
Die kanadischen Zwillinge traumwandeln seit Jahren zwischen Pop und Alternative, so auch auf dem sechsten Longplayer, dem man durch die erneute Unterstützung von Howard Redekopp und Chris Walla (von Death Cab for Cutie) eine beschwingtere, mainstreamtauglichere Note gegeben hat. Mit Hell und Alligator sind sogar zwei hochgradig radiotaugliche Auskopplungen, wobei insbesondere Hell die etwas kraftvollere Grundrichtung des Albums unterstreicht, das einen straighten Band-Charakter aufweist, über dessen strammes Bass-Schlagzeug-Gerüst, poppigen Gitarren und gelegentlichen Analogsynthesizer-Sounds die Quinn-Schwestern ihren gewohnten energetisch-nasalen Gesang legen. Die Zeiten des ätherisch-fragilen sind bei Tegan and Sara schon seit längerem vorbei, aber das flott-sportive Sainthood lässt endgültig wenig Zweifel daran, dass das Duo die großen Hallen füllen will und kann. Dabei ist das Album insgesamt rockiger, heavier geworden, klingt mehr nach einer guten 90ies Girlie-Alternativeband – ein Sound, der durch andere Bands ähnlicher Bauart inzwischen ja auch durchaus mehr als Mainstream-kompatibel geworden ist. Dabei gelingt den Schwestern der Kunstgriff, gleichzeitig lupenreinen Gitarrenpop zu produzieren und diesen simultan zu dekonstruieren, und in seine Einzelteile zerlegt gegen sich zu wenden. Über den Tracks schwebt bei aller Tanzbarkeit immer eine an Roxy Music erinnernde gewollte Lässigkeit, eine betonte, fast schwüle Kälte, die gemeinsam mit den intensiven Texten weit über das normale Frauenpop-Ding hinausreicht. Der seltsame Gesamteffekt ist, dass Tegan and Sara einerseits zugänglicher, sogar tanzbarer geworden sind und gleichzeitig andererseits sperriger, dorniger, strenger, härter, künstlerischer, reifer, mutiger. Sainthood vereint alles, was man vor allen an den beiden letzten Alben der Quinns gut finden durfte und konzentriert es zu einem Album ohne Durchhänger, ohne Fett, das auch in zehn Jahren noch exzellent hörbar sein dürfte. Und mich würde nicht wundern, wenn nach dieser Energieexplosion das nächste Lebenszeichen der beiden eine ganz andere Orientierung haben dürfte…
23. März 2010 16:22 Uhr. Kategorie Musik. Tag Alternative, Pop. Eine Antwort.
So viele Adjektive wären mir im Leben nicht eingefallen, um Sainthood zu beschreiben! :D
Ich muss zugeben, dass ich die beiden ein Stück mehr mochte, als ihre Stücke noch gitarrenlastiger und nicht ganz so mainstramig waren. Aber auch Sainthood mag ich, keine Frage. Nur für mich persönlich wird eine Steigerung von So Jealous wohl nicht absehbar sein. (;