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The Foals: Total Life forever

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Der brillante Trick des zweiten Albums der britischen Ausnahmeband ist, dass sie alles gleich und zugleich alles anders machen. Weil sich der schnelle, komplexe Sound von «Antidotes» ja bereits auf dem Debutalbum schon zu wiederholen drohte, nimmt «Total Life forever» konsequent den Druck raus und wendet sich der großen emotionalen Geste zu. Der Bruch ist nicht so hart wie zwischen dem ersten und zweiten Album von The Cure, von fröhlichem Gitarrenpop zu introspektiver Melancholie, aber so wie Yannis Philippakis Gesang hier seltsam an einen weniger nörgeligen Robert Smith erinnert, so ist auch hier ein fast exponentieller Wachstumssprung greifbar, ein fast schlagartiges Verschwinden von Naivität. Zugleich, anders als bei The Cure, verlieren die Foals nicht ihre Unschuld, im Gegenteil, TLF klingt harmonischer, weicher, weniger militärisch als der Vorgänger, hat insofern auch deutlich mehr Mainstream-Appeal (obwohl die Auskopplungen aus dem Erstling in den UK-Charts erfolgreicher waren). Wo «Antidotes» allerdings ein durchweg starkes Album hatte, ohne einen einzigen Durchhänger, gibt es aus TLF durchaus Tracks, die mittenmang etwas Müdigkeit entwickeln, nicht richtig aus dem Quark kommen wollen, die die Band nicht ohne Grund live mit deutlich mehr Energie spielt. Man merkt bei manchen Songs, dass sie sich im Studio zu sehr im technisch machbaren, im Sound an sich, in der Hallsuppe, verirrt und verwabert haben und eigentlich eine Energydring-Infusion bräuchten. Andere Songs, «Spanish Sahara» und «This Orient» sicher mit großem Abstand vorneweg, haben eine Emotionalität, einen Aufbau, eine Energie, die auch ohne großes Tempo auskommt und die zum Weinen schöne Moment haben, weil die Band nahezu mühlelos Dynamikwechsel, Crescendi, das atmende Auf- und Ab eines Songs beherrscht und dabei auch noch Harmoniewechsel und dichte kompositorische Layer abliefert, dass dir die Luft wegbleibt. Während die eher straighten Einspielungen wie «Black Gold» und «Miami» eben eher zeigen, dass lineare Stücke nicht die Stärke der Band sind, die normale Pop-Komposition zwar funktioniert, aber der Experimentierfreude der Briten nicht genug Freiraum gibt. So wirken manche Songs unnötig kommerziell und brav und unter diesem Oberflächeneindruck geht fast verloren, wie grandios die Gitarrenarbeit von Jimmy Smith ist, wie perfekt Bass und Schlagzeug funktionieren, wie makellos und doch nie langweilig die Truppe aus Oxford arbeitet. «Total Life Forever» klingt schwüler, wärmer als Antidotes, flirrend vor Hitze und zugleich ein wenig träge, relaxt, wie ein Nachmittag am Strand. Es ist sicher kein Zufall, wenn Anspielungen wie Miami oder Spanien oder Orient auftauchen – die Platte wirkt internationaler, größer, erfahrener als der Erstling, sie klingt im Verhältnis zu «Antidotes» wie The Police’s «Zenyatta Mondatta» zu «Regatta de Blanc» – aufgeräumter, abgeklärter, durchaus auch kommerzieller, irgendwie an der Schwelle zu etwas Anderem und Neuem. Da darf man nur hoffen, dass die Foals nicht auf diesem Hängematten-Soundtrack des zweiten Albums kleben bleiben, so schön er ist, sondern uns auch mit dem dritten Album mit einem neuen, wieder gewandelten und erneut gewachsenen Sound begeistern.

6. November 2010 16:43 Uhr. Kategorie Musik. Tag . Eine Antwort.

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