
«Sea of Cowards» ist das zweite Album der Superband um Jack White und Alsion Mosshart und definitiv eine der besten Platten des ausklingenden Jahres, eine wütende, kochende, stampfende, brodelnde Platte, die sehr seriösen Blues-Rock liefert und ähnlich wie die Black Keys einen sehr alten Sound sehr neu und frisch wirken lässt. Die Songs sind einerseits sparsam instrumentiert, anderseits nahezu überbordend voll, der Sound explodiert fast in deinen Ohren, jedes Instrument ist am richtigen Ort und kämpft dennoch darum, ganz vorn, ganz bei dir zu sein. Nach dem etwas arg improvisiert wirkenden Vorläufer schafft dieses Album es, ohne kompositorisch wirklich «neu» zu sein, grandiose Energie aus Zeppelin-Beats, Beefheart-Weirdness, Purple-Orgelorgien, aus eigentlich allen denkbaren Blues, Swamp, Rock und Metal-Klischees zu melken, dabei sogar deutliche White-Selbstzitate zu liefern und trotzdem großartig zu sein. Die Stücke mäandern etwas selbstähnlich durch das Album, voller dröhnender Drums von White, Dean Fertitas klirrender Keyboards und spitzer Gitarren, jedes Instrument bis an den Pegel ausgereizt und vor allem Mossharts Gesang (der fast oft kaum von Whites zu unterscheiden ist), peitschend, punkig und bei aller Wut trotzdem sexy, verkauft die Stücke. Die düstere schwüle Südstaaten-Stimmung der Nummern wirkt weniger berechnet als die White Stripes, mehr als würden hoch talentierte Zirkustiere jenseits einstudierter Tricks Amok laufen und das Publikum zerfleischen und zerstampfen, lebendig auffressen. Ob tiefschwarze Synthpop-Anklänge wie bei «The Difference between us» oder wütender Stomp wie bei «Jawbreaker», «Sea of Cowards» gelingt es, Vielfalt in die klangliche Einheit zu bringen und eine schier unfassbare Live-Energie in ein Studioalbum zu packen. Es macht Spaß, diese Platte zu hören und sie wächst mit jeder neuen Runde, wo andere Einspielungen anfangen zu langweilen, hörst du hier Nuancen und Zwischentöne heraus, die dich für die Mühe belohnen, durch die Höhen und höheren Höhen dieses Audio-Gebirgszuges zu kraxeln. Nach dem reinen Fun-Album «Horehound» zeigt sich The Dead Weather auf dem Nachfolger tatsächlich zu einer echten Band gereift, die endlich das einlöst, was wir uns eigentlich von jeder Indie-Supergroup erwarten, ohne es je gekriegt zu haben: Musik, die nicht mehr aus dieser Welt ist.
9. Dezember 2010 10:29 Uhr. Kategorie Musik. Tag Alternative. Keine Antwort.