Revolution and Commerce – Ausstellung 29. Januar bis 28. Mai.
Che ist Branding. Iconography in so reiner Form, daß man an die katholische Kirche erinnert wird, an einen postmodernen, ballaststoffärmeren Jesus, in einer Hipness kontextfrei gefiltert, von der die Kirche heute nur noch, nach über 2000 Jahren Kunsthistorie, nur noch träumen kann. Guevara, das kopierte Gesicht, der Sohn Gottes re-imagined als Revolutionär. In Kordas Photo aus den sechzigern, das die Grundlage der endlosen Che-Ikonen ist, wird das Kreuz zum Pentagram, der Rosenkranz zur Baskenmütze, die Kreuzigung dementsprechend später ein Schuß in einem dreckigen Schulhaus irgendwann in 1967, die Leiche unbekannt beerdigt, ein moderner Mythos wie JFK und die Monroe, Elvis und Son of Sam. Eine Ikone für unsere Zeit, in der Streetstyle und Camouflage-Outfit nahtlos verschmelzen, Hipness und Krieg eine ganz neue Ehe eingehen, nicht zuletzt dank der beneidenswert gut funktionierenden PR-Maschine der US-Army. Branding ist das Gesicht eines Marxisten destilliert zu einem Stil, der Turnschuhe verkaufen kann. Schockgefrosteteter Moment der Revolution, in Bernstein gegossen und somt konsumierbar, Charisma ohne Konsequenz, Märtyrer ohne Message… ein Gegenentwurf, den man nur zitieren muß, nicht leben. Passend zum HipHop, in dem Streetcredibility auch noch funktionierne muß, wenn man längst in einer Villa wohnt und für jeden Tag ein anderes Auto hat, blingbling. Passend zum Rock, der Revolution predigt im Namen des Plattenkonsums.
In einer Zeit des leider inzwischen fast ironiefrei, fast unzynisch betriebenen Selbstzitats, in dem inzwischen fast zwei Dekaden nur noch mit dem zyklischen Recycling kultureller Restwerte beschäftigt sind, taugt Che zur modernen Ikone, zum Modestatement, zum Look. Passenderweise in den gleichen Rot-Schwarz-Weiß-Farben wie Coke. Vergessen wir Ballast wie die Tatsache, daß der Mann für eine politische Überzeugung ins Grab gegangen ist. Laßt uns RAF-T-Shirts machen, laßt uns Ghandi-Frühstücksteller und Lebensratgeber entwerfen. Milk your idols. Fill the emptyness, fill the emptyness.
10. Februar 2005 21:11 Uhr. Kategorie Design. Keine Antwort.