TYPO BERLIN 2006 TAG DREI

Ich muß zugeben, am dritten Tag habe ich nur einen einzigen Vortrag gesehen und auch den nur halb. Der Grund ist, daß die grandiose Ines Wildhage von Textkontakt, die den hochstressigen Job hat, die Pressetermine der Typo-VIPs zu jonglieren, es irgendwie geschafft hat, mir ein paar bekannte Gesichter zuzuschieben, so daß ich auch heute recht viel im (bzw. vor dem) Sprecheraum in der Sonne saß und mit ein paar netten Menschen quasselte, die (und deren Arbeiten) ich sehr mag. Alessio Leonardi, David Carson, Erik Spiekermann, Chip Kidd, Donald Beekman und und und, das war schon anregend heute und unterm Strich sicher auch lustiger, als passiv Vorträge zu hören. Ich bin nicht so der Star-Schmoozer, aber damn, it WAS fun. Alle Beteiligten haben sich lustig in das Lexichain-Game gestürzt und hoffentlich so ein paar Minuten Spaß an der Sonne gehabt. Last not least eben Petr Blokland, wie ich schon erwähnte für mich DIE Entdeckung der Typo, mit dem ich so vertieft war, daß wir beide Fons Hickmann verpaßt haben und kaum merkten, wie es wieder zu regnen began. Und obwohl ich Fons wirklich sehr mag, derzeit der deutsche Designer im Plakat-Bereich, keine Frage, war es das allemal wert. Das einzige was ich also gesehen habe, waren eben Petr und Erik Blokland und dazu Just van Rossum, die bei ihrer Präsentation ein seltsames Online-Spiel gespielt haben, bei dem Petr als störender dritter Bruder ständig in die Präsentation funkte. Ich weiß nicht, ob man den ganzen Gag im Publikum verstanden hat, oder man das nur für ein seltsames Flashgedöhns gehalten haben kann (wobei ich nicht so sicher bin, daß es nur oder überhaupt Flash war, zu einfach für die Bloklands), aber es war schon großartig, zuzusehen, wie sich Petr wireless in die Anwendung einloggte und mit Touchpad/Tastatur-Kombinationen bestimmte Typospielereien veranstaltete (Bewegung mit zwei Fingern auf dem Touch zum Beispiel macht die Schrift größer oder kleiner, man kann den Font wechseln, und so weiter, ziemlich cooler Shit).
Die Photos sind also alle von Séan, der leiderleiderleider kaum seinen Sitz verlassen hat, weil er – als der absolut höflichste Mensch auf der ganzen Welt – wohl niemanden stören oder die Sicht stehlen wollte. Weswegen er auch, im Gegensatz zu mir, einfach nicht unverschämt genug ist, den Leuten ins Gesicht zu knipsen :-D. Trotzdem hoffentlich spannende Photos, vor allem für mich… ich hab ja gar nichts von den Vorträgen gesehen und es ist schön, zu raten, was welches Chart wohl bedeutet hat. Es ist halt so: Egal, was du machst, du verpasst auf der Typo immer etwas. Und so soll es auch sein.
Die Party im Big Eden, einer früher Rolf Eden gehörenden Popperdisco im herrlich abgeschmackten Pseudonobel-Design, grottig as can be, war super, auch wenn ich mich peinlicherweise langgelegt habe und wieder mal zu feige war, Fons Hickman vollzutexten. Meine Angst vor namhaften Kollegen ist irgendwie strange, der Ranschmeisser werde ich in diesem Leben wohl nicht mehr. Was ja auch okay ist. Die Musik, ein irrlichtender Mix aus 60s, 80s und akutem Stuff, war gelungen, leider hat der DJ, kaum das ich jenseits der Schamgrenze angeheitert war und bei korrekter Musik tanzen gegangen wäre, auf House umgestellt, was rein mit Blick auf die Uhr professionell die richtige Entscheidung war, aber ich hätte etwas mehr Gitarre brauchen können, so mal ganz persönlich. Danach noch bei Burger King ein finaler Cholesterinschock und im Morgenhellen ins Hotel zurück. Es ist gut, betrunken durch die Straßen von Berlin zu gehen. So siehts aus.
Später mehr, muß erst mal das Hotel räumen, fixfix…
…
Danach noch Frühstück mit Anne, Séans Freundin, die einfach perfekt-o-nett ist, eine grandiose Modedesignerin abgäbe und zudem einen großartigemn Musikgeschmack hat, mit dem sie im Dortmunder FZW hoffentlich demnächst die Wände wackeln läßt. Zugfahrt zurück in überfüllten Zügen, bei der wir noch einen sehr netten Barmeister aus dem Schlösschen in Bielefeld kennengelernt haben, samt seinem supersüßen Sohn Theo, der mir gern jederzeit meine Kekse wegfuttern darf.
Die Frage von vielen meiner Studenten, ob die TYPO ihr Geld wert ist, ist nach drei solchen Tagen irgendwie eher albern. Hier lernst du in drei Tagen mehr über den aktuellen Stand der Branche als in einem Jahr an der Uni, so sieht es aus. Und das für 200 Euro. Ich selbst habe von den verschiedensten Seiten einen – hoffentlich nachwirksamen – Motivationsschub erfahren, mich in meiner Arbeit deutlich klarer zu definieren. Entweder sind einfach sehr sehr viele Menschen an diesem Wochenende sehr nett zu mir gewesen und wollten mein Ego polieren oder ich verkauf mich vielleicht – nur vielleicht – unter Wert, was mir selbst gegenüber und meinen Kunden gegenüber insgesamt etwas unprofessionell wäre. Da muß man mal in Ruhe drüber nachdenken und Kurskorrektur vornehmen, um auf ein nächstes Level im Spiel zu kommen und die entsprechenden Jobs zu machen. Ob Erik, Clemens, Johannes, Holger oder Jürgen… es war nett von euch, meine Probleme geduldig anzuhören und mich aufzubauen und an euren Erfahrung teilhaben zu lassen. Und natürlich ist es – durch die gesamte Typo hindurch – gut, egal ob ich mit Studenten geplaudert habe oder mit den Kollegen, daß nahezu alle meine eigenen Hoffnungen und Frustmomente, Faszinationen und Selbstzweifel aus dem eigenen Alltag nur zu gut kennen. Tatsache ist, daß ich mich im Sprecherraum diesmal zwar immer noch leicht deplaciert – stört man da nicht, immerhin bin ich kein Sprecher, guckt Uta gerade sauer, weil ich schon wieder Kaffee trinke? (Hallo Uta, ich hab dir gar nicht «Guten Tag» gesagt, weil ich mich echt nicht getraut hatte, du hast sicher Wichtigeres zu tun gehabt, dachte ich und wollte nicht nerven…) – fühlte, aber durchaus irgendwie auch at home. Danke an alle, die das möglich gemacht haben und für drei gute Tage. Ich revanchier’ mich, wann immer ihr es irgendwie (und wie auch immer ihr es) brauchen könnt. Und Kathrin: Du BIST auf der Top-Liste von Leuten die ich mag, ja? Weißte doch aber auch! :-D
Die Wortspiele, die wir mit Gästen und Sprechern gemacht haben. Poste ich demnächst zuerst als Original-Scan im Blog. Die Software steht schon so gut wie, der Two-Player-Modus läuft (Yay Marian!!!) und das Spiel kann bald online gehen, eigentlich sind nur noch Details zu lösen, es dauert nicht mehr lang.
























































HD … es waren drei tolle Tage, und entgegen Deiner Annahme: Ich hatte doch viel Zeit für Dich, oder? Ich freue mich, dass meine Tipps – Petr van Blokland und sein Design-Game – eingeschlagen sind.
Die technischen Hintergründe zur Präsentation von Just und Erik werde ich bei Gelegenheit etwas aufklären: Erik van Blokland wird mir ein paar Zeilen dazu schreiben. Es war jedenfalls nicht Flash, sondern eine eigene Programmierung. Übrigens hat er sich tierisch geärgert, weil sein Bruder Petr die Störaktion aus dem Publikumn nicht – wie verabredet – erst gegen Ende der Präsentation, sondern viel zu früh gestartet hatte. Es gibt ein schönes Foto dazu (du sitzt neben Petr http://www.flickr.com/photos/60521604@N00/151456828/).
Noch ein paar Antworten zu Fragen, die wir nur halb geklärt hatten:
1. Guido van Rossum ist der Entwickler von Python (nicht irgendein Ko-, Mit- oder Neben-Darsteller)
2. Der (Apache-)Internet-Server in Petrs Rechner gehört zu den Bordmitteln von OSX ..
3. Die Zweifinger-Berührung des Trackpades gehört zu den Bordmitteln der PowerBooks (ich nutze sie zum vertikalen und horizontalen Scrollen)
Ich hatte noch ein paar andere Antworten, fällt mir aber jetzt nicht mehr ein.
Ansonsten: es war sehr anregend mit Steffi und Dir; Sean habe ich nicht persönlich kennen gelernt, aber die Fotos sind ausgezeichnet.
Gutes Nächtle … J