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THE GOOD GERMAN

Steven Soderbergh ist einer der vielseitigste, experimentellsten und sicherlich auch (im besten Sinne) durchgeknalltesten semi-jungen Regisseure, die die USA zu bieten haben. Einer, der áls Producer und Regisseur in nahezu jedem Film etwas völlig Neues ausprobiert und ästhetisch wie narrativ keine Hürde scheut. Ob Rat-Pack-Kommerz à la Oceans 11/12/13, Kubrick-Reminiszenzen in Solaris, das Woody-Allenesque Full Frontal, das Medienexperiment Bubble, seit Sex, Lies and Videotape springt Soderbergh durch Themen, Stilistiken und cineastische Verneigungen wie kein zweiter. Mit einem Output, der einen Quentin Tarantino daneben vergleichbar langsam wie den Kontinentaldrift wirken lässt.

Auch The Good German ist in erster Linie ein ästhetisches Experiment und eine cineastische Verneigung vor der Vergangenheit, wie so oft bei Soderbergh, in dessen Werken es von Zitaten und Homagen ja nur so wimmelt. In der schwarz-weißen Ästhetik des amerikanischen Vierziger-Jahre-Kinos gehalten, melangiert sich der Film durch eine ganze Reihe von Hollywood-Nachkriegs-Epen und Soderbergh schreckt in seiner Pastiche nicht einmal davor zurück, die schlechten Trickeffekte jener Epoche nachzuahmen, etwa bei der ersten Jeepfahrt von George Clooney und Tobey Maguire. Tatsächlich sind die beiden Darsteller aber Teil eines Problems von The Good German. Clooney und Maguire sind eindeutig Darsteller von heute, in ihrer Körperlichkeit, ihrem Gestus und vor allem auch, weil sie als moderne Stars einfach die Illusion des Alten zunichte machen. Wer Clooney hier sieht, sieht zugleich den Arzt aus ER und den Smart Ass aus Oceans 11/12/13 vor sich, nicht einen Kriegskorrespondenten. Wo bei Cate Blanchett die Illusion nahezu perfekt gelingt und die Darstellerin in ihrer Faux-Marlene-Dietrich-Darstellung grandios aufgeht und dem Film dient, reißen Maguire und vor allem Clooney den Betrachter immer wieder ins Jetzt zurpück, bleiben Fremdkörper. Es wäre vielleicht besser gewesen, auf unbekannte oder doch wandlungsfähigere Darsteller zu setzen. Denn wenn die Illusion gelingt, überzeugt der Film. Musik, Kameraführung, Bauten, Schnitt… alles ist makellos auf Forties getrimmt. Es wirkt fast störend, und ist eben deshalb so wirkungsvoll, wenn Soderbergh in diese Ästhetik mit zeitgenössischen Inhalten dringt, wenn etwa Maguire Sex mit Blanchett hat, wenn die Amerikaner Naziverbrecher reinwaschen, wenn die Protagonistin als Hure ihr Geld verdient und sich – ganz femme fatale – als Mörderin entpuppt.

Denn natürlich bleibt Soderbergh der Struktur des post-WWII-Film Noir treu und erzählt eine an Graham Greenes Der Dritte Mann gemahnende Geschichte eines gebrochenen Helden à la Raymond Chandlers Phillip Marlowe, der zwischen lauter korrupten Gestalten nach Wahrheit sucht und zerbricht, als er sie schließlich findet. Das Problem von The Good German ist, dass die Story an sich nicht sonderlich neu wirkt, und das Kleben an einer Nachkriegsästhetik bedingt eben auch, dass Musik, Schnitt und Handlungsstruktur nicht sonderlich modern wirken. So hat man oft das Gefühl, eine Sonntagsmatinee mit einem alten Cary Grant/Ingrid Bergman-Film zu sehen. Und nicht umsonst erinnert das Ende so extrem frappierend an Casablanca, dass es ganz am Schluss den ansonsten ja durchaus sehenswerten Film vollends abrupt zu ruinieren droht, weil es einfach zu gestohlen wirkt. Am Ende verzichtet Soderbergh so zugunsten der Verneigung vor dem zeitlosen Klassiker auf jede eigene Note… und nur gut geklaut ist dann doch zu wenig für einen eigenen Film. Soderberghs Problem ist hier wie selten so deutlich zuvor die Vernarrtheit in das Kino an sich, das schiere Zufriedensein mit dem Recycling kultureller Restelemente. Etwas schade, aber dieser Film, obwohl ein wunderbares und überzeugendes ästhetisches Experiment, schafft es nicht, eine eigene Geschichte zu erzählen und ist sich selbst damit zufrieden – vom Filmplakat bis zur letzten Sekunde Celluloid – bloße Hommage zu bleiben.

Apropos Hommage, hier das echte Casablanca-Poster:

5. März 2007 13:33 Uhr. Kategorie Film. 4 Antworten.

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