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THE SHINS LIVE MUSIC HALL KÖLN

Stefanie hat schon recht, ich bin einfach etwas verwöhnt. Gerade nach dem eher orgiastischen Klaxons-Gig wirkt eine Band wie The Shins fast unweigerlich zu ruhig und bedächtig. Aber obwohl ich das aktuelle Album der Shins wirklich großartig finde, war das Konzert insgesamt eher eine Enttäuschung. In der gut gefüllten Live Music Hall – so voll, dass man wirklich nicht nach vorne durchkam und in der zwölften Reihe dicht gepackt stand, so dicht, dass man die Arme kaum zum Klatschen hochbekam, ohne dem Nebenmann dabei zu belästigen – treten die Shins auf einer denkbar unspektakulären Bühne auf. Keine Varilights, kein Bühnenaufbau, einfach nur die Instrumente und ein paar normale Farbige Spots. Da ich weiß, dass in der Live Music Hall deutlich mehr geht – wie man etwa bei Porcupine Tree in der gleichen Location sehen konnte – vermute ich hier Absicht oder falsche Sparsamkeit hinter. Licht und Bühnenbild könnten undramatischer, reduzierter nur noch sein, wenn das Saallicht an wäre. Das gesamte visuelle Flair des Gigs bewegt sich so von der ersten Sekunden auf Jugendzentrum-Niveau. Dazu trägt auch bei, dass die Band zum startenden Sequencing von Sleeping Lessons auf die Bühne kommt und erst einmal ein bisschen an den Gitarren herumstimmt, bevor es losgeht. Das permanente Tuning zwischen den Stücken zieht sich durch das gesamte Konzert, zwischen Songs sind immer wieder fast amateurhafte Pausen, in denen die Gitarren gestimmt oder Effektgeräte umgeschaltet werden. Das sollte bei einer Profiband nicht sein müssen und nein, es ist auch nicht sympathisch, es erzeugt einfach nur – bei einem ohnehin nicht mitreissenden Konzert – unnötige Pausen, in denen der Spannungsbogen eines Auftritts verpufft. Die Band startet mit Tracks von Whincing the Night Away, die souverän, etwas härter als auf dem Album, aber im Grunde unverändert präsentiert werden. Im Verlauf des Konzertes arbeiten sich die Shins in ihre Vergangenheit und das Konzert mutiert etwas. Der Grassroots-Rock-Mix der Shins erinnert teilweise an die Byrds oder die Eagles, an 50s-Rock’n'Roll, bei einer ruhigen Nummer wird man das Gefühl nicht los, beim evangelischen Jugengottesdienst zu stehen und bei vielen Tracks beschleicht mich die Paranoia, das genau die gleiche Musik in Texas auch gut vor einem Publikum um die 50 bis 60 präsentiert werden könnte… grundsolider US-Retrorock mit einer Prise Country. Das Publikum nimmt es dankbar, aber wenig begeistert, wenig frenetisch auf – die Musik lädt sicher auch nicht unbedingt zum Mosh ein. Und die Band animiert auch nicht gerade zur Party, die Musiker machen ruhig und konzentriert ihren Job, ohne großes Feuer im Hintern. Es ist ein ruhiges Konzert, mit einer nur so herumstehenden, am Ende eines Songs höflich klatschenden Audience, erst beim schön frühpunkigen Modern Lovers Coversong Someone I care about und beim finalen Zugabe-Finish So Says I kommt etwas Leben in die Bude. Alles in allem kein wirklich schlechtes Konzert, aber eins, dass mich weitgehend kalt lässt und das routiniert runtergespielt wirkt, ohne wirkliche Leidenschaft, ohne Liebe.

Nach dem Break noch ein paar Photos…





4. April 2007 09:05 Uhr. Kategorie Live.
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