
Es ist ein bisschen traurig, Tori Amos dabei zuzusehen, wie sie kleiner wird. Selbst die Idee des Covers zu American Doll Posse scheint von Strange Little Girls übernommen zu sein – und die wiederum von Cindy Sherman. Nach Scarletts Walk und The Beekeeper ist das neunte Studioalbum von Amos immerhin wieder etwas bemerkenswerter, aber keineswegs der Neubeginn, als den es Amos selbst ankündigt. Ganz im Gegenteil, die Platte klingt ungewöhnlich glatt und kommerziell, angenehm weghörbar, aber seltsam belanglos – das macht auch die nahezu unirdische Spieldauer von 80 Minuten nicht wett. Das hinter dem Album ein schwer Neil-Gaiman-schwangeres arg kopflastiges «Konzept» steckt, in dem Amos fünf verschiedene Frauencharaktere in Anlehnung an die griechische Mythologie verkörpert, ist aus dem Sound der Platte selbst nicht wirklich abzuleiten. Es gibt schon Tracks, die allein durch ihre Abwegigkeit Freude machen – wie etwa das skizzenhaft-hysterische Fat Slut oder die unfreiwillig komische Rocknummer Teenage Hustling – aber es ist leider eigentlich alles in allem nur zu einfach, mit jedem Song ein déja vu zu erleben. So seltsam es klingt, American Doll Posse wirkt wie eine retrospektive, wie ein Best of – allerdings mit neuen Songs, die sich fluide durch die Geschichte der Musikerin schlängeln.
Dessen ungeachtet zeigt sich Amos nach der Dürre der letzten beiden Alben wieder spielfreudig und experimenteller, springt zwischen den typisch kammermusikruhigen Klaviernummern und lustvoll durcharrangierten Bandnummern her, die geradezu nach einer Live-Umsetzung schreien und die oft eine seltsam bombastische Rock-Pose zelebrieren, die an Queen erinnert. Vielleicht will Tori hier zu viel, will ihre eigene Juke-Box sein, zeigt zu viele Facetten auf einmal. In der Flut von 23 Songs sind viele gute, aber wenig sehr gute Tracks dabei, und am Ende kann man sich des Eindrucks nicht verwehren, dass Tori Amos nichts neues mehr zu sagen hat und – wie so viele viele Acts, die auf ähnlich lange Karrieren zurücklicken – in aller Entspannung zu «ihrem» Sound gefunden hat. Das kann man einer Künstlerin kaum vorwerfen – aber vielleicht ist die Zeit gekommen, wo man dann eben eigentlich auch keine neuen Alben von Tori mehr braucht, weil man ebenso gut wenn nicht sogar besser auf die alten Sachen zurückgreifen kann.
5. Juli 2008 16:07 Uhr. Kategorie Musik. Eine Antwort.
irgendwie finde ich, das das cover gar nicht zu tori amos passt, aber musik war eigentlich immer ganz gut.