
So geht das. Nachdem ich sozusagen als Krönung einer ohnehin sehr spannenden und ruhelose Woche mehr oder minder durchgehend von Freitag bis Montag früh vor Ort als Design-Feuerwehr eingesprungen bin, um mit dem rund zehnköpfigen prima Team mehr oder minder binnen drei nahtloser Tag- und Nachtschichten einen wirklich gelungenen Entwurf eines großen Düsseldorfer Architekturbüros für eine Wettbewerbspräsentation aufzuarbeiten, kriege ich Montag – wo wir noch die letzten Sachen hier im Büro gefixt haben und parallel schon natürlich wieder an den «normalen» Jobs sitzen- von der Welt nichts mehr mit. Erst abends, beim Spaziergang, wird uns bewusst, dass es direkt vor unserer Haustür gebrannt hat und das Dach der historischen Folkwangschule zu einem Dritten verschwunden ist, die Polizei den gesamten Stadtteil mehr oder minder abgesperrt hat und es überall von Schaulustigen wimmelt. Life is what happens while you’re busy making design…
Interessant daran ist, dass durch die Absperrung der Stadtteil RUHIG war (abgesehen von den Dieselgeneratoren und dem Blaulicht der Feuerwehr). Keine Lastwagen, kein Durchgangsverkehr, kaum Autos. Nur Menschen. Und das fühlte sich – gerade für Werden – so ungemein richtig an. Ich bin ja selbst nicht Freund des öffentlichen Nahverkehrs, aber wieviel menschlicher, natürlicher, ruhiger und lebenswerter ein autofreier Stadtteil ist. Was in Juist schon greifbar war, bestätigt sich im Alltag: Das Leben wird lebenswerter ohne Autoverkehr. Es könnte getrost ein politisches Ziel werden den Straßenverkehr in seiner jetzigen Form als Irrweg aufzulösen und nach Alternativen für den Individual- und Massenverkehr zu suchen. Erst in der Abwesenheit eines als Selbstverständlichkeit hingenommenen Systems lässt sich ja beurteilen, ob es funktioniert oder ein Irrweg ist, ob die Absenz nicht sogar zu bevorzugen ist. Ist sie. Das Auto ist eine Sucht - und gesamtgesellschaftlich sollte man überlegen, wie man davon loskommt. Das kann kein Einzelner leisten, solange er im Rahmen dieses Systems operiert – aber langfristig ist es sicher möglich, die Akzente zu verschieben, das System zu korrigieren und brauchbare Alternativen anzubieten.
11. Februar 2008 20:14 Uhr. Kategorie Leben. Eine Antwort.
i agree … autofahrfreie sonntage in den siebziger jahren – folge der ölkrise, waren einfach unvergleichlich. fahr jetzt auch wieder mitm fahrrad zur kita, mitm kindersitz vorne, durch echt grimmigen verkehr, ist trotzdem soviel besser als mit auto, selbst bei regen (naja depends) – cheers, hans