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The National: High Violet

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Kein Zweifel: The National sind die neuen R.E.M. Genauso schmusig und gefühlig die Stimme von Matt Berninger, genauso groß die Gefahr spätestens mit dem nächsten oder übernächsten Album in der endlosen Selbstwiederholung zu landen. «Bloodbuzz Ohio» dürfte dann als «Loosing My Religion» der US-Band gelten, die nach «Boxer» auf ihrem fünften Album einen gefühlvollen Sound für eine breite Zielgruppe gefunden haben. Der Vergleich hinkt etwas, aber tatsächlich fühlt sich «High Violet» ein wenig nach «Out of Time» an, dem großen und erfolgreichen «Brückenalbum» von R.E.M., das die Band weg von der Studentenband und hin zu Stadionact führte. Was eine Platte ja nicht automatisch schlecht macht – «Out of Time» ist das vielleicht letzte gute Album von Stipes und Co. Und auch «High Violet» ist ein ausgezeichnetes Werk, weniger introvertiert als das Vorgängeralbum, epischer, melodischer, weniger subkutan, mehr in Cinemascope gedreht. Eine Platte der großen Gesten und der Rock’n'Roll-Stereotype, großes Kino mit zahlreichen Gastmusikern, die für ein fast orchestrales Feeling Sorgen, oder für Kammermusik-Zwischentöne.

Formal ist die Platte eine Art Meisterwerk der Band, in sich makellos geschlossene Americana-Nummern, stets von Bryce Dessners singendem, atmenden, komplexen Drumwork vor der Langeweile gerettet, geschmückt von Berningers tiefer Unter-die-Haut-Stimme, immer gerade lässig genug, um in der Schmerzenspose nicht zur Bono-Karikatur zu verkommen, lakonischer, cooler zu sein. «High Violet» zeigt eine Band auf der Höhe ihres Schaffens, die die eigenen Mittel bis an die Grenzen ausgereizt, an den Scheitelpunkt von Indie und Mainstream getrieben hat und genau auf diesem hauchdünnen Eis geht, diese paar Sekunden hat, in denen Widescreen-Rock eben geht, ohne peinlich zu sein. Das kann nur für ein Album gelingen, und dies hier ist dieses Album. Berningers düstere, oft kryptische Texte bilden den Gegenpol zu der National-typischen Musik zwischen Epos und stillem Kämmerlein, alles, aber auch alles hält sich im Lot, vertieft den typischen National-Sound, ohne dabei je wirklich langweilig zu werden (was ein ziemliches Kunststück ist angesichts des sehr engen Horizonts der Band), alles wirkt noch glaubhaft und pur genug, aber andererseits geschliffen, gereift, gekonnt, souverän. Nach so einem Album darf man mit viel Glück noch ein Werk mit ähnlicher Balance erhoffen, danach greifen entweder selbstzerstörerische Effekte («Let’s do something completely different»), was meist noch recht spannend sein kann, oder das unweigerliche Soloalbum des Sängers – oder schlimmstenfalls eine Band in der ewigen Feedbackschleife. Wie eben R.E.M., die fast bewundernswert stoisch seit zehn Jahren immer wieder das gleiche Album veröffentlichen, und niemanden scheint es überhaupt zu stören. Möge den National-Brüdern dieser Vorhof der Hölle erspart bleiben.

15. November 2010 18:49 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Keine Antwort.

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