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Tori Amos: Legs and Boots Montreal

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Man kann über Tori Amos denken, was man will, aber extravagant ist die Dame. Während ihre Studioalben in letzter Zeit etwas orientierungslos wirken und sich in seltsamen erzählerischen Experimenten verlieren, beweist Amos mit diesem Live-Experiment zu ihrer 2007er American Doll Posse-Show, wie schön man als (arrivierter) Musiker mit Formaten spielen kann, wenn man sich erlauben kann nicht nur kommerziell zu denken. Die Bootleg-Idee vergangener Zeiten auf das digitale Zeitalter übertragend, hat Amos bereits wenige Stunden nach ihren Shows in Kanada und den Vereinigten Staaten, exzellente Liveaufnahmen als MP3 verfügbar gemacht. Die gesammelten Alben sind – mit verschiedenen Coverzeichnungen, die die verschiedene von Tori miterdachten semi-mythologischen Figuren der American Doll Posse darstellen – unter anderem bei iTunes verfügbar. Da jede der Figuren das Konzert mit anderen Songs eröffnet, ist dabei durchaus auf den verschiedenen Alben für Abwechslung gesorgt, so dass die Idee multipler Liveaufnahmen auch für Leute Sinn macht, die nicht Konzerterinnerungen wollen oder Amos-Sammelfanatiker sind. Die Band um Tori Amos – Dan Phelps an der Gitarre, Jon Evans am Bass und der stets grandiose Matt Chamberlain an den Drums – zeigt sich mehr als spielfreudig und setzt die neuen wie die alten Songs punktgenau um. Wie schon auf dem Live-Teil von Venus and Back, strahlen manche Songs live wie neu poliert im Vergleich zu den alten, oft zu sterilen Produktionen, wirken weniger statisch, sondern werden von den drei herausragenden Livemusikern jazz-poppig aufgeladen und zur Perfektion geschliffen. Mitunter fällt live auf, im schlichteren Arrangement und ohne die Möglichkeiten von Studioproduktion, dass Amos kompositorisch relativ gleichförmig arbeitet und auch als Sängerin bei allen Atemtechnik-Tricks und Stimmsalto-Gimmicks doch stets recht selbstähnlich singt und insofern zwischen den rund 23  Tracks gern auch mal etwas Gemächlichkeit aufkommt. Dennoch erinnert Legs&Boots daran, warum Tori Amos eine Ausnahmekünstlerin ist, die einer Björk in Sachen Stimme, Exzentrizität und Kreativität kaum nachsteht – vor allem, wenn sie so wie hier die Balance zwischen ihren eher intimen Nummern und größeren, lauteren Arrangements so gelungen hinkriegt.

25. August 2009 09:47 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

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