HD Schellnack /// Kontakt iPhoto Twitter s90 Typographie Pop Alternative Aktionen nodesign Apple Licht Photographie Fail Denken Natur Dayshot Fragen Belletristik Software Winter Studium Medien Vernacular Fun Comics Werbung iOS Farbe Gesellschaft Print Web ScienceFiction Electronic Zukunft Magazine Frühling Jazz Hardware Kitsch Drama Retro Klassik Sommer Zitat Herbst Fantasy Sachbuch Kunst Emma Organisation Kultur

THE TING TINGS: WE STARTED NOTHING

hd schellnack

Das Debutalbum von Drummer Jules de Martino und Sängerin/Gitarristin Katie White erinnert bereits vom Cover her an Blondie. Zeitgemäß übertragen wirken die Ting Tings ebenso wie das NewWave-Pop-Crossover, dass in den Siebzigern Deborah Harry und Chris Stein in New York lostraten. Spätestens seit dem EM-Erfolg des White-Stripes- Seven Nation Army und Bands wie den YeahYeahYeahs dürfte klar sein, das Musik, die nahezu minimalistisch an die Basics von Drums/Guitar/Bass zurückkehrt, absolut charts-tauglich sein kann. Während Jack & Meg White aber zu verstrahlt sind, um wirklich den großen Durchbruch zu wollen und die YeahYeahYeahs zu sperrig für den Mainstream, scheinen die Ting Tings klar auf den Chartserfolg programmiert. Great DJ, That’s not my Name und der iPod-Werbejingle Shut Up and Let me Go sind absolut radiotauglich und sitzen so präzise an der Schnittstelle von Indie, Hipstertum und Mainstream, wie eben auch Blondies Denis (oder später vor allem Heart of Glass) den New Wave für die breite Masse aufkochten. Man kann nur hoffen, dass uns ein Call me-Gegenstück im weiteren Verlauf der Bandkarriere erspart bleiben möge.

Aber auch wenn man bei Shut up and let me go unfreiwillig an Rapture denken muss: Wo Blondie einen fast überbordenden Wall of Sound fuhren, wirken die TingTings sehr aufgeräumt, rauher, direkter, weniger überproduziert, zumal Katie Whites Stimme nicht die honigweiche Qualtät von Debbie Harry hat, sondern eher eine moderne Kühle und Kratzbürstigkeit an den Tisch bringt. Simple, gerade Beats, zackige Gitarren und eine GoGo-Straightness verleihen der Musik eine direkte, fast naive Fröhlichkeit. Songs wie Traffic Light oder Be the One, die sich etwas von diesem Konzept entfernen, zeigen dann auch schnell die musikalischen Grenzen der Band auf – jenseits des Neo-Brit-Wave trägt das Konzept der Ting Tings nicht wirklich, die Musik wirkt dann schnell weich und beliebig. Insgesamt spielt das Album verschiedenste Stile durch, nicht immer überzeugend, aber immer gutgelaunt und nie wirklich langweilig, was bei den reduzierten Möglichkeiten der Band zu vermuten gewesen wäre. The Ting Tings bringen die Rohheit der White Stripes und der YeahYeahYeahs durch einen Gang-of-Four-Fröhlichkeitsfilter in die Charts – und das kann so schlecht nicht sein. Das man mit Bass, Gitarre und Schlagzeug natürlich sehr viel mehr machen könnte – man denke an den dichten Sound, den The Police aus der gleichen Besetzung melkten – ist wohl wahr, aber bei der durchgehend guten Laune, die We Started Nothing verbreitet, irgendwie auch vernachlässigbar. Natürlich sind die Ting Tings ein Reißbrettprodukt – ein Mix aus Indie-Edginess und stoischem Garage-Rock-Minimalismus, ein paar hippe Analogsounds, ein bisschen Girlpower, ein bisschen 80s-Nostalgia und vor allem jede Menge Tanzbarkeit.  Insofern keine Platte, die man haben muss, aber sicher eine, die man haben kann, weil sie ein nettes Stück Pop ist. Zumal ich recht sicher bin, dass sich niemand für das zweite Album interessieren wird.

2. August 2008 10:28 Uhr. Kategorie Musik. Keine Antwort.

Antworten

Schreibe eine Antwort, oder hinterlasse einen Trackback von deiner Site. Antworten abonnieren.


Creative Commons Licence