
Das New Yorker Künstlerkollektiv um die DJs Daniel Collás und Sean Marquand scheint dem bizarren Zweck zu dienen, die Plattensammlung der beiden Köpfe dreidimensional dund live in den Raum zu stellen. Vom krautrockigen Intro The Journey to Serra da Estrela bis zum psychedelischen Bonus Track Pretty Mask, liefert Handclap einen basslastigen Acid Funk Trip durch die 60s-80s, mal akustischer, mal elektrischer, mal wabernd-verkifft, mal kopfnickend-opulent bis an die Phillysound-Grenze, um dann plötzlich in die flirrenden Klänge und geraden 4/4s früher Disconummern einzusteigen. Der Revival-Sound ist dabei solide gespielt und abwechslungsreich genug, um ordentlich Spaß zu machen – ohne jeweils an die verschiedenen Vorbilder heranzukommen – nur leider macht der uninspirierte Gesang, der in keinem Song wirklich jemals «Soul» besitzt, das Ganze meist kaputt.
Drastisch wird dies deutlich bei der vorab veröffentlichten Single 15 to 20, gesungen von Lady Tigra, die der ansonsten durchaus ähnlich gestrickten Nummer schlagartig eine ganz andere Aura verleiht und den Track deutlich an frühe Blondie-Songs ankoppelt mit ihrem hypnotisch wiederholten Phrasen. Die Vocals bringen den Song zum Strahlen, während beim nachfolgenden Song der Gesang die musikalisch weder bessere noch schlechtere Komposition zerstört, die nöhlend-langweilig hinsurrende einschläfert statt einpeitscht. Bizarrerweise entwickelt so eine an sich schöne beginnende Hommage wie You’ll Disappear eine fast schwebende Qualität, weil auf dem ansonsten eher straighten Song ein androgyner Sirenengesang fast eher ein Air-Feeling verbreitet und alsbald auch Langeweile aufkommt. Die meisten Tracks brechen etwa ab der Mitte zusammen, weil ein Basslauf und Drums und eine gute Gitarrenhook eben noch keinen ganzen Song machen. So ist es hauptsächlich eine gewisse Gleichförmigkeit (im Soul nicht ungewöhnlich) der Songs untereinander aber auch in sich selbst, hauptsächlich aber der lahme Gesang, der das Album, das an sich sehr viel Spaß machen könnte, in der B-Note auf die hinteren Ränge stellt. Das Delfonics-oldschoolige Baby ist einen Hauch besser, leidet aber auch an der gleichen Malaise – zu langweilig, zu wenig überzeugende Vocals.
Das Debut der New Yorker Soundmaschine ist durchaus mehr als hörenswert und live dürfte die achtköpfige Besetzung sicher Spaß auf die Bühne bringen, tanzbar ist die Musik allemal, und vielleicht sollte man es auch gar nicht höher hängen… schade ist nur wirklich, dass der schlafzimmrig-uninspirierte Gesang den Fun-Factor spürbar nach unten drückt.
19. Juli 2010 07:48 Uhr. Kategorie Musik. Tag Pop. Keine Antwort.