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TSOTSI

Der südafrikanische Film Tsotsi wurde mehrfach mit dem grandiosen Film City of God verglichen und mir außerdem von Kirsten wärmstens an Herz gelegt. Da erwartet man dann vielleicht zuviel. Aber ich muß ehrlich sagen, die Story vom durch harte Kindheit gefühlsverarmten Township-Kleingangster David (alias Tsotsi), der durch ein Baby, das er in einem gestohlenen Wagen findet, auf den Weg zur Wandlung kommt. Klischeebeladen bis zum Würgereflex kommt der Film völlig ohne jede Überraschung oder Wendung aus. Die Gang von Tsotsi (Presley Chweneyagae) wartet mit einem dicken Dummen auf, einem brilletragenden Klugen, einem brutalen Killertypen und eben unserem Helden. Tsotsi hat einen weichen kern, aber die gemeine Kindheit hat ihn zum Brutalo werden lassen. Ach, die Klischees sind so dicke, daß man sie nicht aufzählen mag, es ist einfach too much. Auf dem erzählerischen Niveau der Vorstadtkrokodile daherkommend, völlig eindimensional und ohne jeden Subtext, ohne jede Metaebene, ohne jede Schikane oder Komplikation im Plot, hat man eher das Gefühl einen pädagogisch korrekten ARD-Film zu sehen, keine Kinokost. Die Hauptrollen spielen ihr Zeug unter Gavin Hoods Regie solide durch, aber in den Nebenrollen (wie etwa bei den Polizisten) wird es auch schnell mal peinlich. Daumendicker Pathos, müde Klischees in der Wandlung vom «Gangsta» zum verantwortungsbewußteren Menschen und eine doch eher laue Cinematographie machen zunichte, was einen soliden, vielleicht sogar kraftvollen Film hätte ergeben können. Einzig die Townships an sich sind fesselnd, aber deren soziales Elend hat man schon oft und auch realistischer, packender gesehen – ein dramatischer Braunblau-Verlaufsfilter ist hier eher Kitsch und ergo kontraproduktiv (und erinnert auch viel zu sehr an eben City of God, der in jeder Hinsicht Tsotsi meilenweit überlegen ist). Gott, ich meine: ein jugendlicher Gangster, der durch ein süßes Baby von Haß und Gewalt abkehrt und zur Liebe und Verantwortung findet. Da möchte man heulen – aber nicht vor Rührung, sondern weil es so entsetzlich platt ist. Ich bin aber sicher, der Film wird in Sozialkunde-Kursen der achten Klasse prima ankommen. Ich befürchte, sogar X-Men 3, dem ich mit Grauen entgegensehe, wird besser sein :-D.

25. Mai 2006 23:01 Uhr. Kategorie Film. Keine Antwort.

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