
Making Money ist der zweite Roman um die Discworld-Figur Moist von Lipwig, der in Going Postal vom zum Tode verurteilten Trickbetrüger zum Kopf der Post von Ankh Morpork aufstieg. Inzwischen von der doch recht gut laufenden Behörde gelangweilt, lehnt er dennoch das Angebot des Patriziers Lord Vetinari der Stadt ab, sich um die hoffnungslos verlotterte Royal Bank zu kümmern. Nur schade, dass ihm die seltsam plötzlich verstorbene Vorsitzende 49% posthum der Bank überlässt – die anderen 51% gehen an ihren Schoßhund, um dessen Leib und Wohl sich Moist zu kümmern hat, nicht zuletzt weil die Verstorbene die Assassins Guild beauftragt hat, ihn umzubringen, wenn dem Hund etwas zustoßen sollte. Die Familie der Verstorbenen, die mit Moists seltsamen Ideen – wie etwa der Erfindung von papiergeld – nun wirklich nicht einverstanden sein kann, hat ihn und den Hund auf dem Visier und schreckt vornichts zurück, um die Macht über die Bank zurückzuerobern. Im Keller der Bank bordelt eine seltsame Maschine, die die Finanzen der Stadt abbildet – oder kontrolliert sie sie vielleicht magisch? Als ob dieses Chaos noch nicht reichen würde, hat Moists Verlobte – Adora Belle Dearheart – die verschollenen Golems der Stadt Um entdeckt, die geschlossen in der Stadt aufmarschieren – unbezwingbare Humanoide aus purem Gold. Mit Langeweile ist es in Moists Leben (oder dem kurzen Rest davon) also vorerst wirklich vorbei.
Routiniert produziert Terry Pratchett einen weiteren Roman seiner Discworld-Serie, die er wie ein Uhrwerk Jahr um Jahr ohne allzu sichtbare Ermüdungserscheinungen fortsetzt. Das nach der wahren Flut an Discworld-Büchern eine gewisse Selbstähnlichkeit auftritt, ist völlig normal… und so erinnert Making Money nicht nur vom namen her an Going Postal, der Plot ist weitestgehend identisch. Was nicht schadet, wie Going Postal ist Making Money ein eher kurzes, schnell wegzulesendes Buch, mit einer interessante Hauptfigur und einer Handlung, die nun wirklich nicht über die Komplexität von Shrek hinausreicht. Pratchett macht einige witzige Anmerkungen über die generelle Absurdität von Geld, aber vielleicht kann man dem Thema nicht allzuviel neue Absurditäten abgewinnen, und Papiergeld ist nun inhaltlich nicht wirklich so weit weg von Briefmarken. Dass Moist in einem nächsten Band anscheinend dann die Steuerbehörde von Ankh Morpork übernimmt, scheint nur folgerichtig. Pratchett ordnet seinen Figuren immer auch Funktionalität zu – ob Pratchett Fantasy, Shakespeare, Hollywood oder wie in diesem Falle eben generelle gesellschaftliche Trends aufs Korn nehmen will, oder ihm nach etwas Krimi ist… er hat immer die passenden Figuren zru Hand, oder erfindet von zeit zu Zeit neue Charaktere, die seine Bühne bereichern. In den letzten Jahren ist Pratchett – dankbarerweise – weg von der reinen Fantasy-Schiene und nutzt das Setting seiner Discworld, um sich den feineren Abstrusitäten der Zivilisation zu widmen. Making Money ist hier keine Ausnahme, und obwohl der Roman sich streckenweise etwas auf Autopilot geschrieben anfühlt und einzelne Elemente nicht immer sauber zusammenkommen, ist natürlich selbst ein nicht-so-guter Pratchett immer noch lesenswert. Die Bücher der Reihe unterscheiden sich nur in Nuancen und ähneln sich in ihrer Swiftesquen Tonalität doch sehr, an Money stört vielleicht ein wenig der konstruiert wirkende Versuch, alle nur denkbaren Zielgruppen mit filigranen Wortspielen hier und andererseits derbem Slapstick dort abgedeckt zu haben. Manches davon ist gelungen, manches nicht. Unterm Strich sind Pratchetts Bücher aber immer die Sorte Sorglos-Literatur, wo man weiß, dass den Protagonisten ohnehin nichts schlimmes passieren kann und ein Happy End in Sicht ist. In warme Ironie getaucht, sind seine Bücher eine regelmäßige Stippvisite bei Charakteren, die sich kaum verändern, aber doch manchmal weiterentwickeln. Insofern ist die Discworld an sich eine Art Serienkonzept, wie man es auch von Filmen oder Fernsehserien kennt. Nicht jede Simpsons-Folge ist brillant, aber das macht die Serie nicht weniger gelungen. Making Money ist nicht die beste «Folge», aber trotzdem eine gelungene Fortschreibung der Abenteuer von Moist von Lipwig und solide Unterhaltung, die man kaum aus den Händen legen mag.
7. Dezember 2007 17:18 Uhr. Kategorie Buch. Eine Antwort.
Und wir sollten Terry Pratchett genießen, solange wir noch können: Am 11. Dezember hat Pratchett auf Paul Kidbys Homepage offiziell gemacht, dass er an einer seltenen im frühen Alter greifenden Version von Alzheimer leidet .
http://www.paulkidby.com/news/index.html
Damn…