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Trisomie 21: Black Label

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Nach fünf Jahren Pause ist Black Label das zweite «neue» Album der französischen Ausnahme-New-Wave-Band Trisomie 21. Die Gebrüder Lomprez bestachen vor allem Mitte der achtziger durch bestechend kalte, entrückte, später oft hochgradig vielschichtige und unberechenbare Tracks, die stets von Philippes schwebend-nöhligen Gesang gerade eben ein melodisches Gerüst verliehen bekamen. Anders als viele andere Mid-80s-Kapellen waren T21 nicht unbedingt aggressiv oder tanzbar, nicht vorhersehbar, sondern präsentierten Alben, die oft seltsam vage, analog, experimentiell und offen wirkten – und die gerade wegen dieser Unschärfe ganz im Gegensatz zu den meisten anderen Zeitgenossen bis heute ausgezeichnet hörbar geblieben sind.

Es ist schade, dass gerade dieses Kennzeichen der Musik – das Oszillierende, die flirrenden, unsicheren Drummachine-Beats, die fast unkontrolliert über die mitunter an New Order erinnernden Bass/Gitarre-Hooks liefen, der tastend-autistische Gesang, die Verweigerung herkömmlicher Strophe-Refrain-Strukturen, das oft rein Skizzenhafte der Songs – auf Black Label völlig verloren ist. Statt dessen wirken die Tracks berechnet, sauber, herkömmlich, fast band-artig arrangiert. The Camp, der Opener-Track, weist zwar einen gerade zu magischen Retro-Bass-Sound von T21, der fast an Logical Animals erinnert, auf, aber insgesamt wirkt die Sache zu gerade, zu linear, zu gekonnt, und gerade in Sachen Drums zu langweilig – es klingt fast, als würden da nur zwei Pattern laufen. Auch bei den folgenden Tracks wirkt die Musik zu fett, zu unelektronisch und – so paradox es klingen mag – mitunter zu trip-hoppig in den Beats. In fast jedem Lied wird Philipps ätherischer Gesang von digital verzerrten Gitarren erdrückt, die Drums versuchen immer dick zu klingen – der Sache fehlt die Unschuld, das Unfertige, das absonderlich naive der alten Tracks. Was man, zugegeben, vielleicht auch nicht mehr einfangen kann, nach über 30 Bandgeschichte ist man einfach nicht mehr naiv. Und so wundert es vielleicht nicht, wenn T21 mitunter dem Eigenzitat anfallen, aber auch mal seltsam nach den Sisters of Mercy klingen (Shakespeare) und die Platte irgendwann eher langweilig wird. T21 haben nie eine große Ausdrucksbandbreite gehabt, aber immer den Mut, auf kompositorische Konventionen zu pfeifen. Von der spielerischen Leichtigkeit, der fast gelangweilten Spielerei mit den eigenen Möglichkeiten, die Plays The Pictures noch aufwies, ist auf Black Label nichts zu finden, hier wird eher stramm altherrendurchgerockt, so sehr, dass teilweise nur doch das monoton stampfende Schlagzeug elektrisch klingt. Es ist etwas seltsam, dass eine so leichte und federnde, stets eher elektrische Band sich zu einer Art GothRock-Kapelle versteigt, andererseits ist dieser Wechsel an sich bei einer experimentellen Band wie  Trisomie 21 nur sinnfällig. Insofern mag man hoffen, das die Lomprez-Brüder bald wieder Lust auf modernere, offenere Sounds haben und sich nicht an düsteren Gitarren und sturen Drumbeats verbeissen. Black Label ist an sich keine schlechte Platte, erreicht aber nicht näherungsweise die Komplexität und Tiefe alter Werke.

19. Oktober 2009 08:03 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Eine Antwort.

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