
Aus den UK kommen derzeit einfach mehr gute 80er-Gitarrenpop-Comcos, als man weghören kann. Die britischen Editors etwa amalgieren Stilelemente der (unvermeidlichen) Coldplay, von U2, Killing Joke und Joy Division/Interpol mit einem ganz eigenen Gitarrensound, der von klaren Bassstrukturen, kalt in den Höhen klirrenden Gitarrenhooklines und der an Brian Molko gemahnenden Stimme von Tom Smith lebt. Die Editors sind dank der Hitsingle «Munich» derzeit ziemlich angesagt und so ist es fast überraschend, sie in Langendreer zu hören, ausnahmsweise mal also vor der Tür und nicht irgendwo in Köln – und das als einzigen Gig in Deutschland. Ich hätte gern mehr solcher Up-and-Comers hier im Ruhrgebiet, bei aller Liebe zu Köln.
Vorband in der ziemlich vollen Bahnhofshalle sind The Brakes, die nicht nur zu spät kommen, sondern mit viel Witz und den kürzesten Songs der Welt 40 Minuten Punk machen, bevor Smith und Co ziemlich präzise und ziemlich kurze 60 Minuten lang über die Bühne donnern. Und genau so muß Livemusik sein. In der dritten Reihe stehen, Krach in den Ohren, Lichtgewitter und Musik, die bei allen Zitaten eben auch schamlos emotional daherkommt, kraftvoll, bissig, aggressiv und orgiastisch. Die an sich guten Studiofassungen kommen nicht annähernd an das Livefeeling heran. Nahezu fehlerlos, mit einer Wucht und einem Können weit jenseits der bekannteren Coldplay-Vorbilder, bringen die Editors auch die tanzmuffeligen Deutschen zum Moshen und Feiern und yeah… es ist viel zu schnell vorbei. Defintiv ein Highlight-Konzert ohne jeden Makel.
Ein paar Livepics hier.
Photo: Editors live in Copenhagen, René Hyldig
21. Februar 2006 07:06 Uhr. Kategorie Live. Keine Antwort.