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The Amazing Spider-Man

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Ich gebe es zu: Das Finale dieses Films habe ich schlichtweg verschlafen. Und samit ist vielleicht schon alles wichtige gesagt.

Das Unwichtige in Stichworten:

Aus Peter Parker dem Goonies-Überbleibsel ist Peter Parker das Twilight-Überbleibsel geworden. Das ist ein Reboot?

Ist es wirklich 3D, wenn man die 3D-Brille abnimmt und der Film klarer, heller und schärfer wird, aber gar nicht flacher?

Werden wir jemals einen Superheldenfilm sehen, der nicht unfreiwillig an Richard Lester erinnert?

Mechanische Webshooter For The Win! Völlig unglaubwürdig, trotzdem schöner so.

Kein Film darf so absurd unglaubwürdig viele Zufälle haben wie dieser. Suspension of Disbelief darf für die Zuschauer keine Akkordarbeit sein und man kann nicht alles handwaven (http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/HandWave). Peter kommt zufällig in ein Labor, das zufällig in dem Unternehmen seines zukünftigen Erzfeindes ist (was jeder Zuschauer der alten Serie bereits weiß), in dem zufällig eine Mitschülerin arbeitet, die zufällig seine große Liebe ist, wo er zufällig seine Kräfte kriegt, kurz bevor zufällig sein Onkel in die Pistole des Gangsters läuft, der zufällig

Kein Spider-Wrestling? Boo. Hiss. Boo. Soviel Skurrilität sollte sein. Die kurze Mediakarriere von Peter Parker ist nicht nur heute aktueller als in den Sechzigern, sie ist auch ein entscheidender Bestandteil der Charaktermotivation. Lee beantwortet hier die Frage, was »everyday man« tun würde, wenn er Superkräfte gewinnt. Und die Antwort ist: Ruhm und Geld suchen.

Sally Field als Tante May? Für mich wird Field für immer die Irre aus E.R. sein, sorry.

Martin Sheen als Onkel Ben. Überraschend gut, aber Sheen kann alles spielen, in seiner Generation der Darsteller, der viel berühmter hätte werden müssen. Sheens Ben Parker ist eine glaubhafte Figur, ein Mann in den Schattenjahren seines Lebens, von der Rezension gebeutelt, der trotzdem versucht einer Art vagen inneren Code zu folgen. Sheen gelingt Uncle Ben größtenteils als schnelle Handskizze des amerikanischen Mittelschicht-Verlierers.

Emma Stone. Nähert sich konsequent dem relativen Karrierehoch und überzeugt noch in den schlechtesten Filmen. Ironisch, dassSony erst die blonde Kirsten Dunst als rothaarige MJ besetzt und hier nun einen (gefärbten) Rotschopf zu Gwen Stacy blondiert. Stone macht das beste aus der etwas priemeligen Figur, trotz des sehr an John Romitas original Swinging-60s-Outfit (ein Look der verblüffend modern zum Schuluniform-Tick japanischer Mangas passt und für das angebliche Alter der Figur übrigens deutlich zu sexy ist). Im Kern wäre sie mit ihrem quecksilbrigen Temperament eher die perfekte MJ, macht aber auch aus Gwen mehr als die rehäugige Bewunderin. Wunderbare körpersprachliche Details, ironische Distanz zum Rest des sie umgebenden Films und eine phantastische selbstbewusste Leichtigkeit vor der Kamera machen Stone zum besten Trickeffekt des Films.

Apropos alt: Hollywood, hör auf, uns Twens als Teens zu verkaufen , es nimmt hier eine komplette narrative Ebene aus dem Film. Parker, der hier 16 sein soll, ist visuell ein Erwachsener – mit einem echten Jugendlichen aber wäre die Entwicklung viel glaubhafter gewesen. Es ist verwirrend, wenn Uni-Absolventen in einer Abiturklasse sitzen, sie wirken unfreiwillig sitzengeblieben.

Die Trickeffekte sind etwas besser als bei Raimi, aber nicht eine Dekade besser und die Story ist nahezu atemberaubend flach gegenüber Spider-Man II, fast nicht vorhanden. Was bei den Avengers vertretbar ist, funktioniert aber für diese Figur nicht, Spider-Man lebt von der Charakterisierung, der Superkräfte-Aspekt ist nebensächlicher.

Es hätte dem Reboot gut getan, sich enger an Brian Bendis »Ultimate Spider-Man« zu halten, der die perfekte Vorlage für Filme (oder eher eine TV-Serie) abgibt, zeitgemäß aufgefrischt, solide Dialoge, glaubhafte Figuren. Ansätze davon sind da – Peters Spaß daran, die eigenen Kräfte zu entdecken, die Betonung des Schulumfeldes -, aber die Chance, eine echte Teenie-Serie zu begründen, ist vertan.

Alles an diesem Film ist so vorhersehbar wie eine Episode von »Alf«. Man kann jetzt schon fast vorhersagen, wie sich begonnene und dann schnell vergessene Geschichte mit Peter Parkers Eltern (eigentlich das einzig neue an diesem Film) in den nächsten Teilen weiterentwickeln wird – es ist nicht wirklich gut, wenn sich Handlungsstränge zukünftiger Filme so offensichtlich vorweg erahnen lassen, weil sie einfach nur klischeehaft sind.

Andrew Garfield ist zu cool, um Peter Parker zu sein. Spidey ist der nervös-quirlige Scherzkeks, der seine Angst in Witze ummünzt. Peter ist nicht eine Clark-Kent-Priemel, aber er ist auch kein cooler Nerd. Man merkt hier, dass die Rolle von Geeks sich medial seit den 60s geändert hat und der Film damit nicht klar kommt. Dieser PP ist ein Zuckerberg-Typ, ein Genie auf Warteschleife, kein Underdog. Da hilft es auch nichts, wenn er von Flash so brutal verprügelt wird wie wir es im Comic niemals gesehen haben und hätten, weil Flash ein Jock ist, aber kein Gewalttäter.

Im Kostüm, auf der anderen Seite, sieht Garfield perfekt aus (wenn er wirklich drinsteckt). Athletisch, schlank, tänzerisch – selten sah Spider-Man so gut aus wie in dieser Verfilmung. Ich bin immer noch kein Fan des texturierten Kostüms und der spiegelnden Gläser, aber diese scheinen seit der 70er-TV-Serie fest dazu zu gehören. Aber körpersprachlich und in vielen Designdetails ist dieser Spider-Man einfach klasse geworden.

The Lizard trägt als Gegenspieler hingegen inhaltlich und visuell einfach keinen Film, sondern sieht aus wie Shrek auf Großstadturlaub oder der Hulk auf Ritalinkur. Ein grundlegendes Problem bei Spider-Man: Es gibt keine filmreifen Gegner wie bei Batman. Der Zoo, den Lee, Dito und Romita um «die Spinne» herum aufgezogen haben – Kangaroo, Rhino, Gibbon, Vulture usw. – wird im Kino nicht überzeugen. Aber man hätte sicher aus »Kraven’s Last Hunt« einen guten Film machen können oder auf Kingpin oder die Street-Crime-Aspekte im Spider-Man-Mythos zurückgreifen. Wo steht geschrieben, das ein Heldenfilm immer einen CGI-Superschurken braucht?

Die Szene mit Parker, der mit dem Smartphone spielend in seinem Netz wartet und auf ein »Signal« aus seinem gespannten Netz wartet, ist grandios.

Auf der anderen Seite ist Spidey einfach etwas zu erfahren für einen »neuen« Helden. Entweder lässt man die allbekannte Ursprungsstory weg und startet in medias res oder der Held muss seine Kräfte langsam kennenlernen dürfen. Von Zero to Hero in 20 Filmminuten vertut Chancen.

Am Ende bleibt die seltsame Leere eines unbegründeten Reboots. Es ist dem Film anzumerken, dass er mehr aus lizenzrechtlichen Gründen und aus einem Finanzstreit mit Sam Raimi entstanden ist. Marc Webb hat der Ursprungsgeschichte von Spider-Man nichts wirklich Neues abgewinnen können, selbst ästhetisch (und das hätte man von einem Musikvideo-Veteranen erhoffen mögen) ist hier nichts von der Entschlossenheit zu spüren, mit der etwa Christopher Nolan die vorher trutschige Batman-Optik entstaubt hat. »Amazing Spider-Man« hat einen Hauch mehr Grit als die vorherige Trilogie, aber die meisten Sets fühlen sich dennoch an wie Überbleibsel alter X-Files-Episoden. Es gibt keine narrativen Innovationen, nicht mal die Trickeffekte sind so umwerfend besser als bisher. Raimis ersten Teil einfach noch einmal in 3D zu sehen, hätte im Grunde ebenso (un)spannend sein können.

Dennoch spielt der Film wahrscheinlich ein Rekordergebnis ein – ein Beweis für die globale Anziehungskraft des Spider-Man-Mythos. Aber es bleibt enttäuschend, dass es so schwer zu sein scheint, Trickeffekt-Kino und gutes Storytelling zusammen zu kriegen. Vor allem in einem Film, bei dem der Held und sein buntes Kostüm ausnahmsweise nicht das Problem darstellen, sondern ausgezeichnet gehandhabt wurden, und in einem Reboot, der erfolgreich etwas von der Schwere der Raimi-Fassung abzulegen versucht hat. Das Problem ist hier nicht nicht die deplacierte grellbunte Comicfigur in der Filmrealität, sondern ein eher liebloses Drehbuch in einem Film ohne echte Ambitionen.

6. Juli 2012 21:27 Uhr. Kategorie Film. Tag .
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