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Philips Hue

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Bereits letztes Jahr bestellt und jetzt – allerdings früher als im angekündigten März – angekommen: Das Philips Hue Lichtsystem, mit dem Philips sich erneut als Trendsetter in Sachen iOS-Zubehör und Licht etabliert. Die 8,5 Watt-LED-Birnen entsprechen etwa herkömmlichen 50-Watt-Birnen, haben ein sehr akzeptables Starttempo und sind absolut flackerfrei und ruhig im Licht, verbrauchen aber rund 80 % weniger Strom als herkömmliche Birnen, die Lebensdauer ist auf 15.000 Stunden angekündigt (da darf man gespannt sein).

Der Clou an dem hue-System, das derzeit exklusiv über den Apple Store verkauft wird, ist, dass es eben auch exklusiv mit Apple-Produkten funktioniert. Die Lampen werden über eine iOS-App gesteuert, entweder direkt via WLAN oder – sofern man sich im huePortal angemeldet hat – auch über Funknetz. Das Portal dient zugleich der Synchronisation von Einstellungen und Lichtstimmungen. Die App kann her eine zentrale «Bridge», die per (beigelegten) LAN-Kabel am Router angeschlossen ist mit allen Lampen (laut Philips bis zu 50) kommunizieren kann und in Echtzeit die Befehle der App-Steuereinheit weitergibt. Die smarte Nutzung von App und dem etablierten ZigBeeLightLink ergibt eine in der Praxis absolut überzeugende Lichtlösung.

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Natürlich kann man mit den Hues ordentlich Disco machen (es gibt sogar eine entsprechende, klanggesteuerte App), der wahre Nutzen ist aber einfacher. Man kann im Büro über den Tag entweder manuell oder per Zeitsteuerung die globale sowie individuelle Lichtleistung komplett steuern, jeder Mitarbeiter kann via App «sein» Licht beeinflussen. Philips liefert fertige Lichtrezepte wie «Mehr Energie» oder «Konzentration» mit, die mal mehr mal weniger zu Tageslicht oder Warmlicht neigen, man kann aber auch komplexere Lichtstimmungen erzeugen, indem man etwa mit der einfach zu bedienenden Farbwerte aus einem Photo ausliest, wobei jede Lampe ihren eigenen Farbpicker hat. Das Anmelden des iPhone ist denkbar einfach, App starten, Bridge-Knopf zur Anmeldung drücken – und neue Birnen werden mit Hilfe der App einfach hinzugefügt und können individuell benannt werden. Dass die Birnen bei der Identifizierung blinken, hilft in komplexeren Situationen, die richtige LED zu finden.

Für ein Designbüro ist diese Sache deutlich mehr als ein Spielzeug. Wir können von Tageslicht zur normalen Farbbestimmung bis hin zu einer präsentationstaugichen Dämmerung das Licht sekundenschnell den Arbeitsbedürfnissen anpassen, ohne Lichtschalter bedienen zu müssen. Bei längeren Schichten kann man sich abends eine etwas kuscheligere Stimmung machen, wenn man konzentrierte Lichtpower braucht, ist aber auch ein helles, weißes Licht problemlos gegeben. Bürolampen werden auf einmal zu dimmbaren, weitgehend farbanpassbaren Umgebungsfaktoren – die ergonomische Wirkung ist enorm. Dazu kommt, dass das Licht durchaus angenehm ist, vor allem auch ein glaubhaftes «warmes» Licht möglich ist und die Lampen keinerlei Wärme abgeben.

Es ist zunächst ungewohnt, die Lampen nicht mehr durch die Lichtschalter zu bedienen (was jederzeit geht, natürlich), sondern per Smartphone, Web oder iPad zu steuern. Aber die Vorteile liegen auf der Hand: Die Lampen schalten sich automatisch vor Arbeitsbeginn an, man muss nie wieder ins Büro, weil man das Licht vergessen hat – und im Urlaub kann man eventuellen Einbrechern vom Strand aus eine belebte Wohnung vorgaukeln, wenn man will ;-).

Es ist etwas aufwendig, vor allem bei mehreren Birnen, das System sinnvoll einzurichten, da neue Birnen immer manuell konfiguriert werden müssen, also in einer Farbszene aktiviert sein wollen. Aber natürlich ist dies die Basis für Lichtnutzung in verschiedenen Räumen, da nur so jede Birne in einzelnen Szenen gezielt an/aus und auch hell/dunkel und nicht nur in der Farbe kontrollierbar ist.

Hue ist eine der ersten Anwendungen, die so effektiv Vernetzung/Smart Home und einen Alltagsgegenstand so nahtlos neu erfindet – man darf gespannt sein, wie diese Idee sich auch kommerziell und in interaktiven Experimenten und später zusammen mit «autolucenten» Wänden usw. einsetzen lassen wird. Mit Ideen wie dieser könnte der Abschied von der Glühbirne zumindest teilweise leichter fallen.

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16. Januar 2013 21:23 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , , , , , . Keine Antwort.

Paper

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Was von Null zur App der Woche wird, muss schon etwas besonderes sein. »Paper by FiftyThree« ist das zumindest ansatzweise. Es fällt irgendwo zwischen die Notizbuch- und Zeichenapps, die es für das iPad gibt, kommt aber an die besten Vertreter beider Gattungen nicht wirklich hundertprozentig heran. Notebook-Apps wie Bamboo Paper, Noteshelf oder Penultimate können längst Photos importieren, haben variable Stiftgrößen, können zum Teil direkt Texteingabe und sind mitunter an Evernote und Dropbox angebunden und erlauben so einen sehr flüssigen Workflow mit handschriftlichen Notizen. Auf das reine Zeichnen am iPad kaprizierte Apps hingegen bieten volle RGB-Farben, multiple Brushes, Pan und Zoom, Ebenen und höhere Auflösungen. In beiden Bereichen kann »Paper« nicht wirklich mithalten, im Gegenteil. Ist die App dennoch die rund 8€ wert, die sie am Ende kostet, wenn man per In-App-Kauf die kompletten Stifte aktiviert hat?

Jein. »Paper« hat ein herausragendes Interface, mit dem eine Art Moleskine-Skizzenbuch mit einem Bamboo-Stift erstmals wirklich aufkommt. Wie man die Bücher mit einem Pinch öffnet, darin blättern kann, mit einem weiteren Pinch auf der Seite ist – hervorragend gelöst und phantastisch animiert. Der Flow der simulierten Tinten, Bleistifte und Wasserfarben lässt alle anderen Notizbuch-Applikationen (wenn auch nicht SketchBookPro) alt aussehen. Es macht Spaß, in »Paper« zu arbeiten, selbst wenn ich die skeomorphe Werkzeugpalette zu aufdringlich finde. Die Ergebnisse, selbst schnellste Skizzen, können sich sehen lassen und die verschiedenen Werkzeuge und Farben reichen allemal, um Ideen festzuhalten ohne (wie bei reinen Malprogrammen) den User gleich im Overkill der Optionen zu frustrieren oder in der Arbeit zu bremsen. Unter dem Aspekt finde ich die eingeschränkte Farbpalette des Programms fast positiv. Die Rewind-Geste zum Rückgängigmachen bzw. Wiederherstellen ist gegenüber den sonst üblichen Undo/Redo-Buttons ein Geniestreich, so wie Gestensteuerung von »Clear« ja auch ein Gamechanger ist.

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Auf der anderen Seite fehlt es »Paper« an vielem. Der Output ist – obwohl das Programm sich »retina«kompatibel nennt, nur 1048×768 Pixel, also nur halbe Retina-Auflösung, das ist einfach zu wenig. Auch ist es kompliziert, Bilder zu exportieren – ich würde dankbarst auf Twitter und Facebook verzichten, wenn die App wenigstens direkt in die Camera Roll speichern könnte. Aber bisher ist der einzige Weg, Bilder zu exportieren, sich selbst eine PDF zuzuschicken. Von Dropbox oder Evernote keine Spur, obwohl beides gerade für Skizzenbücher enorm Sinn machen würde. Dazu passt leider nur zu gut, dass man nur Einzelseiten als JPG, kein gesamtes Buch als PDF exportieren kann – eigentlich ein Standardfeature in anderen Notizbuchprogrammen. Auch die Fähigkeit, in das »Blatt« zu zoomen und somit etwas feiner arbeiten zu können, sollte eigentlich gegeben sein, und wäre ideal im Kontext mit höherer Bildauflösung. Dagegen ist schon fast ein Detail, dass man beim Umblättern – obwohl das insgesamt schön intuitiv gelöst ist – andauernd unfreiwillig Striche in die Zeichnungen »malt« oder das beim Schreiben am unteren Seitenbereich immer wieder die riesige Werkzeugpalette hochfährt, wodurch dieser Bereich etwas unbrauchbar wird. Zu diesem etwas unfertigen Feeling passt auch, dass es keinen hochformatigen »Portrait«-Modus gibt (wobei man aber, da es ohnehin keine mittlere Trennung der »Doppelseite« gibt, auch im Hochformat malen kann), sondern die App nur quer funktioniert. Schade ist auch die Tatsache, dass es bislang nur unliniertes und unkariertes Papier gibt – wobei ich denke, dass ein Anbieter, der sich jeden Pinsel bezahlen läßt, auch bald auf die Idee kommen wird, zusätzliche Papiere zum Kauf anzubieten.

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Insgesamt hat »Paper« soviel Potential wie Probleme. Interface und Inkflow sind grandios, der Spaßfaktor Ist zweifellos hoch, die einzelnen Notebooks und ihre Cover sehen phantastisch aus, dagegen wirken Bamboo und Noteshelf spontan unattraktiv. Dennoch bringt der schönste Spaß nichts, wenn der Output nicht stimmt. »Paper« braucht vor allem höhere Auflösung, bessere Exportoptionen und dann mehr Werkzeuge und Optionen, um vom Spiel- zum Werkzeug zu werden. Wenn FiftyThree in den nächsten Versionen soviel Detailliebe und Perfektion an den Tag legt wie mit dem Debüt, darf man gespannt sein und auf eine funktionale Einlösung des Versprechens hoffen, dass »Paper« hier abliefert.

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29. März 2012 21:51 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Keine Antwort.

Das neue iPad

hd schellnackIn Wirklichkeit etwas schärfer: Das neue iPad

Die technischen Neuerungen zum «neuen» iPad sind ja inzwischen gut und abdeckend bereits anderenorts beschrieben und mit dem iPad 2 verglichen und ich kann mich kurz den meisten Meinungen anschließen nach dem ersten Tag herumspielen damit.

Das Retina-Display ist phantastisch, sofern die App es unterstützt und wird sehr schnell sehr nervig, wenn nicht. Medien, die nicht hoch aufgelöst wird, sind ein Alptraum, weil die schlechte Qualität gnadenlos entblößt wird. Apple hätte unbedingt ein 128 GB ipad anbieten müssen, denn mit diesem iPad wirst du Apps, Filme, Magazine und Comics in höherer Auflösung brauchen, bei 1400 px für einen Comic-Scan war man bisher gut dabei, diese Zeiten sind vorbei, das gleiche gilt mit Blick auf SD/HD-Video. Dieses iPad wird sehr viel speicherhungriger sein. Wer kurzsichtig ist und ohne Brille liest, wird dennoch weiter Pixel erkennen, aber die Qualität der Darstellung macht einen absoluten Quantensprung nach vorn. Es ist übrigens verblüffend, dass diese Verbesserung sich schon nach wenigen Minuten völlig selbstverständlich anfühlt, so, als hätte bisher das Gehirn die »Pixellöcher« in der Wahrnehmung von Büchern auf dem alten iPad ausgeblendet. Bücher jedenfalls sehen phantastisch aus. Aber wie das so ist – die letzten 5% sind die schlimmsten. Die jetzt fast an Papier heranreichende Qualität, weit entfernt von normalem «Bildschirm»-Feeling, macht nur noch umso deutlicher, wie viel schärfer echtes Papier eben doch ist und wie anders sich ein Buch letztendlich anfühlt. Gerade die neue Perfektion der Simulation lässt so etwas wie Nostalgie nach dem 100% Echten aufkommen. Das gleiche gilt für die skeuomorphen Interface-Elemente wie Holz, Leder, Stoff usw. Die sahen absurderweise in der niedrigen Auflösung glaubhafter aus als in HD – die bessere Auflösung lässt der Phantasie weniger Raum, Lücken zu füllen und zeigt die Mängel des digitalen Renderings deutlich sichtbar. Der Holzhintergrund von iBooks sah nie so billig aus wie jetzt. Für Interface-Designer wird die 2048er-Auflösung eine echte Herausforderung. Auch wirkt das angeblich kontrastreichere Display schnell einen Hauch zu hell, um dann schlagartig einen Tick zu dunkel zu sein, sobald sich das Umgebungslicht ändert. Es mag seltsam klingen, aber ich fand es schwieriger in wechselnden Lichtverhältnissen die richtige Einstellung zu finden. Nach wie vor bleibt das Pad ein Indoor-Gerät, das im hellen Sonnenlicht nicht funktioniert. Nachts ist es, obwohl sich das Display schon sehr herunterdimmen lässt, einen Touch zu hell, in der Sonne im Freien kann es sich nicht durchsetzen. Für den Strandurlaub also immer noch echte Bücher einplanen. Auch das neue iPad ändert also wenig an der grundsätzlichen ergonomischen Überlegenheit von Papier als Medium (Lesemedium, nicht Speichermedium… in Sachen Vielseitigkeit und Archivierung ist das iPad natürlich weit voraus, in Sachen augenentspannender Lesespaß immer noch weit zurück.) Auffällig ist zudem, dass das Display deutlich kühler eingestellt ist als das iPad 2. Direkt nebeneinander ist das alte iPad eher magentafarben, das neue iPad eher einen Hauch in Richtung Cyan. Nach einer Weile fällt das nicht mehr auf, aber dennoch ist seltsam, dass mit jeder Generation die Farbigkeit so sichtbar schwankt. Dazu kommt, dass zumindest Fabian ja ein Lightleak im Gehäuse hatte, so wie ich bei der ersten Fuhre von iPads 2 – sowas darf einmal passieren, bei der folgenden Generation eigentlich nicht mehr.

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Close-Up: iPad 2

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Close-Up: Das neue iPad. Der Unterschied ist frappierend.

Alte Apps sehen auf dem neuen iPad übrigens bedenklich schlecht aus. Ich hoffe, es dauert nicht wie beim iPhone ewig, bis die diversen Anbieter Updates liefern. In den letzten Tagen hagelt es Updates, aber obskurere Applikationen werden ja häufig nicht mehr richtig gepflegt – und das wäre jetzt schade.

Die 50 Gramm mehr Gewicht merkt man tatsächlich, so albern es klingt, vor allem, wenn man das Bad an der Seite festhält und das volle Gewicht in den Fingerspitzen trägt. Hält man beide Geräte in der Hand, so ist das neue iPad spürbar schwerer. Den Hauch mehr Tiefe des Gehäuses allerdings spürt man eher nicht. Der Formfaktor ist nahezu identisch und da ich das iPad beim Lesen im Bett nach wie vor auf der Brust »abstelle« würde ich mir immer noch einen sanfteren Übergang von Screen zu Body wünschen, das war beim dickeren iPad 1 tatsächlich angenehmer, weil weniger scharfkantig.

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Nur marginal dicker trotz der für den Bildschirm nötigen höheren Systemleistung.


Bei der Geschwindigkeit habe ich keinerlei wirklichen Sprung nach vorn feststellen können (und auch nicht erwartet), ganz im Gegenteil, manche OS-Animationen neigen fast zu gefühlter Langsamkeit. Das Pad wird außerdem sehr schnell spürbar warm an der linken Seite, selbst wenn der Prozessor nicht wirklich belastet ist, in einer Art, die ich vom iPad 2 so nicht kenne. Das bisherige iPad war selbst bei Hintergrundprozessen und gleichzeitiger Arbeit bisher niemals spürbar derart warm geworden. Generell scheint die höhere Leistung des Bildschirms die Ressourcen des Gerätes also voll aufzubrauchen – von der Verdopplung des RAM, der GPU-Beschleunigung, dem neuen Prozessor merkt man als Nutzer außer der abfallenden Wärme eher nichts. Ob der gigantisch gewachsene Akku ohne LTE ein paar Stunden mehr Laufzeit bringt oder auch komplett von dem Killer-Display leergesogen wird, muss man abwarten. Er scheint auf jedenfalls zumindest an USB-Ports merkbar langsamer nachzuladen.

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Rotblau – das neue Display ist zumindest frisch out of the box erst einmal deutlich kühler als das vom iPad2

Die »Light«-Version von Siri funktioniert auch gemessen am bisherigen DragonDictation für das iPad ausgezeichnet. Vorzüglicher in das Keyboard integriert als beim iPhone, macht Spracherkennung beim iPad enormen Sinn und mich würde nicht wundern, wenn das auch in OSX nicht sehr bald ein wichtiges Feature wird. Dass das Assistentensystem Siri es selbst nicht auf das iPad geschafft hat, halte ich für keinen großen Verlust. Das iPad ist weniger ein Hands-Free-Gerät und ich merke selbst beim iPhone, dass ich Siri eher selten benutze, etwa beim Autofahren, weil die Fehler/Irrtümer gegenüber der Nützlichkeit doch sehr frustrierend sind. Die Diktatfunktion nutze ich hingegen auch am iPhone verblüffend oft (zumindest wenn ich alleine bin) und denke, dies wird auch beim iPad der Fall sein. Tatsächlich macht ein System wie Siri auf dem iPad (noch) wenig Sinn, auch wenn es eventuell trotzdem über kurz oder lang darauf laufen wird – vermissen würde ich es derzeit sicher nicht. Siri ist deutlich mehr als ein Gimmick, wenn aber das simple Versenden einer SMS vier Anläufe braucht, bis alles stimmt, ist dieser Interface-Ansatz einfach noch zu unausgereift für das iPad.

Die neue Kamera ist ein Lichtblick, vor allem, weil die bisherige einfach so unverschämt schlecht war. Obwohl immer noch nicht an der Qualität der 4S-iPhone-Kamera angelangt und ohne Blitz, ist das iPad war sicher (und zurecht) keine sinnvolle Kamera (das iPhone eigentlich auch nicht), aber für schnelle Schnappschüsse von Notizen bei Meetings und für einen schnellen Klick reicht es jetzt absolut – das eröffnet dem iPad neue Möglichkeiten, als Datenerfassungsgerät vollwertiger zu funktionieren. Nicht zuletzt ist die Videoqualität besser und das iPad ist gerade durch seinen größeren Formfaktor dem iPhone eigentlich als Video-«Kamera» fast überlegen, man hält das Gerät einfach ruhiger mit beiden Händen und der gigantische High-Res-Bildschirm macht Video-Aufzeichnungen zu einer Erfahrung, mit der eigentlich kein einzig vergleichbares Gerät derzeit mithalten kann.

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Fast die einzig sichtbare Erneuerung des ansonsten für Laien identischen Gerätes ist die größere Kameralinse.

Generell macht das Wegfallen der Kennziffer im Namen des iPad deutlich, was seit längerem bei Apple deutlich ist: Wie bei den Desktop-Geräten geht es auch bei den Mobilgeräten inzwischen um eine langsame, stetige Verbesserung, nicht um revolutionäre Leistungssprünge. Beim iMac haben wir uns daran gewöhnt, dass es neue Prozessoren, größere Festplatten und schnellere Grafik gibt, und ab und zu mal ein Update von Gehäuse oder Monitorgröße. Selbst drastische Innovationen wie etwa Thunderbolt sind in der Evolution der Geräte von wenig Hype begleitet. Die meisten Desktopgeräte von Apple sind in ihrer Entwicklungsgeschichte an einem Punkt, der stetige Verbesserung, aber keine drastischen Entwicklungen verspricht. Das ist eine smarte Strategie, die gewährleistet, dass der Wertverlust alter Geräte in der Entwicklung relativ stabil bleibt. Der eine mag seinen alten iMac entsorgen, weil SSD und Thunderbolt wichtig sind, der andere bleibt mit seinem Vorjahresmodell absolut zufrieden und wird vielleicht erst in zwei drei Jahren die Akkumulation an Neuerungen haben, die ihn zum Update bewegt, zumal Apple ja doch regelmäßig den Formfaktor so ändert, dass nach drei bis vier Jahren spätestens der Alterungsprozess auch sichtbar wird und ein Kaufimpuls gesetzt ist. Gemessen an der Vielfalt von Modellen und dem stetigen, unruhigen Wechsel in der Windows-PC-Welt ist diese Politik der ruhigen Hand eine sinnvolle Strategie, die jetzt eben auch das iPad und ab Herbst sicher auch das iPhone einholt. Gottseidank, denn ein iPad 18 wäre ein Unding und die Versionsnummern züchten eine Erwartungshaltung, die Apple bald schon nicht mehr wird einhalten können. Schon vor dem Release dieses iPads geisterten unhaltbare Gerüchte von taktilen Displays durch die Blogs, und nach jeder Keynote scheint es zunehmend um das zu gehen, was die Firma nicht geliefert hat. Es macht Sinn, diese Erwartungshaltung aufzugeben und sich mit einem langsamen, stetigen Prozess anzufreunden, wie Apple ihn auch seit Jahren bei der Software fährt. Jeder weiß, wo die Reise hingeht – iOS und OSX werden eins, Retina-Touchscreens auch bei den (ohnehin aussterbenden) Desktops, mehr Leistung bei den mobilen Geräten, über kurz oder eher über lang vereinfachtes 3D und so weiter – aber wer sich eine Weile in einen Apple Store stellt und den durchschnittlichen Neukunden zuhört, der weiß, wie klug die Strategie des Unternehmens ist, tropfenweise und langsam mit solchen Neuerungen zu kommen, nicht nur finanziell, sondern auch, weil die Nutzer so langsam in die Innovationen hineinwachsen können. Schon heute dürfte der Sprung vom Nokia-Handy zum Iphone 4S für einen unbedarften User eine Herausforderung sein: systemweite Gesten, die aber in einigen Apps anders belegt sind, eine grundlegende Betriebssystemlogik, Einstellungen, die richtig vorgenommen sein sollten, wenn man seinen Akku mag, eine Sprachsteuerung, die komplett erlernt sein will. Wer mit dem iPhone 1 oder 2 angefangen hat, dürfte all dies peu à peu gelernt haben und niemals überfordert gewesen sein, wer »kalt« einsteigt, hat als Laie eine durchaus steile Lernkurve vor sich. Apple ist also gut beraten, die Lernkurve an der iOS-typischen Einsteiger-Zielgruppe zu orientieren und sowohl Hardware als auch Software biologisch und langsam wachsen zu lassen. Dafür spricht auch der an sich ja ungewöhnliche Split zwischen Updates der Soft- und Hardware (iOS selbst wird ja immer erst im Herbst mit dem iPhone erneuert).

In einer von keiner anderen Firma so praktizierten Methode – vielleicht weil niemand anders Hard- und Software und sogar Medieninhalte auch nur ansatzweise so einheitlich anbietet wie Apple – entsteht hier eine Art »Sippe« von Geräten, die nahtlos miteinander verzahnt sind und in einer Art sanften infrastrukturellem Übergang von iPod bis MacPro modular verschiedenste Nutzungsszenarien zulassen, die immer durch multiple Geräte profitieren. Dass dabei iOS im Vordergrund steht ist allein durch den Umsatz der mobilen Geräte selbstverständlich. Ein selbst marginal erneuertes iPad wird in Zeit, Spiegel und FAZ zum Thema, ein iMac oder MacPro keineswegs. Wenn Apple also vom Post-PC-Zeitalter spricht, so ist dies eigentlich irreführend – denn durch schnelle Datennetze und leistungsstarke mobile Endgeräte *wird* der Computer überhaupt erst persönlich, er rückt uns auf die Pelle. Auf dem Weg zu neuen Interfaces ist das neue iPad nur ein kleiner Schritt, im Verbund mit der Gesamtstrategie Apples aber werden wir in wenigen Jahren zurückblicken und uns wundern, wie schnell das alles ging. Apple hat seit Mitte der letzten Dekade die Art wie wir über Computer denken, grundlegend geändert (und exzellent daran verdient) und die in Bewegung geratene Lawine vernetzter, tragbarer, immer «realer» werdender Geräte, die mehr und mehr als technische eigene Entitäten nicht mehr wahrnehmbar sind, sondern sich in das verwandeln, was die Software uns jenseits der Pixel-Wahrnehmungsgrenze des Auges vorspiegelt (denn nach 2048 ist 4096 doch nur eine Frage der Zeit und dann kannst du gar nicht mehr so kurzsichtig sein, noch irgendwelche Pixel zu sehen) ist bereits so schnell und immersiv geworden, dass wir fast gelangweilt auf den Fortschritt blicken. Dabei ist es ein kleines Wunder, dass wir nur ein Jahr nach dem iPad 2 jetzt bei gleicher Akkulaufzeit ein Display mit doppelter Auflösung – mit faktisch bisher unerreichter Pixeldichte – in den Händen halten, das zudem noch potentiell höchste Datenraten zulässt. Wer will da noch den Fortschritt nach Hardware-Verbesserungen oder «neuen Features» bemessen, den es eigentlich längst im systemischen Verbund der kleinen Einzelverbesserungen zu entdecken gibt, in der ein photorealistisches Display eben nur ein weiterer Mosaikstein ist.

16. März 2012 20:55 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . Keine Antwort.

Sparrow auf dem iPhone

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Ihr kennt es wahrscheinlich – manchmal möchte man sich seine Software wie Frankenstein aus verschiedensten Elementen bestehender Software zusammenstückeln dürfen. Das war immer so, wird immer so sein. Die jeweils neuere Version kann dieses oder jenes besser, oder A bietet einfach ein Feature, dass Programm B seit Jahren nicht näherungsweise hinkriegt. Ich würde mir beispielsweise viele Details von Pixelmator in Photoshop wünschen, aber Pixelmator kann Photoshop nie ersetzen, weil eben entscheidende Features komplett fehlen. Es gibt Programme, bei denen man denkt: Super, aber XYZ kann dieses eine Ding echt besser, ist aber ansonsten schlechter… Und genau so geht es mir seit Jahren mit Mailprogrammen wie AppleMail, Postbox und Sparrow. Ich nutze alle drei (für verschiedene Zwecke), was nicht gerade effektiv ist, und würde mir längst wünschen, Apple würde in das Standardprogramm einfach die guten Features der beiden Konkurrenzangebote aufnehmen. Aber es passiert einfach nie. Und das dürfte auch ein Problem für Sparrow auf dem iPhone werden, weil es eine typische «Eigentlich super, aber…»-Software ist.

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Nicht perfekt gelöst, aber guter Ansatz ist die ausfahrende Action-Leiste bei Mails.

Sparrow ist auf dem Mac seit einiger Zeit eine phantastische Alternative zu Apples eigenem Mail-Programm. Obwohl die Suchfunktionen lange nicht so ausgefuchst sind und mich nach wie vor einige Details an Sparrow ärgern, ist vor allem die Quick-Reply-Funktion und die Leichtigkeit der Software insgesamt, herausragend. Die Integration in die Menüleiste, die systemweiten Shortcuts für neue Mails, die sinnvolle Integration von Tastenkürzeln und Gesten, nicht zuletzt das sehr an iOS-Apps angelehnte Flair des minimalistischen (wenn auch nicht immer ganz konsequenten) Interfaces machen einfach Spaß.

Es ist also nur folgerichtig – und seit einiger Zeit in Entstehung – eine von iOS inspirierte Minimal-Applikation auch auf iPhone und iPad zu bringen. Und während es Sparrow für das iPad noch nicht gibt und auch die iPhone-Variante etwas wie ein Schnellschuß wirkt, ist Sparrow auch auf dem iPhone eine zumindest ansehenswerte Alternative zu Apples hauseigener Lösung.

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Nervig: Die Adressauswahl vor dem Schreiben einer Mail und das schlechte Handling von eMail-Adressen, die zudem alle entweder gleiche oder auch mal gar keine Bilder zugeordnet haben.

Der Nachteil, dies vorweg, ist beim iPhone allerdings, dass Mail nahtlos ins System integriert ist, immer »on« ist, entsprechend einigermaßen PushMail kann und den User über neue Mails benachrichtigt. Sparrow nicht. Das ist, ehrlich gesagt, ein Shoot-Out-Grund, die Software nicht zu benutzen. Sie doppelt weitestgehend bestehende Funktionen in einem Ökosystem, das zu klein für Redundanzen ist. Sparrow wäre sinnvoller, würde es Mail *komplett* ersetzen, aber in einer sowohl-als-auch-Lösung, bei der Mail auch nicht komplett deaktivierbar ist, muss man sich schon fragen, warum man zwei Lösungen parallel laufen lassen möchte. Zumal eine der Lösungen auf deinem Startbildschirm und im Notification Center integriert ist, von jeder anderen App via API als Haupt-Mailprogramm genutzt wird usw. Anders gesagt – Sparrow leidet auf dem iPhone an ganz ähnlichen Problemen wie auf dem Desktop. Es kommt nie ganz an das perfekt in die Infrastruktur eingebettete Mail-Programm an, das zB Adobe und andere Anbieter immer automatisch nutzen, wenn man eine PDF verschicken will. Auf dem iPhone ist das absolut genau so. Sparrow reduziert sich damit, auch wenn das für 2,99€ sicher okay ist, zu einer Art Experiment oder Spielzeug.

Umso schlimmer, dass die Erfahrung mit Sparrow damit beginnt, dass man seine Accounts, die Apple eigentlich zentral verwaltet, erneut eingeben muss. Apple erlaubt Sparrow keinen Zugriff auf die in der Systemsteuerung gespeicherten Mail-Einstellungen, da kann das Team um Hoa Dinh Viet, Dominique Leca und Jean-Marc Denis nichts dran ändern. Und so toll es ist, dass Sparrow quasi die mit erste Applikation ist, ein so systemnahes Programm von Apple «ersetzen» darf, merkt man hier, dass es alles andere als einfach ist, ein so verzahntes Angebot von Apple zu ersetzen. Zumal man auf die Validation der Accounts ziemlich lange warten muss bei Sparrow, zumindest bei meinem Mailserver.

Einmal installiert – und abgesehen von der »splendid Isolation«, zu der Sparrow durch Apple verdonnert ist, macht die Software spontan Spaß. Das kurze Bedienungs-Tutorial braucht es eigentlich kaum, das Interface ist durch Twitter und Facebook eigentlich vertraut, mit den sich überlagernden Schichten. Inkonsequent ist allerdings, das im UI sichtbare Bereiche funktional nicht durch Touch zu aktivieren sind. Wenn ich einen «Fächer» sehe, will ich ihn auch sofort benutzen können, und nicht sozusagen erst den Bereich dazwischen aktivieren müssen. Ebenso unlogisch ist, dass die mich von Accounts zu Foldern zu Mails führenden Swipes in den Mails selbst auf einmal nicht funktionieren – und ich bin sicher, die Funktionsleiste in den Mails selbst (für Löschen, Archivieren, Markieren usw.) lässt sich besser lösen als es jetzt der Fall ist… es ist zwar viel dezenter und effizienter als bei Mail selbst, hängt aber z.T. in der Schrift und sieht irgendwie auch störend aus, unschön.
Auch ansonsten ist zunächst einiges vielleicht ungewohnt bei Sparrow – etwa, dass man nicht in rechter Richtung über Mails swiped, um sie zu löschen, sondern nach links (dafür aber mit mehr Möglichkeiten belohnt wird), oder die tatsächlich nicht nur gewöhnungsbedürftige sondern hochgradig doofe Trennung von Adresseingabe und Texteingabe bei neuen Mails. Sparrow zwingt dich, zuerst die Empfänger auszuwählen aus einer Art Kontaktliste, bevor du schreiben kannst. Manchmal will man aber auch einfach nur mal schnell schreiben und DANN überlegen, an wen eigentlich. Die Adresslisten-Lösung hat etwas unschön bürokratisches und gehört überdacht, ebenso wie der komplett furchtbare Ansatz, dass Sparrow längere Zeilen schreibt als das iPhone hergibt und dabei den Content dynamisch mitverschiebt. Das macht hier und da Sinn weil man nicht in winzig kurzen Zeilen schreibt, sondern gefühlt normalere Formatierungslängen hat, da die Software aber auch mal das »Mitrutschen« auch mal verpasst und man gar nicht sieht, was man schreibt, ist das insgesamt eher verwirrend.
Weniger schlimm finde ich, dass es keinen Landscape-Modus gibt, weil ich eMails meist ohnehin im Portrait-Modus schreibe, und auch Bold/Italic sind kein Beinbruch, wiewohl ich diese Formatierungen bei Mail, seitdem auf dem iPhone (wenn auch viel zu umständlich) verfügbar, durchaus gern nutze, es hilft einfach, Texte besser zu strukturieren. Wann können eMails eigentlich einfach durchgehend Markdown?

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Gute Idee, in der Praxis manchmal irritierend: Die Zeilen sind länger als das Display beim Schreiben.

Positiv bemerkenswert an Sparrow ist das aufgeräumte Interface, das allerdings statt dem facebookblauen eigentlich ein graues Chrome vertragen könnte, die besser ausgenutzten Gestenmöglichkeiten, die in vielen kleinen Details effektiver sind. Schon nach kurzer Nutzung wird deutlich, dass Sparrow zum durchgehen von Mails, zum Archivieren/Löschen/Markieren und auch fürs fixe Beantworten dem eigentlichen Mailclient von Apple weit überlegen ist. Details wie die Vogelperspektive bei Mail-Dialogen sind so einfach und selbstverständlich, dass man sich spontan fragt, warum Apple selbst so etwas nicht anbietet, ebenso die Mehrfachauswahl von Aktionen in der Mailübersicht, die bessere Übersicht bei Accounts und Ordnern (die bei Apple selbst unerträglich gelöst ist auf dem iPhone) oder Kleinigkeiten wie Pull-to-Refresh, die Anhangsverwaltung durch Swipe, die Möglichkeit, per einfacher Swipe-Geste von der Inbox zu markierten oder ungelesenen Mails zu wechseln… Sparrow steckt voller smarter Ideen, die man sich spontan in der eigentlichen Mail-App wünschen würde. Und hat gleichzeitig Mankos, die eine «richtige» Nutzung fast unmöglich machen.

Anders gesagt: Es ist ein ausgezeichnetes, sogar überlegenes Mail-Programm, das leider im Gegensatz zum Original nicht annähernd ausreichend in das OS eingebettet ist. Du kannst aus iPhoto keine Bilder per Sparrow versenden, du kriegst keine Info über neue eMails (außer über absurde Umwege via Boxcar usw.).
Unter diesen Umständen, die Apple wohl kaum gravierend ändern wird, ist Sparrow ein tolles Experiment, ein hochspannendes Spielzeug, im Einzelfall auch durchaus sehr brauchbar, aber eben kein vollwertiger Ersatz für Mail, kein alltagstaugliches Werkzeug, weil es noch zu viele Umwege verlangt und weil man am Ende eben doch wieder und wieder bei Mail.app landet und nicht bei Sparrow. Und da Mail sowieso installiert ist, nicht deinstalliert werden kann und auch permanent aktiv ist, muss jeder selbst entscheiden, ob es das braucht. So wie man sich fragen darf, ob man eher Twitter oder Tweetbot nutzen mag, nur gravierender. Als Studie darüber, wie gut ein Mailprogramm auch auf dem iPhone sein könnte, wenn es konsequenter auf die Möglichkeiten der Gestensteuerung setzt und im Detail liebevoller durchdacht ist, ist Sparrow aber unbedingt ein Gewinn. Bleibt zu hoffen, dass sich mit zukünftigen Versionen nicht nur die vielen kleinen Interface-Ungereimtheiten von Sparrow legen und neue Features dazukommen, sondern vor allem auch die Systemintegration besser wird. Wobei das selten vom Anbieter anhängt und bei Sparrow auf dem Mac seit Jahren in entscheidenden Stellen auch nicht wirklich besser wird, so dass es bis heute trotz umwerfender Funktionalität immer noch nicht DER Standardclient für Mails sein kann. Was eigentlich schade ist…

15. März 2012 14:49 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . Keine Antwort.

Byword iOS

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Nach Writer setzt jetzt auch das andere «einfache» Schreibprogramm Byword auf iCloud. Neben einem Update für die Mac-Applikation gibt es eine brandneue iOS-Version, universell für iPhone und iPad, die die Texte über Dropbox und iCloud abgleichen kann. Gegenüber Writer verfügt Byword vor allem auf dem Desktop über einige nette Features (Rich-Text-Unterstützung und wunderbar einfacher HTML-Export in die Zwischenablage), die iOS-Version, die allerdings natürlich auch »jünger« ist als Writer, bietet weniger Leistung – insbesonderej fehlt die Sondertastatur-Leiste mit den gebräuchlichsten Sonderzeichen. Update: Doch, die Leiste gibt es, aber etwas versteckt durch einen Swipe auf dem Zeichen/Wortzähler. Leider ohne Guillemets;-). Abgesehen von diesen kleinen Unterschieden sind beide Programme in ihrer Einfachheit natürlich weitestgehend identisch. Seltsam ist, dass Byword kein RTF anbietet, obwohl das inzwischen in iOS unterstützt wird und die Desktop-Variante der Software Rich Text beherrscht. Durch Markdown vielleicht inzwischen weitestgehend egal, aber dennoch hat Metaclassy hier vielleicht eine Distinktionschance vertan. Tatsächlich entkoppelt sich ein Text automatisch und etwas verwirrend von der iCloud, sobald man ihn in formatierten Text umwandelt… man muss ihn komplett neu speichern und kann dies nicht mehr in iCloud tun.

Auf dem Desktop angelegte neue Texte müssen, wie bei Writer, auch zunächst lokal gespeichert und dann in die Wolke «verschoben» werden. Ich kann nur hoffen, dass Apple diesen Humbug mit Mountain Lion systemweit ändert. Es ist nur ein Detail, aber gerade beim spontanen Schreiben ein nicht ganz unnervendes. Auch der Sync neu angelegter oder das synchronisieren gelöschter Dateien zwischen den Geräten ist relativ schleppend – vielleicht eine Kinderkrankheit.

Mein Fazit: Insgesamt hat der Writer etwas die Nase vorn. Ich mag das unverschämt cleane Interface, die Zusatzbuttons vor allem bei iOS, und die Nitti als Typeface (obwohl man die bei Byword, sofern man den richtigen Font besitzt, natürlich auch einstellen kann auf dem Desktop). Byword ist auf dem Mac durch die Möglichkeit zu RTF zu wechseln und die deutlich reicheren Export-Angebote einen Hauch besser und auch durch den Nutzer feiner «einzustellen». Konkurrenz belebt das Geschäft und ich freue mich, durch zwei nahezu identische Apps sozusagen an zwei Texten simultan, durch Applikationen getrennt, arbeiten zu können – und bin gespannt, welcher der beiden Anbieter mit den nächsten Updates noch mehr überzeugt.

14. März 2012 15:37 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . Keine Antwort.

Der Writer und die Datenwolke

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In dubio pro Wolke
»Seamless creation« dürfte aus meiner Sicht eines der Zauberworte der nächsten Jahre werden. Nachdem man das Wort »cloud« ja langsam schon kaum noch hören kann, abgegriffen, bevor die Technologie noch richtig funktioniert, überholt Apple mit icloud zumindest in einem Aspekt den großen Favoriten Dropbox: Die nahtlose Synchronisierung von Dateien zwischen Geräten in der Apple-Ökosphäre ist, wenn Apples Server mal keinen schlechten Tag haben, ein Traum. Während bereits Applikationen wie DayOne, die iWork-Suite, iLife und viele andere iCloud nutzen, ist das Vorzeigeprojekt für die Vorteile dieser Art von geteilten Daten aus meiner Sicht derzeit iAWriter, der gerade auch als Universal App das iPhone als Plattform nutzt und damit Desktop und iOS komplett abdeckt. Aufgrund der vergleichsweise kleinen Datenmenge, mit der der Writer operiert, geht der Sync enorm flüssig – so schnell sogar, dass man dabei zuschauen kann, wie sich Texte in Echtzeit auf dem iPad aktualisieren, wenn man sie auf Desktop oder iPhone umschreibt.

Arbeit to go
Obwohl der Writer mit einigen Features gegen Programme wie Byword oder Writings nicht mithalten kann, macht ihn dieses «Schreib, wo du willst»-Denken zur derzeit besten Lösung, um Texte zu verfassen. Es ist weniger die sehr ansehnliche visuelle Reduktion, weniger das wunderbar praktische Markup (das Byword nach wie vor besser löst, etwa mit Export der HTML in die Zwischenablage), nicht einmal die großartige, die für mich inzwischen fast unverzichtbare Keyboard-Ergänzungszeile in iOS (mit nach wie vor falschen Guillemets für mich), sondern vielmehr die Möglichkeit, völlig nahtlos zu schreiben. Menschen, die ihr Geld mit dem Verfassen von Texten verdienen, müssen diese Möglichkeit lieben, aber selbst so ist es eine Freude, jederzeit an Ideen schreiben zu können, spontan und egal, wo man gerade ist und vor allem – völlig unabhängig von der Hardware. Writer und iCloud und die reduzierte Anforderung von reinen Textdateien hebeln die Frage, womit man eigentlich schreibt, völlig aus. Natürlich lässt es sich am Desktop besser schreiben als am iPad und dort besser als mit der Winzigtastatur der iPhone – aber abgesehen hiervon begleitet dich der Text auf jedes Gerät, ist immer up-to-date, ohne dass man noch über manuelles Abgleichen (wie etwa bei Dropbox meist nötig) nur noch ansatzweise nachdenken muss. Man mag – zu Recht! – ganz sicher darüber sinnieren, ob es nicht auch Schattenseiten hat, wenn Arbeit einen so ubiquitär verfolgen kann, aber für uns armen Glücklichen, die zwischen »Privat« und »Arbeit« ohnehin eher eine Drehtür oder hauchdünne Membran haben, ist dieses Mitwandern von Daten ein Segen, weil Ideen genau dort festgehalten oder bearbeitet werden können, wo sie entstehen oder wo die Zeit gerade richtig dafür ist. Bis dieser Ansatz auch mit komplexeren Applikationen so richtig funktioniert, wird es sicher eine Weile dauern, aber Apple zeigt seine Ambitionen bereits damit, dass Garageband ab vorgestern nun auf gleiche Art funktionieren soll.

Faul = funktioniert
Was Writer dabei absolut richtig macht – und es sich damit durchaus einfacher macht als so manche Konkurrenten -, ist, gnadenlos auf das etablierte iCloud-API zu setzen. Andere Anbieter werkeln an eigenen Serverlösungen… und das Ergebnis ist nicht nur ein für den Nutzer unüberschaubares Terrain von Sync-Lösungen, Passwörtern und Datenaustauschplattformen, sondern vor allem auch Ansätze, die eben nicht nahtlos ins Betriebssystem verankert sind. Writer wird so zwar von Apples Stimmungsschwankungen zumindest vorläufig etwas abhängiger, hat aber eine cloud-Plattform out of the box lauffähig und problemlos parat, ohne große Mühe, wo andere Anbieter sich seit Monaten abarbeiten und immer noch keine wirklich funktionalen Lösungen jenseits von Alpha– oder Betastatus vorweisen können. Die information architects binden so nicht nur weniger Ressourcen als CulturedCode, Omni und die vielen anderen Softwareschmieden, die auf Insellösungen bauen, sondern weisen auch den Weg zu einem integrierten Dateisystem online, das von Apple sicher in Zukunft noch deutlich ausgebaut werden muss, da die sich hier bisher abzeichnende Sandbox-Mentalität eher aus Nutzsicht zur Zeit nach hinten losgeht. Sie ist sicher, einfach, portabel, aber leider für alles, was nicht «casual work» ist, völlig unbrauchbar. Fehlendes Dateimanagement wird, je mehr man mit iPad und iPhone »richtig« arbeiten kann, zu einem der größten Mankos von iOS mutieren… ist es, wenn man sich das neue iPhoto anschaut, eigentlich jetzt bereits, der permanente Daten-Roundtrip nervt, das allgegenwärtige «Open in» ist heute schon so anstrengend wie überflüssig. Ein vereinfachter Finder wäre eine gute, überfällige Sache.

Dennoch – iCloud ist in seiner Einfachheit, als unsichtbare Infrastruktur im Hintergrund, der richtige Weg. Zwar hat man vom Desktop aus (noch) keinen direkten Zugriff auf iCloud, was ein großes Manko ist, iAWriter aber relativ mit dem Verschieben von einmal gespeicherten Dateien in den entsprechenden Ordner in der Library elegant umgeht. Auch, dass iCloud anders als Dropbox nicht sichtbar im User-Ordner arbeitet, sondern relativ versteckt ist (wahrscheinlich, um magischer zu wirken), ist für professionellere Anwendungen ein Manko, im Falle von Writer aber eine vernachlässigbare, vielleicht sogar angenehme Sache – es sei denn, man will Text mit einem anderen Programm bearbeiten, dann fangen die Probleme an, weil es eben keinen offenen Zugriff auf die Ressourcen gibt. Was mir für Design und Bildbearbeitung derzeit noch zu hermetisch und user-feindlich scheint (auch wenn Adobe anscheinend ja wiederum selbst an einer Cloud-Lösung arbeitet), macht aber für reine Texte durchaus absolut Sinn, zumal wenn wir vom Schreiben zum Diktieren via Siri kommen.

Hase vs Igel
Als ich vor rund 15 Jahren eine Art Hybridlösung zwischen Computer und TV aus Basis eines ThinClient-Konzeptes im Kopf hatte, dass die verschiedenen Formen interaktiver/multimedialer Daten aus dem Internet über eine dezentrale Serverstruktur bezieht und die so »schwimmenden« Daten absolut mobil und mitnehmest macht, hätte ich nicht erwartet, dass der Weg dorthin so lang sein würde und sich zugleich so viele andere Parameter ändern würden – von soziale Plattformen wie Twitter oder Facebook war damals nur indirekt über Rollenspiel-Plattformen und BulletinBoards ein Vorgeschmack vorhanden, der Kapitalismus war noch rheinisch und nicht neoliberal und Apple war ein Unternehmen auf absteigendem Ast. Mit cloud-Lösungen à la Writer zu arbeiten, Passworte immer dabei zu haben, einen Song auf dem iPhone anzufangen und auf dem MacBook feinzuschleifen – all das fühlt sich insofern weniger revolutionär an, sondern im Kern überfällig. Es bringt uns vor allem einen wichtigen Schritt weiter zur nächsten Entwicklung – der Ablösung des Internets als Ort, in den man sich »begibt« (wie früher durch Modemeinwahl oder heute noch symbolisch durch Browsernutzung) durch einen Informationsäther, in dem man immer schon ist, der vorgelagerten, exoskeletären Charakter hat. Ob das am Ende ein zentraler Anbieter ist – und wer zuckt heute nicht unwillkürlich bei Apples 1984-Spot zusammen, der so ironisch die heutige Wandlung der Rebellen zum Big Brother kommentiert -, ob es viele, wechselnde dezentrale Anbieter sind oder ob wir unsere eigenen Server nutzen werden… Es ist nur noch eine Frage von Speicherplatz und Transferraten, bis unsere Daten im Äther schwimmen und uns wie ein Mantel jederzeit umgeben, immer greifbar sind. Noch ist es ein Unding, dass ein Backup von 4 TB zu Backblaze Wochen in Anspruch nimmt – sind wir hier aber erst einmal bei Stunden angekommen, wird die lokale Festplatte wie die Cassette, wie die CD und der USB-Stick zum toten Medium werden. Es ist verblüffend, dass ein lapidar-minimalistisches Textprogramm wie Writer trotz aller kleineren Mängel einen Vorgeschmack darauf gibt, wie vielversprechend diese Entwicklung sein kann, wenn kreative «Arbeit» nicht mehr durch ein Werkzeug oder spezifische Orte und Zeiten definiert ist, sondern dich immer da erwartet, wo du gerade bist: »Ick bün al dor…«

11. März 2012 17:32 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Eine Antwort.

Interfaces

hd schellnack

Eine der größten Revolutionen in der Kommunikation mit Computern ist neben der Rolle, die Computer im Alltag zunehmend fast beiläufig und wie selbstverständlich spielen, dass wir nicht mehr mit den gewohnten Interface-Schnittstellen arbeiten, die dem Menschen die Logik einer von der Schreibmaschine abgeleiteten Interaktion aufzwingen, sondern die digitalen Schnittstellen so rapide und grundlegend den menschlichen Sinnen und Werkzeugen entgegen kommen, dass eine Unterscheidung zwischen »analog« und »digital« zunehmend obsolet wirkt. Berührung, Stimme, handschriftliche Zeichen oder sogar Blicke – obwohl die meisten Technologien oft noch rudimentär wirken, hat sich bereits durch diese Ansätze der Umgang mit, vor allem aber das Denken über Software-Interaktionen grundlegend geändert.

Hand
Vor nicht einer Dekade noch komplett in den Kinderschuhen, ist die Steuerung von Software durch Berührung(en) heute längst zu einem Quasi-Standard geworden. Musste man bis vor einigen Jahren noch mit einem Stift auf einer Art Plastikbildschirm herumtippen, Soseins moderne kapazitative Glasdisplays in der Lage, Bewegungen und multiple Berührungspunkte zu deuten, durch Gyroskop und Accelorometer sogar eine Art Anschlagstärke zu ermitteln (etwa bei Garageband). Samsung hat diese Technolgie gerade erst auf der CES 2012 auf Fenstergröße übertragen. Obwohl erst wenige Jahre verfügbar, hat dieser Ansatz zusammen mit fast rahmenlosen, leichten, tragbaren Devices zu einem kompletten Umdenken über Interfaces geführt. Ein Programm ist nicht mehr ein über die Maus-Tastatur-Metapher gesteuerte abstrakte Lösung in einem Monitor, ein Programm simuliert heute das, was es als Lösung anbietet und wird so als Programm unsichtbar. Ein Taschenrechner sieht aus und bedient sich wie ein Taschenrechner, ein Notizbuch sieht aus wie ein echtes Büchlein, beim virtuellen eBook lassen sich die Seiten umblättern als wären sie fast echt, ein DJ-Mischpulte bietet Plattenteller und Mischpultregler und so weiter. Es gibt zwar noch Menüs, aber auch diese wirken eher wie eine Übergangslösung, ansonsten: keine Tastaturkürzel, keine rechten oder doppelten Mausklicks – sondern eine möglichst approximative Simulation, die optisch aber auch von der Bedienung her daran gemessen werden kann, wie »echt« sich die Bedienung anfühlt.

Apple wurde – auch von mir – für die etwas kitschigen Nutzer-Interfaces von iCal und Co. gescholten, aber tatsächlich ist diese Annäherung an das Echte nur konsequent bzw. der sinnvolle erste Schritt zu »Simulacra-Softwares«. Das iPad kann bereits jedes Kleinkind bedienen, weil das unmittelbare Bedienen durch Drücken, Ziehen und andere Gesten mit den dazugehörigen Effekten der Lernfähigkeit der menschlichen Natur entspricht, Cause-and-Effect kennen wir ja auch aus der realen Welt. Angeblich fangen ja die ersten an Tabletts gewöhnten Kleinkinder bereits an, enttäuscht zu reagieren, wen sich echte Bücher eben nicht auf einen Tap hin öffnen oder reale Gegenstände nicht wie virtuelle auf Berührung reagieren und eine Animation starten. Dabei ist das Herumtasten auf einer kalten Glasscheibe sicher nur ein erster Schritt zu berührungssensitiver Kontrolle von Software-Interfaces. So wie es über kurz oder lang unweigerlich 3D-Displays geben wird (und ansatzweise ja bereits gibt), werden wir auch Bildschirme haben, die auf Berührung mit einer Art von Widerstand Feedback geben können und die unterscheiden können zwischen verschiedenen Abständen zum Display (Hover) bzw. auch direkt auf die Stärke des Anschlags. Die jetzt sehr eindimensionale Touch-Fähigkeit wird sich also nach und nach erweitern, bis die Displays nicht nur visuell einen realen Gegenstand simulieren können (und dies mit hochauflösenden Displays zunehmend an der Grenze, an der das menschliche Auge zwischen »echt« und »unecht« nicht mehr unterscheiden kann, d.h. keine Pixelbausteine mehr sichtbar sind), sondern auch haptisch. Nutzen wir einen virtuellen Taschenrechner, wird er nicht nur aussehen und klingen wie »real«, sondern auch die dimensionale Tiefe (3D) haben und sich anfühlen als würden wir auf einem echten Gegenstand Zahlen eingeben, nicht auf der bloßen planen Display-Simulation des Gegenstandes. Die Tasten werden spürbar nachgeben und einen Druckpunkt haben, sie können eventuell durch virtuellen Schweiss und Dreck »rubbelig« werden, sie können sich nach Gummi oder Hartplastik anfühlen. Es wird ein längerer Weg über zahlreiche Zwischenstufen sein, bis man wirklich sensorisch überzeugende Simulationen erzeugen kann, aber es wird sehr wahrscheinlich kommen – wodurch automatisch Abnutzung zu einer Frage der Programmierung wird.

Schon jetzt ist es so, dass ein iPad, iPhone oder Android als »opportunistische« Devices an sich nahezu unsichtbar werden und in einer Art Camouflage alles tut, um sich selbst unsichtbar zu machen und uns zu überzeugen, dass wir einen Photoapparat, ein Buch, eine Klaviatur usw. vor uns haben. Es ist evolutionär nur logisch, dass die Geräte diese Camouflage perfektionieren werden, denn am Markt werden die Anbieter erfolgreich sein, die mit immer neuen Features noch »realistischer« werden. Sowohl Apple als auch Microsoft (mit Windows 8) bauen bereits jetzt auch bei klassischen Desktop-Geräten die Touch-Metapher aus, was bei diesen zunächst hölzern und befremdlich wirkt. Was auf dem Pad sinnfällig ist, wirkt über ein Touchpad nach wie vor zu umständlich – dieser Umstand ist ein Symptom für den Übergang vom »klassischen« Computerparadigma, an dessen spezifische Interface-Metahern wir uns gewöhnt haben, hin zu einem neuen Paradigma, dass die Vorstellung dessen, wie wir mit Computern interagieren, neu definieren wird.


Stimme
Apples »Siri«-Stimmerkennung und -kontrolle ist von Google nicht ohne Grund als revolutionäre Veränderung im Umgang mit Computern (und eben Suchmaschinen) beworben worden. Wo Kommunikation mit dem Computern in den Grenzen der Software (und abgesehen von Abstürzen) bisher weitestgehend sicher und eindeutig war – zieht mit Siri die Fallibilität, das Missverständnis, die Doppeldeutigkeit, eben eine Art »Fuzzyness« ein, die erstmals zu einer Art von Dialog führt, bei der der Computer sogar via verbaler Feedbackschleifen rückfragen kann (und muss!), was der Nutzer denn da eigentlich gemeint haben könnte. Siri ist deshalb natürlich noch – obwohl bereits verblüffend leistungsstark, vor allem in der englischsprachigen Version – eine Art Spielerei, die mehr zu Fehlschlägen und Umwegen als zu einer echten Effizienzsteigerung führt. Es ist nach wie vor ärgerlich, wenn beim Diktat Siri nicht reagiert und man ganze Sätze verliert oder wenn eine einfache SMS vier verschiedene Befehle und Anläufe braucht, bis sie stimmt.

Aber bereits heute gibt es Situationen und Kontexte, in denen Spracheingabe natürlicher und schneller wirkt als der Touchscreen, zumal Siri ohne den Start dezidierter Programme läuft, sondern sich an den User-Bedürfnissen orientiert und die Programme dann selbst auswählt und startet – im Vordergrund steht also was der User will, nicht welches Werkzeug dazu verwendet werden muss. Ich starte also nicht den Browser, um etwas zu suchen, sondern die Software »entscheidet« dies selbst. Diese Art von AI, konsequent zu Ende gedacht, dürfte die Art, wie wir mit Maschinen interagieren, umwälzen und sozusagen renaturalisieren. Nicht nur in dem Sinne, dass wir ganz im Stile von SF-Filmen demnächst Maschinen per Zuruf steuern, sondern weil diese Steuerung wieder analoger (oder zumindest doch simuliert-analoger) wird. Während in den letzten drei bis vier Dekaden wie nie zuvor die visuellen Sinne in den Vordergrund gestellt wurden und wir uns sozusagen evolutionär an diese Verknappung angepasst haben, also Seh-Wesen geworden sind, darf nun der auditive Kanal wieder zum Zuge kommen. Noch ist Siri in der Benutzung dabei eindimensional. Nutze ich die Sprach-Software, wird der visuelle Kanal förmlich abgeschaltet, ich kann nicht auf der visuellen Eingabeebene simultan andere Dinge tun, also etwa einen Text diktieren und gleichzeitig im Web surfen per Touch oder Software per Touch und Stimme kontrollieren, also etwa in Photoshop mit einem Pen oder auf dem Display direkt arbeiten und dabei per Stimmbefehl Werkzeuge auswählen oder Bildeffekte anwenden (»20% mehr Kontrast«). Es ist immer entweder Stummfilm oder Hörspiel. Aber schon jetzt zeichnet sich ab, dass ein stimmbasiertes und dialogorientiertes Interface einen Paradigmenwechsel darstellt, den die Kids, die Siri mit dummen Fragen auszutricksen versuchen (und dabei der Anthropomorphisierung ihrer Hardware auf den Leim gehen, also bereits Interaktionen starten, die sie per Maus/Tastatur niemals so in Betracht ziehen würden), gar nicht verstehen bzw. hinterfragen und der genau deshalb so grandios unsichtbar und sanft stattfindet – ähnlich wie es ja klug war, uns das Cloning als Technologie in Form eines harmlosen Schafes zu präsentieren.

Wir werden erst in einigen Jahren wahrnehmen, wie zentral dieser Shift war. Mit der Stimmkontrolle fällt prinzipiell die Hardware als Interface-Element weg. Es muss nichts mehr »bedient« werden, es gibt keine Tasten zu drücken, keine Zeiger zu bewegen – die Interaktion mit Maschinen wird bei ausgereifter Spracherkennung möglich, ohne ein Werkzeug dafür bedienen und erlernen zu müssen. Der Mensch nähert sich nicht mehr dem Rechner an, sondern umgekehrt.


Schrift
Auf der gleichen Ebene liegt die Entwicklung der Schrifterkennung, die sogar technisch ähnlich gelagert ist, weil hier schnelle Webanbindung und OCR auf leistungsfähigen Servern die ehedem hohen Hardware-Anforderungen für lokale Rechner deutlich gesenkt haben. Ein mobiler Prozessor könnte keine vernünftige Stimm- oder Schriftdechiffrierung leisten, ein kraftvoller Server und ein schnelles Internet aber sehr wohl – die Rechenpower wird einfach ausgelagert. Seit Dekaden ist die eigentlich ja als technische Notlösung zu denkenden QWERTZ-Tastatur der Standard bei der Texteingabe. Ursprünglich entwickelt, um durch eine eben möglichst ungewohnte nicht-alphabetische Tastaturanordung das Schreiben so zu verlangsamen, dass die anfälligen frühen Mechaniken nicht blockieren konnten, haben wir uns so sehr an dieses Layout gewöhnt, dass wir damit aufgrund der Übung oft spürbar schneller und anstrengungsloser schreiben als mit der Hand, so sehr, dass die Handschrift langsam auszusterben droht.

Dennoch kommt die manuelle Eingabe von Schrift und Zeichnungen in den letzten Jahren in eine Art Renaissance – Techniken wie der Livescribe Echo Smartpen oder der Wacom Inkling machen es möglich, unterwegs zu schreiben oder skizzieren, ganz altmodisch auf Papier, und später mit digitalen Daten weiterzuarbeiten. Ob die audiovisuelle «Pencast»-Verknüpfung des Livescribe, der mit einer Kamera auf speziellem Papier die Handschrift aufnimmt und zugleich Ton aufnehmen kann und insofern z.B. für Notizen bei Meetings nahezu ideal ist oder die sich eher an Künstler wendende (und noch nicht ganz ausgereifte) Inkling-Idee eines «Funk»-Stiftes… beide Ansätze können noch nicht hundertprozentig überzeugen. Der Echo-Pen ist klobig und das Schreiben mit der Kugelschreibermine relativ unergonomisch anstrengend, der Inkling zwar kleiner, aber weniger leistungsstark und zudem (noch) relativ unzuverlässig. Dennoch ist es natürlich phantastisch, handschriftliche Notizen, plus einer Aufzeichnung des tatsächlich zeitgleich Gesagten einfach digitalisieren zu können und dabei die Handschrift noch mit einer soliden Trefferquote in MyScript in «getippte» Schrift umwandeln zu können.

Auch hier noch befindet sich die Technik in einer Art Gestationsphase, der man aber bereits anmerkt, welches Potential freigelegt werden kann, wenn ein normaler Schreibakt auf Papier (bzw. auf einem Display, das Papier emuliert) die Tastatur verdrängt. Ein Beispiel für dieses Potential ist die OCR-Engine des Online-Archivs Evernote, das nicht nur die verschiedensten Eingabemedien «schluckt», sondern vor allem auch in jeder Art von Bild, egal ob Photo oder PDF mit handschriftlichen Notizen, nach lesbarem Text sucht und diesen für die Volltextsuche bereitsstellt, also die Welt in Photos «ausliest». Diese serverseitige state-of-the-art-OCR erkennt in Sekunden selbst Worte zuverlässig, die ich selbst kaum noch entziffern kann. Zwar gibt Evernote (unverständlicherweise) bei Handschrift die Ergebnisse nicht als Text aus, sondern nutzt sie wirklich nur für eine Suchfunktion… aber wie gut auch die unlesbarste Schrift hier verlässlich gedeutet wird, zeigt, wie weit die Technik hier ist und wie sehr die Grenzen zwischen Spracheingabe, Tastatur und Stifteingabe hinfällig werden. Wie auch immer wir Informationen eingeben werden – die Devices werden lernen, uns zu verstehen.


Bio-Interfaces
Haptik, Stimme und Schrift sollten bereits genügen, um in den kommenden Jahren die Morphologie der Mensch-Maschine-Kommunikation völlig umzuwälzen. Die Möglichkeiten der kommenden Dekade dürften bereits halten, was SF-Filme noch vor 20 Jahren versprachen, von der Realität des Spielberg-Thrillers «Minority Report» sind wir nicht mehr weit entfernt, zumindest nicht in Sachen Interface-Technologie (Fliegende Autos und Jetpacks lassen nach wie vor auf sich warten.) Bereits jetzt deutet sich aber auch ein weiterer, tiefschürfender Umbruch an, der den gesamten menschlichen Körper zum Interface deklariert. Sanfte Vorläufer sind Waagen und Blutdruck- oder Glucosemessgeräte, die Biodaten an Software übermitteln, Kameras, die mit einem Lächeln ausgelöst werden oder die Gesichter von Freunden automatisch erkennen und für den Autofocus nutzen oder auch Gadgets wie das Jawbone Up, das (wenn auch noch unfassbar primitiv) Bewegungssignale ermitteln und an das iPhone übertragen kann. Auch DSLR-Kameras können ja heute bereits analysieren, wohin wir durch den Sucher blicken und auf das, was unser Auge ansieht, automatisch scharfstellen.

Unsere Vitalzeichen, wie lange wir schlafen, unsere Stimmungen und Ernährung werden über kurz oder lang zunächst nur im Sinne reiner Datensammlung, mittelfristig aber auch als Steuerparameter direkt von Softwares genutzt werden. Dies wahrscheinlich zunächst im spezialisierten Bereich – etwa von Pflegerobotik oder Überwachungssystemen in Krankenhäusern -, sehr bald aber auch im privaten Segment… schon jetzt verkaufen sich Apps und Gagdgets für das Self-Monitoring ausgezeichnet. Was man sich zunächst so einfach denken kann wie Kochbuch-Applikationen, die auf anderenorts gesetzte Diätwerte und -ziele reagieren oder ein iTunes, das auf Stimmungen oder beim Jogging auf das Pulstempo reagiert, öffnet zwei neue Perspektiven… die Nutzung des gesamten Körpers als Interface und die Nutzung des Gehirns im Speziellen. Das Body-Interface kann natürlich bedeuten, dass Software aktiv auf größere Bewegungen, Gesten, Vitalwerte, aber auch auf Geo-Daten und Zeitdaten reagiert (so wie jetzt ja schon Reminder-Softwares aktiv auf GPS-Daten anspringen und uns im Supermarkt die Einkaufsliste zeigen). Der physische Körper und sein Umfeld werden so zu Eingabe-Matritzen der Software. Was der Mensch wo und wann macht, wird zum kybernetischen Steuerimpuls.

Der andere Aspekt, die direkte Schnittstelle ins Gehirn, klingt aus heutiger Sicht nach SF, selbst wenn in der neuronalen Steuerung von Implantaten und Prothesen in den letzten Jahren ebenso sprunghafte Fortschritte gemacht werden wie in der «Geodäsie» der Gehirnfunktionen. Die Idee, direkt aus neuronalen Strömen heraus Software zu steuern bzw. von dieser auch unmittelbar, unter Umgehung anderer Sinnesorgane, Eindrücke vermittelt zu kriegen, mag heute noch abenteuerlich klingen. Aber das, was wir heute Smartphone nennen, war bis vor 50 Jahren auch noch auf Serien wie StarTrek begrenzt (»Navigator«) und dabei deutlich kruder und begrenzter als die heutige Realität, die jedermann frei zugänglich ist. Umgekehrt waren in den 60er Jahren Körpermoddings, die heute für jeden Teenager zum Alltag gehören, undenkbar. Wer hätte zu Zeiten von Truman oder selbst Kennedy geglaubt, in welchem Maße Piercings, Tattoos und anderen Selbstverstümmelungsstrategien reguläre, ja fast langweilige Modephänmene werden würden – wer hätte zu Zeiten von »Mad Men« voraussehen wollen, dass es heute einen Boom zur elektrische Zigarette geben würde? Will man da heute wirklich noch ernsthaft bezweifeln, dass Google Translation irgendwann so effektiv sein wird, dass wir uns in Echtzeit grob in fremden Sprachen werden unterhalten können – per Spracherkennung, serverbasierter Übersetzung und Sprachausgabe? Marshall McLuhans 1969er Vision einer telepathischen Welt, in der – über das hochraffinierte Werkzeug Computer, das alle anderen kruderen Werkzeuge überschreibt – ein «universales Verständnis» möglich wird, ist zum Greifen nahe.


Der siebte Sinn
Das Interessante an all diesen Entwicklungen ist, dass sie sich dem Menschen zuneigen. Anstatt uns seltsame krude Werkzeuge aufzuzwingen, nähert sich Maschine und Software immer mehr unseren ureigentlichen Kommunikationswerkzeugen an. Tastatur und Maus weichen Gestik, Handschrift, Stimme und Auge, die Lernkurve für die »Steuerung« von Software wird immer flacher, ähnelt immer mehr biologischen Prozessen. Die Maschinen werden biomorph. Man darf diese Entwicklung durchaus kritisch sehen, vor allem wenn sie primär gewinnorientiert und ohne ethische Kontrolle abläuft, wird sie aber kaum mehr zurückdrehen können. Der Computer – und noch viel mehr der Äther des Web – sind Büchsen der Pandora, die nur vielleicht ein verheerender Krieg oder eine andere Katastrophe kurzfristig wieder verschließen würde. Positiv gesehen aber fallen hierdurch technologische Krücken weg, die wir seit Gutenberg benutzen, um umständlich eine Brücke zwischen Massenkommunikation und individuellen Ausdruckspotentialen zu schlagen.

Phoneme, Alphabet, Druck, selbst Schallplatte und Video sind nur Faustkeile… und je fortschrittlicher die biomorphen Interfaces werden, um so einfacher und unkomplizierter wird unsere Kommunikation untereinander und mit Maschinen werden. Der Clou dabei ist, dass das Medium sich dabei auflöst. Der Rechner als große Konvergenzmaschine, der sämtliche medialen Ausdrucksformen binär zerhäckselt und völlig neu zusammenstückeln kann, dem es denkbar egal ist, ob er nun Musik oder Bilder, Schrift oder Töne in 0 und 1 auflöst, wird in den kommenden Jahren selbst unsichtbar werden. Bereits das iPad bricht mit der Metapher des »Computers«, ja des technischen Gerätes schlechthin. Abgesehen von einem in Zukunft wahrscheinlich zusätzlich verschwindenden Minimum an Knöpfen ist es als technisches Utensil nicht zu erkennen – die Eigenbedienung ist ein Minimum, das gerät verwandelt sich durch die Software in was immer auf dem Bildschirm an sich gezeigt wird… wobei das Wort «Bildschirm» schon fast in die Irre führt, wenn das ganze Gerät nur noch ein Screen ist.

Die Frage, inwieweit Computer und Web noch als solche wahrnehmbar sind, wenn es nicht einmal mehr den Bildschirm gibt, sondern osmotische oder sogar direkte neuronale Verbindungen für selbsttätige Steuerungsmechanismen sorgen, die intuitiv, instinktiv genutzt werden können, stellt sich kaum: Was heute noch «externe» Medien sind, würde tatsächlich zur symbiotischen Sinneserweiterung, zu einem siebten, achten, neunten Sinn. Wohin sich das entwickelt sieht man schon heute, wenn Leute bei Gesprächen Fakten kurz googlen, mitten in einem Film mit IMDB nach Trivia suchen oder oft zwar durchaus in der echten Welt anwesend, aber simultan auch in Facebook oder Twitter oder Instagram aktiv sind. Diese Form von Multitasking wird ein Standard werden, eine Art Layer, das sich über die normale Kommunikation legt und durch den Wegfall klassischer Interface-Hardware quasi unsichtbar wird, die Form eines internen Monologs annehmen kann.

Wir sind bereits heute permanent online – in Zukunft kann das aber ein Teil der tatsächlichen Wahrnehmung von Welt sein, was heute grobmotorisch als Augmented Reality vermarktet wird. Konsequent zu Ende gedacht, wäre ein derartige nahtlose Verbindung mit Hard- und Software eine Erweiterung unserer mentalen Möglichkeiten, für die wir Menschen sozusagen Anlauf und Training brauchen, weil unser Gehirn sich den Möglichkeiten wird anpassen müssen (so wie es ja bereits jetzt langsam notgedrungen neue Selegierungsstrategien gegen den Zerstreuungsmechanismus einer vernetzten Welt entwickelt, wobei uns wieder Software gegen die Gefahren anderer Software zur Seite springt…). Diese Sinneserweiterung wird auf eine Art begrenzte elektronische Telepathie hinauslaufen – du wirst ohne Bildschirm, ohne Tastatur, ohne »Gerät« in irgendeinem Sinne wissen, ob es Freunden eine halbe Welt entfernt gerade gut oder schlecht geht. Und es läuft auf eine sanfte Allwissenheit hinaus – weil der Wissensschatz des Webs nicht mehr per Suchmaschine erarbeitet werden muss, sondern ebenso neural einfach »da« ist wie andere Informationen und Erinnerungen ja auch. (Spannend und erschreckend wird die Frage, wie Werbung dann wohl funktioniert…)

Obwohl ich nicht sicher bin, inwieweit unsere Generation solche biotechnologischen Verschmelzungen noch miterleben wird, zeichnen sich solche Lösungen logisch ab. Zum einen werden Prozessoren, wenn sie weiter hohe Leistungssprünge bringen wollen, irgendwann biologisch funktionieren müssen, zum anderen stellen Interfaces wie Displays und Tastaturen die größte Hürde für den Verkleinerungstrend von Elektronik dar. Die Prozessoren und Speicher selbst sind längst winzig – nur der Mensch braucht eine gewissen Bildschirmgröße und seinem Körper entsprechend große Eingabewerkzeuge, um mit dem Rechner in Dialog treten zu können. Die Vorstellung, dass Hersteller früher oder später den gordischen Knoten durchschlagen und weitestgehend auf Hardware verzichten werden, ist also naheliegend. Die Vorstellung davon, wie diese Art von direkter Wahrnehmung von softwarebasierten Angeboten als «Sinn» sich anfühlen mag, wie es sein könnte, wenn Informationen, aber auch Spiele, Musik, Filme usw. direkt als «Schicht» über unserer normalen Wahrnehmung liegen oder mit dieser unzertrennbar verwoben sind, kann man sich bestenfalls als psychedelischen Trip vorstellen. Ich habe kaum Zweifel daran, dass wir uns als Menschen an diese induzierten zusätzlichen Sinne gewöhnen werden – wie wir uns an andere mediale Dinge auch gewöhnt haben, die zwei drei Generationen vorher die Menschen in den Wahnsinn getrieben hätte. Die physische Härte moderner Metal- oder Drum’n’Bass-Musik, die extrem schnellen Schnitte in Musikvideos, die surreale Unwirklichkeit von 3D-Filmen, die Absurdität der meisten Werbefilme, die generelle Schnelligkeit der Zivilisation heute – all das dürfte einen Besucher aus den 1920er Jahren zur Verzweiflung bringen, ist für uns aber Alltag. Wer weiß also, woran sich unsere Nachfahren anpassen werden können?

Unsere Generation wird den langen – und sicher spannenden – Weg machen weg von Computern als «externe» Arbeitsgeräte hin zu alltäglichen Begleitern. Aus schrankwandgroßen besseren Taschenrechnern sind in nicht einmal 50 Jahren taschenrechnergroße exzellente Multifunktionsgeräte geworden, die die meisten bisherigen Medienangebote nahtlos in sich vereinen. Geräte, deren Evolution und (Markt-)Überleben davon abhängt, sich für ihre Nutzer unersetzbar zu machen. Unsere Generation wird entscheidend miterleben, wie dieses Eindringen von Web und Software in den Alltag unser Verhalten und unseren Umgang miteinander entscheidend verändern muss. Unser Denken über Copyright, Verhaltenskodexe, wirtschaftliche Modelle, Beziehungsideale, Berufswege, Mode, Kunst, Freundschaft, Kommunikation, Wahrheit – nichts wird dieser so unscheinbar anfangenden Revolution gewachsen sein. Wir stecken mittendrin und haben die Möglichkeit (und wahrscheinlich die Pflicht), in irgendeiner Form diese Entwicklung mit zu formen… zwischen Hypermarken, die den Markt dominieren und einer Politik, die reflexartig solchen Großunternehmen zuzuarbeiten gewohnt ist, ohne die man allerdings auch die Annehmlichkeiten moderner Technik nicht hätte, so dass nie ganz klar ist, ob man Google, Apple und Co nun lieben oder verfluchen sollte. Der Weg zu den neuen Interfaces wird voller wunderbarer Paradoxien und Irrläufer sein.
Freuen wir uns drauf.

19. Januar 2012 17:46 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , , , , , . Eine Antwort.

Mobile Mouse – iPhone zum Diktat

hd schellnack

Dieser Tip ist zu gut, um ihn nicht doch noch einmal zu teilen. Man kann vom iPhone 4S aus problemlos und in Echtzeit auf jeden beliebigen Mac diktieren. Der Trick ist denkbar einfach: Man installiert auf dem iPhone die «Fernbedienung» Mobile Mouse, die viele von euch wahrscheinlich schon haben, um vom iPhone aus einen Laptop bedienen zu können. MobileMouse bietet eine Art Touchpad, dessen Bewegungen durch eine kleine Software namens Mobile Mouse Server, die installiert sein muss und die es gratis im AppStore gibt, an das iPhone übertragen werden. Mobile Mouse kann jedoch nicht nur Mausbewegungen leisten, sondern auch diverse Steuerungsfunktionen übernehmen, etwa Apps starten oder als iTunes-Fernbedienung dienen… oder eben als vollwertige «Ferntatstatur» dienen. Zunächst auf den ersten Blick unspannend, aber wenn man das Mikrophon von Siri aktiviert und in das iPhone spricht, erscheint wie von Zauberhand der gesprochene Text geschrieben am Cursor im Text auf dem Desktop-Mac, im Grunde völlig verzögerungsfrei. Damit wird das iPhone zum Mikrophon für den Mac. Zumindest bis Dragon Express auch auf Deutsch erscheint, ist das eine ideale Zwischenlösung für DIY-Spracherkennung ohne Extrakosten.

(via TUAW)

20. November 2011 23:20 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Keine Antwort.

Scan auf iPad und iPhone

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Für den Fujitsu Snapscan S1100 gibt es ein interessantes Update, das ein direktes Senden von Scans, die mit dem Gerät gemacht werden, auf die ScanSnap-App erlaubt. Ehrlich gesagt würde ich so etwas heute über Fotostream lösen, aber die Entwicklung zeigt, das Fujitsu es mit der Weiterentwicklung der ScanSnap-Umgebung bisher relativ ernst meint. Mehr gibt es hier und hier. Dank an Heidi Schall für den Tipp.

14. November 2011 12:58 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Keine Antwort.

Adventures in buying ePub

hd schellnack

Morgen generell noch mehr zu dem Thema digitales Lesen, aber ganz kurz, weil es wirklich zum Verrücktwerden ist:

Ich will ein englisches Buch kaufen. Nach langer Google-Suche und vielen Fehlschlägen, bei denen man als deutscher Käufer kein Buch in Australien oder den USA kaufen kann, etwa bei Borders oder B&N, finde ich endlich mit «kobo» einen Laden, der das gewünschte Buch als ePub anbietet.

Nach der Abbuchung per Kreditkarte kommt ein acsm-Link. Also kein ePub, sondern einen Link. Als Käufer weiß ich nicht, was ich da vor mir habe. In den FAQ finde ich nichts. Ich schicke eine Support-Anfrage. Auf die Antwort warte ich noch.

Mit etwas Suchen in Google wird klar: Ich muss Adobe Digital Editions installieren und erst dann kann ich per Doppelklick die .acsm öffnen, die dann ihrerseits einen Download in Digital Editions einleitet. Vorher muss ich mich mit meiner Adobe ID anmelden bei Adobe. Gottlob habe ich eine – was macht hier eigentlich der Normalverbraucher? Umständlicher geht es wohl kaum und jeder normale Nutzer dürfte bereits an dieser Stelle die Flinte ins Korn geworfen haben. Zudem ist ein Kauf direkt am iPad insgesamt damit völlig undenkbar, was bedeutet, dass die Stores auf eine große potentielle Käuferschaft verzichten. Warum?

Das Buch ist jetzt in Adobe Digital Editions lesbar, einer Art AIR-Applikation und einer der schlimmsten Desktop-Reader, die ich kenne. Es ist vor allem NUR dort lesbar. Weil legendär wir alle ja unser Buch am Desktop lesen wollen. Selbst wenn man die ePub auf dem Rechner nach kurzer Suche doch gefunden hat, funktioniert sie NICHT in iBooks. Das Digital Rights Management macht das Buch auf dem iPad unlesbar. Was angesichts der ja doch sehr geschlossenen Plattform iPad etwas unverständlich ist. Schön, wen Adobe und Apple sich nicht grün sind – aber muss ich darunter leiden?

Jetzt gibt es den Weg – der legal schon eher im dunkelgrauen Bereich liegen dürfte – das Digital Rights Management mit einem Tool oder einfachen Python-Script zu entfernen. Die meisten Tools kosten etwas, die Script-Lösung ist gratis, aber nicht gerade für den Post-PC-iPad-User denkbar. Selbst wer bereit ist, das zu tun, hat also vier bis fünf Schritte zu tun und muss mehrere Softwares installieren und am Ende die Entscheidung zu treffen, doch semilegal zu handeln, um einen einfachen Buchkauf zu tätigen und das Buch auf dem Endgerät und der Software seiner Wahl lesen zu können. Serviceorientiert ist nun wirklich anders. Es fühlt sich in etwa genauso absurd an wie Musikkauf digital vor 10 Jahren – als man noch CDs «rippen» musste, mit Sonys perfiden Schutzmechanismen kämpfte, alles nur, um Musik auf dem iPod hören zu können. Hier hat sich viel geändert – unter dem Druck des Marktes – will die Buchbranche wirklich gar nichts daraus lernen?

Ich kann exzellent verstehen, dass Anbieter ihre Rechte schützen wollen. Aber man darf das Kind doch nicht mit dem Bade ausschütten. So wie es sinnlos ist, Käufer einer legalen DVD mit Raubkopie-Warnungs-Filmchen zu bestrafen oder legale Software-User mit endlosen Ziffernfolgen und Activation-Softwares zu peinigen, die mehr Probleme für legale Nutzer machen als Kopien zu verhindern, so kann es doch nicht sein, dass ein simpler digitaler Buchkauf nicht nur so viel Zeit frisst, sondern am Ende entweder in der Frustration, 20 Euro vergeudet zu haben, oder in der Entscheidung, eben doch Urheberrechte zu verletzten, münden muss.

Es wäre ja vertretbar, wenn es nur diesen einen Weg um Buch gäbe – aber da vergessen die Verlage, dass seit Erscheinen des iPad digitale Bücher in schier unfassbarer Masse eben auch illegal downloadbar geworden sind. Und ich kann nur als Konsument sprechen und immer wieder das gleiche sagen: Seitdem es in iTunes nahezu alle aktuellen Alben zum fairen Preis ohne DRM gibt, kaufe ich ausschließlich dort. Bei Büchern wäre es genau so. Aber würde ich ein Buch, das ich im Buchhandel kaufe, erst lesen können, nachdem ich viermal durch brennende Reifen gesprungen, einen Salto und einen Hochseilakt gemacht hätte, würde ich dort nicht mehr kaufen. Vor allem nicht, wenn es das gleiche Buch an jeder Ecke umsonst ohne jedwede akrobatische Verbiegungen gibt.

Das ist eine ganz essentielle Erkenntnis, die nicht schnell genug bei den Entscheidern ankommen kann. Ob Comics oder Bücher – aus Konsumentensicht machen die Verlage hier derzeit nahezu alles falsch. Zu geringes Angebot, zu hohe Preise (bei deutschen Büchern oft defacto der Hardcover-Preis), internationaler Kauf unmöglich bis schwierig und dass tatsächlich noch jemand glaubt, Digital Rights Management sei ein gangbarer Weg ist zum Weinen. Es ist eine Sache, Raubkopie verhindern zu wollen, aber es ist eine ganz andere Sache, den legalen Kauf zu einem unangenehmen bis nahezu unmöglichen Erlebnis zu machen. Digital ist eine Tatsache – man sollte diesen Markt nutzen statt ihn zu bekämpfen. Der Weg ist nicht, illegale Plattform zu schließen – der Weg ist, legale Plattformen zu eröffnen, die darauf eingehen, was die potentiellen Legalen Nutzer pragmatisch wünschen. Von iTunes lernen heißt hier siegen lernen.

16. Juni 2011 12:22 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , . Eine Antwort.

iPad 2

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Im Grunde lohnt sich nach den ausgiebigen Reviews aus den USA und angesichts der ja wenig umwerfenden neuen Features des iPad2 eine echte Auseinandersetzung mit dem Gerät kaum – es ist einfach ein Upgrade und wer das iPad 1 kennt, kennt auch die zweite Generation. Also nur ein paar erste Eindrücke:

Es gab tatsächlich eine Schlange. Ich hab das nicht geglaubt und bisher auch nicht erlebt, aber da standen tatsächlich bis vor die Tür Leute für ein Stück Hardware. Never underestimate the power of smart marketing (and scarce goods). Ich selbst hatte Gott sei Dank vorbestellt und konnte einfach so rein und es abholen, vielleicht auch, weil das 64 GB 3G vielleicht nicht ganz so nachgefragt ist wie die anderen Modelle. Steffi, die draußen wartete, erzählte, ein alter Mann sei im Vorbeigehen stehen geblieben und habe sich nach einigem Betrachten der Schlange erkundigt, was es denn hier gratis gäbe. Sie: Das neue iPad2. Er: Was? Sie erklärt ihm, was es ist, er will wissen, warum die Leute dafür anstehen und was daran nun so toll sei. Nach einer Erklärung fragt er: Und was kostet das Ding? Steffi: So ab 500 Euro. Er tritt drei Schritte zurück und wendet sich an die wartende Menge: Sie haben alle fünfhundert Euro in der Tasche hier? Und wandert kopfschüttelnd weg, um sich auf dem Rückweg noch einmal bei jemand anderes zu erkundigen, wahrscheinlich weil er vermutet hat, Steffi wolle ihn veräppeln. Der Mann hat ja recht, muss man sagen. Wir leben in seltsamen Zeiten, dass man auf ein Luxusgut wartet als wäre es Obst in der DDR.

Das Pad an eine weitestgehend undramatische Weiterentwicklung des Vorgängers. Die Wahrheit ist – und das gilt inzwischen ja fast durchgehend für Apple-Produktzyklen – es keinen zwingenden Grund für iPad1-Besitzer, zu wechseln. Das Gerät wendet sich scheinbar eher an Neueinsteiger, die ohne irgendeine Art von Kamera nicht leben konnten. Ansonsten bietet es zum gleichen Preis eine solide technische Weiterentwicklung, die wie immer ein paar Wünsche offen lässt und wie immer aber auch nett ist. Der größere Arbeitsspeicher, der schnellere Prozessor und die verbesserte Grafikleistung ist im direkten Vergleich zwar spürbar, dürfte im alltäglichen Gebrauch aber nach einer Woche so selbstverständlich geworden sein, dass man es nicht mehr merkt. Apps starten etwas schneller und gerade beim Umblättern von Magazinen «hängt» es einen Hauch weniger. Sync von iTunes scheint schneller zu laufen und auch der Online-Sync wirkt einen Hauch sportiver – oder bildet man sich so etwas vielleicht auch einfach ein? Dennoch sind leistungshungrige Applikationen immer noch langsam und die Arbeit mit großzügig bebilderten PDF in Minimal Folio zwingt die App immer noch zu einem langen verpuzzelten Aufbau der Seite. Auch die Zeit und PDFs in GoodReader haben noch spürbare Aufbauprobleme – ein Wunder darf man also vom iPad2 auch nicht erwarten. Aber etwas «snappier» wie es so schön bei Apple heißt ist die Sache schon – vor allem der Wechsel zwischen Applikationen ist flüssiger geworden. Aber nun auch nichts, was vom Stuhl wirft.

Die Kameras sind in der Tat ein Alptraum. Ich kann verstehen, dass man irgendwo ein Auge auf den Preis haben muss, aber ich hätte mit Vergnügen mehr Geld für die Kameraleistung aus dem iPhone bezahlt. Für mehr als einen kurzen Snapshot in Evernote reicht es einfach nicht. Die Bilder sind düster und rauschig und niedrig aufgelöst. Man kann argumentieren, dass man mit einem 10″-Gerät nun auch keine Unterwegs-Photos machen will, aber tatsächlich macht gerade eine gut aufgelöste Kamera im iPad Sinn, um Dokumente zu «scannen». Die Videoleistung ist entsprechend – vergleichbar mit dem iPod Touch – mau, aber ausreichend. Positiv ist, dass man natürlich mit dem unhandlicheren iPad sehr viel ruhiger, weil zweihändig filmt, als mit dem iPhone, und der Bildschirm dabei die Wucht ist – Video macht hiermit ziemlich viel Spaß. Wie bei allen iGeräten werde ich aber das Gefühl nicht los, dass die Brennweite für Video schlecht ist, du bist immer zu «nah» dran, das 28-mm-Equivalent etwa der Canon fühlt sich sehr viel natürlicher an, wenn man Räume oder Situationen festhalten will.

Der Bildschirm ist weitestgehend unverändert. Als einzigen Unterschied kann ich feststellen, dass bei schrägen Blickwinkel Schwarztöne weniger schnell ins blassrötliche kippen. Mehr Auflösung, und sei es nur 1280 oder 1440, wäre schön gewesen. Aber andererseits kann ich verstehen, dass die Grafikprozessoren damit wahrscheinlich noch zu viel zu kämpfen hätten und vor allem auch die Developer schon wieder nach nur einem Jahr eine Auflösungsanpassung vornehmen müssten – man sieht ja beim iPhone, dass es teilweise anscheinend ein Jahr dauert, bis das mal umgesetzt wird und einige Apps laufen immer noch mit Prä-Retina-dpi. Für ein Lesegerät ist die Auflösung des iPad nur leider eben dennoch einen Tick zu pixelig, da darf man aufs iPad 3 hoffen. Interessant, wie immer bei neuen iOS-Geräten, ist, dass der Bildschirm sich glatter anfühlt, responsiver ist. Ich denke, das liegt wahrscheinlich daran, dass die oleophobische Beschichtung mit der Zeit im Gebrauch abnimmt und das Display sich «stumpfer» anfühlt. Apropros öl- und fettabweisend: Natürlich ist auch dieses iPad binnen weniger Minuten von Fingerabdrücken übersäht. Gar nicht anders denkbar. Dies ist die Sorte Gerät, die man eigentlich nicht mehr rhotographieren kann, sondern nur noch aus Renderings oder Photoshop-Montagen antiseptisch clean hervorkriegt.

Der Sound ist definitiv besser, alles andere wäre auch undenkbar gewesen, schlechter als das iPad1 ist ja kaum denkbar gewesen. Du hast natürlich kein Stereo (immer noch nicht) und von Bass darf gar keine Rede sein, aber man kann Musik tatsächlich wahrnehmen und einen Film sehen und dabei den Ton ohne Kopfhörer hören. Tatsächlich habe ich mich dabei erwischt, dass ich die Lautstärke reduziert habe. Am iPad – wie ungewohnt. Der Sound ist blechern und in voller Lautstärke etwas kratzelig, aber das hier ist ein echter Schritt nach vorn, der eigentlich nur umso deutlicher macht, dass man zwei Speaker bräuchte und zwar ideal einen weiteren oben am Gerät.

Gewicht und Größe sind natürlich wichtige Faktoren für diese Sorte eines mobilen Clientgerätes und das iPad2 legt hier einen soliden Unterschied hin. Einfach gesagt ist etwa die Dicke des jetzt geraden Seitenrahmens einfach verschwunden. Dünneres, aber härteres Glas und dünner Akkus haben den Formfaktor drastisch verjüngt. Auf Photos lässt sich das schwer darstellen, man muss beide Geräte mal in der Hand gehabt haben, das iPad 2 fasst sich einfach (noch) etwas weniger wie ein Stück Hardware an, fühlt sich noch mehr wie etwas an, das eigentlich gar kein Computer mehr sein kann. Durch die sanft abgerundeten Ecken liegt es ausgezeichnet in der hand, wenn auch der jetzt recht spitze Übergang zwischen Display und Aluminium etwas und schön an das Air erinnert. Wer im Bett lesend das iPad auf der Brust abstützt, hat es jetzt nicht mehr einen breiten Rand sondern mit einer eine zwar stumpfen, aber doch deutlich spürbaren und unangenehmen «Kante» zu tun. Da der reine Gewichtsunterschied nicht so drastisch ist wie die reduzierte Größe, fühlt sich das iPad2 ungewöhnlich kompakter an, weil mehr Gewicht auf weniger Fläche verteilt scheint. In der Praxis ist der Gewichtsunterschied von um die 10% kaum spürbar – es ist immer noch subjektiv um ein Drittel bis 50% zu schwer im Vergleich zu einem Buch, selbst einem Hardcover, um sich wirklich «angenehm» anzufühlen.

Das Upgrade läuft wie immer bei Apple – Backup und Neuaufspielen. Ich würde mir wirklich wünschen, dass dabei die Anordnung meiner Apps beibehalten wird. Da Apple es selbst mit iTunes nicht gerade zur reinen Freude macht, zig Applikationen zu sortieren, wäre es nicht zuviel verlangt, wenn diese bei der Migration auf ein neues Gerät dann dort auch wieder genau so vorzufinden wären. Gerade bei einem Gerät, dass sich auch an Einsteiger wendet – obwohl, tut es das wirklich? Ist das iPad nicht teilweise viel komplizierter als jeder Rechner? – ist es seltsam, wenn die Neueinrichtung in zwei Schritten (Wiederherstellung und Sync) stattfinden muss und der Nutzer dann App-Reihenfolge sowie nahezu alle Passworte für Mail, Applikationen, Web und so weiter wieder neu eingeben muss. Man hat den Nerv ja nur einmal im Jahr, idealerweise, aber es erscheint mir unlogisch. Wenn ich ein Gerät wiederherstelle in der Migration sollte es auch weitestgehend 1:1 gespiegelt werden. Die Passworte kann man noch unter «Sicherheit» verbuchen (wäre aber auch eleganter lösbar), für die App-Anordnung finde ich keinerlei logischen Grund. Wer hier viel mit App-Ordnern arbeitet – ich nicht so sehr, aber ich kenne einige Leute, die ihr ganzes System damit verwalten und nur einen einzigen Bildschirm mit Ordnern haben, in denen die Apps abgelegt sind – muss nach einem solchen Wechsel doch schier wahnsinnig werden. Zumal das Ordnen der Apps auf dem Gerät selbst ein Alptraum ist, es geht faktisch nur in iTunes und auch dort weitestgehend spaßfrei. Der Wechsel der SIM-Karte ist zwar etwas frickelig – der Tray ist in den abgerundeten Ecken etwas suboptimal verbaut und es braucht schon etwas Fingerspitzengefühl, um das wieder zusammenzuschieben – aber fast wider meiner Erwartung lief die Sim ohne neue Aktivierung durch O2 einfach bestens weiter, ohne Passworteingabe oder andere Provider-Mätzchen.

Die Software ist identisch mit der vom iPad1, mit Ausnahme der Tatsache, dass iMovie hier natürlich ohne Trickserei läuft und Factetime, das völlig sinnfreie Photobooth sowie Kamera-App dazugekommen sind. Interessant ist, dass die über X-Code zu aktivierenden Vierfinger-Gesten für das Schließen und Wechseln von Apps – die den Home-Button faktisch überflüssig machen – etwas satter und schneller laufen, am iPad 1 war das manchmal etwas ruckelig, hier ist es sanft und glatt, wie es sein sollte. Ich kann verstehen, warum Apple mit Rücksicht auf Einsteiger und App-Kompatibilität diese Gesten deaktiviert hat, aber ehrlich gesagt ist es ein Jammer. Das direkte Wischen zwischen Anwendungen ist unverzichtbar geworden und die Geste zum Schließen von Apps so natürlich, das eine ganz neue Freude an der Bedienung des Gerätes aufkommt, weil man nicht mehr immer den zunehmend dusseligen Button braucht, der nicht in den Flow des Arbeitens am Touchscreen passen will. Fehlt eigentlich nur noch eine Geste für eine Art Exposé, die alle offenen Anwendungen zeigt – das Hochziehen für die Taskbar ist ja nahe dran, aber Expose mit einer Art «Öffnen von Fünf Fingern»-Geste wäre grandios. Jeder, der ein iPad hat, muss sich eigentlich X-Code holen und diese Option nutzen, es wertet das Gerät ungemein auf. Nicht umsonst ist X-Code im MacAppStore ja bei den Bestsellern, so viele Entwickler kann es gar nicht geben ;.-). Facetime dürfte mittelfristig die Art, wie wir über Videotelefonie denken, revolutionieren. Es ist einfach, smart und dürfte in einigen Jahren zumindest bei Benutzern von Apple-Geräten allgegenwärtig sein. Die Sache hat allerdings einige Haken: Ohne 3G macht es die Sache noch sehr eingeschränkt Sinn, man fühlt sich ein wenig in die Zeiten von kabelgebundenen Telefonen zurückversetzt. Richtig genial wird es erst, wenn man von unterwegs auch Video-Abstimmungen machen kann. Auch die Anbindung an eine Apple-ID kann ein Problem sein – einerseits macht es Sinn, wenn ich angerufen werde, dass nun MacPro, Air, iPad und iPhone «klingeln», irgendwo könnte man mich ja erreichen. Andererseits kann ich aber nicht ohne weiteres von einem meiner Devices «nach Hause telefonieren», also von unterwegs ins Büro – jedenfalls nicht an den eigenen Rechner. Die fehlende Möglichkeit, mehrere Userprofile auf dem iPad verwalten zu können, wirft hier ihren Schatten voraus, bei einem Gerät, das so offenbar für gemeinsame Nutzung angelegt scheint. Andererseits will Apple natürlich ein Familiengerät, das nicht geteilt wird, sondern von möglichst vielen Mitgliedern individuell gekauft werden muss. Unschön ist auch, das bei einem Anruf vom iPhone das gesendete Bild des iP ungemein pixelig wirkt auf der viel zu großen 1024er-Fläche, die eine Bildauflösung bräuchte, die die meisten Datenverbindungen heute überfordert. Garageband ist eine der Applikationen, die von dem schnelleren Prozessor bereits spürbar profitiert, der Wartefaktor beim Wechsel von Instrumenten und selbst beim Start ist geringer und «Leistung optimieren» scheint einen Hauch seltener zu erscheinen. Spielt man nicht auf einer harten Oberfläche scheint mir auch die über den Bewegungssensor simulierte Anschlagsdynamik von Tasteninstrumenten zwar immer noch etwas unberechenbar, aber deutlich reaktiver und «echter» als vorher. Ich denke nicht, dass dies am neuen Gyroscope liegen wird, und vielleicht ist es auch nur Einbildung, aber da Garageband eine der besten App fürs iPad schlechthin ist, bin ich für jede Verbesserung der «User Experience» froh. iMovie ist ein weiteres kleines smartes Wunderwerk. Es hat zwar «nur» den Leistungsumfang der ja baugleichen iPhone-Software, bietet also keine Möglichkeiten, die Clips in Farbe, Tempo oder Ästhetik an sich zu verändern, profitiert aber ungemein von dem größeren Bildschirm und der präziseren Arbeit mit den Fingern. Es ist fast unfassbar, wie flüssig selbst 720p-Video, Übergänge, einfache Animationen und so weiter von dem kleinen A5-Prozessor bewältigt werden. Umso mehr fragt man sich allerdings, warum die gleiche Firma mit FinalCut eine so derart miese Videosoftware, die selbst auf Hochleistungsrechnern ohne Pre-Rendering kaum einen kurzen Clip meistert, auf dem Markt hat. Ich muss mehr und mehr sagen, ein FinalCut auf iMovie-Basis mit mehreren Spuren, Blend-Modi, professionellen Plugs, freier typographischer und graphischer Elemente-Anordnung und Animation (à la Keynote beispielsweite) würde mir mehr Spaß machen als das, was derzeit als Express oder Studioversion auf dem Markt ist. Als einfache kreative Lösung für Familienfest-Mitfilmer reicht iMovie allemal, und auch iMovie auf dem Mac hat ja durchaus dramatische Schwachstellen (Multitrack, Plug-In-Mangel) – eine beeindruckende Präsentation der Möglichkeiten des iPad ist es aber allemal, weil ein sehr flüssiges Arbeiten möglich ist und – ähnlich wie in Garageband – das Arbeiten ohne Maus überraschend natürlich und «richtig» scheint.

Das Fazit ist wahrscheinlich, dass das iPad einerseits – ungeachtet aller Hardwaredaten – aufgrund der einzigartigen Hardware/Softwarekombination auf absehbare Zeit völlig konkurrenzlos sein dürfte, nichts anderes kann sich bisher an diesem Standard messen und bis die anderen aufgeholt haben, dürfte Apple sich weiterentwickelt haben. Insofern bestand für die Firma vielleicht kein Anlass, sich beim iPad2 gegenüber den Samsung oder Google-Konkurrenten besonders anstrengen zu müssen. Die zweite Generation ist insofern ein irgendwie lässig wirkendes Upgrade, das ein bisschen mehr leistet, aber keineswegs «wichtig» wirkt. Apples smarte Salamitaktik von zeitlich berechenbaren inkrementellen technischen Upgrades, die alle paar Jahre mal von einem dramatischeren Facelift aufgerüttelt werden, bedeutet auch hier, dass iPad1-Besitzer keine schlaflosen Nächte haben müssen und getrost eine Generation überspringen könnten, wenn Kamera oder schmalere Bauweise nicht wichtige Argumente sind. Für die Benutzer, für die bereits das erste iPad zu einer Art ständigen Begleiter geworden ist, der als Buchersatz, als Browser, als Organisationstool, als Notizbuch, als Schreibmaschine und und und inzwischen in den verschiedensten Situationen immer dabei ist, lohnt sich das Upgrade sicher dennoch, weil sich die zweite Generation unterm Strich einen Hauch selbstverständlicher anfühlt, noch weniger «Gerät» ist, noch weniger Maschinencharakter hat. Geringere Wartezeiten und die fast surreal bleistiftschlanke Bauweise – ein normales Telefonmobilteil wirkt dagegen grobschlächtig – rücken das iPad ein Stückchen weiter der von Apple versprochenen «Magie» näher.

26. März 2011 17:29 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . Eine Antwort.

FR auf dem iPad

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Wer hätte das gedacht? Es gibt tatsächlich Hoffnung für eNewspaper auf dem iPad – in Form ausgerechnet der Frankfurter Rundschau. Während sich vor allem das große Wochenblatt Die Zeit mit einer eher extrem mäßigen Lösung präsentierte, die wenig mehr bot als man ohnehin an ePaper und Online-Texten bei der Zeit downloaden kann, präsentiert die FR eine Lösung, die sich für das Medium maßgeschneidert anfühlt. Eine elegante Bibliothek, verschiedene Lese-Modi im Hoch- und Querformat, sehr gelungener und für eine Tageszeitung fast magazinartiger Umgang mit Aufmachern, sogar die schwierigen kürzeren Mengentexte der Zeitung noch halbwegs elegant gelöst und dabei doch weitestgehend im Look der Marke FR – das macht spontan Freude, ebenso die an den iPad-Spiegel erinnernde Inhaltsverzeichnis- und Navigationslösung. Natürlich gibt es noch Raum für Verbesserungen, es fehlt etwa eine Volltextsuche, Lesezeichen, Markierungs- oder Notizwerkzeuge, sowie vielleicht Anbindung an SocialMedia-Tools, aber es muss ja auch noch Verbesserungsspielraum für kommende Updates geben. Auch das Texte mal komplett magazinartig abwärtsrollen, mal aber in scrollbaren kleinen Textboxen sind, ist etwas unlogisch, aber insgesamt ist die Aufbereitung der Inhalte, die zusätzlichen Diashows, Video, Verweise auf Onlineinhalte und die kleinen Zusatz-Info-Boxen eine großartige Umsetzung der Inhalte, die hier (wie etwa die Plassmann-Cartoons) sogar oft besser wirken als in der Printausgabe, weil ihnen mehr Raum zukommt und sie nicht in dem allzu engen Format der geschrumpften FR versumpfen. Und sich die Zeitung plötzlich wie ein gut gemachtes Magazin anfühlt. Gerade Publikationen wie Die Zeit oder Freitag, aber auch ein Magazin wie die Spex (musikkritik mit Soundbeispielen, das wärs doch) könnte ich mir in diesem Format wirklich sehr gut vorstellen. Ein besonderes Bonbon ist der Newsticker, der natürlich auch nur Online-Content anbietet, aber ein wirklich gefälliges Interface hat. Rundum fühlt sich die App vom Start weg rund und ausgereift an und macht einfach Spass.

Obwohl der Wechsel von Papier zu Pad, der hier stattfindet, an sich in seiner Geschwindigkeit auch etwas erschreckendes hat, habe ich bei der FR-Kiosk-App erstmals nicht mehr das Gefühl, eine abgespeckte Light-Kompromiss-Lösung in den Händen zu halten, sondern eine redaktionell gezielt umgestaltete und in diesem Prozess sogar bereicherte Version, selbst wenn die multimedialen Möglichkeiten nur rudimentär genutzt sind. Bleibt zu hoffen, dass app-basierte Zeitungen in Zukunft nicht als Abfallprodukt oder Nebengeschäft betrachtet werden, sondern in den Redaktionen als vollwertiges Medium mit eigenen Designstandards und eigener redaktioneller Aufarbeitung genutzt werden. Denn dann könnte uns eine Renaissance der Postprintmedien nicht nur als Phantasie, sondern als ganz greifbares ökonomisches Moment bevorstehen. Aber auch nur, wenn die Zeitungen selbst aufhören, sich kaputtzusanieren.

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Aufgeräumte Navigation nach Sparten


hd schellnackPrintlayout liebevoll umgesetzt

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Bilder des Tages als formatfüllende Diashow


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Inhaltsübersicht à la Spiegel-App


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Auch Glossen und Artikel ohne Bilder sind sauber umgesetzt, sogar mit typographischen Details


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Wo interaktive Inhalte Sinn machen, werden sie sparsam genutzt

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Schöner Bonus ist der sehr übersichtliche Newsticker der Online-Nachrichten.

24. September 2010 15:14 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Eine Antwort.

Writer for iPad

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Die Informations Architects legen eine einfache, in ihrer Reduktion etwas an Ommwriter erinnernde Textverarbeitungs-App für das iPad vor. Anders als das vor Features strotzende Pages ist Writer eine extrem reduzierte Software, die wenig mehr bietet als eine Tastatur und ein relativ schmales Textfenster. Nur eine Schriftart, keinerlei Formatierungsmöglichkeiten und ein entsprechend als einfaches .txt gespeichertes Dokument wirken auf den ersten Blick in der auch ansonsten eher spartanisch gestalteten Umgebung wenig vielversprechend. Dass es der Writer aber durchaus in sich hat, zeigen nicht nur Details wie die ständig sichtbare Textmenge und (geschätzte) Lesezeit (man ahnt hier, wofür iA den Writer eigentlich intern entwickelt haben könnten), sondern auch das erweiterte Keyboard und die nahtlose Dropbox-Integration. Die Tastaturergänzung macht endlich möglich, auch ohne Touchscreen zu bestimmten Stellen im Text zu springen, entweder um ganze Worte oder zeichenweise, außerdem lassen sich Klammern einfacher eingeben und Zeichen wie Gedankenstriche oder Doppelpunkt sind etwas näher gekommen. Unschön ist, dass die “-Taste leider nicht wie die eigentliche echte Tastatur von Apple bei längerem Gedrückthalten Zugriff auf anderen Anführungszeichen wie «» oder „“ gibt, sondern wirklich nur die (falschen) Zollzeichen liefert. Un ob ich wirklich ein Semikolon direkt zugreifbar habe, sei mal dahingestellt – die Coder dürfte es aber enorm freuen, denn als reiner txt-Editor dürfte sich Writer auch als fixer Editor nutzen lassen (dafür fehlt allerdings eigentlich noch eine FTP-Anbindung).

Da im reinen .txt gespeichert wird, ist Writer hochgradig kompatibel und eignet sich ideal, um etwa Blogtexte vorzuschreiben – egal, wo man danach ist, sie sind ja via Dropbox universal verfügbar und lassen sich in WP oder Ecto o.ä. in die finale Form bringen (ich warte ja immer noch auf Ecto fürs iPad, aber da selbst das MacOS-Ecto kaum weiterentwickelt wird, darf ich da wohl lange warten :-D). Das bewusst minimalistische Interface könnte im weiteren Verlauf sicher noch das ein oder andere Detail, vielleicht zumindest auch eine dezente Schriftauswahl (so schön die Monospace gewählt ist) brauchen, und wenn man schon am Keyboard herumdoktort, wäre es natürlich grandios gewesen, Umlaute ohne das nervige Tasten-Gedrückt-Halten verfügbar zu machen (nach wie vor DIE nervigste Sache an der iPad-Tastatur, die zumindet im Querformat entspannt mehr Zeichen unterbringen könnte), aber für eine 1.0er-Version ist der iA-Writer eine schöne, einfache Sache, um onthego schnell Texte festzuhalten und dabei etwas netter zu bedienen als Evernote (das ich bisher genau hierfür verwendet habe). Insofern Dank und Glückwunsch an die Kollegen von den information architects, die hier weiter den erfolgreichen Umzug vom Web zum Pad machen!

Update: Der Writer ist leider noch etwas buggy. Bei mir gibt es gelegentlich Probleme beim Wechsel von Horizontal zu Senkrecht, wenn der Umbruch sich nämlich nicht ändert und man plötzlich in einer viel zu langen Zeile schreibt. Die Lupe funktioniert nicht sauber, bei mir wird der Cursor nicht angezeigt. Und die Sondertasten über dem eigentlichen Keyboard sind stumm, was seltsamerweise enorm irritiert. Bemerkenswert positiv ist der superschnelle Start des Writer.

22. September 2010 11:17 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Keine Antwort.

Analogue Thinking

Auch wenn ich zum Mindmapping inzwischen Omnigraffle auf dem iPad verwende – obwohl das Programm nach wie vor recht buggy ist und wichtige Features fehlen -, ist es doch immer wieder überraschend, wie gut es funktioniert, mit mehreren Leuten einfach mit Zetteln auf einer großen Wand zu arbeiten. Was zu Recht zum etwas belächelten Workshop-Klischee geworden ist, die Arbeit mit Post-Its, funktioniert nach wie vor ausgezeichnet, wenn man eine Story zu entwickeln versucht. Ich kenne nach wie vor kein digitales Mittel, dass so quick and dirty, intuitiv und schnell ist wie die gelben Zettelchen, Ausdrucke, Transparentpapier und und und. Vielleicht, weil man schneller schreiben kann, einfacher verwirft, oder weil die größere Fläche und das haptische Manipulieren das Gehirn eben doch mehr anregen als Vektorboxen schieben, weil das tatsächliche Malen auch für einen Selbst die Visualisierung und Klärung von Gedanken erleichtert, die Ordnung und Inspiration schafft… – es geht wenig über das Malen und Kleben an einer großen Wand, wo man aus Alternativen und Möglichkeite und vielen What-Ifs eben doch schnell ein If-Then konzentrieren kann. Danach geht digital fast alles schneller und besser – festhalten, in Form klopfen, Mindmapping, Projektplanung und und und… aber bisher habe ich (und als bekennender Digitalfreak kann ich fast nur sagen: leider) immer noch keine Software gefunden, die Stift und Papier völlig ersetzt.

2. September 2010 01:08 Uhr. Kategorie Leben. Tag , , , . 2 Antworten.

Amplitube

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Amplitube von ik multimedia ist eine Art Gitarren-Komplettlösung für iPhone und iPad. Ähnlich wie das AmpKit von Peavey liefert Amplitube ein Emulation verschiedener Verstärker, die mit verschiedenen Boxencombos gefahren und sogar mit zwei verschiedenen Mikrophontypen abgenommen werden, sowie die Kombination von bis zu vier Fußpedalen aus insgesamt 11 Effekten von Verzerrung bis Delay (mit optionalem Beat-Sync). Die fünf Amps decken das übliche Spektrum von Fender über Marshall bis Mesa ab und die Simulation ist überraschend gut gelungen – der Federhall des Fender klingt fast genauso miserabel-legendär wie im Original. Die Stompboxes sind berühmten Vorbildern nachempfunden, der Overdrive ist etwa eindeutig von Ibanez, ansprechend im Retrolook gestaltet und klingen ohne Amp fast besser und sauberer als mit Verstärker-Emulation dahinter. Zusätzlich bietet Amplitube einen Tuner, ein Metronom, die Möglichkeit, zu bestehenden Songs zu spielen und Presets ohne Ende, um eigene Effektkombinationen zu speichern. Um den Gitarrensound ins iPhone oder Pad zu kriegen, braucht man das iRig, das das Signal des Kopfhörerausgangs/Mikroeingangs splittet und ein verstärktest Gitarrensignal einspeist, während aus dem Ausgang sauberst der digital bearbeitet Gitarrensound kommt. Das iRig schlägt mit 30 Euro zu Buche, die vollausgestatteten Apps mit jeweils etwa 16 Euro, leider ist Amplitube keine Universal App, so dass für Pad und Phone jeweils bezahlt werden muss. Man kann auf dem Pad aber auch die iPhone-Version laufen lassen, der Sound und die Anzahl von Effekten/Amps ist absolut identisch, nur der Bildschirm wirkt aufgeräumter und man kann schneller gleichzeitig auf alle Fußpedale und den Amp zugreifen.

Puristen werden Amplitube fürs iPhone genauso hassen wie alle anderen digitalen Emulationen analoger Effektgeräte – und sicherlich zu Recht. Auf der Plus-Seite ist es phantastisch, einfach die Gibson an sein Telefon zu hängen und losspielen zu können, sich dabei frei bewegen zu können, oder im Bett zu liegen, ohne an ein großes Effektgerät-Bodenpedalset gebunden zu sein. Das freie Herumspielen mit Amps, Sounds, Effekten ist völlig intuitiv und bedarf keinerlei Einarbeitung, so dass man unmittelbar loslegen und Spaß haben kann, der – etwa bei dem über die Neigung des Phones gesteuerten Wahwah – auch schnell aufkommt.

Getrübt wird der Eindruck von dem aus meiner Sicht mitunter – verglichen mit meinem Zoom-GFX8-Bodenpedal (das zugegebenerweise auch einen Tick teurer ist) – ziemlich muffeligen Gesamtklang, der weder in Bass noch Höhen so richtig überzeugen kann. Ohne die Amp-Simulation wird es deutlich besser, auch das Rauschen reduziert sich etwas. So seltsam es klingt, einen Hauch weniger Authentizität hätte ich mir hier optional gewünscht. Während der mittenlastige Gitarrensound im Mix oder in einer Bühnensituation sicherlich goldrichtig ist und gerade bei den vielen Rock- und Metalamps starke Bässe und Höhen eher deplaciert wären, wäre es unter Kopfhörern sicherlich auch schön gewesen, einen möglichst breiten, fetten Sound zu haben, der weniger «live» klingt und mehr Druck hat.

Womit wir beim zweiten, vielleicht subjektiven Problem sind. Unter Kopfhörern fällt extrem auf, wie monophon die Effekte sind. Es gibt ein winziges bisschen Raum-Ambience, aber das wars. Chorus, Flanger, Delay – alles Mono. Was ebenfalls natürlich im Kontext einer Bandeinspielung sehr richtig ist – Gitarre ist ja nun mal eher ein Mono-Instrument – aber beim Üben oder Komponieren schnell eher den Spaß verdirbt, weil eine einzelne Gitarre einfach sehr viel schöner, weicher, spannender klingt, wenn man mit Stereochorus und einem Cross-Delay spannende Raumeffekte hinkriegt und alles einfach etwas satter, dreidimensionaler klingt. So wie Nanostudio selbst aus an sich recht mageren Analog- oder FM-Synthsounds mit etwas X-Delay und spannenden Flanger/Chorus-Effekten verblüffende Lebendigkeit erzeugt, könnte Amplitube mit an sich wenig Aufwand (sowohl iPhone als auch Pad sind absolut in der Lage, prozessorseitig auch aufwendige Stereoeffekte ohne Latenzprobleme abzuliefern) hier nochmal richtig an Spaßfaktor und Nutzwert gewinnen. So wie es jetzt ist, wird der etwas flache und «enge» Sound nach einer Weile etwas langweilig und man greift doch wieder zum Zoom, weil die Bedienung zwar viel komplizierter und spaßfreier ist, die Sounds am Ende aber räumlich viel überzeugender und satter wirken. Und das müsste nicht sein – das iPad dürfte mehr Prozessorleistung haben als das GFX-8, vom iPhone 4 ganz zu schweigen (das ja noch einmal mehr Arbeitsspeicher mitbringt).

Ebenso wünschenswert wären vielleicht komplexere Effekte, wie sauberes Pitchshifting, Ringmodulation, ein eigener und besserer Hall, Harmonizer und unbedingt ein guter Compressor, der hier leider komplett fehlt – es gibt nur ein recht maues Noise Gate. Der Ansatz, sich nur auf monophone Stompboxes zu beschränken und sozusagen absolut «retro» zu sein, macht bei einer 1.0-Version Sinn, aber auf Dauer wäre es phantastisch, mehr der Möglichkeiten der Desktop-Fassung von Amplitube3 auch mobil zu erleben. Es müssen gar nicht so viele Amps und Effekte sein, aber der Schritt von reiner Stompbox zu Studioeffekten wäre grandios. Niemand kann erwarten, dass man die Power der Desktop-Version für 15 Euro mobil liefert, aber ein satterer Stereosound wäre wirklich deutlich befriedigender.

Und wenn wir bei Wünschen sind, wäre entweder ein einfaches Phrase-Sampling zum «Einfrieren» von Gitarrenläufen, zu denen man dann live weiterspielen kann, grandios. Noch besser wäre sogar eine einfache 4-Spur-Aufnahmemöglichkeit, wie sie andere Apps ja bereits preiswert (aber eben separat) anbieten, um sozusagen live ein kleines Gitarrenensemble aufzubauen. Für schnelle Notizen und etwas Spaß unterwegs wäre das natürlich großartig.

Kurzum, Amplitube ist ein grandioser Schritt in die richtige Richtung und vor allem auf dem iPhone ein Riesenspaß – ein solches Fußpedalarsenal in der Hosentasche zu haben ist die 15 Euro immer und unbedingt wert -, hat aber noch ein riesiges Potential, ausgebaut zu werden. Mit Blick auf die Power des großen Amplitube3-Bruders darf man hoffen, dass IK Multimedia nach und nach mehr Möglichkeiten nachliefert (z.B. als In-App-Kauf) und aus Amplitube ein echtes Arbeitstier macht. Aber selbst die 1.0er Version macht deutlich, dass hier das musikalische Gegenstück zur Hipstamatic-Kamera an Potential und Erweiterungsmöglichkeiten schlummert. Man darf gespannt sein, ob am Ende Ampkit von Peavey oder Amplitube das Rennen machen und sich fragen, warum Roland/Boss diese Chance offenbar komplett verschlafen…

23. Juli 2010 10:00 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Keine Antwort.

Nanostudio ist da

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Die erste digitale Musikstation fürs iPhone (leider nichts für das iPad) ist da. Nanostudio kombiniert vier extrem editierbare polyphone Synths, eine Drummachine, einen Sequenzer, eine Mixing-Einheit, Effekte zu einer Art abgespeckten Cubase/Logic, komplett mit Patternediting und Pianoroll, mehreren Bus-Effektsektionen, Delay, Flanger, Chorus, Distortion, Touchpads für Cutoffs und LFO und und und zu einer kompakten Package, mit der man aus meiner Sicht erstmals halbwegs realistisch und ohne esoterische Interface-Tricksereien arbeiten kann. Die 128 Werksounds machen bereits klar, dass der Synth sehr mächtig ist für ein Telefon, die Editiermöglichkeiten wollen schier gar nicht abreißen, man wünscht sich im Grunde nur noch eine gute externe Tastatur (wie das Akai 25 oder ION, nur mit mehr Tasten und kleiner). Selbst Akais bereits sehr vielversprechende Synthstation sieht gegen Nanostudio mehr als alt aus, aus den vier Eden-Synths, die von analogen Sounds über FM-Synthese bis hin zu durch Filter geprügelte Samples eigentlich alles zulassen, was man sich wünschen kann und sehr umfangreiche Hüllkurven-Soundmodifikationen zulassen und obendrein auch noch einzeln komplett eigene und sehr gute Effekte zulassen. Die Drumsektion ermöglicht eigene Samples und auch hier einfaches Editieren der Sounds, sowie drei Bus-Effekte, die einzelnen Pads einfach zugeordnet werden können. Pragmatisch sehr gut bedienbar, ist das Nanostudio deutlich mehr als nur eine einfach «Scribble»-Möglichkeit für musikalische Ideen, sondern eingeschränkt tatsächlich in der Lage, ganze Songs abzuliefern. Die Einschränkungen sind dabei gegenüber der erdrückenden Optionenvielfalt von Programmen wie Logic fast wohltuend – es ist fast wie einfaches Vierspurrecording mit einer Drummachine und ein paar einfachen Synths, mit denen man schnell und dreckig seine Songs machen kann. Das die App dabei durchaus sehr komplexe Ergebnisse zulässt und man spielerisch und einfach an ganz eigene Sounds kommt, Nanostudio zum Experimentieren also förmlich einlädt, ist ein Bonus. Da es Nanostudio im Betastadium auch als Mac/Win-Desktop-Applikation gibt und Nanosync einen Austausch von Samples und Mixdowns gibt, kommen wir spürbar Schritt für Schritt der Phase näher, wo Apples Mobilgeräte echte Musikoptionen werden. Was noch fehlt ist eine Art MIDI, eine Zusammenkopplung mehrere Apps im Multitasking, ein Dateistandard für Austausch und Weitereditierung mit Desktop-Apps und so weiter. Aber es scheint fast nur noch eine Zeitfrage zu sein, bis es Ableton, Reason, Garageband und Co auch für iPhone oder besser iPad geben wird. Bis dahin ist Nanostudio für 12 Euro aber mehr als eine gute Möglichkeit, unterwegs etwas Musik zu produzieren – die Musikapps verlassen hier erstmals absolut greifbar das «Spielzeug»-Flair. Der einzig offene Wunsch ist eigentlich, dass Blipinteractive das Ganze möglichst schnell fürs iPad umstrukturieren, damit man mehr Tastatur hat und in dem etwas frickeligen Sequencer-Editiorfenster besser arbeiten kann. Ansonsten eine reife Leistung, die wieder zeigt, dass am iPhone weniger das Gerät an sich entscheidend ist, sondern die Kreativität der App-Entwickler.

22. Juli 2010 10:59 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Keine Antwort.

OS4 – wirklich die Zukunft?

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Eins kann man sagen: Apple arbeitet wie ein Schweizer Uhrwerk. Pünktlich nach einem Jahr wird das neue Betriebssystem des iPhone vorgestellt, im Sommer dürfte dann die Hardware dazu folgen und das Update erscheinen, mehr oder minder auch ein Jahr nach dem iPhone 3Gs. Große Überraschungen dürfte es heute abend nicht geben – das längst überfällige Multitasking, kleine OS-Kosmetik, vielleicht ein Happen mehr Bluetooth, iAd finde ich persönlich eher einen Schritt in die falsche Richtung… und Benutzer von jailbroken iphones werden wieder den Kopf schütteln, warum wie «normalen» User sich diese Politik bieten lassen, wenn die entfesselten Versionen des iPhone mit dem Cydia-Store längst deutlich mehr Funktionalität bieten.

Es wird in letzter Zeit recht erkennbar, dass Apple sich wie Quark und Adobe derzeit verrennt. Davon können auch explodierende Aktienkurse und Umsatzzahlen nicht ablenken. Apple entwickelt mit dem iPad und dem iPhone ein geschlossenes System, das sogar mit sich selbst zunehmend inkompatibel wird und das den User gängelt und einengt – und das hat noch keiner Firma langfristig gutgetan. Bluray, HDMI an den Desktopgeräten und Laptops wegzulassen sind solche Entscheidungen, aber auch und drastischer die operative Entfernung aller Flash-Inhalte aus dem Web via iPhone/Pad oder die restriktive AppStore-Politik, die zum Beispiel alternative Videoplayer wie VLC untersagt. Was fürs iPhone gerade eben noch akzeptabel war, auf dem iPad aber gar nicht mehr. Ich denke, die Wahrscheinlichkeit, dass mehr Leute das iPad jailbreaken, dürfte groß sein, denn auf dieser Plattform sind die Handschellen, die Apple den Usern verpasst, wahrscheinlich deutlich stärker spürbar. Allein das Sync via iTunes klingt sinnlos, es gibt keinen Finder, es braucht dringend eine Möglichkeit, AVI und MPG usw abzuspielen… da dürfte sehr schnell sehr viel passieren, es sei denn Apple reagiert und öffnet sich den Wünschen der User.

Tatsache ist ja, dass es in Cydia mit Lockinfo einen Startbildschirm gibt, auf den reguläre User schon eine Weile warten, Multitasking ist längst gegeben, einfach An- und Abschalten von BT ebenfalls. Die Hacker, mit anderen Worten, und die Bastler, sind weiter als Apple selbst. Solche Inkongruenz geht eine Weile gut, zumal Apple ja alles tut, um den Jailbreak kompliziert zu machen und der Apple-User als solcher ja nicht unbedingt der Hacker-Typus ist. Aber langfristig, je mehr das iPhone zum Alltagsgegenstand wird, werden die Benutzer mehr wollen als was Apple ihnen tröpfchenweise einmal im Jahr anbietet. Der große Vorteil der Windows-Plattform ist lange Zeit der modulare, relativ offene Charakter gewesen – Windows an sich war Dreck, aber man konnte es recht gut modifizieren. Apple hingegen setzt auf eine Strategie, die ein extrem unkompliziertes aber dafür auch völlig unmodifizierbares Blackbox-System anbietet, das inzwischen weniger und weniger am Verbraucher orientiert ist sondern an anderen Interessen von Apple, an Kooperationen, am iTunes-Absatz, an persönlichen Animositäten mit anderen Firmen. Solche aus der Arroganz des Erfolgs geborenen Monopolstrategien gehen nur solange gut, wie keinerlei Konkurrenz in Sicht ist – und man hat gesehen, wie es Quark erging, als InDesign aufkam, und man sieht, wie es derzeit Adobe ergeht, die ähnlich erstarrt sind wie Quark vor ihnen.

Denn es wimmelt ja rund um das iPhone von Dingen, die die meisten normalen User irgendwann nicht mehr mitmachen dürften. Warum kann ich mit dem iPhone/Pad keine Flash-Websites besuchen, aber auch kein WMV, AVI, MPG usw. abspielen? Warum passt der VGA-iPad-Adapter nicht an das iPhone? Warum kann ich mit dem iPad nicht via iPhone online gehen? Warum kann ich Tracks auf dem iPhone nicht mit jedem beliebigen iTunes abspielen? Warum synct iTunes Playlisten auf verschiedenen Geräten nicht via WLAN und 3G? Und so weiter – die Liste ist lang.

Wenn wir heute Abend also einen «Blick in die Zukunft des iPhone OS» werfen, ist paradoxerweise das Gegenteil der Fall. Apple wird noch mehr aus einer Hand anzubieten versuchen und eine Monopolkonfiguration als Anbieter von Hardware, Software und Mediencontent aus einer Hand anstreben – jetzt auch noch als Werbeplattform mit iAd. Die Zukunft des iPhone wird aber sein, dass sich mehr und mehr Entwickler von den absurden Vorgaben im AppStore abwenden und auf eine offene Plattform setzen, sei es ein jailbroken OS, sei es Android. Die meisten Windows-User haben von den Vorteilen des geschlossenen Apple-Systems ohnehin wenig (wie viel weniger Spaß macht das iPhone schon ohne mobile.me, oder ohne zwei drei andere Macs, mit denen es kommunizieren kann? Im Grunde nimmt das iPhone ja das Internet der Dinge vorweg) und werden irgendwann entweder ganz die Plattform wechseln oder nach Lösungen suchen, um ihre avi-Filmchen auch mobil sehen zu können, ohne sie alle nach h.264 konvertieren zu müssen.

Tatsächlich hat mit Einführung des iPad ein Countdown begonnen, ein Shift gegen Apple – die Firma bedient langsam aber sicher nicht mehr einen kleinen Pool von Nerds, sondern eine große Massenzielgruppe, wenn auch (noch) im Highend-Segment. Kein BMW-Fahrer würde es sich bieten lassen, wenn in seinem 5er NUR das BMW-Navigationssystem laufen dürfe und ein TomTom-System einfach verboten wäre. Kein Bulthaup-Küchen-Nutzer würde sich von Bulthaup vorschreiben lassen, welche Messer er benutzen darf, oder welche Gewürze und Nudeln. Auch Fair-Play-Töpfe, die als einzige auf einem Siemens-Herd funktionieren, während alle anderen Töpfe leider nicht angenommen werden und die Herdplatten kalt bleiben, wären undenkbar, ebenso die Idee, dass ein Siemens-Mitarbeiter zu dir nach Hause kommt und deine Mikrowelle demontiert, weil sie leider die Funktionalität des Backofen «doppelt». Aber genau so funktioniert die derzeitige Apple-Politik.

Mit «Zukunft» hat das wenig zu tun. Ganz im Gegenteil, es ist Oligarchentum der übelsten Schule, und damit eher die Vergangenheit. Bleibt zu hoffen, dass Apple möglichst bald die Strategie ändert und sich offenere Strukturen verleiht, raus aus der paranoiden, altrussischen Verbohrtheit kommt und dem Nutzer mehr Macht gibt. Ansonsten kann es mit der Firma schneller vorbei sein, als man heute glauben mag. Es wäre ja schon einmal fast in den 90ern passiert.

8. April 2010 08:17 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . 8 Antworten.

Der Spiegel und das iPad

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Wer bei Spiegel Online über das iPad liest, wundert sich, denn es wimmelt dort nur so von Superlativen, die Apples neuem Gadget eine fast atemlos orgiastische Liebeserklärung hinlegen, die so gar nicht zu früheren eher Apple-kritischen Artikeln des Hamburger Blattes, das ja eher für seinen unbestechlichen Journalismus bekannt sein möchte, klingen.

Einige Beispiele:
besser, schöner, atemberaubender
nach wenigen Minuten will man ohne es nicht mehr leben  
Nirwana
Wunderapparat
auf Anhieb eine Revolution, eine Zeitenwende
sanfte, matt-metallene Rückfläche
Eleganz der schwarzen Hardware
großzügige Layout
enorm viel schneller
Websites öffnen sich in Sekunden
nach zwölf Stunden gerade mal etwas mehr als die Hälfte der Batterie verbraucht
rasante Prozessor-Geschwindigkeit
phantastische High-Resolution-Display
Bildqualität, an die kein iPhone, kein MacBook und auch kein großer Mac herankommt
spektakulärste iPad-App ist iBooks
strahlender, heller, realer
Fotos erscheinen auf dem iPad so klar und plastisch wie rückbeleuchtete Dias
Das iPad könnte nun seine neue Hoffnung sein

Auch wenn es hier und da leicht kritische Untertöne gibt – jeweils sofort korrigiert durch einen rosigen Blick in die Zukunft -, liest der Artikel sich alles in allem so, als habe ihn ein Apple-Marketing-Team persönlich zusammengeschrieben. Selbst dezidierte Apple-Nerd-Sites wie Engadget oder TUAW kriegen das mit mehr Distanz und Fingerspitzengefühl hin und können dem iPad deutlich kritischer und differenzierter begegnen als ausgerechnet der Spiegel und lassen es zum Beispiel im Vergleich mit dem Kindle nicht ungeschoren oder geben sich wenigstens die Mühe, technische Daten – die Apple selbst nicht liefert – herauszufinden. Und im Gegensatz zum Spiegel weisen die meisten Sites darauf hin, dass das 4:3-Display des iPad eben alles andere als ideal für Filme ist, und wo der Spiegel die Gewissheit hernimmt, dass ein HD-Film auf einem 1024×768-Display besser wirken will als auf, sagen wir, einem 27″-iMac-Display, ist mir ein Rätsel. Bei aller allgemeinen Begeisterung über das neue Spielzeug, gibt es reichlich kritische Kommentare zu dem Fehlen von Flash, Multitasking und Kamera, zu der Unhandlichkeit des Geräts beim Schreiben, zum Gewicht, zu mangelnden Output-Optionen, zu der Tatsache, dass Apple jede Menge Adapter überteuert einzeln verkauft und so weiter… Wie kommt es also, dass ausgerechnet der Spiegel so hüperhüper ist?

Und dann schaut man auf die deutsche Apple.de-Site und findet dort die Antwort: auf dem iPad direkt auf der Hersteller-Site ist als ein premium-Inhalt der iPad eben Spiegel Online gefeatured, denn der Spiegel ist in Deutschland ein essentieller Mediapartner von Apple, verkauft seine App auf der iPhone/iPad-Plattform und hofft, hier einen Contentvertrieb für seine diversen Inhalte gefunden zu haben. Im Grunde ist dieser Kniff von Apple genial – wie sollen WallStreetJournal, NYT, Spiegel, Bild usw. diesem Produkt noch kritisch gegenüberstehen, wenn der Hersteller zugleich ein absolut essentieller Vertriebspartner geworden ist, mit dem man eine strategische Partnerschaft eingegangen ist und der es wie kein zweiter versteht, Partner gegeneinander auszuspielen? Wen wundert es da noch, dass das Time-Magazine Jobs gleich auf das Cover holt und dem iPad nicht nur einen weiten Bereich des Heftes widmet, sondern auch noch Apple per se feiert?

Keine Frage, Apple hat es binnen einer Dekade geschafft, vom fast untergegangenen Unternehmen zur globalen Megabrand zu werden und ist gerade im Begriff, die allgemeine Vorstellung von Computernutzung neu zu definieren – aber gerade große Marken wie Nike, McDonalds, Google oder eben Apple brauchen einen ebenso kritischen Journalismus, der die Markenpolitik beobachtet, korrigiert und erdet. Die gar nicht mehr so leise Arroganz von Apple im Verhältnis zu BluRay, HDMI, Adobe, Google oder Amazon ist in den letzten beiden Jahren, oft zum Nachteil der Benutzer, sehr deutlich geworden, und wenn die Marke derzeit eins gar nicht braucht, dann Ticker-Tape-Paraden und teenagerhaftes Jubelgekreische, sondern einen kritischen Blick auf die oft solipsistische Firmenpolitik, auf die bei aller großartigen Innovation oft leidende Qualität im Detail, auf die monopolistischen Strategien der Marke. Anders gesagt: Das Jubeln darf den Apple-Fans überlassen werden, die Presse sollte kritische Distanz wahren. Denn wenn es anfängt, umgekehrt zu werden, muss Apple sich eigentlich eher Sorgen machen.

4. April 2010 14:09 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , . 3 Antworten.

Typographie und iPad

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Einer der traurigen Aspekte des iPads – und aller eBook-Readers – ist, dass die Typographie von den Händen des Gestalters in die des Users überwechselt, und die des Hardware-Herstellers, in dessen System eben nicht Sabons und Bembos, sondern Verdana, Arial, Times und bestenfalls Georgia angeboten werden. Nimmt man dazu falsche Kapitälchen, Blocksatz und einen fluiden Umbruch, der den Text den jeweiligen Bildschirmbedingungen anpasst, ist das Ergebnis ein typographischer Alptraum. Gerade als Leser amerikanischer Bücher ist man ja nicht allzu verwöhnt, und viele neue Bücher aus Deutschland haben teilweise auch einen Blocksatz und Umbruch aus der Hölle, aber die «Bücher» auf dem iPad ähneln eher schlecht gestalteten Homepages aus den frühen 90ern. Ich hoffe, dass es bald Möglichkeiten geben wird, in eBooks verbindliche Schriften einzubingen und typographische Opentype-Features zu nutzen. Denn so, wie das auf Apples Preview-Video aussieht, ist das bestenfalls eine Kompromisslösung, nichts, was mir beim Lesen Spaß bereiten würde.

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30. März 2010 14:40 Uhr. Kategorie Design, Technik. Tag , , . 3 Antworten.

ComicZeal auf dem iPad

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Bitolithic, die Macher der genialen iPhone-App ComicZeal (dem besten Comicreader bisher) preschen vor und haben ComicZeal bereits für das iPad umgebaut, ohne das Gerät tatsächlich in den Händen zu halten. Sie stellen es auf ihren Blog vor – und es sieht absolut phantastisch aus. Ich denke mehr noch als Magazine und Zeitungen oder Bücher werden Comics auf dem iPad einfach Spaß machen, und dieser Preview zeigt, wie sinnvoll ein iPhone mit Mehr Bildschirm einfach sein kann. Vorbildlich scheint mir, dass es so klingt, als würde bei Bitolithic langfristig ComicZeal für iPad und iPhone als eine Applikation für beide Geräte verkaufen. Da ich die Idee nicht besonders mag, mit dem iPad für alle Applikationen in Zukunft doppelt zu bezahlen, finde ich diesen Ansatz einer kombinierten App wegweisend.

26. März 2010 12:08 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , . 2 Antworten.

Swanko Lab

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Die Macher der inzwischen ja hochgradig phantastischen Hipstamatic-App für das iphone haben etwas neues ausgeheckt: Swankolab. So wie die Hipsta eine alte Kamera emuliert, ahmt Swankolab offenbar eine komplette virtuelle Dunkelkammer nach, komplett mit Chemikalien, Timer und allen anderen Details. Dabei dürften am Ende wahrscheinlich auch nicht andere Effekte herumkommen als mit normaleren Filtern, das bearbeiten dürfte aber – eben analog zum Feeling der Hipstamatic – einen spielerischen Aspekt bekommen. Aussehen tut das Ganze jedenfalls absolut phantastisch, erscheinen soll es im April – ich bin gespannt. Immerhin mal jemand, der nicht wegen des iPad nahezu jede Weiterentwicklung für das iPhone auf Eis legt, sondern mit einer großartigen neuen Idee kommt. Ich kann alle Leute verstehen, die das «echte Analoge» für unersetzbar halten, aber so wie ich auch Emulationen alter Drummachines und Synthesizer im Westentaschenformat mag, so ist auch diese Idee ausgesprochen witzig.

10:47 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , . Keine Antwort.

Hello Spaceboy…

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Immerhin ist Print noch nicht tot – das fast mythenumwobene neue iPad-Produkt von Apple zwischen iPhone und Laptop ist in der ersten Generation noch nicht so ausgereift, dass die Buchhändler sich die ganz großen Sorgen machen müssen. Ein hintergrundbeleuchteter Bildschirm, noch dazu spiegelglänzend, ist alles andere als lesefreundlich – was für Websites und Comics vielleicht gerade noch geht ist beim Lesen von, sagen wir, Infinite Jest, sicher eine Qual für die Augen. Wer längere Zeit im Dunkeln versucht hat, mit Stanza zu lesen, weiß, wie sehr die Augen hinterher sirren – selbst wenn man den Bildschirm schwarz und die Typo weiß macht, was Apple in dem Versuch, das Buchfeeling zu imitieren unergonomischerweise nicht getan hat. Was bei einem an sich als Smartphone deklarierten Gerät okay ist, ist bei einem selbsternannten Kindle-Killer ziemlich entnervend – ein matter Bildschirm und ein deutlich sanfteres Licht in einer Art Lese-Modus wären nötig gewesen. Erst, wenn der iPad  wie ein Buch aussieht und sich auch mehr danach anfühlt, wird er (es?) den ganz großen Erfolg haben… und ich bin auch recht sicher, dass es nicht angenehm ist, ein rigides Stück Metall in der Badewanne in der Hand zu haben oder im Bett. eBook wird auf jeden Fall durch den iBookstore einen großen Boost erfahren, aber noch ist der Sprung nicht so, wie man es nach Apples Ankündigungen vielleicht befürchten durfte.

Denn auch ansonsten ist das iPad sehr deutlich eine 1.0-Version. Keine Kamera, keine Front-iSight-Video, kein USB, kein Flash, kein Multitasking, das für Europäer denkbar miese Tastatur-Layout, der eher etwas albern wirkende Versuch, die Logik des iPhone 1:1 auf ein viermal so großes Display zu übertragen, indem man den Leerraum zwischen Apps ändert, die etwas klobige 4:3-Optik mit dem riesigen Bildschirmrand, und der fehlende Schritt hin zu «echten» Programmen und eben dem normalen OS X, sind deutliche Minuspunkte, und es gibt sicherlich noch mehr (wie etwa die Tatsache, dass das Tastatur-Dock scheinbar nur hochkant funktioniert, die Apps aber teilweise quergedreht besser funktionieren, etwas Mail), wobei die Kamera das wohl ausschlaggebendste ist und Apple scheint dies auch zu wissen – warum sonst einen unschönen Adapter zum Anschließen von Cardreadern anbieten (und vor allem: wieso nicht wenigstens einen USB/SD-Slot einbauen, Platz wäre doch gewesen). Anscheinend ging es hier darum, einerseits dem iPhone noch einen relevanten Vorteil zu belassen sowie den Preis und das Gewicht niedrig zu halten, anders ist auch die Trennung zwischen Geräten mit 3G und ohne 3G-Hardware nicht zu erklären. Dazu kommen die (noch) fehlenden passenden Apps zum Format – iphone-APplikationen dürften sich, von 480 auf 1024 hochskaliert, etwas albern anfühlen. Der iPad wirkt also bis zu einem gewissen Grade ebenso unausgereift, wie das iPhone erster Generation, bis hin zum Aluminium-Rücken. Derzeit ist es mehr eine Art gewachsener iPod-Touch, was trotzdem sicher für einige Millionen verkaufte Geräte reichen dürfte.

Aber man weiß ja, wie das iPhone sich entwickelt hat, insofern sollte klar sein, wie der iPad sich entwickeln dürfte. in 12 bis 18 Monaten wird sich viel getan haben: OS 4.0 fürs iPhone dürfte Multitasking und eventuell ein überarbeitetes UI für Pad und Phone bringen, und der iPad 2 wird sehr wahrscheinlich auch Features wie Kamera, Video usw. mitbringen. Und mich würde wundern, wenn Apple nach der vehementen Kritik an den Glossy-Bildschirmen bei MacBook und iMac nicht längst an einer Methode arbeitet, um die gleiche nahtlose, kratzfeste und oberflächenbeschichtete Art von Bildschirm auch unreflektiv anzubieten.

Wichtig ist vor allem, dass Apple selbst begreift, mit dem iPad keinen aufgeblasenen iPhone-Bruder auf den Markt bringen zu können, sondern ein komplett neues Produkt, das ein anderes Interface und eine eigene Logik braucht. Eine Tastatur, bei der man Umlaute geduldig aufklappen muss, mag am «Handy» okay sein, nicht bei einer Art Miniatur-Laptop, das mit einer eigenen vollen Textverarbeitung reüssieren will.  Es ist fast überraschend, vielleicht nur normal nach all dem Hype, wie unausgereift das Interface in vieler Hinsicht noch wirkt. Man kann nur hoffen, das OS 4 hier Verbesserungen bringt, denn richtig ernsthaft eMails schreiben wird man mit der Tastatur auf keinen Fall können, da sind Umlaute und Zahlen einfach wichtig – und es sollte vom Platz her bei 9,7 auch denkbar sein, diese unterzubringen.

Dennoch darf man sich natürlich nichts vormachen – gestern hat Steve Jobs, der selbst das Zeitalter des «Personal Computers» mit eingeläutet hat, dieses auch beendet. Die Idee vom Computer auf dem Schreibtisch, wie wir sie kennen, ist eigentlich schon mit dem iPhone gestorben, und das Pad ist der nächste logische Schritt – weg von offenen, noch relativ user-kontrollierten Systemen, hin zu einer Art glorifizierten Videorekorder, der einfach zu bedienen, fast unerlässlich praktisch und hochelegant ist, aber ein im höchsten Maße kontrolliertes und geschlossenes System, eine BlackBox, bei der es unter der Oberfläche mehr darum geht, dass damit bestimmte Produkte konsumiert werden. Filme, Fernsehen, Musik, Bücher, Spiele, Applikationen – an denen Apple natürlich jeweils mitverdient. Wer weiß, in welchem Maße bereits das iPhone oft den Gang zum Rechner überflüssig macht – oder diesen auch vervollständigt und neue Programme sinnhaft macht, die ohne eine mobile Lösung nie existieren würden – kann sich bereits heute denken, wie ein iPad in 2 oder 3 Jahren das «Computing» ändern wird. Bereits mit dem iPhone sind uns fast unterschwellig zwei große Revolutionen nahegebracht worden: Unmittelbarere Interface-Interaktion per Berührung statt per Eingabehardware (und wer Apples Patente kennt, weiß, dass sich hier noch einiges tun wird) und die Idee des «Always on», der Tatsache, dass man nicht mehr ins Internet «geht», weil man ja ohnehin schon immer drin ist, dass Notizen, Daten, Applikationen, jederzeit ohne nennenswerte Wartezeit und ohne Browser aus der «Wolke» kommen. In Sachen Multitouch hat das iPad nach vielen Gerüchten seltsamerweise nichts neues geliefert – in Sachen Cloudcomputing wird es aber sicher einen Meilenstein darstellen.

Denn bereits in der ersten Generation braucht man kaum Phantasie, um sich vorzustellen, wie grandios das iPad für Meetings ist, wo man durch PDF und JPG gemeinsam Entwürfe oder Bilder abgleichen kann wie auf Papier, wo man Präsentationen hält, Notizen festhält. Leider keine Photos, leider anscheinend kein WLAN-Beamer-Anschluss, alles noch sehr rudimentär, aber die Idee ist im Raum. Auch im Bereich Logistik, Bildung, Medizin, Pflege – also Bereichen, die sehr weit weg sind von dem, was Apple gestern gezeigt hat – dürfte das Pad oder die sicher zahlreich kommenden Klone große Chancen haben. Apple hat bereits vor einem Jahr gezeigt, wie die API des iPhone den Anschluss von medizinischen Meßgeräten erlaubt, mit dem Pad wird nun denkbar, dass Ärzte eine Art digitales Klemmbrett haben und damit mobiler mit ihren Patienten arbeiten können, die Daten aber trotzdem zentral gesammelt werden. In Schulen sind neben offensichtlichen multimedial/hypertextuellen Lehrbüchern mit Bild und Video auch beispielsweise interaktive Tests denkbar. Und in der Logistik dürfte klar sein, dass ein solches Gerät ganz neue Möglichkeiten der Dateneingabe, Datenbankpflege usw ergibt. Auch im Shoppingbereich, ganz nebenbei – zumal ja bereits mit dem iPhone ein komplettes Kassensystem mit Scanner usw existiert. Ähnlich wie der Smart tut das iPad zwar so, als wäre es ein hippes Produkt für die Yuppie-Zielgruppe, in Wirklichkeit aber wird es sich wahrscheinlich am ehesten auch in anderen Bereichen entfalten – von der Altenpflege bis zum Krankenhaus, von der Uni bis zum UPS-Fahrer. Vorausgesetzt, die Käufer akzeptieren den zunächst relativ hohen Preis von 500 bis fast 1000 Dollar (mit Accessoirs, 64 GB und 3G ist man da ja nun mal… beim Preis eines MacBook).

Ich persönlich war mir vorweg relativ sicher, mir einen iPad zuzulegen, weil er für die Art, wie ich zunehmend arbeite, wie geschaffen ist. Von der mobilen Kommunikation bis zu den grandiosen Interaktionsmöglichkeiten in Meetings ist das Produkt mehr als vielversprechend, und auch die Idee, schnell auf dem Sofa Texte zu schreiben, ohne ein brutzelndes Laptop auf den Knien zu haben, ist attraktiv. Das iPhone hat sich so konsequent in so viele Bereiche des Alltags von mir geschummelt, dass ein großer Bruder völlig logisch wirkt.
Wäre da nicht das Ding mit der Kamera und der Tastatur. Die Kamera weniger als Kamera gedacht, dafür ist das Pad zu unhandlich, sondern als Dateneingabegerät. Eins der magischen Dinge am iPhone ist die Kombination von Tools wie Evernote und der (wenn auch miserablen) Kamera, mit der man ganz fix Notizen, Whiteboards oder ein tolles Photo in einem Magazin festhalten kann. Selbst wenn die Kamera 100% als Accessoire kommen wird, ist das einfach ein großes Manko, fast ein Killer-Argument gegen das jetzige Pad. Und die Tastatur geht in dieser Form nicht, niemand außerhalb der USA wird damit länger schreiben wollen – und Apple scheint das auch zu ahnen, warum sonst ein DOCK mit Tastatur anbieten. Und selbst wenn es die lange überfällige BT-Verbindung zwischen Phone/Pad und der Apple-Tastatur gäbe (technisch ja denkbar, beides Bluetooth, und auch mit Jailbreak bereits möglich), muss es doch bitte machbar sein, eine vernünftige Multitouch-Tastatur anzubieten und nicht eine hochgezoomte Version der ja recht gruseligen iPhone-Tastatur. Seltsamerweise hat Apple es also gestern geschafft, die vorab existierende Begeisterung für das Produkt einerseits zu rechtfertigen – das iPad wird ein ganz zentrales Produkt für Apple werden -, andererseits spontan abzukühlen. Die Tastatur ist Software, da würde ich auf ein neues OS hoffen… aber die Kamera? Die wird unweigerlich bestenfalls erst in der nächsten Hardware-Generation kommen. Es ist also gut möglich, dass ich das iPad 1 überspringe, was ich selbst etwas schade fände, zugegeben. Die Idee, lässig beim Kaffee mit dem Team die kommenden Termine in iCal einzupflegen (oder besser eine voll funktionsfähige App für Merlin zu bekommen – hinthint), hat schon was.

So oder so, bei allen Nörgeleien an einem 1.0-Gerät, ist gestern das Ende einer Ära eingeläutet. Das Ende des Desktop-PC, das Ende von Fernsehen in der bisherigen Art, vielleicht das langsame Ende von Zeitschriften, Magazinen und Büchern in Printform. Wer einmal die Jamie-Oliver-App angetestet hat, weiß, wie schwach gegen diese multimediale, interaktive Präsentation ein gedrucktes Kochbuch wirkt. Und Olivers 20-Minuten-App ist die erste ihrer Art, da wird noch viel kommen. Über die Möglichkeiten, die Videokonferenz/Voip, die WLAN/3G-Vernetzung mehrerer Geräte (Multiplayer!) oder gar RFID und Augmented Reality dem iPad eröffnen, darf man kaum spekulieren, man kommt zu schnell in den Bereich der SF… aber sie dürften gewaltig sein. Das iPad wird daheim und im Business ein ständiger Begleiter werden, wie es das iPhone in den letzten Jahren geworden ist. Mit dem iPhone hat eine Art neue digitale Zukunft begonnen, das iPad – und die folgenden Produkte von Apple – werden diese Idee sicherlich ausbauen. Wer sich also in den letzten Monaten und Jahren Sorgen um den Moloch Google gemacht hat, darf längst begonnen haben, bei Apple alle Alarmglocken läuten zu hören – elegant und unsichtbar wird sich diese Firma in einer Art und Weise in unser Leben graben, gegen die Google weitestgehend harmlos wirken dürfte.

Für die Verlage bedeutet das iPad eine neue Goldgräberzeit. Weg vom reinen Buch, hin zu «lebenden» Applikationen, zu Rich Content. Ich möchte gar nicht wissen, wieviele Programmierer demnächst für Random House und Co arbeiten werden, um iTunes-LP-artige Buchformate anzubieten oder Apps zu entwickeln. Mich würde wundern, wenn bei G&U nicht längst manisch an einer Basic-Cooking-App mit In-App-Kauf von Rezepten, Video, Shoppinglist usw. gewerkelt wird. Jeder Kochbuch-Verlag darf sich die Jamie-Oliver-App ansehen und ein lautes, deutliches KA-CHING dabei hören. Reisebücher und andere Infomationsbücher dito. Für die Belletristik muss man abwarten, ob sich das grandiose Buch-Interface beim genusslesen durch einen kalten glänzenden Computerbildschirm ersetzen lässt. Gerade nicht in Deutschland, wo es durch die Buchpreisbindung keinen nennenswerten Preisvorteil gibt. Dennoch wird iBook auch hier sicherlich mehr Staub aufwirbeln als der Kindle dies bereits tat. Die Verlagsbranche wird einen Umbruch erleben wie seit Erfindung des Rotationsdrucks oder des DTP nicht mehr.

Die Buchhandlungen vor Ort dürfen die Keynote von gestern mit gemischten Gefühlen sehen. Aus der eigenen Erfahrung: Seitdem ich eComics lese, sinken meine Bestellungen bei meinem Händler. Mit schlechtem Gewissen, aber ich habe einfach keine Lust mehr auf Longboxes von Altpapier. Bei Büchern ist das ganz anders – kleiner, besser zu lagern, altern besser, haptischer und digital auch leseunfreundlicher -, aber klar ist, dass auch hier ein Umbruch eingeläutet ist. Für die Sortimenter bedeutet dies, dass sie sich noch mehr auf Service, Beratung und Feeling umstellen müssen, sie (wahrscheinlich sinkende) Leserschaft härter umwerben. Als würde es nicht reichen, dass Lesen eh (zum unendlichen Leidwesen von Kultur und Wirtschaft) immer weniger beliebt ist, kommt jetzt auch noch erstmals halbwegs ernsthafte Konkurrenz zum bedruckten Papier auf. Und von einem Buchbook im AppleStore hätten Thalia, Hugendubel aber auch die kleine Buchhandlung an der Ecke denkbar wenig. Die großen Fillialisten werden hierunter noch härter leiden als die kleinen Sortimenter, die näher am Markt und den Kunden sind – aber auch die werden sich wohl einiges einfallen müssen. Und ehrlich gesagt ist das ja vielleicht auch gut. Eine gute Buchhandlung konnte immer noch gegen Amazon bestehen, sie wird es höchstwahrscheinlich auch gegen Apple können, wenn sie engagiert und sympathisch am Ball bleibt.

Ich bin insofern sehr gespannt, ob wir den Tag gestern als zweiten (nach dem iPhone) Anbruch eines neuen Computerzeitalters betrachten werden, in dem Ubiquitous Computing sich endgültig durchgesetzt hat, oder ihn irgendwann als eine Art endgültigen Sprung in den Abgrund des Internets und der digitalen Medien betrachten, den vielleicht fatalen Abschied aus der Vielfalt der Gutenberg-Galaxis und das wohlige Sich-Ergeben in absolute Monopolstrukturen.

28. Januar 2010 08:55 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . 3 Antworten.

Photo Apps für das iPhone

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Hier wie versprochen eine kleine schnelle Übersicht Photo-Apps fürs iPhone, die ich benutze:

ZoomLens
Beileibe nicht perfekt ist diese Digital-Zoom-Software fürs iphone, aber solange es keine – à la Sony – in das Gehäuse integrierte optische Zoomfunktion gibt, ist es manchmal besser, ein hochskaliertes Photo zu haben als gar keins. Für 0,79 € tut Zoom Lens, was es kann und das recht stabil und schnell. Aber eher ein App, das man sehr selten brauchen kann.

Quad Camera
Die Auflösung der erzeugten Bilder ist, wie bei vielen iPhone-Photoapps, einfach gruselig schlecht. Trotzdem macht QuadCamera schon Spaß, wenn der Vierfach/Achtfach-Lomo-Spaßkamera-Effekt sich natürlich extrem schnell abnutzt. In der Praxis nutze ich QuadCamera so gut wie nie.

Camera Bag

Der Klassiker unter den Filter-Tools fürs iphone simuliert schnell, glaubhaft und in voller Auflösung verschiedene Spaßkameras wie die Holga, die Lomo, Crossentwicklung oder Leica-artigen s/w-Photographie und darf auf keinem iPhone fehlen. Schön wäre hier – wie bei den meisten Apps – wenn man in das Bild hineinzoomen könnte, um den Filter besser beurteilen zu können, oder wenn man auf die Parameter des Filters mehr Einfluss nehmen könnte. In Sachen Quick&Dirty ist CameraBag aber absolut klasse und der Holga-Effekt ist – vor allem gemischt mit anderen Apps – wirklich brauchbar.

CinemaFX
Dieses App von Nexvio ist ein weiterer Klassiker. Schnell, solide, exzellentes Interface und einprägsame, wenn auch nicht immer sinnvolle, Effekte plus die Möglichkeit, das Bild aufzuhellen, den Kontrast zu ändern, zu drehen und zu beschneiden machen CinemaFX zu einem sinnvollen Werkzeug, um Bilder schnell aufzuwerten. CinemaFX speichert die Bilder in voller Auflösung und bietet einige Effekte, die viele andere Tools in dieser Form nicht anbieten.

PhotoFX
Tiffen ist eigentlich als Hersteller von Objektivfiltern für Spiegelreflex-Kameras bekannt, produziert aber auch Photoshp-PlugIns (die allerdings wenig berauschend sind) und iPhone-Filter. PhotoFX ist vergleichsweise teuer, liefert aber auch professionelle Ergebnisse (sofern man das von einer Handy-Applikation überhaupt behaupten kann und will): Die Filter speichern in voller Auflösung, sind in Grenzen editierbar und lassen sich kombinieren. PhotoFX hat eine reiche Auswahl verschiedenster Filter, von denen sich ab der neuesten Generation einige zusätzlich als In-App-Kauf dazu erwerben lassen.

CoolFX
Die kleine Schwester von PhotoFX für 0,79 € liefert einen abgespeckten Umfang, aber durchaus andere Filter als die PhotoF-Sammlung, so deutlich mehr Schwarzweiß- und Noise-Effekte, interessante Lichtdiffusion und feiner abgestufte BleachingBypass-Filter.

HiCon
HiCon war eines der ersten und trotz zahlreicher Abstürze und Softwareprobleme besten Schwarzweiß-Apps und ist immer noch ein ausgezeichnetes Tool, das im Grunde nur eine einzige Sache kann und keinerlei Eingriff zulässt, aber ziemlich gute Ergebnisse zeitigt. Nicht ganz so unberechenbar, aber mitunter auch nicht ganz so dramatisch wie Spica, ist HiCon immer noch ein klasse Tool um etwas Leica-Flair auf das iphone zu bringen. Den Farbfilter kann man, meiner Meinung nach, völlig vergessen.

Spica
Spica ist eine relativ neue B/W-App, die in der neuen Fassung nicht nur live gemachte Photos, sondern auch Bilder aus der Photoroll bearbeiten kann. Im Dunkeln gemachte Bilder werden teilweise extrem rauschig und aufgehellt, aber es gibt derzeit keine App die unter den richtigen Bedingungen sehr dramatischere Schwarzweißmotive erzeugen kann. Spica hat ein ziemlich zufälliges Element – manche Bilder sind regelrecht unbrauchbar und kommen aus anderen Anwendungen deutlich besser, aber andere Bilder werden umwerfend.

Effects Lab
Exzellentes kleines Programm, das relativ normale Bearbeitungsmöglichkeite – Helligkeit, Sättigung, Histogramme, Gamma usw. – liefert und insofern ideal ist, um ein Bild jenseits von Effekten zu optimieren. Die Filter lassen sich kombinieren, Effects Lab arbeitet in voller Auflösung und bringt einen Haufen recht brauchbarer Fertig-Effekte mit.

Photo Forge
Photo Forge ist am nähesten an einer Art Pocket-Photoshop. Trotz des eher gewöhnungsbedürftigen Interface ist der Funktionsumfang mit Pinseln, Retusche, Filtern, Crop usw hervorragend. Auch hier gibt es fertige Filter, aber wichtiger sind die sehr umfangreichen Möglichkeiten, ein Bild an sich zu optimieren.

iFlash Ready

Eines der vielen vielen Pseudo-Blitz-Tools für das iPhone. Die alle an sich nicht viel bringen – dunkle Bilder kann man damit kaum retten, bei an sich guten Bildern aber durchaus, je nach Bild, einen interessanten Effekt erzeugen. Speichert in voller Auflösung.

CameraKit
CameraKit mochte ich zunächst gar nicht, weil es ein hochgradig unintuitives Interface hat und nicht gerade schnell ist, aber die Effekte sind relativ einzigartig und überzeugend – und in der Kombination durchaus überraschend und unkalkulierbar. Dem Look einer Spielzeugkamera, den anderen Tools versprechen, kommt CameraKit überzeugend nahe.Vignettierung, Überbelichtung, Falschfarben und B/W,  Push-Process – mit einer ganzen Reihe von individuellen Einstellungen erzeugt CameraKit am Ende ein meist überzeugendes Bild (nur sollte das Ausgangsbild hell genug sein).

Edwin
Edwin macht eigentlich nur Rahmen um Bilder und wendet einen leichten Effekt an.Nett, aber kein Must-Have-Tool, zumal nur einer der Rahmen brauchbar ist und die Rahmen an sich immer gleich bin, es also keine Variation gibt – womit das Tool leider ein ziemliches One-Hit-Wonder ist.

Lomo
Verspricht, was Camera Kit besser hält – die Lomokamera im iPhone. Eigentlich eine App, das ich kaum noch benutze, die aber bei manchen Bildern (die allerdings ordentlich hell sein müssen) schon gute Effekte bewirkt, ohne dabei aber je an das echte LomoFlair zu kommen. Ist übrigens schade, dass kein Tool wirklich glaubhafte Lomo/Holga-Lichteinstreuungen machen kann. Die App, die ziemlich umfangreiche Lomo-Filter bietet, die man als User aber in keiner Form beeinflussen kann, verschiebt etwas die Farben und dreht am Kontrast, arbeitet auch mit Bildern aus der Photoroll  und ist vor allem als Vorstufe für Weiterbearbeitung in anderen Filtertools gut brauchbar.

Polarize
Polarize hät, was es verspricht – es wandelt iphone-Bilder in Polaroids um. Allerdings ohne den Charme des echten, sehr zufallsbasierten Ergebnisses. Im Grunde scher auch eher eine One-Hit-App, wobei schon erstaunlich ist, wie sinnvoll ein Polaroidrahmen um die schlechten iphone-Pix wirkt.

Naked Touch
Naked Touch hat ein seltsames Konzept, es speichert Bilder in einer eigenen Gallerie, die von der Roll unabhängig ist. Es liefert – sehr schön umgesetzt – die üblichen Bildbearbeitungstools (Farbbalance, Helligkeit, Sättigung, Kontrast/Helligkeit), ibt dem User sehr umfangreiche Farbmanipulationsmöglichkeiten an die Hand, arbeitet in voller Auflösung, und zudem die Möglichkeit, die bearbeiteten Bilder zu facebook, flickr, tumblr oder via Mail zu versenden.

Mill Colour
Und noch eine App, die – sehr fein abgestuft – Manipulationen an Helligkeit, Sättigung, Kontrast, Gamma usw zulässt und auch einige vorgefertigte Filter mitbringt (Crossentwicklung, s/w, Bleached usw). Die Editiermöglichkeiten sind in Vergleich zu anderen Tools etwas eingeschränkt und teilweise so fein unterteilt, dass die Arbeit mit Mill Colour etwas nerven kann, zumal eigene Begriffe wie Gain oder Lift nicht auf den ersten Blick einleuchten. Auf der positiven Seite kann man in die Bilder hineinzoomen und so recht fein entscheiden, ob der gewünschte Effekt erreicht ist.

Best Camera
Best Camera kann eigentlich nicht sonderlich viel, vor allem wenn man von den Photosharing/Social-Web-Funktionen der Software keinen Gebrauch macht, liefert aber durchaus sehr geschmackvoll Out-of-the-Box-Effekte, die sich zwar kombinieren, aber nicht vom Benutzer verändern oder abstufen lassen. Es gibt aber durchaus hässlichere Instantfilter und meist liefert BestCamera ganz solide Ergebnisse.

Perfectly Clear
Perfectly Clear ist eines der zahllosen Bildoptimierung/Aufhell-Tools, die versuchen, den iphone-Bildern den Grauschleier auszutreiben. Wie alle Tools entsteht dabei oft ein stärkeres Rauschen, aber Perfectly Clear ist mit seinen fein einstellbaren Filtern und der sehr smarten Vorher/Nachher-Ansicht eines der besseren Angebote und rettet manche Photos wirklich.

LoMob
LoMob ist eine etwas seltsame App. Auch LoMob wischt nur mit vorgefertigtem Filter über die Bilder und ist langfristig sicher eher ein One-Hit-Wonder, aber eine krudere Versammlung von Lofi-Filtern gibt es derzeit im Appstore wohl kaum. Diverse Effekte und Rahmen, leider ohne große Variationsmöglichkeiten, aber durchaus erfinderisch gemacht – wie etwa neben dem üblichen Lomo/Pola-Sachen auch mit Transfereffekten und TTV-Looks – nutzen sich sicher schneller ab als ein guter, effektvoller und irgendwie ehrlicherer S/W-Filter, machen aber für 1,50 auf jeden Fall lang genug Spaß, um die Investition zu lohnen… außerdem lassen sich aus der Kombination mit anderen Filtern durchaus spannende Effekt erzielen.

Photoshop.com mobile
Was soll ich sagen? Der Klassiker der Bildbearbeitung kommt endlich auch in Deutschland aufs iphone und der erste Eindruck ist: Too little, too late. Wo andere Softwares schon fast Funktionen des «echten» Photoshops simulieren, ist Adobes eigene App eher eine Spar-Bildbearbeitung, fast eher ein Beta-Konzept als eine vollständige Software. Das Interface, bei dem einfach durch Slide-Bewegung auf dem Bild die Werte geändert werden und das generelle Handling ist absolut 1a und professionell, aber die etwas seltsam unstrukturierte Ansammlung recht beliebiger Instant-Effekte und die andererseits sehr begrenzte Auswahl von Editing-Möglichkeiten wirken fahrig und (noch) konzeptlos. Auch die Begrenzung auf die Adobe-eigene Gallery-Plattform wirkt etwas unzeitgemäß, Facebook, Twitter und Flickr dürften hier eigentlich nicht fehlen. Hier wirkt Adobe ein wenig hinter der Zeit – aber wir reden hier von der Firma, die immer noch 32-bit in Sachen Bildverarbeitung auf dem Mac anbietet und bei 3,7 GB den RAM-Riegel vorschiebt ;-). Andererseits ist das App gratis, etwas unerwartet bei Adobe, und wer will da meckern?

Hipstamatic
Diese Simulation einer alten analogen Kamera macht es einem eigentlich schwer, sie zu mögen – Effekte müssen als In-App-Kauf extra bezahlt werden, die Rahmen sind nicht abschaltbar, man kann keine Bilder aus der PhotoRoll  nachträglich bearbeiten, die Einstellmöglichkeiten sind fast nicht vorhanden, es dauert ewig, bis ein BIld gespeichert und bearbeitet ist, und die ersten Versionen des Programms sind eigentlich permanent abgestürzt. Mit anderen Worten: Hipstamatic ist genauso unsicher und unkontrollierbar wie echte alte analoge Photographie. Ohne, dass ich wirklich sagen könnte, warum, ist dieses Programm in den letzten Monaten die Software geworden, mit der ich am meisten Photos mache. Zum einen, weil die Bilder wirklich ordentlich verändert werden und man in der Kombination von Film, Linse und Blitz eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Bildveränderung hat, zum anderen, weil sie bei allem Frust eben auch phantastischen Spaß macht. Und darum geht’s ja.

Plastiq
Die Plastiq Kamera ist ebenfalls eine Simulation, allerdings weniger konkret als Hipstamatic – und obwohl an sich userfreundlicher, macht sie alles in allem keinen Spaß. Unter den vielen Effekt-Apps, die es inzwischen im Appstore gibt, ist dies leider eine der schwächeren. Recht interessant ist das Feature, dass Bilder im Background bearbeitet werden, während man weiter photographieren kann. Man kann sogar die App verlassen und beim nächsten Start werden die Bilder weiter durch den «Darkroom» gezogen. Leider sind Effekte  - s/w, Sepia, Posterize, Lomo, Holga usw – alle schon bei Tools wie CameraBag oder CameraKit deutlich besser vorhanden.

Retro Camera
Einen etwas anderen Weg als die meisten anderen Photoapps geht Retro Camera, bei dem ein Bild sukzessive vom Benutzer nach und nach mit verschiedenen Rahmen und Overlays, Grains und anderen Effekten auf Alt trimmen lässt. Tatsächlich ist hier etwas Geduld gefragt und die Ergebnisse sind nicht immer das, was man eigentlich erwartet, sondern eher ein wenig Kitsch-as-Kitsch-can. Aber grundsätzlich wenigstens einmal ein Programm, das etwas völlig anderes versucht. ich glaube, mit viel Fingerspitzengefühl lassen sich hiermit eigentlich ganz nett auf Alt getrimmte Photos machen, wenn man so etwas braucht.

MonoPhix
Es ist unweigerlich so, dass im Appstore mehr und mehr kleine Programme das im Grunde gleiche leisten – und die Entscheidung, welches davon nun das jeweils Beste ist, wird immer schwieriger. MonoPhix liefert im Kern die gleichen Ergebnisse wie CoolFX, Spica oder HiCon, erlaubt aber dabei eine gewisse Kontrolle der Veränderung von Licht und Dunkelheit in den Bildern. Die Bilder werden nicht ganz so genial wie die gelungenen Spica-Photos, sind aber im Zweifelsfall auch nicht so rauschig-schwarzweiß-zerstört wie Spica es eben oft liefert. Die Oberfläche ist gestalterisch ein Greuel und die Bilder werden etwas matschiger, unschärfer, als ich gut finde – aber die Einstellmöglichkeiten machen das mitunter etwas wett.

15. Oktober 2009 14:23 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . 9 Antworten.


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