen ergeben, wie Designer ihre Arbeit angehen. Gefolgt von einer kleinen Lektion, in der Petr erklärt, daß es in Schach zum Beispiel nach jeder Entscheidung (Zug) 35 weitere gibt, bei Go 350, im Designprozess weit über 1000. Jede mögliche Entscheidung führt zu 1000 weiteren Entscheidungsverzweigungen, die wiederum zu… und so weiter. Petr arbeitet unter anderen an Software, die solche Entscheidungen automatisiert und vollautomatisch anhand bestehender Vorgaben funktionale Layouts erzeugt. Das ist keine Theorie, sondenr praktische Notwendigkeit, etwa an hochdatenintensiven Sites einiger Kunden. Während also auf der Typo GrappaBlotto ihren Layoutomaten vorstellen (eine Software, die wenig mehr ist als ein CMS-System), ist Petr auf keiner Bühne, aber Lichtjahre weiter :-D. Fast nebenbei erfährt man im Gespräch, daß er Ikarus auf den Mac übertragen hat (so in den 80s also), RoboFog mitentwickelt hat, daß die Proforma von Fontbureau von ihm stammt, er an unglaublichen XML-Anwendungen sitzt, um nicht nur seine eigenen Arbeitsprozesse zu organisieren, sondern auch Websites von Kunden zu automatisieren und und und. Beängstigend. Und wie er dann aufstrahlt, wenn er von Neal Stephensons schönem Cyberpunk-Thriller Snow Crash erzählt, von Nanotechnologie und der Zukunft. Es ist etwas weird… auf der Typo applaudieren wir Leuten, die in Software Vektoren und Pixel lustig anordnen und sich Designer nennen. In Wirklichkeit sind Leute wie Petr die echten Designer, weil sie die WERKZEUGE schaffen, mit denen wir arbeiten. Wir sind nur (kreative) Anwender. Ich will damit meinen eigenen Job nicht schmälern, ganz im Gegenteil, Software bedienen zu können hat nichts mit unserem Job als Designer zu tun (natürlich nicht und sogar im Gegenteil, es engt ein), aber Petr zu treffen war ultrafaszinierend, so spannend, daß ich am dritten Tag eigentlich kaum noch etwas mitgekriegt habe, weil wir uns festgequasselt haben und ich sogar Fons verpasste :-D. Die einzige Lecture war dementsprechend die von Erik und Just (LettTerror), in die sich Petr wireless neben mir sitzend einhackte und die Applikation mitsteuerte, Schrift erstellte, Fonts wechselte, Texte schrieb, Präsentationselemente mit zwei Fingern auf dem Touchpad zoomte, surreal :-D. Während seine tatsächliche Arbeit pragmatisch und up-to-date ist, ist Petrs Meta-Denken in Strukturen, über Design und Architektur, über Denkprozesse von Designern und Kunden, der Zeit voraus.




Eigentlich das Gegenmodell zu den Bloklands. Wo Petr und sein Bruder spürbar intellektuelle Designer sind, Leute, die – in Musikanalogie sprechend, an hochkomplexen Jazz austoben –, ist Carson ein Rock’n'Roller, der aus dem Bauch heraus jammt. Und das nach wie vor mit sehenswerten Ereignissen. Carson steht für mich wie kein zweiter für Design-sans-Content, für Styling, für Eyecandy, ist aber in dieser katregorie wegweisend für die Generationen nach ihm. Ob bewußt oder nicht, steht er in der Tradition eines Wolfgang Weingart und manchmal ists schade, daß er so sschnell so kommerziell erfolgreich wurde, es wäre spannend gewesen zu sehen, wie er sich im Underground weiterentwickelt hätte. As it is, hat er sich zu einer großen Kraft entwickelt, die inzwischen wieder eher außerhalb des allzuglatten Mainstream operiert und der auch bei computerbasierten Arbeiten einen Dreck, eine wunderbare Naivität, Impulsivität ausstrahlt. Der Vortrag an sich war leider etwas vertraut, etwas wenig informativ. Carson hätte vielleicht weniger zeigen, mehr erzählen sollen, den guten Entertainer in sich eine Chance geben. So war es eine Bilderflut, die viele leider überforderte. Zu viel Portfolio, zu wenig Play. Vielleicht kann Carson aber seinen prozeß einfach auch schlecht erklären, weil es nichts zu erklären gibt, so wie Jimi Hendrix vielleicht auch seine eigene Brillianz nicht hätte kommunizieren können, er hat einfach sein Ding gemacht. Und das reicht ja auch. Wie Hendrix hat Carson das Design einfach grundlegend geändert, stellt den Apex einer bestimmten Entwicklung der 90er dar und man kann heute – je nach Geschmack als Warnung oder als Vorbild – auf keinen Fall an ihm vorbei.