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PHONEHEADS UND DIE DÜSSELDORFER SYMPHONIKER LIVE TONHALLE DÜSSELDORF

Vor ausverkauftem Haus wiederholen die FutureJazzer von den Phoneheads ihr gemeinsames Experiment mit den Düsseldorfer Symphonikern. Was aber auf der CD-Veröffentlichung des ersten Konzertes erstaunlich homogen und überzeugend klingt, kann in der Tonhalle nicht begeistern. Mag sein, dass der Mix in den ersten Reihen stimmt, aber wir saßen seitlich von der Bühne, relativ weit vorne – und von den elektronisch generierten Sounds war fast nichts mehr zu hören, nur noch wenn die Bassnoises extrem laut wurden, kamen sie an. Ansonsten dominierte das Orchester den Sound – und vor allem die Drums von Sebastian Vogel. Obwohl der erkältet wirkende Drummer sich bemühe, möglichst leise zu spielen und trotz Schallwänden hat schon eine Hihat oder eine Ride-Bell nahezu das gesamte Klangbild derart dominiert, dass von kohärenter Musik wenig übrig blieb. Tracke, bei denen ein Hauptteil der Drums aus dem Computer kamen und Vogel nur ein Element beisteuerte (Wie etwa Roll that Stone) gingen so völlig unter. Cleveland Wattkiss Gesang wirkte vor diesem klanglichen Flickenteppich oft völlig deplaciert, nicht eingebettet, unüberzeugend, dünn. Der elektronisch-akustische Mix ist rein klangtechnisch so derart versaut gewesen, dass man eigentlich sein Geld zurückverlangen sollte. Ich weiß, dass die Tonhalle nicht einfach und der Mix von akustischen und elektonischen Klängen eine Herausforderung für den Tonmeistern ist. Ich weiß aber auch, dass es in der Tonhalle machbar ist, nahezu jeden Sitz so zu beschallen, dass ein einigermaßen homogenes Klangerlebnis für die Zuschauer gewährleistet ist – und nicht ein Brei, in dem die aus der PA kommende Hälfte der Musik nahezu unhörbar ist. Für uns war es also eher DüSy plus Sebastian Vogel, denn von Philipp Maiburg und Michael Scheibenreiter hat man so gut wie nichts gehört. Das Vogel zwar an sich ein solider Drummer ist, aber hier ganz deutlich hörbar Spielfehler, Aussetzer und uninspirierte Fills ablieferte, hat die Sache wirklich nicht sonderlich verbessert.

Die von Heike Beckmann ironisch anmoderierte Erste Symphonie für Orchester und Drum-and-Bass (wobei man während des gesamten Konzertes natürlich nicht einmal wirklichen DnB zu hören bekam ;-)) geriet dann streckenweise auch eher zum unfreiwilligen Beweis, dass Klassik und Elektronik eben NICHT zusammenkommen. Die Symphoniker und die Elektroniker fiedelten etwas unbeholfen nebeneinander her, jeweils einzeln etwas unüberzeugend, zusammen eher nach schneller Flickschusterei wirkend – es wirkte fast so, als wolle Beckmann beweisen, wie viel dichter und emotionaler die live gespielte Musik wirkt gegenüber der elektronischen Musik, die naturgemäß auf Programmierung und Struktur setzt und in der Dichte eines mehrköpfigen Orchesters nicht live und spontan gespielt werden kann. Das Finale kommt dann noch einmal druckvoll daher und ist einer der Höhepunkte des Abends, weil es endlich etwas zur Sache geht, und ein bisschen Bang auf die Bühne kommt, wo es sonst meist ein bisschen unbeholfen und steif zugeht – Laptop-Musiker gehören vielleicht eher in verqualmte Clubs oder zumindest in Kinderzimmer-Tonstudios, hier wirken sie seltsam alien.

Der Ansatz ist gut, die Umsetzung ist an sich solide, und der CD-Mix beweist, wie smooth das Ergebnis an sich sein könnte… vor Ort, in der Tonhalle, überzeugt der Sound-Mix überhaupt nicht. Es ist tatsächlich so, dass eine unterdimensionierte PA und ein eher unglücklich agierender Toningenieur den Abend ruinieren. Suppiger, dünner Brei, durch den sich gerade einmal die Philharmoniker durchsetzen, die Phoneheads aber nahezu verschwinden – das kann nicht die akustische Umsetzung einer gedachten Fusion sein. Zumal Beckmanns Symphoniker einfach nicht pointiert genug spielen, um quasi solo zu überzeugen – die Streicher schmelzen weich und poppig vor sich hin… nur den Beat, den Pop, den hörst du nicht und so wirkt es einfach eher süßlich, kitschig. Unter diesen Grundbedingungen ist man dann schnell etwas angenervt und findet zum Beispiel das wirklich endlos andauernde Vorstellen der einzelnen Musiker und Sektionen des Orechesters mehr als anstrengend. Das Publikum feiert – zu Recht – das Experiment an diesem Abend, aber Tatsache ist, dass du DnB nicht mit einer Anlage für einen mittleren Kindergeburtstag auf die Bühne bringen solltest. Manchmal ist mehr einfach mehr.

21. Februar 2008 10:41 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.

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