Guter Artikel bei Slate über normales Fernsehen im Zeitalter von iTunes. In der Tat merkt man z.B. an Alias, einer Serie, die in Deutschland extrem schlecht lief und deren 3. und 4. Staffel bei ProSieben anscheinend im Regal schlummert, daß es einen Markt jenseits des normalen Broadcastings gibt, derzeit ist das eben die DVD. Mittelfristig wird es PayTV via Internet sein. CD-Shops, Videotheken, TV-Sender… Dinosaurier, die das globale 1-on-1 des Webs nicht leisten können und dabei noch zu teuer sind. Wobei ich weniger denke (bzw. hoffe), daß eine zentrale Stelle wie iTunes geben wird, sondern auch große Majors, die ihre Produktionen vertreiben und natürlich kleine Independent-Labels. Im Grunde wird hier eine ähnliche Parallelwelt entstehen wie bereits bei Webcomics, wenn man sich anschaut, wieviel Zeichentrick und Fan-Movies bereits online verfügbar sind, haben wir eigentlich bereits TV-via-Internet. Man nimmt es nur nicht mehr so wahr. Mobile Videoplayer werden unser Verhalten kurzfristig dahingehend ändern, daß unsere DVD-Sammlung mobil ist und wir in einigen Jahren vom iPod wireless unsere Filme auf dem TV-Bildschirm/VR-Brillen sehen werden. Der iPod greift dabei aber zu kurz. Am Ende brauchen wir den kleinen mobilen Alleskönner, der in Verbindung mit einem online-Server, der die Datenmengen in Echtzeit bereitstellen kann, Musik, Video, Datenapplikationen auf die medialen Endgeräte funken kann, via RFID unseren Alltag co-organisiert (uns also die Einkaufsliste schon halb schribt, weil er besser als wir weiß, was noch im Kühlschrank stand) und generell als persönlicher Assistent funktioniert, vom Türenöffnen/Wagenstarten bis zum Geldverkehr, zur Identifikation. Und eben nebenbei zum Video-Telefonieren, Internetsurfen (ich frage mich nur, ob wir es in ein paar Jahren noch Internet nennen werden… bestenfalls aus Nostalgie) usw.
Mir fällt es zunehmens schwerer, zugegeben, drauf zu warten :-D.
Auf der anderen Seite kaufe ich derzeit wieder mehr CDs, lade weniger herunter (oder nur zum Soundcheck) und freue mich kindlichst am Aufreissen des Cellphans, dem Papier des Booklets, am Siebdruck auf dem CD-Spiegel… an all den kleinen Sachen, die das Designerherz höher schlagen lassen. Um gar nicht erst von Vinyl zu reden oder Hardcover-Büchern. Edlen DVD-Packs. Die Entkörperlichung von Medien ist auch ein Erlebnisverlust, es fehlt die kongeniale Möglichkeit zur Aufbereitung, Verpackung, Verschleierung, die Elevation. Mittelfristig ist das schon ein weiterer Schritt weg vom Fleisch, eine weitere Abstraktionsstufe zwischen Mensch und der ihn umgebenden Welt. Bei allem Technorati-Jubel… MP3 und Co besitzen auch den Beigeschmack von Astronautennahrung.
11. November 2005 08:50 Uhr. Kategorie Technik. Keine Antwort.