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Tori Amos: Abnormally Attracted to Sin

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Während Tori Amos aktuelles Album Midwinter Graces (ebenso wie das Winter-Album von Sting) nahezu unhörbar ist, war ihr voriges, immerhin zehntes Studioalbum eine kleine Oase nach einer Phase musikalischer Stagnation. Wie die Vorgänger auch dies ein konzeptionelles Album (wie der Titel nahelegt halt zum Thema Sünde und ergänzt durch Kurzfilme – einfach nur eine gute Platte machen ist anscheinend zu wenig), liefert Amos wieder so viele Songs ab – 18 an der Zahl (17 ohne den Bonus Track) -, dass man sich unweigerlich fragt, ob weniger nicht einfach mehr wäre. Lieber vier gute Songs als 18 halbgare Nummern. Was auch kompositorisch gilt – wo Tori früher nur mit Stimme und Gesang allein überzeugen konnte (wie etwa bei Cloud on my Tongue), wird heute mit Kanonen auf die Spatzen geschossen was das Zeug hält. Immerhin bietet Abnormally Attracted to Sin eine – angekündigte – Neuerung: Tori hat sich vom Klavier ab- und dem Synthesizer zugewandt. Und so beginnt das Album mit einem elektronischen Drumbeat und wummerndem Bass, nur minimal mit Pianoakkorden verziert. Auch wenn Sie dieses Experiment nicht sauber durchhält – Welcome to England und Strong Black Vine sind bereits wieder bandorientierter – so klingt das Album im Ergebnis doch etwas frischer, etwas neuer als die letzten Tori-Platten. Poppiger, unbeschwerter, in mancher Hinsicht ein Schritt vor/zurück zum ersten Album. Während etwa aber The Beekeper ein so kantenloses Album war, dass man es sich kaum anhören konnte, zeigt Amos auf Sin ein breiteres Repertoire, das Album wirkt wie ein Verharren zwischen der «alten» Tori Amos (durchaus großartig auf Mary Jane) und einer neuen Inkarnation. Das Ergebnis ist ein hochgradig durchwachsenes Album, das einige tatsächlich spannende Songs liefert, wie etwa den lasziven Titeltrack – und andererseits auch viele viele Nummern, die man am besten sofort vergessen möchte. Es scheint, als wolle Amos hier alle Facetten ihres Songwritings vorzeigen – die Klaviernummer, den Popsong, die Synthesizer-Schiene und so weiter – und wahrend solche Mätzchen vielleicht noch halbwegs zu dem MPD-Experiment von The Doll Posse passen mochten, wirkt es hier einfach nur unentschieden, gerade bei einer Persönlichkeit, die so sehr «Künstlerin» sein möchte, tut dieser Bauchladen-Ansatz für jeden etwas passendes dabei haben zu wollen, eher weh. Was für Robbie Williams funktionieren mag, geht bei Tori Amos eben empfindlich nach hinten los. Wenn es düsterer und intensiver wird, wie etwa bei Lady in Blue, kann Amos durchaus noch überzeugen, aber nach dem eher amorphen Vorgänger zeigt dieses Album eine Musikerin auf der Suche nach sich selbst – bleibt zu hoffen, dass sie sich bald wieder findet. Denn tatsächlich finden sich in der quantitativen Masse von Abnormally Attracted to Sin auch einige wirkliche Perlen, mit Songwriting, das so gut, wenn nicht besser ist als Tori in ihrer besten Phase – aber diese guten Nummern gehen in der schieren Masse von Durchschnitt einfach unter. Ein Album mit nur acht Tracks, die aber durchgehend besser gewesen wären, hätte bei mir einen besseren Gesamteindruck hinterlassen.

28. April 2010 09:15 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

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