
Wie international Popmusik geworden ist, beweist das Debut von The Temper Trap. Die australische Band könnte ebenso gut aus New York oder London kommen, wo sie ihr Album auch final produziert hat. Für ein Debut ungewöhnlich geschliffen und trotzdem vielseitig, zeigt das Album wie so viele Erstlinge die Suche des Quartetts nach einer musikalischen Identität und zugleich die Chancen und Gefahren im Sound dieser Band. Im schlimmste Falle klingen The Temper Trap wie ein schlechtes U2-Derivat, mit einem für immer im Falsett stecken gebliebenen Bono, und auch sehr typische Coldplay-Liedstrukturen blitzen immer mal wieder durch… diese gitarrenschrammelnde Rhythmik, die von den Drums 1:1 unterstrichen wird (bum-tata-bum-tata-bum), dazu simpler Bass und epische Vocals – ein ziemlich abschreckendes Instantrezept, wie bereits der erste Track Love Lost nahelegt. Und seltsamerweise zeigt schon der zweite Song Rest, der oberflächlich ja kaum anders aufgebaut ist, schlagartig die Sonnenseite der Band, eine kraftvolle, aggressivere Seite, die eher im besten, heute ja fast vergessenen Sinne an U2 erinnert oder an die besseren (bissigeren) Tracks der späten Bloc Party, eine wütende und trotzdem schwerelose Nummer, die sich gnadenlos nach oben schraubt und dabei nicht einen Moment die Eleganz, die Pose verliert. Dass danach mit Sweet Disposition direkt die schwächste Nummer des Albums folgt (und zugleich natürlich die Auskoppelung), zeigt die schiere Wechselhaftigkeit von Conditions, die nur durch Dougy Mandagis nöhlenden Gesang zusammengehalten ist. Die Kompositionen sind in Aufbau und Harmonik zwar durchaus etwas selbstähnlich, Arrangement und Produktion bewahren die Tracks aber vor jeder Langeweile und decken die Bandbreite von rotzigem Rockdreck (Soldier On) und leichtem Pop (Fools oder das abgesehen vom etwas arg bratigem Ende herausragende Ressurection) ab, immer zusammengehalten für Mandagis feinem Gespür für fast soulig-hypnotische, oft seltsam an Donna Summer erinnernde Gesang-Hooks. Eine Stärke der Band ist dabei das Hochstapeln – immer wenn du denkst, jetzt hat ein Song sein höchstes Level erreicht, legt die Band noch eine Schicht drauf, am besten dokumentiert auf der ersten Single Science of Fear, die seltsam flirrend an Oasis erinnert.
Ausschweifend und wirsch zwischen Rock, Pop und seltsamen Experimenten wabernd ist Conditions eine sehr viel bessere Platte als Sweet Disposition vermuten lassen würde, mit einigen echten Durchhängern und auch einigen mehr als hörenswerten Tracks. Wie so viele Debuts guter neuer Bands zeigt Conditions diesen schimmernden Zustand einer Band, die noch nicht von Plattenfirma und Management, Produzenten und Styleberatern festgenagelt und verortbar ist, radiotauglich und soundbyte-kompatibel, die zwar schon ganz klar in Richtung Durchbruch will und sich zunächst an vielen Vorbildern versucht, aber gerade in dieser Unsicherheit und Suche eine ganz eigene Stimme entwickelt und einfach ein abwechslungsreiches, pulsierendes, lebendes Album schafft, bei dem man schon beim ersten Hören befürchtet, dass bereits der Nachfolger diese phantastische Naivität und Orientierungslosigkeit verloren haben könnte. Enjoy it while it lasts.
22. Dezember 2009 09:49 Uhr. Kategorie Musik. Tag Alternative. Keine Antwort.