HD Schellnack /// Kontakt Twitter iPhoto pointandshoot Typographie Alternative Pop Licht nodesign Aktionen Zitat Natur Photographie Denken Fail ScienceFiction Apple Studium Belletristik Comics Dayshot Vernacular Scratchbook Werbung Fragen Winter Software Medien Fun Retro Gesellschaft Farbe Print Electronic Magazine iOS Zukunft Web Drama Frühling Jazz Sommer Kitsch Kunst Sachbuch Hardware Fantasy Klassik Herbst Thriller Emma

Track your life

hd schellnack

Einer der spannendsten Aspekte an der Äther-Revolution ist die von (ich glaube) Bruce Sterling vor langer Zeit vorausgesagte Ära der miteinander «plaudernden» Geräte. Der Parasitenmarkt rund um (derzeit vor allem) Apple und Android, die via WLAN, Bluetooth oder noch ganz altbacken per Kabel mit dem zentralen Gerät verbunden sind und Daten austauschen, wächst rapide. Dieser Trend unterstreicht, wie sehr sich Smartdevices als die von Apple vor fast zwei Dekaden mit dem Newton noch als peinlicher praecox angekündigter «personal assistant» etablieren. Unsere Musik, unsere Photos, unsere Lieblingslokale, unser Tagebuch, unsere Kommunikation mit Freunden – auf mitunter erschreckende Art und Weise zeichnen wir unser gesamtes Leben mit einem Verbund von kleinen technischen Geräten ab. Wir sind dabei naiv genug, uns nicht all zu sehr zu fragen, was all die Firmen machen, die unsere Daten freundlicherweise in der Datenwolke für uns aufbewahren und wie sicher die ganze Sache ist – obwohl genau diese Frage in Zukunft wahrscheinlich so wichtig sein wird wie in den 80ern die friedliche und militärische Nutzung von Nuklearmaterial. Es ist heute nicht mehr ganz unsinnig, dass wir in ein oder zwei Generationen nach dem Tod einen «Cutter» brauchen, wie in Omar Naims Film »The Final Cut« von 2004, bei dem zur Trauerfeier als Rememory eine vom Cutter gezielt editierte Fassung des von einem eingepflanzten Mikrochips aufgezeichneten Lebens des Verstorbenen gezeigt wird. Und machen wir uns nichts vor – von hässlichen Google Glasses zu einem Implantat ist wahrscheinlich nur noch ein kleiner Schritt, den vielleicht zuerst diejenigen tun werden, für die das Body-Morphing heute schon durch Piercing oder Tattoos zur Alltagskultur gehört.

Ein kleiner, aber signifikanter Trend hierbei ist das Body-Monitoring. Nach elektrischen Waagen, Blutdruck- oder Blutzuckermessgeräten und Apps, die den Schlaf «messen» sollen, kommt jetzt eine erste, noch eher belustigende erste Welle von Fitness-Trackern. Neben dem bereits wieder aufgrund baulicher Mängel eingestellten »Up« von Jawbone und dem im August erscheinenden, aber in der US-Kritik bereits sehr schlecht angekommenen »Fuelband« von Nike überzeugt hier vor allem das »Fitbit Ultra«.

Das etwa USB-große Gerät wird an Gürtel oder Hosenbund befestigt und fällt damit deutlich weniger auf als bisherige Armband-Lösungen. Der Sensor funktioniert im Grunde wie die damit scheinbar wieder en vogue seienden Pedometer aus den 80ern, er misst einfach die Schrittzahl und die relative Höhe, so dass auch (sehr vage) erklommene Stockwerke angegeben werden. Mit dem dünnen Klettband kann der Clip auch nachts am passiveren Arm getragen werden und trackt dann Bewegungen im Schlaf und tut dies zumindest verlässlicher als vergleichbare Apps, die mit dem iPhone-eigeneren, weniger empfindlichen Sensor arbeiten. Via USB an den Rechner angeschlossen ist die Basisstation des Sticks, die nicht nur zum Laden des mehrere Tage ohne Laden funktionierenden Akkus dient, sondern auch wireless alle 15 Minuten Daten über das im Fitness-Geräte Bereich oft übliche ANT empfängt, sobald der Stick sich einige Meter in Nähe der Station befindet. Die Daten werden auf einer an nike+ erinnernden Site und auf einer enorm unbefriedigenden App dargestellt, außerdem kann sie – wie bei Withings und anderen Anbietern – von manchen Apps von der Site importiert werden. Aber auch direkt am Gerät wird die Aktivität angezeigt – der Stick zeigt mit einem dezenten OLED nicht nur aktuelle Uhrzeit, sondern auch Schritte, zurückgelegte Kilometer, verbrannte Kalorien, Stockwerke und eine Art motivierende »Blume«, die je nach aktueller Aktivität mal kürzer und mal höher wächst. Was er seltsamerweise nicht zeigt, ist der Akkustand. Das Gerät meldet sich zwar, wenn der Akku bedrohlich leer ist, aber dennoch erscheint diese Info sollte eigentlich zumindest so wichtig sein wie eine diffuse Fitness-Blume (die man in den Optionen übrigens deaktivieren kann). Das samtmatte Finish des Gerätes ist angenehm und die Außenhülle wirkt robust genug für sportliche Aktivitäten. Etwas besorgniserregend ist, dass ausgerechnet ein als Clip angelegtes Gerät die Naht exakt in der Mitte hat, die man ja permanent aufbiegt – das sieht etwas nach Sollbruchstelle aus.

Was sich mit dem Fitbit Ultra und vor allem bei Nike mit dem fuelband abzeichnet, ist die Transformation von Sport in den digitalen Lifestyle. Bereits diese oft noch prototypenhaft naiven Geräte sind schon so ausgelegt, dass man über soziale Netzwerke seine Leistungen austauschen und vergleichen kann – das Leben als permanenter Wettbewerb. Diese »Gamification of Life« ist ein sich seit etwa zwei Jahren sehr stark abzeichnender Trend, bei dem foursquare es beispielsweise geschafft hat, das Menschen sogar schon beim Betreten des Supermarkt meinen, diesen »besitzen« zu müssen, um dort nach Möglichkeit Bürgermeister zu werden. Was noch etwas in den Kinderschuhen steckt, hat weitreichende Folgen: Die mit digitalen Spielen groß gewordene Generation ist bereit, das gesamte Leben als Spiel-Metapher zu begreifen, sofern eine begleitende Software ihr das nahelegt. Restaurantsuche, Jogging, Schlaf – alles Elemente eines Spiels namens Leben. Die aufkommende Welle von »augmented reality»-Apps und die zunehmende Verletzbarkeit solcher Datenströme dürfte diesem Trend weiteren Aufschub geben, zumal wir sicher sein dürften, dass die Industrie sich darauf stürzen wird. Ich wundere mich heute schon, warum Supermarktketten nicht Gowalla und foursquare aktiv für Kundenbindungsaktionen nutzen, warum Arbeitgeber nicht Apps gezielt für die Mitarbeiter entwickeln, um Unternehmensziele spielerisch und im Wettbewerb der Angestellten untereinander zu erreichen – der Angestellte des Monats kriegt so eine ganz andere Dimension. Oder warum Krankenkassen fitbit und fuelband nicht an ihre Mitglieder verteilen, um diese dann online «tranken» zu können. Oder warum der Hersteller eines Smartdrinks nicht eine Social App entwickelt, in der man Gewinner ist, wenn man möglichst viel konsumiert und man Videos hochladen kann, wie man Produkt X isst oder trinkt. Man muss nicht allzu zynisch veranlagt sein, um zu sehen, dass in der schönen neuen Welt der Smartphones Entwicklungen auf uns warten, die aus heutiger Sicht vielleicht noch so bizarr klingen wie vor vielleicht 10 Jahren die Vorstellung, dass ein Talkshowgast permanent auf seinem Handy herumtippt.

Es ist aber so, dass die Idee des »Wettbewerbs« aus der neoliberalen Ökonomie Einzug in den Alltag gefunden hat. Hochgezüchtete Sport-Events und Casting-Shows haben die Idee, dass es nur einen Sieger und viele Verlierer gibt, in den Alltag transportiert, selbst Grundschülerinnen haben heute schon die Mentalität hinter «Germany’s Next Topmodel» inhaliert und sind auf lebenslangen Wettbewerb um die knappe Ressource Aufmerksamkeit programmiert. In den Schulen wird ohnehin bereits die Performance, die (Selbst-)Präsentation zunehmend wichtiger, auch weil diese Fähigkeit im Berufsleben immer entscheidender wird, die Kunst des Eigenmarketings. Als Teenager hast du das heute schon früh verstanden, wenn Wohl und Wehe nicht mehr von der Schuhmarke abhängt wie früher, sondern von der Anzahl deiner Follower bei Facebook oder Twitter oder dein Klout-Index. Die Idee von Big Brother, dass ein maximaler öffentlicher Striptease zu einer Art von Proto-Prominenz führen kann, ist heute im Feuilleton angekommen und hat etwa Charlotte Roche zur Bestseller-Autorin gemacht. In diese Wirklichkeit passt es seltsam hinein, dass jeder Aspekt des Lebens dokumentiert und geteilt wird, als Teilnahme an einer Art digitaler Teilhabe an einer zweiten Wirklichkeit, die das Leben als Statistik aus Bildern, Tönen, Werten gefiltert aufbereitet. Wie oft warst du ausgehen? Wie viele Bücher, Filme, Platten hast du konsumiert? Bist du ein Sesselhocker oder aktiv? Ernährst du dich gesund oder eher nicht?

Dahinter steckt zweierlei – zum einen eine fast dystopisch anmutende Idee einer Wirklichkeit, in der nicht mehr der Big Brother uns aushorcht, sondern wir mit größter Freiwilligkeit die letzten Details unseres Lebens veröffentlichen und damit der Industrie zur Profilierung abtreten, eine Realität von Selbstdarstellern, die (wie ich) vielleicht (wahrscheinlich) irrigerweise annehmen, jeder ihrer Gedanken und Handlungen sei es nun unbedingt wert, geteilt zu werden. Wir sind ohne Zweifel nicht auf dem Weg in diese Wirklichkeit, sondern längst dort angekommen und das binnen nur einer Dekade. Auf der anderen Seite entstehen hier Schnittstellen zwischen analoger Wirklichkeit und digitaler Welt, die eine Entgrenzung bedingen. Der Computer wird durch diese Entwicklung ein fast biologischer Teil unseres Seins und unserer Wahrnehmung von Wirklichkeit, so nahtlos und schnell, dass die Osmose in unseren psychosozialen Alltag fast unwahrnehmbar ist. Auch wenn in der Diskussion die Beschleunigung des Lebens durch Smartphones und Social Media kontrovers diskutiert wird, in Wirklichkeit greifen sowohl Schwarzmaler als auch Technophile zu kurz.

Und genau deshalb sind kleine unscheinbar-freundlich-bunte Blobjects wie der fitbit-Stick so phantastisch. In ihnen schleicht sich eine Revolution mit aufreizendem Augenaufschlag und wunderbarer Selbstverständlichkeit in unser Dasein. Mit der WLAN-Waage, dem iPhone-Blutdruckmessgerät, der Video-Cam in der Brille zeichnen wir unser gesamtes Leben lückenlos auf und die Datenmenge wird schon bald jeder bessere Cloudserver auch wirklich hosten können. Photo und Video werden nicht mehr dem Festhalten des vermeintlich Besonderen dienen, sondern dokumentarischen Charakter haben. Wir alle werden Dokumentarfilme, Regisseure, Darsteller in der Soap des eigenen Lebens. Wir alle, auch das, inszenieren uns, stellen uns zur Schau. Dazu passt vielleicht, dass immer mehr Menschen gleichzeitig zunehmend leiden an der Differenz zwischen dem, was man nach außen präsentieren zu müssen meint und dem, was innerlich gefühlt wird. Die Frage ist also, ob die technologische Form von Gedankenübertragung in Echtzeit, die uns digitale Medien erlauben, zu einer verlogeneren Gesellschaft führt, in der jeder meint, eine Fiktion leben zu müssen, also einer Form von Gegeneinander, in der jeder jeden im Wettbewerb toppen muss… oder sie zu einer wirklich transparenteren, offeneren Diskurschance führt, einem Miteinander. Anders gefragt: Benutzt man den fitbit, um mit gegangenen Kilometern anzugeben oder will man nur die Wirklichkeit messen und teilen?

Kleines Update 08/12: Nach knapp zwei Monaten ist das Display des Fitbit Ultra defekt, erst zur Hälfte, dann komplett dunkel. Momente, in denen man froh ist, bei Amazon gekauft und unkompliziert gegen ein Neugerät umtauschen zu können. Ansonsten übrigens bisher eine sehr angenehme Erfahrung, den fitbit zu benutzen. Auch wenn er nicht wirklich supergenau ist, ist es nicht uninteressant zu sehen, wie sich Aktivitäten am Tag verteilen usw.

27. Juni 2012 09:49 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , , , , . Keine Antwort.

Zukunft, echt

hd schellnack

Aus dem stets wunderbaren Blog von Christoph Schmidtke und Anja Schöler (a.k.a. Die Zweibeiner), in dem es von echten und wunderbar schlecht gefälschten Fundstücken, Ideen und schönen Texten nur so wimmelt. Hin, hin…

27. November 2011 22:34 Uhr. Kategorie Online. Tag , , . Keine Antwort.

Bear + Potato = Beartato

hd schellnack

Keine Frage, was so wie oben 2005 anfängt und so wie unten 2011 endet, muss eine gute Reise sein: Das Nedroid Bilder-Tagebuch von Anthony Clarke ist, wie so viele Webcomic-Projekte, mehr als einen Besuch wert und gehört fest in den RSS-Feed.

hd schellnack

16. November 2011 15:49 Uhr. Kategorie Online. Tag , , . Keine Antwort.

Muse

hd schellnack

Wer hätte gedacht, dass Adobe noch einmal für Aufregung sorgen würde? Anstatt sich stillschweigend in den Niedergang von Flash zu fügen, setzt Adobe mit der Beta von Muse auf eine Art Nachfolgemodell zu Flash und Dreamweaver und präsentiert in der 0.8er Beta-Version eine Art Indesign fürs Internet. Was man sicher als richtigen Schritt in die falsche Richtung bezeichnen kann – es sollte inzwischen klar sein, dass der Weg zu einer echten WYSIWYG-Webentwicklungssoftware lang bis eventuell unmöglich ist, und der Weg für Menschen, die schnell und preiswert eine Homepage haben wollen wahrscheinlich eher über modifizierbare Von-der-Stange-Themes à la WordPress oder Squarespace führen dürfte. Tatsächlich sehen ja auch immer mehr von Agenturen gelieferte Sites heute nicht so viel anders aus als die Standards von CMS-Theme-Anbietern, hier ein Nivo-Slider, dort ein Caroussel, hier etwas FluidGrid – selbst gut gemachte Sites bauen heute auf Jquery-Standardelementen auf und folgen oft, bewusst oder unbewusst, einer Blog-artigen Logik. Und in diesem Kontext ist das komplette Design einer Website mit einer Desktop-Software fast aufwendiger als das Zusammensetzen und Individualisieren bestehender Bausteine – es scheint also hier nicht darum gehen zu können, dafür ist die Software auch zu komplex, für den Tante-Emma-Laden eine Low-Budget-Weblösung anzubieten. Für professionelle Developer aber dürfte Muse auch nichts sein, die coden zu Recht von Hand und werden wohl kaum eine Lösung akzeptieren, die zwar besseren Code als Dreamweaver und iWeb usw abzusondern scheint, aber natürlich lange keinen sauberen perfekt polierten Programmierer-Ansatz ersetzen kann. Aber für wen taugt Muse dann eigentlich?

Für die Designer, zumindest in der Skizzenphase. Ich glaube keine Sekunde, dass man mit Muse (oder wie immer es final heißen mag) ernsthaft eine saubere Website wird bauen können. Mag sein, dass man einen Low-End-Schnellschuß damit machen kann oder eine Platzhalter-Site. Mag sein, wenn Adobe eine vernünftige CMS-Einbindung liefern kann (die es bisher nicht gibt) und an den Details arbeitet, dass es auch im Entwicklungs-Workflow einen Raum für Muse gibt. Bisher sehe ich den Nutzen eher darin, Dinge, die man bisher in Photoshop oder Indesign (oder sogar iWeb, Keynote oder Flash) gemacht hat, hier solider zu vereinen – halbwegs lauffähige Previews/Modelle für Pitches, Usability-Experimente, Prototyping und das reine Screendesign. Ob am Ende ein Entwickler den dabei entstehenden Code vielleicht sogar weiter verwerten kann (was ja nicht dumm wäre), ist dabei sowas zweitrangig. Aber ein semibrauchbares Modell einer Idee online zeigen zu können und das nicht gar so unsagbar schlecht wie mit PDF oder iWeb-HTML, wäre schon ein Schritt nach vorne und sei 180 Euro im Jahr gern wert. Muse entpuppt sich also, bei allen bisherigen Schwächen, als brauchbarer Skizzenblock fürs Webdesign. Das Adobe einige wichtige Basics nicht verstanden hat – etwa die Trennung von Content und Form oder die Endgeräte-unabhängige Fluidität von Layouts durch Browser- und Medienabfragen, sticht ins Auge. Muse überträgt Print-Prinzipien ins Web, wo sie nicht hingehören. Dennoch macht es in Entwicklungsphasen durch recht einfache Werkzeuge und die Einbindung grundlegender JQuery-Tools schon mehr möglich als jedes andere WYSIWYG-Tool bisher und schafft so eine Brücke zum Programmierer, vor allem aber auch einen Weg – und das ist etwa bei uns zunehmend wichtig – komplexere Konzepte auch zumindest semi-funktional vorzustellen, ohne gleich hohe Entwicklungskosten zu haben. Wo man bei Indesign nie wirklich eine konkrete Vorstellung hatte, wie Schriftgrößen und Bilder real auf diversen Geräten wirken, hat man hier wenigstens eine grobe Vorstellung, wie es online aussehen wird – und zugleich aber deutlich mehr Möglichkeiten als bei iWeb, und zugleich weniger abstruse 90er-Jahre-HTML-Ansätze als mit Dreamweaver. Irgendwo zwischen Muse und Hype liegt ein Ansatz, mit dem auch Non-Coder zumindest eine Idee davon, wie sie sich eine Site vorstellen, zunächst gestalten und präsentieren können, ohne sich gleich in den Code-Dschungel zu begeben. Aber warum eigentlich nicht?

Weil es im Webdesign in der Programmierung nur zwei Stufen gibt derzeit – teuer und individuell oder preiswert und (relativ) ready-made, wobei ich letzteres inzwischen sogar bei High-End-Sites finde. Ich finde aber, so sehr einheitliche Standards ihren Sinn haben, dass hierunter die Vielfalt im Web und damit die Weiterentwicklung des Mediums leidet. Zwar bin ich ja der Meinung, das «Websites» wie wir sie heute kennen in 10 oder 20 Jahren wahrscheinlich völlig obsolet sein werden, aber bis dahin ist es etwas schade, wenn zunehmend alles nach CMS-Templates aussieht. Man mag über Flash denken, was man mag – aber in den Heydays der Flash-Sites gab es unter dem ganzen visuellen Müll auch einige Sites, die mit den Möglichkeiten der Software wunderbar verspielte und in Sachen Interface «andere» Ideen realisieren konnten. Man denke nur an die Experimente von Yugop mit Flash, an die frühen Group94 und die Möglichkeiten, die eine derart graphische Ausrichtung von Sites bis heute im Hinblick auf Interaktivität mit sich bringt. Heute wirkt alles dagegen etwas nüchtern, schnelle Information ist wichtig – im Grunde braucht man die Site an sich kaum noch, man kann sich Text und Bilder auch via RSS oder Readability/Safari Reader auslesen und auf das Design drumherum verzichten. Die selbsternannten Minimalisten mag diese Entwicklung freuen – aber sie hat das Web weniger explorativ, weniger vernetzt, weniger immersiv gemacht.

Was viel damit zu tun hat, dass Webdesign heute zu wenig von Designern kommt. Ich werde das Gefühl nicht los, die Möglichkeiten von HTML und bestehende Lösungen bestimmen, wie Sites aussehen – unabhängig von den tatsächlichen Bedürfnissen und kommunikativen Anliegen der Auftraggeber. Da geht eine gigantische Standardisierungswelle, bei der am Ende Modemarke wie Museum nach «Typo3» oder «Joomla» aussehen, nicht nach Modemarke oder Kunst. Es geht ja auch mit HTML kaum anders, Java hin oder her, wenn man mit den Browsern nicht havarieren will und die Mobil-Prozessoren nicht durchgrillen.

Die Hoffnung bei Muse – und ich bin da sicherlich viel zu optimistisch – wäre also vielleicht, dass Gestalter ohne Rücksicht auf die Möglichkeiten von CM-Systemen, ohne auf etablierte JQuery-Bibliotheken zurückzugreifen, einfach visuell aufregend gestalten und das Design mit seinen Wünschen und Lösungen sich wieder vor das Coding mit seinen (Un)Möglichkeiten und Begrenzungen stellt. Auch wenn ich der Meinung bin, dass nahezu jeder, der heute Design studiert, programmieren können müsste, weil die Entwicklung nahtlos in diese Richtung geht, ist das wichtige an einer Web-Lösung immer noch die dahinterstehende Idee, die kommunikative Strategie. Und je besser die Designer diese entwickeln und dem Auftraggeber (und später den Programmierern) kommunizieren können, umso besser. Muse mag dabei ein primitives Werkzeug sein – aber es ist immer noch besser als andere bisherige Lösungen. Es fehlt an allen Ecken und Enden – und sei es nur eine integrierte Upload/FTP-Lösung – aber für Wireframes, Prototypen und und und kann es ein gutes Werkzeug sein – wenn auch ein sauberes CSS wahrscheinlich allemal schneller sein dürfte für die, die es händisch können. Dennoch glaube ich gerade für die Entwicklungsphase, das alles gut ist, was das Denken vom Code befreit und auf die Bedienung, die Gestaltung, und vor allem auf schnelles, experimentelles Design zurückführt. Insofern ist Muse vielleicht gar nicht so sehr für die Großmutter, die sich eine kleine Website machen will, gedacht, sondern wird sich als Skizzenblock erweisen, so wie sich in den letzten Jahren Keynote oder das absolut alberne iWeb als solide Lösung in der Ideenfindungsphase erwiesen haben, wenn es darum geht, ein Konzept zu erstellen und noch nicht über die Grenzen von Java nachzudenken.

Zugleich zeigt Adobe aber, wie weit die Marke sich vom Markt entfernt hat. Mag das «Subscription»-Modell noch vor einer Dekade mutig gewesen sein, wirkt es derzeit etwas old-fashioned. So wie bereits bei der Creative Suite ein fast atemberaubend dreister Mietpreis im Raum steht, scheint auch hier weniger der Preis ein Thema zu sein (180 € ist ja recht fair) als vielmehr die enge Anbindung an Adobe und das «Nicht-Besitzen» von Software veraltet zu sein. Warum nicht einfach für 299 € in den AppStore damit und fertig – und bei der Gelegenheit gleich die nächste CreativeSuite auch auf diesen Weg schicken. Angefangen von der Air-Umgebung über das Abo-Modell bis zu der Frage, ob außer Business Catalyst noch andere CMS/Hosting-Lösungen integrierbar sein werden – oder warum Adobe nicht aus Indesign, Edge, Muse, Dreamweaver und all diesen Einzellösungen eine überzeugende Gesamstruktur entwickeln kann -, Muse ist nichts, worüber ein Web-Dev seinen Schlaf verlieren sollte. Ich sehe keine Low-Budget-Sites, die damit überzeugend entstehen können, das System ist (noch) viel zu statisch, ohne Datenbank-Anbindung ist doch heute fast keine wirkliche Homepage mehr denkbar. Da gibt es andere Lösungen, die eher in diese Richtung gehen und die Brücke zwischen CMS und Enduser schließen, indem in das Backend Layout-Möglichkeiten integriert werden.

Was Muse aber leisten kann, ist die Non-Coder-Designer aus dem Printbereich näher an die Programmierer heranzubringen, eine Lücke zu schließen, bis diese sich durch die Weiterentwicklung des Designs von selbst schließt oder die Frage durch die weitere Evolution des Webs ohnehin überflüssig wird. Nachdem Adobe einen ähnlichen Konvergenz-Ansatz bereits bei Rome erst entwickelt und dann verworfen hat, darf man gespannt sein, ob Muse eine Chance am Markt hat.

16. August 2011 18:08 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . Eine Antwort.

DMIG 7 Farben ist da

hd schellnack

Kinder, wie die Zeit vergeht – die siebte Ausgabe von Design Made in Germany ist draußen. Diesmal wieder als wunderbare HTML-Fassung von Martin Rack und als PDF von Saskia Friedrich. Wie immer mit zahlreichen spannenden Artikeln, Interviews, jeder Menge Know-How und der üblichen Kolumne von mir, diesmal über «Schwarz». Neben dem Slanted-Mag ist DMIG eines dieser neuen Design-Magazine, dass sich mit jeder Ausgabe ein Stückchen verbessert und seine ganz eigene Nische gestaltet. Ein tolles Beispiel für die Möglichkeiten, heute mit etwas Herz und Connections «einfach» ein Magazin zu launchen und eine Publikation, die ich von A bis Z lese, wenn sie herauskommt. And so should you, my dear…

5. Juli 2011 11:44 Uhr. Kategorie Design. Tag , , . Keine Antwort.

So soll es sein: Webfonts bei Myfonts

hd schellnack

Myfonts sind seit einiger Zeit Taktangeber in Sachen Schriftverkauf im Internet. Seitdem John Collins und sein Team die Site vom häßlichen Entlein zu einer der mit den meisten Features ausgestatteten und viele große und auch kleine Foundries umfassenden Plattform gemausert hat, ist sie zu einem der schönsten Schaufenster für den Fontkauf geworden. Auch wenn ich trotzdem meist direkt bei den ja meist kleinen Anbietern kaufe (die ihre Schriften ja auch oft selbst online vertreiben) oder bei Fontshop – die Smartness und simple Schönheit von Myfonts ist beeindruckend.

Und jetzt zeigt sich Myfonts nach dem Whatthefont-Online-Schrifterkenner und dem neuen smarten Layout, das wir kein zweites typographische Features direkt online testbar macht, erneut als Wegbereiter, indem für etwa 1000 ausgewählte Schriften die Webfont-Lizenz unmittelbar eingebaut haben. Keine Extrakosten. außer bei wirklich ordentlich Traffic auf der Site und selbst dann hält sich der Preis in Grenzen, keine zusätzlichen Lizenzen, die Onlinenutzung als fontface-Kit ist einfach mit dabei. Zwar sind 1000 Schriften, so groß die Zahl klingen mag, nur ein Bruchteil dessen, was auf Myfonts angeboten wird, und die großen Anbieter setzen nach wie vor auf jeweils eigene Miet- oder Kauflösungen – aber es ist ein zaghafter erster Schritt in die Richtung, die Barriere zwischen Print und Web weiter einzureissen.

6. Oktober 2010 11:32 Uhr. Kategorie Design, Technik. Tag , . Eine Antwort.

DMIG 5 ist da – Ordnung

hd schellnack

Die fünfte Ausgabe des Design-Made-In-Germany-Online-Magazins ist … online. Zum Thema Ordnung diesmal, und eins der Magazine, dass nicht nur zeigt, wie simples und doch schönes Design online auch ganz cool funktioniert, sondern das mit gut vernetzten Texten und Interviews von Ausgabe zu Ausgabe spannender wird. Ich frag mich langsam, wie Nadine und Patrick das eigentlich noch managen, scheint aber ausgezeichnet zu funktionieren, denn die DMIG wird langsam aber sicher deutlich lesenswerter als so manches bezahlte Magazin… und als Gratismagazin mit wirklich minimalster Werbung ist das Ding einfach ein rundherum ein Geschenk und als PDF natürlich auch ideal fürs Lesen unterwegs. . Das tolle Stadtmusikanten-Motiv gibt es auch als A2-Poster, könnt ihr direkt im Magazin bestellen.

7. September 2010 09:03 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Eine Antwort.

And the Cloud goes wild…

hd schellnack hd schellnack

Die neue mobileme-Kalender-Beta zeigt sehr deutlich, wie ernst es Apple mit Cloud-Applikationen ist. Nicht nur die letzten Stellenanzeigen, das fast clandestin verwirklichte Musikstreaming via iDisk und andere Details deuten darauf hin, dass die Firma, die derzeit neben Google vielleicht die meiste Power hat, webbasierte Applikationen durchzudrücken, den Blick klar nach vorn richtet. Der meCal ist die erste Webapp, die die Desktop-Version ebenso wie die schwächelnden iPhone/iPad-Versionen deutlich übertrifft. Es gibt einige sehr klare Mängel bei den Einstellungen, da ist eine «echte» lokale Software immer noch weit voraus, aber das User-Interface macht einfach Spaß. Man mag durchaus kritisieren, dass Apple aus irgendeinem Grunde das simple, schöne verlässt und hier anfängt, «echte» Medien zu simulieren – wie bei den liebevollen, vielleicht aber etwas sinnfreien Details wie abgerissenen Kalenderkanten oder Wire-O-Bindung. Aber abgesehen davon macht die Webapp mehr Spaß als die Desktopversion und ist in den Details durchaus Nutzerfreundlicher, etwa in der Monatsnavigation oder bei der viel besseren Nutzung der bisher recht sinnlosen Tages-Darstellung. Im Bereich «Woche» nehmen sich die beiden Versionen wenig, aber «Tag» ist eindeutig besser als in OS X selbst gelöst. Ganz zu schweigen davon, dass die Online-Version nicht nur den Look der iPad-version absolut übernimmt, diesen aber endlich auch sinnvoll macht, indem man Einträge per Drag’n'Drop verschieben kann, neue Einträge mit einem Doppelklick anlegen kann und so weiter. Was nicht geht ist Verdopplung eines Termins via Alt+Ziehen, und natürlich gibt es keine rechte Maustastenfunktionalität – aber für eine reine Internetanwendung lässt der neue Kalender, ebenso wie das bearbeitete Mailmodul, andere Webapplikationen, oft sogar solche aus Flash-Basis, etwas alt aussehen. Bleibt zu hoffen, dass Apple überhaupt noch Lust hat, die iOS und OS X Applikationen anzugleichen und nicht in Zukunft nur noch auf die Wolke im Web setzt. Denn bisher ist vor allem in Europa die grenzüberschreitende schnelle Internetanbindung beileibe noch nicht so, dass ich mit einem mobilen Client nur noch online arbeiten wollen würde. Und auf dem Desktop fühlt sich «echte» Software immer noch besser und schneller an. Dennoch beweist Apple hier beeindruckend, dass auch ohne Flash/AIR (wo ja zB nike+ schön zeigt, wie so etwas aussehen kann) produktive (und attraktive) Softwarelösungen online möglich sind, die ohne echtes Betriebssystem im Hintergrund funktionieren. Bis wir wirklich alle nur noch «in the cloud» arbeiten dürften es noch einige Jahre sein, aber hier beginnt das erste Mal – viel mehr als etwa bei Acrobat.com oder iwork.com – das Gefühl, die Vorstellung von Applikationen, die keinen Rechner mehr brauchen, sondern universell auf jedem Client laufen können, weil sie vollständig online gehostet sind, seien in greifbare Nähe gerutscht.

5. August 2010 11:10 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , . 3 Antworten.

Design Made in Germany 4

hd schellnack

Die vierte Ausgabe des immer weiter wachsenden Design-Made-in-Germany-Magazins von Patrick Marc Sommer und Nadine Rossa ist online, diesmal zum Thema «Webdesign». Beim ersten Durchblättern wimmelt es mir schon zu oft von «Usabilty» (meinem persönlichen Haßbegriff der Woche), aber die Interviews und Texte sehen spannend aus. Eigentlich seltsam, dass meine zunehmend wirscher werdenden (und so ja auch als langwerdende FlashWriting-Form geplanten) Texte noch in ein so gut werdendes Blatt dürfen. Mit Information Architects und Iconwerk hat das DMIG-Team zwei tolle Interviews am Start, Christophe Stoll und Johannes Schardt denken über die Zukunft von Print im Web nach, die wir in Form von Spiegel und Zeit-Relaunch auch gleich erklärt kriegen… klingt alles spannend. So spannend, dass man das Heft eigentlich langsam am liebsten gedruckt mitnehmen möchte ;-D.

17. Mai 2010 13:24 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.

TextP bei YouTube

hd schellnack

Während die meisten Aprilscherze ja eher witzlos sind, ist dieser grandios: Bei Youtube kann man sich als neue Auflösung neben 360p und 480p jetzt auch TEXTp ansehen und jeden Video als ASCII-Kunstwerk bewundern. So schön kann virales Marketing sein. Vielen Dank an Stefan für den Tipp.

1. April 2010 11:35 Uhr. Kategorie Design, Online. Tag . Keine Antwort.

Die nackte Gesellschaft

hd schellnack

Bei der weiteren Lektüre des arg durchwachsenen Schirrmacher-Payback fällt mir auf, dass nicht nur Schirrmacher, sondern auch Spiegel und andere Medien immer wieder den sozialmedialen Exhibitionismus auf Twitter, Facebook, MySpace et al kritisieren – und dabei versäumen, dass dieses Phönomen relativ wenig mit dem Web zu tun hat. Das große Ausziehen hat schließlich schon ordentlich vorher begonnen – auf RTL II, Pro7 und anderen TV-Sendern, in Radioshows, lange vorher in Homestories von Prominenten in der Yellow Press. Letztendlich sind die sozialen Netzwerke, in denen nahezu jeder relativ unverblümt sein mehr oder weniger spannendes Privatleben preisgibt (was ja nun immer noch besser ist als die langweiligen Versuche, Twitter oder Facebook als Marketingplattformen misszuverstehen), nur die konsequente Fortführung eines Prozesses, der seit Dekaden läuft. Der Exhibitionismus hat zunächst natürlich nur und dabei eskalierend Prominente betroffen, die berichtenswert erschienen, deren Leben zugleich auch radikal genug ist, um Auflage damit zu machen. Die Klatschpresse ist dabei fast so alt wie Hollywood – und dank Arztwartezimmern und Friseurlädchen bis heute existent. Ihr TV-Pendant in Sendungen wie Explosiv machte schnell klar, dass der Stoff der Paparazzi lange nicht ausreicht, um den Hunger der vor den Fernsehern verblödenden Konsumenten zu befriedigen. Befeuert vom Erfolg von Radioshows, in denen ganz normale – und meist überraschend unnormale – Menschen ihr Leben und ihre Probleme offenlegen (meist unter dem Deckmantel der «Beratung» und «Hilfe» durch einen Moderator), kam es bereits vor über 15 Jahren zu einer reinen Flut von TV-Shows, in denen nicht Prinzessin Caroline von Monaco, sondern eben die Gisela aus Gelsenkirchen über die Probleme mit der Ehe berichtete. Der simplen Eskalationstechnik des Fernsehens folgen, wurden die Daily Talkshows (dem radikaleren US-Vorbild folgend) bald zu mitteralterlichen Ersatzhandlungen längst verlorengegangener Dorfkultur. Im neuen «Tribe» der TV-Dorfbewohner wurde der Pranger aufgestellt, wurde gebeichtet, wurden Perversionen zur Show gestellt, wurde Mitleid, Verständnis ebenso wie Intoleranz und Haß greifbar. Die Privatsender der 90er wurden eine Art Ersatzkirche, in der – stets durch Casting gefiltert und mit zunehmender Masse der Sendungen eben auch durch die Redaktion manipuliert – die säkularisierte Gesellschaft ihren Hunger auf ritualisierte Handlungen befriedigen konnte. Und nicht zuletzt auch eine ordentliche Portion Voyeurismus – denn warum sollte das Leben eines Kölner Mechanikers nicht genau so spannend sein wie das eines New Yorker Schauspielers? Der bedeutende Switch, der hier stattfindet, ist, dass sich mit der Zeit qua Identifikation auch jeder selbst vorstellen konnte, auf der Plattform des Fernsehens Starqualitäten zu haben – nach dem Motto: Was Zlatko Trpkovski kann, kann ich auch. Die Auswirkungen dieser Enthemmung zeigt die nach den Daily Talks und nach Big Brother einsetzende Flut von Casting-Shows, an denen – geben wir es zu – die Masse der sich öffentlich zum Affen machenden untalentierten Wannabes doch im Kern spannender ist als der tatsächliche Sieger von DSDS. Interessant an den Castings ist die teilweise grandiose Differenz zwischen Selbstbild und Außenbild der Bewerber, die selbst nach desaströsen Jury-Bewertungen noch fast trotzig von sich behaupten, ihren eigenen Weg zu finden – aus der Niederlage ein Rebellentum zu melken verstehen, anstatt ihre Selbstüberschätzung in den Griff zu kriegen und sich mit einem Leben in der grauen Masse abzufinden.

Das Selbstverständnis, etwas besonderes zu sein, Talent zu haben, ist die zwangsläufige Konsequenz eines für heute 20jährige schlicht lebenslangen Bombardements mit Werbebotschaften, die genau diesen Inhalt haben: DU bist besonders (denn du kaufst unser Produkt). Tritt man einen Schritt zurück und hält sich vor Augen, dass eine Welt, in der jeder sich für «special» hält eine Welt voller Mittelmaß und Armseligkeit sein muss, wird schnell deutlich, warum Castingshows und inzwischen auch die meisten B-Promis eher eine unwirkliche, peinliche Berühmtheit haben, oft eher dafür berühmt sind, eben besonders dumm oder besonders dreist zu sein. Anders ist etwa Sido nicht zu erklären. Die Botschaft ist: Wenn du nur laut genug trommelst und dreist genug bist, ist es völlig egal, ob du Talent hast.

Das Web mit dem bösen Zusatz 2.0 bringt das einfach nur auf die nächste Plattform. Die Technologie des Internets gegenüber dem TV oder Radio bedingt, dass jeder selbst zum Sender werden kann. Podcasting, Youtube-Video, Blog, Social Networking – die Hürde eines Castings ist einfach ausgeschaltet, Plattenfirmen und TV-Einschaltquoten spielen keine Rolle mehr. Wenn jemand zeigen will, wie begabt der eigene Papagei Stimmen imitieren kann, ist es kein Problem mehr, das mit der Handykamera binnen kürzester Zeit online zu haben. Und da nahezu jede Webplattform nach der Logik der Freakshow funktioniert und gerade die besonders peinlichen oder schrillen Beiträge höchste virale Wirkung aufweisen, funktioniert das sogar auch noch -  und der Sender, in seinem verbogenen Selbstbild gefangen, wird dadurch in seiner Handlung bestätigt und produziert mehr Futter für sein Publikum… ein perfekter Kreislauf. Ein Star ist insofern inzwischen nicht mehr (nur) der, der besonders beachtenswerte Leistungen erbringt, sondern oft einfach der, der besonders grell und peinlich oder doch zumindest penetrant und hartnäckig ist. Und tatsächlich bringt dieses System immer wieder Phänomene hervor, denen der Crossover in die «alten» Medien wie TV oder Print gelingt, die unterschwellig eben doch noch als die exklusiveren wahrgenommen werden – eben, weil sich dort nicht jeder Zurschaustellen darf und kann, weil also die Aufmerksamkeit knapper und fokussierter ist.

Warhols famous fifteen minutes sind insofern nicht nur längst Wahrheit, sondern längst überholt. Heute ist jeder sein eigener Star, sein eigener Agent, oft auch sein eigenes Publikum. Die Tendenz, das eigene Leben öffentlich zu leben und eine neue virtuelle Art von Bürgerschaft und Öffentlichkeit zu etablieren, ist damit aber nicht allein zu erklären. Neben dem schieren Exhibitionismus/Voyeurismus-Tandem gibt es eben auch eine andere Unternote von Facebook, Twitter und Co.

Diese zweite Funktion ist hauptsächlich durch die Fragmentierung der hypermobilen Gesellschaft zu erklären, in der zugleich Netzwerke – berufliche wie private Seilschaften – zwangsläufig im Gegenzug an Bedeutung gewonnen haben. Diese werden als Tauschsystem auf den Online-Börsen gehandelt und sind tatsächlich zu einer Währung mutiert, bei der viele Follower/Netzwerkangehörige (egal ob echt oder falsch, bekannt oder anonym) in Ruf und sogar Geld verwandelt werden können,  in einer Art Meinungsführerschaft ohne Meinung münden können. So sind Facebook/XING/StudiVZ/ICQ et al nicht nur  eine Möglichkeit, mit eventuell beruflich umgezogenen oder sonst nicht real greifbaren Freunden in Kontakt zu bleiben, sondern zugleich eine Art eBay der Bekanntschaften, inklusive kleinen Fenstern in die jeweiligen Leben, eine Art Monitorraum des sozialen Netzwerkes. Wer ist mit wem zusammen, wem geht es gut oder schlecht, wer macht gerade was – alles jederzeit abrufbar, bis hin zu der Musik, die jemand gerade bei last.fm hört. Neben dem auch hier betriebenen Selbstdarstellertum ist dies tatsächlich eine der bizarren Umstände der modernen Arbeitswelt, in der diejenigen, die überhaupt noch Arbeit haben, schlichtweg zu viel davon haben – und mithilfe von Facebook und Twitter eine Art virtuellen Freundeskreis etablieren und managen können, der handlicher ist als individuelle Mails oder gar Telefonate. Ohne über den qualitativen Verlust oder Gewinn durch diesen Wechsel spekulieren zu wollen, geht es hier in erster Linie um einen Zeitvorteil – und die Folge ist eine auf zeitliche Dauer gesehene «Ausstrahlung» des eigenen Lebens. Aus der Summe einzelner kleiner Äußerungen, Anmerkungen und Kommentare ersteht das Puzzle eines Daseins. Das auch für den Betroffenen selbst rückblickend durchaus spannend sein kann – eine Art Tagebuch, das sich selbst schreibt.

Nun haben Kritiker natürlich recht, dass die Auswertung und Kreuzverbindung all dieser Spurenelemente für kommerzielle Zwecke hochkritisch zu betrachten ist. Profiling ist selbst unter mehr oder minder demokratischen Umständen eine problematische Sache, man mag nicht darüber nachdenken, was eine Diktatur mit all diesen gedankenlosen Ich-Fetzen, die die meisten Menschen im Web hinterlassen und die – einmal gespeichert – nie wieder verschwinden werden, auch nach Dekaden noch detailliert abrufbar, tun würde. Schon heute darf ein 18jähriger darüber nachdenken, ob sein StudiVZ-Profil wirklich richtig für den gewünschten Job im Vorstand bei Volkswagen ist. Und wahrscheinlich gibt es längst ungezählte Menschen, die ihre Social-Media-Aktivitäten auf solche Zielbilder hin betreiben und genau das Profil virtuell betreiben, das zukünftige Arbeitgeber sehen möchten.

Nun ist sicher die Genanalyse das (noch) größere Problem – faszinierend ist aber, dass Schirrmacher und andere Kritiker diesen Trend am Internet festmachen, denn da kommt er nicht her. SMS-Netzwerke und TV-Narzistenplattformen gab es weit vor Web 2.0, das einfach nur die Schleusen weiter öffnet und selbst nur einen Zwischenstand darstellt zu einem Zustand, den vage der (leider recht mäßige) SF-Film «The Final Cut» vorweg nimmt… eine Welt, in der multimedial über einen implantierten das gesamte Leben aufgezeichnet wird und in der die Frage, wer dieses Material eigentlich editiert und wie es editiert wird, zentral ist. Nimmt man die Summe von Google, Evernote, Facebook, Twitter, Flickr, Youtube, last.fm und anderen Plattformen sind wir von einem solchen kompletten «Rememory» nicht mehr weit entfernt. Auf dem Weg in die komplett nackte Gesellschaft stehen wir bereits heute in Unterhose da – und die Frage ist eigentlich nur noch, bei wem sie noch halbwegs über den Knien sitzt und bei wem sie schon an den Fußgelenken hängt.

Schirrmachers Fehler ist, diesen Trend sozusagen schuldhaft an einem medialen Wandel festzumachen. Nicht das Internet ist schuld am Lebensstriptease, es ist umgekehrt vielmehr Ventil, Multiplikator und insofern Werkzeug eines generellen Trends in der (westlichen) Gesellschaft, die Privatsphäre abzuschaffen. Wo in den 80ern noch eine staatliche Volkszählung zum Massenaufstand geführt hat, geben die Leute heute im Radiotalkshows ihre intimsten Details frei und fragen sich (scheinbar) keine Sekunde, ob der Bäcker drei Straßen weiter nicht doch die Stimme und die groben Lebensumstände wiedererkennt und am nächsten Morgen vielleicht etwas seltsam schaut. Dieser Trend zum «Hört her…» steht im auffälligen Kontrast zur (urbanen) Isolierungsstrategie der gegenwärtigen Arbeitswelt, in der man vielleicht täglich mit Leuten aus New York chattet, den eigenen Nachbarn aber kaum mehr kennt, im Kontrast also zu einem gesellschaftlichen Degradationsprozesses, in dem klassische Vernetzungen wie Familie, Nachbarschaft, Religion, Politik, Arbeitsplatz etc. ihre Bedeutung verlieren. Wer Single-Freunde hat und sieht, wie schwer es offenbar ist, in der«echten» Welt ungezwungen andere Leute (nicht nur in romantischer Hinsicht) kennen zu lernen, staunt andererseits über das surreal schnell-beliebige «Add as Friend» von Facebook. Es scheint fast, als fange die virtuelle Welt eine in der Realität verloren gehende Bindungsfunktion auf – anders ist das Aufblühen der verschiedensten Communities, die sich entweder gar nicht mehr über gemeinsame Inhalte oder nur über vageste Hobbys/Zustände von Photographieleidenschaft bis Pro-Ana definieren, kaum zu erklären.

Es ist also nicht so, dass die Menschen aus Beliebigkeit online ihr Leben preisgeben, oder aus schierem Exhibitionismus – es ist vielmehr das Tauschgeschäft einer (emergierenden) neuen Form virtueller Aufmerksamkeit, die (mehr schlecht als recht) die zunehmende öffentliche Unmöglichkeit von Nähe aufzufangen versucht. Der Exhibitionismus ist insofern eine kommunikative Währung – und zugleich eine Form von Multilog, der einen verlorengegangenen öffentlichen Diskurs ersetzt. Die nackte Gesellschaft im Internet ist das surreale, durchaus überzeichnete (weil junge) Pendant zur real-«coolen» Gesellschaft, in der außer Small Talk öffentlich weniger und weniger geht, in der letztlich auch der exogene Druck auf das Individuum immer höher wird und entsprechend die Abkapselung zunimmt. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Menschen da draußen im Alltag zu funktionieren scheinen, um anonym im Internet in irgendwelchen Foren Ängste und Wünsche zu artikulieren, für die es real nicht einmal mehr im engsten Freundeskreis und in der Familie, wo Erwartungen und Rollen dem offenen Diskurs entgegenstünden, kommunikativen Raum gibt. Insofern übersieht, ja verwechselt, Schirrmacher den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung – das Web verursacht den Wunsch nach Transparenz nicht, es artikuliert ihn nur. Und Schirrmacher übersieht zumindest die Chance, aus der Möglichkeit der offenen Kommunikation im Web auch wieder zu erlernen, kommunikative Kompetenz, den Wunsch nach Mitteillung und Austausch, in die non-virtuelle Welt zurückzuübertragen. Die Hoffnung ist also, dass die Gesellschaft irgendwann nicht aus lauter Individuen besteht, die mit Facebook und Twitter ausgestattet vor ihren iphones vereinsamen, sondern dass wir die geknüpften Netzwerke zurück in die Wirklichkeit ziehen können.

24. Januar 2010 14:18 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , , , . Keine Antwort.

Copy & Paste

hd schellnack

Eines der seltsamen Phänomene unseres Lebens in der «Digitalen Revolution» ist, dass der Ehrliche der Dumme ist… oder eben nicht ganz ehrlich sein kann. Fast symbolisch dafür ist die Tatsache, dass der Käufer einer legalen DVD zu Beginn des Films eine Art Moral-Trailer zwangsverordnet bekommt, der darauf hinweist, dass Raubkopieren illegal ist. In den Worten von Homer Simpson: «D’oh!». Deshalb hat man sich ja eine legale Filmversion gekauft, richtig? Noch weniger Zielgruppenpenetration ist ja kaum denkbar, das ist so, als würde ich nach dem Kauf eines neuen Fahrzeuges vom Händler einen Vortrag darüber hören müssen, dass Autodiebstahl ein Verbrechen ist – oder im Supermarkt nach dem Bezahlen vom Ladendetektiv aufgegriffen werden, um mir zwangsweise eine Infobroschüre gegen Ladendiebstahl durchzulesen. Als Belohnung für das richtige Verhalten bekommt der Käufer also jedesmal einen eher amateurhaften Zeigefinger-Video verabreicht, den er – hätte er den Film illegal herabgeladen – nicht ertragen müsste. Was hier noch eher Schildbürgerhaft wirkt, hat aber schon bei der Copy Protection von Software eine schärfere Kante, denn wer sich legale Software kauft, darf sich zum Teil mit so penetranten und hysterischen Kopierschutzmechanismen herumschlagen, dass ich einige Leute kenne, die sich erst eine Lizenz kaufen und dann trotzdem die gecrackte Version benutzen, um sich nicht mit Dongles, Sicherheits-CDs, DRM, Trojanersoftwares, Aktivierungen und anderen Finten abzumühen, sei es aus pragmatischen Gründen (wer will schon jedesmal zig CDs neben seinem Rechner liegen haben?), sei es aus Paranoia vor Herstellerzugriffen. Der legale Weg ist hier oft fast schwieriger als das «Ziehen» einer Hackversion – es sollte aber doch genau umgekehrt sein, oder?

Dazu kommt, dass man als Nutzer in manchen Bereichen schlicht kein Angebot hat. Und da Mutter Natur (ebenso wie die Nerds der Internetkultur) ein Vakuum verabscheut, füllt sich die Absenz eines legalen Angebotes fast automatisch mit illegalen Alternativen. Zwei Beispiele: Im Bereich der digitalen Comics hat sich fast die ganze Leserschaft inzwischen auf zwei oder drei Formate eingeschossen: PDF einerseits, meist aber die recht simplen Formate CBR und CBZ, die eigentlich nur Zip/Rar-Archive sind, in denen alphanumerisch die Seiten eines Heftes gepackt sind. Ohne große Gimmicks, dafür aber auch sehr einfach, kann man solche Formate mit einem Reader zB auf dem iPhone lesen. Nur bietet keiner der großen Comic-Verlage diese Formate an. Wer papierfrei lesen möchte, muss auf wenige Indie-Comics zurückgreifen oder darf sich etwa bei DC und Marvel einer spärlichen Online-Auswahl per Abonnement bedienen, die dazu noch mit einem Flash-Reader gelesen werden muss – in Sachen Performance und iPhone-tauglichkeit kein Glücksgriff. Dass es auf der anderen Seite im Grunde nahezu jedes jemals gedruckte Comic online verfügbar gibt, von den dreißiger Jahren bis heute, macht die Sache nicht einleuchtender. Es existiert de facto ein gigantisches Popkultur-Archiv der bunten Bilder… nur eben im rechtsfreien Raum. Neu erschienene Hefte sind wenige Tagen oder Stunden nach ihrem Erscheinen über Foren, Blogs und Suchmaschinen verfügbar… komplett kostenlos. Während auf der anderen Seite Marvel/Disney und DC/Warner (um nur die beiden größten US-Anbieter zu nennen, Dark Horse und IDW sind aber auch nur marginal weiter) anscheinend krampfhaft nach Wegen suchen, ihren Content digital zu vertreiben, aber nach Wegen mit Kontrollmechanismen, Einschränkungen und Limitierungen denken (man als legaler User also immer am Ende eine Art verkrüppeltes Produkt erhielte), gibt es jenseits des Copyrights längst eine saubere, einfache, offene Lösung. Nochmal der Autovergleich: Die Situation ist in etwa so als würde ein gekauftes Auto zum einen erst mal GAR nicht verfügbar sein, aber selbst wenn man dann in vielleicht drei oder vier Jahren eines bekäme, hätte es wahrscheinlich keinen Beifahrersitz, die Türen würden fehlen und mehr als 20 km/h wären einfach nicht drin. Wohlgemerkt: Man könnte sich aber jederzeit ein Fahrzeug im besten Zustand von einem Parkplatz nehmen. Das mag ein spezieller Fall sein, der nur mich betrifft – aber der eBook-Markt als Ganzes ist nicht viel weiter.

Ein ganz ähnliches Bild ergibt sich bei US-Serien. Wer aktuelle amerikanische Folgen sehen will, darf in Deutschland wahlweise bis zu einem Jahr auf die Synchronisierung warten bzw sich via Amazon die Staffel-DVD aus den Staaten bestellen oder mit ganz viel Glück bei iTunes die Staffel in B-Qualität herunterladen. Oder aber die Serie einen Tag nach Ausstrahlung in voller HD-Pracht binnen fünf Minuten auf dem Rechner haben. Es ist da vielleicht verständlich, dass ich fast niemanden mehr persönlich kenne, der noch ein Jahr wartet, um eine Serie im deutschen TV zu sehen. Die Frage ist weniger, ob man das gut findet oder nicht, sondern eher eine der fehlenden Alternativen. Denn die legalen Wege, eine Sendung z.B. via Internet bei einem der anbietenden Sender via Streaming zu sehen, ist per IP-Check ausgeschlossen. Die Wahl ist: Gar nicht schauen und aufs deutsche Fernsehen hoffen, ein Jahr warten – oder Rapidshare/Torrent. Auffallend ist dabei, dass die Sender seit einiger Zeit gerne Serien nach kürzester Zeit aus dem Programm kippen – und dann online, fast global, eine Enttäuschungsbekundung stattfindet. Die Serie hat Zuschauer, aber nicht mehr live, sondern zeitversetzt via Filesharing oder hosted Downloads… das Seufzen der Fans ist das Seufzen der illegalen Downloader. Von denen Fox, HBO, ABC und Co natürlich nichts haben. Die aber – und das ist der Clou – oft gar keine Chance haben, die Serie legal zu konsumieren.

Das ist keine gute Situation – nicht nur für die sanft zwangsillegalisierten Nutzer, sondern auch für die Anbieter, deren Distribution schlichtweg kollabiert… und vor allem aber auch nicht für die Kreativen, die Bücher schreiben, Filme und Serien konzipieren, Comics zeichnen oder Musik einspielen. Das Vertriebssystem, in dem sie sich befinden, entzieht Ihnen systematisch den Gewinn ihrer Arbeit.Tatsächlich kenne ich niemanden, der gelegentlich etwas downloaded, der sich dieses Dilemmas nicht bewusst ist: Wenn du ein Album einer Band illegal herunterlädst, weil du ihre Musik toll findest, sorgst du dafür, dass sie keine Chance kriegen, ein nächstes Album zu produzieren. Wer das neueste Buch von Autor X herunterlädt, ohne zu bezahlen, treibt diesen dazu, den Beruf Schriftsteller aufgeben zu müssen. Unbezahlte Nutzung von Content sorgt dafür, dass es irgendwann eben keinen Content mehr gibt – weil alle Kreativen dann irgendwann bei Ikea die Regale füllen. Es ist insofern moralisch aber auch ganz pragmatisch durchaus im Sinne von Konsumenten kreativer Leistungen, für diese auch angemessen zu bezahlen. Ich glaube, die meisten Leute würden über das «angemessen» diskutieren wollen, und es gibt sicher notorische Fälle, die alles haben wollen, ohne zu bezahlen… aber ich bin Optimist genug, davon auszugehen, dass ein ausreichend großer Teil von Hörern, Lesern, Zuschauern, Softwarenutzern absolut bereit ist, für die gebotene Leistung auch zu bezahlen. Warum auch nicht?

Wenn man nur eine faire Chance bekäme.

Vor ein oder zwei Jahren gab es, wenn man seine Musik digitalisiert haben wollte, einen ausgesprochen kleinen Markt. CD kaufen und rippen (an sich ja fast auch schon Grauzone, sofern die CDs mit Kopierschutz versehen sind… erinnert sich noch jemand an Sonys gruselige Versuche, CDs unlesbar zu machen?), per IP-Modifikation in den Staaten einkaufen oder mit teil gruseligen DRM-Lösungen leben, was keine Lösung ist. Die Musikbranche hat sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, einfach und simpel MP3s, M4as oder ein anderes gebräuchliches Format zur Verfügung zu stellen, jedenfalls nicht ohne bizarre Fußangeln. Da man CDs zumindest relativ gemütlich bestellen konnte, war das «Rippen» immerhin noch ein – umständlicher und vor allem recht umweltunfreundlicher – Weg, an digitale Musik zu kommen und man hatte noch eine Art Hardcopy, die dann auf dem Dachboden zustauben konnte. Dennoch erinnere ich mich, zu der Zeit relativ viel Musik direkt heruntergeladen zu haben, weil z.B. die CD vergriffen war oder man nur einen Song suchte.

Heute ist, da iTunes inzwischen relativ DRM-frei ist und die Audioqualität sowie das Angebot recht brauchbar und da Amazon inzwischen auch ein recht umfassendes, DRM-freies Angebot aufweist, die SItuation grundlegend anders, und ich denke, ein Blick in meine iTunes-Rechnung des letzten Jahres dürfte ökonomisch belegen, wie sehr sich zumindest in meinem Fall für iTunes der Verzicht auf Barrieren gelohnt hat. Der einfache, komfortable Zugang zu Musik zu einem (halbwegs) fairen Preis – einen Tick zu teuer für reine Daten, aber immerhin billiger als die meisten CDs – hat effektiv dafür gesorgt, dass ich Musik fast ausschließlich online legal kaufe. Warum sich mit Torrents abplagen, wenn es auch einfacher geht? Und vor allem finde ich es ja durchaus gut, bezahlen zu können. Ich möchte ja, dass eine Band, die ich mag, finanziell ordentlich versorgt ist, um künstlerisch frei arbeiten zu können… und zu leben. Musiker ist ein Beruf. Ich zahle gern dafür. Und jetzt kann ich es endlich auch.
Das gleiche gilt, beim Stichwort iTunes, für Film. Halbwegs vertretbare Leihgebühren und ein langsam aber sicher wachsendes Angebot machen iTunes zur Alternative zum Schwarzdownload, wenn man nur mal eben einen Film sehen will. Nur: zu wenig, zu schlechte Qualität und natürlich teilweise unglaublich unaktuell. Dennoch: Das Grundprinzip stimmt auch hier. Seitdem iTunes Videos verleiht, präferiere ich diesen Weg, weil er sauberer, einfacher und fairer ist, wann immer möglich.

Ein letztes Beispiel, wieder Apple, ist iwork und Snow Leopard. iwork kostet in einer Lizenz für fünf Rechner 99 Euro, in einer Einzellizenz 59 Euro. Snow Leopard hat Schlagzeilen damit gemacht, dass es ein im Grunde vollwertiges Betriebssystem für wenige Euro auf den Markt bringt… selbst Linux-Packages sind ja teurer. Es macht einfach keinen Sinn, sich iWork raubkopieren zu wollen, weil der Preis einfach einleuchtend und extrem fair ist, vor allem gemessen an den Preisen, die Microsoft für Office nimmt. Wobei Office dann entsprechend auch häufiger raubkopiert wird, nicht nur, weil es das natürlich gebräuchlichere Software-Paket ist (und auf Windows läuft), sondern auch, weil der Preis für viele Nutzer die Raubkopie «rechtfertigt». Was natürlich Unsinn ist, aber iWork zeigt den richtigen Weg auf: Preis runter, Zugang vereinfachen, realen Absatz hoch. Es wird immer Raubkopien geben (schließlich cracken Leute ja  anscheinend sogar die 0,79 €-Apps fürs iphone, was nun so gar keinen Sinn mehr macht), aber wer bei einer 60€-Software noch den Stressfaktor einer Grau/Schwarzkopie auf sich nimmt, dem ist ohnehin nicht zu helfen.

Die  – ganz subjektive – Lehre für mich ist, dass das Copyright von den Vertreibern umgedacht werden muss. Sie müssen die Zootüren aufstoßen und die Bären aus den Käfigen lassen. Anstatt angstbehaftet als Verlag am Papier festzuhalten und jede Form von elektronischen Vertrieb nur mit zig Fußfesseln zuzulassen, gilt es, überhaupt erst einmal ein faires Angebot zu schaffen, dass eine solide und komfortable Alternative zu Torrent&Co bietet. Warum kann ich nicht bei Marvel, DC, Dark Horse oder IDW in einem Onlineshop die gesamte Backlist als cbr kaufen? Und – sagen wir mit Versatz von ein zwei Wochen oder einem Monat – auch aktuelle Ausgaben? Die Angst vor Raubkopien kann ja kaum der Grund sein – denn NOCH mehr Vertrieb von illegalen Material ist ja fast nicht denkbar. Es ist ja nicht so, als würde eine legale Version von Amazing Spider-Man die Raubkopie befeuern… die illegale Version gibt es ja ohnehin schon, und sei es von irgendwem handgescannt. Als User würde ich aber lieber zwischen 0,29 und 0,79 Dollar pro Heft direkt an den Verlag (oder iTunes o.ä.) abführen und damit ein paar Autoren, Zeichnern und Redakteuren ihr Gehalt sichern.

Dito bei TV – ich würde liebend gern einen Staffelpass für aktuelle laufende Serien zahlen, wenn die Folgen auch tatsächlich in Echtzeit verfügbar wären (mit Untertiteln). Das ist es doch allemal wert und es wäre auch eine Respektsbekundung vor der Arbeit der Kreativen hinter einer TV-Serie, die man mag. Noch besser wäre ein Leihsystem, wo ich eine Folge nur leihe und nach einem bestimmten Zeitraum löscht sie sich halt bequem wieder von der Platte – wie bei Filmen (wobei 48 Stunden definitiv etwas kurz sind, auch hier wieder so ein Fall von Bestrafung legaler Nutzung, würde ich den gleichen Film illegal downloaden könnte ich ihn solange ansehen wie ich will und dann löschen, Apple sollte auf 72 Stunden aufstocken.) Ich hätte wenig dagegen, wenn Joss Whedon Geld dafür bekommt, dass ich etwa Dollhouse sehe – aber keine Chance, es sei denn, ich warte monatelang. Und als Anbieter zu hoffen, dass die Leute das tatsächlich noch wollen, wirkt etwas utopisch und antiquiert zugleich, oder?

Im e-Book-Markt beginnen die Verlage ebenfalls schleppend, zögernd und paranoid damit, ihre Inhalte online zu stellen. Vorsichtige Versuche von proprietären iphone-Büchern (d.h. Reader und Buch sind eins, völlig inakzeptabel als Speicherlösung), Verlage, die die e-Book-Veröffentlichung Monate hinter den Release als Hardcopy legen (damit sich das echte Buch auch noch verkauft und damit die Partner im Handel nicht verrückt spielen, die mit digitalem Vertrieb leider etwas zu Recht ihre Felle schwimmen sehen) und die immer noch nicht einfach als bizarr ad acta gelegte Diskussion über DRM (da hat die Buchbranche anscheinend nichts gelernt von der Havarie der Musikindustrie) prägen den Start, und das, obwohl ungezählte Bücher als PDF oder Textdatei längst verfügbar sind.

Es scheint fast so, als verhalten sich die Anbieter beim digitalen Vertrieb ihrer Produkte gerade so, als gäbe es das illegale Angebot gar nicht – um es dann natürlich sofort anzuprangern und für die Situation der jeweiligen Branche verantwortlich zu machen. Das Gespür dafür, dass zum einen ein Schwarzmarkt oft eine Reaktion auf einen fehlenden oder dysfunktionalen legalen Markt sein kann, scheint nicht ansatzweise vorhanden, geschweige denn eine angemessene Strategie um mit einer ganz realen, ganz handfesten Konkurrenzsituation umzugehen. Denn das illegale Angebot existiert, existiert flächendeckend, inzwischen weitestgehend fast komfortabel organisiert und die einzige Strategie damit umzugehen – jenseits rechtlicher Maßnahmen, die der Hydra des Internets zwar versuchen, einen Kopf abzuschlagen und dabei einzelne Betreiber und User symbolisch (oft auch unangemessen und insofern imageschädigend) strafen, systemisch aber das Problem nicht lösen, weil ein hier gelöschter Server anderenorts sofort wieder das Haupt heben wird, möglicherweise gleich mehrfach. Es geht also vielleicht gar nicht um die Frage, wie man illegales Kopieren bekämpfen kann, sondern, was man daraus lernen kann.

Ein alter Arbeitssoziologie-Professor von mir hat immer gesagt, Schwarzarbeit sei kein Problem, sondern ein Labor. Im Grunde seien Schwarzarbeiter doch genauso, wie von den neoliberalen Arbeitgebern gefordert: Flexibel, mobil, genügsam. Ob man es möge oder nicht, die «legale» Arbeit werde sich über kurz oder lang zumindest teilweise den Bedingungen der «illegalen» Arbeit anpassen müssen – und wahrscheinlich umgekehrt, weil irgendwann das illegale System dann an Sinnhaftigkeit verliert und nicht aufrechterhaltbar ist.

Nicht ganz so zugespitzt formuliert zeigt der illegale Umgang mit urheberrechtlich geschütztem Material aber auch skizzenhaft die Bedürfnisse der Nutzer. Ich bin nicht sicher, ob man es global so sagen kann, denke aber, dass der Effekt, dass illegale Downloads kostenfrei sind, für viele User nicht entscheidend wichtig ist. Denn die geben ja auch problemlos Geld für andere Güter aus, die man ebenfalls ähnlich risikofrei stehlen könnte. Im Bereich der Teenager mag das zutreffen, sicher auch in Schwellenländern, die via Torrent und Rapidshare billig an der westlichen Kultur teilhaben (was ja auch gut sein kann), aber für einen großen Teil der Nutzer zieht das Argument nicht. Ich mag mich irren und argumentiere rein plausibel ohne Zahlenwerk – aber ich würde behaupten, dass mehr raubkopiert wird als tatsächlich auch von den Usern selbst gewünscht wird. Ganz subjektiv gesprochen wird man in manchen Bereichen das Gefühl nicht los, dazu getrieben zu werden.

Abgesehen davon, dass eine generelle Neubetrachtung des Urheberrechtes sicher notwendig wäre – auch wenn dies eine fast unmöglich komplexe Materie geworden ist und die Entscheider hier nahezu surreal von Lobbyisten belagert sind -, vertun hier also ganze Branchen des Kultur- und Unterhaltungsindustrie Zukunftschancen und schaffen zugleich ungewollt eine sich etablierende Infrastruktur in der Halb-Illegalität, die sich mit jedem Monat und Jahr, in dem nichts passiert und keine offizielle gangbare Lösung existiert, weiter verfestigt und zusehends «normaler» wird.

Abgesehen davon, dass also Verlage, Vertreiber usw. neue Lösungen brauchen, müssten auch die Produzenten von Kulturinhalten selbst anfangen, Chancen zu nutzen und Direktvertrieb online suchen. Ich habe vor einiger Zeit zu diesem Thema schon über Hörspiele sinniert – aber das gleiche gilt natürlich für Inhalte jeder Form. Das Vakuum kann/muss ja nicht nur von Schwarzangeboten aufgefangen werden, sondern kann auch Raum für kreative Macher bieten. Der Erfolg einer «kleinen» Serie wie Breaking Bad zeigt, dass recht mutige neue narrative Formen gerade heute mehr Chancen haben als jemals zuvor, weil sie sich global ihr Nischenpublikum suchen können. Im Grunde ist bereits heute absehbar, dass es einen nicht geringen Indiemarkt für Musik, Film, Serien, Bücher, Hörspiele und auch Tanz/Theater-Mitschnitte usw. geben wird, der sich über digitalen Vertrieb sehr gut wird etablieren können, entweder individuell oder – wahrscheinlicher – über gebündelte Plattformen, sei es iTunes oder eine völlig alternative Lösung.

Sich dagegen zu wehren und auf ein Vorübergehen des Wechsels von analogen zu digitalen Medien zu warten, ist wahrscheinlich vergebens. Das Konvergenzmedium «Web» wird – längst dann nicht mehr gebunden an die Idee von Computer, die sich im iphone-Zeitalter ja bereits auflöst – TV, Radio, Print und viele andere Medien vielleicht nicht ablösen, aber doch zumindest ganz entscheidend ergänzen. Dieser Wandel wird durch technologische Innovationen in Zukunft eher sprunghaft beschleunigt und die Kulturindustrie ist gut beraten, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen und diese zu formen, anstatt hinterherzuhecheln. Dazu gehört ein moderner Umgang mit kreativen Angeboten und eine faire Kommunikation mit den Usern sowie ein global gleichzeitiges realistisches Angebot von Inhalten, das dem illegalen Download in Sachen Tempo und Komfort gleichzieht, nur eben mit dem zusätzlichen Bonus einer Art «Fair Trade» mit den Urhebern. Denn in einer Zeit, in der immer mehr Leute aus moralischen Gründen auf Fleisch verzichten oder umweltgerechte Produkte bevorzugen wäre es – wenn die grundsätzliche technische und inhaltliche Möglichkeit besteht – mehr als wahrscheinlich, dass ein großer Teil der Konsumenten sich auch mit Schauspielern, Autoren, Regisseuren, Musikern, Produzenten und den an kreativen Gewerken beteiligten anderen Dienstleistern solidarisiert… und zahlt. Denn eins ist doch seit Jahren klar: Wer für ein digital verfügbares Produkt zahlt, tut dies im Grunde freiwillig und verzichtet auf einen alternativ nahezu ausnahmeslos verfügbaren Download. Aus Respekt. Und darauf kann man aufbauen.

20. Januar 2010 11:40 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , . 14 Antworten.

MyFonts.de

hd schellnackWas Facebook kann, kann Myfonts schon lange… Die von John Collins und Bitstream gegründete und mittlerweile hocherfolgreiche US-Schriftplattform Myfonts.com betreut Jan Middendorp schon seit langem als Autor, jetzt transferiert er die Idee nach Deutschland. Zusammen mit Florian Hartwig und Frank Rausch will Jan nicht nur ein deutschsprachiges Portal zu dem Schriftenangebot von Myfonts.com bieten, sondern zugleich auch mit eben deutschen Artikeln und Informationen rund um das Thema Schrift aufwarten und das alles in dem neuen, clean-minimalistischen Interface von Myfonts.com, das mehr an Google als an einen normalen Shop erinnert. Nach dem Relaunch des deutschen FontShops wächst nun abermals das spezifisch deutsche Schriftenangebot – die Kunden wirds so oder so freuen und dem Austausch deutscher Schriftfreunde kann es nicht schaden. Good luck an Jan und Co!

17. August 2009 09:36 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Eine Antwort.

Book Cover Archive Blog

hd schellnack

Wenn ihr das noch nicht gebookmarked habt, do it now ;-D In der Flut von zig Designblogs gibt es bei Ben Pieratt und Eric Jacobsen zumindest für mich immer wieder was zu entdecken

2. Juni 2009 08:06 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.

Redesigning Amerika





Im Idea-Blog von The Avery gibt Meowza Katz (super Name) gleich noch einen Grundkurs in Sachen Web2.0-Redesign für die USA und entwickelt eine neue Flagge, einen neuen Dollarschein und gleich ein neues Design für die Square States. Alles runder, bunter, glänzender – so lässt sich die Finanzkrise doch prima meistern. Ganz nebenbei eine feine virale Kampagne ;-).

12. Mai 2009 18:26 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.

Design in the Cloud

Seit einigen Jahren munkele ich, dass Software in Zukunft nicht mehr lokal auf dem Rechner liegen wird, sondern – im Grunde gemietet – online auf einem Server, im Sinne von Cloud-Computing, stattfinden wird. Das steckt alles noch in den Kinderschuhen, wird aber fleissig vorwärtsgeschoben, wie das Aviary-Projekt beweist, das sehr beeindruckend Vektor- und Pixelediting, einen Effektegenerator und ein Kuler kaltstellendes Farbpalettensystem programmiert haben. Extrem beeindruckend, um es mal bescheiden zu sagen, wie die Nachbildung eines funktionierenden OS gestalterisch wie in der Umsetzung schon in der Beta funktionieren, auch wenn alles natürlich hinter den Möglichkeiten von etwa der Creative Suite zurückbleibt. Dennoch: Wer hiernach noch behauptet, Flash sei nur für alberne Animationen zu gebrauchen, sollte endlich mal umdenken. Das Cloud-Design wird kommen, und es ist mit Aviary ein ganzes Stück näher gerückt. Würde mich nicht wundern, wenn Adobe entweder schnell nachlegt oder kurzerhand die Tools einkauft…

18:12 Uhr. Kategorie Online. Tag , . Eine Antwort.

Netdiver Best Of The Year

Netdiver Magazine hat seine Lieblingssites des Jahres 2007 aufgelistet…

22. Februar 2008 08:00 Uhr. Kategorie Design. Tag . 4 Antworten.

Zoomcollective

http://zoomcollective.com

8. Februar 2005 18:50 Uhr. Kategorie Online. Tag . Keine Antwort.

Things I hate about my flatmate

Ah, die schöne Welt der WG. Hier wird jeden Tag eine neue Haßorgie über die Mitbewohnerin zelebriert.
http://ihatemyflatmate.blogspot.com/via Liquid Generation

6. Februar 2005 17:17 Uhr. Kategorie Online. Tag , . Keine Antwort.

John and John



http://www.johnandjohn.nl/
via relicious

17:01 Uhr. Kategorie Online. Tag . Keine Antwort.

Satan’s Laundromat




via satanslaundromat.com

16:10 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.

Katzenblog

Miau

via Relicious

5. Februar 2005 14:27 Uhr. Kategorie Online, Stuff. Tag , , . Keine Antwort.


Creative Commons Licence