
Eigentlich wollte ich zum Desaster auf der Loveparade nichts schreiben, weil es in den Medien, Blogs, auf Twitter und Facebook ja genug Meinungen und genug Anklagen gibt. Jenseits von der reinen Schuldfrage, die sich jetzt wahrscheinlich zu einem Kampf zwischen Veranstaltern/Stadt einerseits und Angehörigen der 19 Opfern andererseits entwickeln wird, wenn es um die Frage gibt, ob die Vorbereitung ungenügend war oder individuelles Fehlverhalten vorlag, haben mich ein paar Sachen angesprungen:
Die Abnutzung von «Trauer»
Es ist verblüffend, in welchem Maße eine medial, in Presse und Medien vielfach gespiegelte Anteilnahme öffentlicher Personen sich zumindest für mich persönlich abnutzt. Abgesehen davon, dass man vielleicht unterscheiden muss zwischen dem empathischen allgemeinen Schock über die Un- und Todesfälle auf der Loveparade und der persönlichen, unmittelbaren also eben echten Trauer, weil ein geliebter Mensch gestorben ist, muß man nicht sonderlich zynisch sein, um in den öffentlichen formelhaften Trauerbekundungen vieler Politiker – allen voran der neue Bundespräsident, der hier zumindest unbewußt eine Profilierungsoption zu sehen scheint – einen Hautgout zu finden, weil sie nur die falschen, weil endlos abgegriffene Worte, finden. Die Art und Weise, wie Politiker und Medienfiguren heute zunehmend öffentlich auftreten – stets unangreifbar vorbereitet, geschliffen, gefasst, immer bereit, nie zu sehr bei sich selbst, immer in der Rolle – scheint deplaciert, wenn es doch gerade darum ginge, die Maske abzulegen und Mensch zu sein, nicht Funktion. Dass dies kaum noch gelingt (auch weil jeder Fehlgriff authentischer Trauerbekundung medial und vom politischen Gegner ausgeschlachtet wird und es insofern sicherer ist, die professionelle Hülle gar nicht mehr zu verlassen) und eben auch «Trauer» und «Betroffenheit» in der Öffentlichkeit zu einer Art Kabuki geworden sind, ist die Tragödie in der Tragödie.
Schleichendes Gift vs Schockzustand
Tucholsky wird das Zitat über den Krieg zugesprochen, nach dem der Tod eines Menschen eine Katastrophe sei – Hunderttausend Tote aber, das ist eine Statistik. Auf erschreckende Weise belegt die Duisburger Loveparade diesen resignierten Satz. Die 19 Todesopfer von gestern sind ganz sicher unfassbar… aber sie nehmen sich bescheiden aus gegen die 4152 Menschen, die 2009 auf Deutschlands Straßen im Verkehr ums Leben kamen (und diese Zahl ist ein historischer Tiefstand). Der plötzlich eintretende, unfallartige, unerwartete Tod betrifft und stärker als das schleichende, uhrwerkartige Risiko, das wir eingehen, wenn wir eine Autobahnauffahrt herabfahren. Das ist so schrecklich wie verständlich, der unsichtbare tröpfelnde Tot von fast 5000 Einzelnen bleibt unsichtbarer, 19 Opfer in einem medialen Spektakel sind präsenter. Und dennoch, ohne miteinander aufrechnen zu wollen, was nicht aufgerechnet werden kann: Wer jetzt (als nicht unmittelbar Betroffener) im gehobenen Stammtisch-Reflex nach Verantwortlichen und Konsequenzen ruft, sollte vielleicht zumindest kurz innehalten, darüber nachdenken, dass eben auch Verkehrsopfer Eltern, Kinder, Geschwister oder Geliebte sind und genau so wichtig, nur dass die Zahl der Toten hier über zweihundertmal größer ist. Der Tod einer überschaubaren Zahl von Menschen im Brennglas mag dramatischer erscheinen, aber diese Dramatik – und Dramaturgie – des Todes darf nicht davon ablenken, dass es einen noch viel größeren Wahnwitz gibt als den eines überfüllten Partyevents mit eventuell mangelnden Sicherheitsvorkehrungen. Nur weil etwas medial fokussiert ist und etwas anderes eben nicht, wird das im Schatten liegende nicht weniger real und prekär als das, worauf die Scheinwerfer gerichtet sind.
Schuld
Es ist interessant, dass wir bei keiner Tragödie ohne die Schuldfrage auskommen. Wir brauchen Terroristen bei Anschlägen wie Olympia 1972 oder beim World Trade Center 2001, gegen die man dann konternd einen sehr sichtbaren Krieg führen kann anstelle der realen komplexen und dekadenlange Dynamiken, die irgendwann zu bösen Konsequenzen führen, wir brauchen selbst bei Naturkatastrophen Verantwortliche, und seien es nur die gewählten Politiker, die dann nicht schnell genug reagiert haben oder nicht kompetent genug waren. Und vorgewarnt, gewiss, hat immer irgendwie irgendwer irgendwo – das ist die Norm. Auch vor 9/11 und Katrina wurde selbstverständlich gewarnt. Nur, würde man auf jede Warnung hören und entsprechend reagieren, man wäre völlig paralysiert… schließlich wird auch Wochentakt das Weltende prophezeit und zwar seit Jahrhunderten. Warnungen zu ignorieren, ob im Nachhinein zurecht oder nicht, ist Grundlage jeden Handelns. Tatsache ist aber, dass Schuld ein quasi «antropomorphisches» Konzept ist, wir projizieren auf ein komplexes Feld von Zusammenhängen, die chaotisch zusammenwirken, nachträglich ein Antlitz, eine menschliche Logik, eine nur scheinbar rationale Ordnung von Ursachen und Wirkungen, die am Ende dann den Strohmann des «Verantwortlichen» ergeben. Den gibt es aber meist nicht wirklich.
Im konkreten Fall scheint es ein Gemisch vieler Faktoren zu geben. Ein Veranstalter/Sponsor, der nach einer ausgefallenen Veranstaltung unbedingt 2010 «seinen» Event haben als Werbefaktor wollte, eine Stadt, die sich bitte nicht die gleiche Blöße geben wollte wie das als Spielverderber angegriffene Bochum zuvor, ein Bundesland, das in Rahmen von Ruhr2010 fast atemlos von einem Event zum anderen hastet und dieses eben auch unbedingt in der Rekordschau dabeihaben wollte, Medien, die eben auch noch einen Riesenevent als Partner begleiten/hochjazzen wollten, eine naiv-überforderte Behördenschaft mit blindem Optimismus gegenüber der Handhabbarkeit von Besucherzahlen und Menschenmenge, mit der Duisburg realiter wohl eher unerfahren sein dürfte – und nicht zuletzt auch die Besucher selbst, deren persönlicher Rausch-Hedonismus im Aggregat der Masse unvermittelt schnell den Charakter zum unkontrollierbaren Moloch wechseln kann, wo jeder potentiell Täter und Opfer zugleich ist, ohne dies wirklich zu wollen.
Dennoch suchen wir jetzt den einen Spieler, der am Ende in der Public Relation die meisten Fehler macht und medial so schlecht dasteht, dass er den Schwarzen Peter in den Händen behalten wird und den Zorn und die Trauer der Hinterbliebenen auf sich zieht. Die Stadt und der Veranstalter haben bei der gerade gelaufenen Pressekonferenz bereits so viele Fehler gemacht, dass jeder PR-Berater verzweifeln dürfte, ehrliche und überzeugende Krisenkommunikation sieht anders aus. So oder so bringt ein «Schuldiger» aber niemanden zurück ins Leben… und die Suche nach einzelnen «verantwortlichen» Individuen verschleiert nur das systemische Problem der Großveranstaltungen.
Spektakel
Ein Event, das an seiner eigenen Größe spürbar zusammenbricht, ist geradezu sinnbildlich für unser Zeitalter des «Zuviel». Wir leben in einer Gesellschatft, in der «Feiern» immer mehr zu einem Massenphänomen wird, das Bedürfnis, große Gefühle in der großen Masse zu teilen, ist enorm. Millionen von Besuchern – das sind Zahlen, die nicht nur Veranstalter wollen, um Umsatz und Sponsoring/Werbeeinnahmen zu realisieren, das sind vor allem die Zahlen, die die Medien anlocken und Berichterstattung, Platz in den Zeitungen, Zeit in Radio und TV, bringen, das vielleicht höchste aller Güter – Aufmerksamkeit – generieren. Und so wird heute ein Massenspektakel an das andere gereiht, der nächste, noch extremere Kick liegt immer um die nächste Ecke. Allein im Ruhrgebiet waren da binnen einer Woche die A-40-Still-Leben-Aktion mit bis zu drei Millionen Besuchern, Bochum Total mit (an drei Tagen) einer Million und jetzt Duisburg mit – je nach Quelle – 150.000 bis 1,5 Millionen Besuchern. Abgesehen von der Frage, wie eine relativ kleine und nicht finanzstarke Stadt wie Duisburg logistisch eigentlich binnen sieben Tagen zwei solche Massenveranstaltungen erfolgreich managen wollte, wird hier deutlich, dass unsere Sucht nach Spektakel, nach Hyperventilation im Massenrausch, wie jede Sucht auch ihren Preis hat.
Es wäre vielleicht klug – auch wenn diese Hoffnung sich wahrscheinlich als zu optimistisch herausstellen wird – wenn man Duisburg als Anlass nimmt, über Megaevents und ihren Sinn als Ganzes nachzudenken. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei diesen Riesenstrukturen etwas schiefgeht, ist fest mit eingebaut und enorm hoch, zumal Herdentrieb, Alkohol und andere Faktoren die Besuchermasse zusätzlich unberechenbar macht. Es ist eher Glück, wenn bei WM-Halbfinalen, gesperrten Autobahnen oder gigantischen Konzerten nicht mehr passiert – aber Glück ist wie Seife, jedesmal, wenn du es benutzt, wird es etwas weniger.
Ob Architektur, Kunst, Kultur oder Alltag – ein Ausstieg aus dem pornographischen, nach immer mehr Steigerung und Eskalation fordernden System des Spektakels tut not. Das große Event, dass den Einzelnen in die Passivität zwingt, zum Vieh macht, das den Dialog und das wahre Austauschen unmöglich macht und nur das besoffene (in jedem Sinne des Wortes) kybernetischer Aufgehen in der Masse, im Sportpalast-Mob der Neuzeit, ermöglicht, in dem es nur noch um Konsumieren und Ausscheiden zu gehen scheint, um eine tröstende Form von Anonymität in den Schlangen vor Bierwagen und Chemotoiletten, um diese seltsame Vereinzeltheit in der Masse. Vielleicht sollten wir wieder lernen, dass Fußball auch mit 10 Leuten ansehbar ist, dass kleine Konzerte schöner klingen als Sportstadien-Gigs, dass weniger mehr ist. In Duisburg entpuppt sich auch das Scheitern einer hedonistischen Überflussgesellschaft, wie falsch die «großen» Events sind. Lieber in die kleinen Clubs, die versteckten Ausstellungen statt die gehypte Eröffnung, die Tante-Emma-Läden statt der Einkaufszentren gehen. Wenn es einen Schuldigen gibt an den Todesfällen gestern, dann ist es ein System von überproportioniertem Junk, der Partizipation unmöglich macht und der entleerten Langeweile des täglichen Arbeitenmüssens (oder schlimmer, des nicht Arbeitendürfens) nur immer extremere Stimulationen und Eskapismen entgegensetzt. Und ein System, das bei alledem, in dieser ständigen Beschleunigung, der immer härteren Fahrweise, permanent die perfekte Funktion vorgaukelt, dessen Risiken aber unabwägbar sind.
Spektakel im Spiegelkabinett
Die Bank gewinnt immer – und die Bank sind in unserer Zeit die Medien. Die großen Zeitungen, TV-Sender und Radiostationen sind längst als mediale Partner Teil des Systems, das immer bombastischere Zerstreuungsangebote produziert. Sie erreichen hier ihre (jeweiligen) Zielgruppen sowie relativ hohe Auflagen oder Einschaltquoten, eine symbiotische Fusion von Eigenwerbung und Programmfüllung. Ob Kölner Karneval oder Loveparade ist dabei fast egal, dabeisein ist alles. Und wie beim Autorennsport geht bei alldem für die Medien nicht nur um den Sport an sich, sondern auch um das Warten auf das Event im Event – den Moment, in dem ein Formel-I-Wagen aus der Spur reißt, sich überschlägt, Flammen schlägt und es um Leben oder Tod des Fahrers geht. So wie auch ein terroristischer Akt erst zu einem solchen in der medialen Echokammer wird, entsteht auch hier die soziale «Tragödie» aus den individuellen Schicksalen erst durch das immer wieder neue Spiegeln in den Medien, die in immer neuer Iteration die kaum vorhandenen Informationen melken. Augenzeugenberichte, Tweets, Interviews – selten dürfen Medien sich so relevant und «echtzeitig» fühlen wie in der Katastrophe, wenn sie den Hunger nach den letzten Informationen kaum noch schnell genug stillen können, wenn sie tatsächlich gebraucht werden. Auf seltsame, vielleicht unvermeidbare Art werden die Medien so selbst noch in der einfühlsamsten und reflektiertesten Art de Berichterstattung unweigerlich zu Voyeuren/ Vampiren/Profiteuren. Und umgekehrt entsteht erst durch diese geballte Aufmerksamkeit überhaupt erst der «Event», über den weiter zu berichten es sich lohnt, als eine Art kurzlebiges mediales Perpetuum mobile. So selegieren die Medien, was uns berührt und zu Trauer veranlasst, weil sie diese 19 Verstorbenen unter das Brennglas ihrer Aufmerksamkeit ziehen, und zugleich vielleicht andere Tragödien anderenorts ausblenden. Erst die Medien machen die persönliche Tragödie zur «Tragödie» auf der gesellschaftlichen Bühne, erst sie schaffen aus den Fakten eine Narration mit Opfern und Tätern, Helden und Schurken. Erst ihre Aufmerksamkeit erzeugt unsere Aufmerksamkeit. Diese Multiplikation mag unbewusst und unabwendbar sein, den Gesetzen des medialen Marktes gehorchen, wirklich gut ist sie beileibe nicht immer. Ob Kachelmann, Bundespräsidentenwahl, Schweinegrippe oder Loveparade – es geht in unseren Medien immer und fast nur noch um den sich selbst fütternden Hype, das Junkfood in der Informationswelt. Was übrigens mit dem Internet eher schlimmer geworden ist, selbst dort, wo Auflagen/Einschaltquoten bzw. Clickrates eigentlich so gar keine Bedeutung mehr haben. Das Ergebnis ist eine mitunter hysterische Hyperfokussierung, eine Echokammer von Empörung und Entrüstung, die das ursprüngliche Quentchen an Information per Hyperlink-Loops verstärkt und verstärkt, bis das Echo wichtiger ist als das Signal.
Am Rande
— Man lernt: Zahlen sind flexibel. Wenn man es als Veranstalter für die Medien und Sponsoring/Werbepartner braucht, kommen zu einer Loveparade eben gern 1,5 Millionen Besucher – jetzt, wo es eher darum geht, eben zu kommunizieren, dass es keine Überfüllung des Loveparade-Areale gegeben hat, spricht man von einem Bruchteil dieser Besucherzahl. Wäre gestern keine Katastrophe passiert, hätte man die Zahl freilich hochgerechnet. Und das beste: Scheinbar weiß es tatsächlich niemand genau – was zugleich auch Angaben über Besucherzahlen in Vorjahren oder bei anderen Massenevents denkbar unglaubwürdig erscheinen lässt. Frei nach dem vermeintlichem Churchill-Bonmot: Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.
— Ist es nicht seltsam, dass wir Vergnügen privatisieren – also individuellen Spaß wollen und fordern und auch den Umsatz/nutzen, der mit Partys gemacht wird an private Firmen leiten – die Verantwortung dafür aber weitgehend beim Staat suchen?
— Natürlich stellt Rainer Schaller als Personalunion von Veranstalter und Hauptsponsor die Loveparade ein, sie war eine reine Werbeveranstaltung für sein Unternehmen McFit und der positive Imagetransfer für den Körperkultdiscounter dürfte sich wohl vorerst erledigt haben. Und natürlich ist die Loveparade, wie sie hier stattfand, nicht näherungsweise zu verwechseln mit dem tatsächlichen Berliner Rave-Festival, sondern eine seicht-vulgäre Freiluft-Massenparty mit Klingelkirmestechnomusik für die breite Masse, eine feiste und fratzenhafte Parodie dessen, worum es am Anfang mal ging. Berechenbar wie leicht vulgär ist dabei Matthias Roeinghs (Dr. Mottes) Seitenhieb auf Schaller, der ihm ja «seine» Loveparade komplett abgekauft hat.
— Am Ende, jenseits aller Medien, aller Tweets, aller surrealen Pressekonferenzen, der sirrenden Schuldzuweisungen und den Gründen sind 19 Leute tot, das ist keine «Katastrophe» und keine «Tragödie», wie die Medien es gern formelhaft bezeichnen (siehe oben… und ich ja auch, denn natürlich ist es eben doch eine Tragödie), das sind vor allem 19 ganz individuelle unfassbare Verluste, in Familien, unter Freunden. Das kann man medial nicht aufbereiten und die Trauer der Angehörigen nicht nachempfinden. Aber man kann sich vorstellen, die eigenen Freunde oder Geschwister verloren zu haben, dieses erstickende Gefühl, dass dein Sohn oder deine Tochter nur mal eben weggehen, um etwas in der Sonne zu feiern und nicht mehr, nie mehr, zurückkommen werden. Man kann sich vorstellen, wie es sein muss, wenn ein Lebenspartner sich in der Masse verirrt und du bleibst alleine überlebend zurück, von einer Minute zur nächsten mit deinen ganzen Lebensplänen allein. Oder vielleicht kann man sich das eben auch nicht vorstellen. Dieses Loch kannst du nicht in Worte fassen und die Vorstellung, die man sich selbst davon macht, wird der sprachlosen echten, greifbaren Wirklichkeit wahrscheinlich nicht näherungsweise gerecht.
25. Juli 2010 14:42 Uhr. Kategorie Stuff. Tag Denken, Gesellschaft, Medien. 62 Antworten.
Lieber Dirk,
daß dieses Thema mir schon aus beruflichen Gründen nahegeht kannst Du Dir sicher vorstellen. Ich habe heute einiges darüber gelesen, manches auch, was mich sehr erschrocken hat. Deinen Artikel zu dem Thema finde ich (abgesehen von für mich interessanten fachlichen Analysen) das Passenste, was mir bisher unterkam.
Danke dafür.
Markus
Vielen Dank für diesen hervorragenden Artikel. Er beweißt, das man sich diesem schwierigen Thema auch intelligent und mit viel Gefühl widmen kann und nicht auf Polemik und Sensationslust beschränkt sein muss. Einen solchen Artikel sollte man eigentlich zuerst in den besten Zeitungen des Landes finden.
Markus
Ich halte den Artikel auch nur in einigen Teilen für brauchbar. Spätestens wenn die Lust auf Spaß mit Naziveranstaltungen im Sportpalast in Verbindung gebracht wird oder der Eindruck vermittelt wird, die Suche nach den Schuldigen sei nicht wichtig, ist der Artikel unerträglich. Am Ende ist das hier so sinnfrei wie Trauerbekundungen des Bundespräsidenten und ebenso nur eine Form der Profilierung als ein Vertreter des “Anderen”.
[...] den zum Teil äußerst reißerischen Medienberichten finde ich die Artikel Elisabeth, HD und Sascha nicht [...]
Sehr gute Darstellung. Danke.
Guter Artikel und kommt auch so rüber, wie er woll gedacht ist. Eine Art emotionales Brainstorming (um mal beim Neudeutschen zu bleiben) über die Dinge, die unserer Welt nicht so stimmen. Und dafür hast du dich noch ganz gut sortiert und kurz gefasst. Ich fürchte, wenn ich mal damit anfangen würde was mich auf unserem, an sich schönen, Planeten so alles stört und teilweise lähmend beängstigt, müsste ich sofort meinen Job kündigen. Also danke, dass ich einen kleinen Ausflug in deinen Gedanken unternehmen durfte und wenigstens Mal für ein paar reizüberflutete Momente dran glauben darf, dass es da draussen noch Menschen gibt, die Dinge ähnlich wie ich sehen.
Speziell der Abschnitt “Schuld” strotzt nur so von substanzlosen, unlogischen, reinen Meinungsbekundungen – leicht beleg- und vor allem widerlegbar!
Wer es nicht gemerkt hat: Der Schreiber gibt den Verantwortlichen Deckung – er möchte die Ursachen und Verursacher vernebeln!
Zitat:
“Nur, würde man auf jede Warnung hören und entsprechend reagieren, man wäre völlig paralysiert… ”
(..ich hab schon lange nicht einen solch gefährlichen Unfug gelesen!)
Die kausalen Zusammenhänge zwischen Veranstaltern, Warnern (und es wird bereits seit 2009 vor dem Duisburg Event gewarnt) und Katastrophe sind allgemein verfügbar, rational erfassbar und darstellbar. Sie sind kein Gegenstand für ausufernde redundante unfundierte private Meinungsäusserungen unterhöhlt zusätzlich durch eine Vertuschungsagenda nebst Verhöhnung der Opfer(!) – sondern Gegenstand der Staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen.
“http://mevme.com/lizblog/niemals-geschlossene-schuhe/ [...] Und nein, der ist nicht verlinkt, weil er hierhin verlinkt, ich war vorhin fast erschrocken (so diese Sorte erschrocken-erfreut-erschrocken, ihr kennt das, ja?), am Ende den Link hierhin zu finden.”
… Da musste ich ja kurz auflachen. Also… weil ich niemanden von euch kenne, ihr mich nicht kennt, ich aber seit Ewigkeiten mitlese, einfach so. Oder zumindest weil ich das schätze, was ich in beiden Blogs so lese, weil ich das angenehm reflektiert finde, sympathisch irgendwie, wenn man das so sagen kann. Und normalerweise halte ich ja den Mund, ich lese immer nur mit, aber diesmal, da muss ich ganz klar zumindest diesen Gedanken hier teilen:
Dass ich gerade im Rahmen der Twitter-Sinn/Unsinn-Debatte, die bei Elisabeth Rank in den Comments geführt wird, feststellen muss, dass ich Blogs abonniert habe, deren Autoren offenkundig voneinander wissen (sich vielleicht sogar kennen?), zeigt mir: Mein Gott, was mich interessiert, oder hier: wessen Meinung mich interessiert, das scheine ich sehr engstirnig zu selektieren! Der Teufel, dieses Internet! Ich dachte, ich würde breit gestreut lesen! :D
[...] Tod und Spektakel von HD Schellnack [...]
Auch ich wettere gerne gegen den Wahnsinn der täglich aufgrund der deutschen Liebe zum Automobil verzapft wird.
Aber der Vergleich hinkt gewaltig. 4152 Verkehrstote im Jahr sind durchschnittlich 11 Tote pro Tag. Dabei dürfte das Verkehrsaufkommen in Deutschland täglich weit über den geschätzen 1,4 Mio. Besucher liegen. Autofahren ist anscheinend also sicherer als das Besuchen der Loveparade — seit gestern.
Auch Tucholskis Zitat ist überspitzt. Jeder erinnert sich sicherlich an den Tsunami zu Weihnachten 2004, durch den über 200000 Menschen gestorben sind. Das hat mich damals sogar zum Spenden bewegt, zum ersten Mal im meinem Leben, wie auch einige andere aus meinem Freundeskreis. Nach Tucholski hätte mich das einen feuchten Furz interessieren müssen.
Es ist vielmehr das Unerwartete, dass diese Reaktion auslöst. Als Autofahrer rechnet jeder (zumindest unbewusst) damit, dass er jederzeit den Löffel abgeben kann. Das ist unvermeidlich, wenn in den Abendnachrichten immer wieder von Verkehrstoten berichtet wird. Als Loveparade-Besucher rechne ich aber nicht damit, zu schaden zu kommen — unbeachtet hartneckiger Gerüchte (besser urban legends) über Messerstechereien auf der Loveparade.
“Es ist nur verständlich, wenn schon unmittelbar nach solchen Tragödien Schuldzuweisungen vorgenommen werden, auch wenn die am Ende möglicherweise gar nicht haltbar sind. Menschen wollen Klarheit haben. Die Welt soll eingeteilt sein in Schwarz und Weiß. In Gut und Böse. Richtig und falsch. Schuldig und unschuldig. Und so ist die Suche nach den Schuldigen dieses Unglücks auch so etwas wie der Wunsch nach eindeutigen Wahrheiten. Wir wollen verstehen, was vielleicht am Ende gar nicht vollständig zu verstehen ist.
Das gilt ganz besonders für die Augenzeugen und Überlebenden und für die Angehörigen der Toten. Wenn Klarheit besteht, wie und warum etwas passiert ist und wer verantwortlich gemacht werden kann, lässt sich (vielleicht) etwas leichter damit leben. Doch manchmal gilt wohl auch: Dinge geschehen! Einfach so! Wo Hunderttausende zusammenkommen, ist nicht jede Entwicklung vorhersehbar. Das ist kein Trost, aber wohl die Realität.”
Quelle: Nordwest-Zeitung (http://www.nwzonline.de/Aktuelles/Politik/Meinung/NWZ/Artikel/2392882/Fatale+Dynamik.html)
Während sich eienr der führenden Medienjournalisten Deutschlands an Eva Herman und ihrem lächerlichen Pamphlet “abarbeitet”, steht hier ein tatsächlich wunderbar reflektierender Text. Chapeau!
Vielen Dank für diesen Artikel.
Das gesamte Medienecho auf dieses Unglück waren wie immer nur Schuldzuweisungen und Schuldigensuche sowie zum Teil sehr geheuchelte Anteilnahme; Bild Zeitung weil sichs verkauft, Politiker weils sich gehört. Nebenbei, die gehobebe Politikerriege war gestern in Bayreuth! Wo sind da wohl die tollen Interviews zur Loveparade entstanden? Vor- oder nachdem man sich köstlich zu halbsurrealer Laborratten-Ästhetik amüsiert hat? Ätzend …
Aber zurück, mir fehlt komplett die nüchterne Analyse des Unglücks. Es wird emotionalisiert, es werden Bilder von Toten in Christlich-Fundamentalen Newsblogs gezeigt (http://twitpic.com/28jbx7/full), es geht nur um “den einen Schuldigen” und darum, wie schlimm das alles ist. Was es zweifellos ist.
Ich habe im letzten Jahr bei einem Autounfall meine Freundin verloren. Daher finde ich den Einstieg in diesen Artikel sehr gelungen und wichtig um einige Emotionalisierer mal wieder auf den Boden der Tatsachen zu bringen. Einzelne Verkehrstote bringen aber weder Quoten, noch Auflage oder Wählerstimmen. Da muss schon so eine Katastrophe wie vorgestern kommen. Und daran wird sich erst einmal wieder gerieben. Bis ca. Mittwoch. Dann ist die Halbwertszeit von medialen Tragödien vorbei. Und wir wenden uns den Festivals am kommenden Wochenende zu.
Meine Gedanken sind bei den Angehörigen. Die Lebenspläne von vielen Leuten haben sich an diesem Wochenende geändert. Ich kenne das nur zu gut, seid tapfer.
> Ist es nicht seltsam, dass wir Vergnügen privatisieren – [...] – die Verantwortung dafür aber weitgehend beim Staat suchen?
Dieser – indirekte – Aufruf zu mehr Eigenverantwortung kann man nicht genug unterstützen! Das zeigen auf den (bösen) Staat, der an allem Schuld ist, ist leider schon reflexartig.
Man stelle sich einmal vor: Es hätte, wie einige gefordert haben, mehr Ordnungskräfte/Polizei in Duisburg gegeben und es wäre nichts passiert, dann hätte es womöglich geheissen, man kriminalisiere die Raver im Vorfeld etc. pp.
Und zu den Warnungen: Es ist mit Sicherheit davon auszugehen, das vor jedem Massenevent genügend Warnungen von jeglicher Seite ausgesprochen werden; ob Fusball WM oder Public Viewing oder Loveparade – wenn nichts passiert, waren das übertriebene Ängste, Angstmacher, etc. pp., passiert leider doch etwas, sind das die Helden – frei nach dem Motto “wir haben’s ja schon immer gesagt”.
Danke HD.
Großartiger Text, danke! Und, warum ist hier eigentlich kein Flattr-Button?
Vielen Dank für diesen wirklich sehr guten Text!
Sehr guter Artikel! Kann ich so unterschreiben! Die Darstellung und Verknüpfung von verschiedenen Zusammenhängen ist dir deutlich gelungen! Abgesehen davon finde ich deinen Schreibstil auch klasse!
Grüße aus Koblenz,
Gerold
Ich danke nicht nur für den Artikel, sondern auch für die äußerst eloquente Art und Weise auf die Reaktionen zu reagieren :)
Hat mir bis hier hin sehr viel gegeben, die Webseite!
Hallo HD,
danke für den Artikel, bin über den Bildblog darauf gestossen.
Auch wenn ich nicht in jeder Einzelheit deine Meinung teile fehlen in den deutschen Medien (dazu zähle ich Blogs) mehr Artikel wie diese.
Danke dafür,
Gruß
Björn
Hi,
warum benutzt Du am Ende die Phrasen, die Du am Anfang den Polotikern als leere Phrasen vorwirfst? Die Antwort ist wohl klar: Man kann trauer und Empathie eben manchmal nur so vermitteln. aher ist Deine kritische Haltung dem Gegenüber meiner Meinung nach nicht gerechtfertigt.
LG, Tom
Ich hab dich übers BILDblog “gefunden”
Ich geb dir größtenteils recht, ohne auf Details einzugehen: Die mediale Ausschlachtung eines solchen Unglücks ist ätzend (“Liveticker zur Katastrophe”), die Schuldzuweisungen verfrüht (wozu gibts eigentlich noch staatsanwaltschaftliche/polizeiliche Ermittlungen?), die Suche nach immer neuen Superlativen unvernünftig, der Drang (des Einzelnen) nach großen Menschenmassen unverständlich.
Massenpaniken gibt es immer wieder, sonst allerdings immer schön weit weg. Bei Pilgerfahrten in arabischen Ländern zB, oder in irgendwelchen Stadien in Südamerika. Wir lernen schmerzhaft: Auch Deutsche bzw Bewohner Deutschlands bzw Touristen sind nur Menschen, auch Menschenmassen hierzulande können außer Kontrolle geraten, und dazu braucht es manchmal nur einen kleinen Schubs. Natürlich muss daraus gelernt werden und der Geber des Schubses gehört bestraft, wenn das abzusehen war, aber letztendlich tragen alle Beteiligten einen Teil der “Schuld” in ihrer Natur des Menschseins.
hallo hd,
danke für die interessanten denkanstöße, beschreibt ganz gut, was gerade überall passiert!
vor allem in den Medien, die heutzutage so schnell sind (sein wollen, sein müssen?), dass sie die Schuldfrage so schnell wie möglich lösen wollen – vielleicht erst nach ein paar Tagen, damit sich das Thema auch ausschlachten lässt. Allerdings finde ich es bislang völlig legitim und sogar eine Pflicht der Medien, das Thema nun ausführlich zu behandeln, es ist relevant und betrifft die Menschen (das zeigen auch die enormen Reaktionen online). Kritischer fällt sicher die Bewertung aus, w i e sie das tun (auch wie Politiker dieses zum Teil als öffentlichkeitswirksames Moment nutzen). Ich finde es schwer zu beantworten, was zuerst da ist, das Bedürfnis der Menschen (Mediennutzer) oder die Berichterstattung bzw. wie sich diese beiden gegenseitig befruchten. Sind also die Medien zynisch oder wir, die wir solch ein Ereignis einfach viel intensiver wahrnehmen, als den neuesten Unfall auf der A3 mit Todesfolge, von dem wir in den Vekrehsmeldungen hören? Müssen die Medien als Spiegel unserer Betroffenheit auftreten und zu ihrer Verarbeitung bzw. zum Verständnis des Themas beitragen oder sollten sie aus Verhältnismäßigkeit das Ganze nicht zu groß fahren? Schwierig. Ich musste gestern spontan an 9/11 denken und wie enorm groß da die Medien den Terroranschlag sensationalisiert und emotionalisiert haben, das war ein Paradebeispiel überzogener Medienreaktion auf eine Katastrophe (ohne den Anschlag verharmlosen zu wollen – der Punkt ist, wie bei HD, die Verhältnismäßigkeit).
Deine Skepsis zu Massenspektakeln teile ich nicht ganz, wenn ich Dir auch recht gebe, dass wir scheinbar immer mehr zum öffentlichen Even neigen, sei es öffentlich oder virtuell.
vg,
Julian
(ebenfalls über bildblog)
Danke für das Gegengewicht zu dem Zeugs was ich bisher dazu lesen musste.
Was die vielen merkwürdigen Auffassungen der Metaphern angeht – ob Sportpalast, Verkehrstote oder alles andere – ich habe das alles beim ersten Lesen so verstanden wie du es hinterher erklärt hast und fand darin nichts deplaziertes.
Es liest halt jeder immer gerade das was er darin lesen will.
Man ist jedoch nur für das Verantwortlich, was man sagt, und nicht für das, was andere Verstehen (oder unbedingt verstehen wollen).
Danke für den erfrischenden Beitrag. *Daumen hoch*
Super Text, vielen Dank. Es ist schon traurig, dass die “Profis” zu solchen (d.h. so überlegten und zum selber denken anregenden) Beiträgen nicht fähig sind/sein wollen, vor allem, da dieser dir zu folge ja sehr spontan entstand..
@Julian: 9/11 hat für mich noch einen ganz anderen Stellenwert, der Anschlag war bewusst herbeigeführt, und er hatte eine immense politische Dimension die (imho) einen Großteil des Schreckens bzw der Relevanz dieses Ereignisses ausmachte.
Die Ereignisse von Duisburg sind jedoch, ohne da irgendetwas herunterspielen zu wollen, “nur” menschlich tragisch und haben aber sonst vermutlich keinen besonderen Einfluss auf den Alltag Unbeteiligter. Man könnte von einer Massenpanik nach der Massenpanik sprechen. Ein “kleiner” Auslöser bringt die Masse Medien in Bewegung und alle schreiben und rufen und berichten ohne Sinn und Verstand wild durcheinander. Zugegeben ein zynischer Vergleich, aber er drängte sich mir auf. Die Opfer sind in diesem Fall die Hinterbliebenen.
“Ist es nicht seltsam, dass wir Vergnügen privatisieren – [...] – die Verantwortung dafür aber weitgehend beim Staat suchen?”
Was ist denn das Gegenteil von privatem Vergnügen? Was sind denn öffentliche Veranstaltungen? Müssen Veranstaltungen vom Staat organisiert werden, damit Polizei und Rettungskräfte legitimiert sind, einzugreifen bzw. ihre Arbeit im Vorfeld und präventiv (Zufahrtswege, Sanitäterstationen, Fluchtwege etc.) zu erledigen? Was ist mit den Steuern, die durch “Events” generiert werden (was ja auch durch Fußball in wesentlich höherem Maße geschieht als Polizeiauftritte dort kosten)?
Vergnügen ist immer privat, persönlich, individuell. Wenn ich mich auf eine öffentliche Veranstaltung begebe, dann müssen die Begebenheiten dafür aber definitiv geeignet sein.
Niemand will die Staat-Vollkasko-Mentalität. Aber der Besuch der Love Paradeist auch nicht zu vergleichen mit Motorradtouren durch nordafrikanisches Terroristengebiet.
der text zeichnet sich meiner ansicht nach vor allem dadurch aus, dass er die ereignisse “anders” reflektiert, als die reflexhaften texte des sogenannten qualitätsjournalismus. dennoch gibt es meiner meinung nach zwei denkfehler:
1. 19 tote innerhalb von acht stunden, bei 1.2 millionen besuchern einer veranstaltung. erst durch weglassen der bezugsgrößen wird die zahl der jährlichen verkehrstoten zu einer scheinbar größeren tragödie. gemessen daran, wie viele menschen täglich auf deutschen straßen unterwegs sind (ich kann da nur schätzen, aber die hälfte von 82 millionen könnte es schon sein, da es auch knapp 40 millionen autos plus transitverkehr gibt), handelt es sich aber um ein deutlich geringeres risiko. zumal es sich um einen zeitraum von 365 tagen handelt.
2. natürlich schlagen menschen immer wieder warnungen in den wind. sogar so vernünftige warnungen, wie “fahr vorsichtig – es ist glatt draußen”. dennoch haben menschen aufgrund ihrer erfahrungen meist die möglichkeit, risiken für sich selbst einzuschätzen. ergo das handlungsmuster, ob man eine warnung ernst nimmt oder nicht ist abhängig von meinen vorinformationen. wichtig ist also für menschen, ob sie eine für sich nachvollziehbare risikoeinschätzung vornehmen können.
bei einer veranstaltung wie der loveparade geht ein besucher davon aus, dass professionelle organisatoren solche abschätzungen im vorfeld vornehmen, dass sie maßstäbe ansetzen, die eher zu viel, als zu wenig sicherheit bieten. insofern halte ich auch die schuldfrage hier für relevant (anders als zum beispiel bei einem verkehrsunfall, wo ein kleiner flüchtigkeitsfehler schon mal leute mit in den tod reißt – jemanden, der womöglich schwer verletzt überlebt hat und auch noch den tod anderer menschen verantworten muss hinterher noch zu verdonnern ist jedennfalls oft nicht sinnvoll). ich halte sie deshalb für relevant, weil es im vorfeld auch von kompetenter seite warnungen gab. hier wurde nicht vorm weltuntergang gewarnt, sondern davor, dass gelände und zuwegungen schlicht nicht geeignet seien. mit der warnung “fahr vorsichtig” hat das meines erachtens nichts mehr gemein. für mich sieht es eher so aus, als ob es da um viel geld ging – und die sicherheit der menschen musste hintan stehen.
insofern rufe ich hier nicht reflexartig nach einem schuldigen. sondern mir geht es darum, dass von denjenigen, die für die scheiße verantwortlich sind, noch keiner den arsch in der hose hatte zu sagen, dass sie da scheiße gebaut haben. und das kotzt mich echt an!
Toller Text – Klasse Gedanken – Grosses Lob
DANKE !
Ebenfalls vom Bildblog hergefunden. Ein interessanter Text, in vielen, aber nicht allen Punkten stimme ich zu. Vor allem aber deshalb interessant, weil er genau das ins Visier nimmt, was mir bisher so auf die Nerven gegangen ist bei der Berichterstattung in den meisten Medien. Alle suchen nach einem Schuldigen, irgendein einzelner muss – in dieser Logik – den Bockmist ja gebaut haben. Gut, wenn ich dann höre, dass der Sicherheitsplan superdolle war und nur die doofen Gäste sich nicht an die Regeln halten wollen, dann scheint sich da jemand geradezu nach der Sündenbockrolle zu sehnen. Aber so einfach ist es dann ja auch wieder nicht. Danke für ein paar hintergründigere Gedanken zum Thema.
Viele Ansätze in dem Text sind bestimmt richtig und teile ich. Konsequent wäre aber gewesen nichts zu schreiben. So reiht man sich letztendlich doch wieder ein, in die Reihe der vielen Berichterstatter und macht eben doch mit.
Viele die jetzt aufschreien und Kommerzialisierung sowie Massenveranstaltungen anprangern werden zum Bundesliga Start wieder brav vor dem Fernseher sitzen, “business as usual”.
Duisburg, ein Tag danach:
http://frankhaun.wordpress.com/2010/07/25/duisburg-ein-tag-danach/
@HD Schellnack: Das man darüber berichten möchte halte ich ja auch für völlig normal und es fällt eben schwer sich zu enthalten. Gerade weil mit diesem Unglück so viele gesellschaftliche Fragen auftauchen.
die art und der umfang der berichterstattung hängt natürlich mit der medialen präsenz zusammen. ein vergleichsweise kleines ereignis (nehmen wir einfach mal die windhose in leer vor zwei wochen), wird dann medial deutlich hervorgehoben, wenn ein kamerateam es auch beobachten und damit zeigen kann. hätte es also bilder von der winhose gegeben, hätten die beiden todesopfer auch eine ganz andere mediale beachtung erfahren – so blöd das klingt: das sind rein die gesetze des marktes. bei der loveparade sind neben den vielen profis auch unzählige handys am start. das ereignis kann beliebig oft mit neuen bildern aufgearbeitet werden. das passiert in aller regel nicht, wenn einer mit einem auto gegen einen baum knallt.
und so nebenbei. ich war auch schon auf sehr vielen (und auch sehr großen konzerten), sowie auch diverse male in berlin bei der loveparade. ich kann mich nicht daran erinnern, jemals wie ein stück vieh durch einen tunnel getrieben worden zu sein…
“Eigentlich wollte ich zum Desaster auf der Loveparade nichts schreiben”
Ach, wäre dies doch nur der letzte Entschluss geblieben :(
Ich bin der gleichen Ansicht wie du, Dirk. So sieht unsere Gesellschaft momentan aus. Indivuduelle Problemlagen im kollektiven Rausch vergessen, danach streben wir. Und werden weiterstreben. Irgendwie erinnert mich die Welt da draußen immer öfter an Clockwork Orange. Viel zu viel, von allem. Und gleichzeitig zu wenig vom Wichtigen. Schön, dass du gegensteuerst.
Danke für diesen Text. Noch viel mehr Dank für die nachfolgenden Erläuterungen, die erkennen lassen, daß da jemand das Mitgefühl und die Unsicherheit, die solche schrecklichen Dinge auslösen, auch aushält und zulässt.
Mir ist anhand ihres Textes etwas klargeworden: der ganze blinde Aktionismus, die Hexenjagd, die Forderungen nach Aufklärung, die hilflosen Versuche, solche Vorgänge zu “reflektieren” sind Betäubungsmittel, die verdecken sollen, daß man sich sehr, sehr unwohl, unsicher und einsam fühlt mit der Tatsache, daß die Welt um uns herum eben nicht kontrollierbar, nicht geordnet und nicht vorhersehbar ist.
“Handeln” (bzw die Forderung danach) ist in solchen Zusammenhängen kaum mehr als ein Reflex, der das Gefühl ersetzt. Deutlich wird das auch an dem schalen Nachgeschmack, den das “rückhaltlose Aufklärung”-Blabla unseres neuen Bundespräsidenten hinterlässt. Dagegen hat mir Hannelore Kraft imponiert, die der Versuchung widerstanden hat, sich als frischgebackene Ministerpräsidentin mit ebensolchem Gewäsch zu inszenieren. Sie war vor Ort, hat geweint und ist den Mikrofonen und Kameras (soweit möglich) ausgewichen. Respekt.
Vielleicht ist das auch ein geschlechtsspezifischer Umgang mit emotional bewegenden Momenten. Zuviel Testosteron in der öffentlichen Welt?
[...] In eine gänzliche andere Richtung geht der Beitrag “Tod und Spektakel” im Blog HD Schnellack D Schellnack. In einem langen einem langen Artikel denkt der Autor über die Wahrnehmung des Unglücks in den Medien und über die Suche nach den Schuldigen nach. Weiterlesen… [...]
[...] über die Berichterstattung deutscher Medien bei solchen Vorfällen nicht mehr auf. Gefunden bei hdschellnack.de und sehr lesenswert. Paul Rupek ● 19:03:11 26.07.2010 ● keine Kommentare ● [...]
[...] “Tod und Spektakel” (HD Schellnack) Frau Herman, auf dem Planeten, den wir bewohnen, passieren immer wieder schlimme Dinge. Weil die Natur gewaltig ist, weil Menschen Fehler machen, Böses tun oder auch nichts tun. Diese Gelegenheiten, die für viele mit Schmerz, Verlust und Trauer verbunden sind, nehmen andere, die es selten selbst betrifft, oft zum Anlass, den Finger zu heben, um damit anklagend auf die Opfer zu zeigen – und anschließend gern gen Himmel. [...]
Es waren nicht 19 tote Leute sondern Menschen.
Ansonsten finde ich dieses in Frage stellen von Großevents irgendwie zu billig.
Was ist den die vernünftige Größe eines Events?
Die Menschen haben schon immer große Festen gefeiert, hier gilt es halt zu klären warum es so schief gegangen ist.
Die Abnutzung von «Trauer»
Super erkannt! Das hat mich auch sehr gestört, als die Bild (wollte zu dem Zeitpunkt eigentlich nur den Livestream einschalten) den Wulff auf den Titel gehoben hatte
Schleichendes Gift vs Schockzustand
Den Absatz finde ich völlig deplatziert, denn:
Loveparade ist einmal pro Jahr mit 1,6 Mio.: 20 Tote in 10Minuten
Autoverkehr findet 365mal pro Jahr statt mit mehr als (vorsichtig) 10Mio./Jahr: 4152 Tote pro Jahr
Das stimmt “über zweihundertmal größer ” überhaupt nicht!
Wie du im Absatz darunter schreibst, aber hier nicht berücksichtigst: “Gemisch vieler Faktoren”. Genau das ist der Autoverkehr.
Hier vergleichst du nur 20 mit 4152 und kommst zu dem Ergebnis, dass 20 “Äpfel”(nicht wertend!) weniger sind als 4152 “Birnen”.
Apropo Zahlenvergleiche:
Einen Vergleich will ich dann doch noch bringen:
Bei der Loveparade sind innerhalb von ca. 15 Min. 20Todesfälle (bei angeblich 150.000 Teilnehmern) entstanden.
OK, sagen wir – um besser rechnen zu können – 10 Todesfälle in einer halben Stunden bei 1 Mio. Teilnehmer.
Dies würde auf das Jahr hochgerechnet auf Deutschland (abgerundet auf 80 Mio., was aber egal ist, weil später eh wieder hochgerechnet wird.) bedeuten:
(365d a 24h * 20Tote * (80/1) = ) 14016000 Tote in Deutschland pro Jahr.
Schuld
Hier vergleichst du Leute, die im Wochentakt das Weltende prophezeien, mit warnenden Bewohnern Duisburgs.
Würdest du dir die Loveparade-Artikel Tage vor dem Großereignis bei DerWesten durchlesen, müsstest du feststellen, dass du Warnungen sehr real waren.
In etwa: “In Dortmund war es bei einer Breite von 100m schon sehr eng. Wie wollen die hier bei einem Tunnel von 16m die Leute hindurchquetschen?”
oder: “Der Platz hat 230.000qm. Wie sollen da inkl. Floats mehr als 400.000 Leute Platz haben? Das kann nur im Chaos enden!”
sowieso: “EIn Platz für 500.000 Leute? Sollen die anderen mind. 500.000 Raver draußen bleiben und blöd glotzen?”
und: “Wenn die Raver vom Bahnhof aus das Gelände bereits sehen, kann man ihnen dann verübeln, nicht den ganzen Umweg und den engen Tunnel zu nehmen und stattdessen Abkürzungen zu suchen?”
Ich finde diese Warnungen sind kein Umfug von Dauerkritikern, sondern sehr realistisch.
Was ich dazu denke: An die Orga: Wer Bomben einplanen kann, sollte sich auch mal die örtlichen Gegebenheiten ansehen und Menschen nicht wie Schlachtvieh beurteilen!
(Der Vieh-Vergleich kommt wieder zu spät erst im nächsten Absatz)
Spektakel
Wenn es immer spektakulärer werden muss:
Warum ist die Loveparade dann von RTL über RTL2 und Viva jetzt bei WDR angekommen?
Und “eine tröstende Form von Anonymität” ist schon gar nicht zu beobachten, eher eine Form der Anti-Anonymisierung, eine Form des Exhibitionsmus.
Jeder wird auf solchen Massenevents so häufig gefilmt und fotographieren und lässt sich auch filmen, dass die “15 Minuten” an Aufmerksamkeit bereits mit einem Massenevent abgedeckt sind.
Zum Tante-Emma-Vergleich hätte wieder der Schlachtvieh-Vergleich gepasst:
die Besucher werden wie Vieh herangekarrt, um in kürzester Zeit (hier: finanziell) gemolken und in seiner Endkonsequenz geschlachtet zu werden.
Zum Glück hast du an dieser Stelle auf den Schwachsinn eines dilettantischen (Sozialkultur-)Feuilletonismus ala FAZ verzichtet.
Ich denke, solche Massenevents dienen im Gegenteil der Bedürfnisbefriedigung von (Schein-)Partizipation.
Wir leben quasi in einer Welt der Scheinpartizipation.
Spektakel im Spiegelkabinett
Dieser Absatz ist genial!
Wäre kein “Event im Event” passiert, wäre es wohl bei N-TV und Konservendosen wiedermal nur als “Drogenorgie” abgestempelt worden.
So dürfen wir uns jetzt auf die Ausschlachtung der sozialen Tragödien noch ein bis zwei Wochen “erfreuen”, bis die nächste Katastrophe wieder aktueller ist.
Somit werden die Angehörigen der Opfer nochmal traumatisiert, oder um es bewusst so benennen: vergewaltigt!
Wenn Vergewaltigung als “Junkfood” verkauft wird, läuft doch irgendwas falsch…
Am Rande
Vergnügen wird privatisiert, Verantwortung auf den Staat übertragen und damit sozialisiert.
Hm, woran erinnert das?
Mein Fazit: Erst wurde die Loveparade vom Bürgertum groß, dann von der Wirtschaft eine “feiste und fratzenhafte Parodie” und schließlich von Wirtschaft und Politik kaputt gemacht!
Somit erleidet die Loveparade nur dasselbe Schicksal wie bereits (fast) alles andere zuvor.
Aber darüber wird der Bild- und FAZ-Feuilleton-Pöbel kein Wort verlieren…
Noch ein paar Worte von mir:
Weitere Gefahren wurden meiner Ansicht nach völlig außer Acht gelassen:
1. Das Gelände war viel zu nah am Hauptbahnhof.
Zu späterer Uhrzeit wäre es da zum Chaos gekommen.
Wären viele Raver nicht mehr reingekommen, hätten es viele über die Schienen versucht.
2. Dehydrierung und Mängel infolge von Nahrungsmangel
Ich habe in Festivalnähe keine Verkaufsstände gesehen, die Getränke oder Nahrung verkauft hätten.
3. Der Schotterboden auf dem Platz hätte bei vielen Leuten zahlreiche Verletzungen gegeben.
EIn früherer Bauleiter berichtete, dass es unter den Bauarbeitern am Güterbahnhof zu zahlreichen Knochenbrüchen gekommen ist.
Und sie hätten keine Sandalen oder gar Stöckelschuhe getragen.
4. Zum Ende der Abschlusskundgebung hätten wieder alle zurück in den Tunnel gemusst.
Also in kürzester Zeit mehr als 400.000 Raver in einen Tunnel mit einem Durchlass von 20.000 pro h.
Wahnsinn!
Insgesamt komme ich zu dem Ergebnis, dass diese Organisation (Lopavent) einen vorsätzlichen institutionell angeordneten (Politik) Mordanschlag an der Einrichtung Loveparade verübt hat.
Raver, Polizisten und die Hilfskräfte sind somit allesamt als Vergewaltigungsopfer anzusehen!
Punkt.
Was ist eingentlich mit “normalen” Flugzeugabstürzen (die ja zum glück auch recht selten sind)? Das sind ja dann auch 300 Tote “in 10 Minuten” (was auch immer die Zeitangabe dahinter soll). Bei der Concorde in Paris gab es auch einen recht großen Aufschrei, wenn aber in Afrika eine Maschine mit 3x so viele Leuten abstürzt ist das 1. ja sehr weit weg und 2. “ist ja klar, die haben ja auch keine modernen Flugzeuge”. In diesem Punkt sehe ich es auch so: Sobald die Unkontrollierbarkeit des Lebens, des Umfeldes (und des ganzen Rests) uns wirklich mal direkt vor Augen geführt wird hat das eine größere Wirkung als wenn man davon routinemäßig hört.
Das ist doch aber auch menschlich. Verdrängung von Risiken (genauso wie das Ignorieren von Warnungen), sowie Einbildung der Kontrolle über das eigene Leben führt erst dazu, dass wir sowas wie Spaß haben können. Würde man immer nur dran denken was alles schief gehen kann würden wir wohl nicht mehr Auto fahren, Fußball spielen oä. Wenn man dann aber tatsächlich “live” einen Unfall auf der Autobahn miterlebt führt uns das die eigene Verletzlichkeit vor Augen und wir sind “geschockt”.
In meinen Augen ist es jedoch nicht die Aufgabe der Medien uns zu schocken. Das versuchen viele aber gerade, indem sie mir möglichst detailliert die Schrecken in Wort und Bild aufdrängen. Mir persönlich reicht es informiert zu werden, ich weiß dann was passiert ist, ich möchte auch wissen was dagegen getan wird dass es nochmal passiert, und ich möchte dass diejenigen die Mist gebaut haben nie wieder so etwas organisieren dürfen und ich möchte dass sie für ihren Mist bestraft werden. Alles andere, die ganzen persönlichen Tragödien, die ganzen ekeligen sekündlichen Details der Panik, gehen mich als Unbeteiligten eigentlich nix an und ich wills auch garnicht wissen/sehen.
mein fazit zu dem ganzen bohai ist eigentlich recht einfach – eben ne statistik… ;)
19 tote
512 verletzte
ungefähr 3 millionen besserwisser
gefühlte 4.146 “sicherheitsexperten”
ca. 2.465 neue propheten die das alles schon vorher wussten
und eine unbekannte zahl von trauerenden denen all das kein stück hilft.
und die erkenntnis das menschenmassen unberrechenbar sind und bleiben. egal wie gut oder schlecht das sicherheitskonzept auch immer sein mag. (siehe Hillsborough 89, heysel 85 usw.)
da wird ein “schwarzer peter” auch nichts dran ändern
habe den link heute überall rumgeschickt. danke für diese ganz andere sicht der sache.
(besonders das mit den schuldigen.)
‘”Ist es nicht seltsam, dass wir Vergnügen privatisieren – also individuellen Spaß wollen und fordern und auch den Umsatz/nutzen, der mit Partys gemacht wird an private Firmen leiten – die Verantwortung dafür aber weitgehend beim Staat suchen?”
Nein, schließlich ist es die ureigenste (möglicherweise sogar definitorische) Aufgabe des Staates, in ein System eigennütziger Akteure regulierend einzugreifen, um so Unsicherheiten für die Akteure abzufedern. Und selbstverständlich muss der Staat sich an dem Ausmaß, in dem ihm das gelingt, messen oder eben gegebenfalls kritisieren lassen.
Danke für den Artikel.
Am Tag des Unglücks und am Sonntag habe ich – TV schauend – mal wieder den Glauben in manche Medien verloren.
In der PK am Sonntag geiferten die Journalisten geradezu statt zu fragen. Sie wollten jemand präsentiert bekommen, den sie köpfen können. Wenige Stunden nach dem Unglück. Sie konnten natürlich nicht bedient werden, spielten die beleidigte Leberwurst und sprachen fortan davon, dass sich die Verantwortlichen hinter der Staatsanwaltschaft verstecken.
Habe weitere Meinung gefunden: http://snetzle.de/meinungen/5385519dbf1422d01.html
[...] der Medien wird nur am Rande angeschnitten. Aber das hat HD Schellnack in seinem Beitrag „Tod und Spektakel“ schon am Sonntag gemacht. Und wurde dank der BILD leider [...]
“Es ist eine sehr paternalistische Vorstellung eines Versorgungsstaats, der dafür zu sorgen hat, dass private Vergnügungen, die private Unternehmen anbieten, von Polizei und Stadt und Land bewacht, beaufsichtigt, und auch noch zu 2/3 querfinanziert und abgesichter sein sollen, finde ich.”
“finanzieren” ist eine anmaßende verdrehung des von mir verwendeten begriffes der regulierung.
aber natürlich: das funktionieren unserer gesellschaft beruht auf der beaufsichtiguns- und bewachungsfunktion des staates. ob man eine positive haltung dazu jetzt “paternalistisch” nennen muss, weiß ich nicht.
wieder eine verdrehung. ich habe keinen staat beschrieben, der mich “rundum versorgt”, noch einen solchen eingefordert. lediglich einen, der regulierend eingreift, anarchie vermeidet und z.b. die von ihnen zitierten veranstalter stärker kontrolliert. eine institution, die über die einhaltung bestimmter regeln wacht und die ich eben auch danach beurteile, ob das gelingt.
wir reden aneinander vorbei, trotzdem einen guten tag noch.
Upps, wie viele Kommentare stehen denn hier…?
Im Allgemeinen hast du schon Recht,wenn du sagst, eigentlich sind alle ein klein wenig an der ganzen Sache Schuld!
Und Du hast auch Recht, wenn du sagst, dass das bei jedem eigentlich größerem Konzert passieren könnte!
Das entbindet aber, meiner Ansicht nach, nicht die Veranstalter davon, Sorge zu tragen, dass so etwas nicht passieren kann!
Und das haben sie nicht getan!
Ein Herr Schaller hat sich mit gerade einmal 7,5 Millionen versichert, was eigentlich auch zeigt, wie weit er im Vorfeld gedacht hat!!
Und der OB im Urlaub!
Das ist daran so unglaublich!
Richtig, man muss sich vorstellen, halb oder ganz Köln will nach Duisburg! Das kann nicht gehen!
Trotzdem wurde es gemacht!
Ein Bisschen wie jemand, der ein Glas fallen lässt und dann darüber jammert, dass es kaputt geht!
Es geht nun mal kaputt!
Und sorge, wenn Du in deinem Büro nie Party machst, und dazu 500 Gäste einlädst, solltest du dich nachher halt nicht wundern, wenn man dich zur Rechenschaft zieht, falls das schief geht!
Ansonsten, nen echt gelungener Kommentar!
Natürlich liegt was Systematisch im Argen!
Und nicht nur hier!
Im Golf von Mexiko wird an nem Ventil für 500000 § gespart, und upps es geht schief!
Der Schaden geht danach in die Milliarden!
Ist da jemand verantwortlich!
Klar!
Wird irgendeiner zur Rechenschaft gezogen?
Nein!
Der BP Chef geht in Ruhestand und nimmt noch 14 Millionen mit!
Das ist die Realität!
Und das ist auch der Grund, warum erst so Dinge geschehen!
Weil keiner befürchten braucht, zur Rechenschaft gezogen zu werden!
Konkrete Verantwortlichkeit erzeugt halt erst Verantwortungsbewußtsein!
Natürlich nicht! Und die Opfer werden auch merken, dass ihnen das leider wohl auch nicht ihre Angehörigen zurück bringt!
Und ob auch ne Verurteilung am Ende wirklich trösten kann? Ich glaube eher nicht!
Aber es ist doch schon dieser Grundgedanke der eigentlich falsch ist!
BP ist nicht schuld, weil ja eigentlich wieder die Gesellschaft schuld ist!
Das führt nur zu nichts!
Das ist mir zu einfach!
BP hätte ja auch einfach mal ein klein wenig weniger Gewinn machen können!
Nicht viel, nur ein ganz kleines Bisschen!
Und da ist sie wieder! Diese Gier, nach allem was groß ist!
Sei es nun der Gewinn, oder sei es möglichst eine noch so große Veranstaltung aufzuziehen!
Man kann aber auch einfach mal nein sagen!
Klar Leben ist Lebensgefährlich!
Ich muss mich nicht an nem Bungeeseil in die Tiefe stürzen, nur weil andere das machen!
Aber was ist, wenn dich jemanden einfach an nen Bungeeseil hängt?
Ist er dann schuld, wenns nicht klappt, oder Du?
Wenn morgen nen AKW hochgeht, wer ist dann Schuld!
Die, die dagegen demonstriert haben,oder die,die dafür waren?
Und nebenbei, müssten sich die Energieversorger gegen so nen Gau versichern, oder müssten sie nur die Endlagerung bezahlen, Atomstrom wäre unbezahlbar! :-D
Wo ich dir Recht gebe, ist das die Menschen immer weniger Risiko umgehen können!
Vielleicht, weil man es ihnen in unserer Wohlstandsgesellschaft einfach über die Jahre hin anerzogen hat!
Im Übrigen ist heute nen Flugzeug in Pakistan abgestürzt mit knapp 150 Toten!
Traurig, aber wird sich irgendjemand hier darüber aufregen…?
Eher nicht!
Klar, aber brennt ein Mehrfamilienhaus in Ludwigshafen, kann das auch schon ganz anders aussehen!
Fight Club würde in Deutschland nicht funktionieren, Merkel würde zu mindestens dabei alle Banken retten…!:-D
The first rule of Fight Club is, you do not talk about Fight Club.
The second rule of Fight Club is, you do not talk about Fight Club.
Klappt nicht!
Man kann jede Organisation unterwandern!
Hab mal von ner Partei gehört, die wurde soweit unterwandert, dass man sie noch nicht einmal mehr verbieten konnte…! :-D
Ich habe nicht alle Kommentare hier gelesen, und deinen Text habe ich in Teilen quer gelesen, weil müde ich bin (o:
eines finde ich gut: wir “sprechen” drüber, wir tauschen uns aus, wir nehmen uns Zeit. Ich habe auch erst nix zum Ganzen geschrieben, weil ich dachte, dass ich nicht auch noch Buchstaben hinzufügen muss. Aber die Wut hat sich einfach gesteigert. Es gibt kein richtig und kein falsch, aber für mich gab es den Bedarf nach Stille. Betroffenheit ist für mich nichts Lautes. Alles, was laut ist, ist irgendwie “falsch”. Und da mich ähnliche Gedanken wie dich umgetrieben haben, fand ich deinen Text grad wohltuend.
Ich muss auch nicht mit jeder Faser übereinstimmen, aber ich fühle mich verstanden. Denn bei allem Virtuellen mag ich am liebsten den persönlichen Austausch. Retro, ne? Der sollte vielleicht vor Twitter und allen anderen Kanälen gesetzt werden. Wurde er aber nicht. Leider. Und auch ich weiß nicht, ob es etwas bringt, Schuldige zu suchen. Alles scheint geprägt von dem Gedanken, das Unfassbare fassbar zu machen. Aber Verhältnismäßigkeit und eine gewisse Art von Demut gehen dabei anscheinend verloren.
Daher: Danke. Für die Stille.
Danke für diesen wunderbaren Artikel. Er sprach mir aus der Seele.
Danke.
[...] die Masse der Berichterstattung, und dies hätte ich natürlich auch als Einstieg wählen können, dass ich eigentlich nichts [dazu] schreiben wollte). Warum ich den WDR-Beitrag für misslungen halte, habe ich oben schon angedeutet; weil er [...]
Ihr Artikel hat mir Vieles in Klartext vorgeführt, was ich bisher nur “vorsprachlich” als Gedankengefühl oder Gefühlsgedanke im Kopfbauch hatte. Dafür großen Dank. Ich sehe allerdings nicht, dass die Medien solche Macht haben. Da schwingt mir etwas zuviel kausalistische Einbahnstraße mit. Richtig ist, dass Medien (wie eben auch Banken) einen Trend (wo immer er auch herkommen mag) verstärken können, jedoch nur solange, wie sich dieser “Aufmerksamkeitskredit” auch für die Banken=Medien rechnet. Trauer, Leichen, Skandale gehen immer. Das hat schon Aristoteles in seiner “Poetik” beschrieben. Man könnte fragen, ob heute noch so etwas wie Katharsis in den populären Tragödientexten zu finden ist, zu denen Ereignisse medial geskriptet werden. Wenn man sie nicht findet, wovon ich ausgehe, dann heißt das doch zunächst mal nichts anderes, als dass es hierfür keine Mehrheiten bzw. keinen “Bedarf” und folglich auch keine Kredite der Banken=Medien gibt. Wie uninteressant=abgewertet ist der Fall Brunner, seitdem das Label “Held” aufgrund veränderter Faktenlage nicht mehr verfängt. Obwohl gerade hier echte Katharsis möglich wäre. Es sind nicht die Medien=Banken, die das verhindern, es ist diese Phänomen der dritten Art, das man zu anderen Zeiten, aber für alle Zeiten “Zeitgeist” genannt hat.
[...] Tod und Spektakel [...]
[...] danke, Herr Schellnack für Ihren Text. Und danke, Herr Niggemeier.) Veröffentlicht am 25. Juli 2010 Kategorie: [...]