
Achtung, dies wird eine ziemlich lange Bilderflut werden. Da wir aber keinen der drei in Bielefeld gezeigten Entwürfe so nehmen, wie ursprünglich im Wettbewerb vorgestellt, ist es vielleicht ganz interessant, die Sache einmal so zu zeigen, wie sie prototypisch aussah. Als Screenshots kommt das alles nicht ganz so gut und ohne die Erklärung auch nochmal etwas weniger lustig und es ist sowieso alles sehr hektisch entstanden (der Pitch hatte zwar drei Wochen Zeit, wir haben aber real nur fünf Tage Zeit gehabt, wirklich zu produzieren), aber ein Blog ist auch ein Tagebuch und da gehört auch sowas irgendwie rein.

Los gehts.

Ich mag keine Wettbewerbe. Wettbewerbe sind wie Cola-Automaten. Alles, was man produziert, ist Fertigware, prefabricated. Man hat irgendwie immer nur die Wahl zwischen drei Geschmacksrichtungen…

Das liegt daran, daß der Designer blind arbeitet.

Am Ende bekommt der Kunde ein Fertigprodukt aus dem Supermarkt der Gestaltung.

Und die Agenturenarbeiten gleichen sich oft auch irgendwie.

Meistens ist Arbeit, die ich bei Pitches zeige also irgendwie beschissen.

Ich mags viel lieber, wenn die Dinge, die ich mache, wirklich passen.

Wenn ich den Kunden umkreisen und ausleuchten und kennenlernen kann.

Wenn ich richtig neugierig sein darf.

Klar ist das anstrengender.

Aber nur so kann man sich richtig verlieben.

Genug geredet, los gehts.



Ausgangspunkt, da man sonst nicht viel hatte, war ein Interviewzitat des neuen Bielefelder Intendanten Michael Heicks.



Beim ersten Entwurf wollten wir die von heutemorgen vorher entwickelte farbliche Unterscheidung der drei Theatersparten beibehalten und Kontinuität zeigen, also im Design auf dem aufbauen, was zuvor unter Regula Gerber erarbeitet worden war.




Die von heutemorgen etablierten Farben. Ich glaub, Kreyenburg LIEBT Cyan schon irgendwie :-D .





Die drei Spartenfarben ergeben das cyanfarbene Theater.

Vier Farben.

Aus vier mach eins.

Huch, ein Logo.

Briefbogen.

Cyanfarbene Rückseite.

Visitenkarte.

Shortcard. Ja, die Adresstypo ist riesengroß,14 pt. Und auch noch mit negativem Durchschuß. Und Helvetica.

DinLang-Umschlag. Und ja, man kriegt den so produziert und auch durch die Post.

C4.

Monatsprogramm. Kein Bild, nur Typo. Der Pfeil taucht hier erstmals auf und hat sich dann irgendwie mit durchgezogen. Ich mochte den sehr.

Jeden Monat Variation in der Typo.

Abendprogramme. Haben die jeweilige Spartenfarbe. Im Grunde nur eine (aber deutliche) Aufpeppung des jetzigen Systems. Bahnhofs/Flughafen-Ästhetik. Ergibt sich fast zwangsläufig aus der Helvetica.

Noch ein Abendprogramm, diesmal für den Schauspielbereich.

Und das Tanztheater.

Ich mag diese Farben-Idee nicht so besonders. Zum einen, weil heutemorgen die 1:1 bei drei oder vier Klienten verwendet, darunter Stuttgart, Gorski, Schaubühne. Ich will aber irgendwie nicht, daß Bielefeld aussieht wie ein anderes Theater. Also …


Nochmal die Dreifaltigkeit.

Aber ein Theater ist ja mehr als seine Sparten. Ist es nicht auch eine Reflektion der Stadt, auf die es eingeht, in der es stattfindet?

Sind die Philharmoniker nicht ohnehin eine Art 4. Sparte? (Eine Idee, die leider inzwischen verworfen wurde, ich sehe das immer noch als vollwertigen 4. Bereich)

Außerdem haben wir im Groben und Ganzen vier Spielorte (Junge, wie das alles paßt, oder?)

Noch ein Zitat von Michael Heicks.

Vier Sparten als ein Ganzes? Hmmmm….

Eins.

Zwei.

Drei.

Vier. Ja da schau her.

Ganz einfache Konstruktion.

Assoziationen

Wir fandens so aber noch langweilig.

Und haben es nochmal um Pi mal Pi gedreht. Also um etwa 10°

Aber wir haben es dann doch verworfen, weil es so Windrad-artig war. In modifizierter Form ist der Fragmentkreis übrigens derzeit noch im Gespräch, obwohl kein favorite of mine.

Zweiter Anlauf: Eins.

Zwei.

Drei.

Vier. Und wir haben dann endlos diskutiert, ob es nicht ZU nahe an der Neuen Pinakothek von KMS ist. Ich mag KMS, ich will die nicht klonen. Ist es aber nicht. Es ist aber abgelehnt worden, weil es zu nah am ebenfalls quadratischen Logo der Bielefelder Kunsthallen war. Dem gleicht es eigentlich noch weniger. Naja. . .

Konstruktion.

Assoziationen, zum Teil etwas Krude. Frau Crüwell ist die Witwe eines Tabakindustriellen. Ihre Förderung hat das Theater ursprünglich möglich gemacht.


Huch, ein pinkes Rechteck.

Jetzt wirds kleiner.

Ah, Schrift.



Der Abstand.

Es geht auch Modular an jeder Ecke. Nur dann bitte näher dran.




Aber bleiben wir erstmal beim klassisch-zentrierten.

Briefbogen. Von hinten übrigens dunkelgrau.

Close-Up. Hier sieht man, das in jeden Brief eine Art Infobox eingedruckt werden kann, mit Ansprechpartner usw. Außerdem eine Chance, mal die Typo dezent ins Bild zu bringen.

Visitenkarte. Das Logo ist ausgestanzt. Der Druck schwarz und anthrazitgrau.

Shortcards. Auch gestanzt.

Ja, wir habens getestet, die Stanzung funktioniert einwandfrei.

Umschlag Din Lang.

Umschlag C4. Man sieht hier und bei den Karten gut, daß Typo flexibel an allen Stellen der Bildmarke andocken kann.

Monatsprogramm. Wir wollten Photos drauf; zeigen, was auf der Bühne passiert. Hier mit Split-Screen. Die beiden Bilder können eine Geschichte erzählen. Das Logo als zentrales Element mittendrin.

Noch ein Beispiel.

And another one.

Irgendwie ist das schwarz in den JPGs nicht so richtig gut hier online. Überhaupt sahen die Farben etwas kräftiger aus.

Man muß sich mit dem zentralen Logo und dem Splitscreen nicht einengen. In der Folgesaison wäre mit dem gleichen Logo auch so etwas denkbar.

Und auch so lassen sich Sachen betonen und erzählen.

Nochmal.

Aber fürs erste fänd ich den Splitscreen ganz witzig.

Es zeigt sich, daß trotz verschiedener Motive und Stellung der Typo ein durchgehender Look entsteht.

An der gleichen Stelle wie beim Monatsprogramm…

… sitzt das Logo auch beim Abendprogramm. Hier nur ein Bild. Mehr Ruhe.




Ein paar weitere Beispiele.

Will man die Spartenfarben doch erhalten, könnte man sie so wie hier als Reiter dezent einsetzen.

Aber im Grunde ist less irgendwie more.

Von den insgesamt fast elf Varianten, die wir so vorab grob skizziert haben, hier eine dritte. Die wir eigentlich verwerfen wollten, weil sie so gar nicht nodesign-like ist. Aber sie ist uns irgendwie ans Herz gewachsen. Weil sie so gar nicht nodesign-like war.

Wieder Ausgangspunkt Zitat.

Wie kann man diese Energie visualisieren?

Energie, Lust, Leben….


Mal ausgehend von einer recht sachlichen Grundlage…. (DIN)






… könnte man ja mal was wachsen lassen. Ob man da an Blumen denkt, an Flammen oder an fast barocke Ornamente… egal. Aber es hat schon was.

Ganz edel in Gold.

Aber irgendwie auch gut in grellem Pink.

Assoziationen.


Briefbogen.

Hält man ihn gegen das Licht wird wie ein Wasserzeichen das Muster sichtbar…

… das auf die Rückseite gedruckt ist.

Visitenkarte.

Shortcard.

DinLang.

C4.

Monatsplan. Kleineres Bild. Farbige Fläche. In der Fläche kann man ein Stück mit Textzitat featuren.

Jeden Monat eine andere Farbe in der Fläche.

Nicht nur grell. Die Farbe leitet sich aus dem verwendeten Bild ab.

Ohne dabei ganz identisch zu sein.

Zusammen gut unterscheidbar, aber aus einem Guß.

Abendprogramme funktionieren nach dem gleichen Schema, haben aber oben die Ornamente des Logos als Tapete.

Wobei wir jedesmal ein anderes Stück Tapete sehen. Grundidee war, daß man eventuell, wenn man am Saisonende alle Hefte nebeneinander legt, ein durchgehendes Ornament hat.

Farben auch hier immer aus dem Bild kommend.

Und das waren die drei Grundrichtungen.

Zu jeder Richtung haben wir eine Art Saisonheftscribble gemacht. Da wir keinerlei Bildmaterial hatten und Michael Heicks die Idee vorschlug, irgendetwas mit dem Umbau des Theaters zu machen, haben wir Motive aus dem Grace-Buch der Vogue als Moods geklaut und dazu haben Séan, Marian und Steffi ein paar Bilder in Hemer geschossen.

Michael Heicks wollte weg vom A4-Format. Wir könnten uns ein großes langes Format vorstellen…

… vielleicht auch was quadratisches…

… aber ein Format um A5 hätte einfach den Vorteil, daß man viel mehr Seiten zum gleichen Preis bekommt. Damit kann man dann auf die Quetscherei mit den Texten verzichten und pro Doppelseite ein Stück nehmen. Raum.

Hier ein Photo aus Grace. Tolles Buch. Kaufts euch einfach.

Ein paar der Photos. Rüberkommen soll, daß wir die Abgeschmocktheit der Baustelle konterkarieren wollten mit den modelartigen Schauspielern und den ja fast Haute-Couture-ähnlich Bühnenkostümen von Oper und Schauspiel. Kaputt und hypertroph zugleich.

VERSION EINS: So sähe das Cover aus.

Eigentlich so, denn das Logo ist auf transluzentem Papier gedruckt. Oder in weißmatt bedrucktes Weichplastik gehüllt.

So siehts drunter aus. Da ist unser Pfeil wieder. Und alle Premieren hintereinander weggeschrieben. Und natürlich CYAN.

Opener für Oper. Der Pfeil wird dominant, oder?

Riesenschrift hier, ich glaub, es war auch 14 pt.



Opener Schauspiel. Mehr Pfeile.


Pfeilalarm!!!!

Gut fänd ich auch die Idee, nicht nur die Stücke vorzustellen, sondern inhaltlich in die Tiefe zu gehen. Hier etwa ein Zitat zu Tanz, das man erst zu Ende lesen kann…

… wenn man umblättert.


Bei Version ZWEI, die mit dem Quadrat-Logo, ist mir beim Textlayout wirklich nichts gutes mehr eingefallen, zugegeben. Die Variante ist im Grunde erst am Schluß entstanden, etwa drei Stunen vor der Präsentation. Die Typo für den normalen Text mag ich rückblickend nicht.




Bei Version DREI ist es dann wieder etwas opulenter zugegangen, passend zum Logo. Alles in PMS-Gold und Neonpink, natürlich. Im Grunde mag ich hier trotz der Hektik ein paar Ideen immer noch sehr.

Das weiße ist geprägt, die Ornamente sind UV-Lack.





Und das wars.

Entweder war alles fürs Klo.

Oder vielleicht war doch was Gutes dabei.

Ich hab jetzt jedenfalls Feierabend.
2. Mai 2005 00:27 Uhr. Kategorie Arbeit. Keine Antwort.