
«How I got over» lässt keinen Zweifel daran, dass The Roots einer der elegantesten und genrefreiesten Acts der amerikanischen HipHop-Scene sind. Jazzy, mellow, aggressiv, progressiv, politisch und laid back zugleich präsentieren sich Black Thought und Questlove hier als US-Gegenstück zu den britischen Massive Attack. Eine wahre Flut von Gastmusikern, großartige Beats und opulente Live-Instrumente verankern dieses Album an einer musikalischen Schnittstelle, die wenige Bands so souverän und klischeefrei bespielen wie die Roots. Das abgeklärte «A Peace of Light» macht direkt von der ersten Sekunde an klar, dass die Roots sich an keine Regeln mehr halten müssen und einfach ihrem musikalischem inneren Kompass folgen dürfen. Und so bringen sie so unterschiedliche Partner wie Joanna Newsom, John Legend oder die Monsters of Folk zusammen (vor allem durch Sampling bestehender Songs), die den relaxten dicken Beat der Roots-Songs bereichern. Das Ergebnis ist erfrischend unmodern und weit entfernt von aktueller Rap-Musik und fühlt sich gerade dadurch hochgradig frisch und relevant an, obwohl die Roots eigentlich nur konsequent da weiter machen, wo sie mit «Rising Down» eigentlich aufhören wollten. Die hypnotischen Philly-Grooves sind so samtig, dass es fast schwer fällt, durch die relaxten Rhythmen hindurch wahrzunehmen, wie unfassbar gut die Produktion ist, die in jedem Detail Spaß macht. «How I got over» ist eine wunderbare Fusion alter Soultradition mit modernem HipHop und eine durch und durch «Jetzt erst recht»-optimistische Einspielung. Die Band zeigt sich groovig und entspannt, selbstbewusst im eigenen Sound, trotzdem experimentell genug, um nicht zu langweilen, mutig genug, um sich zurückzunehmen und die verschiedensten Einflüsse aus Pop, Folk und Alternative in ihren Sound einzuflechten. Unterm Strich ergibt das bei allen kritischen Lyrics ein wunderbar sonniges Album, das durchgehend bemerkenswerte Songs und echte Ohrwürmer produziert, das die schwierige Balance zwischen Eingängigkeit und Anspruch unglaublich federleicht schafft, eine Platte für die Ewigkeit aus dem Handgelenk.
4. Januar 2011 10:45 Uhr. Kategorie Musik. Tag Electronic. Keine Antwort.