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Beautiful translucency

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13. Juli 2012 21:07 Uhr. Kategorie Arbeit. Tag , . Keine Antwort.

Was sagt Thea dazu?

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12. März 2012 12:54 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

How News are made…

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In den stets lesenswerten Blog von Newspaper-Designpapst Mario Garcia (den man hierzulande u.a. für seine seinerzeit umstrittenes Zeit-Redesign kennt) findet sich ein Link zu einem Text der (Online-) Journalistin und Designerin Lauren Rabaino von der Seattle Times. Der Text befasst sich mit Twitter als News-Quelle, der enormen Redundanz von timeline-artigen Berichten und versucht einige Antworten auf die Probleme zu geben, die diese Art von Nachrichtenerzeugung mit sich bringt, die am Ende in der Idee einer Art News-Wiki mündet und einem Crossover aus verschiedenen Formen von Online- und Offline-Berichterstattung.

Garcia bring es auf den Punkt: «We have said repeatedly that the printed newspaper has lost the time advantage to the digital media.» Wann immer ich in letzter Zeit lokale Tageszeitungen gesehen habe, war ich überrascht, wie «alt» mir die meisten überregionalen und globalen Nachrichten erschienen. Ich kannte sie meist schon aus Tweeds, RSS und Online-Nachrichtenportalen. Gegen diese Medien ist selbst das Fernsehen, der alte Gegner der Printmedien, träge. Die Stärke von Print liegt aber, wenig überraschend, nach wie vor in den regionalen Nachrichten, die online nicht richtig stattfinden und in der Reflektion – dem Essay, dem Interview, der Langzeitberichterstattung und so weiter. Also in Dingen, die die Wochenzeitungen vorleben und die der Echtzeitigkeit enthoben sind, eher allgemein bekanntes noch einmal aufarbeiten, einordnen, differenzieren. Was mir die Hoffnung gibt, dass mehr Zeitungen aus reinem Überlebenswillen wieder zu essayistischen, feuilletonistischen Formen zurückfinden und die Grenzen zwischen «Literatur» und «Journalismus» wieder aufweichen und sich dadurch tatsächlich entschleunigen als Reaktion auf die High-Speed-Online-Medien.

28. November 2011 03:44 Uhr. Kategorie Design, Online. Tag , . 6 Antworten.

Mehr als 1000

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Die stets kluge Bildredaktion des Spiegel beweist erneut, dass Photos oft mehr sagen – oder andere Dinge sagen – als Worte und lässt zwei Bilder quasi gegen ein recht unverfängliches Interview mit Linke-Chef Gregor Gysi laufen, die allein durch ihre Körpersprache mehr sagen als der gesamte Text drumherum, über Beziehungen, über Führungskämpfe, über Kommunikationsprobleme. Keine Frage – solche Photos können täuschen und sollen natürlich auch einen bestimmten Zustand suggerieren und gefrorene Momente geben nie wirklich kommunikative Zustände wieder – aber im Hinblick auf Text-Bild-Schere hat der Spiegel hier großartig mit den Bildern aus dem WAZ Pool und von Michael Gottschalk operiert.

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15. November 2011 11:47 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , , , . Keine Antwort.

Langsame Revolution

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Ein Jahr nachdem das iPad den Auftakt zu einer globalen neuen Digitalisierungswelle bei «Print»-Medien ausgelöst hat, reibe ich mich als Leser (aber auch als Designer) immer wieder an seltsamen und frustrierenden Elementen dieses Umbruchs, die einzeln jeweils sicher erklärbar sind, kollektiv aber den Buchmarkt und die Anbieter von Hard- und Software vor wichtige Herausforderungen stellen. Ein kritischer (und sehr subjektiver) Blick auf den Stand der Dinge im Bereich des e-Lesens:

Hardware. Ich hatte letztens bei einem Besuch auf dem mediacampus frankfurt die Chance, mehrere aktuelle eReader in der Hand zu halten. Als iPad-Nutzer eine geradezu schockierende Erfahrung. Unhandlich (mit Ausnahme des Thalia-Readers, der ein sehr süßes Format hat, für «Buch» allerdings einen Tick zu klein ist), ein entsetzlich billiges Aldi-Plastik-Feeling, langsam, medial unflexibel, reines Schwarzweiß… da kommt wenig Freude auf. Das Buch ist ein sehr haptisches Medium und Buchleser häufig Menschen mit einem Gespür für schöne Gegenstände und gute Dinge. Das sollte man beim Design von Endgeräten durchweg im Kopf haben und nicht taiwanesischen Plastikschrott anbieten. Je näher der Reader an das Gefühl eines «Hardcovers» herankommt – und je näher auch die digitalen Buchdateien dies emulieren, nicht durch sepia-Hintergründe, sondern im Handling – desto erfolgreicher wird sich das Angebot durchsetzen. Ich denke auch, niemand hat wirklich Lust, einen längeren Text grau auf grau zu lesen? Die Schrift mag ja «scharf» sein bei vielen Readern, aber sie wirkt pixelig und hat in jeder Hinsicht die Anmutung einer Kinder-«Zaubertafel». Die Bedienung der Software, die sinnfrei wirkenden Hardware-Tasten und viele andere Details der Reader erinnern an die Frühzeit des Computers. Ästhetisch ist das iPad somit fast singulär der einzig annehmbare Weg derzeit. Das iPad aber ist noch zu dunkel in der Sonne, zu hell in der Nacht, reizt die Augen zu sehr beim Lesen als aktives Display gegenüber dem «passiven» Papier und braucht dringend eine höhere Auflösung (iPad3 wird Retina-Display haben). Richtig perfekt ist derzeit noch keine Lösung, Jan Tschichold würde an all diesen Geräten verzweifeln. Das iPad ist noch am nächsten dran und trotzdem einige Jahre von «perfekt» entfernt. Seltsamerweise tut dem Gerät auch die Verschlankung von iPad zu iPad2 nicht wirklich gut. Obwohl für die meisten anderen Anwendungen ein Fortschritt, ist das Pad als Buch jetzt zu surreal dünn, zu scharfkantig, zu sehr Glasscheibe. Ein leichteres, aber voluminöseres Gerät wäre an sich überzeugender. Hier haben wir noch einige schwierige Jahre vor uns – in Sachen Interface ist kein Reader dem «echten» Buch gewachsen. Was zugleich auch heißt, das für andere Firmen als Apple noch Raum wäre, ein markttaugliches Angebot zu konzeptionieren – die begeisterte Reaktion auf den dann leider nie realisierten Courier-Entwurf von Microsoft zeigt das sehr deutlich. Monopole sind nie gut und es wäre erfreulich, wenn ein Hardware-Anbieter sich des Themas Digitales Lesen und Schreiben ganz neu und offen stellen würde.

Kaufen. Es ist immer noch eine Art Horrortrip, spontan ein eBook zu kaufen. Es wirkt fast so, als solle man in semi-legale Graubereiche hinein gezwungen werden, wenn man als Nutzer auch nur den geringsten Anspruch stellt – wie etwa den Wunsch, ein gekauftes Buch auf dem eigenen Lesegerät nutzen zu können. Als deutscher Nutzer ist es schwierig, legal ein amerikanisches Buch – das ich «auf Papier» bei Amazon problemlos binnen 24 Stunden erhalte – als ePub zu kaufen. In Apples iBook-Store gibt es ofiziell keine 50 englischen Bücher… verdeckt sind es einige mehr, aber das Angebot ist erschütternd schlecht. Und auch bei den deutschen Büchern ist die Auswahl deutlich zu klein – Apple hat hier viel zu wenig kleine Verlage im Programm, die Bücher erscheinen deutlich nach den Print-Angeboten, die Vorteile einer digitalen Buchhandlung (Große Auswahl, da keine Lagerfläche, niedrige Preise und hohe Geschwindigkeit) kommen nicht zum Zuge.
Das zugleich die wachsende Zahl der Websites, Foren und Blogs, auf denen Bücher illegal zum Download angeboten werden, explodiert, zeugt von großer Nachfrage, die die Verlage und legalen Anbieter einfach nicht befriedigen. Es ist wie mit dem iPhone und dem Jailbreak – je mehr Apple mit jeder iOS-Fassung ganz einfache Wünsche der Nutzer befriedigt, desto weniger werden diese zu aufwendigen Tricks greifen, um die Funktionalität ihrer Geräte auszureizen. Je einfacher man also digitale Bücher kaufen kann, umso weniger Chancen haben die illegalen Quellen.
Bei Comics, einem fluideren, überschaubaren aber der Buchbranche nicht unähnlichen und insofern als Erfahrungsfeld besonders spannenden Bereich, zeigt sich das besonders drastisch. Der interessierte Leser bekommt nahezu jedes Mainstream-US-Comic am gleichen Tag von ungezählten internationalen und illegalen Quellen in perfekter Qualität in zwei Standard-Reader-Formaten als One-Click-Lösung. D.h. die illegale Vertriebslösung ist an Komfort – abgesehen von der langen Suche und Werbeeinblendungen natürlich – kaum zu überbieten im Hinblick auf das Endergebnis, weist aber einen ungemütlichen Weg dorthin auf, der zudem den Makel des Illegalen aufweist. Kein Konsument von Büchern, Musik, Filmen oder eben Comics will, dass die Macher leer ausgehen. Die Verlage aber – die die Direktmarktstruktur schützen und vor den in den USA durchaus recht mächtigen Retailern Angst haben – setzen auf proprietäre Lösungen, die geradezu bizarr inpraktikabel sind. Selbst der Vorstoß von DC, ab September monatlich 52 Hefte day&date, also am gleichen Tag wie die Printversion, digital zu veröffentlichen, ist nur ein halbherziger Schritt – wenn die Formate nur in geschlossenen Systemen verfügbar sind, wird es wenig nutzen, zumal der Preis bei Erscheinen auf Höhe der Printausgabe liegt. Das schützt die Händler, schadet aber den Verlagen und damit den Autoren und Kreativen. Offene Formate wie CBZ oder CBR, einfache Download-Möglichkeiten, kein DRM und attraktive Angebote für Subskriptionen sind die Lösung. Hier ist übrigens aus meiner Sicht eine große Chance für kleinere Verlage oder Strukturen, ihre Hefte nicht als Webcomics, sondern in ein einem bewährten Format per Blogsystem und Paypal in Echtzeit abzusetzen und die etablierten Strukturen zu umfahren. Flatrates wären gerade für Comic-Publisher, in denen mehrere Hefte ja meist zusammengehören und eine Art «Universum» bilden, zudem eine attraktive Möglichkeit, neue Kunden zu gewinnen und alte zu binden. Wichtig ist aber, nicht nur einen digitalen Zugang mit proprietären Readern zu geben, sondern Zugang UND Besitz zu ermöglichen und auf offene, einfache Formate zu setzen. Oder zumindest beides anzubieten, also eine Art Unterschied zwischen «Streaming» bzw. Miete und «Download» bzw, Besitz anzubieten, wie es im Video- und Musikbereich längst getan wird.

DRM. Kaufe ich ein normales Buch, so kann ich es weiterverleihen, beliebig oft. Kaufe ich ein eBook, etwa ein DRM-geschütztes ePub bei iBooks oder Borders, kann ich das nicht tun. Hier verliert sich ein wichtiger Aspekt von Buch – das Weitergeben, weiterempfehlen, Teilen. Nook ist da einen (halbherzigen) Schritt weiter, sicher, aber generell ist diese Paranoia ein Malus für das eBook-Genre, der zudem auch nur für «legale» Bücher gilt, also wieder den Graumarkt stärkt. Der AppStore und iTunes beweisen, dass gerade DRM-freie Medien und der Verzicht auf Seriennummern/Aktivierungen usw. umsatzsteigernd wirken und die meisten User ein Modell wie das des AppStore – ein Account, mehrere Nutzungen möglich – akzeptieren. Es ist also vielleicht nicht klug, gerade angesichts der Erfahrungen der Musikindustrie, immer noch auf Rights Management zu setzen. Rückt den Nutzer in den Mittelpunkt der Anstrengungen, nicht den Raubkopierer. Wer einen Supermarkt hat und diesen mit Selbstschussanlagen und Stacheldraht gegen Einbrecher zu schützen versucht, wird wohl auch nicht viele Kunden mit diesem charmanten Auftritt für sich gewinnen. DRM kills your business.

Formate Die Formatvielfalt – mobi, lit, ePub, PDF und und und – fühlt sich an wie die frühen Tage von Video mit VHS, Beta und Video2000. Warum es diesen Formatkrieg gibt (und das PDF und textbasierte Formate tatsächlich unterschiedliche Vorteile bieten) ist so offenbar wie schade (anscheinend haben die Hardwareanbieter immer noch nichts aus VIdeo- und DVD-Formatkriegen gelernt, so unfassbar das scheint), aber alle Beteiligten – Konsumenten wir Produzenten – können nur von einheitlichen Standards profitieren. Das offene System zumindest halbwegs klarer Standards im Web kann hier Vorbildcharakter haben. Zumindest die XML/HTML-basierten Formate sollten weitestgehend identisch werden. Die flexible Orientierung an populären und simplen Standards ist immer sinnvoll in Umbruchszeiten (es sei denn man hat wie Apple die Marktmacht, eigene Standards einfach durchzudrücken, wie etwa bei iTunes Audio- und Videoformaten… aber diese Macht hat derzeit eigentlich keine andere Unternehmung und selbst Apple musste sich immer wieder dem Markt anpassen, um Erfolg zu haben).

Preise. Warum kostet Wolfgang Büchers wunderbares «Hartland» als ePub im Grunde ebensoviel wie als Hardcover? Obwohl es hier keine materialle Produktion, keine Lieferung, keinen Grossisten, keine Retouren, keine Lagerhaltung gibt und man sozusagen also ein «ideales» Gut hat, das alle Nebenkosten eines realen Objekts nicht mehr aufweist? Das Argument ist nicht neu – und über kurz oder lang werden die Verlage sich dieser (ja berechtigten) Frage stellen müssen und sich möglichst einheitlich auf ein Modell einigen müssen. Hier zu blockieren, auf Zeit zu spielen und erst einmal Anlaufinvestitionen in eine (allerdings nicht sonderlich teure) neue Technologie mitzunehmen, ist nachvollziehbar – aber die Zeit verrinnt. Gut beraten wäre die Branche, schnell ein klar am Kunden orientiertes Modell zu entwickeln. Ich kann verstehen, dass Verlage und vor allem auch Sortiment die identischen Preise phantastisch finden – sie verzögern den Wechsel der Leser zum digitalen Endgerät und sichern so die bestehenden Strukturen – und die Buchpreisbindung hierfür instrumentalisieren. Ich bin auch dankbar für jeden Job, der durch diesen Ansatz gerettet wird. Nur – der Arbeitsplatz wird nicht dauerhaft gesichert, der Wandel kommt sowieso und mit Verzögerung nur umso gewaltiger und durchschlagender. Unnachvollziehbar hohe Preise erzeugen zudem nur einen Graumarkt, an dem dann niemand mehr etwas verdienen wird. Fair Play auch bei den Preisen ist hier ein essentieller Ansatz, den zukünftigen digitalen Markt zu meistern.

Lesen. Man darf sich nichts vormachen – so phantastisch es ist, Bücher digital zu verwalten – kein Regalplatz, grandiose Markier- und Lesezeichenwerkzeuge, Text-Kopierfähigkeit, diverseste Ordnungsmöglichkeiten, so eben doch noch relativ unangenehm ist das Lesen an sich. Neben dem Display ist ein Hauptgrund die Software, die nicht nur generell zu wenig typographisch einwandfreie Schriften bietet sondern eigentlich nur eine winzige Font-Auswahl mit zudem wenig Features. Wichtig wären mehr Schriften, Open-Type-Fähigkeiten und vor allem eine stärkere Möglichkeit für die Gestalter, auch bei textbasierten eBooks Designvorgaben zu machen. Also Schrifteinbettung, optionale Einschränkung der Fluidität des Content und feste Schriftgröße, Zeilenabstand usw (eine Art Designer- vs- Usermode wäre ja denkbar, bei dem ein Buch aussieht wie für das Device «geplant», der Nutzer aber davon abweichend natürlich individuelle Einstellungen vornehmen kann). Sinnvoll wäre eine Balance zwischen Designvorgaben und der Möglichkeit für den Nutzer, gezielt einzugreifen, anstelle des jetzigen Design-Vakuums, bei dem man als Designer in etwa so effektiv arbeiten kann wie im Web vor 10 Jahren. Ich würde gern als Designer eines eBooks gern typographisch und im Layout sehr viel mehr machen können als eine Art aufgebohrte Textverarbeitung. Der erste kleine Schritt hierhin wäre vielleicht eine Möglichkeit geben, eigene Schriften sicher und lizenzrechtlich einwandfrei einzubinden. Ein weiterer Schritt, zudem ein lukrativer, wäre eine kleine Applikation, die gezielt und absolut sicher nur eBooks gestaltet und in der Applikation bereits verschiedene Reader simulieren kann – eigentlich eine Goldidee für den App-Store. Ein Zwischenschritt wäre, PDF deutlich besser in iBooks zu integrieren – GoodReader zeigt ja, das Textauswahl, Markieren und Notizen auch in PDF schnell und einwandfrei funktionieren. So wie es jetzt ist, braucht es beim digitalen Buch keine Designer mehr, das kann jeder Verlagspraktikant (leider!) selbst – und so sehen die Ergebnisse noch aus. An die Schönheit eines gut gesetzten gedruckten Buchs kommt das elektronische Pendant nicht näherungsweise heran. Noch gilt also, dass das Archivieren von Büchern digital mehr Freude bereitet als das Lesen – und das sollte sich mittelfristig drastisch ändern, denn es ist so, als könnte man in iTunes Musik nur in 64 kbit /s und frei von Bässen und Höhen hören oder als könnte das Schlagzeug jedes beliebigen Albums sich nur auf die fünf Drumsounds von Garageband beschränken.

Adobe. Beim Stichwort Gestaltung – es ist ein wenig seltsam, dass man eBooks fast besser in ausgerechnet Pages «layouten» kann als in InDesign, das von zahlreichen kleinen Bugs und einem Adobe-typisch komplizierten Workflow geprägt ist. Auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit ist Adobe derzeit scheinbar dabei, alle sich anbietenden Möglichkeiten einer Re-Etablierung als wichtiger Softwareanbieter zu ignorieren. ePub, PDF und andereAusgabe-Formate (also auch non-Adobe-Formate wie mobi oder lit) sowie Magazine-Apps müssen leicht, mit einem gewissen Spaßfaktor und ohne zusätzliche horrende Kosten (wie derzeit bei Digital Publishing) als integrierte Features der Creative Suite angeboten werden. Ansonsten verliert Adobe in diesem Bereich ebenso wie zuvor bei Flash und HTML. Nachdem Dreamweaver und Flash rapide an Bedeutung verlieren, und der Macromedia-Zukauf insofern rückblickend verspielt wirkt, bleibt Adobe noch die Printgemeinde mit Illustrator, Photoshop und Indesign. Erstere werden inzwischen teilweise von preiswerterer und schnellerer Software ersetzt (z.B. Pixelmator), die zumindest für Nicht-Profis zu einem Bruchteil der Kosten 80% der Leistung liefert. Aber selbst aus professioneller Sicht ist zumindest der Geschwindigkeitsunterschied zwischen 64-bit Pixelmator und 64-bit Photoshop verblüffend, auch wenn um PS de facto fast kein Weg herum führt derzeit. Das Potential eigener iPad-Apps hat Adobe bisher nahezu vollends unterschätzt. Setzt sich dieser Trend ungebrochen fort, wird es Adobe in 5 bis 10 Jahren nicht mehr geben. Der Zeitpunkt war nie besser, die Adobe Creative Suite samt aller Funktionen und Lizensierungsmodelle, Preispolitik und Offenheit von Strukturen genau JETZT komplett neu aufzustellen und zu überdenken, mit einem kritischen Blick auf die Stärken von Adobe und die Zukunft von Designproduktion in Print, im digitalen Publishing (in all seinen Formen) und in der möglichst nahtlosen Zusammenarbeit mit Programmierern. Ride the Wave, Adobe, don’t drown in it.

Es ist eine langsame, schmerzhafte Revolution, die sich hier vollzieht – nicht nur aus Branchensicht, sondern eben auch aus Sicht der Nutzer. Was Not tut, ist Beratung und Kommunikation. Die Verlage und Anbieter müssen sich – über Berater, über Workshops, über Verbindungen wie den Börsenverein, an strategischen Orten wie der Buchmesse – schnell und ehrlich mit ihren Kunden und den Lesern kurzschließen und mutige Strategien entwickeln, die gleichzeitig langfristig und flexibel/schnell sein müssen. Wer dies tut, wer das Produkt am Abnehmer orientiert, wer seine Strategie an der wirklichen Zielgruppe – dem Käufer, nicht dem «Dieb» – orientiert, der wird überraschende Erfolge feiern. Zugleich brauchen wir auf der produzierenden und die Verlage beratenden Seite des Geschäfts bessere und standardisiertere Werkzeuge für e-Medien, die erwachsen und ausgereift sind und effizient in den Workflow hineinpassen und als Medium per se überzeugen. So interessant diese Zeit des Umbruchs, der Irrwege und Experimente ist, so teuer und anstrengend ist sie auch – es wird Zeit, dass das junge eBook zumindest in die Teenagerjahre kommt. Und der iTunes-Store allein kann auf Dauer nicht der einzige Weg sein, die Verlage können an Monopol- und Oligopol-Strukturen nicht interessiert sein. Nie war die Zeit besser – für Verlage, Produzenten, Vertrieb und Sortiment – sich auf eine gemeinsame Strategie entlang der Kundeninteressen zu einigen.

17. Juni 2011 08:09 Uhr. Kategorie Buch, Design, Technik. Tag , , , , , , . 13 Antworten.

Adventures in buying ePub

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Morgen generell noch mehr zu dem Thema digitales Lesen, aber ganz kurz, weil es wirklich zum Verrücktwerden ist:

Ich will ein englisches Buch kaufen. Nach langer Google-Suche und vielen Fehlschlägen, bei denen man als deutscher Käufer kein Buch in Australien oder den USA kaufen kann, etwa bei Borders oder B&N, finde ich endlich mit «kobo» einen Laden, der das gewünschte Buch als ePub anbietet.

Nach der Abbuchung per Kreditkarte kommt ein acsm-Link. Also kein ePub, sondern einen Link. Als Käufer weiß ich nicht, was ich da vor mir habe. In den FAQ finde ich nichts. Ich schicke eine Support-Anfrage. Auf die Antwort warte ich noch.

Mit etwas Suchen in Google wird klar: Ich muss Adobe Digital Editions installieren und erst dann kann ich per Doppelklick die .acsm öffnen, die dann ihrerseits einen Download in Digital Editions einleitet. Vorher muss ich mich mit meiner Adobe ID anmelden bei Adobe. Gottlob habe ich eine – was macht hier eigentlich der Normalverbraucher? Umständlicher geht es wohl kaum und jeder normale Nutzer dürfte bereits an dieser Stelle die Flinte ins Korn geworfen haben. Zudem ist ein Kauf direkt am iPad insgesamt damit völlig undenkbar, was bedeutet, dass die Stores auf eine große potentielle Käuferschaft verzichten. Warum?

Das Buch ist jetzt in Adobe Digital Editions lesbar, einer Art AIR-Applikation und einer der schlimmsten Desktop-Reader, die ich kenne. Es ist vor allem NUR dort lesbar. Weil legendär wir alle ja unser Buch am Desktop lesen wollen. Selbst wenn man die ePub auf dem Rechner nach kurzer Suche doch gefunden hat, funktioniert sie NICHT in iBooks. Das Digital Rights Management macht das Buch auf dem iPad unlesbar. Was angesichts der ja doch sehr geschlossenen Plattform iPad etwas unverständlich ist. Schön, wen Adobe und Apple sich nicht grün sind – aber muss ich darunter leiden?

Jetzt gibt es den Weg – der legal schon eher im dunkelgrauen Bereich liegen dürfte – das Digital Rights Management mit einem Tool oder einfachen Python-Script zu entfernen. Die meisten Tools kosten etwas, die Script-Lösung ist gratis, aber nicht gerade für den Post-PC-iPad-User denkbar. Selbst wer bereit ist, das zu tun, hat also vier bis fünf Schritte zu tun und muss mehrere Softwares installieren und am Ende die Entscheidung zu treffen, doch semilegal zu handeln, um einen einfachen Buchkauf zu tätigen und das Buch auf dem Endgerät und der Software seiner Wahl lesen zu können. Serviceorientiert ist nun wirklich anders. Es fühlt sich in etwa genauso absurd an wie Musikkauf digital vor 10 Jahren – als man noch CDs «rippen» musste, mit Sonys perfiden Schutzmechanismen kämpfte, alles nur, um Musik auf dem iPod hören zu können. Hier hat sich viel geändert – unter dem Druck des Marktes – will die Buchbranche wirklich gar nichts daraus lernen?

Ich kann exzellent verstehen, dass Anbieter ihre Rechte schützen wollen. Aber man darf das Kind doch nicht mit dem Bade ausschütten. So wie es sinnlos ist, Käufer einer legalen DVD mit Raubkopie-Warnungs-Filmchen zu bestrafen oder legale Software-User mit endlosen Ziffernfolgen und Activation-Softwares zu peinigen, die mehr Probleme für legale Nutzer machen als Kopien zu verhindern, so kann es doch nicht sein, dass ein simpler digitaler Buchkauf nicht nur so viel Zeit frisst, sondern am Ende entweder in der Frustration, 20 Euro vergeudet zu haben, oder in der Entscheidung, eben doch Urheberrechte zu verletzten, münden muss.

Es wäre ja vertretbar, wenn es nur diesen einen Weg um Buch gäbe – aber da vergessen die Verlage, dass seit Erscheinen des iPad digitale Bücher in schier unfassbarer Masse eben auch illegal downloadbar geworden sind. Und ich kann nur als Konsument sprechen und immer wieder das gleiche sagen: Seitdem es in iTunes nahezu alle aktuellen Alben zum fairen Preis ohne DRM gibt, kaufe ich ausschließlich dort. Bei Büchern wäre es genau so. Aber würde ich ein Buch, das ich im Buchhandel kaufe, erst lesen können, nachdem ich viermal durch brennende Reifen gesprungen, einen Salto und einen Hochseilakt gemacht hätte, würde ich dort nicht mehr kaufen. Vor allem nicht, wenn es das gleiche Buch an jeder Ecke umsonst ohne jedwede akrobatische Verbiegungen gibt.

Das ist eine ganz essentielle Erkenntnis, die nicht schnell genug bei den Entscheidern ankommen kann. Ob Comics oder Bücher – aus Konsumentensicht machen die Verlage hier derzeit nahezu alles falsch. Zu geringes Angebot, zu hohe Preise (bei deutschen Büchern oft defacto der Hardcover-Preis), internationaler Kauf unmöglich bis schwierig und dass tatsächlich noch jemand glaubt, Digital Rights Management sei ein gangbarer Weg ist zum Weinen. Es ist eine Sache, Raubkopie verhindern zu wollen, aber es ist eine ganz andere Sache, den legalen Kauf zu einem unangenehmen bis nahezu unmöglichen Erlebnis zu machen. Digital ist eine Tatsache – man sollte diesen Markt nutzen statt ihn zu bekämpfen. Der Weg ist nicht, illegale Plattform zu schließen – der Weg ist, legale Plattformen zu eröffnen, die darauf eingehen, was die potentiellen Legalen Nutzer pragmatisch wünschen. Von iTunes lernen heißt hier siegen lernen.

16. Juni 2011 12:22 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , . Eine Antwort.

Jonathan Safran Foer: Tree of Codes

hd schellnack

Die Idee an sich ist natürlich nicht neu – zahllose Arbeiten haben sich bereits mit dem «Entstellen» von Büchern durch das Ausschneiden von Testpassagen befasst und Brian Dettmers Buchkunst geht eigentlich noch einen bedeutenden Schritt weiter – aber dennoch ist Jonathan Safran Foers «Tree of Codes» ein Buch zur Zeit. Dabei ist es nicht einmal sein Buch – es basiert auf Bruno Schulz «The Street of Crocodiles» (selbst der Titel ist nur ein Cut-Out des Originals)– Foer selbst hat nur durch Weglassen von Textstellen den Kontext der Worte geändert. Diese alte Technik von Textremix durch Wegnahme, durch Reduktion ist wiederum nicht neu, erzeugt aber immer wieder spannende Ergebnisse. Es führt weniger zu einer Komprimierung, zu einer Essenz von Text, sondern mehr von der Prosa zur Lyrik, zu einem schwebenden, fragmentarischen Text, der neue Assoziationen zulässt. Ich habe etwas ähnliches – nicht mit Schere und Papier, sondern digital – vor einem Jahr für ein Saisonheft gemacht, um auf einer zweiten Textebene Songs, Sachtexte und Wikipedia-Artikel zu verfremden, und der Effekt, der durch bloßes Weglassen einen Text verfremdet und auflädt, ist enorm… irgendetwas in unserem Gehirn scheint von den «Löchern» in Text angezogen, aufgefordert, sie mit eigenen Inhalten zu füllen. Es wirkt ähnlich wie der berühmte weiße Kreis auf einem Photo, etwa auf einem Gesicht, der aus einem bloßen Photo ein Geheimnis macht, das wir zu decodieren versuchen. So wie unser Gehirn «weiß», das aus der Rückseite der 6 bei einem Spielwürfel die «1» ist, versucht es auch hier, die weißen Flecken auf der Landkarte selbst zu füllen – und dieses Spiel kann oft spannender sein, als einen Inhalt fertig vorgesetzt zu bekommen. Das Gehirn liebt Assoziationen, Herausforderungen, Spiel und die Notwendigkeit, aus wenig Informationen ein «Ganzes» zusammenzusetzen – und in diesem Sinne ist «Tree of Codes» ein bemerkenswertes Spielzeug.

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So entstehen Sätze wie: «Only a few people noticed the lack of colour as in black-and-white photographs. This was real rather than metaphorical – a colorless sky, an enormous geometry of emptyness…» Hat man sich einmal auf den fragmentarisch-tastenden Sinn der Worte eingelassen, entsteht aus dem Remix ein tatsächlich gut lesbarer Text, der in seiner kurzen, fast atemlos komprimierten Form zudem Lust auf das wahrscheinlich dagegen fast langatmig wirkende Original des polnischen Autors weckt – also durchaus eine ähnliche Funktion erfüllt wie ein Remix in der Musik, wenn ein Starremixer auf einen unbekannten Klassiker »verlinkt». Das Ergebnis ist eine gänzlich andere Geschichte – und durchaus auch literarisch ein interessantes Experiment… denn wo normalerweise ein Buch aus dem Nichts durch Aufschichten entsteht – wie ein Gemälde – ist dieses durch Wegnehmen, Wegschlagen, Abtragen entstanden… eher wie eine Skulptur.

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Zudem ist das Buch natürlich wunderbar sperrig. Es wird sich wohl kaum übersetzen lassen, ohne die Idee zu zerstören, es eignet sich nicht als Audiobuch, es eignet sich nicht für iBooks (außer evtl durch Schwärzungen), Kindle und Co. Es ist ein seltsames letztes Aufbegehren, das Buch als Objekt in dieser Form zu feiern, als physikalischen Ort von Worten, an die man Hand bzw. Schere anlegen kann, als Ort von Eselsohren und Randnotizen, mit dem spezifischen Gewicht, Geruch, mit einer vorgegebenen Schriftart, mit dem rauhen Werkdruckpapier, mit einem kunstvollen Cover, mit also der ganzen magischen «Gestalt» eben eines Buches… alles Dinge, die ein iPad nicht näherungsweise simulieren kann oder soll, auch wenn es durchaus Ansätze gibt. . «Tree of Codes» ist insofern auch ein Statement – ein Plädoyer für das Analoge, das Zerfallende, für das Fragile. Der Clou, das das individuelle Zerschnippeln von Papier natürlich bei einer Massenauflage zu einem aufwendigem Produktionsprozess führt, der das Buch alles andere als «nostalgisch» macht, sondern eher zu einem Stück High-Tech-Magie, ist dabei für den einzelnen Leser vielleicht sogar nebensächlich – der Leser darf sich in der Illusion wähnen, Safran Foer persönlich habe dieses Exemplar zerschnitten, jedes Buch ein einzelnes Werk. Es ist nicht wahr, aber es ist eine großartige Lüge.

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Das Ergebnis ist ein seltsames Buch-Objekt, das zugleich Kurzgeschichte, literarisches Experiment und Meta-Statement über Bücher an sich abgibt. Es ist wundervoll anzuschauen, es ist ein wenig anstrengend zu lesen – obgleich gerade durch das Abrutschen in eine tiefere Seitenebene mitunter neue spannende Kontexte entstehen, glückliche Mißverständnisse sozusagen -, und es erinnert uns in seiner ausgeschlachteten Form wie zerbrechlich Papier als Kulturträger eigentlich ist. Bei aller Liebe zum eReading ist es insofern eine schöne Erinnerung daran, dass uns Bücher auf Papier, diese aus Bäumen entstandenen Codeansammlungen, hoffentlich noch eine lange Zeit erhalten bleiben.

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12. Juni 2011 09:28 Uhr. Kategorie Buch. Tag , . 2 Antworten.

Der Spiegel und das iPad

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Wer bei Spiegel Online über das iPad liest, wundert sich, denn es wimmelt dort nur so von Superlativen, die Apples neuem Gadget eine fast atemlos orgiastische Liebeserklärung hinlegen, die so gar nicht zu früheren eher Apple-kritischen Artikeln des Hamburger Blattes, das ja eher für seinen unbestechlichen Journalismus bekannt sein möchte, klingen.

Einige Beispiele:
besser, schöner, atemberaubender
nach wenigen Minuten will man ohne es nicht mehr leben  
Nirwana
Wunderapparat
auf Anhieb eine Revolution, eine Zeitenwende
sanfte, matt-metallene Rückfläche
Eleganz der schwarzen Hardware
großzügige Layout
enorm viel schneller
Websites öffnen sich in Sekunden
nach zwölf Stunden gerade mal etwas mehr als die Hälfte der Batterie verbraucht
rasante Prozessor-Geschwindigkeit
phantastische High-Resolution-Display
Bildqualität, an die kein iPhone, kein MacBook und auch kein großer Mac herankommt
spektakulärste iPad-App ist iBooks
strahlender, heller, realer
Fotos erscheinen auf dem iPad so klar und plastisch wie rückbeleuchtete Dias
Das iPad könnte nun seine neue Hoffnung sein

Auch wenn es hier und da leicht kritische Untertöne gibt – jeweils sofort korrigiert durch einen rosigen Blick in die Zukunft -, liest der Artikel sich alles in allem so, als habe ihn ein Apple-Marketing-Team persönlich zusammengeschrieben. Selbst dezidierte Apple-Nerd-Sites wie Engadget oder TUAW kriegen das mit mehr Distanz und Fingerspitzengefühl hin und können dem iPad deutlich kritischer und differenzierter begegnen als ausgerechnet der Spiegel und lassen es zum Beispiel im Vergleich mit dem Kindle nicht ungeschoren oder geben sich wenigstens die Mühe, technische Daten – die Apple selbst nicht liefert – herauszufinden. Und im Gegensatz zum Spiegel weisen die meisten Sites darauf hin, dass das 4:3-Display des iPad eben alles andere als ideal für Filme ist, und wo der Spiegel die Gewissheit hernimmt, dass ein HD-Film auf einem 1024×768-Display besser wirken will als auf, sagen wir, einem 27″-iMac-Display, ist mir ein Rätsel. Bei aller allgemeinen Begeisterung über das neue Spielzeug, gibt es reichlich kritische Kommentare zu dem Fehlen von Flash, Multitasking und Kamera, zu der Unhandlichkeit des Geräts beim Schreiben, zum Gewicht, zu mangelnden Output-Optionen, zu der Tatsache, dass Apple jede Menge Adapter überteuert einzeln verkauft und so weiter… Wie kommt es also, dass ausgerechnet der Spiegel so hüperhüper ist?

Und dann schaut man auf die deutsche Apple.de-Site und findet dort die Antwort: auf dem iPad direkt auf der Hersteller-Site ist als ein premium-Inhalt der iPad eben Spiegel Online gefeatured, denn der Spiegel ist in Deutschland ein essentieller Mediapartner von Apple, verkauft seine App auf der iPhone/iPad-Plattform und hofft, hier einen Contentvertrieb für seine diversen Inhalte gefunden zu haben. Im Grunde ist dieser Kniff von Apple genial – wie sollen WallStreetJournal, NYT, Spiegel, Bild usw. diesem Produkt noch kritisch gegenüberstehen, wenn der Hersteller zugleich ein absolut essentieller Vertriebspartner geworden ist, mit dem man eine strategische Partnerschaft eingegangen ist und der es wie kein zweiter versteht, Partner gegeneinander auszuspielen? Wen wundert es da noch, dass das Time-Magazine Jobs gleich auf das Cover holt und dem iPad nicht nur einen weiten Bereich des Heftes widmet, sondern auch noch Apple per se feiert?

Keine Frage, Apple hat es binnen einer Dekade geschafft, vom fast untergegangenen Unternehmen zur globalen Megabrand zu werden und ist gerade im Begriff, die allgemeine Vorstellung von Computernutzung neu zu definieren – aber gerade große Marken wie Nike, McDonalds, Google oder eben Apple brauchen einen ebenso kritischen Journalismus, der die Markenpolitik beobachtet, korrigiert und erdet. Die gar nicht mehr so leise Arroganz von Apple im Verhältnis zu BluRay, HDMI, Adobe, Google oder Amazon ist in den letzten beiden Jahren, oft zum Nachteil der Benutzer, sehr deutlich geworden, und wenn die Marke derzeit eins gar nicht braucht, dann Ticker-Tape-Paraden und teenagerhaftes Jubelgekreische, sondern einen kritischen Blick auf die oft solipsistische Firmenpolitik, auf die bei aller großartigen Innovation oft leidende Qualität im Detail, auf die monopolistischen Strategien der Marke. Anders gesagt: Das Jubeln darf den Apple-Fans überlassen werden, die Presse sollte kritische Distanz wahren. Denn wenn es anfängt, umgekehrt zu werden, muss Apple sich eigentlich eher Sorgen machen.

4. April 2010 14:09 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , . 3 Antworten.

Papier

28. Januar 2010 23:11 Uhr. Kategorie Leben. Tag . 6 Antworten.

Hello Spaceboy…

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Immerhin ist Print noch nicht tot – das fast mythenumwobene neue iPad-Produkt von Apple zwischen iPhone und Laptop ist in der ersten Generation noch nicht so ausgereift, dass die Buchhändler sich die ganz großen Sorgen machen müssen. Ein hintergrundbeleuchteter Bildschirm, noch dazu spiegelglänzend, ist alles andere als lesefreundlich – was für Websites und Comics vielleicht gerade noch geht ist beim Lesen von, sagen wir, Infinite Jest, sicher eine Qual für die Augen. Wer längere Zeit im Dunkeln versucht hat, mit Stanza zu lesen, weiß, wie sehr die Augen hinterher sirren – selbst wenn man den Bildschirm schwarz und die Typo weiß macht, was Apple in dem Versuch, das Buchfeeling zu imitieren unergonomischerweise nicht getan hat. Was bei einem an sich als Smartphone deklarierten Gerät okay ist, ist bei einem selbsternannten Kindle-Killer ziemlich entnervend – ein matter Bildschirm und ein deutlich sanfteres Licht in einer Art Lese-Modus wären nötig gewesen. Erst, wenn der iPad  wie ein Buch aussieht und sich auch mehr danach anfühlt, wird er (es?) den ganz großen Erfolg haben… und ich bin auch recht sicher, dass es nicht angenehm ist, ein rigides Stück Metall in der Badewanne in der Hand zu haben oder im Bett. eBook wird auf jeden Fall durch den iBookstore einen großen Boost erfahren, aber noch ist der Sprung nicht so, wie man es nach Apples Ankündigungen vielleicht befürchten durfte.

Denn auch ansonsten ist das iPad sehr deutlich eine 1.0-Version. Keine Kamera, keine Front-iSight-Video, kein USB, kein Flash, kein Multitasking, das für Europäer denkbar miese Tastatur-Layout, der eher etwas albern wirkende Versuch, die Logik des iPhone 1:1 auf ein viermal so großes Display zu übertragen, indem man den Leerraum zwischen Apps ändert, die etwas klobige 4:3-Optik mit dem riesigen Bildschirmrand, und der fehlende Schritt hin zu «echten» Programmen und eben dem normalen OS X, sind deutliche Minuspunkte, und es gibt sicherlich noch mehr (wie etwa die Tatsache, dass das Tastatur-Dock scheinbar nur hochkant funktioniert, die Apps aber teilweise quergedreht besser funktionieren, etwas Mail), wobei die Kamera das wohl ausschlaggebendste ist und Apple scheint dies auch zu wissen – warum sonst einen unschönen Adapter zum Anschließen von Cardreadern anbieten (und vor allem: wieso nicht wenigstens einen USB/SD-Slot einbauen, Platz wäre doch gewesen). Anscheinend ging es hier darum, einerseits dem iPhone noch einen relevanten Vorteil zu belassen sowie den Preis und das Gewicht niedrig zu halten, anders ist auch die Trennung zwischen Geräten mit 3G und ohne 3G-Hardware nicht zu erklären. Dazu kommen die (noch) fehlenden passenden Apps zum Format – iphone-APplikationen dürften sich, von 480 auf 1024 hochskaliert, etwas albern anfühlen. Der iPad wirkt also bis zu einem gewissen Grade ebenso unausgereift, wie das iPhone erster Generation, bis hin zum Aluminium-Rücken. Derzeit ist es mehr eine Art gewachsener iPod-Touch, was trotzdem sicher für einige Millionen verkaufte Geräte reichen dürfte.

Aber man weiß ja, wie das iPhone sich entwickelt hat, insofern sollte klar sein, wie der iPad sich entwickeln dürfte. in 12 bis 18 Monaten wird sich viel getan haben: OS 4.0 fürs iPhone dürfte Multitasking und eventuell ein überarbeitetes UI für Pad und Phone bringen, und der iPad 2 wird sehr wahrscheinlich auch Features wie Kamera, Video usw. mitbringen. Und mich würde wundern, wenn Apple nach der vehementen Kritik an den Glossy-Bildschirmen bei MacBook und iMac nicht längst an einer Methode arbeitet, um die gleiche nahtlose, kratzfeste und oberflächenbeschichtete Art von Bildschirm auch unreflektiv anzubieten.

Wichtig ist vor allem, dass Apple selbst begreift, mit dem iPad keinen aufgeblasenen iPhone-Bruder auf den Markt bringen zu können, sondern ein komplett neues Produkt, das ein anderes Interface und eine eigene Logik braucht. Eine Tastatur, bei der man Umlaute geduldig aufklappen muss, mag am «Handy» okay sein, nicht bei einer Art Miniatur-Laptop, das mit einer eigenen vollen Textverarbeitung reüssieren will.  Es ist fast überraschend, vielleicht nur normal nach all dem Hype, wie unausgereift das Interface in vieler Hinsicht noch wirkt. Man kann nur hoffen, das OS 4 hier Verbesserungen bringt, denn richtig ernsthaft eMails schreiben wird man mit der Tastatur auf keinen Fall können, da sind Umlaute und Zahlen einfach wichtig – und es sollte vom Platz her bei 9,7 auch denkbar sein, diese unterzubringen.

Dennoch darf man sich natürlich nichts vormachen – gestern hat Steve Jobs, der selbst das Zeitalter des «Personal Computers» mit eingeläutet hat, dieses auch beendet. Die Idee vom Computer auf dem Schreibtisch, wie wir sie kennen, ist eigentlich schon mit dem iPhone gestorben, und das Pad ist der nächste logische Schritt – weg von offenen, noch relativ user-kontrollierten Systemen, hin zu einer Art glorifizierten Videorekorder, der einfach zu bedienen, fast unerlässlich praktisch und hochelegant ist, aber ein im höchsten Maße kontrolliertes und geschlossenes System, eine BlackBox, bei der es unter der Oberfläche mehr darum geht, dass damit bestimmte Produkte konsumiert werden. Filme, Fernsehen, Musik, Bücher, Spiele, Applikationen – an denen Apple natürlich jeweils mitverdient. Wer weiß, in welchem Maße bereits das iPhone oft den Gang zum Rechner überflüssig macht – oder diesen auch vervollständigt und neue Programme sinnhaft macht, die ohne eine mobile Lösung nie existieren würden – kann sich bereits heute denken, wie ein iPad in 2 oder 3 Jahren das «Computing» ändern wird. Bereits mit dem iPhone sind uns fast unterschwellig zwei große Revolutionen nahegebracht worden: Unmittelbarere Interface-Interaktion per Berührung statt per Eingabehardware (und wer Apples Patente kennt, weiß, dass sich hier noch einiges tun wird) und die Idee des «Always on», der Tatsache, dass man nicht mehr ins Internet «geht», weil man ja ohnehin schon immer drin ist, dass Notizen, Daten, Applikationen, jederzeit ohne nennenswerte Wartezeit und ohne Browser aus der «Wolke» kommen. In Sachen Multitouch hat das iPad nach vielen Gerüchten seltsamerweise nichts neues geliefert – in Sachen Cloudcomputing wird es aber sicher einen Meilenstein darstellen.

Denn bereits in der ersten Generation braucht man kaum Phantasie, um sich vorzustellen, wie grandios das iPad für Meetings ist, wo man durch PDF und JPG gemeinsam Entwürfe oder Bilder abgleichen kann wie auf Papier, wo man Präsentationen hält, Notizen festhält. Leider keine Photos, leider anscheinend kein WLAN-Beamer-Anschluss, alles noch sehr rudimentär, aber die Idee ist im Raum. Auch im Bereich Logistik, Bildung, Medizin, Pflege – also Bereichen, die sehr weit weg sind von dem, was Apple gestern gezeigt hat – dürfte das Pad oder die sicher zahlreich kommenden Klone große Chancen haben. Apple hat bereits vor einem Jahr gezeigt, wie die API des iPhone den Anschluss von medizinischen Meßgeräten erlaubt, mit dem Pad wird nun denkbar, dass Ärzte eine Art digitales Klemmbrett haben und damit mobiler mit ihren Patienten arbeiten können, die Daten aber trotzdem zentral gesammelt werden. In Schulen sind neben offensichtlichen multimedial/hypertextuellen Lehrbüchern mit Bild und Video auch beispielsweise interaktive Tests denkbar. Und in der Logistik dürfte klar sein, dass ein solches Gerät ganz neue Möglichkeiten der Dateneingabe, Datenbankpflege usw ergibt. Auch im Shoppingbereich, ganz nebenbei – zumal ja bereits mit dem iPhone ein komplettes Kassensystem mit Scanner usw existiert. Ähnlich wie der Smart tut das iPad zwar so, als wäre es ein hippes Produkt für die Yuppie-Zielgruppe, in Wirklichkeit aber wird es sich wahrscheinlich am ehesten auch in anderen Bereichen entfalten – von der Altenpflege bis zum Krankenhaus, von der Uni bis zum UPS-Fahrer. Vorausgesetzt, die Käufer akzeptieren den zunächst relativ hohen Preis von 500 bis fast 1000 Dollar (mit Accessoirs, 64 GB und 3G ist man da ja nun mal… beim Preis eines MacBook).

Ich persönlich war mir vorweg relativ sicher, mir einen iPad zuzulegen, weil er für die Art, wie ich zunehmend arbeite, wie geschaffen ist. Von der mobilen Kommunikation bis zu den grandiosen Interaktionsmöglichkeiten in Meetings ist das Produkt mehr als vielversprechend, und auch die Idee, schnell auf dem Sofa Texte zu schreiben, ohne ein brutzelndes Laptop auf den Knien zu haben, ist attraktiv. Das iPhone hat sich so konsequent in so viele Bereiche des Alltags von mir geschummelt, dass ein großer Bruder völlig logisch wirkt.
Wäre da nicht das Ding mit der Kamera und der Tastatur. Die Kamera weniger als Kamera gedacht, dafür ist das Pad zu unhandlich, sondern als Dateneingabegerät. Eins der magischen Dinge am iPhone ist die Kombination von Tools wie Evernote und der (wenn auch miserablen) Kamera, mit der man ganz fix Notizen, Whiteboards oder ein tolles Photo in einem Magazin festhalten kann. Selbst wenn die Kamera 100% als Accessoire kommen wird, ist das einfach ein großes Manko, fast ein Killer-Argument gegen das jetzige Pad. Und die Tastatur geht in dieser Form nicht, niemand außerhalb der USA wird damit länger schreiben wollen – und Apple scheint das auch zu ahnen, warum sonst ein DOCK mit Tastatur anbieten. Und selbst wenn es die lange überfällige BT-Verbindung zwischen Phone/Pad und der Apple-Tastatur gäbe (technisch ja denkbar, beides Bluetooth, und auch mit Jailbreak bereits möglich), muss es doch bitte machbar sein, eine vernünftige Multitouch-Tastatur anzubieten und nicht eine hochgezoomte Version der ja recht gruseligen iPhone-Tastatur. Seltsamerweise hat Apple es also gestern geschafft, die vorab existierende Begeisterung für das Produkt einerseits zu rechtfertigen – das iPad wird ein ganz zentrales Produkt für Apple werden -, andererseits spontan abzukühlen. Die Tastatur ist Software, da würde ich auf ein neues OS hoffen… aber die Kamera? Die wird unweigerlich bestenfalls erst in der nächsten Hardware-Generation kommen. Es ist also gut möglich, dass ich das iPad 1 überspringe, was ich selbst etwas schade fände, zugegeben. Die Idee, lässig beim Kaffee mit dem Team die kommenden Termine in iCal einzupflegen (oder besser eine voll funktionsfähige App für Merlin zu bekommen – hinthint), hat schon was.

So oder so, bei allen Nörgeleien an einem 1.0-Gerät, ist gestern das Ende einer Ära eingeläutet. Das Ende des Desktop-PC, das Ende von Fernsehen in der bisherigen Art, vielleicht das langsame Ende von Zeitschriften, Magazinen und Büchern in Printform. Wer einmal die Jamie-Oliver-App angetestet hat, weiß, wie schwach gegen diese multimediale, interaktive Präsentation ein gedrucktes Kochbuch wirkt. Und Olivers 20-Minuten-App ist die erste ihrer Art, da wird noch viel kommen. Über die Möglichkeiten, die Videokonferenz/Voip, die WLAN/3G-Vernetzung mehrerer Geräte (Multiplayer!) oder gar RFID und Augmented Reality dem iPad eröffnen, darf man kaum spekulieren, man kommt zu schnell in den Bereich der SF… aber sie dürften gewaltig sein. Das iPad wird daheim und im Business ein ständiger Begleiter werden, wie es das iPhone in den letzten Jahren geworden ist. Mit dem iPhone hat eine Art neue digitale Zukunft begonnen, das iPad – und die folgenden Produkte von Apple – werden diese Idee sicherlich ausbauen. Wer sich also in den letzten Monaten und Jahren Sorgen um den Moloch Google gemacht hat, darf längst begonnen haben, bei Apple alle Alarmglocken läuten zu hören – elegant und unsichtbar wird sich diese Firma in einer Art und Weise in unser Leben graben, gegen die Google weitestgehend harmlos wirken dürfte.

Für die Verlage bedeutet das iPad eine neue Goldgräberzeit. Weg vom reinen Buch, hin zu «lebenden» Applikationen, zu Rich Content. Ich möchte gar nicht wissen, wieviele Programmierer demnächst für Random House und Co arbeiten werden, um iTunes-LP-artige Buchformate anzubieten oder Apps zu entwickeln. Mich würde wundern, wenn bei G&U nicht längst manisch an einer Basic-Cooking-App mit In-App-Kauf von Rezepten, Video, Shoppinglist usw. gewerkelt wird. Jeder Kochbuch-Verlag darf sich die Jamie-Oliver-App ansehen und ein lautes, deutliches KA-CHING dabei hören. Reisebücher und andere Infomationsbücher dito. Für die Belletristik muss man abwarten, ob sich das grandiose Buch-Interface beim genusslesen durch einen kalten glänzenden Computerbildschirm ersetzen lässt. Gerade nicht in Deutschland, wo es durch die Buchpreisbindung keinen nennenswerten Preisvorteil gibt. Dennoch wird iBook auch hier sicherlich mehr Staub aufwirbeln als der Kindle dies bereits tat. Die Verlagsbranche wird einen Umbruch erleben wie seit Erfindung des Rotationsdrucks oder des DTP nicht mehr.

Die Buchhandlungen vor Ort dürfen die Keynote von gestern mit gemischten Gefühlen sehen. Aus der eigenen Erfahrung: Seitdem ich eComics lese, sinken meine Bestellungen bei meinem Händler. Mit schlechtem Gewissen, aber ich habe einfach keine Lust mehr auf Longboxes von Altpapier. Bei Büchern ist das ganz anders – kleiner, besser zu lagern, altern besser, haptischer und digital auch leseunfreundlicher -, aber klar ist, dass auch hier ein Umbruch eingeläutet ist. Für die Sortimenter bedeutet dies, dass sie sich noch mehr auf Service, Beratung und Feeling umstellen müssen, sie (wahrscheinlich sinkende) Leserschaft härter umwerben. Als würde es nicht reichen, dass Lesen eh (zum unendlichen Leidwesen von Kultur und Wirtschaft) immer weniger beliebt ist, kommt jetzt auch noch erstmals halbwegs ernsthafte Konkurrenz zum bedruckten Papier auf. Und von einem Buchbook im AppleStore hätten Thalia, Hugendubel aber auch die kleine Buchhandlung an der Ecke denkbar wenig. Die großen Fillialisten werden hierunter noch härter leiden als die kleinen Sortimenter, die näher am Markt und den Kunden sind – aber auch die werden sich wohl einiges einfallen müssen. Und ehrlich gesagt ist das ja vielleicht auch gut. Eine gute Buchhandlung konnte immer noch gegen Amazon bestehen, sie wird es höchstwahrscheinlich auch gegen Apple können, wenn sie engagiert und sympathisch am Ball bleibt.

Ich bin insofern sehr gespannt, ob wir den Tag gestern als zweiten (nach dem iPhone) Anbruch eines neuen Computerzeitalters betrachten werden, in dem Ubiquitous Computing sich endgültig durchgesetzt hat, oder ihn irgendwann als eine Art endgültigen Sprung in den Abgrund des Internets und der digitalen Medien betrachten, den vielleicht fatalen Abschied aus der Vielfalt der Gutenberg-Galaxis und das wohlige Sich-Ergeben in absolute Monopolstrukturen.

08:55 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . 3 Antworten.

The Shape of Things

So sieht der Spiegel diese Woche aus. Auf dem Cover eine zum Weltkonzern und zum globalen Gesellschaftsfaktor mutierte Gratissuchmaschine, auf der Rückseite eine Anzeige für Handy-Miniatursoftware. Wer über das Ende der Gutenberg-Galaxis nachdenkt, darf dieses Cover gerne meta finden.

12. Januar 2010 10:20 Uhr. Kategorie Leben. Tag , , , . Eine Antwort.

Nice Eating

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Schlechtes Photo, aber tolles Cover. Und tatsächlich, wie man bei Foer und diesem Look direkt intuitiv raten kann, wieder von dem grandiosen Jon Gray.

07:23 Uhr. Kategorie Design. Tag , , . 2 Antworten.

Zwillinge bei der Geburt getrennt

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Links das UK-Random-House-Cover des neuen Buches von Audrey Niffenegger, hier auch mit dem Originaltitel Her Fearful Symmetry, der eine im Hinblick auf den Buchinhalt wunderbare Anspielung auf William Blakes The Tyger ist, und mit einem Photomotiv das fast perfekt die beiden Protagonistinnen und Highgate Cemetery einfängt.

Links das deutsche Cover mit verschwundener literarischer Anspielung und … einigen Blümchen. Ein Cover, das wahrscheinlich preiswerter war als die ganzseitige Anzeige in der Zeit, in der ich die deutsche Fassung entdeckte.

Es gibt Tage, da verstehe ich deutsche Verlage nicht so wirklich.

(Und ja, über die Typographie kann man in beiden Fällen streiten ;-))

1. Dezember 2009 23:17 Uhr. Kategorie Design. Tag , . 3 Antworten.

Herta Müller beim Mediacampus

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Wo wir so viel von Büchern reden… die Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller war gestern abend in Frankfurt-Seckbach zu Gast im mediacampus frankfurt, um dort aus Atemschaukel zu lesen und sich den Fragen der Auszubildenden dort zu stellen. Wir sind ja nicht nur das Designbüro, sondern auch wirklich große Fans des campus und sind bei jedem Besuch dort von der einzigartigen Stimmung und den umwerfenden Auszubildenden dort begeistert und freuen uns total, dass den Auszubildenden und Seminarbesuchern dort so ein Highlight präsentiert wird. Wobei man sagen muss, dass das von Monika Kolb und ihrem Team aufgestellte Programm dort eh immer wieder super ist. Feine Sache. Wer immer im Buchhandel ausbildet – und nach dem, was ich von den Azubis dort kenne, ist das ein ziemlich cooler Beruf – sollte seinen Chef überreden, an den campus geschickt zu werden. Jedesmal, wenn ich da wegfahre, will ich insgeheim selbst nochmal Buchhändler werden.

Photo von Sigrid Krebs

3. November 2009 13:57 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Keine Antwort.

Einzelstücke auf der Buchmesse

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Apropos Buchmesse: Das phantastische Einzelstücke-Team der FH Dortmund war ebenfalls in Frankfurt am Start und hat dort ausgewählte Bücher präsentiert hat. Auch ein toller Stand und eine großartige Aktion! Bilder gibt es hier und hier. Riesenglückwunsch an Sebastian Michailidis, der mit seiner Payback-Arbeit einen RedDot gewonnen hat und mit dem ich über sein Buch angeregte Diskussionen hatte :-D. Und wer sich für Sebastian Möllekens A40-Buch interessiert, kann es bei ihm bestellen. Das Format ist fast A3, Hardcover in limitierter Auflage von 35 Exemplaren für runde  120 € solange der Vorrat reicht. .

12:12 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Eine Antwort.

Ich hinterlasse gern Fingerabdrücke in Büchern

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Der folgende etwas comiclastige Text wurde – mehr oder minder live und ohne Korrekturen – für das phantastische Paperworks-Projekt von Nora Gummert-Hauser und ihren Studenten geschrieben. Da ich meine Texte halbwegs im Blog zusammen haben möchte (und mein Text überklebt wurde auf der Buchmesse :-D), kommt er hier als ungefilterte Wiederholung. Tippfehler usw bitte ignorieren. Ich hätte es wahnsinnig gern live gesehen – das und unsere große Jan-von-Holleben-Photowand für den Vorlesewettbewerb -, hab’s aber leider einfach nicht zur Buchmesse geschafft.

Ich hinterlasse gern Fingerabdrücke in Büchern

Bei Diplomen oder Jurysitzungen werde ich gern – und manchmal entsetzt – gefragt, warum ich die ausgestellten Arbeiten (meist ja nun mal Bücher) stets ohne Handschuhe durchblättere. Die Antwort ist wahrscheinlich, dass ich es aus dem gleichen Grund mache, aus dem ich Filme gern ohne Sonnenbrille anschaue oder Musik ohne Ohropax höre. Ein Buch will gerochen und eben vor allem auch gefühlt werden, die Bindung, die Textur und das Volumen des Papiers, die Laufrichtung, die Art, wie die Papieroberfläche unter deinen Fingern entlang gleitet, wenn du umblätterst. Wie willst du ein Design begreifen, ohne es begreifen zu dürfen? Was immer zu etwas seltsamen Momenten führt, wenn ich eine Weile lang ein Buch mit geschlossenen Augen in den Händen hab und meine Umwelt mich für völlig plemplem abschreibt.

Das mag ein Kindheitsschaden bei mir sein. Ich bin mit alten Comics groß geworden, die ich auf dem Flohmarkt und in Comicshops kaufte. Die Hefte waren natürlich oft einige Jahre alt, gebraucht, eselohrig, speckig, die Seiten fehlten hier und da. Und schon bald habe ich als Kind gelernt, die feinen Unterschiede zwischen den Serien zu bemerken. Da waren die Marvel-Comics, von Williams ab etwa 1974 liebevoll im Stil des Silver-Age eingedeutscht, inklusive Handlettering und sogar mit fast original billigen, gruselig farbaufsaugenden, ungestrichenen Zeitungspapieren. Da war auf der anderen Seite Ehapa – mit Superman, Batman und den anderen DC-Helden – auf glänzend gestrichenem, recht dünnen Rollenoffsetpapier, auf dem die Farben immer einen Tick zu intensiv wirkten für die grellen einfachen Farben, mit denen Comics damals coloriert waren. Ehapa hatte in diesen Heften und auch in den lustigen Taschenbüchern immer eine mechanisch gesetzte Typographie, irgendeine Art von Helvetica-Lichtsatz, die sich lieblos anfühlte und nur selten sauber in die Sprechblasen passte. Von der Übersetzung über die Schrift bis hin zum Papier war mir selbst mit acht Jahren dann irgendwie klar, dass Ehapa hier leider weniger Liebe in seine Hefte steckte als Williams, dass ein viel stärker kommerzielles Reihenprodukt vorlag, während Die Spinne und die Fantastischen Vier wie handgemacht wirkten… trashiger aber eben auch viel liebevoller. Ich weiß noch, wie unglücklich ich als Kind war, als Williams aufgrund rückläufiger Verkaufszahlen und der hohen US-Lizenzgebühren sein Programm einstellte und der Condor-Verlag ab 1980 Spider-Man veröffentlichte… natürlich auf glänzendem Bilderdruckpapier und mit mechanisch gesetzter Schrift, genau wie Ehapa, und sich auch noch für die bessere Qualität rühmte, obwohl in Wirklichkeit Übersetzung, Cover und Innenleben der Hefte ein wahrer Alptraum waren. Es mag an diesem Wechsel zur Lieblosigkeit liegen – oder daran, dass die Geschichten von Spider-Man nach dem Weggang von Autor Stan Lee und Zeichner John Romita Senior auch tatsächlich eher schlechter wurden – aber etwa genau zu dem Zeitpunkt verlor ich auch den Spaß an Comics. Vielleicht weil ich spürte, dass jetzt auch Marvel genau so eher lieblos publiziert wurde wie vorher die DC-Comics bei Ehapa. Ehapa und Condor brachten übrigens auch Taschenbuch-Sammelbände heraus, in denen nicht nur aufgrund der 50%igen Verkleinerung nahezu kein Platz für Text war, sondern bei denen auch das (hier wieder ungestrichen grobe) Papier schon beim ersten Durchblättern aus der billigen Klebebindung herausfiel. Den Zusammenhang zwischen Papier, Verarbeitung und genereller Liebe zum Detail hat man so selbst als Kind schnell, eben ganz handfest, verstanden.

Aber auch als ich mich später als Teenager mehr oder minder komplett durch die Stadtteil-Bibliothek unserer Schule las, waren Papier und Schrift immer unweigerlich miteinander verbunden, war Papier sozusagen die Art und Weise, wie sich eine Schrift «anfühlt», eine Art selbstverständliche, weitere, eben haptische Dimension von Typographie. Ob gewollt oder ungewollt, Papier und Satz schienen oft zusammenzupassen: von dem groben Werkdruckpapier und der riesigen Pulp-Schrift von Jugendbüchern à la Mark Brandis oder Monitor/Giganto über die viel erlesenere Produktion und feinere Typographie von gebundenen Büchern für Erwachsene (ah, der wunderbare Blocksatz alter Diogenesbüchern oder die alten Penguin Books) bis hin zu den dicken Photobänden mit dem blitzweißen lackierten Bilderdruckpapier, das fast schläfrig langsam umblätterte und bei dem ich mich immer fragte, warum ausgerechnet Papier für Photobände so bösartig blenden muss. So wie es verschiedene Autoren zu entdecken gab, eröffnete sich zugleich ein ganzer Kosmos von Papiersorten und Schriftarten, Satzfinessen und Umschlaggestaltungen – die Sachen eben, die Bücher zu so einem ganzheitlichen Vergnügen machen.

Bis heute ist deshalb Papier für mich kein Selbstzweck, sondern fast symbiotisch mit Lesen, mit Bildern und vor allem mit Schrift gekoppelt. Auch bis heute liebe ich die etwas unfertige, grobe Machart vor allem amerikanischer Massenmarkt-Paperbacks, die mit ungehobeltem Papier und grobschlächtiger Schriftwahl immer etwas rotziges und ehrliches haben – Bücher, die ohne großes Tralala einfach gelesen werden wollen, die klar sagen, wofür sie da sind. Diese Ehrlichkeit suche ich nach wie vor in Sachen Papier.

Ich kann als Designer heute stundenlang über Papierproben sitzen und überlegen, welche Papiersorte ideal zu einem Kunden passt, immer auf der Suche nach Papier, das entspannt sein kann (nicht aufdringlich in den Vordergrund will mit Prägungen und Leinenstrukturen, Wasserzeichen und Effekten) und trotzdem einen kraftvollen Auftritt bringt, die richtige Papiertextur hat, sich richtig anfühlt, ökologisch möglichst korrekt ist und eben eine eigene Ehrlichkeit hat. Und bin immer schrecklich frustriert, wenn es gerade von dem endlich gefundenen perfekten Papier dann natürlich keine gerade benötigten Grammaturen, Formate oder Umschläge gibt (ganz zu schweigen von dem stets prekären Übergang von Stationery-Papier zu Drucksachen). Corporate Paper zu finden ist dementsprechend oft eine frustrierende Angelegenheit, weil es in der Flut von Papieren doch nie das ganz perfekte Angebot gibt – auch wenn man mit den Jahren meist schon irgendwie ahnt, welches Papier passt, so wie man fast schmecken kann, welche Schrift zu einer bestimmten Kunden gehören könnte… und man also eher aufpassen muss, nicht in Routineentscheidungen abzurutschen, neugierig bleiben muss.

Und deshalb trage ich keine Handschuhe, wenn ich in einer Jury sitze, auch wenn es mir natürlich um die möglichen Fingerabdrücke auf den Unikaten immer leid tut. Weil ich das Papier sonst nicht hören kann. Papier spricht – das ist die Lehre aus den Comics meiner Kindheit und den ungezählten Büchern, die seit ich zwölf bin durch meine Hände gegangen sind. Ich habe am eigenen Leib erfahren, dass Papier als essentieller Bestandteil von Design verstanden, eben «gehört», werden kann, auch von Laien, wenn auch oft vielleicht unbewusst. Papier verhält sich dabei zum gedruckten Inhalt wie nonverbale Kommunikation zum gesprochenen Wort. Was nicht zu unterschätzen ist, wenn man bedenkt, dass nicht-sprachliche Signale über sechzig Prozent der tatsächlichen Kommunikation ausmachen und für Emotionen und Entscheidungen oft viel wichtiger sind als das, was eigentlich gesagt wird. Jeder Leser kann mit den Fingerspitzen eine Beziehung zu einem Briefbogen, einer Visitenkarte, einem Buch, einer Broschüre aufbauen – und was seine Finger spüren (und was seine Nase riecht) kann ebenso wichtig und prägend sein wie das, was seine Augen sehen. Das klingt so selbstverständlich, aber in viel zu vielen Medien, die man im Alltag in die Hände nimmt, wird das ignoriert, vielleicht, weil auch die Entscheider (Drucker, Designer und nicht zuletzt die Kunden) zunehmend verlernt haben, ihrem Papier zuzuhören. Finanzielle und technische Bedingungen diktieren heute oft Papierentscheidungen und durch die mediale Digitalisierung verliert man ohnehin etwas den Bezug zum Papier, vergisst es entweder oder fetischisiert es auf der anderen Seite auch allzuleicht, was oft sogar noch schlimmer ist, weil man hier Papier zum Special Effect macht, zum Bestandteil der Veredelungspornographie. Wie bei so vielen Dingen im Design geht es auch und vor allem beim Papier um die Angemessenheit, und die kann man nur durch Lesen und Anfassen lernen.

Am besten ohne Handschuhe…

08:14 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Eine Antwort.

Zur Buchmesse…

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Ich hatte vor einiger Zeit einen sehr schönen Anlass, mir ganz kurz zur Zukunft des Buches und der Buchbranche Gedanken zu machen. Womit ich als großer Leser natürlich viel Freude hatte – und wahrscheinlich mit meinen Annahmen auch oft gruselig daneben liege. Dennoch: Anlässlich der Buchmesse und um solche Sachen im Blog-Zettelkasten aufzubewahren hier leicht gekürzt der Text…

warum spielt das buch für die zukunft
eine wichtige rolle in der gesellschaft?

das buch ist mehr als nur papier
Das «Buch» ist mehr als ein Trägermedium, mehr als nur Papier mit zwei Pappdeckeln. Das Buch ist die Idee von Autorenschaft, von Ideenverbreitung, von Austausch und Kommunikation. Diese Idee ist älter als die Gutenberg-Galaxie und sie wird auch einen Wechsel zu digitalen Medien nicht nur überleben, sondern dadurch langfristig gestärkt werden.

die branche wird wachsen
Die Verlags- und Buchhandelswelt steht vor den größten und spannendsten Umbrüchen seit Jahrzehnten. eBook, digitale Buch-Vertriebskanäle, neue Medien, ein verändertes Konsumentenverhalten, der starke Drang zur Filialisierung und Marktverdichtung sowie die Frage nach den Überlebenschancen der Buchpreisbindung gehen wie ein Waldbrand durch die Branche und verunsichern viele Menschen.
Auf der anderen Seite schafft ein Waldbrand aber auch Raum für neues Wachstum und bringt Energie und Frischluft in das System­ – wobei man die Umbrüche in der Buchbranche beileibe nicht mit den Folgen eines Waldbrands vergleichen kann, denn die Branche hat anders als der Wald die Chance, sich vorzubereiten und proaktiv zu handeln, die Revitalisierungseffekte zu nutzen ohne dabei aber die katastrophalen Folgen zu erleben.  Dem Buchmarkt (und allem, was dazugehört: Verlage, Druckereien­, Agenturen, Vertrieb, Grossisten, Übersetzer und so weiter) steht ohne Frage die spannendste Dekade seit langer Zeit bevor. Gewohnte Marken werden verschwinden und neue entstehen. Die heute noch für viele kleine Sortimenter vermeintlich so bedrohlich wirkenden Filialketten werden vielleicht mehr unter dem Digitalisierungsboom leiden als die Longtail-Händler, die sich schneller und kundennäher spezialisieren können. Es werden neue Verlagsmodelle entstehen und neue Mischbuchhandlungen – es wird viel Innovatives wachsen. Denn vor allem bringt die Übertragung der Buchidee auf zahlreiche Medien­ erweiterte Möglichkeiten für den Absatz und die Bedeutung des Buches, das einerseits moderner und frischer als je zuvor dastehen wird, andererseits mehr denn je auch ein Genussmedium wird. Es wird gesellschaftlich klar werden, dass das «Buch» und die Autorenschaft kulturelle Quellen sind, aus der sich Musik, Theater, Film, Spiele, Comic, Kunst, Fernsehen und nahezu alle anderen Medien bedienen. Ohne Autoren bleiben Wertschöpfungsketten ohne Anfang. Denn: Ohne Autoren keine Geschichten. Und Geschichten wird es immer geben – sogar mehr denn je, da die Branchenumbrüche eher mehr als weniger kreative Inhalte an den Tag bringen werden.

mehr als vinyl
«The end of print» hat David Carson schon 1995 provokativ verkündet. In einem Buch, ausgerechnet. 15 Jahre später ist Print immer noch nicht tot. Bei Informationsmedien wie Zeitung, Kochbuch, Reiseführer o.ä. ist es aber mehr als denkbar, dass die klassischen Medien durch Online-Medien sehr starke Konkurrenz bekommen werden, da diese in Vernetzung und Interaktivität, Aktualisierung und vor allem auch Produktionskosten eindeutig im Vorteil sind. Im Bereich des Genuss­lesens, in der Literatur, aber auch im Magazin-/Photobuch-Bereich bleibt das gedruckte Buch haptisch, auratisch, von der Lesbarkeit und generellen Usability eben die Killerapplikation gegenüber allen digitalen Medien. Wer den ganzen Tag am Bildschirm gearbeitet hat, wird abends lieber ein Buch als ein «Display» lesen wollen. Und nicht zuletzt ist das Buch nach wie vor das Medium mit der höchsten Autorität, dem besten (bildungs­bürgerlichem) Image. So wie Fernsehen das Theater nicht verdrängt hat und der Laptop das Notizbuch nicht ersetzt, werden sich analoge und digitale Buchformate, Hörbuch, MotionComics, eBook, Onlineangebote, iPhone und klassische Printformate vernetzt ergänzen und gegenseitig stärken. Die Branche als Ganzes kann und wird davon profitieren – von der Vielfalt und den facettierten Möglichkeiten, Inhalte zielgruppengerecht zu vermarkten und anzubieten. Während MP3 die Vinyl-Schallplatte fast völlig verdrängt hat und nur noch DJs und Audiofans zur alten Schallplatte greifen, hat das Buch deutlich universellere Überlebenschancen.

das buch als bildungsträger
Während in der Bildung in Schule und Universität das Internet und multimediale Medien das klassische Schulbuch nicht verdrängen, aber zumindest ergänzen werden, bleibt das Buch eines der wenigen Medien, das sich nicht unter Quotendruck oder Produktionsbedingungen einem kleinsten gemeinsamen Nenner beugen muss. Nirgendwo sonst ist ein generationenübergreifender Dialog, ein Austausch von Ideen so rein und unverfälscht möglich. Kein anderes Medium kann zugleich so gut unterhalten und geichzeitig en passant einfach klüger machen. Kein anderes Medium hat die Ruhe und die Zeit für Tiefe. Das ist ein unersetzbarer Wert – und jeder, der liest weiß, dass allein die Tätigkeit «Lesen» nicht nur Zeitvertreib, sondern auch ein Aufladen ist. Ein Eintauchen in fremde Welten und Kulturen, in andere Leben, ein empathischer Prozess, der den eigenen Horizont erweitert und lebenslanges Lernen zum Spaß macht. Wer mitreden will, wer informiert sein will, wer eine intellektuelle Bandbreite und Tiefe will, der wird auch in Zukunft Bücher lesen. Nicht zuletzt, weil das Lesen am Display fahriger und beiläufiger ist – weniger vertieft. Wirkliche Information verankert sich nach wie vor besser und glaubwürdiger über Print.

den wandel genießen
Selten war die Buchbranche so aufregend, im Guten wie im Schlechten, wie derzeit. Mit der wachsenden Bedeutung von Autorenschaft, mit der Explosion von Onlinekanälen als Vertriebsmedium, wird die Frage nach Urheberrechten und deren Wahrung zentraler als je zuvor – und die Buchbranche kann hier von den Fehlern der Musik- und Filmindustrie lernen. Mit dem kommerziellen Umbruch im Handel gibt es viele Ängste in der Branche, aber auch völlig neue Potentiale für innovative Modelle. Ob Verlage, Filialen oder niedergelassene Sortimenter­ – mit der Beschaulichkeit ist es vorbei, durchaus auch im besten Sinne. Das Buch als Kulturidee hat nicht nur eine starke Vergangenheit, sondern auch eine große Zukunft vor sich, auch wenn diese Zukunft sicher ein völlig anderes Antlitz haben kann. Es gibt keinen Grund zum Pessimismus – und viel zu tun. Freuen wir uns darauf…

8. Oktober 2009 16:05 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , , . 3 Antworten.

Paperworks

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Nora Gummert-Hauser ist zusamen mit fünf Studenten der FH Krefeld – und einer ganzen Reihe von namhaften Künstlern und Designern wie Klaus Staeck, Fons Hickmann, Andreas Uebele, Uwe Loesch, Markus Hanzer und vielen anderen, die sich auf die eine oder andere Art und Weise mit Papier befassen – auf eine Reise in die Welt der Papiere gegangen, die alle Grenzen sprengt. Das Ergebnis ist eine monströse 1200 Seiten umfassende, fast fünf Meter große Buchinstallation,  die das Paperworks-Team an Stand N24 in Halle 4.1 auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren wird. So wie die Dinge derzeit aussehen, werde ich es wohl nicht auf die Buchmesse schaffen – obwohl ich wirklich gern dort wäre – aber ihr solltet alle allein schon wegen Paperworks dahin, oder z.B. auch wegen der «Einzelstücke» der FH Dortmund. Ich weiß aus Erfahrung, wie schwer solche Projekte mitunter sein können und 1200 Seiten klingt nach einem fulminanten Ergebnis, auf das Nora und ihre Studenten (Michel Holzky, Julia Pardon, Sebastian Steinhoff, Kai Tusar und  Miriam Unger) ordentlich stolz sein können und hoffentlich auch sind.

3. Oktober 2009 08:46 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Eine Antwort.

To E-Comic or not to E-Comic

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Sehr spannende Statements zum Thema elektronische Distribution von Comic Books
. Da Comics in der Produktion teuer sind und zugleich ein trashigeres Medium als die belletristische Literatur, denke ich, dass hier vorweggenommen wird, was den Buchmarkt als Ganzes erwartet, es lohnt sich also für alle am Buch interessierten, ein Auge auf DC und Marvel, die beiden US-Branchengrößen zu haben. Die Technologie ist noch alles andere als ausgereift, der Kindle ein Alptraum und das iPhone noch nicht weit genug und zu klein, aber die großen Comicverlage bereiten sich mit Hochdruck auf das digitale Zeitalter vor, vielleicht auch, weil andere Häuser wie IDW in kleinen iPhone-Tests bereits überraschende Auflagen verbuchen konnten. Ab dem OS3 wäre eine Art Marvel-Applikation denkbar, die im Abo oder als Preis-per-Ausgabe tatsächlich wie ein Online-Kiosk funktioniert und die gesammelten Hefte liest man dann später als Trade Paperback oder Hardcover. Es klingt derzeit so, als wäre der Tod der «Monthlies», die durch die aufwendige Produktion inzwischen bei bis zu 4,99 $ für 21 Seiten (oft dekomprimierter) Geschichte angekommen sind,  nur noch eine Frage der Zeit…

27. Mai 2009 18:46 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . 7 Antworten.

The Long Hard Road to Minimalism

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Der Buchcover-Designer Henry Sene Yee beschreibt in seinem Blog den Weg zu diesem phantastischen Cover des Buches Columbine von Dave Cullen, dass sich um den mittlerweile 10 Jahre zurückliegenden Amoklauf von Eric Harris und Dylan Klebold dreht. Aus seinen Ausführungen wird schnell klar, dass der Weg zu diesem exzellent aufgeräumten fertigen Cover im Grunde ein skulpturales Arbeiten, ein Wegnehmen von Material ist, bis nur noch das allernötigste übrigbleibt und eine angemessen bedrohliche und zugleich spießig-enge Stimmung entsteht. Interessant daran ist, dass die Typo sich ab dem zweiten Entwurf kaum noch ändert und die ruhige, weiße Klarheit der Schrift am Ende sich auch auf der Bildebene durchsetzt. Was das Cover gut und mutig macht ist die weiße Schrift auf dem fast weißen Background und das Photo, tatsächlich ein ganz normales Pressephoto, auf dem die Schule aber wirkt wie eine Erziehungsanstalt. Exzellent.

24. April 2009 07:24 Uhr. Kategorie Leben. Tag . Eine Antwort.

Visual Storytelling

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Design von Isaac Tobin.

via fwis

13. Dezember 2008 14:24 Uhr. Kategorie Design. Tag , . 2 Antworten.

Reproduzierbarkeit

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Ich weiß, erst meckere ich über Ffffound, dann produziere ich hier fast meinen eigenen Bilderstream. Muss auch mal sein. Jedenfalls ist das hier ein absolut grandioses Cover zu der englischen Penguin-Ausgabe von Walter Benjamins Das Kunstwerk im Zeitalter seiner mechanischen Reproduzierbarkeit, einem nach wie vor essentiell lesenswerten Buch.  Mit einem Cover, dass das Thema wunderbar selbstironisch aufnimmt – schließlich ist auch Benjamins Buch der mechanischen Reproduktion in ihrer klassischsten Form, dem Buchdruck, ausgesetzt. Denn der Bleisatz war ja nur die Vorform von Filesharing.

(via fwis)

Übrigens ist covers.fwis für mich die große Ausnahme der Bilderhäpchen-Design-Sites. Zum einen weil dort recht fundiert über das Artwork informiert und diskutiert wird, von Designern und Buchliebhabern, zum anderen aber vor allem, weil ich es mißbrauche, um zu sehen, was ich mir an guten neuen Büchern kaufen kann. Da Amazon nach wie vor keine solide Showcase-von-Neuveröffentlichungen-Lösung hat, ist das eine der Möglichkeiten, virtuell nach neuen Büchern zu stöbern. Und da ich viel nach Cover kaufe… ;-)

3. Juli 2008 11:26 Uhr. Kategorie Design. Tag . 4 Antworten.

007 under cover

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Bei dem legendären Comic-Blog von Bully gibt es einen phantastischen Rückblick auf die Buchcover von Ian Flemings James-Bond-Büchern, von den «pulpy», sehr an Modesty Blaise erinnernden Umschlägen der Anfangsjahre über  kühlen und eher kommerziellen Cover hin zur demnächst erscheinenden Penguin-Edition, die wieder sehr retro und dabei doch sehr modern ist, und dabei – sicher sehr umsatzwirksam – auf die Bond-Girls setzt. Die Typographie auf den neuen Covern wirkt manchmal etwas unbeholfen und das Artwork von Michael Gilette erinnert vielleicht einen Tick zu sehr an Cheesecake-Artwork auf Comics oder von Künstlern wie Vargas, bei den gelungenen Motiven aber ist das ohne Frage eine kommerziell funktionierende und konzeptionell spannende, innovative Möglichkei, einen Umbrella-Look für die Bond-Reihe zu schaffen, der nicht nur sehr verbindlich und doch simpel die Serie umfasst, sondern auch einen gelungenen Brückenschlag zwischen modernem Look und psychedelischen Retrocharme der Serie schafft. Das der Bond-Bezug mit dem in das 007 eingebundene Penguin-Logo überaus dezent ausgefiel, ist ein weiteres Plus. Die Cover gibt es in ihrer ganzen Pracht direkt im Blog von Penguin zu bestaunen. Am 29. Mai erscheint die neue Serie in Großbritannien als Hardcover. Sowas wie das hier wäre so apropos für die Modesty-Bücher ;-).

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24. Mai 2008 10:46 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Eine Antwort.

Copy Kills Music…

Das stets lesenswerte Spreeblick-Blog bringts auf den Punkt:


The more things change, the more they stay the same.
Über 15 Jahre sind seitdem vergangen und die Musik spielt immer noch. Danach kamen dann Kampagnen gegen raubkopierte CDs (vor etwa fünf Jahren… es gibt immer noch Musik) und jetzt gegen MP3 (und seltsam seltsam, es gibt mehr Musik denn je.). Copy killt nicht die Musik, sondern die Majors. Das ist für die und deren Angestellte irgendwie dumm, zugegeben, aber ansonsten für niemanden. Kleine Bands haben bessere Distributionschancen denn je, große können die Mittelsmänner ausschalten und sich selbst vermarkten. Und selbst mit einer gewissen Raubkopier-Quote, die es immer gab und immer geben wird, wird es weiter Musik geben. Weil es immer Leute geben wird, die bereit sind, für ein Produkt, das sie wollen zu bezahlen, selbst wenn sie es gratis haben könnten. Ladendiebstahl und Schwarzfahrerei verhindern schließlich nicht die Kameras und Kontrolleure, sondern im Endeffekt eine inhärente Moralvorstellung der meisten Menschen. Und hier wäre, wenn überhaupt noch, anzusetzen. Das Internet wird den gesamten Markt verändern, da gibt es keine Frage mehr. Filesharing, MP3-Direktverkauf auf der bandeigenen Homepage auf der einen Seite, iTunes und andere DRM-Ritter auf der anderen.

Die Wahl der Musikszene insgesamt wird die sein zwischen abgeschotteter Festung oder einer Art Open-Source-System, in dem es für gute Produkte auch gutes Geld gibt. Die Musikbranche ist so im kleinen ein Spiegelbild des modernen globalisierten Kapitalismus: Sie wird teilen lernen müssen oder langfristig untergehen

20. März 2005 10:38 Uhr. Kategorie Design. Tag , . Keine Antwort.


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