… weil Steffi und ich kürzlich drüber sprachen. Die Sache ist ganz alt, Ende 2004, und begann zwischen mir und Kirsten urplötzlich als ICQ-Duell mitten im Gespräch – deshalb die extremen Tippfehler. Und wechselte dann auf mein altes Forum, wo Frau Schröder sich dazu gesellte. Und ein anonymer Gast. Und wo dann ein kleines, ein ganz kleines bißchen Irrsinn daraus wurde.
HD: Wo sollte es denn hingehen, fragte der Alzheimer Patient die nette junge Dame, die er noch niemals zuvor in seinem Leben gesehen hatte.
Kirsten: sie sagte:” ach Opa, Mutti hat dir doch 1000mal gesagt, dass ich nach Kopenhagen wollte”
HD: Kopenhagen, murmelte der alte Mann, Kopenhagen. Das ist doch die Hauptstadt von Prag, richtig? Da soll es im Winter sehr kalt sein. Kopenhagen.
Und wer sind SIE noch einmal, junge Frau?
Kirsten: wortlos schob sie ihm wie jeden Abend seine Morphium Tabletten in sein Zwiebel-Mett Brötchen und ging nach Hause. “soweit lasse ich es nich kommen, wenn ich einmal so alt bin” dachte sie noch leise.
HD: Kopenhagen, dachte der alte Mann,während die unbekannte junge Dame wortlos das Gebäude verließ. Kopenhagen… was für ein selztsamer Name für eine Frau.
Zwei Stunden später hatte er vergessen, daß ihn jemals eine junge Frau besucht hatte und glücklicherweise fand er überraschend auf seinem Tablett noch ein Brötchen mit Zwiebelgeschmack, das zwar einen seltsamen Beigeschmack hatte. Aus irgendeinen Grund machte ihn das Brötchen sehr glücklich, wenn auch etwasmüde.
Warum mußte er plötzlich an Kopenhagen denken?
Es wurde dunkel und ruhig um ihn und in der gleichen Nacht starb er, weil sich ein winziges Stück Zwiebelmett in seinem Hals verklemmt hatte und in die Luftröhre gelang, woran er gegen 4:38 erstickte. Die junge Frau kam am nächsten Tag und fand ihn kalt und starr, das Tablett noch auf seinem Bauch liegend.
Egal, er hätte sich ja eh nicht an sie erinnert.
Kirsten: am Ende bleibt uns nur noch das sanfte, zufriedene Lächeln der jugen Frau die in routinierter Art und Weise die Nummer des Beerdingunsinstiuts wählte…
Kirsten: sollen wir einen Roman schreiben?
HD: … um sich dann von der eingestrichenen rente doch noch den Flug in die Hautstadt von Prag zu finanzieren. Und einen Pelzmantel. In Prag soll es im Winter sehr kaltsein. Wer hatte ihr das noch einmal erzählt?
Kirsten: ach so, der Mann hatte übrigens keine Angehörigen und sein lebloser Körper wurde zu Forschungszwecken an das IfaL (Institut für außerirdische Lebensformen) verkauft.
HD: Die junge Dame machte allerdings einen grandiosen Fehler, war doch das ifu (institut für ufologie) die Einrichtung, an die sie eigentlich dachte. Das Südbyrische Institut fpr angewandte Lustigkeiten hingegen verwandelte den alten Mann in eine Auflage von etwa 120 limitierten Furzkissen mit Humangasfüllung. Ein großer Renner bei Parties in Chile.
Kirsten: die unbekannte Schöne versuchte mit Hilfe von zahlreichen Spitzen-Anwelten aus dieser Vermarktung noch Kapital zu schlagen – jedoch ohne Erfolg. Das Institut für angewandt Lustigkeiten hatte bereits ein Patent auf das geruchsintensive Furzkissen angemeldet. die Geruchsrichtung “unter Omis Arme” war übrigens DER Kassenschlager.
Kirsten: AnWELTEN – hahahha
HD: Tragisc ging die Sache allerings aus, als Dr. Ralf Michels, Leiter des Instituts in Südbayern, den Erfolg nicht enden wollte, obwohl längst die leichenteile des alten Mannes aufgebraucht waren. Monate später wurde er als der «Engel» von Passau festgenommen, nac
HDem er insgesamt 59 Frauen und Männer aus Altenheimen mit einer Überdosis Glasrein aus ihrem «Leid befreit» hatte, wie er dem Gerichgt beteuerte. Richter Frank Scheidtken war allerdings der Ansich der Staatsanwaltschaft, das Michels sich hier nur schamlos bereichern wollte. In Chile waren die Parties hiernach stets etwas trauriger.
Kirsten: Zeitgleich heiratet die junge Dame ihren Anwalt, bekam 100 Kinder und starb mit 46 an einer Überdosis Koks
HD: Marie-Regrette-Rien, eins der 100 Kinder – von denen (aber davon sprach man nicht gern in der Familie) übrigens 29 mit schweren Geburtsschäden auf die Welt kamen, eventuell bedingt durch eine Morphum-Überdosis, die die Mutter sich in ihren Jugendjahren aus diversen Gründen, auf die wir hier nicht eingehen wollen (man soll nicht schlecht ber die Toten sprechen), zugezogen hatte –, studierte später in Kopenhagen Jura an der Polytechnischen Universität Praha, wo sie einen gutaussehenden jungen Mann kennenlernte, dessen Herz sie brach, als sie ihm eines kalten Winterabends, eingehüllt in den Pelzmantel, den sie von ihrer armen verstorbenene Mama geerbt hatte und seitdem wie ihren Augapfel hütete (Marie-Regrette-Rien war stark kurzsichtig und allein schon deshalb sehr vorsichtig mit ihren Augen, eine Juristin mit Colaflaschenbodenbrille kommt bei keiner Jury der Welt gut an), gestehen mußte, daß sie bereits seit dem Alter von nur fünf jahren nach einem tragischen aber irgendwie auch schönen Ereignis in der Kindertagesstätte Köln-Ufflenbach eher Frauen zugetan, also lesbisch war. Der junge Mann sprang nur wenige Monate später in die Memel, wo er an einem Genickbruch starb (im Winter kann es in Kopenhagen sehr kalt werden) .
Kirsten: Die Bevölkerung in Chile konnte nach der Furzkisseninvasion der Jahre 2004 bis 2007 einen unglaublichen Zuwachs aufweisen – auf den Partys wurde endlich wieder gevögelt – ohne Rücksicht auf Verluste. Die Wirtschaft boomte und auch noch Jahre nach den Geruchspartys waren die Auswirkungen dieser goldenen Zeiten zu spüren: Kinder, der Jahrgänge 2005 und 2006 (das waren die Jahre, in denen das Institut für Abartikeiten – ein Tochterunternehmen der Forschungsgruppe vom Institut für Lustigkeiten – die Furzkissen mit den einzigartigen Gerüchen “baby, ich hab nur eine Unterhose” und “Nasser Hund mit Magenkrebs” ENDLICH im Verkauf waren) wuchsen zu industriellen Größen heran, machten viel Geld mit Zirkusvorstellungen und diversen Freakshows. Man sprach sogar von einem zweiten Tschernobyl.
HD: Problematisch wurde die Sache erst Jahre später, als sich herausstellte, daß aufgrund der massiven Methangaszuwächse die gesamte südwestliche Hemisphäre faktisch keine Ozonschicht mehr aufwies und der Treibhauseffekt fast 25% der südamerikanischen Bevölkerung hinwegraffte, bevor man das Loch notdürftig flicken konnte.
Kirsten: und hier kam der Bruder der Marie Regrette-Rien, Jaques le Caque ins Spiel. Als jüngster der 100 Kinder der hübschen Toten entwickelte er während seines Gewalt-Studiums eine Methode das Ozonloch zu rehabilitieren und dauerhaft zu verschließen. Seine Idee war recht simpel: eine Tinktur bestehend aus Sauerstoff, Hefebakterien, Schokopudding und Uran sollte mithilfe eines großen Behälters in das Ozonloch gegossen werden. Eine Halbwertzeit von 12 Milliarden Jahren würde somit dazu beitragen, dass zumindest die nächsten 11 Millionen Generationen überleben dürften. Jaques’ einziges scheinbar unüberwindbares Hinderniss war der Transport. Wie sollte er nur die 3,7 Millonen Tonnen Zaubertinktur in den Himmel befördern? Glücklicherweise – und das ist der Vorteil einer so großen Familie – war sein Bruder Brian Brain ein renomierter und in allen Kreisen der Gesellschaft hoch angesehener Superman. Da war es für ihn ein leichtes unter Aufsicht der Öffentlichkeit mit einem riesigen Eimer in den Himmel zu steigen, die Atmosphäre zu durchbrechen und mit einem kurzen *schwulp* den gesamten Inhalt in das klaffende Ozonloch zu kipppen.
HD: Das war natürlich ein düsterer Tag für die NASA. Paul Le Pelletier, Director of Space-faring Affairs der NASA hockte hinter seinem Schreibtisch in Florida, der Hauptstadt Frankreichs. Auf seinem Schreibtisch waren Bilder seiner drei Töchter, Pandora, Helene und Phoebe, die er nach Monden des Saturn benannt hatte. Das Photo war drei Jahre alt, gemacht bei einem Ausflug zu Disneyworld. Le Pelletier starrte auf den Bildschirm, auf dem Brian Brain – nur gekleidet in einen Wärmeschutzanzug – langsam die schokobraune ozonlochversiegelnde Masse in die Atmosphäre goß, gerade so wie ein Bäcker, der einer Torte den finalen Anstrich verpaßt. Ah, Schokotorte… aber Le Pelletier hatte nicht nur drei Töchter, sondern bereits seit Jahren ein schweres Zwölffingerdarmgeschwür, daß ihm den Genuß solch süßer Speisen, die er in seiner Jugend, als er auf Cape Canaveral auf dem Eatern Test Range die Marsraketen hat abheben sehen, davon träumend, eines Tages selbst für solche Flüge verantwortlich zu sein… und war dieser Traum nicht auch wahr geworden?…, einst sehr geliebt hatte… fast so sehr geliebt wie seine drei Töchter, seine kleinen Saturnmonde, die ihn stets umkreist hatten, bis sie eines Tages in Kopenhagen auf vereister Straße in einem alten Lada Niva einen schweren Autounfall zum Opfer fielen, weil Phoebe, die (bereits leicht angetrunken nach einer durchgemachten Nach am Petersplatz) die Kontrolle über das Fahrzeug verlor, abgelenkt durch den Selbstmordversuch eines Mannes, der sich die Brücke hinab in die zugefrorene (im Winter wird es sehr kalt in Kopenhagen) Memel stürzte. Der Wagen geriet ins Schleudern und die starren Achsen, der Mangel an Airbags und andere technische Rückschritte des sozialistischen Wagenbaus wurden den drei Mädchen zum Verhängnis. Sie waren bereits tot, als der Benzintank des Fahrzeuges explodierte und weitere fünf passanten, die den Insassen zu Hilfe eilen wollten (nicht wissend, daß die Frauen bereits an den Folgen des Aufpralls vor eine Häuserwand –- die in der Tat recht solide gebaute Bank de la France am Wenzelsplatz – gestorben waren, an inneren Blutungen, Genickbruch, Schädelbasisfrakturen… nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Phoebe war die Lenksäule so tief in den Körper gerammt worden, daß sich das Lenkrad auf ihrem Rücken durch den Stoff des schwarzen Abendkleides abzeichnete, ein Bild, daß die Paparazzis, die nur wenigeMinuten später wie Motten um den brennenden Wagen kreisten, um noch Blder zu erhaschen, bevor die Leichen endgültig bis zur Unkenntlichkeit verbrannt waren, um die ganze Welt sandten und so den drei Saturn-Girls zu unverhofften postmortalem Ruhm verhalen), mit in den Tod riss.
Le Pelletier trank noch einen Schluck Gimlet aus seinem schweren Tumbler-Glas, bevor er es — mit alkoholtrüben Augen nicht wirklich gut zielend — in Richtung seines Fernseher warf, was die Bilder der Rettung Südamerikas auf CNN aber nicht wirklich sehr beeindruckte.
»Verdammt seist du Brian Brain«, murmelte er. »Verdammt seist du.».
Kirsten: Jaques le Caque hatte sich gerde eben von seinem Ruhm, der infolge seiner in die Geschichte eingegangenen “Ozonlösung” natürlich nicht unerwartet kam, erholt, als ihn eine schreckliche Nachrricht ereilte. Monate lang hatte er Interviewes gegeben, TV-Auftritte gehabt, unzählbare Fotoshootings und andere Termine mit seinem Bruder Brian wahrgenommen. Die Presse hatte ihm beinahe am Morgen nach der Schoko-Uran Attacke die Türe, die schöne Mahagoni-Tür seiner Marmor Villa in Quebec, einem kleinen Vorort im Süden Thailands, eingerannt. Warum es denn nun am Himmel so dunkel sei und ob es nur die nächsten 12 Milliarden Jahre keine Sonne mehr gäbe. Ob man nicht anstelle von Schokopudding besser hätte Vanillepudding nehmen können. Fragen, denen sich Jaques zu der Zeit nicht äußern wollte. Hatte er schließlich in ausführlichen Pressekonferenzen zuvor ausgiebig dem breiten Publikum der Weltöffentlichkeit erklärt, das NUR die kolumbianischen Kakaobohnen, die unweigerlich in seinem Ozonpudding verarbeitet werden mussten, die Halbwertzeit von Uran vervielfachen konnte. Warum ausgerechnet Kolumbien? Hatte doch seine werte Frau Mama schon zu Lebzeiten ihren Schoko-Koks in Paris (Kolumbiens Vorzeigestadt) gekauft. “Die famliären Wurzeln festigen und Traditionen aufrechterhalten” hatte er damals gesagt.
Nun ließ das Interesse an seiner Person allmählich nach, nur vereinzelt flatterte noch die ein oder andere Interview-Anfrage in seinen Briefkasten. Über einen handgeschriebenen Brief erfuhr Jaques le Caque schließlich auch vom Tode seiner so sehr geliebeten Braut Phoebe.
HD: Phoebe, die natürlich nicht dereinst in Kopenhagen zu Prag umgekommen war, sondern gemeinsam mit ihren zwei Schwestern ihren Tod nur vorgetäuscht hatte (das mit den fünf Samaritern-in-Spe, die bei der Epxlosion umkamen, ist allerdings etwas schade gewesen), um für den russischen KGB einige Jahre lang an streng geheimen Vla-Forschungen zu arbeiten, wo sie unter anderem auch den etwas schüchternen (weil halbseitig gelähmten undinkontinenten) Jacques kennenlernte, der sich nicht nur über das umfassende Know-How der NASA-Insider-Tochter freute, sondern auch über ihren Hang zu dicken Wollpullis, unter denen sich vielversprechend kaum etwas von ihrem Körper abzeichnete. Keine lange Rede, die beiden kamen zusammen, langten richtig zu und produzierten zwar keine Kinder(Jacques war leider Linksträger, eigentlich shön, abe reben genau die gelähmte Seite, dumm gelaufen), aber immerhin ein Rezept, das damals dem KGB reichlich unwichtig erschien (GENOSSE… WIR WOLLTEN ATOMVLA UND URANMILKSHAKES, ABER KEINE KOLUMBIANISCHE KAKAOBOHNENKLEBER, schrie Wolzowicz Uzsgestriansiokoiuswi den armen Jacqes an, den Uzsgestriansiokoiuswi nicht wirklich mochte, weil es ihm so schien, als würde Le Caque ihn immer spöttisch angrinsen, was natürlich nur an Jacques ärgerlicher Lähmung lag, ein Mßverständnis, das ihn nun schon seit Jahren begleitete und auf vielen vielen Parties immer wieder für unliebsame Prügeleien sorgte, in denen dann die halbseitige Lähmung ihr Übriges tat… Jacques hatte fast seine gesamte Studienzeit, die er in einem unterirdischen geheimen Spezialtrakt unter der Stanton University in Mainz verbrachte, unter ständigen Kopfschmerzen zu leiden, die nichts mit seiner Behinderung zu tun hatten, sondern allein auf das ständige Gehauen-werden zurückzuführen waren.), die später aber eben jene Ozonlochkatastrope über Chile verhindern sollte, an der die Welt fast zugrunde gegangen wäre, auch wenn es mit den Tourismuszeiten in Argentinien nun vorraussichtlich 11 Millionen Jahre lang etwas blass aussehen würde.
Phoebe, so der Brief, hatte sich aus Verzweiflung selbst umgebracht, weil er ihr den ganzen Ruhm geklaut hatte, die Erfindung, die gemeinsame aus den Tagen in den Katakomben des KGBs, nun als seine eigene hinstellte. Der Gram über diese Ungerechtigkeit, ungeachtet der Tatsache, daß er sie nie an dem Ruhm hätte teilhaben lassen können,d a sie ja offiziell seit Jahrzehnten als TOT galt, brach ihr das Herz und so steckte sie den Kopf in eine große Erdbeertorte, in der sie nach 2 Minuten 23 Sekunden (recht beachtliche Zeit, nebenbei) erstickte. Die Handschrift der Briefes, gegen Ende mit Atemnot und vor allem blind geschrieben (er Kopf steckte ja in der Torte), war am Schluß fast unleserlich, und es brach Jacques das Herz zu sehen, wie die Schrift mitten in dem Wort Rosenbus… plötzlich abbrach und nur eine krakelige Linie blieb, ein Tintenklecks, wie immer mit ihrem geliebten Parker-Kolbenfüller, den er ihr einst im Sommer in Wien gekauft hatte (ein fast gestohlener Urlaub vom KGB, von dem Wolzowicz Uzsgestriansiokoiuswi natürlich unter keinen Umständen erfahren durfte), geschrieben.
«Ach Phoebe», seufzte er. Er würde ihren beiden Schwestern von dem Unglück berichten müssen, soviel war klar.
Und… wo war Brian eigentlich? In Vegas mit einer Edelhure verschwunden? In Düsseldorf im Main schwimmen? Seit Tagen bereits hatte er sich nicht gemeldet.
In diesem Moment klingelte das Telefon und…
Kirsten:… Jaques hielt einen Moment lang inne. Was, wenn der Anruf nun aus Moskau käme? Sollte Phoebes Geschwister von dem tragischen Tod seiner Geliebten erfahren haben? In seiner Trauer und Fassungslosigkeit fühlte er sich nicht in der Lage, Helene und Pandora die bis in alle Tiefen menschlichen Schicksals verwickelte Vorgeschichte die schlussendlich auch zum Freitod Phoebes, der schönen Phoebe, geführt hatte zu erzählen. Zu tief saß in jenem Moment sein Schmerz und das fordernde und unaufhörliche Klingeln des Telefons, das in den Mauern seines mamornden Eingangsbereichs wiederhallte, versetzte ihm lauter Stiche in sein Herz.
Vielleicht war es aber auch einfach nur die Haushälterin, die sich den dritten Tag in Folge krank melden wollte. Jaques hatte das ungute Gefühl, dass Fräulein Fimmel (eine gebürtige Dänin, die nach dem viel zu frühen Tod ihrer Eltern – sie war gerade mal 2 Jahre alt – zu ihrem Großvater in die Schweiz geschickt wurde und eine streng katholische Erziehung hinter sich hat) sich seit der Sache mit dem Ozonloch distanziert. Möglicherweise gönne sie ihm nicht seinen Erfolg. Jaques kam es ohnehin schon seit 7 Jahren, in denen er Fräulein Fimmel nun schon beschäftigte, vor, als habe sie etwas gegen seine Behinderung. Vielleicht war aber auch sie nur eine weitere, unwissende Kanditatin im Kreise der Leute, die ihn, Jaques le Caque, über all die Jahre immer und immer wieder mit Schlägen zusetzte, oder zumindest zusetzten wollte. Fräulein Fimmel, so dachte er, wird mein Lächeln wohl auch nur als abwerteden Geste empfunden haben. “Blöde Ziege”, fauchte er dem Telefon entgegen.
Jaques riss den Telefonhörer hoch und wetterte los. “Sie brauchen gar nicht mehr kommen! Ihre scheinheiligen Fragen nach meinem Befinden können sie sich ein für alle mal klemmen! Ich habe mich bereits um einen Nachfolgerin für ihre Stelle gekümmert!”
Kirsten: Am anderen Ende erklang jedoch nicht die Stimme Fräulein Fimmels, sondern ein leises Schluchzen. “Jaques, Jaques, du muss mir helfen”, wimmerte Brian.
HD: «Brian…», stammelte Jacques…«Brian, du hast mich geweckt, ich war verwirrt für einen Moment, es kam mir alles vor wie ein –- wie ein wirrer Traum.»
HD: «Jaques, red keinen Mist, ich brauch deine Hilfe», fauchte Brian mit letzter Kraft.
HD: «Brian, mein Bruder… bist du noch in Kasachstan?» (Dort war Brian den Gerchten nach untergetaucht, um dem Presserummel um ihn und Jacques nach der Sache mit dem Schokoloch zu entgehen. Die Gerüchte, Daß Brian homosexuell waren., fanden nach Chile keine Ruhe mehr… dabei war Jacques für das chocoloate flavour verantwortlich gewesen, Brian doch nur fürs Fliegen…)
HD: «Jak-Kak! Hör zu, du Arschdepp» (Jak-Kak, in Jacques fluteten für einen Moment sanfte Erinnerung an seine Kindheit auf einem Bauernhof in Scheswig-Holstein hoch, auf dem er mit seinem Bruder viele Monate verbracht hatte. Dort hatte Brian ihn immer mit der Schubkarre umhergefahren… Jacques war ja zu Schwach zum Selbergehen… und ihn in die Schweinegülle gekippt und immer JakKakKakJak gewiehert, ach Brian, mein Brian…). «Ich stecke hier in der Scheiße und zwar tief. Ich bin entführt worden und nach Florida verschleppt, und ich werde hier gefangen gehalten von… fuck, sie kommen. KakJak… du mußt mir hel…»
in der Leitung war nur noch ein Rauschen zu hören….
Steffi: 02.12.2004 12:12:48
Jaques hörte noch einige Zeit dem Summen zu, das aus dem Hörer drang. Es hat eine meditative Wirkung, fand er (wenig im Leben ist so gleichmäßig). Vielleicht wäre ein Telefonhörer eine geeignete Lösung für seine Schlafstörungen, die er seit seiner Kindheit hatte. Generell betrachtete er Bauernhöfe als fragwürdige Einrichtung für die Aufzucht von Kindern, wie er anhand seiner Entwicklung immer wieder feststellen musste. Aber das war ein anderes Thema. Schließlich wurde er soeben Zeuge einer Entführung. Zumindest indirekt. Er legte den Hörer wieder auf die Gabel (einer der Schäden, die man davonträgt, wenn man als Kind auf einem Bauernhof aufwächst – man entwickelt keine Vorlieben für neumodische Techniken wie Tastentelefone, – aber Jaques hielt dies nie für Notwendig, schließlich wurde er vier Jahre lang zum Klavierunterricht gezwungen …düstere Kapitel, über die er gar nicht weiter nachdenken wollte.).
Zwei Fragen stellten sich ihm. Die erste: Warum sehen die Menschen immer zu viel fern? Man kann es ja nur aus schlechten Kriminalfilmen gelernt haben, dass man, wenn man entführt wird, bei den entscheidenen Informationen unterbrochen wird und natürlich genau dann die Entführer zurückkommen und man selbst mit Halbwahrheiten am anderen Ende zurückgelassen wird. Noch besser: anstatt eben schnell einen Namen zu sagen, damit man weiß woran man ist und was vernünftiges unternommen werden kann, enden derartige Telefonate immer mit Sätzen wie “fuck, sie kommen. KakJak… du mußt mir hel…” . Selbst ein hektisch-sprechender Mensch benötigt minimal drei Sekunden für diesen Satz. Genug Zeit um jeden Namen jedes Telefonbuches dieser Welt auszusprechen, so lang können Namen gar nicht sein (vielleicht die asiatischen Doppelnamen, in dritter Ehe in Scheidung lebend, wenn man die Sprache nicht fliesend beherrscht, aber dies ist sehr unwahrscheinlich. Zudem musste Brain ja in kein Telefonbuch gucken, sofern er überhaupt eins da hatte).
(Gerade bei seinem Bruder überraschte ihn diese Theatralik. Schließlich hatte er bis zu seinem Auszug nie Gelegenheit fern zu sehen, denn sie hatten solch neumodische Apparate nicht. Nur gelegentlich bei Bekannten, aber da konnte es sich auch nur um Filme handeln, die seinem Alter sicher nicht angemessen waren.)
Die zweite, viel entscheidendere Frage war jedoch: wo lag eigentlich Florida? Zeit um nachzusehen blieb ihm nicht, wie er fand, außerdem war sein Atlas nicht mehr der neuste. So glaubte er, dass es bei Florenz sein musste und beschloss daher nach Lettland zu fahren um seinen Bruder zu befreien. Er wollte sich gerade auf den Weg machen, doch das Telefon klingelte erneut. Hektisch nahm er ab:
“BrainBrain! Wie heißt denn der Asiate? Hast du ein Telefonbuch?… Oder einen Atlas?”
“Hallo! Fimmel hier. Ich wollte Ihnen nur sagen, dass ich kurzfristig an einer Katzenhaarallergie erkrankt bin und daher morgen verhindert sein werde. Ich denke sie verst..”
Jaques knallte den Hörer auf die Gabel und rannte los um den nächsten Zug Richtung Lettland zu bekommen. Er fuhr mit dem Taxi zum Bahnhof (es drohte zu regnen), kaufte ein Ticket (seine Eltern hatten ihm beigebracht, dass sich derartige Delikte wie Schwarzfahren nicht rentieren) und saß schon bald darauf im Zug nach Lettland. Ungeduldig sah er aus dem Fenster und faltete einen misslungen Flieger aus einem Kaugummipapier. Sein Magen begann zu Knurren. Unwillkürlich sah er auf seine Uhr – es war kurz vor vier und er musste an Erdbeerkuchen denken. Erdbeerkuchen. Etwas irritierte ihn bei diesem Wort, außer das sein Hunger noch stärker wurde. “Wie eigentlich”, fragte er sich, “kann jemand einen Brief abschicken, dessen Gesicht vollständig in Erdbeerkuchen getaucht ist…” Plötzlich verging ihm die Lust, weiter in diesem Zug zu sitzen, vor allem ohne die Aussicht auf ein Stück Erdbeerkuchen. Etwas stimmte nicht ganz (ausser das er Hunger hatte und kein Kuchen in Reichweite war). Jemand musste noch von Phoebes Tod wissen. Und wissen, dass er wusste, dass er sie kannte. Oder sie war gar nicht Tod. Und wenn das so war, wurde Brain sicher nicht entführt. Er stand auf. Dieser Zug begann ihn zu nerven. Irgendjemand wollte ihn unter einem Vorwand nach Lettland locken…
Kirsten 02.12.2004 03:12:01
Jaques Le Caque ließ sich nicht so einfach auf’s Glatteis führen. Schon auf dem Rückweg vom Bahnhof zurück in Seine Villa bemerkte er wie dumm er gewesen sein muss, als er sich in den Zug setzte um seinen Bruder Brian Brain aus den Händen irgendwelcher imaginären Verbrecher zu befreien. Schon lange war das Zugfahren nur noch der untersten Gesellschaftsschicht vorbehalten. Jener Schicht, zu der sich Jaques sicherlich nicht zählen brauchte. Er war spätestens seit seiner genialen Erfindung des Ozonpuddings nicht mehr auf solch rudimentäre Fortbewegungsmittel angewiesen. Überhaupt kam ihm die ganze Geschichte schlag(-sahne)artig skuril und in sich keineswegs schlüssig vor. Brian Brain, der über die Länder bekannte Superman, Brian Brain, der unerschütterliche Held der Herzen, Brian, SEIN Bruder den er einst so sehr bewundert und den er heute eher verachtet – dieser Brian Brain sollte plötzlich nicht mehr in der Lage sein, sich aus den Händen mieser Harlunken zu befreien? Er bräuchte doch nur aus seinem kleinen Zeh des linken Fußes durch Betätigung des kleinen Hebels auf der Innenseite seiner rechten Hand die Heizung heraus zufahren und anzuschließen. Mit diesem Trick hatte sich Brain früher so oft aus brenzligen Situationen befreit. Unvergessen bleibt für Jaques der Tag, an dem er, seine Schwester Karina Otzen (www.k-otzen.abc) und Brian in Liverpool umherspazierten. Es war der Tag, an dem 2 kleine Passagierflugzeuge in den Himmel fielen und die Wolken auf sie niederzustürzen drohten. Das Gewicht der grauen Riesen hätte sie ohne weiteres zermalmt. Aber Brian konnte dank des Heizkörpers in seinem Fuß die Wolken zum auftauen bringen. zwar ertranken die Flugzeuge in den Fluten am Himmel, aber in Relation zu der Katastrophe, die sonst auf Erden hätte stattgefunden, verhindete dass ihm keiner diese Tat übel nahm.
Jaques überkam eine unbestimmte Wut. Er würde sich nicht weiter um den Anruf kümmern. Brian wird sich – wenn seine Geschichte überhaupt war ist – schon alleinen helfen können. Er war ihm nichts schuldig.
Und Phoebe – er würde ihr einfach via Mikrowelle eine digitale Bildmitteilung zukommen lassen. Er würde mit rot-verheulten Augen dort sitzen und sie bitten ein Lebenszeichen von sich zu geben, sofern sie noch am Leben war. Und das wahr sie – Jaques war sich sicher.
Zu Hause angekommen beauftragte er eine neue Haushälterin. Sie versprach noch heute vorbeizukommen. Jaques ging in die Küche und holte die Erdbeertorte aus dem Kühlschrank.
HD 02.12.2004 08:12:27
Währenddessen, in einem Krankenhaus in Kalkutta.
Esther Hazelhazy war verwirrt. Man kann sich bei solchen Sachen heutezutage nie ganz sicher sein, aber war es normal, daß auf dem Sichtschutz ihrer Mikrowelle Bilder sichtbar waren? Verschwommen und Schemenhaft — in Kalkutta, mitten im Herzen der Schweizer Berge — ist der Empfang nicht so. Sirrendpfeifender Ton und starke Interferenzen ließen das ganze eher so aussehen, als sei die Mikrowelle während der Zubereitung einer schönen Tasse Kräutertee eines schnellen Todes gestorben… durchaus möglich, war doch die Garantie seit präzise 2 Tagen und 5 Stunden abgelaufen. Erst auf den zweiten Blick konnte man erahnen, daß da ein Mann auf einem Stuhl saß, waren die Augen verheult?, und etwas zu sagen versuchte, was aber völlig unverständlich blieb, das Pfeifen und Sirren hatten wir ja bereits erwähnt.
Etwas entnervt öffnete Esther die Tür der Mikrowelle und trank ihren Tee, der viel zu heiß war und ihr entglitt. In der Pfefferminzteepfütze rutschte sie aus und kam erst Stunden später wieder zu Bewußtsein, als der Spuk in der Mikrowelle bereits längst beendet war.
Esther, die sich längst nicht mehr daran erinnern konnte, daß sie vor einer Eriksonschen Hypnotherapie einmal Phoebe hieß und im Zeugenschutzprogramm der Schweizer Kantonpolizei gegen einen dänischen Schmugglerring vor dem Obersten Staatsgericht von Kalkutta ausgesagt hatte, schüttelte die seltsame Fata Morgana ab und machte sich daran, den Tee aufzuwischen.
In Kiev zog sich fast gleichzeitig Paul Regrette-Tout eine Gummimaske über den Kopf und drückte den Stimmmodulator, der seine Stimmlage um zwälf Oktaven anhob, in die rechte Backe. Er nahm das altmodische schwarze Bakelit-Wähltelefon in die Hand und wählte die Nummer, die er auf einem Zettel im Supermakrt gefunden hatte.
«Hallo, hier ist Ludmilla, ihre neue Haushälterin. Ich wollte nur noch einmal sagen, daß ich jetzt doch schon gleich zu Ihnen kommen kann, um meine Stelle anzutreten, Monsieur Le Caque. Ja… ja… haha… jaja… hat Frau Fimmel Sie SCHON wieder angerufen? Nein… nein… hahaha… finde ich auch… gut, bis dahin dann.»
Paul/Ludmilla hing auf, überprüfte noch einmal, ob die kleine stupsnasige Derringer,die er in der Rocktasche bei sich trug, geladen war und machte sich auf den Weg…
In einem Tiefbunker unter Cape Canaveral blickte Brian Brain währenddessen in das wutverzerrte Gesicht von Paul Le Pelletier. «Brian Brain… der große Held, klein und wehrlos ohne seine Handheizung. Endlich habe ich dich in meiner Gewalt.» Brian ahnte, daß der Abend noch unangenehm verlaufen könnte.
Steffi 03.12.2004 01:12:06
„Du mit Deiner Schokoscheiße!“, rief Paul Le Pelletier aufgebracht. Er breitete theatralisch die Arme aus und drehte sich (wie der Mann aus der Krombacher-Werbung, der am Strand) präsentierend: „Weißt Du eigentlich, was der Mist hier kostet?“
Brian schätzte etwa 127.023.243.441,03 €, lag damit aber etwa 137,43 € daneben. Das war genau der Betrag, den Ulf, ein Monteur aus Bergisch-Gladbach für einen Puffbesuch in Herne, einem Vorort von Tokio in Grönland, ausgegeben hatte. Für das Geld hätte eigentlich die Türklingel und die redundante Ersatzklingel gekauft werden sollen. So erschien die spanische Inquisition vollkommend überraschend, just als Paul sich wieder zu Brian umdrehte.
José, der Chefinquisor, der unter seiner Robe im übrigen außer Lederunterwäsche nichts trug, wurde von seinen Helfern Tim und Tom begleitet. Tim trug ein großes Holzkreuz und dachte sehnsüchtig an die Orgie, die er am Abend zuvor mit José und Tom in einem Motel vor der Stadt gefeiert hatte. Tom trug einen Flammenwerfer aus Suhl, einer Stadt in Thüringen. José sah missmutig aus.
Von all dem ahnte Jacques nichts. Er hatte sich gerade über das letzte Stück Erdbeertorte und ihm wurde etwas schlecht (man bedenke, wie viele Stücke Torte eine Torte haben kann, wenn man noch mit Besuch rechnet, schließlich waren ja alle Beteiligten weder entführt noch tot, glaubte Jacques). Zumindest brachte ihm das jetzt auch nichts mehr, denn die Torte war ja auf und ihm schlecht.
So stellte sich ihm die Frage, welches Haustier sich am besten eignete wenn man alleinstehender Single ist. Dann wäre auch das Problem der Überdimensionierung von Erdbeertorten behoben. Wobei er ja scheinbar gar kein Single-Leben führte, sondern glücklich verheiratet in erster Ehe, ungeschieden.
Sofern seine Theorie stimmte und Phoebe sich bester Gesundheit erfreute. Also gar kein schlechter Schnitt für sein Alter, wie er fand.
Seehund. Definitiv ein Seehund, sagte er sich, als er träge zum Fernseher schlurfte, die muss man wenigstens nicht zum baden zwingen. Er schaltete eine Rätsel-und-Anruf-Sendung an und versuchte 23 Mal durchzukommen um die Antwort „Monika“ zu sagen. Es klappte nicht. Daher machte er sich Gedanken, wie die neue Haushälterin wohl wäre: „Vielleicht so wie Gini, diesem Flaschengeist aus der 60’er Jahre Fernsehsendung“. „Oder wie…“, es klingelte. Er öffnete. Eher Mrs. Doubtfire.
Aber nein, das wäre ja albern alte Klischees aufzugreifen. Er drückte auf den Summer und öffnete die Tür. Nach einigen beschwerlichen Schritten trat Ludmilla in sein Leben. „Einen wunderschönen guten Tag“, sagte Ludmilla / Paul und betrat seine Wohnung. „Hübsch haben sie es hier! Vor allem die Bilder mit den gehäkelten Entchen sind ganz entzückend!“
„Ja“, sagte Jacques „also hier wohne ich und das Putzzeug finden Sie unter der Spüle. Darf ich Ihnen Erdbeertorte anbieten!“ Er war verwundert, er wusste nur nicht warum.
„Gern“, flötete Ludmilla. Jacques wurde fast so rot wie die Erdbeertorte, die gerade in seinem Magen vollumfänglich verdaut wurde.
„Ach wissen sie, vielleicht doch eher morgen, ich muss jetzt los, ziehen sie einfach die Tür hinter sich zu“, rief Jacques und verließ noch beim sprechen die Wohnung.
Ludmilla / Paul war doch sehr überrascht. Eigentlich wollte er Jacques umbringen, um in Ruhe nach dem kleinen schwarzen Notizbuch von Phoebe zu suchen, in dem er, als Mitglied der drittgrößten, fast zweitgrößten dänischen Schmuggelorganisation sicherlich stehen würde. Er sah sich um und etwa 27 Sekunden später fand er es auf dem Fernseher. Sein Name stand nicht drin, was beruflich eine recht herbe Enttäuschung war. Er war also unbedeutend. Abwesend blätterte er durch das Buch. Er hatte in solchen Situationen immer Lust, einen Fremden anzurufen und ihn zu beleidigen. Er wählte also +49177321222614. Es meldete sich ein – sichtlich gestörter – „José!“, brüllend.
HD 03.12.2004 08:12:03
«Niemand rechnet mit der spanischen Inquisition», dachte Brian, der die ganze Foltersache für doch wesentlich überschätzt hielt. Einer der Männer mit dem lustigen Spanischen Akzent telefonierte gerade aufgebracht, während die anderen bereits mit der Kohle und den Eisenstäben zugangewaren, bides angeflammt von den Flammenwerfern, die Tim und Tom aus Suhl mitgebracht hatten.
«Hui, Bleigießen», flötete Brian, in der Hoffnung, die Stimmung etwas aufzubessern, aber das wollte nicht so recht gelingen. Tim und Tom sahen ihn mit ausdruckslosen Knopfaugen an (soweit man das durch die seltsamen Masken beurteilen konnte) Latexmaske und Knopfaugen, die Jungs sahen aus wie zwei Seehunde, die gleich im Zirkus eine Showdressur vorführen würden. Wie kam er jetzt auf Seehunde.
José, der sichmanchmal auch Josef nannte, um dumme Anrufer zu verwirren, wütete immer noch ins Telefon und ließ einen Schwall Beleidigungen los, wie Brian ihn seit langem nicht mehr… eigentlich… eigentlich noch nie zuvor gehört hatte. Und Brian hatte jahrelang unter den Kaderschweinen der russischen Frontarmee gedient, wo nun wirklich nicht das gepflegte Oxford-English gepflegt wurde, ungeachtet der Tatsache,daß Brighton nur einen Steinwurf von Leningrad entffernt lag und man heute nich viele Russen dort mit Bowler und Regenschirmlustwandeln sieht. Wenn man denkt, man kennt jedes nur vorstellbare Schimpfwort… und ein paar, die ad hoc frei erfunden sind und jenseits aller normalen Vorstellung lagen… dann konnte José(f) einem schon die Augen öffnen. Der Mann schimpfte auf den Hörer ein, daß Brian Brain (trotz der Kohle, der Eisenstäbe und der Latexmasken) das Grisnen nicht verbergen konnte. Wer immer da am anderen Ende war, badete gerade in Scheiße.
Als Josef endlich auflegte und sich Brian zuwandte, wa er bereits wieder kühl und gefaßt.
«Eh, Amigo.. bist du bereit, ein paar Fragen zu beantworten, au-lait?»
«Au lait?»
«O-Lay. Du weißt schon, Inquisition,spanische, au lait… alles klar».
«Ahhhh, verstehe, verstehe… alter Schwede. Sisi, bin zu jedem Geständnis bereit, keine Sache. »
«Hmm?»
«Ich sagte, nurzu mit den Fragen, hab nix zu verbergen. Plaudere gern drauflos, zackzackbummbumm, keine Geheimnisse, frei von der Leber, weg damit, was du heute kannst…s
«Jaja, schon klar… keine Geheimnisse?»
«Nene, Lügen habenkurze Be…» (damit jetzt besser nicht anfangen, tim und Tom guckten gleich ganz interessiert)
«O… kay.»
Die Stimmung war irgendwie ruiniert. Tim und Tom standen nutzlos in der Ecke, die Eisenstäbe glimmten unmiotiviert.
José setzte sich.
«Allet klar², sagte er, seinen spanischen Akzent unwillkürlich etwas fallen lassend. «Dat kommt jetz ja etwas unverhofft, sach ich ma so.»,
«Äh.. wie?»
«Naja, ne, ich mein… kein bißchen Rückgrat oder wat? Nich mal wat rauskitzeln lassen, mal Klappe halten, wat machen wir hier eigentlich? Welchen Sinn hat mein Job eigentlich bei wirbellosen Vollzeitlosern wie dir? Du has doch wohl die Wummse an der Kuppe. Ja… wat denn, du Vogel? Isch bin FOLTERER… (staatlich gepr. und vereid.) Wat soll der Scheiß.»
Brian verstand, daß er sich hier einen bösen Faux pas gegen die Gastfreundlichkeit hatte zuschulden kommen lassen und ließ sich, stets höflich, ein zwei Stunden foltern, bevor er unter Tränen endlich bereit war, zu gestehen, was zu gestehen war.
Punktgenau kam zu dem Zeitpunkt Le Pelletier wieder rein, der sich zwischendurch mit der Monateg seines neuen Whirlpools die Zeit vertrieben hatte, auch die Spanische Inquisition (TM) kann nach einer Weile irgendwie ermüdend wirken.. .ganz im Gegensatz zu warmen Wasser aus 59 einzel computersteuerbaren Düsen, die… ah ja…
«So, Brain, und jetz rückste mal raus mit der Wahrheit… der Wahrheit über deinen Zwillingsbruder Paul Regrette-Tout.» krakeelte Pelletrier, der etwas aufgekratzt war (nicht im wörtlichen Sinne), weil die Düsenmassage seine Durchblutung so angeregt hatte.
«Paul? Aber… Paul ist doch schon seit 18 Jahren tot… »
HD 08.12.2004 11:12:21
«Frischluft», dachte Ralf Michels. In Wirklichkeit hatte er seit dreizehn Jahren viel Frischluft eingeatmet, aber eher durch die Stäbe seiner Zelle und ein engmaschiges Sicherheitsnetz gefiltert.
Der Engel von Passau rollte den Kopf und ließ die Knochen in seinem Nackenwirbel knacken, eine Geste, von der wir spätestens seit Fight Club wissen, daß sie nichts gutes bedeuten kann. Ausgemergelt und alt war er geworden in den Jahren in der Gefängniszelle. Das ifu, Chile, das ganz große Geld, das er mit den Furzkissen gemacht hatte, alles zunichte, alles vorbei. Was jetzt blieb war ein Anzug, der in den frühen neunzigern mal modern gewesen war und eine Handvoll Kleingeld, das kein Automat mehr akzeptierte seit der Euro-Umstellung.
«Na, dann wollen wir mal», murmelte Michels und machte sich auf den Weg zu Lidl, um eine Flasche Glasrein zu kaufen.
«Paul ist tot?», fragte währenddesssen — von Michels freilassung nichts ahnend — Paul Le Pelletier, der sich bisher mit der Spanischen Inquisition (TM) eindeutig im Vorteil sah.
«Rrrrrrrichtisch. Paul ist tot,kein Freispiel mehr.», antwortete Brian Brain etwas irritiert. Ging es nur um Paul Regrette-Tout, den alten Verkleidungskünstler? Hockte er hier in Cape Canavaral gefesselt und entführt, von seinem alten Erzfeind Paul Le Pelletier, nur um solchen Unsinn zu beantworten (und nebenbei wichtige Plotelemente zu wiederholen)?
«José», bellte Le Pelletier entnervt.
«Ay Carumba», winselte passend der Spanier, der in Kamp Lintford geboren, jahrelang als Sinti durch Israel getingelt war, bevor er seinen Hang zum Mallorca-Urlaub entdeckt hatte und sich fortan nur noch José nannte (auer am Telefon, wo ihm ab und zu das Josef entfuhr, was die Leute auf der anderen Seite mmmmminimal verwirrte). «Was geht ab, Cheffe?»
«Lass den kleinen Superhelden hier frei und gib ihm seine Heizung zurück. Gott, ich habe jahrelang meinen Hass gebündelt… und jetzt erfahre ich, daß Paul tot ist. Schmeiß die Mikrowelle an und schick eben eine Bildnachricht nach Kiev, daß wir die Aktion Apocalypse Now abblasen. Hat doch alles keinen Sinn mehr.»
Le Pelletier sank auf einen kleinen Holzschemel in der Ecke undseuzte mitleiderregend. Brian, der sich die Handgelenke massierte, um die Blutzirkulation wieder in Gang zu bringen und anfing, sich die Heizung wieder in die Hand einzusetzen, fühlte fast so etwas wie Mitleid. So viel Haß… umsonst.
In Kiev vernahm Ludmilla etwas verwirrt aus der Mikrowelle, daß die eigentliche Aufgabe stets gewesen war, Paul Regrette Tout zu finden und der nun wohl tot sei. Sie blickte José(f) verwirrt an und schttelte den Kopf.
«Was… wieso… der ist nicht tot. Hättet ihr mir nur eher gesagt,worum es geht, José. ICH bin Paul Regrette Tour.» Sprachs und zog sich die Gummimaske vom Gesicht, wo unter den Resten des Latexschaums ein herbes Männergesicht zum Vorschein kam. «Ich lebe!!!»
Vor der Mkrowelle in Florida starrten Paul Le Pelletier und Brian Brain gleichermaßen gebannt auf die Mattscheibe, hinter deren Glas nicht nur Ludmilla sich demaskierte, sondern auch die Hühnersuppe endlich fertig wurde.
Pelletier und Brain sahen sich an. «Oh lay», jubelte José.
Anonymer Gast, der so tut, als wäre er HD 09.12.2004 06:12:45
Der LESER der Geschichte war doch zunehmend verwirrt. Gut. Es konnte kalt in Prag werden, dass hatte er schon selbst erlebt und sich fürchterlich erkältet. Das Summen eines Telefons hatte natürlich meditative Wirkung, schließlich hatte er deshalb alle anderen Drogen aufgeben können und auch die Sache mit einer Handheizung als Superwaffe war nicht unplausibel.
Aber was sollte der Seehund? Diese Haustierfrage – so nebenbei? Konnte das Zufall sein, oder wollte der Autor von etwas wesentlichem ablenken?
Der LESER stand auf und ging in seine Küche, wo sein Samowar leise vor sich hindampfte. Er nahm sich einen Tee und sah in die verschneite Stadtlandschaft vor seinem Fenster. Seehund. Er kam einfach nicht darauf. Der LESER seufzte. Er wusste, dass alles, aber wirklich alles in Geschichten einen Sinn hat und dass die Tatsache, dass man diesen nicht entdeckte bezeichnend, jedenfalls aber kein gutes Zeichen war.
Tatsächlich bestand das Leben des LESERs daraus, Geschichten zu verstehen. Er tat den ganzen Tag nichts anderes, selbst wenn das Wetter schön oder der LESER krank war. Der LESER war gut darin, Geschichten zu verstehen.
Er seufzte. So würde er nicht weiterkommen. Er ließ die Geschichte in seinem Arbeitszimmer, auf dem alten, lederbezogenen Schreibtisch, wissend, dass weiterlesen erst Sinn machte, wenn er alles verstanden hätte, was bisher passiert war. Eine schwierige Geschichte. Seehund.
Die Tür hinter sich zuschlagend, leicht verkrampft ein Liedchen pfeifend, stiefelte er die Haustreppe hinunter. Verließ das Haus und bestieg eine Straßenbahn, die just in dem Augenblick an der Haltestelle vor der Bäckerei hielt. Sich treiben lassen, dachte er. Am besten lässt man sich einfach treiben, bis die Antwort kommt.
Die Straßenbahn endete am verschneiten Zoo. Der LESER stieg aus und stapfte durch den Schnee, ging durch das verlassene Kassenhäuschen. Es war natürlich viel zu kalt für alle anderen, und so war es leer. Der LESER schlurfte durch den Schnee, was zu einer lustigen Spur führte.
Er war eine ganze Zeit ziellos zwischen den Gehegen hindurchgeirrt, hatte kurz bei den sehr munteren Eisbären, die gerade gefüttert wurden, Halt gemacht und kam schließlich in das Seehundhaus, wo es überraschenderweise doch recht warm war.
Im Seehundhaus stand Gott. Der LESER war mehr als überrascht. Auf die Knie fallend, stammelnd, Erleuchtung erhaschend rief er aus: „Gott?! Hier in einem Seehundgehege??“. Gott drehte sich um. Sie schenkte ihm ein bezauberndes Lächeln: „Aber sicher – irgendwo muss ich ja sein, schließlich bin ich nicht allmächtig, ich kann mich zum Beispiel nicht einfach für nicht existent erklären!“. Der LESER fand das einleuchtend.
„Was ist mit Ralf Michels?“, fragte ihn Gott im Plauderton.
„Dem aus der Geschichte?“, erwiderte der LESER.
„Genau!“.
„Ja, äh…!“, sagte der LESER.
Steffi 08.01.2005 05:01:06
Die Geschichte lief derweil weiter. Was der LESER nicht wusste, ist, dass Geschichten sich selbst schreiben. Bücher ändern sich, wenn man sie noch nicht zu Ende gelesen hat und weglegt. Natürlich fällt es nie auf, man weiß ja schließlich nicht, wie die Geschichte sonst geendet hätte.
Jedenfalls hatte sich Ralf Michels in der Zwischenzeit mit drei vollständigen Kartons Glasrein versorgt. Zusätzlich zum Glasrein hatte er sich noch ein Päckchen Zigaretten gekauft, schließlich stand er eine Zeitlang wartend an der Kasse und bekanntlich fällt man dort auf alles rein, was da so rumsteht. Ein unlukratives Geschäft, wie sich herausstellte, denn er hatte noch nie geraucht. Bei 13 Jahren Gefängnisaufenthalt nicht gerade imagefördernd. In diesem Sinne ging er mit seinem Glasrein-Vorrat auf einen Spielplatz um erst einmal ordentlich zu schaukeln, wobei er bei jedem Schwung << Huah!!!>>, rief.
Just in diesem Moment zündete sich Tim, der froh war, dass sein – seit er denken konnte – ihn verfolgender Spitzname, der aber seitdem er fluchtartig – aus Beförderungsgründen versteht sich – das Land verlassen hatte, in Vergessenheit geraten war, eine schlecht selbstgedrehte Zigarette an.
Der LESER hatte derweil von Gott eine Freikarte für den Bus nach Hause bekommen, was ihn dankbar stimmte. Dort hatte er feststellen müssen, dass sich die Geschichte in seiner Abwesenheit weitergeschrieben hatte. Er war ein wenig sauer, das Gefühl verflog aber recht rasch, als er über Tims Spitznamen nachdachte. Das Denken wurde brüsk beendet, als Tims nagelneues Klapphandy, welches neben Kamera und Zahnstocher auch 1a Rallyestreifen vorweisen konnte, klingelte.
In einer alten und störenden Chefangewohnheit ging ausnahmsweise José ran.
<>, sagte eine schrille Stimme am anderen Ende.
José war verwirrt. Immer an die LESER denken. Er war sich nicht sicher, welche Rolle er in der Geschichte überhaupt spielte. War er nur wieder eine Nebenfigur, die sich unvorhergesehener Weise in den Plot einmischte, wie damals bei Rotkäppchen? Für einen Protagonisten war er, was das Leben schon oft bewiesen hatte, definitiv nicht der Typ. Das führte dazu, dass er wiederum über die ANLAGE-UMWELT-Problematik nachdachte. Wenn er an seine Eltern dachte, wusste er nicht, was das geringere Übel war.
<< Halloooooooooo? Rosebud?>>
Stimmen rissen ihn aus seinem Gedankengang. Wer braucht schon Hauptdarsteller, dachte er. Jede eingeschworene Fangemeinde sympathisiert, und wenn auch aus Prinzip, mit den Randfiguren. Ja – eine Randfigur, das war er. Eine Erkenntnis, die ihm zu den entscheidenden sechs Worten seines Lebens verhalf: << Moment, ich reiche Sie gleich weiter >> Zufriedenheit breitete sich im Kopf von José aus.
Tim plauderte ein wenig mit seiner Tante, wobei er unter anderem die Worte „Q-Bombe“, „Schrott“, „Birkengrün“, „Aufhören“, „Hyperboloid“ und „Fang-den-Hut“ benutzte, während Tom euphorisch um ihn herumtanzte und „Rosebud“ rief. Mit seinen fledermausartigen Ohren hatte er den vergessenen Spitznamen von Tim gehört, den er nun fortwährend trällerte.
Jacques Le Caque war angekotzt. Es hatte den Eindruck, dass Gott die Welt nur erschaffen hatte, um ihn zu verarschen. Er bestellte seinen 23. Wacholder bei Ulrike, die in den 80´er Jahren mal gut im Hochsprung gewesen war.
<>, sagte sie gedehnt, während er auf den Boden kotzte. Er hatte bei seiner überstürzten Flucht vor Ludmilla sein Geld vergessen, was ihm im kurzen Abstand die zweite peinliche Szene des Tages einbrachte und dazu führte, dass er sich etwa 2,76 Stunden später mit heftigen Spülhänden an der Hintertür der Kneipe wiederfand.
Brian Brain stand immer noch an der gleichen Stelle, die er seit seiner Folterung nicht verlassen hatte. Er wurde das Gefühl nicht los, das sich die Welt seitdem weitergedreht hatte. Dabei war es doch sonst immer umgekehrt, eigentlich hatte die Welt doch stehenzubleiben, wenn jemand etwas traumatisches erlebte. Hatte er zumindest irgendwo mal gelesen.
Irritiert betrachte er die Szenerie, die sich vor ihm abspielte: José war, nachdem er das Handy mit der Zahnstocherfunktion an Tim weitergegeben hatte, erfüllt aus dem Raum geschwebt. Tim hingegen faselte, für einen Folterer in leitender Angestelltenfunktion auffallend ungewohnt seichte Floskeln. Und Tom, von dem man gar nicht erst sprechen will, benahm sich wie ein Urwaldbewohner. Brian Brain wurde dieses Bild zu unsinnig und so beschloss er zu gehen.
Der LESER wunderte sich, dass bis auf Ludmilla alle wesentlichen Charaktere in den letzten Zeilen berücksichtigt wurden – wenn auch gleich er der stockend vorangetriebenen Handlung nicht viel abgewinnen konnte. Das sah ihm doch sehr nach einem Ende der Geschichte aus. Aber wo war Ludmilla/Paul?
Der befand sich selbstverständlich auf dem Weg nach Cape Canaveral in der Gegend von Xanten, was eine Zeitlang übrigens Cape Kennedy hieß, nach dem allzu früh verstorbenen finnischen Travestiekünstler. Jedenfalls stellte sich Ludmilla/Paul die Frage, die sich schon so viele vor ihm gestellt hatten: <> Die Frage beantwortend griff er sich, 10.000 Meter über dem Meer, die letzten Reste seines Economy-Class-Plastik-Essens herunterwürgend, sein Teppichmesser und stand auf.
HD 08.01.2005 09:01:26
Le Pelletier starrte die in die Mikrowelle, wo er (etwas unscharf durch den Nebel der Hühnersuppe) erkennen konnte, daß sich Ludmilla (der besser, der verhasste Paul Regrette-Tout) mit einem Teppichmesser ins Cockpit begab.
«Er lebt», sagte er, kaum mehr als ein heiseres Röcheln.
«Er lebt», echote Brian, während seine Hand aufheizte. WIE lange hatte er nochmal geglaubt, daß Paul tot sei? Und nun das… er/sie lebendig, und als Ludmilla in Begriff, Jacques Le Cacque zu ermorden,a ls dessen Haushälterin getarnt. Exposition au-lait.
Oh, das wirre Spiel des Schicksals.
Ludmilla aka Paul verschwand im Cockpit und kam alsbald wieder heraus und hielt den LESER an der Gurgel. Der LESER war etwas verwirrt, so mirnixdirnix von der Metaebene in den Plot gezogen zu sein… ich meine, nix gegen interaktives Lesen, aber sich mit einem Teppichmesser an der Kehle wiederzufinden,während man eben noch in der Badewanne mit etwas Chablis ein Buch gelesen hat (ein, zugegeben, konfuses und etwas schlechtes Buch), das ist nicht nur ärgerlich, sondern vor allem angesichts der eigenen Nacktheit auch eeeetwas peinliches Ding.
Nackt wie ein Seehund stand er da, das Teppichmesser schon unangenehm tief im Fleisch, und durch die Mikrowelle sahen ihn Brian, Paul und Tim(my) und Tom(my) entsetzt an.
«Was machtn der Scheißleser da?» flüster Tom Tim ins Ohr.
«KLAPPE, ihr Nasennasen», jetzt bin ich am Drücker, kreischte Ludmilla. «Jetzt gelten meine Regeln, denn… »
Erst einige Minuten später fiel dem adrenalingeschockten LESER auf, daß Paul/Ludmilla mitten im Satz aufgehört hatte und auch seine Zuschauer in Cape Kennedy eher starr wirkten. Nach einiger Weile fgiel ihn ein, daß er wahrscheinlich der letzte einzelne Leser des Buches war… und da er in seiner Wanne nicht mehr saß und eben deshalb auch nicht mehr UMBLÄTTERN konnte… ging es hier drin nicht weiter. Was das Problem aufwarf, wie er selbst wieder nach Hause kommen sollte… damit die Geschichte weitergehen konnte.
Der LESER, übrigens eoigentlich ein Mädchen namens Janine Fimmel aus Karlsruhe an der Wupper, Enkelin der legendären FRAU FIMMEL, machte sich auf die Suche nach einem Ausweg… und erst als er aus dem Fenster blickt, stellte er fest, daß der Flieger abstürtzte, weil die Turbinen ja auch stillstanden. Unter ihm näherte sich Lettland mit besorgniserregender Geschwindkeit.
Janine ahnte, daß der Abend noch unangenehm verlaufen könnte.
Steffi (als Gast getarnt) 10.01.2005 11:01:32
Es war absolut still, denn auch das Beschreiben von Geräuschen hätte erfordert, dass umgeblättert und weitergelesen würde. Es war vertrackt. Andererseits. Andererseits, dachte der LESER, aka Janine, was nicht nur ihre beste Freundin als den zweitschlechtesten Mädchen und drittschlechtesten Frauennamen einstufte. Andererseits konnte so auch nicht der folgenschwere, schicksalsschwangere und überraschende, ja jähe Tod eines unbeteiligten, im übrigen nackten, nun, äh, Unbeteiligten, also ihr, geschildert werden.
Dementsprechend, sich in der Book-Book Welt, einem Ableger der Movie-Movie-Welt befindend, stoppte das Flugzeug mitten in der Luft.
Gott, die bisher einigermaßen amüsiert zugesehen hatte, war doch zunehmend gelangweilt. Dass sie irgendwo zwischen dem ersten und dem siebten Tag einmal die Schwerkraft erfunden hatte, war ihr mit den Jahren zusehenst sinnlos erschienen. So gönnte sie dieser eine kurze Pause und das besagte Flugzeug, bei näherem Hinsehen eine Maschine der Fluggesellschaft Qantas, verharrte, irgendwo über dem Pazifischen Ozean, in der Nähe von Massachusetts, in der Luft.
Genau im gleichen Moment starrte Le Pelletier immer noch gebannt in die Mikrowelle, in der die Hühnersuppe, die bereits 1,56 Minuten köchelte, in die Luft stieg. Es blieb ihm auch gar nichts anderes übrig. Die ganze Book-Book-Welt war still. Gott hatte neben der Schwerkraft auch eine zweite Sache gestoppt, die sie für weit überschätzt hielt, nämlich die Zeit. Er nutzte die Gelegenheit für einen ausgiebigen Bummel durch die Straßen von Hong-Kong, einer Stadt, die ihm von allen Vororten Rios doch immer am schönsten vorgekommen war. Vor allem der Blick über die Stadt auf die Alpen war phantastisch, bis auf die Ruine des Führerbunkers, natürlich.
Nachdem Gott sich doch eine ganze Zeit an seiner Schöpfung erfreut hatte, dachte er an die Sache mit den Menschen und so. Außerdem war ihm am Meer doch oft langweilig gewesen, wenn die Möwen nur einfach so über seinem Kopf standen und er sie selbst mit kleinen Kieseln, also ohne dieses Blitz-und-Donner-Brimborium treffen konnte. Gott beschloss sich in die Sache mit den Menschen, vor allem in die Sache mit diesen Bekloppten im Flugzeug wieder ein wenig einzumischen.
Für seinen Plan war zwingend erforderlich, dass
1. die Zeit und die Schwerkraft wieder liefen.
2. Er sich in Seehundform in einem Sitz der ersten Klasse materialisierte und sicherlich
3. dass die Hühnersuppe endlich explodierte und die gesamte Innenseite der Mikrowelle gleichmäßig mit einem fettigen ˆ vor allem aber undurchsichtigen ˆ Überzug ausgestattet wurde.
4. Die LESER ein cremefarbenes Hochzeitskleid verpasst bekam.
5. Alle Scheinriesen wieder normale Größe annahmen.
Gott ließ die Bedingungen 1 bis 4 exakt 123 Jahre, 2 Monate, 24 Tage, drei Stunden, zwölf Minuten und dreiundvierzig Sekunden nach dem Neutralisieren der Zeit eintreten.
In genau diesem Moment beschloss ein Seehund knappe 16 Meilen unterhalb des Flugzeugs aus dem Wasser aufzutauschen und schwamm im Delphin-Stil seine Bahnen.
Janine hingegen war verwirrt. Was allmählich in dieser Geschichte zu einem Trend wurde. Sie saß tausende Kilometer über dem Erdboden in einem Flugzeug und trug ein Brautkleid. Dabei wollte sie immer schon in hellrot heiraten. Und wen überhaupt? Und wer zieht sein Brautkleid im Flugzeug an, wenn man nicht im Flugzeug heiratet? Und wieso überhaupt Flugzeug? Sie wurde das Gefühl nicht los, sich in der Buchhandlung vergriffen zu haben.
Le Pelletier hingegen wünschte sich beim Anblick der Mikrowelle einen ansehnlichen Vorrat Glasrein zugelegt zu haben. Aber welcher normale Mensch hat das schon.
Janine fand einen kurzen Augenblick, es röche nach Fisch.
HD 11.01.2005 12:01:26
Trotz aller Zwischengeplenkel kam Kopenhagen in Sicht. Kopenhagen, dachte Janine, ein seltsamer Name für eine Frau, während das Flugzeug mit einiger Wucht aufs Wasser prallte und Janine durch den plötzlichen Schwerkraftwechsel an der Cockpitscheibe des Flugzeuges zermanascht wurde wie eine überreife Fischzwiebelmettwurst.
(Für das Rettungsteam, das einige Stunden später den Dreck wegmachen mußte, nachdem die Gerichtsmedizinier ihr Ding gemacht hatten, war das aber per se kein Problem. Die Jungs kamen stets einen ansehnlichen Vorrat Glasrein dabei… aber wer hat das nicht?)
Die Leiche von Ludmilla/Paul wurde nicht gefunden. Das Flugzeug wird heute von Kindern als Spielplatz benutzt.
Die Hühnersuppe fand Le Pelletier ungenießbar, nachdem er die Mikrowelle mit Ofenspray gereinigt hatte (um sie dann frustriert wegzuwerfen und durch eine brandneue Lidl-Mikrowelle für 29,90 € zu ersetzen). Nicht gerade zu seiner Laune trug dieser Flachheini bei, der draußen, einige Stockwerke tiefer auf der Kinderschaukel spielte und wie ein Irrer «Huah Huah Huah» rief, wann immer die Schaukel ihren größten Schwungmoment nach vorn erreicht hatte.
«Tim», schnauzte Le Pelletier den einen Nchtspanier an, «jetzt geh mal runter und stopf dem Schaukeltypen das Maul, ich kann so nicht denken…»
«Aber ohne schon, oder wie?», trotzte Tim.
«In Xanadu did Kublai Khan a Pleasuredome ERRECT», antwortete Le Pelletier, genau wissend, wie allergisch Tim auf Anspielungen auf seinen längst vergessenen Spitznamen reagierte. Seit jenem schicksalshaften Tag, als sein Vater zu lange ins Ozonloch gestarrt hatte… aber gut gut… nicht drüber nachdenken.
Tim schnappte sich Tom und ging runter auf den Spielzeug, wo eine kurze Figur schaukelte, neben sich einen Karton mit Glasrein, wenn man das nun vorher gewusst hätte.
«Hey, Typ, was soll der Shit?», verlangte Tim zu wissen.
«Ich will doch nur spielen, schaukeln, schlittenfahr…….»
Ralf wusste nie, welchen Fehler er begangen hat, als Tim sich ihm an die Gurgel warf und zudrückte, bis Ralf erst rot, dann blau, dann weiß wurde. Wie Amerikanisch. Wie britisch. Wie Belgisch. Wie International.
José, Tom und Paul Le Pelletier blickten etwas betreten auf das Schauspiel hinab, das sich unten auf dem Spielplatz ereignete.
In die neue Microwelle stopfte Paul ein Stück Delphinfilet. Der Seehund war alle.
Aus sicherer Entfernung betrachte Brian Brain die Szene ebenfalls.Wer baut auch einen Spielplatz auf Cape Kennedy, dachte er. Blödsinn. Blödsinn.
Zeit, nach JacKac zu suchen. Ein paar Sachen zuende bringen. Zeit fürs Denouement.
Steffi 12.01.2005 12:01:33
Wichtig bei den Dunkelmännern – und man wird sagen können, dass in diesen Zeilen vor allem Le Pelletier zu selbigen gezählt werden muss – ist die Tatsache, dass sie fast alle – das schließt übrigens auch Le Pelletier ein – eigentlich fast nur nett und nur nebensächlich böse sind. Zunächst kleine, später lawinenmäßig anschwellende Sorgen führen dann dazu, dass die Hellmänner zu Dunkelmännern mutieren.
Das war auch Le Pelletier passiert.
Anlass waren doch erhebliche Probleme mit seinem Schwiegersohn, Samuel T. Coleridge, den Le Pelletier für ein völlig verweichlichtes Muttersöhnchen hielt. Außerdem konnte der nicht wirklich ernst genommen werden, weil er eine Vielzahl völlig alberner Ticks hatte. Einer davon, der Le Pelletier jedes Mal zur Verzweifelungsweißglut brachte («WashatmeineTochtersichbloßfüreinen Waschlappenals MannausgesuchtaberdasistjaauchkeinWunderwennmanndie ErziehungseinerehemaligenSekretärinüberlässtwashabeicheigentlichfüreineSchlampegeheiratetMAMA») war, dass Coleridge immer anfing englisch zu reimen, wenn er wütend war – selbstverständlich sprach er eigentlich gar kein Englisch.
Das witzigste Mal, niemand der Anwesenden konnte es so richtig verstehen war, als Le Pelletier ihn bei einem gemütlichen Kaffeetrinken im Plauderton eröffnete, er wäre jetzt zur Erkenntnis gekommen, er, also Coleridge, sei doch mindestens Kommunist, wahrscheinlich aber doch Liberaler, was nicht weiter schlimm, aber eigentlich doch ein einleuchtender Grund sei, sich aus der Familie Le Pelletier wieder zu entfernen.
Daraufhin rief Coleridge, die Augen rollend, der Kopf rot wie ein rohes Schnitzel, die Fäuste geballt, die Ader am linken Fuß pochend:
«Where Alph, the sacred river, ran
Through caverns measureless to man
Down to a sexless sea.»
Wie gesagt, niemand kapierte es. Pandora, sehr hübsch, ganz die Mutterundsoweiter verstand sowieso nie etwas von dem, was die anderen immer so plauderten. Sie musste ihre Angewohnheiten also nicht ändern. Seit der Hochzeit – also schon drei Jahre und etwa zwei Monate – fragte sie sich vielmehr, warum ihr sehnlichster Wunsch, ein elektrischer Büchsenöffner, nicht erfüllt worden war. Sie würde die Hoffnung wohl doch endgültig aufgeben müssen. Im Übrigen hatte sie auch nicht verstanden, warum ihr Schwager unbedingt in den szythischen Einöden an einen Berg geschmiedet worden war, die Sache, dass er einem Passanten mit einem Fenchelstück Feuer für dessen Joint gegeben hatte, hielt sie für überbewertet.
Le Pelletier betrachtete argwöhnisch sein Essen. Der Delphin war zäh, fast ungenießbar… «Diese scheiß neuen Geräte!», schrie er wütend, die Mikrowelle meinend, und schob den Teller von sich fort. Der Delphin darauf schlingerte gefährlich. Tom, der sich nicht sicher war, ob er nun neben Le Pelletier in der Küche stand oder doch mit auf den Spielplatz gegangen war, wurde plötzlich ganz aufgeregt, durch die Hoffnung ein Stück von dem Delphin zu ergattern.
Zur gleichen Zeit begann Tim, der Ralf inzwischen bis zum Kopf im Sandkasten vergraben hatte, das Glasrein auszupacken und ihn damit einzusprühen. «So ein Idiot!» rief Le Pelletier, der das Spektakel nach einem Blick aus dem Fenster bemerkt hatte. «Was für eine Verschwendung!» Er rannte aus dem Zimmer, um da schlimmste zu verhindern.
Tom zögerte nur kurz, dann griff er sich das Delphinfilet und stopfte es, sicherheitshalber in einem Stück, in den Mund. Es war kalt. Enttäuscht vergaß er zu schlucken. Im Winter konnte es sehr kalt in Prag werden.
Während der Delphin in seinem Mund eine leicht tranige Konsistenz annahm, redete ein Papagei in einem Käfig neben der Küchenuhr, erst in Hindustanisch auf Tom ein, bis er, flammenwerferbedingt, ruckzuck knusprig war. Der Papagei, nicht Tom. Letzterer spie die Reste des Wasserlebenswesens auf den Perserteppich und futterte mirnichtsdirnichts den Vogel. Von draußen war dieses charakteristische iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, iü, zu hören, welches beim exzessiven Einsatz von Glasrein entsteht. Offenbar hatte sein Chef die Sache unten unter Kontrolle gebracht. Tom sah kauend aus dem Fenster und war eine Sekunde irritiert, dass – neben den anderen – auch er dort unten stand.
Dann entspannte er sich wieder und klatschte sich die flache Hand mit voller Wucht vor die Stirn wie ein völlig Bekloppter, als ihm wieder einfiel, dass es aufgrund einer seltenen genetischen Fehlbildung, die vor allem in seiner von Inzucht geplagten altadeligen Familie vorkam, bei sich und allen Verwandten immer wieder zu Spontankomplettteilungen kam. Familienmitglieder schliefen abends allein im Bett ein und wachten morgens zu zweit, manchmal auch zu viert, wieder auf. Selten passierte es auch am Tage. Ihn kotzte es jedes Mal an – unter anderem stiegen so die Kosten für Flugtickets und Bahnfahrkarten während der jeweiligen Fahrt oder des Fluges weitgehend unkontrollierbar. Außerdem gab es immer Streit wegen des Reisepasses, der Kinderfotos und des Freischwimmerausweises.
Jacques, der sich inzwischen in der Fußgängerzone von Ystad befand, nachdem er Seaworld einen kurzen Besuch abgestattet hatte, fühlte sich doch recht vernachlässigt. Keiner schien sich mehr für ihn zu interessieren. Um wieder in die Handlung zu kommen betrat er einen Gemischtwarenladen und kaufte sich eine Wundertüte. «Sie haben aber heftige Spülhände» rief Tilly, die Verkäuferin in der dortigen Trinkhalle und tunkte die Hände von Jacques in ein Regal mit Geschirrspülmittel.
ENDE
31. August 2006 21:58 Uhr. Kategorie Stuff. Eine Antwort.
ich bin ja schon soooo gespannt auf die Fortsetzung…