
Sehr spannende Statements zum Thema elektronische Distribution von Comic Books. Da Comics in der Produktion teuer sind und zugleich ein trashigeres Medium als die belletristische Literatur, denke ich, dass hier vorweggenommen wird, was den Buchmarkt als Ganzes erwartet, es lohnt sich also für alle am Buch interessierten, ein Auge auf DC und Marvel, die beiden US-Branchengrößen zu haben. Die Technologie ist noch alles andere als ausgereift, der Kindle ein Alptraum und das iPhone noch nicht weit genug und zu klein, aber die großen Comicverlage bereiten sich mit Hochdruck auf das digitale Zeitalter vor, vielleicht auch, weil andere Häuser wie IDW in kleinen iPhone-Tests bereits überraschende Auflagen verbuchen konnten. Ab dem OS3 wäre eine Art Marvel-Applikation denkbar, die im Abo oder als Preis-per-Ausgabe tatsächlich wie ein Online-Kiosk funktioniert und die gesammelten Hefte liest man dann später als Trade Paperback oder Hardcover. Es klingt derzeit so, als wäre der Tod der «Monthlies», die durch die aufwendige Produktion inzwischen bei bis zu 4,99 $ für 21 Seiten (oft dekomprimierter) Geschichte angekommen sind, nur noch eine Frage der Zeit…
27. Mai 2009 18:46 Uhr. Kategorie Technik. Tag Comics, Print. 12 Antworten.
mhh naja. Schon praktisch, aber gerade bei Comics mag ich Hefte lieber. Ich meine wer zur hölle setzt sich an den Rechner und blättert mit der Maus durch? Hat man schon mit E-Books versucht und konnte sich nicht so wirklich durchsetzen. Sinn macht das ganze echt nur auf Iphone oder besser noch auf dem evtl. kommenden, kleinen Apple touchscreen Laptop
Das ist das große Pfund von Buch und Comics – das analoge Interface ist besser als das digitale. Das war bei der Musik anders – von Vinyl zu CD zu MP3 ist die Nutzung komfortabler geworden, dito bei Video (Bandsalat zu Silberling zu Download). Außerdem wollen viele Leute Bücher im Regal stehen haben, aus sozialen Gründen (das ist bei Musik auch so, aber nur eingeschränkter, bei DVD fast gar nicht so). Es fehlt noch das ideale digitale Trägermedium und der Kindle ist es nun wirklich SICHER nicht, auch der Sony-Reader nicht. Abwarten, ob es das gerüchtekursierende Apple-Tablet sein kann. Ich denke, das lustige ist: Die Distributionswege würden längst stehen, aber es fehlt noch a) an einem Trägermedium, mit dem man am Strand, in der Badewanne und im Bett bequem und ohne geblendete Augen lesen kann, also etwas, dass Papier wirklich sauber imitiert (eine Art Super-e-Ink oder ein Hyper-OLED) und sich auch wie ein Buch anfühlt. Der Vorteil: Comics und Bücher sitzen noch etwas in einer geschützten Nische (auch weil Bücherleser nicht DIE oberdigitalen Menschen sind und weil es bei Comics auch ein bisschen immer um das Sammeln geht, wobei sich das seit dem Boom der 90er wieder sehr gelegt hat, wie der Trend zum Tradepaperback belegt) und haben Zeit, sich Techniken einfallen zu lassen, wie sie mit diesem Umbruch umgehen können.
Für Bücher gibts ja schon nette alternativen. Hab letztens jemanden mit so nem billigen dingen gesehen. Zum Text lesen reicht es zwar, aber trotzdem einfach nicht so schön. Für comics einfach nicht denkbar. Und das Sammeln kommt auch dazu!
Digitale Comics sind schon die Comics. Hat viele Vorteile und die nächsten Generationen sind daran gewohnt am Rechner oder Display zu lesen, denen wird es eher stören ein Comic auf Papier zu lesen.
Seit Jahren beschäftige ich mich mit digitalen Comics und als Comiczeichner sehe ich viele Vorteile in dieser Entwicklung. Man kann sich sehr gut unabhängig machen und digitale Comics mit PRINT ON DEMAND oder ähnliches kombinieren, so können die digitalen Leser und Papierfreunde sich freuen.
Auch das Geldverdienen kann einfacher gehen. Unbekannte Zeichner basteln sich einen Blog und veröffentlichen ihre Comics. Durch Google Ads und andere Werbeprogramme können sie etwas Geld verdienen, und wenn sie bekannter werden mehr verdienen.
Die größten Verlierer könnten bei dieser Sache die Zwischenhändler und vertriebe werden, die davon leben Comics aufzubewahren und in die Läden zu bringen.
Die Technik ist einfach noch nies, wobei die Displayqualität an sich allmählich (für b/w print) schon gut wird: http://gizmodo.com/5271551/cool+er-ebook-reader-review?skyline=true&s=i
eComics werden vor allem für Indie/Selfpublishing spannend werden, denke ich. Gerade in den Staaten, wo die Übermacht von Previews/Diamond so gebrochen werden kann.
Spannend wird das ganze erst, wenn sozusagen eComic nicht mehr nur eingescannte (bzw direkt digital produzierte) Bilder sind, sondern auf das BIldschirmmedium und die Möglichkeiten maßgeschneidert wird. Aber generell gilt – die Doppelseite einer aufgeschlagenen, gedruckten und wunderbar gezeichneten Graphic Novel kann kein Bildschirm ersetzen, die Choreographie einer Seite, die Möglichkeit als Leser nahezu gleichzeitig intuitiv durch eine reine Sehnervkontraktion Details und das große Ganze zu sehen – das ist digital (noch) nicht zu simulieren.
Mh, digitale Photographie wird sich NIE durchsetzen. Siehe auch zwei oder drei Threads vorher.
hihi. Es ist ja via Tom Brevoort bekannt, dass Marvel bereits feste ans Umsteigen denkt, und DC hat Zuda sicher nicht ganz ohne Hintergedanken gegründet.
“Digitale Fotgrafie wird sich nie durchsetzen”
Ich glaube das ist nicht wirklich vergleichbar. Man hat bei Digicams immer noch immer die gleichen Einstellungen (abgesehen vom vorteil, das man die Lichtempfindlichkeit des Filmes von hand einstellen kann, Fotos wieder löschen kann usw., aber im Prinzip gleiches Handling)
Es geht auch nicht wirklich um die Displayqualität, welche ja auch schon gut ist, sondern eher darum, dass es (wenn überhaupt) nur mit z. B. dem evtl. kommenden Apple Tablet o. ä. halbswegs Spaß macht. Ich bin auch mit Computern aufgewachsen und noch nicht mal jemand der Bücher liest! Also ich bin absoluter “nicht-leser” und trotzdem finde ich das Lesen an “normalen” Desktop PC’s absolut ätzend!!!!! Einziger vorteil ist die Suchfunktion in .pdf Manuals.
Es wäre vielleicht lustig wenn man in den Comics kleinere Animationen hätte, oder man Kopfhörer anschließt und passende Hintergrundmusik und Soundeffekte zu den Passagen hätte. Möglichkeiten hat man auf jeden fall mehr!
Marc, Henning war sarkastisch. Die Sprüche kamen 2000 von Photographen, die meinten, das die digitale Photographie sich nicht durchsetzen kann – miese BIldqualität, kein glaubhaftes Korn und.. die fehlende «Aura». Inzwischen lösen DSLR-Kameras feiner auf als alte Mittelformatkameras, die digitalen Mittelformate haben Bildqualität, die analog fast unerreichbar ist, und selbst Profis können zwischen einem digitalen bearbeiteten Photo, das entsprechend gut ausgedruckt ist (siehe Spiegel letzte Woche) und einem analogen Originalbild mit der gleichen Druckmethode nicht mehr unterscheiden. Oma Liese benutzt billige Digiknipsen, und der Glamourprofi eben eine Hasselblad. Die verpönte Digitalphotographie, die sich ja nie durchsetzen würde, hat eine Dekade später die Analoge Photographie fast zur Randerscheinung gemacht. Und das ist ja nur der Anfang.
Gleiches gilt für Digitaldruck.
Und gleiches wird natürlich auch für eReading gelten. Ich hab immer wieder Leute, die mir sagen: Neee, das Buch stirbt nicht. Und es WIRD auch nicht sterben. Vinyl ist ja auch nicht tot. Die analoge Photographie gibt es ja auch noch (Holga, Lomo, alte MF, Plattenkameras)… und alle alten Medien werden dann auch prompt ein wenig fetischisiert von den Usern. Aber als Massenkulturträger-Medium ist Papier langsam aber sicher angezählt. Ich würde den Prozess auf noch einmal eine Dekade rechnen, aber ich hab auch bei der Photographie mit mehr Zeit gerechnet als der Markt dann tatsächlich gebraucht hat.
ja ok. Wobei leider sehr viel ausstirbt. Das echte Polaroid ist ja praktisch schon gestorben. Vinyl geht noch, aber in den letzten 3-4 Jahren auch extrem! zurückgegangen.
Selbst 2000 gab es schon richtig gute mittelformat digicams!!! Hätte ich auch nicht gedacht, das Phase one schon seit anfang der 90er Digitale Rückenteile herstellt.
Naja 2000 waren es nur 8 oder 10MP bei den ganz großen, was aber immernoch halbwegs ok sein sollte. Mittelformat ist ja noch ne ganz andere Liga!
Ja, das wird kommen. Oder: das wird in guter Qualität kommen. Das ist so und daran ist nichts zu rütteln. Und klar: Der Comic und das Buch werden nicht aussterben, aber sie werden eben nicht mehr hauptsächlich gedruckt sein. Das ist es, was es vielen so schwer macht – wieder auf ein neues Medium umzusteigen.
Ich habe schon viele Comics am Rechner gelesen. Wirklich Spass gemacht hat es nicht. Double-Spread-Pages sind da ganz schlimm. Aber klar: der Branche geht es schlecht und Online Comics sind einfach billiger. Die Technik wird besser und auf Dauer werden wir nach Feierabend auch noch auf den Monitor schauen.
Wenigstens muss ich mir keine Sorgen machen, dass es für die hunderten von Backissues in meinem Keller irgendwann keinen Player mehr gibt …
Wobei die kiloweise Backissues in meinem Keller eigentlich DAS Argument für eComics sind, wenn die komplette Sammlung als Scan wahrscheinlich auf eine handliche Festplatte ginge – statt in 70 Longboxes oder so.