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Typoversity 2

Auch im zweiten Band bleibt Typoversity eine Ausnahmepublikation. Anders als die Magazine der Hochschulen selbst ist der Fokus auf Schrift und Gestaltung mit Schrift, aber auch der Rundum-Blick über die FH-Szene spannend, nicht nur, um die Ansätze der verschiedenen Bildungsträger zu vergleichen, sondern auch um junge Talente zu finden. Aber auch, um zu sehen, wie experimentell – oder oft auch bestehenden Trends nacheilend – die Designtrends in den Studiengängen sind. Liebevoll aufgemacht, lesens- und anschauenswert, ist der zweite Band hoffentlich ein Baustein zu einer festen Serie, die nicht zuletzt auch angehenden Studenten helfen kann, zu entdecken, welche Hochschule die meisten Potentiale aufweist.

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30. Mai 2013 12:07 Uhr. Kategorie Buch, Design. Tag . Keine Antwort.

Schrift und Identität

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Auch wenn es noch nicht erschienen ist, gehört dieses Buch auf die Merkliste:

Andreas Uebele versteht es als Dozent anscheinend – ganz im Sinne eines Willy Fleckhaus – seine Kurse auf einen harten Kern engagierter Studenten zu komprimieren. Anders kann ich mir nicht erklären, dass an diesem studentischen Projekt am Ende nur noch vier Herausgeber übrig sind, Christian Fischer, Johannes Henseler, Ilona Pfeifer, Philipp Schäfer, die betreut von dem Stuttgarter Designer an der Düsseldorfer FH das Thema Internationale Verkehrsbeschilderung in Buchform gebracht haben. Das bei Niggli erscheinende Werk ist bemerkenswert, weil es weder ein Lehrbuch ist (obgleich geradezu manische Detektivarbeit darin steckt), aber auch kein rein studentischer Showcase-Band (obwohl absolut sehenswerte grafische Abenteuern zwischen den Buchdeckeln aus der Abstraktion und Spielerei mit der Signaletik stattfinden). Mit eröffnenden Texten von Typo-Größen wie Erik Spiekermann, Indra Kupferschmid, Florian Adler, Albert-Jan Pool und Sven Neumann ist «Schrift und Identität» einerseits hochgradig lesenswert, auf der anderen Seite ist fesselnd, wie die Studierenden aus dem vermeintlich eher trockenen Thema der Straßenbeschilderung in verschiedenen Staaten magische, wunderschöne und witzige Momentaufnahmen abgewinnen. Die 300 minimaoistisch-trocken durchgestalteten Seiten sind eine fesselnde Reise durch die nur scheinbar selbstverständlichen Orientierungsmodi anderer Länder, ein typographischer Tourismus erster Güte – und nicht zuletzt ein wahnsinnig und zugleich großartig anmutendes Studentenprojekt, das kommerziell so tiefgründig und gaga zugleich gar nicht denkbar wäre. Und hoffentlich, wenn es auf den Markt kommt, entsprechend viele Leser finden wird.

Update: Das Buch ist ab Ende August jetzt auch in Deutschland erhältlich.

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26. April 2013 13:54 Uhr. Kategorie Buch, Design. Tag . Keine Antwort.

Slanted: Cuba

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Die 21. Ausgabe der Slanted dokumentiert die Unruhe dieses Magazins, das wieder einmal sein Format ändert (allerdings überraschend wenig am Design dreht, das in dem kleineren, eher buchartigen Format überraschend gut funktioniert) und auch inhaltlich den Fokus ändert. Denn es geht diesmal nicht um spezifische Schrifteigenschaften oder typographische Ordnungen, sondern im Mittelpunkt steht ein Land – Cuba, weswegen weite Teile des Heftes auch auf spanisch sind. Design, Leben, natürlich auch Typographie von Castros Zeitkapsel-Insel sind zu entdecken, ebenso wie urbane Aspekte von Havanna reflektiert sind und sich die Slanted über viele Texte auf verschiedenste Weise der Kultur des Landes nähert. Zum Vorschein kommt vor allem bei der Poster-Kunst eine seltsam zeitlos wirkende Gestaltung, die modern wirkt, aber doch aus vergangenen Dekaden zu wehen scheint, die brutaler und direkter, oft auch politischer wirkt. Als typographischer Reiseführer in die Fremde funktioniert die Slanted überraschend gut, und zugleich entkommt das Team um die Slanted-Veteranen Lars Harmsen und Julia Kahl der Sackgasse, in die das Magazin zu schlittern drohte – indem der Nutzeffekt des Magazins nahezu konsequent aus dem Heft, in eine Beilage, verbannt wird. So wird die Slanted nicht nur gestalterisch, sondern auch inhaltlich zunehmend zu einem Abenteuerspielplatz für die Macher – und das tut dem Magazin ausgesprochen gut, es macht nach wie vor Spaß, der Evolution dieses Anti-Magazins zuzusehen, das gedruckt unruhiger und lebendiger wirkt als so manche Onlinemedien.

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24. April 2013 14:28 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.

Kein Eintritt

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8. März 2013 10:43 Uhr. Kategorie Photos. Tag , , . Keine Antwort.

E

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4. März 2013 20:04 Uhr. Kategorie Photos. Tag , , . Keine Antwort.

Tür

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26. Februar 2013 10:16 Uhr. Kategorie Photos. Tag , , . Keine Antwort.

42

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25. Februar 2013 20:27 Uhr. Kategorie Photos. Tag , , . Keine Antwort.

Notdienst

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12. Februar 2013 10:39 Uhr. Kategorie Photos. Tag , , . Keine Antwort.

Zahnarztlich

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10. Februar 2013 18:39 Uhr. Kategorie Photos. Tag , , . Keine Antwort.

Pulli

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9. Februar 2013 20:33 Uhr. Kategorie Photos. Tag , , . Keine Antwort.

Slanted 20 Slab

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Ohne lange Worte: Photos von der neuen Slanted:

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28. November 2012 20:13 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.

The Triffid Landscape

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Etwas schöne Handarbeit von unserer neuen Praktikantin Mareike – und natürlich ein nach wie vor phantastisches Buch. Alle Papierliebhaber werden uns jetzt wahrscheinlich für das Übermalen hassen.

20. November 2012 08:00 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , , . Keine Antwort.

Script

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So eine tolle Handschrift.

14. November 2012 22:47 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . Keine Antwort.

Blew

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00:41 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.

Wait!

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5. November 2012 21:19 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.

Beautiful Typewriter

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Schreibmaschinenbrief von 1962. Sauber und klar, wunderbar.

3. November 2012 15:22 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Eine Antwort.

Beautiful Typewriter 2

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Im Vergleich dazu 1928, die Unsicherheit einer neueren Technologie, die die Buchstaben noch auf dem Papier verschwommen zum Tanzen bringt.

15:19 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

Typoversity 2

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Den ersten Band von Typoversity habe ich ja bereits ausreichend gefeiert – jetzt entsteht ein zweiter. Patric Marc Sommer und Andrea Schmidt suchen für Typoversity 2 wieder typographisch orientierte Arbeiten aus dem studentischen Umfeld, die die Interviews und Features des Buches abrunden und den aktuellen Stand des schriftaffinen Designs an deuten Hochschulen zeigen. Das Beste: Anders als bei anderen Lookbooks ist das dabeisein völlig kostenlos (es gibt sogar noch ein Gratis-Belegexemplar), einfach eine PDF bis 5 MB an mail@typoversity.com senden und eigene Daten (Name, Adresse, Telefonnummer, Email) sowie die Daten zum Projekt (Datum der eingereichten Arbeit, betreuender Professor/Lehrender, Semester, Hochschule) angeben. Die Arbeiten – die ab Januar 2010 «gültig» sind – werden von einer 1A-Jury begutachtet, die für Qualität sorgt: Neben Patric und Andrea sind dabei: Christoph Dunst, Verena Gerlach, Heike Grebin, Christoph Koeberlin, Dan Reynolds und Birgit Tümmers.

9. Mai 2012 19:56 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Eine Antwort.

Slanted 17: Cartoon / Comic

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Wie ich bereits mehrfach schrieb, ist das eigentlich spannende an der Slanted nicht mehr (nur) so sehr der Inhalt, als vielmehr die Evolution des Blattes als solches, als visuelles Experiment. Innerhalb des groben Rahmens eines typographischen Magazines hat das Magazin so viele fröhliche Änderungen durchlaufen wie kaum eine andere Publikation – vom reinen Blog zum schwarzweiß-Magazin im aufgebohrten Copyprint, zum richtig gedruckten und «echt» vertriebenen Magazin – und mit der 17. Ausgabe haben sich Format und Layout wieder geändert. Größer ist es geworden, wahrscheinlich, um in der Flut nahezu gleicher A4-Formate herauszuragen, dicker ist es geworden und das Layout hat sich auch geändert, wirkt gestraffter. Geblieben ist die Vorstellung zahlreicher Fonts eingebettet in ein Layoutabenteuer, die klare Trennung von Bildspielplatz und lesbaren (und stets lesenswerten) Texten, die aus meiner Sicht ja der eigentliche Schatz des Magazins sind. Von deutschen Handlettering über Manga-Fonts und ein Interview mit dem Schrift/Comicgrenzgänger Alesso Leonardo bis hin zu der bei diesem Thema wahrscheinlich nicht fehlen dürfenden, aber irgendwie nicht sonderlich erwähnenswerten Comic Sans. Es gibt auch ein paar aus der Reihe tanzende Texte, wie etwa Julia Kahls Interview mit Matthew Carter, die das Monothema-Heft etwas auflockern, dafür fehlt mir als US-Comic-Fan dieser nicht unwichtige Teil der Comicgeschichte absolut, auch wenn ein paar Marvel-Ikonen im Bildteil zitiert werden und einige Soundwords genutzt werden, um die Fonts vorzustellen… wobei eben gerade diese Reduzierung von Comic auf «Peng! Bumm! Klatsch!» immer etwas schmerzhaft ist. Bei Typographie und Comic wären einige US-Handletterer wie Chris Eliopoulus, Künstler wie Eisner und Steranko, aber sicher auch ein Interview mit Rian Hughes spannend gewesen. So wie eigentlich (vielleicht verständlicherweise) jede kulturhistorische Betrachtung von Comics als Medium etwas fehlt – aber vielleicht ist das auch nicht der richtige Ort dafür. Dennoch schade – auch wenn er im Sterben liegt und ich eigentlich gut finde, europäische und asiatische Comics gegenüber dem US-Spandex-Genre zu betonen, gerade in Sachen Typographie gibt der Markt der US-Comics einiges her.

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Das ist aber tatsächlich schon alles, was mir einfällt angesichts eines Heftes, das sich wieder einmal erfolgreich neu erfunden hat, das zum Entdecken und Spielen einlädt und auch in der 17. Ausgabe die Balance zwischen Spaß und Seriosität immer wieder wunderbar kippelig hält – die Stärke des Heftes ist einfach, dass es keinerlei Botschaft, keine Inhalte, keine Funktion hat, sondern einfach nur ist. Auf dieser Basis, die sich so spürbar von den meisten anderen Zeitschriften mit mehr Sendungsbewußtsein abhebt, oder die eine Zielgruppe bearbeiten wollen/müssen, oder die «journalistisch» sein wollen/müssen, entsteht eine bunte Mischung aus High-End-Schülerzeitung und Fanmagazine, die mich vom Spaßfaktor an Clownfisch und andere Portfolio- oder Uni-Magazine erinnert, aber zugleich fokussierter ist. Abgesehen davon, dass es eine phantastische Mischung aus Spielwiese, Aquise- und Netzwerktool für Magma ist, ist es unterm Strich einfach eine der lesenswertesten Publikationen im Typobereich, paradoxerweise eben, weil die Slanted so ein bisschen wunderbar ziellos ist und du sie weniger wie eine ernsthafte Zeitschrift liest, sondern mehr wie ein Videogame durchwanderst, Dinge entdeckst, Geheimnisse dekodierst, Aufgaben löst und auch mal einfach Sachen überspringst. Man darf nicht drüber nachdenken, wenn andere Bereiche so wunderbar explorativ über sich selbst berichten würden und das nahezu filterlose Tumblr-Scrapbook zum journalistischen Werkzeug erheben würden.

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10. April 2012 12:09 Uhr. Kategorie Design. Tag , , , , , . 3 Antworten.

Slanted # 16 Bold-Light

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Mit diesem Heft hat die Slanted-Redaktion bei mir leicht gewonnen. Zum einen liebe ich helle und dunkle Schriften im Kontrast, das taucht immer und immer wieder bei mir auf, zum anderen ist Muhammad Ali via Bildern aus dem Corbis-Archiv photographisch heftigste in dem Heft präsentiert, der als Kindheitsidol durchgeht und bis heute vieles was an den 60ern gut und vieles, was verdammt schlecht war verkörpert und der zwar wie ein Schmetterling zu schweben verstand, aber stets eher schwer als «light» war und das in jeder Hinsicht. Davon abgesehen ist das Heft wieder Spielwiese für die Magma-Designer, die hier natürlich experimenteller abgehen können als im Alltagsgeschäft… auch wenn ich zugeben muss, dass ich genau diesen Look, so sehr ich den an sich mag, langsam aber sicher nicht mehr sehen kann, weil es zu viele Magazine und Bücher, zu viele Büros in einer bestimmten Sparte von Design und viel zu viele Studenten gibt, die mal besser mal schlechter diesen etwas hingenöhlten Design-Look fahren, so wie vor 15 Jahren alles nach Carson aussah. Wenn dieser Look aber langsam in den Theater-Spielzeitheften und Massenpublikationen ankommt (wo man sich fragen muss, ob er da überhaupt hingehört) kann und darf die Slanted eigentlich eine andere Richtung einschlagen, wie immer die auch aussehen mag. Den aktuellen Trend zu in-allen-vier-ecken-soll-typo-stecken… hey, vielleicht mag ich den einfach persönlich nicht, weil ich die 80er selbst live erlebt habe :-D.

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Dennoch ist dieses Heft bereits anders als die drei Vorgänger, wieder einen Hauch cleaner bei aller Liebe zum Chaos – und es steht so einem Heft, das keinen tighten roten Faden verfolgt, vielleicht ja auch ganz gut, wenn es etwas Notizblock-haftes hat, zusammengerockt wirkt, den Geruch von Überstunden, Koffein und Abreagieren hat, man den Seiten den Spaß und die therapeutische Wirkung briefingfreien Arbeitens ansehen kann. Schwerer zu lesen ist die Slanted dieses Mal, weil fast durchsichtig dünne Schriftschnitte oder sehr kompresse und fette Sachen wie die Ambrosia Françoise Bold schon auch auf die Augen gehen – andererseits, wer vor 15 Jahren durch dekonstruktiven Kram kam, überlebt das auch und ein bisschen soll es ja eben auch Abenteuerspielplatz für den Leser sein, denke ich. Wie auch die Produktion mit Papierwechseln, Verdelungen, Sonderfarben zeigt, wie weit das Magazin von seinen Kopierwerk-Anfängen gekommen ist. Bei all dem dürfen die Texte nicht zu kurz kommen – obwohl sie das in dem stream of conciousness der Slanted mitunter durchaus tun -, die Interviews (u.a. mit Jost Huchuli) oder die Essays (u.a. von Yves Porchez) – die die Slanted immer wieder zu einem wunderbar nerdigen Faszien für Schriftfreaks machen und ihr einen festen Platz sicher nicht nur in meinem Herzen sichern, weil kein anderes Magazin so unilateral auf Schrift als Medium festgenagelt ist in Deutschland und zugleich so grandios irrlichtern kann und das Thema so unlangweilig präsentiert – obwohl es ja durchaus langweilig sein könnte. Also, wenn ihr noch kein Weihnachtsgeschenk für den freundlichen Type-Geek in eurer Agentur oder in der Wohnung nebenan habt, wist ihr ja jetzt, wie man ihm oder ihr eine Freude machen kann: Mit einem Abo für die Slanted – für 40 € doch perfekt für den Weihnachtsbaum.

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24. November 2011 19:24 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.

Feldarbeit

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23. November 2011 18:44 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag , . 3 Antworten.

Soleil

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Typetogether stelt gerade die neue Schrift des Österreichers Wolfgang Homola vor, die Soleil, eine gut ausgebaute geometrische Schriftfamilie, die aber weniger steif und unterkühlt wirkt als viele andere Schriftfamilien aus dieser Ecke (obwohl, lieben wir Futura, Nobel & Co nicht gerade wegen ihrer seltsamen und wunderbaren Frackhaftigkeit?). Osteuropäischer Zeichensatz, Türkisch, Pfeile, zahlreiche Dingbats, OSFs, handgebaute Kursive und viele andere hochliebevolle Details zeichnen die Soleil aus, die durch die deutliche x-Höhe und klare, dennoch warme Formen eine Art Lücke zwischen Frutiger/Myriad und Futura/Neutra zu schließen scheint. Die humanistischen Einflüsse machen die Soleil zu einer Art freundlichen Variante der herkömmlichen Geometrischen und lassen sie vor allem auch für Fließtext einsetzbar erscheinen, ohne dass der Leser gleich ein Augenleiden bekommt, während die Versalien ganz wunderbar schlicht und zeitlos im Bahnhof-Look gehalten sind. Exzellenter erster (offizieller) Wurf für Homola und ein weiterer wunderschöner Release von Veronika Burian and José Scaglione.

14:28 Uhr. Kategorie Design. Tag . 4 Antworten.

Montserrat

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«The Montserrat Typeface» ist ein Kickstarter-Projekt von Julieta Ulanovsky, die mit einem Set von bis zu 9 Schriften die Alltagstypographie ihres Stadtteils Monserrat in Buenos Aires retten will, mit allen formalen Fehlern und trotzdem digital – und vor allem als Open Source Font. Was man bisher sehen kann, ist sehr vielversprechend und mehr als sympathisch ist die Idee ohnehin – kein Wunder also, dass Julieta längst deutlich über dem zu erzielenden Mindestbudget von 5000 $ ist. Was ja nicht heißt, dass ihr trotzdem nicht ein paar Euro beisteuern könnt ;-).

18. November 2011 22:02 Uhr. Kategorie Design. Tag , , . Keine Antwort.

My dingbats is bigger than your dingbats

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Johannes Erler, frisch gekürt zum Art Director des Sterns (und damit aus meiner Sicht vielleicht die letzte Hoffnung eines etwas darbenden Blattes), zeigt sich großzügig und schenkt der globalen Designergemeinschaft ein flottes Remake der Zapf Dingbats, die er etwas selbstironisch Erler Dingbats nennt. Aufgeräumt und klar, deutlich angelehnt an die FF Dingbats, die auch aus dem Hause Factor Design stammte (als Erler noch dort war), und sicher auch ein kleines bisschen als Freemium-Maßnahme gedacht, um den Leuten Geschmack auf die (ja nun mal wirklich exzellente) FF-Dingbats 2.0 zu machen, ist der Font ein 1:1 Make-Over des Klassikers der Zapf Dingbats aus den Siebzigern mit einer Ästhetik, die – da an die FFDingbats angelehnt – zumindest in mir wiederum eine schöne cleane Spät80er/Früh90er-Assoziation erweckt. Wer die FF Dingbats schon hat, wird die Erler nicht unbedingt brauchen, aber die Idee, diesen etwas in die Jahre gekommenen Zeichensatz komplett zu ersetzen (zumal die Erler als Freefont ja eventuell auch webtauglich ist), ist mehr als sympathisch und zugleich eine sehr charmante und bescheidene Verbeugung vor einem der ganz großen Schriftenmacher, was man in der Musik wohl «A Tribute to…» nennen würde. Was die Frage aufwirft, wie wohl die ZapfDingbats aus den Händen anderer Schriftdesigner interpretiert aussähe? Vor allem ist es auch schön, nicht immer nur Revivals von Helvetica oder Futura zu sehen, sondern hier einmal einen ganz anderen Schriftklassiker neu aufgelegt und poliert zu bekommen.

Auch wenn ich zugeben muss: Der Charme der Zapf Dingbats ist ja nicht, dass man ein Herz oder einen Pfeil zur Hand hat (die baut man sich zur Not rasch selbst), sondern eben der bauchige, weiche Look von Hermann Zapfs Klassiker, der im entsprechenden Umfeld sofort «Vernacular» oder «Retro» wirkt und den man ja ohnehin meist nur ironisch gebrochen einsetzt, weil die Schrift aus heutiger Sicht einen vielleicht zu weichen und blumigen Duktus hat. Dieser Effekt geht natürlich mit der Erneuerung verloren, so wie der New Beetle eben auch kein Käfer ist (aber eben auch schneller fährt). Die sachliche Handschrift des Remakes überzeugt aber absolut und wer weiß, wieviel Arbeit in so einem Dingbats-Fontsatz steckt, wird zu schätzen wissen, dass Johannes Erler und Fontshop die Sache gratis verteilen. Dank an Johannes und Hennig Skibbe!

14. November 2011 19:16 Uhr. Kategorie Design. Tag . Keine Antwort.

Slanted 13 & 14 – Sans Serif

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Was kann ich über das Slanted-Magazin sagen, was ich nicht schon gesagt habe? Die Krux aller Magazine ist, dass sie als Serienpublikationen ihren Charakter nicht so ändern, dass man mehr als ein «Out Now» liefern kann. Dass das Slanted Mag sich an der Grenze dessen bewegt, was man Magazin nennen mag, steht außer Frage. Julia Kahl und ihr Team sowie das Netzwerk der beteiligten Designer bringen mit der Doppelausgabe zu serifenlosen Schriften – die 13 eher humanistisch, die 14 eher statisch – ein Editorial-Design dass sich am modernen Trend zur Auflösung abarbeitet, wenn auch nicht mehr so konsequent wie in der 11. Ausgabe. Bild und Schrift finden eher assoziativ zusammen und Typographie ist eher Spielzeug und eine Art Meta-Thema als noch ernsthaft im Mittelpunkt wie in früheren Slanted-Ausgaben. Du liest dieses Magazin nicht mehr, um dich über Schriften zu informieren und die Schriftmuster wirken inzwischen fast deplaciert, sondern als Besuch auf einer sehr individuellen Spielwiese, die mal gelungen begärtnert ist, mal im Dekorativen hängenbleibt und scheitert, die aber immer einen Besuch wert ist.

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Man wird das Gefühl nie ganz los, dass Slanted ein «Austob»-Projekt ist, die Sorte Arbeit, die in einer Agentur nach Feierabend entsteht, impulsiv, befreit von Kundenwünschen, ein Umgang mit Bilderinputs und Schrift jenseits von Branding-Vorgaben und Projektpartnern, ein Eintauchen in die Möglichkeiten, zugleich ein Abarbeiten der besuchten Portfolio-Sites der letzten Wochen, der eigenen Liebe zu Design – auch zu dem von anderen Designern, die in ausgiebigen Interviews zu Wort kommen. Slanted ist im besten Sinne das, was man als Fanmag bezeichnen könnte – eine etwas wirsche, oft fast schülerzeitungshaft-überschwengliche Form gewordene Begeisterung für Design, ein Destillat aus Portfolios und Surfeindrücken, eine Papier gewordene Safari-Timeline, unterbrochen von Interviews, die fast ebensogut eigene IM-Textketten sein könnten, Gespräche, die sich wenig wie «echte» Interviews anfühlen, sondern ähnlich alinear und tastend wirken wir das Design des Magazins.

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Das Seltsame ist, das Slanted sich anfühlt wie an einem Gravitationspunkt – irgendwie ist es noch ein Magazin, das mit Design zu tun hat, wenn auch deutlich weniger als die dazu gehörige Site/Blog-Plattform, irgendwie fühlt es sich auch an wie eine Art Plattform des Magma-Netzwerkes und dürfte sich sicherlich auch in Zukunft mir Lars Harmsens Interessen als Dozent befassen, als eine Art autopoietisches System. Zugleich wird bei mir während des Lesens zunehmend der Wunsch greifbar, sich von Typographie und Design zu lösen und sich zu öffnen. Design ist heute mehr als schicke Photos und ein paar Schriftschnitte, mehr als Szene-Interviews und Texte – und Slanted spürt das sehr wohl. Die Lust an einem sozialen Statement, an einer Auseinandersetzung mit der Welt ist zu spüren, in der künstlerischen Leitung des Magazins, die mehr und mehr zur Kuration tendiert und sich in der Juxtaposition von Bildern und Typo-Schriftmustern spürbar ein wenig beengt zu fühlen scheint. Die Slanted, so mag ich es mir vielleicht einbilden, tastet sich an etwas heran, und ist in einer Art Jugendlichen-Phase, wütend und punky, irgendwie zwischen «Neo-Carsonesque» und «Berlin», aber zugleich schmeckt man, dass da mehr sein will und kann. Die erwachsene Slanted, vielleicht jedenfalls, wird feststellen, dass Typographie Mittel ist und nicht Zweck und sich anderen Fragen zuwenden. Sie wird nicht mehr nebenbei entstehen (was sie de facto natürlich jetzt auch schon nicht mehr tut, dafür steckt zu viel Zeit drin) und vielleicht nicht mehr ein «Design»-Magazin im engeren Sinne sein. Sie wird sich vielleicht von jeder Form festen Editorials verabschieden und eine Art BrandEins der Designwelt werden, nur lebendiger und pulsierender, neugierig und weniger «Magazin» als mehr ein «Flow of Information». Sie wird, kurzum, werden, was immer Julia, Boris,, Lars und all die anderen Slanted/Magma-Coworker spannend finden. Das spannende an dem Magazin ist also längst nicht mehr das Heft an sich – das ich leider gerade aufgrund der sehr alinearen Form immer weniger real lese, sondern mehr überfliege und durch den Impuls-Overkill oft aus den Interviews wieder «herausgleite»… da ist die konservative Blattform der Form etwa viel geeigneter, mich als Leser einzuladen und zu halten – sondern die Evolution eines Blattes, das keine realen Grenzen hat und sich erfindet, während es ja schon existiert. Es ist diese Papier gewordene Neugier und Entwicklung, die Slanted spannend und als Ganzes zur Erfahrung macht.

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7. Juli 2011 11:02 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.

Metric

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Die Metric von Kris Sowersby ist gerade bei Village neu erschienen und setzt den derzeitigen Siegeszug der geometrischen Schriften fort – nach der jahrelangen Herrschaft der Helvetica-Wiedergänger leben jetzt die Futura-Epigonen auf. Als jemand der die Futura stets liebte, selbst als sie derbst out war (ich bin ja nach wie vor ganz vernarrt in Luc(as) de Groots VW-Variante) freut mich, dass es inzwischen in diesem Bereich mehr und mehr Auswahl gibt, selbst wenn ich in diesem Bereich meist eher die Versalien schätze und einsetze und die Minuskeln oft seltsam unmodern finde. Leider habe ich bei der Metric keine volle Character-Maß gefunden, aber in der PDF sieht es so aus, als würden einige moderne Features wie Minuskelziffern oder Small Caps fehlen – und bei einer Schrift dieser Art wünsche ich mir persönlich ja immer Display-Umlaute, die einen fast durchschußfreien Satz erlauben. Dennoch hängt die Metric – deutlich mehr als ihre Schwesterschrift Calibre – schön sauber zwischen Strenge und Ironie und dürfte sich so vor allem in dem wachsenden Bereich neosachlich-dekonstruktiver Designs anbieten, vor allem, weil sie im Detail wunderbare Idiosynkrasien aufweist, die im Spiel mit der Schrift viel Spaß machen dürften.

22. Juni 2011 13:52 Uhr. Kategorie Design. Tag . Eine Antwort.

Sagmeister: Another Book about Promotion …

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Schon in seinem ersten Buch – dem phantastischen «Made You Look» – bezeichnete sich Stefan Sagmeister weniger als «Designer» und in den Credits meist als «Art Director», der konkrete Design-Credit ging eher an Mitarbeiter oder Praktikanten. Was man in den begrifflichen Unklarheiten unserer Branche und den sehr klar designorientierten Arbeiten in diesem Buch noch unterschätzen konnte, ist in den letzten Jahren sehr greifbar geworden – Sagmeister hat heute längst den Bereich alltäglichen pragmatischen Designs verlassen und ist ein «künstlerischer Leiter». Auch wenn er in aller Bescheidenheit sich selbst gern weiterhin als jemand sieht, der in Form von Auftragsarbeiten tätig ist und diese ganz einfach nur kreativ erfüllt, ist in vielen seiner offeneren Projekte greifbar, wie wenig diese noch mit dem Designalltag von 95% der Branche zu tun haben und wie sehr Stefan sich «freigeschwommen» hat, im Grunde nahezu künstlerisch arbeitet. Seine Typo-Interventionen, seine obsessiven Montagen, der Umstand, dass er stets selbst Thema seiner Arbeiten ist und in diesen immer wieder auch erscheint, die Art, wie er mit Partnern zusammenarbeitet, die Tatsache, dass es oft nicht mehr um die «Botschaft» des Auftraggebers geht, sondern um innere Fragen oder Überzeugungen von Sagmeister – die Grenze ist mehr als schwimmend. Sagmeister ist auch von seinem persönlichen Habitus und seinen Botschaften her eher jemand, dessen Haltung und Freiheit ich eher mit einem «Artist» verbinde als mit einem Designer oder Studioinhaber. Stefan gehört zu den 5% aus unserer Branche, die es geschafft haben, für das, was sie ohnehin tun in der Art in der sie es tun möchten, ausreichend gut bezahlt zu werden, sich die Kunden aussuchen zu können und mit relativ kleiner Infrastruktur durchaus sehr große Projekte zu stemmen – und ist in dieser Position sicher mehr als zu Recht Vorbild für eine neue Generation von Gestaltern, so wie vielleicht in den 90ern Carson es war. Inwieweit die anderen 95% eben talentiert oder glücklich oder konsequent genug sind, seinen Status zu erreichen, sei einmal dahin gestellt, aber das ändert wenig an der Tatsache, dass Stefan längst an dem Punk ist, wo «selling» für ihn kein Thema mehr ist – sei es ein Produkt oder sei es, im herkömmlichen Sinne, seine Arbeit. Insofern darf man den Titel seines neuen Buches zugleich als ironisch sehen als auch eine programmatische Note darin entdecken – denn hier handelt es sich nur um Auftragsarbeiten, in Abgrenzung zu «Things I have learned…» und fast scheint es, als brauche Stefan eine ironische Note, um sich diesen Arbeiten zu nähern.

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Und so lässt er sich sein neues Buch – das zugleich Katalog zu gerade geendeten Ausstellung in Lausanne ist – von Martin Woodtli als eine Art Bibel gestalten. Im Gegensatz zu dem nahbaren, humorig-warmen, fast Tagebuch-ähnlichen «Made you Look» wirkt «Another Book» sehr ernst, fast streng. Das guillochierte Cover, all in black, auf dem ein an Geoff Darrows hyperpräzisen Stil erinnerndes Baby als «Vitruv»-Allegorie Unschuld, Neugier und auch ein bisschen verwirrendes Alien-Flair ausstrahlt, wirkt alles andere als «promotional», ebenso wenig Woodtlis Nippel-Baby-Zeichnung auf dem Schmutztitel, aber zugleich sind Layout und Typographie fast neo-klassisch, deutlich angelehnt an Gesangsbüchern und Bibeln, todernst. Die Leichtigkeit und durchaus auch die Offenheit des ersten Buches – dem vielleicht einzigen Designbuch, das auch Arbeiten zeigt, mit denen der Absender eher unzufrieden ist und fast gnadenlos die oft uncharmante Zeit/Geld-Relation der meisten Jobs dokumentiert – ist Texten gewichen, die aus namhaften Mund den Designer/Künstler Sagmeister interpretieren und verorten, die Beschreibungen der Arbeiten wirken in der Tat wie aus einem Kunstkatalog entliehen, mit präzisen Angaben der Mitwirkenden und der Größen usw. Es ist, freilich, Stefans selbstironische Art, mit seinem gewandelten Status umzugehen, eine feine Distanzierung von dem Status als Stardesigner, dessen Arbeiten von einer Ausstellung zur nächsten fliegen und der selbst mit kommerzieller Arbeit ins Museum kommt. Es ist ein Augenzwinkern und anders kann man vielleicht gar nicht mit diesem enormen Ruf als «visonary, performer, architect and artist» und der damit einhergehenden Erwartungshaltung umzugehen. Sagmeister, ein Profi in der Selbst-Inszenierung, überlässt den Look eines Buches nicht dem Zufall, sondern sendet hiermit auch eine Botschaft, die in ihren unsympathischen Momenten und Brüchen sympathisch wirkt und dort irritiert, wo sie spürbar sympathisch sein will, wo Sagmeister spürbar auch als Popstar noch als nice guy rüberkommen will, etwa in den Reise-Momentaufnahmen, die die Bilder der Arbeiten begleiten. Stefan ist ein Meister diese Inszenierung von Nahbarkeit – auch, weil er wahrscheinlich wirklich ein nice guy ist -, die nur dann doppelbödig und verwirrend wird, wenn Studenten, die begeistert einen Vortrag von ihm sahen, diesen zum zweiten Mal erleben und feststellen, dass Sagmeister keineswegs frei redet, sondern perfekt vorbereitet, einstudiert arbeitet, in seinem individuellen Auftritt so wenig zufällig ist wie seine Arbeiten eben auch «meticulous» wirken.

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Was «Another Book…» also zeigt, ist dieser wunderbar schwebende Zustand eines Stars, der gar nicht mehr kommerziell arbeiten müsste, aber kommerziell arbeitet, vielleicht, weil er es eben doch muss. Die Arbeiten sind gebunden und haben eine Funktion und erfüllen diese meist makellos, und zugleich sind sie von einer Individuellen Stimme und Suche nach eigenen Antworten, die stets an der Schwelle zu einem eigenen künstlerischen Gestus stehen. Immer noch sind die Ergebnisse von Sagmeisters Freude am Spiel, am Experiment, am Baukasten, am Effekt geprägt, sie fordern zum Anfassen und Interagieren auf und sind durchgehend – wenn auch seine Arbeiten insgesamt weniger wirsch durch die Stilschubladen springen wie noch vor einigen Jahren – wunderbar ohne einen «House Style». Mal folgen sie einer simplen One-Idee-Philosophie, wie bei Zumtobel, mal bringen Sie Sagmeisters typographische Experimente in die Corporate-Welt, wie bei Adobe oder Standard Chartered, mal tastet er sich an den «alten» Sagmeister heran, mal ist er kaum wiederzuerkennen. Aber seltenst erzeugt seine Arbeit nur ein Schulterzucken – man mag es je nach Ansicht beschissen finden oder grandios, aber egal sind die Dinge, die aus Stefans Hand kommen, meist nicht. Mehr kann man als Gestalter wohl kaum wünschen.

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«Another Book…» ist insofern natürlich eine Fata Morgana, es zeigt uns den Traum des Designers, der völlig frei sein kann, dem die Kunden nachlaufen und der sich die Projekte aussucht, von dem wir (wider besseren Wissens) träumen dürfen, er müsse keine Kompromisse mehr machen. «Another Book…» ist mehr noch als «Made You Look» der Traum von Design, das eigentlich Rockmusik sein darf. Unter dieser Oberfläche der «coolen» Ergebnisse zeigt es aber einen smarten, intelligenten, hungrigen Geist, der sich selbst hinterfragt, der nichts als gegeben hinnimmt, der einen faustdicken Humor hat, der genießen kann und sich vor allem anscheinend nicht langweilen will. Es zeigt Design, das sich zu keinem Zeitpunkt in Fragen nach Schrift und Farbe, Mode und «Look» verirrt, nie darüber nachdenkt, was gerade angesagt ist, sondern immer vor allem eine Geschichte erzählen will. In Sagmeister schlummert ein Kind, das verliebt ist in Geheimcodes, Chemiebaukästen, Codes, Natur, Autos, Pop-Up-Bücher, Menschen, verborgene Botschaften, Puzzles und diese ganze Magie der Welt. Dieses Kind nicht verloren zu haben, nie so richtig erwachsen worden zu sein, so platt das klingen mag – das ist die eigentliche Leistung von Sagmeister… und darin, mehr als in seinen konkreten Arbeiten, können wir von ihm lernen. «Made you Look» ist aus diesem Grunde eines meiner absoluten Lieblingsbücher – eben nicht so sehr für das gezeigte Design, sondern für die Haltung dahinter – und bis heute vielleicht das einzige Designer-Buch, das mich dazu gebracht hat, dem Autor spontan zu schreiben… «Another Book» zeigt Sagmeister distanzierter, vorsichtiger, weniger verpeilt, professioneller… und ist aus diesem Grund ebenso sehr zu mögen: Es ist ein Buch, das gewollt oder ungewollt Sagmeisters Reise und Evolution während der letzten Dekade dokumentiert und aufzeigt, wie ein Star mit seinem Ruhm leben kann… indem er nicht vergisst, über sich selbst lachen zu können.

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20. Juni 2011 19:36 Uhr. Kategorie Design. Tag . Keine Antwort.

Typoversity – mit Giveaway

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Typoversity ist ein Buch mit dem Herz am rechten Fleck. Es gehört mit 240 Seiten und mit einem Preis von 25 € in die Kategorie von Designbüchern, die sich jeder leisten kann, es ist liebevoll gestaltet und nähert sich seinem Thema so vielseitig und gekonnt, dass es eine Freude ist.

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Die beiden Design-Made-In-Germany-Macher Nadine Roßa und Patrick Marc Sommer sind mit Andrea Schmidt, die auch mit Patric für die Gestaltung zuständig war, als Herausgeber von Typoversity noch nahe genug dran an der universitären Erfahrung, um zu spüren, wie wenig Licht auf die Leistungen von Studenten fällt – geschweige denn im typographischen Bereich. Sicher, einige Professoren – allen voran Fons Hickmann und Klaus Hesse – schieben aus eigener Kraft die Projekte ihrer Studenten in Wettbewerbe und beweisen dort, wie gut studentisches Design sein kann, aber oft genug haben die Studenten selbst oder auch die Fachhochschulen nicht das Budget, an größeren Designwettbewerben mitzumachen, zumal es hier oft zu Verzerrungen kommt – die freieren Uni-Arbeiten wirken mitunter, je nach Wettbewerb, seltsam zwischen den markt-orientierteren «realen» Werken. «Sushi» ist eine willkommene Ausnahme – ebenso wie die TDC und ADC Nachwuchsprogramme – aber eine Publikation, die sich exklusiv auf Studenten-Output in Sachen Schriftdesign, -experiment und -layout konzentriert, ist dennoch eine Ausnahme, und in diesem Fall eine ausgesprochen schöne dazu.

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Denn das kompakte Buch kommt nicht nur im edlen Les-Naturals-Karton mit Letterpress von Bölling daher, sondern besticht auch im Inneren mit einer liebevollen Gestaltung auf Werkdruckpapier, die ein wenig an alte Hermann-Schmidt-Publikationen erinnern, die Art von humanistisch zweifarbigem Textsatz auf Naturpapier, die Thematik, man wundert sich impulsiv fast, dass dieses Buch eben nicht bei Bertram und Karin Schmidt-Friderichs erschienen ist, sondern bei Norman Beckmann – aber der Look steht ja tatsächlich für eine gewisse Haltung zur Typographie und ist vielen Studenten wahrscheinlich aus «Lehrbüchern» von Schmidt vertraut und passt insofern ideal. Es zeigt auch, das der Hermann-Schmidt-Verlag fast eine Art Genre etabliert hat, in dem auch andere Publikationen und neue Verlage erfolgreich funktionieren, das eine Mischung aus Showcase und Fachbuch ist. Denn wo viele andere Designbücher es beim reinen Arbeitenzeigen belassen, weil es einfacher ist, nur Bilder zu reproduzieren, macht sich Typoversity die Arbeit, textlich in die Tiefe zu gehen. Die Studenten stellen ihre Projekte teilweise ausführlich vor bzw. zitieren ihre Projektstrategien, Interviews mit den Studenten – etwa mit Jenna Gesse über ihr Buch «Leerzeichen für Applaus» – vertiefen die Ansätze und Ideen, so dass die nur anhand von Bildern oft zu abstrakt wirkenden Projekte greifbar und nachvollziehbar werden und man als Leser einen soliden Einblick in das bekommt, was sich in den Projekten an den Fachhochschulen und Universitäten tut. In einem gelb abgehobenen Textteil kommen zudem die Professoren zu Wort – mit einer mehr als feinen Auswahl, darunter so bekannte Protagonisten wie Nora Gummert-Hauser, Jürgen Huber und Christian Hanke, Indra Kupferschmid, Jay Rutherford oder Dan Reynolds, um nur einige wenige zu nennen. Das Buch, als Projekt, als Package, als Endergebnis, ist so überzeugend, dass man es eigentlich auch als Designer im Schrank haben sollte, wenn man sich nur wenig für den typographischen Nachwuchs interessiert – und jede Designschule sollte es in großer Menge an Erstsemester verteilen.

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Zugleich ist es eine Meditation über die Bedeutung typographischer Lehre im Design. Nicht nur in den Interviews, aus denen eine wahrscheinlich zum Bachelor-Umbruch und zu leeren Staatskassen passende Mischung aus Aufbruchstimmung und persönlichem Engagement versus einer gewissen institutionellen Frustration mit mangelnden Möglichkeiten spricht, sondern auch in Form der Arbeiten selbst. Die ganze Bandbreite von Schriftschaffen, von relativ soliden Fontentwicklungen bis zu mal mehr, mal weniger gelungenen pragmatischen und experimentellen Print-Arbeiten zeigt wie unterschiedlich und vielfältig die Lehransätze sind (und wie wichtig es eigentlich für Studenten wäre, sich vorab über diese Unterschiede zu informieren bzw. informieren zu können). Die Tendenzen der Branche – von der Rückkehr zum zum Handmade-Look bis zu neo-sachlichen oder post-dekonstruktiven Designansätzen – kommen über die Studenten prototypisch zurück und spiegeln auf seltsame Art wider, wie Studenten und Lehrende auf Trends im Design reagieren und diese somit hinterfragen oder auch festigen. Manche Ergebnisse wirken dabei etwas altbacken, wenn etwa Raum-Fläche-Verteilungen zu Designs führen, die etwas an Plakatgestaltung aus den 70s erinnert, manches wirkt so brav, als wäre es schon in einem Bewerbungs-Portfolio, manches erinnert frappant an die aktuellen Vorbilder der Studenten, wieder anderes hat eine ernsthafte Unschuld und zeigt die Zeit und den Mut zur Suche nach eigenen Lösungen, das es eine Freude ist, sich die Arbeiten anzusehen. Von Design-als-Dienstleistung bis zu Design-als-Rebellion, Typoversity versammelt einen extrem spannenden Querschnitt durch die Ansätze der Hochschulen und dürfte deshalb nicht zuletzt auch Studenten-in-Spe helfen, sich für eine Schule zu entscheiden, die ihren Vorlieben entspricht.

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Nun bin ich als Designer ja eigentlich ausgesprochener Freund des angewandten, «funktionierenden» Designs. So sehr mich Arbeiten von vier5 oder metahaven begeistern, am Ende bin ich ein Kind von Leuten wie Aicher, Weidemann und Spiekermann und will Design, das wirkt, das sozial ist und nicht «künstlerisch» orientiert. Kunst ist Mittel, nicht Ziel, das ist für mich nach wie vor eine sinnvolle Kommunikation. Dessen ungeachtet finde ich, dass gerade an den Hochschulen das Entdecken, das Spielen, das Experiment und damit unweigerlich auch ein Design, das mit beiden Füßen, einem Ellbogen und dem halben Gesicht in der «Kunst» steht, ungemein wichtig. Freies Experiment ist die Brutkammer für all die Fehler und Fehlschläge, die am Ende zu der Erfahrung führen, die für «funktionierendes» Design wichtig ist. Studenten brauchen, so seltsam das klingt, idealerweise einen Mix aus pragmatischen, handwerklich orientierten Dozenten und solchen, die ihre Köpfe in Brand stecken, Horizonte verschieben und sie seltsame Dinge tun lassen. Unter diesem Aspekt ist fast verwunderlich, wie wenig wirklich avantgardistisches in Typoversity steckt – verwunderlich und erschreckend. Enorm viele Arbeiten sind fast Portfoliotauglich, hier eine Webpage, dort in liebevoll gemachtes Buch, Plakate, Schriften – alles enorm markttauglich, viele Arbeiten so gut gemacht, das man die Leute vom Fleck weg engagieren möchte. Was etwas fehlt, ist der, um Gregor Eisenmann zu zitieren, «kranke Shit». Da gibt es ein wenig Buch-Entstellung, da gibt es Experimente, die aber an Holzer, Underware, Sagmeister erinnern, also auf verlässlichen Pfaden wandeln, da gibt es Schriftentwürfe, die sich à la 90s gegen die Lesbarkeit aufwenden – aber es gibt nach zweifachem Lesen kein Projekt, wo mir der Kopf weggeflogen ist. Das ist keine Kritik – weder am Buch, noch an den Studenten und erst gar nicht an den Lehrenden – sondern eher Verwunderung. Ich hab selbst acht Jahre den Dozenten gegeben und weiß, wie unfassbar schwer es ist, als Lehrender aber auch für die Studenten selbst, im Rahmen von ein zwei Semestern komplett wirsche Sachen zu provozieren und produzieren… und sich dennoch nicht permanent vorzuwerfen, dass man bei einem solchen Trip den «Stoff» und die Vorbereitung auf die Arbeitswelt total vernachlässigt. Was auch richtig ist – im Grunde ist die Aufgabe, vor allem beim Bachelor (seufz), eine Art Ausbildung zu liefern. Und ich bin wahrscheinlich nicht der einzige Arbeitgeber, der sich fragt, ob diese Ausbildung nicht sogar noch sachlicher und fachlicher sein müsste, mehr Know-How in Sachen Marketing, Werbung und und und vermitteln müsste, mehr Praxiserfahrung. Das Studium ist also ohnehin überfrachtet – von den verschiedensten Seiten. Dennoch ist es schade, dass insgesamt doch recht wenig Punk, recht wenig Böses in den Seiten von Typoversity passiert, denn es spricht für eine gewisse Bravheit der Studenten – und Design braucht eigentlich, um sich als Branche aber eben auch als Kommunikationsmedium per se weiterzuentwickeln – immer wieder Nachwuchs, der alles in Frage stellt, die Tempelsäulen einreißt und konzeptionell wie gestalterisch neue Ufer entdeckt. Insofern ist es natürlich eine Freude, so viele anwendungsorientierte Arbeiten zu sehen, die oft so sauber und gelungen gemacht sind – aber irgend etwas in mir wünscht sich zumindest ein zwei Brandstifter, die ihre Energie nicht in etwas zu kopflastigen Experimenten verpuffen, sondern die eine viskerale, brutale Energie haben, die mich als Betrachter zugleich abstoßen und anziehen, irritieren, provozieren und mitreissen. Es ist wahrscheinlich den Reformen an den Hochschulen zu danken, dass die Chance, die Universität als Labor für Sturm und Drang zu sehen, so lange Unsinn zu produzieren, bis Sinn emergiert, ein wenig vorbei ist. Die Frage ist aber, ob wir wirklich jedes Jahr hunderte von «funktionierenden» Design-Absolventen brauchen, für die es z.T. gar keinen Arbeitsmarkt gibt und die ein wenig seltsam zwischen Kunst und Werbung hängen… oder ob es nicht auch sinnvoll ist, Design als Studium einer Haltung gegenüber Gesellschaft und Welt zu sehen, in der – und das wäre die große Ausnahme in den Universitäten – das permanente Hinterfragen des Status Quo, das Experiment, die Rebellion und damit der starke Wunsch nach Veränderung wichtiger ist als Anpassung an Arbeitswelt. Dann nämlich würden die «etablierten» Designer aus dem Ideenpool der Studenten Anregungen und Inspirationen suchen – sozusagen die «wilden» Ideen zivilisieren und filtrieren… und nicht mehr umgekehrt die Universitäten zu Orten, an denen bestehendes Design ein Stück weit emuliert und aufgearbeitet wird.

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Für die Designbranche als Ganzes – denn ich kenne ja genug Studenten, die genau diese Energie zum Experiment in sich tragen – würde das unterm Strich vielleicht sogar mehr bringen, denn mit den Jahren würde nicht nur unser «Genre» visuell und inhaltlich deutlich voran geschoben werden, vielleicht sogar jenseits der endlosen stilistischen Rückgriffe, die heute in sind, und eine eigene neue, evolutionäre Form finden, vor allem würde eine Generation selbstbewussterer Gestalter entstehen, die das Experiment als Lebensform begriffen haben und ihr Leben – und damit wahrscheinlich unser aller Leben – langfristig durch eben solche Experimente, Startversuche, grandiose Fehlschläge und ebensolche Erfolge, bereichern würden. Aber das geht natürlich weit jenseits der individuellen Studenten und Dozenten – die ja alle absolut mehr als ihr bestes geben -, hier geht es fast um ein kulturelles Wollen des Staates und eine Haltung zu Design (und Architektur) als «Geisteswissenschaft» und um die Frage, was Universitäten sein sollen – Ausbildungsmaschinen oder Orte, an denen Menschen und Gesellschaften sich neu erfinden. (Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte). ich weiß nicht, ob die Hochschulen – durch Schwerpunktsetzungen, Dozentenauswahl, Involvierung von Studenten, Branding usw. – hier selbst etwas tun können oder ob tatsächlich nicht ein Umdenken auf Landes- und Bundesebene gefragt wäre. Wenn in England schon die erste private «geisteswissenschaftliche» Hochschule eröffnet wird, weil sich die eher neoliberal tickenden Briten darum staatlich kaum noch kümmern, dürfte man sich in Deutschland erinnern, dass neben den Ingenieursfähigkeiten eben doch auch das Denken und Philosophieren ein deutsches «Alleinstellungsmerkmal» ist – und eine Qualität, die man nicht mirnixdirnix aufgeben sollte.

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Typoversity zeigt insofern die Hochschulen im Querschnitt als Momentaufnahme – moderner als noch vor einigen Jahren, von einer neuen Generation Lehrender angefeuert, mit einer ganz anderen Art von Studenten, aber zum Teil auch überfordert, unterfinanziert und ein wenig orientierungslos im Strom der Anforderungen zwischen Kommerz und Kunst, getragen von hochmotivierten und designaffinen Lehrpersonal und Studenten mit Herzen und Seelen von Kämpfern, die sich gegen den Apparat und das systemische Trägheitsmoment wehren. Es zeigt – wie so viele Portfolio-Books – oft ununterscheidbar gute Arbeitsergebnisse, in denen es für Absolventen immer schwieriger wird, sich zu profilieren und einen USP zu finden. Vor allem aber zeigt es Typographie als nach wie vor zentrales Fach für Design, das alles andere als ein How-to-Fach ist, in dem etwas Schriftexperiment und Geschichte vermittelt wird. Es ist, paradoxerweise, trotz der ureigentlich handwerklichen Orientierung heute ein Kopf-Fach, in dem gearbeitet und konzeptioniert wird, und in dem Design-Denken vermittelt wird, vielleicht weil Schrift eben immer noch Medium des greifbar gewordenen Denkens ist.

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Und darin einen Einblick zu gewinnen – das ist für 24,90 € mehr als geschenkt. Man kann nur hoffen, dass das Buch ein Erfolg wird und ein Dauerbrenner und wir von Roßa und Sommer noch einige Folgebände bekommen, die die Entwicklung studentischer Arbeit mit Schrift und Layout über mehrere Jahre dokumentiert.

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Weil das hier kein gekauftes Buch ist, sondern ein Exemplar, das Patrick mir persönlich geschickt hat, würde ich es gern verlosen. (Liest so weit unten überhaupt noch jemand mit?) Die Sache ist relativ einfach: Mitmachen können nur Studenten (ich prüfe das nicht nach, ich vertraue den Einsendern). Bitte schickt mir eure beste eigene typographische Arbeit, je wilder, desto lieber – der Student mit der schönsten Arbeit (subjektive Entscheidung mit dem nodesign-Team als Jury) bekommt das Buch geschenkt, portofrei. Also: Einfach eine Mail an schellnack@nodesign.com mit einer kleinen PDF, vielleicht ein paar Worte dazu und eure Adresse. Einsendeschluss ist in einer Woche. Ich bin sehr gespannt, ob überhaupt noch Designer (geschweige denn Studenten) dieses Blog lesen und ob überhaupt bzw. was da bei uns ankommt.

16. Juni 2011 08:07 Uhr. Kategorie Design. Tag , . 4 Antworten.

Azuro

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Adriano Celentano wird es freuen – endlich gibt es die Schrift zu seinem größten Hit, wenn sie auch nicht aus Italien kommt. Die für die Lesbarkeit an Montioren unter verschiedenen Betriebssystemen und für Mobilgeräte optimierte Familie mit den vier bürofreundlichen Standardschnitten Regular, Italic, Bold und Bold-Italic stammt von Georg Seifert, den Schriftfreunde als Schöpfer der leicht an TheSans erinnernden, zeitlos schlichten Serifenlosen Graublau Sans kennen. Die neue Schrift hat Seiffert mit seiner eigenen Font-Software Glyphs gestaltet, und das Ergebnis ist ein freundlicher Office-Font, der hier und da genetische Restspuren von Spiekermann-Ästhetik in sich trägt, aber durchaus über eigenen Charakter, kleine Eigenarten und eine klare Optik, die Freude macht. Seifert sieht den Font als Ersatz für die üblichen Screen-Standards wie Arial, Verdana oder Lucida Grande, wobei das wahrscheinlich wie stets an der Verbreitung scheitern dürfte (Arial ist ja nun mal überall), zum anderen muss die Praxis zeigen, ob die Ästhetik der Azuro nicht einen Hauch zu viel Charakter hat, am Bildschirm mit der Zeit also vielleicht nicht «unsichtbar» genug ist. In den vom Fontshop verschickten Beispiel einer Mail-Ansicht muss ich zugeben, dass mir die Verdana besser gefällt, luftiger und nicht so beengt wirkt und auch die Glyphen weniger sperrig sind als die der Azuro, die mit allerlei eigenwilligen Buchstabenformen und seltsamen Kontrasten und Serifen aufwartet.

Mit SmallCaps, dezenten Minuskelziffern und einer Flut an internationalen Glyphen ist der Font aber auf jeden Fall exzellent ausgebaut und es gibt ihn sowohl in der normalen Office-OTF-Variante, als auch als Webfont, so dass er sich zB für den Einsatz mit Typekit eignet. Insofern eignet sich die Schrift sicher für mehr als nur für die gelegentliche E-Mail, sondern kann wahrscheinlich sogar für kleine CD-Aufgaben eingesetzt werden.

Das beste aber ist der Einstiegspreis, mit dem Fontshop die Schrift als zweite Veröffentlichung nach Erik Spiekermanns Excel-Font Axel herausbringt: die Office- und die Web-Familie kosten jeweils nur 20 Euro, und das ist für eine Schriftfamilie dieser Qualität ein Nicht-denken-sofort-kaufen-Preis.

12. Mai 2011 10:31 Uhr. Kategorie Design. Tag . 4 Antworten.

Mistral

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Wir hatten ja heute eine kleine Diskussion im Büro, bei der ich meinte, im Zuge des Revivals nahezu jeder schlimmen 90s-Schrift müsste man doch auch wieder die frühen Bitstream-CorelDraw-Unsagbarkeiten aus der Kiste holen, etwa die Mistral. Die überraschenderweise kaum jemand hier kannte und als ich sie online zeigte, hab es betretenes Schweigen. tatsächlich habe ich an die Mistral warme Erinnerungen – sie ist eine dieser Plakatschriften deren Name allein schon französische Urlaubsgefühle aufkommen lässt… und tatsächlich gehört sie ja in die Riege der Excoffon-Antifonts, die derzeit wieder en vogue sind, wie auch die Choc. Es ist die Signatur einer untergegangenen Werbeepoche – und für mich seltsamerweise auch der achtziger Jahre – und weil es keine schlechten Schriften gibt, habe ich sie wieder herausgekramt. Zwei Minuten Arbeit, Photo ein Work-Screenshot von Phillp Ottendörfer…, alles durchaus ironiefrei zusammengebaut… und ich finde, die Mistral geht irgendwie tatsächlich auf diesem fiktiven Buchcover. (Das Design geht natürlich nicht, ist aber nur fix zusammengebaut). Ich muss mal wieder die alten Corel-CDs herauskramen :-D. Und mehr Buchcover machen, anscheinend – eigentlich sehr nett, mal in fünf Minuten etwas zusammenzubauen anstatt an langen Projekten zu sitzen. Designer-Quickie, so ein Buch. Tatsächlich vergessen wir aber oft angesichts der ernsten und funktionalen und reduzierten Schriften, mit denen wir alltäglich alle arbeiten, wieviel Spaß die wenn auch etwas wirsche Schriftenvielfalt am Anfang des digitalen Zeitalters gemacht hat – als die Fonts noch mies waren und uralte Zeitgeist-Displayschriften massenweise auf den Markt kamen bzw in den neunzigern diese grandios schlechten Techno-Schriften aufkamen. All das macht auch einen Teil des Spaßes an der Arbeit mit Schrift aus.

(Und sorry für die zwei Wochen Sendepause, so much to do)

29. April 2011 19:58 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

Danny näht…

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Ungewohnte Töne im Büro heute – unsere derzeitige Praktikantin Daniela Brand sitzt an der Nähmaschine und bastelt die Schrift für die Ausstellung ihres Kokolores-Buchprojekts in Düsseldorf. Nachdem ich mich die letzten Wochen eher abstrakt mit handgemachtem Design befasst habe, ist es eigentlich ganz toll, auch einmal bei der Entstehung live zuzusehen…

8. Dezember 2010 19:11 Uhr. Kategorie Leben. Tag , . Keine Antwort.

Ü

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Nichts geht über Handwerk.

2. Dezember 2010 11:24 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Eine Antwort.

Slanted 11

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So spät wie ich diese Ausgabe vorstelle, ist die nächste wahrscheinlich schon fast da – sie kam leider erst recht spät hier an und wir sind derzeit auch recht busy.
Dennoch nachgereicht ein paar Worte zum Slanted-Magazin, dass ja langsam aber sicher zu einer großen Erfolgsstory wird, vom Blog zum Selfmade-Magazin in einer Art feinerem Copy-Printing, zur regelmäßigen Publikation mit gemischten Papiersorten und Plakat-Umschlägen, die inzwischen auch in ausgewählten Magazinhandlungen zu kriegen ist und mit Typo-Lyrics eine Art Buchableger generiert hat.

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Die elfte Slanted bringt nun eine Art Umbruch, der vielleicht an der Zeit war. Die Slanted hat sich nie fragen müssen, wofür sie eigentlich da ist – das Magazin ist in seiner Fokussierung auf den typographischen Aspekt von Design in Deutschland recht einzigartig und stellt Schriften zudem so eigenwillig nicht nur als Fonts, sondern auch in ihrer Anwendung und mit Themenschwerpunkten vor, dass es vielleicht auch nie nötig war, sich nach raisons d’être zu fragen. Mit dem Erfolg ist die Slanted aber nun vielleicht mehr als nur ein Image/Spaßprojekt von Magma, vielleicht hat man nach zehn Ausgaben aber auch einfach nur Lust auf Veränderung – jedenfalls haben Lars Harmsen, Julia Kahl, Flo Goertner und der Rest des Slanted-Teams ihren Focus erneut verschoben und herausgekommen ist etwas, was nicht mehr Richtig Magazin sein kann, sondern zu einer Form von Austellung in Papierform mutiert, die rund um eine Form von Schriftausdruck zu mutieren scheint. Slanted ist ein Zettelkasten, ein Blackboard, eine Zeitschrift, die man zunehmend weniger liest und mehr sieht, ertastet, die den Betrachter auf den ersten 114 Seiten mit einer Bilderflut allein lässt und erst dann in einer Art ausgedehnten Kolophon die Texte nachliefert, als Endnoten sozusagen, als Untertitel zu den Bildwelten. Dieser Remix-Ansatz, der Inhalte ineinanderschiebt, überlagert und der dem modernen Flair fürs Anitästhetische im Design fröhnt, ist so erfrischend wie auch ermüdend. Er hebelt die Linearität des Magazins komplett aus, findet eine fast an die Ray-Gun-Zeiten erinnernde Dreistigkeit, diese wohltuende «Yeah, fuck YOU»-Haltung, die einem Designmagazin einfach auch guttun kann und die neben den größeren Designmagazinen, die stets funktional-journalistisch, eine eigene Nische für die Slanted generiert, eine Abhebung von Form, Novum, Page et al – und zugleich noch einen Unterschied zu den endlosen, namenlosen kleineren Design-Fanzines dokumentiert, die immer versuchen, wie Magazine auszusehen… die Botschaft ist: Wir können aussehen wie wir wollen, wir können machen, was wir wollen, wir sind so frei. Das ist natürlich auch eine narzisstische, vielleicht sogar egoistische Haltung, den Leser so auszusperren, solche Hürden aufzustellen, so dekonstruktiv und studentisch und essayistisch, vielleicht sogar poetisch arbeiten zu wollen – und man merkt dem Magazin fast an, wie sehr die eher informativen, Schrift rein vorstellenden Seiten und erst recht die Anzeigen dieses Konzept belasten – aber so viel Spaß sollte man sich an seiner eigenen Publikation andererseits auch leisten dürfen.

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Die Slanted widmet sich dem Thema «Typewriter» und Monospaced Typography enorm vielseitig, so schillernd und ausufernd, als habe man eine Mischung aus Diplomarbeit und Drogenparty in der Hand. Wie das so ist, wenn man in Schwung ist, geht auch mal ein bisschen die Sau mit einem durch und das Heft wird ein bisschen zu Manifest-artig, kriegt diese weltverbessernde Pop-Ernsthaftigkeit, die sich in ffffound und Konsorten, aber eben auch in vielen Diplomen dann in flott gesetzten vierzeitligen Sprüchen niederschlägt – Design als Soundbites. Vielleicht darf man da nicht fragen, was auf einmal Photographien von Atomwaffen oder aus dem Irak in diesem Kontext machen, it’s all Rock’n'Roll, Baby. Aber tatsächlich rettet diese etwas punkige Attitude die Slanted davor, langweilig zu werden. Du gehst halt durch eine Ausstellung, und manche Arbeiten sind wahnsinnig gut, manche so lala, manche eben scheiße, aber die Ausstellung an sich hat ja Spaß gemacht und der Kaffee war gut. Dass die Slanted hier gefährlich nahe dran ist, zum Lookbook zu werden und nahezu textfrei daherzukommen, sich insofern der «vorn» annähert und das ausgerechnet in einem Heft, dass der SCHREIBmaschine verpflichtet ist, ist insofern ein seltsamer Eindruck, als dass faktisch recht viel Text im Heft ist – er scheint nur nahtlos in die Bildebene verstrickt, muss herausgekämpft werden und gern ist er einfach auch mal Gaga, nahe am Blindtext fungierend. Und die eben doch Interviews mit Yeves Peters oder Moiré liefert oder im Durchsehen eine Inspiration für eine Schrift, die man unbedingt mal kaufen sollte.

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Die Slanted wird so zu einer einzigartigen Mischform aus Fontbuch, Magazin, Kunstplattform, einer Melange, die man mögen kann oder nicht, die in genau dieser Mischung einzigartig und faszinierend ist und der man durchaus anmerkt, dass sie auch kreatives Ventil für die normale Agenturarbeit sein kann. Die Slanted ist in den Händen ihrer kleinen Crew ein seltsames Lebewesen geworden, die sich verändert, mutiert, iteriert und aufwächst, die alles über Bord wirft und neu anfängt, bevor sie langweilig werden könnte. Und genau so darf es hoffentlich noch lange bleiben…

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19. Oktober 2010 18:03 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Eine Antwort.

So soll es sein: Webfonts bei Myfonts

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Myfonts sind seit einiger Zeit Taktangeber in Sachen Schriftverkauf im Internet. Seitdem John Collins und sein Team die Site vom häßlichen Entlein zu einer der mit den meisten Features ausgestatteten und viele große und auch kleine Foundries umfassenden Plattform gemausert hat, ist sie zu einem der schönsten Schaufenster für den Fontkauf geworden. Auch wenn ich trotzdem meist direkt bei den ja meist kleinen Anbietern kaufe (die ihre Schriften ja auch oft selbst online vertreiben) oder bei Fontshop – die Smartness und simple Schönheit von Myfonts ist beeindruckend.

Und jetzt zeigt sich Myfonts nach dem Whatthefont-Online-Schrifterkenner und dem neuen smarten Layout, das wir kein zweites typographische Features direkt online testbar macht, erneut als Wegbereiter, indem für etwa 1000 ausgewählte Schriften die Webfont-Lizenz unmittelbar eingebaut haben. Keine Extrakosten. außer bei wirklich ordentlich Traffic auf der Site und selbst dann hält sich der Preis in Grenzen, keine zusätzlichen Lizenzen, die Onlinenutzung als fontface-Kit ist einfach mit dabei. Zwar sind 1000 Schriften, so groß die Zahl klingen mag, nur ein Bruchteil dessen, was auf Myfonts angeboten wird, und die großen Anbieter setzen nach wie vor auf jeweils eigene Miet- oder Kauflösungen – aber es ist ein zaghafter erster Schritt in die Richtung, die Barriere zwischen Print und Web weiter einzureissen.

6. Oktober 2010 11:32 Uhr. Kategorie Design, Technik. Tag , . Eine Antwort.

HahaH.Hehe hehihihi hoho, Huhuhu.

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Keine Frage – Dirk Fütterer von der FH Bielefeld macht das Beste aus seinem Job und kommt mit einer schönen Publikation nach der anderem aus seinem Institut für Buchgestaltung, sicher nicht zum Schaden seiner Studenten oder des Rufes seiner Hochschule. Nachdem bereits Leerzeichen für Applaus einen Verlag fand und demnächst bei Niggli erscheint (und das reale Erscheinen, wie ich finde, ist die Nagelprobe und Krönung zugleich für studentische Arbeiten, da die meisten viel zu teuer gedacht sind für die echte Verlagswelt) kommt hier ein Buch das nicht ohne Grund «Im Ernst» im Untertitel führt. Das kleine schwarze Magazin versammelt studentische Arbeiten aus den letzten 6 Jahren im Rahmen des Trauergewandes, Black in Black, und schafft so den clownesk-todernsten Rahmen für typographische Experimente, die nichts anderes tun, als Gelächter zu visualisieren. Was beim ersten Durchblättern ein wenig banal wirkt, entpuppt sich mit etwas Ruhe aber als so einfaches wie geniales Experiment im Sinne eines Emil Ruders oder Wolfgang Weingarts. Minimalistische Aufgabenstellung, minimalistische Typographische Möglichkeiten, keine Farbe und die Aufgabe, eine abstrakte emotionale Geste wie Lachen visuell abzubilden – und die Ergebnisse sprechen für sich. Vom lauthalsen, explosiven Lachen, vom Prusten, vom leisen Kichern, von einsamen und gemeinsamen Gelächter, vom betrunkenen Gegibbel, vom in sich kollabierenden Hahaha scheinen die Lautmalereien zu erzählen, deren typographische Expression oft an den frühen Loesch erinnert und einen seltsamen Flashback in die 70er, in die künstlerisch gestalteten Plakate mit sich bringt. Und immer wieder dabei Lösungen, die alles andere als langweilig sind, die gegen die Aufgabenstellung aufbegehren, die aus der lapidaren Aufgabenstellung mehr rausholen als eigentlich drin sein dürfte, die also wirklich gut sind.

Es ist seit jeher meine Aufgabe, dass es an Hochschulen absolut Sinn macht, scheinbar dumme Aufgaben zu stellen. Allein, um die Blockade bei den Studenten zu durchbrechen, deren erste Reaktion ja ein kollektives «Was soll der Scheiß» ist. Ich vergleiche das gern mit Karate-Kid, wo der junge Karate-Aspirant ja auch die dümmsten Aufgaben erfüllen muss, die sich aber später im Kampf natürlich trotzdem als sinnvoll erweisen. So ist das tatsächlich ein wenig. Zum einen lernt der Student, dass Design nicht wirklich immer Spaß machen soll – es ist keine hedonistische Angelegenheit, sondern eine empathische -, zum anderen nimmt man mit, dass man mit genug Liebe und Energie eben auch aus Mist etwas machen kann, auch aus unlösbaren Aufgaben eine Lösung melkt. Diese Art von Design-Koan-Übungen, die nirgends so gut exemplifiziert sind wie in Chip Kidds Cheese Monkeys , ist eine gute Vorbereitung auf die Briefings und Aufgaben, die du in der Realität als Designer vor dir hast, die oft auch davon leben, das man die Energie aufbringt, dennoch nach einer guten, spannenden Lösung zu suchen, wo auf den ersten Blick keine sein kann.

Insofern bringt das auf den ersten Blick so praxisfern scheinende Experiment in diesem Buch vielleicht dem Studenten mehr Erkenntnis als das Gestalten eines Corporate Designs oder zwei Stunden Photoshop-Tutorial. Nicht, weil er sich mit Schrift, Raum, Kinetik und Choreographie befassen muss, sondern vor allem, weil diese Aufgabe wahrscheinlich nach einer Weile herausragend spaßfrei ist und man sich als das fünfte Semester, das die gleiche Aufgabe angeht, sicher fragt, wie man aus dieser Idee noch irgend etwas Neues melken könnte. Und diese Frustration, dieses Nuß-Knacker-Denken, ist natürlich ein grandioser Schlüssel zum Design-Denken, und an den fertigen Arbeiten bekommst du dann eben auch eine Ahnung, wer von den gezeigten Studenten ein guter Gestalter werden könnte – und das sind nicht wenige.

Und jetzt bitte, in farblosestem Weiß natürlich, den Gegenband von sechs Jahrgängen, die in Buchstaben das Weinen visualisieren. ;-)

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30. September 2010 15:07 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.

Base 900 neu bei Emigre

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Emigre ist derzeit unter anderem stark damit beschäftigt, raffiniertere und modernere Fassungen der eigenen legendären Fonts auf den Markt zu bringen, so auch die Base 900, die eine Überarbeitung der Base 9 ist. Die Base 9 war eine der frühen, wenn auch nicht der frühsten Emigre-Schriften und stammt ursprünglich noch aus der Zeit, als Zuzana Licko ihre Schriften Base 12 und Base 9 auf einem Pixelgrid entwarf, mit dem Ziel, die Lesbarkeit von Screenfont und ausgedruckter Schrift anzugleichen. Obwohl als technisches Experiment geboren, wurde die Schrift zu einem Inbegriff des dekonstruktiven Designs der 90er Jahre geworden, die Mischung aus kühler Techno-Strenge und «Quirkiness» perfekt für die Typographie vieler Publikationen und Plakate jener Zeit. Die Base 900 bringt diese Ästhetik – sanft modernisiert und technisch grundsaniert – in das Open-Type-Zeitalter mit diversen Ziffernstilen, alternativen Buchstabenformen, integrierten SmallCaps usw. Durchaus kein schlechtes Timing, ist der modulare Computerschriften-Look doch in den letzten paar Jahren wieder ziemlich angesagt und die Base dürfte sich in dieser überarbeiteten Fassung ausgezeichnet – vielleicht ergänzt um eine gut lesbare Brotschrift, vielleicht leicht überarbeitet – schon aufgrund der wunderschönen Versalbuchstaben für modernes Corporate Design eignen. Es ist schon seltsam, wenn eine Schrift, die neben anderen zum Inbegriff der Designrebellion einer Dekade wurde knapp 15 Jahre später wie gemacht scheint, um etwa ein Telekommunikationsunternehmen oder einen Chemiekonzern zu begleiten und visuell nicht mehr dazu einzuladen scheint, an der Grenze der Lesbarkeit entlanghavarierende Designs zu produzieren. Besser kann man die These von Norbert Bolz «From the Counter Culture to the Over-the-Counter-Culture», den Ausverkauf der Rebellion, also vielleicht gar nicht symbolisieren. Mein persönliches Problem mit der Base bleibt leider bestehen – das kleine a erinnert mich immer noch an einen Fisch ;-).

15. September 2010 07:43 Uhr. Kategorie Design. Tag . Keine Antwort.

Caput Update

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Ich plädiere ja seit langem dafür, Schriften wie normale Software zu behandeln und für diese bei technischen Neuerungen oder Erweiterungen als «Update» anzubieten. So macht es nicht nur Vllg.com vor, auch die moderne Sans-Serif Caput von Natascha Dell and K. F. Oetzbachs Fontfarm ist ausgebaut und ergänzt worden. Und das Update wird zu einem mehr als fairen Preis angeboten, wie ich finde. Diese Strategie der Kundenbindung und des Schriftenausbaus würde ich mir von allen Anbietern wünschen – ich glaube, das es so einen größeren Anreiz für Foundries und kleinere Anbieter gäbe, ihre Schriftfamilien nach und nach wachsen zu lassen und die Kunden an diesem Wachstum zu beteiligen.

13. September 2010 16:41 Uhr. Kategorie Design, Online. Tag . Eine Antwort.

Black

To begin with, black has class. It’s the best color. There is no other color that is better than black.

Massimo Vignelli, Designobserver

13:24 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.

A

2. September 2010 14:11 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.

E

03:13 Uhr. Kategorie Photos. Tag , . Keine Antwort.

BU1

8. August 2010 07:05 Uhr. Kategorie Photos. Tag , , . Keine Antwort.

Sympathieträger

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So schön kann selbstgemachte Werbung sein.

3. August 2010 15:27 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , , . Keine Antwort.

Schöner schreiben…

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2. August 2010 11:20 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , , , . 2 Antworten.

Bitte keine Werbung

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Reklameverzicht in bester Reklameschrift. Schön.

19. Juli 2010 14:15 Uhr. Kategorie Photos. Tag , , . 4 Antworten.

Abfall

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17. Juli 2010 20:15 Uhr. Kategorie Photos. Tag , , . Keine Antwort.

41

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9. Juli 2010 10:30 Uhr. Kategorie Photos. Tag , , . Eine Antwort.

Rex

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8. Juli 2010 15:25 Uhr. Kategorie Photos. Tag , , . Keine Antwort.

Zoobang

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6. Juli 2010 09:52 Uhr. Kategorie Photos. Tag , , . Eine Antwort.

Zehnelf

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Fehlgeschlagenes Experiment, dass ich beim Aufräumen gefunden habe…

11. Juni 2010 18:37 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . Keine Antwort.

Leerzeichen für Applaus

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Dieses Diplom, dass die 26-jährige Jenna Gesse an der FH Bielefeld gemacht hat, ist bereits auf den ersten Blick ungewöhnlich. Normalerweise neigen Designstudenten dazu, übergroße aufwendige Bücher zu produzieren, die schnell auf den ersten Blick mit wilder Typographie und großen Bildern, die sofort beeindrucken. Jenna geht das ganz anders an: Ihr Buch ist grau, klein und kommt ohne Bilder aus – bescheidener, zurückhaltender geht es kaum. Der einzige Luxus ist ein türkisgrüner Farbschnitt, der das Büchlein einfasst. Der Rest ist so einfach wie wunderschön: ein phantastisches Buch, das zurückhaltend gestaltet ist und im wahrsten Sinne des Wortes zurück zur Buchkunst kommt, zu guter Typographie, liebevoller Verarbeitung und schönen Texten. Jenna mischt lyrische und prosaische Texte rund um die Arbeit von Designern und Gestaltern, die nicht wie bei manchen anderen Diplomen eine Art Blindtext sind, sondern absolut lesenswert, humorvoll und klug. Mit Dirk Fütterer als Dozent steht ihr natürlich ein absoluter Könner in Sachen Buchgestaltung zur Seite, aber Jenna selbst – die im Team schon als Studentin zahlreiche Designpreise einheimsen konnte – zeigt eine für ihr Alter beeindruckende Zurückhaltung und ein Fingerspitzengefühl, das die kleinen Gags und Feinheiten, die das Buch auszeichnen, umso schöner hervorstechen lassen. Die Typographie ist da, ohne jemals zu laut zu werden, sie ist gekonnt und präsent und nicht zu konservativ, aber sie macht auch keine Mätzchen um der Mätzchen willen – alles ist eine wunderbare dichte Einheit, die harmonisch funktioniert, Tschichold würde es (wahrscheinlich) lieben.

Man kann kaum viel über das Projekt schreiben, weil man es selbst lesen muss, selbst haben muss. Ich bin mehr als sicher, dass dieses Buch über kurz oder lang beim Hermann-Schmidt-Verlag erscheinen wird/muss – aber bis dahin könnt ihr es bei der Autorin selbst aus der kleinen Diplomauflage bestellen unter jenna.gesse(at)gmx.de. Gar nicht lange überlegen, sondern direkt hinschreiben, solange es die Bücher noch gibt – ihr werdet es nicht bereuen. Dieses Buch ist klein, fein, mutig, witzig, irritierend, klug, überraschend, smart und in sich eine wunderbare Reflektion des Prozesses, eben ein Buch zu gestalten – und ein großartiges, rundum gelungenes dazu.

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9. Juni 2010 20:31 Uhr. Kategorie Buch, Design. Tag , . 2 Antworten.

Warten auf die Tram

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Von Hanno Bennert kommt endlich die Tramway heraus, anscheinend jetzt unter dem griffigeren Namen Tram, und das bei Chester Jenkins exzellentem Fontlabel Village. Ich bin gespannt und freu mich drauf – sieht nach einer schönen, klaren Schrift aus, die Hanno hoffentlich mit einigen tollen OTF-Features versehen hat.

1. April 2010 14:27 Uhr. Kategorie Design. Tag . Eine Antwort.

Eins

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12:12 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . Keine Antwort.

The Return of the Scriptfont

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Eine Opentype-bedingte Renaissance von Schreibschriften gibt es ja nun schon seit einiger Zeit, aber bei der Sneaker Script, die ich heute morgen im neuen Fontshop-Newsletter entdecke, frage ich mich langsam, ob diese Fonts nicht in wenigen Jahren etwa so unbrauchbar und kitschig wirken wie heute die duften Scripts à la Corel-Draw-Schriftpaket (Mistral und Konsorten). Ist es die Sehnsucht nach weicheren Formen in harten Zeiten, der typographische Kuschelrock-Faktor, der solche Entwürfe populär macht? Ich kann mir solche Schriften natürlich grandios in ironischer Brechung vorstellen, oder ganz unironisch auf Katjes-Tüten, aber ganz generell ist der Trend zu digital gefälschter echter Handschrift irgendwie beängstigend. Ich mag Emulationen und Simulationen – aber es gibt kaum eine digitalisierte Typo, die auch nur näherungsweise an echte Kalligraphie (oder meinethalber auch an die übelste Selbstkrakelei) herankommt. Sie ist einfach entweder zu clean oder zu gewollt «inkblob»-Grungy.

31. März 2010 14:22 Uhr. Kategorie Design. Tag . Eine Antwort.

Typographie und iPad

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Einer der traurigen Aspekte des iPads – und aller eBook-Readers – ist, dass die Typographie von den Händen des Gestalters in die des Users überwechselt, und die des Hardware-Herstellers, in dessen System eben nicht Sabons und Bembos, sondern Verdana, Arial, Times und bestenfalls Georgia angeboten werden. Nimmt man dazu falsche Kapitälchen, Blocksatz und einen fluiden Umbruch, der den Text den jeweiligen Bildschirmbedingungen anpasst, ist das Ergebnis ein typographischer Alptraum. Gerade als Leser amerikanischer Bücher ist man ja nicht allzu verwöhnt, und viele neue Bücher aus Deutschland haben teilweise auch einen Blocksatz und Umbruch aus der Hölle, aber die «Bücher» auf dem iPad ähneln eher schlecht gestalteten Homepages aus den frühen 90ern. Ich hoffe, dass es bald Möglichkeiten geben wird, in eBooks verbindliche Schriften einzubingen und typographische Opentype-Features zu nutzen. Denn so, wie das auf Apples Preview-Video aussieht, ist das bestenfalls eine Kompromisslösung, nichts, was mir beim Lesen Spaß bereiten würde.

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30. März 2010 14:40 Uhr. Kategorie Design, Technik. Tag , , . 3 Antworten.

Freu!

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Auf die Gefahr hin, hier öffentlich eitel zu wirken – jeder, der mich etwas kennt, weiß, dass ich auf Komplimente normalerweise eher mit einem «Naja, aaaaber…» reagiere – hat uns diese liebe Karte besonders gefreut, weil sie so liebevoll auf verschiedenem Papier, mit perforierter Schrift und mit ganz liebevoll bunter Handtypographie ankam. Und weil es um ein Projekt ging, mit dem wir alle selbst intern eher kritisch sind und uns alle umso mehr gefreut haben, wenn es von jemand, dessen Meinung wir absolut respektieren, ein Lob gibt, das jetzt auch nicht nur nach reiner Höflichkeit klingt. Wir haben uns, kurz gesagt, alle tierisch gefreut – vielen Dank dafür!

29. März 2010 17:38 Uhr. Kategorie Arbeit, Leben. Tag , . Keine Antwort.

Sneak Preview: Abril

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Typetogether stellen in ihrem aktuellen Newsletter einen hochspannenden Preview vor – die Abril. Wie so viele Fonts der letzten Zeit, unter anderem ja auch die Ingeborg der Typejockeys, ist die Abril ein moderner Remix einer alten Form, mit modernen Features, die Veronika Burian und José Scaglione bei Flickr zeigen. Was der Fontfeed ganz zu recht mit dem NewBeetle, dem neuen Fiat500 oder dem Mini vergleicht – vertraute Formen, die fast nostalgisch machen und sofort vertraut sind, und doch ist da ein Touch von Design und Features, der es durch und durch in der Jetztzeit verankert. Abril sieht vielversprechend aus und hat die Eleganz der aktuellen Typographie der Zeit. Man darf gespannt sein und sich vorfreuen – trotzdem gibt es bei mir manchmal eine leise Stimme, die eigentlich auch mal schön wäre, wenn es neben den ganzen Revivals auch mal Schriften zur Zeit gäbe, die ganz und gar ihren eigenen Flair haben. Manchmal ist es etwas schade, dass die Zeit der Experimente mit der Fuse anscheinend beendet war. Es war gut, Schrift so mutig auch jenseits der Anwendbar- und Lesbarkeit als Medium erforscht zu sehen…

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26. März 2010 14:14 Uhr. Kategorie Design. Tag . Eine Antwort.

Schöner Tippfehler

4. März 2010 09:39 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , , . 3 Antworten.

Slanted 09: Stencil

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Unter dem schönen blauen Plakat-Cover (das an sich einen Jahreskalender von Alexander Branczyk verbirgt) der neunten Slanted verbirgt sich gleich zum Thema «Stencil» passend ein weißes Cover, in das TYPE und FUCK gestanzt sind, das Heft selbst wird zur Sprühvorlage. Und zeigt so, dass auch in Zeiten, in denen Schrift sich digital immer besser repräsentieren lässt, die gedruckte Vorlage nach wie vor ihren Wert hat – als 160 Seiten starkes, liebevoll gestaltetes Magazin, das die anscheinend immer nicht nicht ausgestorbene Sprühschablonen-Ästhetik der Grunge-Design-Ästhetik auf den Prüfstein hievt und zum Teil herausragende aktuelle Beispiele für diese Art von Typographie findet. Interviews Chip Kidd, John Boardley und Kouga Hirano, Studentenarbeiten und gedruckte Inhalte des Slanted-Blogs runden das Heft ab, das verblüffend beweist, dass es so etwas wie eine Themenzeitschrift für Typographie geben kann, die nicht langweilig wird.

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(weiterlesen …)

9. Februar 2010 08:48 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.

Mehr Liebe in 6:40 Minuten

hd schellnackDrüben im Fontblog brennt immer noch etwas die Debatte nach Johannes Erlers schönem Designdiskurs-Beitrag. Und die erinnert mich doch extrem an den Sommer 2009 und das Typo-Panel. Da man inzwischen schon etwas bange ist, im FB noch in den Thread weiter mitzuschreiben (obwohl es toll ist, zB Sandys Beiträge zu lesen!!!), und ich Jürgen Sieberts Blog auch nicht unnütz noch mit Bildern und Links zumüllen will, poste ich hier mal kurz meine 20 Pecha-Kucha-Charts von der letzten Typo und hoffe, dass die Nachkommen von Hergé Nachsicht mit mir haben, ich habe die Bilder aus tiefer Zuneigung zu seinen Figuren verwendet :-D.Ich will damit nicht sagen, dass ich in irgendeiner Form eine Idee oder einen Ansatz zu einer Lösung hatte oder hätte, aber irgendwie kann es sinnvoll sein, meine Idee von damals – so vage und wechselnd die ohnehin ist und war – kurz im Notizbuchwerkzeug Blog festzuzurren.

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12. Januar 2010 19:59 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . Eine Antwort.

Greifbar

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8. Dezember 2009 17:01 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . Eine Antwort.

Stets

2. Dezember 2009 19:16 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , , . 3 Antworten.

Typoversity

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DMIG-Macher Patrick Sommer hat kaum die letzet Ausgabe seines Mags online, da werkelt er schon wieder an einem Projekt. In dem Buch Typoversity soll es um verschiedene studentische Arbeiten gehen, egal ob Semesterprojekt oder Diplomarbeit, die ihren Schwerpunkt im typographischen Bereich haben. Wer also Arbeiten hat, die nicht älter als Januar 2008 sein, kann sich für eine kostenlose Veröffentlichung bewerben, einfach eine Mail mit PDF-Augenfutter an Typoversity.

17. September 2009 06:05 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.

Vernacular Type

27. August 2009 22:35 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , , . Eine Antwort.

Meta Ikea II

Und noch ein schöner Eigenkommentar zur Sparschrift Verdana im neuen Ikeakatalog. Wie Thomas gerade so schön sagte, sieht der Katalog insgesamt auch von der Kindenansprache nun so aus wie irgendein beliebiger Billigdiscounter. Ob das klug ist, die Balance aus Preisargument und Designmarke aufzugeben und nur noch BILLIG zu kommunizieren?

26. August 2009 11:06 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , , . Keine Antwort.

Meta Ikea

Schöner Metakommentar im IKEA-Katalog.

10:59 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , , . 2 Antworten.

St. Atmos

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Sascha Timplan von Stereotypes.de hat bei Myfonts.com seine erste eigene Schrift online – die St. Atmos, eine im besten Sinne etwas an einige Arbeiten von Underware erinnernde (im Sinne von Funkyness) Displayschrift, die gut ausgebautist und sicher nicht für die Steuerkanzlei Müller geeignet ist, aber mit ihrer dreidimensionalen, fluffigen Art gefällt und mit ihren markanten Inktraps eine leicht punkige Selbstsicherheit zeigt, die leicht ballonig ist und trotzdem klar bleibt, sehr markante Buchstabenformen hat. Gibt’s hier für 29$.

(Und ja, wer mir eine Schrift schickt, vor allem, wenn es dazu noch so ein schönes PDF-Büchlein gibt… der wird hier auch vorgestellt, so einfach ist das :-D).

25. August 2009 20:13 Uhr. Kategorie Design. Tag . 2 Antworten.

Typewriting

19:33 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag . Keine Antwort.

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21. August 2009 09:47 Uhr. Kategorie Photos. Tag , , . Keine Antwort.

Fontplore

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Fontplore ist ein Projekt, das an der FH Potsdam von Christian Hertlein und Marcus Paeschke entwickelt wurde und bei dem mittels eines interaktiven Tisches Schriften aus einer bestehenden Datenbank gesucht und verglichen werden können, mithilfe eines mehrschichtigen Tagging-Systems. Die Arbeit mit den runden und eckigen Klötzchen wirkt jedoch noch etwas retrofuturistisch – eine Sache, die man in SF-Filmen sieht und zugleich doch irgendwie unintuitiv findet, weil solche Systeme eigentlich ohne Tools, also mit reinen Handbewegungen laufen müssten. Dennoch zeigt Fontplore nicht nur, wie aufregend das Durchwühlen von großen Datenbeständen grafisch gelöst sein kann und das Font-Sites nicht alle gleich (und oft gleich langweilig) aussehen müssten (denn ein ähnliches Konzept wäre ja problemlos in Flash umsetzbar), sondern wäre eigentlich auch eine tolle Einrichtung für die nächste TYPO in Berlin…, auch wenn die Sache im Video noch quälend langsam und vorsichtig aussieht.

httpv://www.youtube.com/watch?v=vWCNRnpAugc

19. August 2009 06:55 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.

Vo

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18. August 2009 14:34 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . Keine Antwort.

MyFonts.de

hd schellnackWas Facebook kann, kann Myfonts schon lange… Die von John Collins und Bitstream gegründete und mittlerweile hocherfolgreiche US-Schriftplattform Myfonts.com betreut Jan Middendorp schon seit langem als Autor, jetzt transferiert er die Idee nach Deutschland. Zusammen mit Florian Hartwig und Frank Rausch will Jan nicht nur ein deutschsprachiges Portal zu dem Schriftenangebot von Myfonts.com bieten, sondern zugleich auch mit eben deutschen Artikeln und Informationen rund um das Thema Schrift aufwarten und das alles in dem neuen, clean-minimalistischen Interface von Myfonts.com, das mehr an Google als an einen normalen Shop erinnert. Nach dem Relaunch des deutschen FontShops wächst nun abermals das spezifisch deutsche Schriftenangebot – die Kunden wirds so oder so freuen und dem Austausch deutscher Schriftfreunde kann es nicht schaden. Good luck an Jan und Co!

17. August 2009 09:36 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Eine Antwort.

Neun

1. August 2009 19:36 Uhr. Kategorie Photos. Tag , , . Keine Antwort.

Slanted 08

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Die neue Slanted ist da. Ich muss mich wirklich erst an das Vierteljährliche gewöhnen, ich war völlig überrascht.

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Die Slanted steigt in die zweite und dritte, vielleicht sogar die vierte Dimension der Schrift hinauf, unter anderem mit Arbeiten von von Edhv, Klein Dytham architecture , den famosen Pixelgarten, Maxime Buechi, Ina Saltz, Erwin Bauer und Interviews mit Sabrina Tibourtine, Christoph Dunst, Sipho Mabona, Gemma O’Brien und David Carson. Ihr merkt schon: Da haben Julia Rausch und ihr Heer von Beitragenden wieder echte Perlentaucherei in Sachen Typographie unternommen und das Leitthema 2d3d  tief auf fast 200 Seiten ausgelotet. Also: Ab zur Slanted-Site und bestellen :-D.

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9. Juli 2009 18:25 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Eine Antwort.

Achim Böhmer & Sara Hausmann: Retrodesign

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Nachdem im Fontblog bereits ausgiebig und kontrovers über Achim Böhners und Sara Hausmanns Retrodesign diskutiert wurde, und das Buch in der Form von dem sicher nicht zu leichtfertiger Kritik neigendem Markus Zehentbauer recht kritisch beleuchtet wurde, habe ich ganz besonders über ein Rezensionsexemplar aus dem Hermann-Schmidt-Verlag gefreut, um mir selbst ein Bild machen zu können. Das folgende ist – wie immer bei mir – kein «echter» offizieller Review, sondern die Sachen, die mir beim Durchlesen und -blättern durch den Kopf gingen, spontan und wie immer unredigiert.

01: Preis-Leistung
Wer 89 € für ein Buch dieses Umfangs, dieser Verarbeitungs- und Veredelungsqualität und nicht zuletzt der Recherche, die darin steckt, für überteuert hält, dem fehlt vielleicht ein Einblick in normale Verlagskalkulation oder er/sie ist schon von der Wirtschaftskrise mental erfasst– denn wenn man das Buch in der Hand hat, kann kein Zweifel an dem Preis aufkommen. Retrodesign ist vielleicht nicht ein Buch, dass sich jeder kaufen will und wird, weil es ein spezielles Thema dekliniert, aber wer sich für diesen Themenbereich interessiert – ob als Student, Dozent oder Profi -, kann wenig Zweifel daran haben, dass dieser Überblick eine Menge Zeit und Liebe gekostet hat und jeden Pfennig wert ist. Allein die Organisation der verwendeten Bilder in druckreifer Auflösung und mit den nötigen Abdruckrechten muss eine enorme Zeit gekostet haben – anders als bei den meisten anderen Designbüchern kann man ja hier nicht mal eben einen lustigen Mail-Aufruf an Büros und Agenturen starten, sondern muss gezielt nach Material fahnden, die Rechteinhaber aufspüren, eventuelle Lizenzen und VGBildkunst-Kosten tragen. Insofern ist allein – und das ist ja nur ein Teil dieses Buches – die Bilderflut schon den Preis wert. Anders als große Verlage wie etwa Taschen kann Schmidt sich (wahrscheinlich) nicht komplett durch Querfinanzierungen behelfen und muss insofern einen realistischen Preis für ein Buch wie dieses nehmen (zumal man vorher ja nie weiß, welches Buch ein Bestseller wird… wäre sofort klar, dass Retrodesign sich grandios verkauft, könnte man es wahrscheinlich sogar tatsächlich preiswerter kalkulieren, but you never know), und die Veredelung (die durchaus nicht so unnötig pompös ist, wie im Fontblog behauptet, sondern durchaus stimmig – erinnert mich übrigens ganz entfernt aber durchaus positiv an Beate Blaschczoks «Genesis»-Bibel und will vielleicht eben ein wenig eine «Style-Bibel» sein, insofern passt der Look schon) ist in Sachen Preis sicher nicht der ausschlaggebende Faktor, macht das Buch aber im Regal deutlich stabiler als ein Paperback und auch sehr viel schöner… und das darf bei Design doch bitte ruhig ein Faktor sein. Nicht zuletzt dürfte es den Machern auch mehr Spaß bereiten, ein «schönes» Buch zu machen als ein «sparsames». Man kann Sara und Achim absolut nicht verdenken, einfach auch ein bibliophiles Buch machen zu wollen, im Gegenteil – es würde uns allen doch auch so gehen :-D. Und den Spaß an der Sache, am Retrodesign ebenso wie an der Möglichkeit, ein großes Buch zu diesem Thema auch ordentlich zu gestalten, spürt man dem Buch an vielen Stellen an.

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Edel in rotem Kunstleder und mit schwarzem Schnitt: Die Retro-Bibel.

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Aufwendige Package: Das Cover stellt das Ordnungssystem des Buches vor und besticht mit zahlreichen Finessen.

02. Das Buch
Das Buch, man merkt es schnell beim Lesen, versucht den Spagat zwischen «Schau»-Buch/Inspirationsquelle und Sachbuch, bis hin zur Gestaltung ist es insofern unweigerlich recht ähnlich mit anderen Büchern aus dem Schmidt-Verlag, die Lust und Lernen verbinden, etwa Strichpunkts fff-Buch oder auch Kribbeln im Kopf. Diese Schnittkante zwischen Information und Entertainment ist dünn und man scheitert schnell auf einem der beiden Gebiete, die kaum ein Autor gleichermaßen fundiert und elegant bespielen kann (mit Ausnahme des großartigen The Art of Thinking Sideways). Was durchaus keine Schande ist, manchmal ist der Versuch das eigentlich Wichtige und Retrodesign scheitert ja keineswegs. Ein trockenes wissenschaftliches Buch über appropriatives Design wäre einerseits zudem sicher ebenso langweilig wie andererseits eine reine Bildsammlungsflut – dafür reicht oft auch ffffound.com. Retrodesign besticht durch eine wahre Sammelwut von Arbeitsbeispielen quer durch alle Epochen, die ohne jeden Zweifel den Zweck des Schaubuches absolut erfüllen – es gibt reichlich zu gucken und viel zu entdecken. Glaubhaft, vielleicht nach einer Weile etwas vorhersehbar, wenn man das Konzept einmal erfasst hat, belegen die Autoren, dass Design appropriativ arbeitet, d.h. neue Gestaltungen oft Remixe alter Ideen sind. Mit feiner Akribie sind durch alle wichtigen Stilepochen Beispiele aufgeführt, die dem heutigenDesign Rückgriffe in die Vergangenheit nachweisen. Diese Detektivarbeit klappt natürlich mal eher besser, mal eher schlechter – mitunter bringen die Autoren in der Jetztzeit einfach auch ganz eindeutig als Zitat gemeinte Arbeiten als Beleg, aber dass Zitat-Design, dessen eigentlicher Sinn ja nun einmal eben genau die Rückbezüglichkeit ist, eben auch unweigerlich «Retro» sein muss, ist eigentlich eher tautologische Beweisführung.

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Böhmer und Hausmann gelingen dabei immer wieder schöne «Swipe-File»-Beispiele, und insgesamt ist diese Strecke, die ja mehr zeigen und überwältigend beweisen als erklären will, durchaus sehenswert, auch wenn sich beim Lesen irgendwann beim ein oder anderem vielleicht ein Hauch von Fleißübung einstellen mag.  Seite um Seite belegen die Autoren, dass ganz postmodern nahezu jede wichtige Stilepoche heute in Architektur, Design, Illustration und Alltag widergespiegelt und aufgegriffen ist. Obwohl wichtige Beispiele fehlen – beispielsweise vermisse ich Peter Saville komplett, nicht nur ein wichtiger Designer per se, sondern vor allem zu Beginn seiner Laufbahn wirklich der Großmeister des Stil-Klaus (und zugleich jemand, der heute ironischerweise selbst permanent zitiert wird, nicht mehr als Rückgriff auf Savilles Quellen (Tschichold, Expressionismus usw), sondern meist als 80s-Zitat) – ist der Effekt oft frappierend gelungen, wenn etwa Renaissance-Architekturelemente auf modernen Plattencovern wieder auftauchen oder fernöstliche Majolika-Porzellanmalerei 2006 eine Absolut-Anzeige zu inspirieren scheint. Es ist ein wahrer Bildersturm, und es schadet der Theoriebildung nur geringfügig, wenn die Autoren von Achta-Design einige Male ihre eigenen Arbeiten featuren. Was bei fff noch okay war – der Mix aus Theoriewerk und einer kleinen Prise Eigenwerbung -, weil Strichpunkt ja ganz einfach in Deutschland sehr sehenswerte und insofern bei aller Bescheidenheit zeigenswerte Geschäftsberichte macht, hinkt hier etwas, weil es ja gerade darum geht, neutrale Beispiele für einen selbst behaupteten Trend zu finden… da eignen sich eigene Arbeiten eigentlich weniger, zumal gerade das eigene Beispiel im Klassizismus auch nicht so wirklich funktionieren will und eigentlich keine volle Doppelseite rechtfertig. Nichts gegen Self-Promotion, das gehört bei dieser Art von Büchern irgendwie einfach dazu, aber es unterminiert genau hier einfach die Ausgangsposition des Buches ein wenig, wenn das einzige Beispiel, das man anführt, von einem selbst kommt. Wobei man ganz klar sagen muss, dass die Autoren sich mit eigenen Arbeiten weitestgehend vorbildlich zurückhalten, das Einschmuggeln eigener Projekte habe ich schon viel schlimmer gesehen. In einem Buch, dass den theoretischen Anspruch aber etwas höher hängt – kunsthistorisch ja viel höher als etwa fff  – fällt es eben doch etwas auf, wenn die Beispiele nicht 100% «neutral» sind. Der Freude an der Sammelleidenschaft und der visuell überzeugenden Präsentation der Similaritäten über Jahrhunderte hinweg tut das aber keinerlei Abbruch.

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Das Buch wird von einer schön gegliederten Übersichtsseite eröffnet und bietet in einer Art Intro/Preview, das im Grunde das folgende weitestgehend zusammenfasst und zugleich gut einleitet. Was ist Retrodesign, was ist Redesign, was ist Revival – all diese Begriffe, die durch den Design-Äther schwirren werden hier kurz (und mitunter, wahrscheinlich aus Platzgründen, etwas unkritisch) definiert, so dass man gut gerüstet in den Hauptteil des Buches geht.

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Ordnung muss sein: Das Buch gliedert Retrodesign klar nach «Epochen» mithilfe verschiedener Icons für jede Einflussperiode, die auf den einzelnen Beispielseiten wieder auftauchen und die Navigation erleichtern. Bei der Flut von Zeitströmen können die Icons aber nie so klar und eindeutig sein, so dass doch nocheinmal daneben steht, welche Periode behandelt wird (was, zugegeben, die Icons etwas redundant macht ;-)).

Das Buch ist zudem immer wieder durch mitunter vielleicht etwas fragwürdig gestaltete Zitatseiten gebrochen (jeder weiß, ich bin kein Freund sinnloser floraler Dekoration, aber  beim Thema Retrodesign kann es ja nicht ohne gehen, dennoch hätte ich mir hier vielleicht etwas weniger eigenes Design gewünscht, als vielleicht eher noch mehr passendes Material anderer Quellen – bei diesem Thema hätte die eigene Gestaltung noch einen Hauch zurückhaltender ausfallen dürfen…. kein Manko, aber ein spontaner Eindruck, den ich persönlich hatte. Aber siehe oben: Spaß an der Gestaltung :-D)

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Zitatseite: Seltsamerweise taucht diese Art von Seite nur einmal auf, dabei wären mehr Stellungnahmen von Designern zum Thema Retro sicher spannend gewesen.

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Typographie: Vielleicht etwas zu sehr auf Klischees reduziert ein visueller Überblick darüber, welche Schrift zu welchem Stilcluster passt.

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Talent borrows, Genius steals: Retrodesign wartet mit einer wahren Flut von Beispielen für «entliehenes» Design auf.

Im Schlußteil wird im Kapitel Retro Style ein kurzer informativer Trip durch die verschiedenen Einflußcharakteristika geboten. Reich bebildert mit Beispielen aus Layout, Kunst, Objektkunst/-design, Typographie und Architektur der vorgestellten Periode, ordnen die Autoren von dekonstruktiv bis organisch verschiedene designhistorische Perioden von der Renaissance bis zum Dekonstruktivismus und versuchen so eine Art einfache Matrix von Stilelementen und -möglichkeiten zu bilden. Dieser Teil bildet vielleicht mehr als der mitunter etwas zu groß bebilderter Mittelteil des Buches ein wirkliches Herzstück von Retrodesign und ich hätte mir gerade hier mehr gewünscht – mehr Bilder, mehr Theorie, mehr Quellen, mehr Tiefgang. In der gegebenen Kürze liefern Hausmann und Böhmer eine sehr solide, gerade für Studenten als Einstieg geeignete Synopse verschiedener Design-Epochen, eine Art Parforce-Ritt durch die Gestaltungsgeschichte, interessanterweise rückwärts gefasst von der (De-)Konstruktion zur eher organischen Formensprache der Vergangenheit. Obwohl rund 150 stark, kann hier natürlich kein kunsthistorisch umfassender Abriss geleistet werden – muss auch gar nicht. Wenn dieses Kapitel es schafft, die Leser auf eine bestimmte Epoche neugierig zu machen, oder neue Verbindungen zu entdecken, dann reicht das ganz einfach an dieser Stelle. Tiefer gehende (und oft dann eben weniger ansprechend gestaltete oder geschriebene) Literatur gibt es ja – und auf diese wird im Anhang auch verwiesen.

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Natürlich wird man hier immer Löcher finden oder Oberflächlichkeiten, je nachdem, in welcher Epoche man sich bewegt (im Dekonstruktivismus fehlen mir beispielsweise hier  wichtige Namen und Strömungen wie etwa Morphosis oder vor allem die Cranbrook Academy aber auch Hard Werken usw. Aber wie gesagt: jeder hat seine Steckenpferdepoche und wer sich hier mehr interessiert, kann ja Poynors Design Without Boundaries lesen :-D.) Der Überblick ist klar gegliedert, flüssig zu lesen und als Einstiegsreferenz wiederum ein beachtliches Stück liebevollster Sammelarbeit. Im Retro Review werden die Epochen dann – doppelt genäht hält besser – nicht als Überblick dargestellt, sondern etwas vertieft. Zusammengenommen kann man bei einem Buch dieser Art, dieses Preises eigentlich kaum mehr verlangen – für 90 Euro ist das insgesamt ein sehr umfassender, sehr liebevoll gemachter Blick über die Design/Kunst/Schriftgeschichte der neueren Vergangenheit.

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Überblick: Retro Style und Retro Review vertiefen und gliedern die Stileinflüsse.

03. Retro = Zukunft?
Die erste Doppelseite des Buches stellt dem Werk ein «Retrodesign ist Zukunft» voran. Einige Seiten später folgt «Retrodesign ist Styling». Nun mag es an der persönlichen Definition des Wortes liegen – Styling bedeutet für mich ausnahmslos inhaltsfreies, rein oberflächliches Gestalten ohne Tiefendenken – aber so ganz kriege ich diese Thesen nicht zusammen. Wobei ich mich mit der zweiten, treffenderweise nach meiner eigenen negativen Definition von Styling, sehr anfreunden kann, mit der ersten so gar nicht. Denn ja, Retrodesign ist Styling, oberflächlich, oft das Verwenden historischer Halbwertsverfallreste, Recycling, oft ohne jedes Verständnis für die hinter den kopierten Elementen liegenden Bedeutungen. Wer Helvetica verwendet, weil sie «cool» aussieht oder Blümchenranken, weil sie «emotional» sind, betreibt natürlich kein Design, sondern eben «nur» Styling und reagiert damit eher oberflächlich (sprich: laienhaft) auf sozusagen herumliegende visuelle Stimuli. Retrodesign ist insofern erschreckend oft vor allem gedankenloser Kitsch, Nostalgie am Nasenring, Zitatenstadl.

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Je weiter zurückliegend, ergo verklärter die zitierte Phase ist, umso gräßlicher und dümmer oft das Zitat. Während ich im Aufgreifen von Elementen der Postmoderne und des Dekonstruktivismus wenig reines «Retro» entdecke, sondern eine (dia)logische Weiterentwicklung von Trends der letzten Dekade (so wie die 90s ja auch Entwicklungen der 80s weitergeführt bzw. gekontert haben), so ist das Zitat von Elementen aus den (meist) Amerikanischen 50s oder des Rokoko inhaltlich meist nicht fundiert, sondern (oft) reines Oberflächen-Design. Das als «Zukunft» zu bezeichnen, die reine Rückwendung, den Kitsch, das permanente Zitat, das sich bestenfalls durch Mix/Match oder eine deutliche Prise Ironie und gewollter Coolness aufwertet, ist eher traurig. Es ist eher bezeichnend für die Tristesse des immer noch andauernden fin de siècle, dass wir kollektiv in einer Falle stecken, in der der Blick nach vorn so unmöglich zu sein scheint, dass man nur in der Kiste der Vergangenheit kramen kann. Wie ein verlassener Liebhaber, der sich seufzend alte Photos der Verflossenen ansieht, anstatt rauszugehen und sich frisch zu verlieben – und genauso pathetisch ist auf Dauer betrachtet auch das anhaltende Retrodesign. Ist es gefällig? Sicher – der Mini, der Beetle, der Fiat 500, der Einfluss von Braun bei Apple, der Britpop 3.0… zahllose andere Kulturobjekte, keine Frage: Retrodesign ist Emotion. Retrodesign ist zum guten Teil sicher Teil der Gegenwart – Konsumimpuls durch emotionalisiertes Design, Stimulanz von Kindheitsfragmenten und kollektivem Unbewussten.

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Aber Retrodesign ist eben nicht Zukunft. Jedenfalls hoffentlich nicht. Es sei denn, die Zukunft IST die Vergangenheit. Es wäre traurig, sich so bereitwillig dem neoliberalen Ende der Geschichte, dem Ruf nach preiswerterem und dozilerem Immerwiederaufkochen von Vergangenheit hinzugeben, die Hoffnung fallen zu lassen, dass es etwas originär Neues – beziehungsweise eine evolutionäre Fortschreibung der (Kunst-)Geschichte -  geben könnte. Es ist als Grundhaltung eine Müdigkeit, die falsch ist für jedes Handwerk. Es ist nicht zuletzt der Wunsch bestehender Systeme, sich sozusagen selbst memetisch-kulturell als «unveränderbar», als (r)evolutionsresistent zu definieren… wenn Design und Kunst nur noch aus Rückgriff bestehen, wenn keine Visionen für Morgen oder Utopien für andere Gesellschaftsformen mehr bestehen, dann ist politisch auch die «Gefahr» für einen politischen und sozialen Paradigmenwechsel eben gering – insofern, überspitzt gesagt, ist Retrodesign eben auch die hübsch bestickte Kuscheldecke eines reaktionär-konservativen Wellness-Kapitalismus. Was man nicht denken kann, was Kunst und Kultur als Entwurf (als Design also) gar nicht erst vordenken, das kann man auch gesellschaftlich nicht umsetzen. Insofern ist Retrodesign durchaus so kritisch zu betrachten wie die in Orwells 1984 aufgezeigte Restriktion sprachlicher Codes durch «Neusprech». Design sollte nicht Tiefkühlkost sein, die aus Fertigbestandteilen aufgewärmt wird… im Gegenteil, Design sollte der brennende Hunger auf Morgen sein. Ob im kleinen, etwa beim Auftritt eines Unternehmens oder im großen, gesamtgesellschaftlichen Kontext: Gutes Design ist Wandel, Veränderung, Restrukturierung, Optimierung, Infragstellung des Status Quo. Was wir also brauchen – als Designer aber auch als Gesellschaft – ist natürlich der Wille zu Wandel und Aufbruch. Gerade Designer als Agents of Change, als Wegbereiter und Boten des positiven Wandels, sollten sich nicht rückwärts definieren. Retro darf Design nur insofern sein, dass wir auf den Schultern der Designgeschichte stehen – und bewusst der Möglichkeiten, die sich hier bieten – nach vorn sehen. Da sind die Architekten durchaus weiter als wir – die zitatenlastige, wenig moderne  Reimagination des Adlon-Hotels in Berlin wurde nicht ohne Grund ebenso angegriffen wie der billige Ansatz, den Schlossplatz in Berlin einfach historistisch zu rekonstruieren.

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Derartige – im Kern ja eigentlich ahistorische, weil Geschichte nicht als fortlaufenden und thermodynamisch einmaligen Prozess verstehende – Geschichtsverkleisterung sieht die Branche zu Recht als anachronistisch und altbacken an – Architektur will zeitgenössisch sein, modern, mit dem Gesicht der Zukunft zugewandt, auch wenn der Wind da etwas rauher ist. Stilzitate ja, aber eben weitergedacht, umgewandelt und als Element einer an sich stets fortschreitenden ästhetischen, experimentell und mitunter gern auch avantgardistischen Profession. Aus der Vergangenheit lernen, aber für die Zukunft gestalten. Wir Designer dürfen uns das ruhig abschauen – die Leidenschaft für hypermoderne Technik und Materialitäten, den bei Architekten bereits eher angekommenen Umweltgedanken (wo ist der LEED-Standard für das Grafikdesign?), das städtebaulich-strategische Denken, den Wunsch nach urbaner Transformierung, den Schimmer von Futurismus. Retro ist in der Architektur keine Tugend und kann es auch für Grafikdesign eigentlich auch nicht sein. Retro funktioniert als kurzfristiger Push-Button der Kindheitserinnerungen, der emotionalen Fragmente – und somit am besten in der Werbung (zugegeben, die Trennung zwischen Design und Werbung wird immer dünner). Wer Prilblumen lustig als grafisches Element zitiert – und vergisst, wie die Rollenverteilung der Geschlechter in der ursprünglichen Prilblumen-Zeit aussah, oder warum die tristen Küchen mit bunten Stickern etwas Individualität brauchten – dringt nicht in die potentielle Tiefe von Design, sondern bleibt an der illustratorischen Oberfläche, bei reinen visuellen Effekten. Das ist bedrückend wenig für eine Branche, die sich «Kommunikation» (und nicht «Grafik») an ihre Türen schreibt, oder?

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Insofern ist der jugendliche Optimismus, den die Autoren mit Retrodesign verbinden – aber dies ist natürlich nur meine persönliche Meinung – nicht in dieser Form angebracht und reduziert Design auf das Zitat, den Remix, das Mash-Up kultureller Fragmente. Tatsächlich lese ich Retrodesign eher als Warnung, nicht andere kunsthistorische Epochen zu klonen, sondern selbst eine eigene klare, frische und zeitsymptomatische Semantik in Kunst, Architektur, Objekt- und Mediendesign hervorzubringen.

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Und was will man mehr als von einem Buch – auch wenn die Autoren es vielleicht gar nicht primär beabsichtigen – als die Sinnlosigkeit und den Stillstand von Design über Jahrhunderte und Dekaden hinweg eben Seite um Seite gezeigt zu bekommen: Beispiele für ein Designverständnis, dass nichts anderes tut als alten Wein in neue Schläuche zu füllen? Retrodesign ist es allein schon wert, gelesen zu werden, um mit eben Retrodesign als gestalterischer Strategie bitte ein für alle Mal aufzuhören.

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Zugleich macht das Buch aber auch klar, dass es zum einen für einen Designer nicht schaden kann, einen zumindest kursorischen kunsthistorischen Überblick zu haben – den genau Retrodesign auch sehr gut vermittelt. Gut gegliedert vermag das Buch dem vielleicht ziellosen Herumzitieren gerade vieler Studenten ein Wissensfundament zu verleihen, Bewusstsein zu schaffen für die Grenzen und Möglichkeiten des Zitatenstadls. Mit dieser kritischen Haltung im Hintergrund, auch das vermittelt das Buch, kann der Stilmix und das Zitat, natürlich auch gezielt eingesetzt werden und – vom Kitsch zum provokativen Angriff auf die Bastion ewiger Werte gewendet – kommunikative Speerspitze sein oder auch einfach auch nur mal Spaß machen – es ist sicher nicht die Zukunft des Designs, aber eben auch nicht der Untergang des Abendlandes, sondern eines der vielen, vielen Mittel zum Zweck, einer der vielen Pfeile im Köcher des Designers. Es ist ein assoziativer, spielerischer Umgang mit kulturellen Prefabs, die in fähiger Hand ja durchaus zu überzeugenden neuen Lösungen zusammensetzbar sind – und zugleich arbeitet jeder Mensch natürlich unweigerlich mit der Fülle seiner Erinnerungen und Eindrücke, also muss und darf unweigerlich die Vergangenheit und ihre Ausdrucksformen in die Arbeit von Design einfließen.

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Wie vielfältig die Möglichkeiten sind, daran lässt Retrodesign keinen Zweifel aufkommen und gibt zugleich Inspiration, vielleicht mehr als stets die gleichen stockphoto-artigen Ranken und Blumen und 50s-Assoziationen zu benutzen und nach anderen Inputs zu suchen. Wobei ich zugeben muss, dass ich das mit Mitte 20 auch anders gesehen habe, die Kritik am Recycling-Design kommt mit dem Alter und der Langeweile am Wiedergekäuten, der reinen Oberfläche. Den beiden Autoren ihre Begeisterung für «Styling» vorzuwerfen ist insofern vielleicht deplaciert – sie haben die Ennui mit Oberflächendesign vielleicht einfach noch vor sich und können sich noch für den «Style» mehr begeistern als für die Substanz, das schicke »Wie ist es gemacht)» wichtiger finden als das trockenere «Was soll es sagen?»… was ja bis zu einem gewissen Grade eben auch in Ordnung ist, man durchläuft ja unweigerlich Phasen im Leben eines Gestalters. Dass ich selbst mit 40 Substanz und Aussage, Klarheit und Effizienz suche und mir eigentlich erscheint, dass die visuelle Umsetzung sich dann fast zwangsläufig aus einer überlegten strategischen Betrachung der Aufgabe ergeben wird, muss und darf und sollte nicht unbedingt das Denken von 20jährigen Jungdesignern prägen, die natürlich bitte Sturm und Drang machen sollten, ansonsten hätte es Cranbrook und damit später eben den im Buch oft zitierten David Carson nicht gegeben.

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Zugleich ist auch klar, auch den Autoren selbst, so scheint mir, dass hier nur ein Teilbereich schaffenden Designs beleuchtet wird – die Aufgabe eines Buches mit dem Titel Retrodesign kann und soll ja nun mal nicht sein, Design jenseits des Zitates vorzustellen. Es ist sozusagen ein Design-Genre-Buch, wie auch Western, SF oder Horror und Belletristik nur Genre der Literatur darstellen. Die Schlussfolgerung, dass alles Design unweigerlich Retro sein kann/darf/sollte, wäre insofern sicherlich falsch und sicher auch nicht von den Autoren beabsichtigt. Im Gegenteil, Retrodesign lässt keinen Zweifel daran, dass es vor allem darum geht, die Wandelbarkeit, den Reichtum der Ausdrucksmöglichkeiten schöpferischer Arbeit zwischen Kunst und Dienstleistung zu feiern.

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04. Fazit
Von einem Buch – selbst aus dem Hermann-Schmidt-Verlag – darf man keine Wunder verlangen. Insofern ist Retrodesign natürlich unweigerlich nicht in der Lage, eine Jahrhunderte überspannende kulturelle Entwicklung wirklich detailliert auszuleuchten. Anlass zur Kritik wird es also immer an einigen Stellen geben können, weil der Mut zur Lücke unweigerlich eingebaut sein muss – ansonsten kann man ein solches Buch kaum angehen und muss in stocksteifer Respektstarre vor der historischen Wucht verharren. Obgleich ich persönlich das Design des Buches etwas unausgewogen finde – die rein sachlichen Seiten mag ich sehr, aber die eher gestalterischen Doppelseiten weniger, manches ist schon an der Grenze zum reinen Selbstzweck – ist es eine bisher so nicht dagewesene Querschau bisheriger Stileinflüsse und ihrer Protagonisten, mit einer bewundernswerten Sammlung herausragenden Materials. Als jemand, der selbst im Bereich Typographie einen historischen Abriss vom Art Deco bis in die 90er als Vortrag verfasst hat, weiß ich, wie schwer an exzellentes Bildmaterial zu kommen ist, und allein hierfür gebührt den beiden Autoren unbedingter Applaus.

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An einer final überzeugenden einheitlichen Ordnung und vertiefenden kritischen Haltung zu «Retro» mangelt es hier unweigerlich, aber das ist die logische Konsequenz eines Buches, das sicher weniger dem wissenschaftlichen Diskurs als vielmehr der Inspiration und Übersicht dienen will, dass zu Recht den Spaß an der Sache über die Substanz stellt. Dass die Autoren selbst sich für Retrodesign begeistern, kann und sollte man ihnen nun wirklich nicht vorwerfen wollen – wer das Stilzitat ablehnt, würde wohl kaum so viel Zeit in ein so liebevoll kuratiertes Buch stecken wollen.

Letztlich ist das Buch trotz einiger Kritikpunkte in den Details für unter hundert Euro einfach prachtvoll gemacht, liebevoll zusammengestellt, geschrieben und gestaltet – ganz deutlich sichtbar das Ergebnis harter und begeisterter Arbeit, gut zu lesen, wunderschön anzuschauen und insofern ein Buch, dass man, wenn man sich mit Design beschäftigt und nicht völlig frei von Zitatanflügen arbeitet, zu diesem Preis eben absolut selbstverständlich in sein Regal stellen darf und muss. Es ist ein schönes Manifest, das Debatten anregen dürfte, gerade weil es Design etwas unkritisch als rückblickende Tätigkeit betrachtet.

Aber wie sagen Karin und Bertram Schmidt-Friderichs in ihrem Verleger-Vorwort so schön: «Rückblicke sind nötig, um vorausschauen zu können.» Insofern darf und kann man hoffen, dass ein Kompendium wie Retrodesign den Blick frei macht für die Möglichkeiten, Zukunft zu gestalten.

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Retrodesign:Stylelab gibt es unter anderem bei Amazon, im Shop des Verlages, und idealerweise direkt beim kleinen Buchhändler eures Vertrauens. Think local :-D

4. Juli 2009 16:22 Uhr. Kategorie Buch, Design. Tag , . 9 Antworten.

Fontshop News

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FlexOT von dem stets famosen Paul van der Laan, leider nicht als Pro.

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P22 Brass ScriptPro von Michael Clark und Richard Kegler.

Zwei Fonts, die mir in der neuen Fontshop-News aufgefallen sind, bestätigen zwei aktuelle Trends, finde ich. Zum einen eine Rückkehr – sofern man bei einer 10 Jahre alten Schrift davon sprechen kann, aber es geht ja darum, dass sie jetzt angeboten wird – zu einer fast Gill-Sans/Frutiger-artigen eleganten serifenlosen Ästhetik, die ein wenig von dem Pattern der bisherigen Helvetica/Din-Rips einerseits und der ja fast zahllose Thesis-Derivate andererseits abweicht und eine andere Art von Retro-Ästhetik (nichts anderes ist Helvetica/Akzidenz/Univers ja auch, ein International-Style-Retroismus) einbringt, die weicher, mehr 70s ist. Das vorletzte Heft von Raffinerie für das Schauspiel Zürich ging in diese Richtung, viele andere Sachen auch. Läutet für Akzidenz etwa doch die Glocke? Schwer zu glauben, so beliebt wie der Font und seine vielen Brüder bei gerade jungen Designern sind, zumal Helvetica ja irgendwie zu allem gleich gut passt/nicht passt.

Zum anderen die Rückkehr von Scriptfonts, die weniger eine simple Handschrift emulieren, als start zurückgreifen zu den geschwungenen Nachkriegsformen, Reklamemalerei, Retroanklängen aus den USA. Die Mister K von FSI, obwohl ästhetisch sicher etwas anders, natürlicher gehalten, ist auch so ein Beispiel für neue Scriptfonts, die die Features von OpenType ausgiebig nutzen, um mit alternativen Glyphen und intelligenten Ligaturen ein möglichst natürlich wirkende Faux-Kalligraphie anzubieten für all die Designer, die keinen Ed Benguiat in sich schlummern haben («If you need a script typeface, why don’t you draw it yourself? You’re designers, right?»).

Beides, ganz unabhängig von einander, Trends zu einem wärmeren Retrofeeling, das erschreckend gut zu dem erhöhten Wellness-Kuschelbedürfnis einer Krisenwirtschaftsgesellschaft passen würde.

11. Juni 2009 07:56 Uhr. Kategorie Design. Tag . 3 Antworten.

Book Cover Archive Blog

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Wenn ihr das noch nicht gebookmarked habt, do it now ;-D In der Flut von zig Designblogs gibt es bei Ben Pieratt und Eric Jacobsen zumindest für mich immer wieder was zu entdecken

2. Juni 2009 08:06 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.

Axel

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Erik Spiekermanns neue Schrift Axel sieht tatsächlich sehr nach einer alten Spiekermann-Schrift, der OfficinaSans aus, die nur ordentlich korrigiert und etwas schmaler gerückt wurde. Da die Officina eine sehr lebhafte Vergangenheit hinter sich hat und ich insgeheim eigentlich fast länger mit einer FSI-Überarbeitung gerechnet hat, überrascht mich das nicht ganz, vielleicht eher die Veröffentlichung beim deutschen Fontshop-Vertrieb selbst, nicht bei der Foundry. Das macht aber durchaus Sinn, wenn man sich den Kampfpreis von nur 9,90 Euro für vier Schnitte ansieht, mit der die Schrift eingeführt wird und die Tatsache, dass hiermit natürlich ideal die (gravierend verbesserten) Merkzettel- und Kauffunktionen der neuen Site vorgestellt werden können. Bei 9,90 Euro klickt man ja mal eben auf Kaufen und kann schnell selbst erleben, wieviel netter das Shopping geworden ist – bei 399 Euro eher weniger. Insofern darf man davon ausgehen, dass die Axel mit ihrem bis Ende Juni datierten Angebotspreis vor allem Promotion für den Site-Relaunch machen soll. Ob es danach eine ausgebaute Axel bei FSI geben wird, abwarten.

Auszubauen wäre nämlich einiges. Die Axel kommt – bei dem Preis mehr als korrekt – recht eingeschränkt daher. Hinter dem OTF-Paket verbirgt sich im Grunde ein Windows-TrueType, ohne großen Extra-OTFPro-Zeichensatz, ohne Small Caps, ohne verschiedene Ziffernarten, ohne Fremdsprachen. Was nicht nur angesichts von 10 Euro vertretbar ist, sondern auch andeutet, wohin es die Axel zu treiben scheint: Dies ist, offenbar, kein Font für Mac-affine Designer, die sich in Indesign austoben und ein Maximum an Glyphen wollen, sondern eher eine knackige und handwerklich saubere Lösung für Office-Nutzer an Window- und Mac-Rechnern. Obwohl OS X mit iWork natürlich OTF-Features nutzen kann, sind Office-Nutzer seit Jahren in Sachen OpenType außen vor (was sich mit der nächsten Version ändern soll). Bis dahin liefert die Axel eine saubere Lösung, zumal die SmallCaps (unter Word usw unerreichbar, wenn SC in den OT-Glyphen liegen) ja ausgelagert sind.

Die Axel ist insofern inoffiziell Spiekermanns erster Font für Windows und Mac-OS, eine Art hochökonomischer Systemschrift, die man weniger (nur) für Printdesign benutzt, als vielmehr, um relaxt Tabellen und Texte am Rechner zu bearbeiten. Dafür sprechen das ausgedehnte manuelle Hinting (der Alptraum jeder Fontkonvertierung), das eine hochwertige Bildschirmdarstellung und auch gutes Druckbild bei Inkjet und Laser gewährleistet und die Nutzung von Cleartype, für die spezielle Nutzung als Tabellensatzschrift empfiehlt sich Axel nicht zuletzt dadurch, dass hoch- und tiefgestellte Bruchziffern mitgeliefert sind und einige mathematisch Sonderzeichen.

In der langen Historie der Officina ist es vielleicht ironisch, das eine für die Schreibmaschine entwickelte Schrift nach Umwegen als die Mutter der Understatement-Designtypographie der 80s/90s jetzt wieder da ankommt, wo sie hingehört: In die Büros, als Schrift für die Nachfolger der Schreibmaschine, auf Computern und Laptops. Also: Zugreifen, solange der Preis noch so niedrig ist. Vielleicht erleben wir ja so eine Off…ähm Axel-Renaissance. :-D

25. Mai 2009 15:14 Uhr. Kategorie Design. Tag . 6 Antworten.

Typo Berlin 2009 Space Tag Drei

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Last not least die Bilder vom dritten Tag, ebenfalls unedited. Ganz wichtig: Ich habe die Photos natürlich nicht selbst geschossen, sondern hauptsächlich stammen sie von Katharina und Stefanie, die den ganzen Tag die schwere Kamera in der Hand hatten und tolle Momente eingefangen haben – 1000 Dank!!!

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23. Mai 2009 23:59 Uhr. Kategorie Design. Tag . 6 Antworten.

Typo Berlin 2009 Space Tag Zwei

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Ganz schnell die Roh-Bilder von dem zweiten Tag der Typo in Berlin, mit einem ziemlichen Übergewicht an Markus-Hanzer-Bilder, was ein derart fulminanter Vortrag aber auch wirklich verdient hat…

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09:16 Uhr. Kategorie Design. Tag . 10 Antworten.

Typo Berlin 2009 Space Tag Eins

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Hier in aller Eile (verschlafen) und nicht groß bearbeitet, zumal die Belichtungsmessung der Canon offensichtlich in der Hall etwas spinnt, die Bilder der Space-Typo Berlin 2009 vom ersten Tag, lose kommentiert:
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22. Mai 2009 08:14 Uhr. Kategorie Design. Tag . 4 Antworten.

The Font Snob

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Ach, wenns doch nur so wäre :-D.

via Fontshop

13. Mai 2009 08:38 Uhr. Kategorie Design. Tag , . 2 Antworten.

Crossing Border

Nicht ganz neu, aber wirklich schön und erinnerte mich an eine handwerklich recht ideale Umsetzung einer Idee aus dem Grenzen-Projekt der RA seinerzeit: Die Crossing-Border-Plakate von Bram van Vulpen

12. Mai 2009 13:08 Uhr. Kategorie Design. Tag . Keine Antwort.

Lecker Schrift!

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Koffie by Fabio Bartali

Vor allem als Dozent an der WAM habe ich mich jahrelang damit unbeliebt gemacht, meine Studenten Buchstaben backen oder kochen zu lassen – um später an der Ruhrakademie auch Fonts auch Haaren und Feuer zu produzieren – und immer wieder kam die Frage auf, was das nun mit Typographie zu tun haben soll und ob ich endgültig durchgedreht sei und man nun bitte endlich die DIN-Klassifizierung lernen dürfe :-D (okay, der letzte Teil ist gelogen).

Die Typo-Profis bei Typophile geben mir nun eine verspätete Rechtfertigung für diese seltsame Idee und zeigen, wie kreativ man aus seinem Abendessen oder Frühstück kleine Typo-Kunststückchen formen kann - im Fontbattle 37.

07:46 Uhr. Kategorie Design. Tag . 2 Antworten.

It’s a type world and we’re just driving in it

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Typo-Spots scheinen gerade in zu sein: Hier ist einer von Daimler-Chrysler  zum BAS-Bremssystemder Mercedes-Modelle. Von BBDO Düsseldorf.

via John Nack

11. Mai 2009 11:18 Uhr. Kategorie Design. Tag , . 4 Antworten.

Zu Verschenken 21: Praktische Typographie

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Etwas älter, aber die meisten typographischen Fakten altern ja eigentlich ganz gut, ist dieser Bestseller von Ralf Turtschi, eine liebevolle Einführung in die Grundbegriffe von Typographie und DTP.

Der Deal: Wer mir bis morgen  das schönste Photo fürs Blog per Mail zuschickt, kriegt die Bücher und trägt nur das Porto selbst.

20. April 2009 06:58 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . 2 Antworten.

Zu Verschenken 20: Die Photos

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Benjamin

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Raffael

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Timo

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Tobalo

Lang lang ists her, und es waren auch nicht viele Photos (waren es echt nur vier – oder habe ich durch die Zeitverschiebung Photos übersehen beim Kramen in der eMail? Sagt Bescheid). The winner is Benjamin.

06:55 Uhr. Kategorie Leben. Tag , , . Eine Antwort.

Ei Ei Ei

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Auf Seite 53 der aktuellen PAGE 4/09 entdecke ich endlich die lang angekündigte Schrift, die unsere Praktikantin Bianca Berning an der FH Krefeld im Typo-Projekt bei Ursel Schiemann gemacht hat – der eiernde Rasterfont ist nur eins der spannender Ergebnisse aus Ursels Arbeit mit ihren StudentInnen, die vorher nie eine Schrift entwickelt hatten. Gute Sache – und schön, dass die Page einem Studentenprojekt 6 Seiten Raum gibt.

2. März 2009 18:50 Uhr. Kategorie Design. Tag , . 3 Antworten.

15. Leipziger Typotage

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Leipzig erweist sich mit den 15. Typotagen wieder einmal als sehr ernsthafter Standort für Schriftgestaltung. Wo andere Veranstaltungen gern mit recht offenen Ein-Wort-Themen auffahren, sin die Leipziger seit jeher thematisch sehr ernsthaft dabei und wenden sich vielleicht mehr an Fachleute aus Design und Druck, nicht umsonst findet das ganze im Museum für Druckkunst statt. Nachdem letztes Jahr das Zeitungsdesign im Vordergrund stand, widmet sich die Gesellschaft zur Förderung der Druckkunst diesmal einem ähnlichen Spezialthema, nämlich dem Verpackungsdesign. Und wer hat sich noch nicht gefragt, wessen Strafarbeit es eigentlich ist, die ganze winzig kleine Information auf den Joghurt zu setzen oder ob es hier spezielle Regeln oder gestalterische Freiräume gibt – und warum Package Design ein so scheinbar unflexibles Gestaltungsfeld ist, mit wenigen gestalterisch einwandfreien High-End-Produkten, einer wahren Flut von Supermarkt-Augenkrebs und sehr sehr wenig dazwischen, quasi einer Art umgekehrten Gauß-Glocke. Dabei sollte doch auch hier die Regel gelten, dass gutes Design gut fürs Geschäft ist.

Die Redner werden das Thema von allen Seiten fachlich versiert beleuchten: Armin Angerer ist  Geschäftsführer Produkt und Packaging bei der Peter Schmidt Group in Hamburg, die seinerzeit mit hochwertigen Parfumpackage-Design reüssierte. Klemens Ehrlitzer kommt vom Verband der Hersteller selbstklebender Etiketten und Schmalbahnconverter. Prof. Dr. Ulrike Herzau-Gerhardt von der HTWK Leipzig ist eine absolute Fachfrau in Sachen Drucktechnik. Olav Jünke von ondesign in Hamburg wird vielleicht vom Message-on-a-bottle-Projekt berichten. Rainer Schneider von der Dresdner Markenteam Werbeagentur und  Julius Wiedemann vom Taschen Verlag  sind zwei weitere spannende Speaker, wenn es darum geht, wie eine Verpackung einen Inhalt determinieren kann.

Für interessierte Designer sicher einen Besuch wert. Die Veranstaltung findet am Samstag den 16. Mai 2009 statt und kostet für Nicht-Mitglieder des Vereins 1oo Euro Eintritt.

3. Februar 2009 08:04 Uhr. Kategorie Design. Tag . 3 Antworten.

33 Pt Eskapade

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Am 03. und 04. April 2009 findet in der FH Dortmund das bekannte Typographiesymposium 33pt. statt, diesmal mit dem Thema Eskapade. Die Dortmunder fahren zu diesem Thema ziemlich sehenswerte internationale Gäste auf, darunter der David Crow (Autor des phantastischen Visible-Signs-Buches), Phil Baines (Autor von Lust auf Schrift), Barbara Hahn und Christine Zimmermann, Autobahn, Sven Ehmann vom Gestalten Verlag, einer der Fontstruct-Macher Rob Meek und viele mehr. Mit dabei ist auch das von der TYPO bekannte  Typeradio (www.typeradio.com), mit dem Donald Beekman und Lisa Enebeis die Veranstaltung begleiten werden.

Was sich anhört wie die große Berliner Typo im kleineren Format ist tatsächlich ein rein studentisches Projekt, bei dem eine Gruppe von Studenten Konzeption, Gestaltung und Durchführung übernimmt. Und weil Studenten wissen wie es ist, in tolle Veranstaltungen mangels Geld nicht hineinzukommen, ist bei 33pt. der Eintritt frei.

Mehr Infos unter www.33pt.de, wo sich in den nächsten Wochen vor der Konferenz noch einiges tun soll.

2. Februar 2009 07:41 Uhr. Kategorie Design. Tag , . 5 Antworten.

Stachel-Typo

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Ich weiß, es soll die Tauben im urbanen Kriegsschauplatz von den wertvollen Logos an den Hauswänden fernhalten – aber von weitem sieht es aus, als würden dem Logo Haare wachsen, oder vielmehr Stachel. Sehr anheimelnd.

21. Dezember 2008 19:04 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . 6 Antworten.

Roboter Kalligraphy

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Wenn das Projekt auch bereits ein Jahr alt ist, ist es doch mehr als nur einen Twitter-Eintrag wert: die freie Künstlergruppe robotlab, gegründet von Matthias Gommel, Martina Haitz und Jan Zappe, präsentiert auf ihrer Site eine Installation namens bios [bible], bei der ein Industrieroboter binnen nur sieben Monaten die gesamten 66 Schriftrollen Bibel kalligraphisch reproduziert. Ein interessantes Konzept, eine subversive Idee und ein überraschendes Ergebnis: Der Roboter ersetzt die handschriftliche Arbeit eines Mönchs in der Manufaktur des Bibel-Skriptoriums perfekt und geht so einen seltsamen Cyber-Parallelwelt-Weg zu Gutenbergs Erfindung der beweglichen Lettern, mit denen Gutenberg ja genau diese Substitution menschlicher Schreibkraft ja auch durchführen wollte.
Die anderen robotlab-Projekte des Trios sind ebenso sehenswert.

6. September 2008 08:09 Uhr. Kategorie Design, Technik. Tag , . 7 Antworten.

Woodtli Kaufen

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Beim Design-Gespräch am Samstag hab ich ja mehrmals auf Martin Woodtlis Monographie beim Gestalten-Verlag hingewiesen, die leider vergriffen ist.

Bei Kopp gibts eine Restauflage zum unschlagbaren Superpreis von 7,50 €. Also, hinhinhinhin und kaufen – es lohnt sich wirklich.

1. September 2008 14:01 Uhr. Kategorie Design. Tag , . 2 Antworten.

Brutto Mehr Netto

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Schon vor einiger Zeit im Fontblog von Jürgen Siebert vorgestellt, ist die FFNetto eine schöne Erweiterung derja nach wie vor trendigen runden Schriften à la Bryant und Co. Die gut ausgebaute OTF-Schrift, die allerdings scheinbar leider ohne Minuskelziffern daherkommt, wirkt bei allen stilistischen Eigenarten für kürzere Texte auch gut lesbar und passt in ihrer monoline-Ästhetik perfekt zu moderner Architektur, wofür sie (angesichts der vielen Airport-tauglichen Icons) scheinbar auch entwickelt wurde. Erinnert auch vielleict nicht von ungefähr stark an Ruedi Baurs Design für den Köln/Bonner Flughafen. Wenn Zeitgeist Schrift sein kann, dann sind es diese sleeken Schriften allemal, die so schön den windkanalgeformten Korpus des späten Kapitalismus wiederspiegeln, die für überstrahlende Lichtdisplays wie gemacht scheinen, so widerstandlos und frei von allen Ecken und Kanten. Und die eben doch stets versuchen, modern, hip und cool zu wirken, anders zu sein und doch zugleich Mainstream. Daniel Utz ist gelungen, diesem Trend eine neue Wendung abzutrotzen, eine moderne DIN zu schaffen, eine Schrift ohne Gesicht, eine Projektionsfläche, ein Versprechen der Junk Space Culture – und eben deshalb so sexy.

19. August 2008 22:27 Uhr. Kategorie Design. Tag . 3 Antworten.

Logan’s Run

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Ich bin seit eh und je ein großer Freund der schlichten, aber sehr smarten Arbeiten von Tom Muller. In seinem Blog erzählt Tom etwas über die Entstehung eines Plakates zum grandios trashigen 70s-Film Logan’s Run mit Michael York und der damaligen Sex-Ikone Farrah Fawcett-Majors. Das Ergebnis ist ein fertiges, in seiner 2001-Ästhetik kaum zu überbietendes Plakat und ein Vorentwurf, der ebenfalls phantastisch ist. Ich mag den ersten Entwurf aufgrund seiner Komplexität und dem Verständnis der Storyline sehr, vor allem ist die Grafik einfach gelungen – der perfekte Blend von Komplexität und Simplicity. Aber der finale Entwurf hat in seiner modernen, kühlen und trotzdem klar die Siebziger zitierenden Plastik-Ästhetik und dem surreal wirkenden Bild auch Siegerqualitäten, vor allem passt die Typo auch besser zum Thema. Beide Plakate können das unglaublich großartige ursprüngliche 70er-Style-Plakat nicht toppen – das wollte Tom auch bewusst nicht – zeigen aber, wie «anders», wie modern und inspirierend Filmplakate sein können, wenn sie nicht vom Marketing diktiert werden und ergo eine Star-Kopf-Montage mit viel Trajan sein müssen. Das Plakat gibt es hier in einer limitierten Auflage zu kaufen.

7. August 2008 11:31 Uhr. Kategorie Design. Tag , . 2 Antworten.

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