
Und weiter mit den alten Platten. Diese hier habe ich von Marc im November geschenkt bekommen, und sie ist immer noch gut. Kings Of Convenience-Co-Kopf Erlend Oyes neues Projekt hat – passend für einen so in der Elektroszene beheimateten Mann – eigentlich 2003 als reine Elektro-Nummer begonnen, wovon man heute nichts mehr merkt, da das Berliner Trio ohne jedes Programming auszukommen scheint. Reduziert auf Bass, Schlagzeug und Gitarre ist die Musik so reduziert wie das Coverartwork. In einer Trockenheit, die an die ganz frühen Cure erinnert, mit einfachen Gitarrenmelodien, einem fröhlich dahinperlenden Bass und simplen flockigen Schlagzeugbeats ist die Musik zurückhaltend, fast schüchtern-verträumt und irgendwie immer schön. Minimaler Pop, der so laid back daherkommt, dass er mitunter an der Grenze zur Drucklosigkeit zu liegen droht, allzu nett werden könnte, zum Proberaum-Gedümpel. Tracks, die erst durch einen massiven Elektro-Remix dancefloortauglich würden. Aber Marcin Öz, Sebastian Maschat und Oye kriegen eigentlich immer wieder die Kurve zu flockig wippenden Songs, die einem schnell vertraut und beim zweiten Hören schon gute Freunde geworden sind. Die Kompositionen sind so einfach wie Oyes an Markus Acher erinnernde Gesanglines, die wunderbar vernuschelt-hingenöhlt in die Ohren kommen. Überhaupt erinnert Whitest Boy ein klitzekleines wenig an Notwist, minus Console minus deutsche Kopflastigkeit (die wir bei The Notwist aber natürlich alle absolut lieben), vielleicht auch ein bisschen an flockigere, ganz und gar mit Samt ausgelegte Bloc Party, vielleicht auch an Hot Chip Unplugged. Schlichte Beats, ein wunderbares Session-Feeling, das ganze Dreams-Album klingt irgendwie phantastisch hingerotzt, wie eine schnelle Jam Session bei strahlendem Sonnenschein, mit seltsamen kleinen Improvisationen, Löchern, Fragezeichen, die sich dann ganz schnell wieder in kuschelige Grooves auflösen. Whitest Boy schafft es bei der kleinen Besetzung niemals schroff oder kühl zu klingen, sondern einen warmen wohnzimmerigen Flair zu verbreiten, eine Platte die einladend und warm ist und die man immer wieder hören kann, weil in der trügerischen Simplicity der Arrangements und der grandios verschachtelten puren Schrammelfunkgitarre mehr als genügend Luft für eigene Melodieideen ist, so dass die kleinen Tracks immer wieder neu und anregend sind.
6. März 2007 12:02 Uhr. Kategorie Musik. 4 Antworten.
hab gehört, das inlay soll sehr schön gestaltet sein (irgendwas mit nem poster oder sowas), hab aber bisher leider keine chance bekommen das anzusehen. hast du davon zufällig auch das ein oder andere foto??
We aim to please, auch wenn die Photos nicht so gut sind. Am besten ist immer noch: Selbst kaufen und bewundern…
tausend dank.
[...] Eigentlich durfte man mit einem schlechten Konzert rechnen, schließlich verbreitet das Album von Erlend Øye und Co ja doch eher Proberaum-Atmosphäre und lässt – so absolut großartig es auch ist – nicht unbedingt auf eine mitreißende Live-Performance hoffen. Und irgendwie wird diese Befürchtung auch bewahrheitet: Erlend, der großartig groovende Marcin Oz am Bass, Sebastian Maschat, der sein Schlagzeug fast streichelnd sanft und leise bedient, und der phantastische Daniel Nentwig an Rhodes und Analogsynth, wirken tatsächlich so wie im Proberaum. Da wird gelacht, über ein mißlungenes Songende gefochten, Maschat baut in aller Seelenruhe kleinere oder größere Hihats an sein Sonor-Kit, ohne Hast werden Gitarren und Bässe gestimmt oder über den nächsten Song diskutiert. Zwischendurch leistet sich Erlend ironische Tanzeinlagen oder läßt das Publikum singen, wirkt dabei aber nie wie ein Rampensau-Performer, sondern immer entrückt, als sei ihm kaum bewusst, das außer der Band noch jemand im Saal ist. Die Musik ist nahezu atemberaubend dicht am Feeling und Sound des Dreams-Album, schwerelos leichter und völlig zeitloser Pop, handgemacht und tanzbar. Live wird das ganze enorm durch die durchgehende Präsenz von Daniel Nentwig aufgewertet, der die Songs mit seinen weichen, funky Rhodes-Sounds und großartigen Analog-Grooves und -Soli einfach sehr viel dichter, groovender, pulsierender macht. Die Songs des Albums gehen nahtlos ineinanderüber, durchtränkt und vermengt mit Improvisationen und Fragmenten, so daß ein großer Teil des Abends weniger ein Abarbeiten von Liedermaterial ist, sondern einen Performance-Charakter besitzt, der intim und experimentell und dicht ist. Mehr noch als auf Platte verweben Whites Boy live einen Sound, der einen seltsamen Bogen vom Minimalismus des frühen Cure-on-Three-Imaginery-Boys-Sound über Barbarism Begins at Home von den Smiths bis hin zu George Benson, 1979er Disco Funk, modernem Trance, Jazz und anderen Elementen schlägt, und das alles aus einem Guss, Marcin Oz hält die Sache gnadenlos zusammen, mit wunderbar singenden Bassgrooves, mit denen er das Publikum nach wenigen Minuten am Tanzen hat. Der Sound der Band lebt von Erlends filigranen funky Gitarrensoli, ab und zu sparsam von Gesang durchsetzt, aber jeder der Musiker steht im Rampenlicht und sorgt dafür, daß auch mit recht minimaler Besetzung und sparsamen Arrangements der Gesamtsound bei aller Relaxtheit teilweise wirklich nahezu überwältigend genial nach vorne geht. Die Vier haben Spaß am Zusammen-Spielen und das merkt man jeder Note an. Der Nerdfunk von Whitest Boy ist nur leider im Zakk deplaciert, zu groß und ehrlicherweise zu leer ist die Halle, ich hätte einiges drum gegeben, die Band in kleinerer Location, völlig rappelvoll, heiß und schwitzend und tanzend erleben zu können, statt so viel Platz um mich zu haben und so stressfrei in der ersten Reihe zu landen. Nach dem Mosh-o-Rama von Gestern und nach einer Autobahnfahrt von vier Stunden und vor dem Bloc-Party-Gig heute abend, der wahrscheinlich voll bis an die Kante sein dürfte (mit kreischenden Fans, ich ahne schlimmes)… war das so für mich müden Menschen genau so vielleicht eigentlich aber eben auch sehr angenehm. Aber ich glaube schon, in einer ausverkauften, kochenden Klisch-Location rockt das Quartett derart das Haus, ohne dabei jemals die eigene Bill-Gates-on-Acid-Coolness zu verlieren, das dürfte sehenswert sein. Aber auch in Düsseldorf sind die Anwesenden Leute trotz des eher wenig zündenden DJ-Sets von Kommode als «Vorband», trotz eines arg kurzen Sets von etwa 70 Minuten mit nur einer Zugabe und trotz der zu leeren, zu halligen, zu kalten Halle absolut dabei und feiern Erlend und seine Crew absolut verdient durch den gesamten Abend. [...]