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Nifty Drive

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Es ist immer eine gute Idee, etwas mehr schnellen Speicherplatz auf einem Laptop zu haben, gerade bei der Air-Serie von Apple, die derzeit nur 512 MB Flash-Speicher liefert. Eine elegante Lösung des Problems ist das erfolgreiche Kickstarter-Projekt «Nifty Drive», das eine Art Halterung für Micro-SD-Karten darstellt, die nahtlos mit dem Body eines MacBook Air oder Pro abschließt. In verschiedenen Farben verfügbar wird so der SD-Slot des Laptops genutzt, um ein zusätzliches internes Volume zur Verfügung zu stellen. Selbst mit den schnellsten SD-Karten erreicht man hier zwar nicht die Geschwindigkeit des internen SSD-Speichers, aber für eine mobile Reserve reicht es allemal. Den Nifty-Halter kann man mit einer Büroklammer oder dem beigefügten kleinen Werkzeug problemlos aus dem Laptop ziehen, wenn man etwa tatsächlich Bilder von einer herkömmlichen SD-Karte importieren will. Ob man die Micro-SD, die so nahezu fester Bestandteil des Systems wird, als Medium für Musik, Videos oder Dokumente nutzt, oder auch als eine Time-Machine oder Backup-Lösung für Teile der Laptop-Installation (für das System inklusive aller Daten sind 64 GB allerdings noch zu wenig) ist weitgehend egal – die Möglichkeit, elegant mehr virtuelle Festplatte zu haben, ist die 25 $, die der Nifty Drive derzeit (ohne SD-Karte) kostet, sicher wert.

7. März 2013 22:16 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . 3 Antworten.

Easy Switch Keyboard

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Jeder Mac-Nutzer mit mehreren Geräten kennt das Problem: So schön die Wireless-Tastatur von Apple auch sein mag, die Verwendung an mehreren Devices ist ein Alptraum, weil man die Tastatur jedesmal trennen und wieder neu «pairen» muß, um sie verwenden zu können. Zweites großes Manko ist und bleibt Apples Entscheidung, die Tastatur nicht – wie am MacBook – mit leuchtenden Buchstaben zu versehen, die gerade beim Schreiben im Halbdunkeln eine wirkliche Hilfe sind.
Beide Probleme löst elegant eine neue Tastatur von Logitech, die sich via Bluetooth problemlos mit bis zu drei Geräten verbinden lässt – und beleuchtet ist.

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Auf Knopfdruck kann man mit dem Easy Switch Keyboard so etwa Laptop, iPhone und iPad mit einer externen Tastatur nutzen. Formfaktor und Chicklet-Layout der Tastatur gleichen weitgehend dem Apple-Standard, die Verarbeitung ist wie bei Logitech üblich, hochsolide und das Design gleicht weitestgehend dem MacBook-Stil.

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Die Tastatur benötigt keinen zusätzlichen Dongle, sondern verbindet sich einfach mit dem vorhandenen Bluetooth, das Pairing ist ein Kinderspiel. Betrieben wird das Keyboard nicht wie bei Apple von einzelnen Batterien, sondern wie bei Logitech inzwischen Standard mit einer fest verbauten Akku-Lösung. Nachteil ist, dass man nicht mit einem Batteriewechsel wieder frische Energie hat, Vorteil ist die längere Laufzeit und das Aufladen via USB. Unbeleuchtet läuft die Tastatur über Wochen, mit der beleuchteten Tastatur (die man manuell dimmen und abschalten kann) auch tagelang. Die Beleuchtung merkt, wenn man die Hand vom Keyboard nimmt bzw. sich annähert und nimmt entsprechend an Intensität zu oder schaltet sich ab.

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Das Easy Switch Keyboard ist eine elegante Ergänzung für alle, die auf mehreren Geräten längere Texte verfassen und dabei dauerhaft eine mobile, handliche Tastatur bevorzugen. In der Praxis fällt die Tastatur vor allem dadurch auf, dass sie nicht auffällt, sondern sich nahezu unsichtbar in bestehende Arbeitsabläufe einpasst, aufgrund ihrer geringen Größe immer dabei sein kann und eine Lücke schließt, die Apples eigene Keyboard-Lösung bislang offen gelassen hat.

14. Februar 2013 14:06 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . Keine Antwort.

Philips Hue

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Bereits letztes Jahr bestellt und jetzt – allerdings früher als im angekündigten März – angekommen: Das Philips Hue Lichtsystem, mit dem Philips sich erneut als Trendsetter in Sachen iOS-Zubehör und Licht etabliert. Die 8,5 Watt-LED-Birnen entsprechen etwa herkömmlichen 50-Watt-Birnen, haben ein sehr akzeptables Starttempo und sind absolut flackerfrei und ruhig im Licht, verbrauchen aber rund 80 % weniger Strom als herkömmliche Birnen, die Lebensdauer ist auf 15.000 Stunden angekündigt (da darf man gespannt sein).

Der Clou an dem hue-System, das derzeit exklusiv über den Apple Store verkauft wird, ist, dass es eben auch exklusiv mit Apple-Produkten funktioniert. Die Lampen werden über eine iOS-App gesteuert, entweder direkt via WLAN oder – sofern man sich im huePortal angemeldet hat – auch über Funknetz. Das Portal dient zugleich der Synchronisation von Einstellungen und Lichtstimmungen. Die App kann her eine zentrale «Bridge», die per (beigelegten) LAN-Kabel am Router angeschlossen ist mit allen Lampen (laut Philips bis zu 50) kommunizieren kann und in Echtzeit die Befehle der App-Steuereinheit weitergibt. Die smarte Nutzung von App und dem etablierten ZigBeeLightLink ergibt eine in der Praxis absolut überzeugende Lichtlösung.

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Natürlich kann man mit den Hues ordentlich Disco machen (es gibt sogar eine entsprechende, klanggesteuerte App), der wahre Nutzen ist aber einfacher. Man kann im Büro über den Tag entweder manuell oder per Zeitsteuerung die globale sowie individuelle Lichtleistung komplett steuern, jeder Mitarbeiter kann via App «sein» Licht beeinflussen. Philips liefert fertige Lichtrezepte wie «Mehr Energie» oder «Konzentration» mit, die mal mehr mal weniger zu Tageslicht oder Warmlicht neigen, man kann aber auch komplexere Lichtstimmungen erzeugen, indem man etwa mit der einfach zu bedienenden Farbwerte aus einem Photo ausliest, wobei jede Lampe ihren eigenen Farbpicker hat. Das Anmelden des iPhone ist denkbar einfach, App starten, Bridge-Knopf zur Anmeldung drücken – und neue Birnen werden mit Hilfe der App einfach hinzugefügt und können individuell benannt werden. Dass die Birnen bei der Identifizierung blinken, hilft in komplexeren Situationen, die richtige LED zu finden.

Für ein Designbüro ist diese Sache deutlich mehr als ein Spielzeug. Wir können von Tageslicht zur normalen Farbbestimmung bis hin zu einer präsentationstaugichen Dämmerung das Licht sekundenschnell den Arbeitsbedürfnissen anpassen, ohne Lichtschalter bedienen zu müssen. Bei längeren Schichten kann man sich abends eine etwas kuscheligere Stimmung machen, wenn man konzentrierte Lichtpower braucht, ist aber auch ein helles, weißes Licht problemlos gegeben. Bürolampen werden auf einmal zu dimmbaren, weitgehend farbanpassbaren Umgebungsfaktoren – die ergonomische Wirkung ist enorm. Dazu kommt, dass das Licht durchaus angenehm ist, vor allem auch ein glaubhaftes «warmes» Licht möglich ist und die Lampen keinerlei Wärme abgeben.

Es ist zunächst ungewohnt, die Lampen nicht mehr durch die Lichtschalter zu bedienen (was jederzeit geht, natürlich), sondern per Smartphone, Web oder iPad zu steuern. Aber die Vorteile liegen auf der Hand: Die Lampen schalten sich automatisch vor Arbeitsbeginn an, man muss nie wieder ins Büro, weil man das Licht vergessen hat – und im Urlaub kann man eventuellen Einbrechern vom Strand aus eine belebte Wohnung vorgaukeln, wenn man will ;-).

Es ist etwas aufwendig, vor allem bei mehreren Birnen, das System sinnvoll einzurichten, da neue Birnen immer manuell konfiguriert werden müssen, also in einer Farbszene aktiviert sein wollen. Aber natürlich ist dies die Basis für Lichtnutzung in verschiedenen Räumen, da nur so jede Birne in einzelnen Szenen gezielt an/aus und auch hell/dunkel und nicht nur in der Farbe kontrollierbar ist.

Hue ist eine der ersten Anwendungen, die so effektiv Vernetzung/Smart Home und einen Alltagsgegenstand so nahtlos neu erfindet – man darf gespannt sein, wie diese Idee sich auch kommerziell und in interaktiven Experimenten und später zusammen mit «autolucenten» Wänden usw. einsetzen lassen wird. Mit Ideen wie dieser könnte der Abschied von der Glühbirne zumindest teilweise leichter fallen.

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16. Januar 2013 21:23 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , , , , , . Keine Antwort.

2Do Review

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2Do – das bessere Things? Das ist mein erster Eindruck nach ein wenig Testen mit dem neuen Taskmanager von GuidedWays, die neben vor allem islamischer Software bisher durch die exzellente 2Do-Software für iOS und Android bekannt waren. 2Do für OSX ist das Dektop-Gegenstück der mobilen Software und setzt wie diese auf einen einfachen iCloud-Sync, um die Daten abzugleichen. Das bedeutet zugleich auch, dass ToDos automatisch mit der Apple-eigenen Software «Erinnerungen» abgeglichen werden, was einen enormen Vorteil bietet, da über diese Schnittstelle wieder andere Dienste mit den Aufgaben gefüttert werden können.

Sauberes Interface

2Do bietet eine überraschend klare und vertraute Oberfläche – wer einmal mit dem einstmals so erfolgreichen, inzwischen aber fast eingeschlafenen Things gearbeitet hat, wird sich ziemlich sofort zurechtfinden. Zahlreiche Tastaturkürzel machen die effektive Eingabe von Aufgaben effizient, wenn auch das Eingeben von Datum und Uhrzeit nicht so federleicht geht, wie man es etwa von Omnifocus gewöhnt war – die Software erkennt zwar, dass mit 14 der 14. Tag des Monats gemeint ist, aber mit vageren Dingen wie «+1», «tomorrow» oder «next week» ist sie überfordert. Dafür ist der Tabulator bei der Schnelleingabe – die man überall im System sofort hervorrufen kann – in der Reihenfolge fast perfekt gedacht, besser wäre jedoch, wenn nach New Task sofort das DueDate käme und nicht die Notizen und die Tags vorweg.

Organisationswerkzeuge

Neben einfachen Aufgaben lassen sich auch verschachtelte Projekte und Checklisten erstellen, die auch Audio- und Bilddaten sowie Notizen enthalten können. Personen sind diese Aufgaben aber nicht zuweisbar, 2Do ist nicht wirklich gruppentauglich angelegt bisher. Prioritäten und als zusätzliche Auszeichnung ein Stern machen es relativ leicht, die Dringlichkeit zu organisieren und zusätzliche Listen, die man jederzeit einfach anlegen kann und die sich ebenfalls mit «Erinnerungen» synchronisieren, sind eine weitere Organisationshilfe. Leider lassen sich Tasks nicht manuell am Tag in der Reihenfolge verschieben

2Do ist eine vom ersten Moment an grundsolide Aufgabenverwaltung, die leider nicht so durch Details begeistert wie das iOS-Gegenstück, das fast konkurrenzlos auf dem iPad ist.

Es fehlt mir an einer Eingabe über die Menüleiste von OSX, wie es andere Softwares anbieten, es fehlt ein einfaches Drag-und-Drop von Mails oder Links oder Daten, die sofort zu ToDos werden (wie bei Alarms), der iCloud-Sync ist nicht vollautomatisch (oder zumindest dabei nicht so gefühlt sofort wie der von Alarms oder Erinnerungen).

Viele Features

Mit einer 1.0er Version mit Marktführern wir Things oder Omnifocus gleichzuziehen und den mobilen 2Do-Versionen eine souveräne Desktop-Version gegenüberzustellen, ist beileibe keine zu unterschätzende Leistung, und entsprechend ist 2Do eine wirklich sinnvolle Software, die vom Stand weg ein Design anbietet, das den Spaßfaktor von Things mit der Effektivität von Omnifocus verbindet. Anders als Things von CulturedCode ist 2Do allerdings besser mit dem Apple-eigenem Taskmanagement, und damit mit der Siri-Texteingabe und iCloud als Web-Frontend, verzahnt. Wo man bei Things umständlich importieren muss, ist bei 2Do der Workflow nahtlos. Wie bei Things kann man tags verwenden und nach diesen filtern, auch wenn diese Funktion etwas versteckter ist als vielleicht bei Things, dafür aber durchaus mächtiger, man kann zum Beispiel Tag-Gruppen bilden und dadurch recht wirksam die fehlende Ressourcen/Personen-Zuordnung zumindest ansatzweise umgehen, indem man in Task-Ordnern und Projekten eine Gliederung zweiter Art erstellen kann. Die Suchfunktionen von 2Do sind zudem überragend – die Kombination aus Ordnern, Tags, Priorität, Sternchen und Suche lässt kaum noch Sortierungswünsche offen. Ein Fokus-Modus hilft zudem, die gerade wichtigen Aufgaben nicht aus dem Blick zu verlieren und sogenannte «Smart Lists» lassen Aufgaben lassen sich relativ leicht mit den verschiedensten Parametern als Wiederholungen anlegen, einzelne Ordner vom iCloud-Sync gezielt aussperren, die gesamte App hat einen Passwort-Schutz integriert – es gibt einen Grund, angesichts der Vielzahl an Features, warum GuidedWays dem Produkt eine Anleitung als bebilderte PDF beifügen, zumal manche Tastaturkürzel nicht zu intuitiv sind.

Keine Frage – 30 € für einen Taskmanager sind happig, selbst wenn Things und Omnifocus noch teurer sind, wenn man bedenkt, dass Apple mit Erinnerungen einen für den Hausgebrauch wirklich leistungsfähigen und intuitiven Gratis-Aufgabenverwalter anbietet, der wirklich ausgezeichnet funktioniert. 2Do ist nicht so leicht zu begreifen wie Things und nicht so Poweruser-freundlich wie Omnifocus (das durch AppleScripts eigentlich fast alles mit allem kann), sondern liegt sinnvoll zwischen beiden Applikationen, bietet von beiden das beste, wenn auch nicht die letzten Features – aber die Software ist ja auch noch jung. Im Grunde erinnert 2Do deutlicher an Things UI, weniger an die sehr spartanisch-zweidimensionale Optik von Omnifocus (die dafür aber en detail personalisierbar ist). Und es ist zwar nicht so leichtfüßig wie Apples Erinnerungen (wo das Eingeben neuer Aufgaben unfassbar leicht ist), aber dafür in der Tiefe sehr viel leistungsstärker. Allein die Tatsache, dass man mehrere Tasks umfangreich gleichzeitig editieren kann, ist Gold wert.

Raum für mehr…

Die einzige Taskmanegement-Software, die einen ganz eigenen Weg geht, ist wie gesagt Alarms mit ihrem eher auf kurzfristigkeit angelegtem Menubar-Konzept. Ob Mails oder URLs, Dateien oder eine schnelle Notiz, mit Alarms hat man unfassbar schnell Todos eingegeben und kann Aufgaben flexibel im Micro-Management über den Tag verteilen und prioritisieren, ein einem mehr als ansprechenden Interface. Alarms ist nur leider für das komplexere Verwalten über längere Zeiträume nicht wirklich ideal, weil man stets (und genialerweise) nur die nächsten 24 Stunden im Blick hat. 2Do ist insofern eine ideale Ergänzung, weniger eine Konkurrenz, da beide Softwares über iCloud perfekt miteinander abgeglichen werden. 2Do für den großen Überblick, Alarms für die Tagesplanung. Dennoch hat 2Do eine Menge «room fr improvement». Ein Menubar-Icon mit einer sinnvollen Belegung à la Fantastical (wofür die App dann an sich unsichtbar sein sollte), ein eingebauter Pomodoro-Timer, Schnittstellen zu Omniplan/Merlin, sinnvolle Detailverbesserungen sind sicher denkbar. Man darf also gespannt sein, ob nach dem langen Warten auf die 1.0er Version die zukünftige Entwicklung schneller voran geht, oder ob sich, wie bei vielen anderen kleinen Softwareschmieden auch, die Vielzahl von zu bespielenden Plattformen und die Mühe, die Programme überall up-to-date zu halten und dabei auch noch ein Profitmodell zu finden, eher negativ auf die Entwicklung von 2Do auswirken werden.

11. November 2012 00:31 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . 6 Antworten.

Apple, das ist nicht mehr witzig

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16. Juni 2012 22:17 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Keine Antwort.

Wacom Bamboo Pen & Touch

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Auch von Wacoms Einsteiger-Tablett Bamboo ist eine neue Generation erschienen, die vor allem optisch deutlich erwachsener wirkt als die Vorgängerserie. Wenn auch längst nicht so reduziert und professionell wie die Intuos-Serie, wirkt die aktuelle Baureihe der Bamboo-Geräte nicht mehr wie Spielzeuge, auch wenn Namen wie Pen & Touch Fun dies nahelegen (Fun bezieht sich eigentlich nur auf das Softwarepaket).

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Es gibt von der Bamboo-Serie mehrere Varianten, darunter Pads, die nur Stifteingabe oder Stift und Touch-Bedienung unterstützen, zwei Größen beim Fun (small und das etwas größere medium) und verschiedene Softwareausstattungen. Da ich die Software nicht brauche und für die mobile Arbeit am Air als Gegenstück zum Büro-Intuos eher die handlichere Größe bevorzuge, ist das knapp 90 € teure Pen & Touch, dessen dezentes Schwarz mir eher liegt als das Pseudo-Apple-Alu-Plastik, die ideale Wahl gewesen. Das Gerät kommt mit einer neongrünen Kontrastfarbe für die Stiftlasche und die Rückseite, für meinen Geschmack etwas zu poppig, aber der Look unterstreicht den Freizeitcharakter und soll das preiswerte Gerät wohl deutlich von der Profi-Hardware unterscheiden.

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Wobei das kaum nötig wäre. Verarbeitung des Tabletts und vor allem das Feeling und die Responsivität des Stiftes sind mit dem Intuos kaum zu vergleichen. Wer die Arbeit mit einem Eingabetablett am Bamboo kennenlernt, wird sich vielleicht nie wirklich für ein Intuos entscheiden, denn der Unterschied ist so dezent wie entscheidend. Beide Geräte liefern Stifteingabe, aber wo das Intuos instinktiv, nahtlos und völlig natürlich reagiert, fühlt sich das Bamboo steifer und künstlicher an, ausreichend für »on the road«, aber beileibe kein Vergleich. Ich bin nicht mal sicher, ob es nicht vielleicht ein Marketingfehler ist, so eine Einsteigerklasse anzubieten… es verdirbt den Spaß am Tablett. Was nicht heißt, dass das Bamboo seinen Preis nicht wert wäre – es ist vielmehr so, dass der fast fünffache Preis für das Intuos eben absolut gerechtfertigt ist.

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Das Bamboo verfügt über weniger Programmiertasten als das Intuos und hat bei Toucheingabe im Groben die gleichen Probleme wie der große Bruder – die Oberfläche des Pads ist zwar größer als die des MacBooks, (allerdings deutlich kleiner als das Bamboo insgesamt vortäuscht und dabei drastisch reduziert im Vergleich zum Verhältnis passive/aktive Flächen beim Intuos – beim Bamboo ist die aktive Fläche irgendwo zwischen A5 und A6), aber auch weniger geschmeidig und »natürlich« und dabei anfälliger für Staubablagerungen. Dennoch ist das Bamboo für den kleinen Preis ein absolut überzeugendes Gerät – ideal für Retuschen unterwegs und durch die Toucheingabe etwas flexibler. Zahlreiche schöne Designdetails wie die eisschollenartige Struktur der Express Keys, die Stiftlasche (die ich mit am Intuos auch wünschen würde), der besser ins Gerät versteckte USB-Anschluss und vor allem die totale Mobilität des kleinen Pads überzeugen durchweg. Es ist der perfekte Kompagnon, wenn man auch unterwegs zumindest ein »Intuos Light« dabei haben will oder muss.

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Ein gerade mobil überzeugendes Feature ist die Wireless-Option von Wacom. Während mit das zumindest für meine Zwecke beim Intuos, das relativ fest am Schreibtisch seinen Platz hat, nicht sinnvoll erscheint, kann es beim mobile Arbeiten schon Sinn machen, wenn man kein störendes Kabel zwischen Notebook und Pad hat oder wenn man mit dem aufgeladenen Pad-Akku die Laufzeit des MacBooks etwas schonen kann, indem kein Strom via USB abgezogen wird. Das Wireless-Kit kann für verhältnismäßig moderate 40 € nachgerüstet werden – happig in Relation zum Bamboo, preiswert relativ zum Intuos (wo es aber eben weniger Sinn macht) – und ist mit zwei Handgriffen eingebaut, indem man den Akku und den Sender in die dafür vorgesehenen Slots schiebt. Über die Akkulaufzeit kann ich aus Erfahrung noch wenig sagen, laut ersten Tests kann sie bei wohl bis zu sechs bis acht Stunden liegen, was absolut ausreichend erscheint – aber eben nur für ein Bamboo.

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Ein Intuos bräuchte nämlich eigentlich eher eine Art Schreibtisch-Ladestation und Sender à la Logitech, um im Büro wireless Sinn zu machen. Denn ein großer Schönheitsfehler der kabellosen Freiheit ist, dass an einen dezidierten Empfänger an einen USB-Port anschließen muss. Heißt eigentlich also: Man braucht einen USB-Port für das Laden des Pads und einen als Empfänger, wenn man sozusagen frei zwischen Kabel und Wireless wechseln will. Aber selbst beim Bamboo ist es keine gute Entscheidung, am Air einen der zwei USB-Slots für einen Empfänger draufgeben zu müssen, wenn WLAN und Bluetooth eigentlich vorhanden sind und als Standards genutzt werden könnten. Ich kann mir nicht denken, dass die Daten so komplex sind, dass man sie nicht via 2.1er BT oder eben WLAN senden könnte – und sei es nur als Option (die aber im Handbuch nicht erwähnt ist, leider, und das Pad wird nicht vom System-Bluetooth erkannt). Das ist ein großes Manko, weil man dann eigentlich nicht von Einschalten-und-Loslegen sprechen kann, sondern eher wie früher bei Logitech Tastaturen und Mäusen immer wieder diese Dongle-Steckerei vorher machen muss. Es sollte eher so »gedankenlos« gehen wie das nutzen eines normalen Trackpads, das – einmal verbunden – nach dem Einschalten sofort verfügbar ist, ohne dass ich noch etwas an der Hardware machen müsste. Da hilft es leider auch nichts, dass im Gehäuse ein Platz für den Empfänger vorgesehen ist, so dass das kleine Gerät nicht verloren geht. Ich habe zumindest in der Kürze der Zeit noch keinen Workaround gefunden, Tablett und Air über das normale Bluetooth zusammenzubringen, obwohl der Empfänger-Dongle sehr deutlich macht, dass hier eine BT-Technologie verwendet wird. Was schade ist, denn beim Intuos 4 ging es mit dem «Onboard»-Bluetooth. Keine Frage, ein eigener Dongle macht es für den Nutzer einfach – einstöpseln, fertig – aber es sollte eine Pairing-Option geben, die den eigenen Empfänger überflüssig macht.

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Alles in allem ist das Bamboo für unter hundert Euro ein guter Einstieg in die Arbeit mit einem Pen-Tablett, obwohl jeder, der halbwegs ernsthaft am Rechner graphisch arbeitet, sorgenfrei auch den Mehrpreis für das Intuos investieren sollte, und eine phantastische Mini-Lösung für das Arbeiten unterwegs. Es funktioniert so zuverlässig wie man das von Wacom kennt – ich jedenfalls hatte keinerlei Probleme mit Hard- oder Software (obwohl ich persönlich finde, dass die Treiber von Wacom sich inzwischen in zu viel einmischen, weil sie mit ihren eigenen Gestendefinitionen ins System gehen, anstatt sozusagen einfach auf die normalen Trackpad-Gesten aufzusetzen. Less is more – so wie es ist, fühlt es sich leider mehr und mehr nach Logitech an). Wünschenswert wäre eigentlich nur eine nahtlose echte WLAN/BT-Anbindung (was fast via Firmware-Upgrade machbar sein sollte) und auf diesem Weg vielleicht eine Möglichkeit, Bamboo und iPad zusammenzubringen, was nicht so abstrus ist, wie es zunächst klingt… denn so könnte man die nuancierte Arbeit mit dem Stift auf dem Wacom auch mit dem iPad nutzen.

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18. März 2012 13:22 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . Keine Antwort.

Das neue iPad

hd schellnackIn Wirklichkeit etwas schärfer: Das neue iPad

Die technischen Neuerungen zum «neuen» iPad sind ja inzwischen gut und abdeckend bereits anderenorts beschrieben und mit dem iPad 2 verglichen und ich kann mich kurz den meisten Meinungen anschließen nach dem ersten Tag herumspielen damit.

Das Retina-Display ist phantastisch, sofern die App es unterstützt und wird sehr schnell sehr nervig, wenn nicht. Medien, die nicht hoch aufgelöst wird, sind ein Alptraum, weil die schlechte Qualität gnadenlos entblößt wird. Apple hätte unbedingt ein 128 GB ipad anbieten müssen, denn mit diesem iPad wirst du Apps, Filme, Magazine und Comics in höherer Auflösung brauchen, bei 1400 px für einen Comic-Scan war man bisher gut dabei, diese Zeiten sind vorbei, das gleiche gilt mit Blick auf SD/HD-Video. Dieses iPad wird sehr viel speicherhungriger sein. Wer kurzsichtig ist und ohne Brille liest, wird dennoch weiter Pixel erkennen, aber die Qualität der Darstellung macht einen absoluten Quantensprung nach vorn. Es ist übrigens verblüffend, dass diese Verbesserung sich schon nach wenigen Minuten völlig selbstverständlich anfühlt, so, als hätte bisher das Gehirn die »Pixellöcher« in der Wahrnehmung von Büchern auf dem alten iPad ausgeblendet. Bücher jedenfalls sehen phantastisch aus. Aber wie das so ist – die letzten 5% sind die schlimmsten. Die jetzt fast an Papier heranreichende Qualität, weit entfernt von normalem «Bildschirm»-Feeling, macht nur noch umso deutlicher, wie viel schärfer echtes Papier eben doch ist und wie anders sich ein Buch letztendlich anfühlt. Gerade die neue Perfektion der Simulation lässt so etwas wie Nostalgie nach dem 100% Echten aufkommen. Das gleiche gilt für die skeuomorphen Interface-Elemente wie Holz, Leder, Stoff usw. Die sahen absurderweise in der niedrigen Auflösung glaubhafter aus als in HD – die bessere Auflösung lässt der Phantasie weniger Raum, Lücken zu füllen und zeigt die Mängel des digitalen Renderings deutlich sichtbar. Der Holzhintergrund von iBooks sah nie so billig aus wie jetzt. Für Interface-Designer wird die 2048er-Auflösung eine echte Herausforderung. Auch wirkt das angeblich kontrastreichere Display schnell einen Hauch zu hell, um dann schlagartig einen Tick zu dunkel zu sein, sobald sich das Umgebungslicht ändert. Es mag seltsam klingen, aber ich fand es schwieriger in wechselnden Lichtverhältnissen die richtige Einstellung zu finden. Nach wie vor bleibt das Pad ein Indoor-Gerät, das im hellen Sonnenlicht nicht funktioniert. Nachts ist es, obwohl sich das Display schon sehr herunterdimmen lässt, einen Touch zu hell, in der Sonne im Freien kann es sich nicht durchsetzen. Für den Strandurlaub also immer noch echte Bücher einplanen. Auch das neue iPad ändert also wenig an der grundsätzlichen ergonomischen Überlegenheit von Papier als Medium (Lesemedium, nicht Speichermedium… in Sachen Vielseitigkeit und Archivierung ist das iPad natürlich weit voraus, in Sachen augenentspannender Lesespaß immer noch weit zurück.) Auffällig ist zudem, dass das Display deutlich kühler eingestellt ist als das iPad 2. Direkt nebeneinander ist das alte iPad eher magentafarben, das neue iPad eher einen Hauch in Richtung Cyan. Nach einer Weile fällt das nicht mehr auf, aber dennoch ist seltsam, dass mit jeder Generation die Farbigkeit so sichtbar schwankt. Dazu kommt, dass zumindest Fabian ja ein Lightleak im Gehäuse hatte, so wie ich bei der ersten Fuhre von iPads 2 – sowas darf einmal passieren, bei der folgenden Generation eigentlich nicht mehr.

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Close-Up: iPad 2

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Close-Up: Das neue iPad. Der Unterschied ist frappierend.

Alte Apps sehen auf dem neuen iPad übrigens bedenklich schlecht aus. Ich hoffe, es dauert nicht wie beim iPhone ewig, bis die diversen Anbieter Updates liefern. In den letzten Tagen hagelt es Updates, aber obskurere Applikationen werden ja häufig nicht mehr richtig gepflegt – und das wäre jetzt schade.

Die 50 Gramm mehr Gewicht merkt man tatsächlich, so albern es klingt, vor allem, wenn man das Bad an der Seite festhält und das volle Gewicht in den Fingerspitzen trägt. Hält man beide Geräte in der Hand, so ist das neue iPad spürbar schwerer. Den Hauch mehr Tiefe des Gehäuses allerdings spürt man eher nicht. Der Formfaktor ist nahezu identisch und da ich das iPad beim Lesen im Bett nach wie vor auf der Brust »abstelle« würde ich mir immer noch einen sanfteren Übergang von Screen zu Body wünschen, das war beim dickeren iPad 1 tatsächlich angenehmer, weil weniger scharfkantig.

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Nur marginal dicker trotz der für den Bildschirm nötigen höheren Systemleistung.


Bei der Geschwindigkeit habe ich keinerlei wirklichen Sprung nach vorn feststellen können (und auch nicht erwartet), ganz im Gegenteil, manche OS-Animationen neigen fast zu gefühlter Langsamkeit. Das Pad wird außerdem sehr schnell spürbar warm an der linken Seite, selbst wenn der Prozessor nicht wirklich belastet ist, in einer Art, die ich vom iPad 2 so nicht kenne. Das bisherige iPad war selbst bei Hintergrundprozessen und gleichzeitiger Arbeit bisher niemals spürbar derart warm geworden. Generell scheint die höhere Leistung des Bildschirms die Ressourcen des Gerätes also voll aufzubrauchen – von der Verdopplung des RAM, der GPU-Beschleunigung, dem neuen Prozessor merkt man als Nutzer außer der abfallenden Wärme eher nichts. Ob der gigantisch gewachsene Akku ohne LTE ein paar Stunden mehr Laufzeit bringt oder auch komplett von dem Killer-Display leergesogen wird, muss man abwarten. Er scheint auf jedenfalls zumindest an USB-Ports merkbar langsamer nachzuladen.

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Rotblau – das neue Display ist zumindest frisch out of the box erst einmal deutlich kühler als das vom iPad2

Die »Light«-Version von Siri funktioniert auch gemessen am bisherigen DragonDictation für das iPad ausgezeichnet. Vorzüglicher in das Keyboard integriert als beim iPhone, macht Spracherkennung beim iPad enormen Sinn und mich würde nicht wundern, wenn das auch in OSX nicht sehr bald ein wichtiges Feature wird. Dass das Assistentensystem Siri es selbst nicht auf das iPad geschafft hat, halte ich für keinen großen Verlust. Das iPad ist weniger ein Hands-Free-Gerät und ich merke selbst beim iPhone, dass ich Siri eher selten benutze, etwa beim Autofahren, weil die Fehler/Irrtümer gegenüber der Nützlichkeit doch sehr frustrierend sind. Die Diktatfunktion nutze ich hingegen auch am iPhone verblüffend oft (zumindest wenn ich alleine bin) und denke, dies wird auch beim iPad der Fall sein. Tatsächlich macht ein System wie Siri auf dem iPad (noch) wenig Sinn, auch wenn es eventuell trotzdem über kurz oder lang darauf laufen wird – vermissen würde ich es derzeit sicher nicht. Siri ist deutlich mehr als ein Gimmick, wenn aber das simple Versenden einer SMS vier Anläufe braucht, bis alles stimmt, ist dieser Interface-Ansatz einfach noch zu unausgereift für das iPad.

Die neue Kamera ist ein Lichtblick, vor allem, weil die bisherige einfach so unverschämt schlecht war. Obwohl immer noch nicht an der Qualität der 4S-iPhone-Kamera angelangt und ohne Blitz, ist das iPad war sicher (und zurecht) keine sinnvolle Kamera (das iPhone eigentlich auch nicht), aber für schnelle Schnappschüsse von Notizen bei Meetings und für einen schnellen Klick reicht es jetzt absolut – das eröffnet dem iPad neue Möglichkeiten, als Datenerfassungsgerät vollwertiger zu funktionieren. Nicht zuletzt ist die Videoqualität besser und das iPad ist gerade durch seinen größeren Formfaktor dem iPhone eigentlich als Video-«Kamera» fast überlegen, man hält das Gerät einfach ruhiger mit beiden Händen und der gigantische High-Res-Bildschirm macht Video-Aufzeichnungen zu einer Erfahrung, mit der eigentlich kein einzig vergleichbares Gerät derzeit mithalten kann.

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Fast die einzig sichtbare Erneuerung des ansonsten für Laien identischen Gerätes ist die größere Kameralinse.

Generell macht das Wegfallen der Kennziffer im Namen des iPad deutlich, was seit längerem bei Apple deutlich ist: Wie bei den Desktop-Geräten geht es auch bei den Mobilgeräten inzwischen um eine langsame, stetige Verbesserung, nicht um revolutionäre Leistungssprünge. Beim iMac haben wir uns daran gewöhnt, dass es neue Prozessoren, größere Festplatten und schnellere Grafik gibt, und ab und zu mal ein Update von Gehäuse oder Monitorgröße. Selbst drastische Innovationen wie etwa Thunderbolt sind in der Evolution der Geräte von wenig Hype begleitet. Die meisten Desktopgeräte von Apple sind in ihrer Entwicklungsgeschichte an einem Punkt, der stetige Verbesserung, aber keine drastischen Entwicklungen verspricht. Das ist eine smarte Strategie, die gewährleistet, dass der Wertverlust alter Geräte in der Entwicklung relativ stabil bleibt. Der eine mag seinen alten iMac entsorgen, weil SSD und Thunderbolt wichtig sind, der andere bleibt mit seinem Vorjahresmodell absolut zufrieden und wird vielleicht erst in zwei drei Jahren die Akkumulation an Neuerungen haben, die ihn zum Update bewegt, zumal Apple ja doch regelmäßig den Formfaktor so ändert, dass nach drei bis vier Jahren spätestens der Alterungsprozess auch sichtbar wird und ein Kaufimpuls gesetzt ist. Gemessen an der Vielfalt von Modellen und dem stetigen, unruhigen Wechsel in der Windows-PC-Welt ist diese Politik der ruhigen Hand eine sinnvolle Strategie, die jetzt eben auch das iPad und ab Herbst sicher auch das iPhone einholt. Gottseidank, denn ein iPad 18 wäre ein Unding und die Versionsnummern züchten eine Erwartungshaltung, die Apple bald schon nicht mehr wird einhalten können. Schon vor dem Release dieses iPads geisterten unhaltbare Gerüchte von taktilen Displays durch die Blogs, und nach jeder Keynote scheint es zunehmend um das zu gehen, was die Firma nicht geliefert hat. Es macht Sinn, diese Erwartungshaltung aufzugeben und sich mit einem langsamen, stetigen Prozess anzufreunden, wie Apple ihn auch seit Jahren bei der Software fährt. Jeder weiß, wo die Reise hingeht – iOS und OSX werden eins, Retina-Touchscreens auch bei den (ohnehin aussterbenden) Desktops, mehr Leistung bei den mobilen Geräten, über kurz oder eher über lang vereinfachtes 3D und so weiter – aber wer sich eine Weile in einen Apple Store stellt und den durchschnittlichen Neukunden zuhört, der weiß, wie klug die Strategie des Unternehmens ist, tropfenweise und langsam mit solchen Neuerungen zu kommen, nicht nur finanziell, sondern auch, weil die Nutzer so langsam in die Innovationen hineinwachsen können. Schon heute dürfte der Sprung vom Nokia-Handy zum Iphone 4S für einen unbedarften User eine Herausforderung sein: systemweite Gesten, die aber in einigen Apps anders belegt sind, eine grundlegende Betriebssystemlogik, Einstellungen, die richtig vorgenommen sein sollten, wenn man seinen Akku mag, eine Sprachsteuerung, die komplett erlernt sein will. Wer mit dem iPhone 1 oder 2 angefangen hat, dürfte all dies peu à peu gelernt haben und niemals überfordert gewesen sein, wer »kalt« einsteigt, hat als Laie eine durchaus steile Lernkurve vor sich. Apple ist also gut beraten, die Lernkurve an der iOS-typischen Einsteiger-Zielgruppe zu orientieren und sowohl Hardware als auch Software biologisch und langsam wachsen zu lassen. Dafür spricht auch der an sich ja ungewöhnliche Split zwischen Updates der Soft- und Hardware (iOS selbst wird ja immer erst im Herbst mit dem iPhone erneuert).

In einer von keiner anderen Firma so praktizierten Methode – vielleicht weil niemand anders Hard- und Software und sogar Medieninhalte auch nur ansatzweise so einheitlich anbietet wie Apple – entsteht hier eine Art »Sippe« von Geräten, die nahtlos miteinander verzahnt sind und in einer Art sanften infrastrukturellem Übergang von iPod bis MacPro modular verschiedenste Nutzungsszenarien zulassen, die immer durch multiple Geräte profitieren. Dass dabei iOS im Vordergrund steht ist allein durch den Umsatz der mobilen Geräte selbstverständlich. Ein selbst marginal erneuertes iPad wird in Zeit, Spiegel und FAZ zum Thema, ein iMac oder MacPro keineswegs. Wenn Apple also vom Post-PC-Zeitalter spricht, so ist dies eigentlich irreführend – denn durch schnelle Datennetze und leistungsstarke mobile Endgeräte *wird* der Computer überhaupt erst persönlich, er rückt uns auf die Pelle. Auf dem Weg zu neuen Interfaces ist das neue iPad nur ein kleiner Schritt, im Verbund mit der Gesamtstrategie Apples aber werden wir in wenigen Jahren zurückblicken und uns wundern, wie schnell das alles ging. Apple hat seit Mitte der letzten Dekade die Art wie wir über Computer denken, grundlegend geändert (und exzellent daran verdient) und die in Bewegung geratene Lawine vernetzter, tragbarer, immer «realer» werdender Geräte, die mehr und mehr als technische eigene Entitäten nicht mehr wahrnehmbar sind, sondern sich in das verwandeln, was die Software uns jenseits der Pixel-Wahrnehmungsgrenze des Auges vorspiegelt (denn nach 2048 ist 4096 doch nur eine Frage der Zeit und dann kannst du gar nicht mehr so kurzsichtig sein, noch irgendwelche Pixel zu sehen) ist bereits so schnell und immersiv geworden, dass wir fast gelangweilt auf den Fortschritt blicken. Dabei ist es ein kleines Wunder, dass wir nur ein Jahr nach dem iPad 2 jetzt bei gleicher Akkulaufzeit ein Display mit doppelter Auflösung – mit faktisch bisher unerreichter Pixeldichte – in den Händen halten, das zudem noch potentiell höchste Datenraten zulässt. Wer will da noch den Fortschritt nach Hardware-Verbesserungen oder «neuen Features» bemessen, den es eigentlich längst im systemischen Verbund der kleinen Einzelverbesserungen zu entdecken gibt, in der ein photorealistisches Display eben nur ein weiterer Mosaikstein ist.

16. März 2012 20:55 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . Keine Antwort.

Sparrow auf dem iPhone

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Ihr kennt es wahrscheinlich – manchmal möchte man sich seine Software wie Frankenstein aus verschiedensten Elementen bestehender Software zusammenstückeln dürfen. Das war immer so, wird immer so sein. Die jeweils neuere Version kann dieses oder jenes besser, oder A bietet einfach ein Feature, dass Programm B seit Jahren nicht näherungsweise hinkriegt. Ich würde mir beispielsweise viele Details von Pixelmator in Photoshop wünschen, aber Pixelmator kann Photoshop nie ersetzen, weil eben entscheidende Features komplett fehlen. Es gibt Programme, bei denen man denkt: Super, aber XYZ kann dieses eine Ding echt besser, ist aber ansonsten schlechter… Und genau so geht es mir seit Jahren mit Mailprogrammen wie AppleMail, Postbox und Sparrow. Ich nutze alle drei (für verschiedene Zwecke), was nicht gerade effektiv ist, und würde mir längst wünschen, Apple würde in das Standardprogramm einfach die guten Features der beiden Konkurrenzangebote aufnehmen. Aber es passiert einfach nie. Und das dürfte auch ein Problem für Sparrow auf dem iPhone werden, weil es eine typische «Eigentlich super, aber…»-Software ist.

hd schellnack

Nicht perfekt gelöst, aber guter Ansatz ist die ausfahrende Action-Leiste bei Mails.

Sparrow ist auf dem Mac seit einiger Zeit eine phantastische Alternative zu Apples eigenem Mail-Programm. Obwohl die Suchfunktionen lange nicht so ausgefuchst sind und mich nach wie vor einige Details an Sparrow ärgern, ist vor allem die Quick-Reply-Funktion und die Leichtigkeit der Software insgesamt, herausragend. Die Integration in die Menüleiste, die systemweiten Shortcuts für neue Mails, die sinnvolle Integration von Tastenkürzeln und Gesten, nicht zuletzt das sehr an iOS-Apps angelehnte Flair des minimalistischen (wenn auch nicht immer ganz konsequenten) Interfaces machen einfach Spaß.

Es ist also nur folgerichtig – und seit einiger Zeit in Entstehung – eine von iOS inspirierte Minimal-Applikation auch auf iPhone und iPad zu bringen. Und während es Sparrow für das iPad noch nicht gibt und auch die iPhone-Variante etwas wie ein Schnellschuß wirkt, ist Sparrow auch auf dem iPhone eine zumindest ansehenswerte Alternative zu Apples hauseigener Lösung.

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Nervig: Die Adressauswahl vor dem Schreiben einer Mail und das schlechte Handling von eMail-Adressen, die zudem alle entweder gleiche oder auch mal gar keine Bilder zugeordnet haben.

Der Nachteil, dies vorweg, ist beim iPhone allerdings, dass Mail nahtlos ins System integriert ist, immer »on« ist, entsprechend einigermaßen PushMail kann und den User über neue Mails benachrichtigt. Sparrow nicht. Das ist, ehrlich gesagt, ein Shoot-Out-Grund, die Software nicht zu benutzen. Sie doppelt weitestgehend bestehende Funktionen in einem Ökosystem, das zu klein für Redundanzen ist. Sparrow wäre sinnvoller, würde es Mail *komplett* ersetzen, aber in einer sowohl-als-auch-Lösung, bei der Mail auch nicht komplett deaktivierbar ist, muss man sich schon fragen, warum man zwei Lösungen parallel laufen lassen möchte. Zumal eine der Lösungen auf deinem Startbildschirm und im Notification Center integriert ist, von jeder anderen App via API als Haupt-Mailprogramm genutzt wird usw. Anders gesagt – Sparrow leidet auf dem iPhone an ganz ähnlichen Problemen wie auf dem Desktop. Es kommt nie ganz an das perfekt in die Infrastruktur eingebettete Mail-Programm an, das zB Adobe und andere Anbieter immer automatisch nutzen, wenn man eine PDF verschicken will. Auf dem iPhone ist das absolut genau so. Sparrow reduziert sich damit, auch wenn das für 2,99€ sicher okay ist, zu einer Art Experiment oder Spielzeug.

Umso schlimmer, dass die Erfahrung mit Sparrow damit beginnt, dass man seine Accounts, die Apple eigentlich zentral verwaltet, erneut eingeben muss. Apple erlaubt Sparrow keinen Zugriff auf die in der Systemsteuerung gespeicherten Mail-Einstellungen, da kann das Team um Hoa Dinh Viet, Dominique Leca und Jean-Marc Denis nichts dran ändern. Und so toll es ist, dass Sparrow quasi die mit erste Applikation ist, ein so systemnahes Programm von Apple «ersetzen» darf, merkt man hier, dass es alles andere als einfach ist, ein so verzahntes Angebot von Apple zu ersetzen. Zumal man auf die Validation der Accounts ziemlich lange warten muss bei Sparrow, zumindest bei meinem Mailserver.

Einmal installiert – und abgesehen von der »splendid Isolation«, zu der Sparrow durch Apple verdonnert ist, macht die Software spontan Spaß. Das kurze Bedienungs-Tutorial braucht es eigentlich kaum, das Interface ist durch Twitter und Facebook eigentlich vertraut, mit den sich überlagernden Schichten. Inkonsequent ist allerdings, das im UI sichtbare Bereiche funktional nicht durch Touch zu aktivieren sind. Wenn ich einen «Fächer» sehe, will ich ihn auch sofort benutzen können, und nicht sozusagen erst den Bereich dazwischen aktivieren müssen. Ebenso unlogisch ist, dass die mich von Accounts zu Foldern zu Mails führenden Swipes in den Mails selbst auf einmal nicht funktionieren – und ich bin sicher, die Funktionsleiste in den Mails selbst (für Löschen, Archivieren, Markieren usw.) lässt sich besser lösen als es jetzt der Fall ist… es ist zwar viel dezenter und effizienter als bei Mail selbst, hängt aber z.T. in der Schrift und sieht irgendwie auch störend aus, unschön.
Auch ansonsten ist zunächst einiges vielleicht ungewohnt bei Sparrow – etwa, dass man nicht in rechter Richtung über Mails swiped, um sie zu löschen, sondern nach links (dafür aber mit mehr Möglichkeiten belohnt wird), oder die tatsächlich nicht nur gewöhnungsbedürftige sondern hochgradig doofe Trennung von Adresseingabe und Texteingabe bei neuen Mails. Sparrow zwingt dich, zuerst die Empfänger auszuwählen aus einer Art Kontaktliste, bevor du schreiben kannst. Manchmal will man aber auch einfach nur mal schnell schreiben und DANN überlegen, an wen eigentlich. Die Adresslisten-Lösung hat etwas unschön bürokratisches und gehört überdacht, ebenso wie der komplett furchtbare Ansatz, dass Sparrow längere Zeilen schreibt als das iPhone hergibt und dabei den Content dynamisch mitverschiebt. Das macht hier und da Sinn weil man nicht in winzig kurzen Zeilen schreibt, sondern gefühlt normalere Formatierungslängen hat, da die Software aber auch mal das »Mitrutschen« auch mal verpasst und man gar nicht sieht, was man schreibt, ist das insgesamt eher verwirrend.
Weniger schlimm finde ich, dass es keinen Landscape-Modus gibt, weil ich eMails meist ohnehin im Portrait-Modus schreibe, und auch Bold/Italic sind kein Beinbruch, wiewohl ich diese Formatierungen bei Mail, seitdem auf dem iPhone (wenn auch viel zu umständlich) verfügbar, durchaus gern nutze, es hilft einfach, Texte besser zu strukturieren. Wann können eMails eigentlich einfach durchgehend Markdown?

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Gute Idee, in der Praxis manchmal irritierend: Die Zeilen sind länger als das Display beim Schreiben.

Positiv bemerkenswert an Sparrow ist das aufgeräumte Interface, das allerdings statt dem facebookblauen eigentlich ein graues Chrome vertragen könnte, die besser ausgenutzten Gestenmöglichkeiten, die in vielen kleinen Details effektiver sind. Schon nach kurzer Nutzung wird deutlich, dass Sparrow zum durchgehen von Mails, zum Archivieren/Löschen/Markieren und auch fürs fixe Beantworten dem eigentlichen Mailclient von Apple weit überlegen ist. Details wie die Vogelperspektive bei Mail-Dialogen sind so einfach und selbstverständlich, dass man sich spontan fragt, warum Apple selbst so etwas nicht anbietet, ebenso die Mehrfachauswahl von Aktionen in der Mailübersicht, die bessere Übersicht bei Accounts und Ordnern (die bei Apple selbst unerträglich gelöst ist auf dem iPhone) oder Kleinigkeiten wie Pull-to-Refresh, die Anhangsverwaltung durch Swipe, die Möglichkeit, per einfacher Swipe-Geste von der Inbox zu markierten oder ungelesenen Mails zu wechseln… Sparrow steckt voller smarter Ideen, die man sich spontan in der eigentlichen Mail-App wünschen würde. Und hat gleichzeitig Mankos, die eine «richtige» Nutzung fast unmöglich machen.

Anders gesagt: Es ist ein ausgezeichnetes, sogar überlegenes Mail-Programm, das leider im Gegensatz zum Original nicht annähernd ausreichend in das OS eingebettet ist. Du kannst aus iPhoto keine Bilder per Sparrow versenden, du kriegst keine Info über neue eMails (außer über absurde Umwege via Boxcar usw.).
Unter diesen Umständen, die Apple wohl kaum gravierend ändern wird, ist Sparrow ein tolles Experiment, ein hochspannendes Spielzeug, im Einzelfall auch durchaus sehr brauchbar, aber eben kein vollwertiger Ersatz für Mail, kein alltagstaugliches Werkzeug, weil es noch zu viele Umwege verlangt und weil man am Ende eben doch wieder und wieder bei Mail.app landet und nicht bei Sparrow. Und da Mail sowieso installiert ist, nicht deinstalliert werden kann und auch permanent aktiv ist, muss jeder selbst entscheiden, ob es das braucht. So wie man sich fragen darf, ob man eher Twitter oder Tweetbot nutzen mag, nur gravierender. Als Studie darüber, wie gut ein Mailprogramm auch auf dem iPhone sein könnte, wenn es konsequenter auf die Möglichkeiten der Gestensteuerung setzt und im Detail liebevoller durchdacht ist, ist Sparrow aber unbedingt ein Gewinn. Bleibt zu hoffen, dass sich mit zukünftigen Versionen nicht nur die vielen kleinen Interface-Ungereimtheiten von Sparrow legen und neue Features dazukommen, sondern vor allem auch die Systemintegration besser wird. Wobei das selten vom Anbieter anhängt und bei Sparrow auf dem Mac seit Jahren in entscheidenden Stellen auch nicht wirklich besser wird, so dass es bis heute trotz umwerfender Funktionalität immer noch nicht DER Standardclient für Mails sein kann. Was eigentlich schade ist…

15. März 2012 14:49 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . Keine Antwort.

Wacom Intuos 5

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Das neue Wacom Intuos5 Pad ist seit Anfang letzter Woche auf dem Markt und obwohl es von 3 zu 4 bereits kaum so nennenswerte Verbesserungen gab, dass man upgraden musste, sind wir natürlich Wacom-Junkies genug, um das neue Fünfer-Pad ins Büro zu holen und eins der alten einzumotten.

Die neue Generation ist wie der Vorgänger schwarz, allerdings ist aus dem eher glänzenden Plastikgehäuse eine Art mattes Gummi geworden. Ich sag ja – matte Oberflächentexturen sind die (nähere) Zukunft. Es ist nicht wirklich Gummi, fühlt sich aber samtiger und griffiger an als das vorherige hochglänzende Finish. Auch die Funktionstasten – die ich zugegebenermaßen so gut wie nie benutze – haben sich drastisch geändert. Das ins Gehäuse integrierte LED-Display an den Tasten ist verschwunden, was etwas schade ist, weil das schon schick & praktisch war, und statt dessen wird über die Wacom-Software eine Art HUD im Bildschirm angezeigt, sobald man die Tasten an der linken Seite des Zeichenpads berührt. Dieses HUD ist allerdings ziemlich durchwachsen – während es für den Touchring, der vierfach belegt ist und wie alle Tasten einigermaßen frei konfiguriert werden kann, eine eher dezente Darstellung gibt, wird Touch AUS/AN so groß eingeblendet, dass es wahrscheinlich noch die Nachbarn auf der anderen Straßenseite lesen können. Hier müsste noch mal etwas Screendesign-Politur stattfinden.

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Die neuen Touch-Tasten, jetzt ohne eigenes Display.

Während das Intus 4 durch zwei USB-Eingänge so konzipiert war, dass die Zusatztasten links oder rechts sein konnten, habe ich beim 5 bisher keine Möglichkeit gefunden, die Orientierung zu ändern. Was ebenso schade ist wie die Tatsache, dass das Kabel rechts außen ist – es links anzubringen würde weniger Kabelsalat über meinen Schreibtisch laufen lassen, ergo die Reichweite erhöhen und sähe zugleich eleganter aus. Man kann sagen, dass dies keine Rolle spielt, da das neue Pad mit einem knapp 40 € teuren Wireless-Kit ausgestattet auch ohne Kabel auskommt (dazu später mehr beim Bamboo-Review), aber die Tatsache ist, dass der Akku so kurzlebig ist, dass ich das Intuos auf jeden Fall weiter per Kabel betreiben werde – und die Lösung beim 4er eigentlich gelungener fand, zumal auch der USB-Stecker etwas dezenter gelöst war. Der neue L-Stecker ist eine seltsame Fortsetzung der Entwicklung, dass der Anschluss von Wacom-Zeichentabletts mit jeder Generation etwas klobiger wird, denn tatsächlich waren die fest im Gehäuse verankerten alten Kabel weniger sperrig als die (die ansonsten ja sinnvollen) auswechselbaren heutigen Kabel mit ihren dicken Steckern.

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Die Funktionstasten sind weitgehend frei belegbar.

Die große Neuerung des Intuos ist, dass es zugleich ein «normales» Touchpad ist, etwa wie das Trackpad von Apple. Auf dem Papier ist das ein Must-Buy-Grund, die Idee ein A4-großes Touchpad zu haben, das Trackpad wegzustellen und das Intuos sowohl als Zeichentablett wie auch als Mausersatz nutzen zu können, klingt enorm verlockend. Und tatsächlich – die Software von Wacom lässt viele Einstellungen zu, die die Trackpad-Funktionalität von Apple abdecken, wenn es auch an entscheidenden Stellen ein zwei seltsame (und insofern ergonomisch ungewohnte, weil Gestensteuerung viel über motorisches Gedächtnis läuft) Abweichungen gibt… nicht, dass Apple hier besser wäre, die nach wie vor Trackpad, Mouse und iPad nicht wirklich kongruent haben. Bisher spielt zumindest bei mir (und wenn ich dem Wacom-Forum glauben darf auch bei manch anderen Nutzern) die Software einige Streiche… die Touch-Funktion streikt gelegentlich ganz oder verhält sich erratisch und ist nur durch Abziehen und wieder Anstecken des USB-Anschlusses wiederherzustellen. Irritierender aber ist, dass die Plastik-Oberfläche des Intuos nie ganz die perfekte Glattheit und widerstandsfreie Geschmeidigkeit des Trackpad erreicht. Wo bei Apple deine Finger wunderbar über die Touchoberfläche gleiten, ruckelt man beim Intuos eher über das Plastik, das sich zumindest bei mir aufgrund der geraden und großen Fläche auch sehr schnell sehr »staubig« anfühlt, egal wie oft man am Tag saubermacht und drüberwischt. Durch die Form des Intuos liegt zudem der Arm anders auf dem Schreibtisch als beim Trackpad, das ja meist eher neben der Tastatur steht – was zumindest bei mir früher zu Ermüdungserscheinungen in Hand und Arm aufgrund der weniger ergonomischen Haltung führt. Also kein vollwertiger Trackpad-Ersatz, aber jede alternative Eingabemöglichkeit hilft ja, weniger repetitiv und belastend zu arbeiten. Dazu kommt, dass das Pad via USB an einem MacPro das vielleicht mit letzte Non-Bluetooth-Eingabegerät ist, was Gold wert sein kann, wenn etwa das furchtbare BT am MacPro mal wieder spinnt und man so zumindest noch grundlegende Dinge (etwa einen BT-Explorer-Reset oder Neustart) vornehmen kann. Phantastisch ist übrigens, dass das Tablett die gleichzeitige Arbeit mit Stift und Touch zulässt – in Photoshop ist damit Zoomen, Drehen und Panning durch ein Bild ein Kinderspiel, man kann im Wortsinne erstmals völlig perfekt mit dem Tablett »auf dem Schoß« arbeiten und braucht Maus oder Tastatur immer weniger. Ich bin kein Zeichner – aber jeder, der am Rechner illustriert, wird diese Generation einfach lieben.

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Praktisch zum Kabelaufwickeln, ansonsten zu klobig: Der USB-Stecker.

Kurzum – wer noch kein Intuos hat, dem gibt die fünfte Generation eine Menge gute Gründe, endlich dieses für Designer mehr oder minder unverzichtbare Werkzeug zu kaufen. Es ist ein mit wenigen Ausnahmen wunderbares Stück Design, technologisch eigentlich inzwischen so ausgereift (schon seit einigen Jahren), dass Wacom kaum noch etwas wirklich drastisches daran verbessern kann, die Basics sind seit Ende der 90er perfekt, die noch größte Revolution war der Switch zu USB-Ports vor gut zehn Jahren. Entscheidend bleibt nach wie vor der Stift, die natürliche, superfeine Arbeit in Photoshop. Mir ist nach wie vor ein Rätsel, warum man mit der Maus in Photoshop retuschieren oder effektiv freistellen will, wenn es ein Werkzeug gibt, das so viel fluider und natürlicher arbeitet und so viel mehr kann als nur «binär» zwischen geklickt / nicht geklickt zu unterscheiden. Wer mit dem 4er oder 3er-Intuos arbeitet und damit zufrieden ist, hat keinerlei Grund, umzusteigen, es sei denn Touch oder Wireless-Option sind aus speziellen Gründen wichtig. An der Basis-Funktionalität des Wacom hat sich kaum etwas geändert, der Stift ist bei diesem Modellwechsel sogar ausnahmsweise gar nicht überarbeitet worden (was ich eher begrüße). Das Intuos ist ein phantastisches, wenn auch nicht unbedingt preiswertes Stück Hardware, das im Grunde an keinem Arbeitsplatz fehlen darf. Mir tut Wacom eigentlich etwas leid, weil ihr Kernprodukt seit Jahren so makellos ist – und so solide -, dass man es kaum auszutauschen braucht. Durch das 5er wird hier im Büro eines der ersten USB-Intuos frei, eins der frühen Modelle, die noch keinen gummierten Stift hatten (ein Sondermodell aus transluzent grauem Plastik, das optisch auf die alten G4 aus grauem Kunststoff abgestimmt war, da sieht man wie alt das Tablett ist)… und selbst dieses vielleicht älteste Stück Hardware im Büro ist nach all den Jahren, in denen hier bereits drei oder vier Rechnergenerationen ausgetauscht wurden, immer noch völlig makellos und in den Kernfunktionen (also: Stifteingabe) genauso gut wie die neueste Modellgeneration. Es ist nicht einmal wesentlich unschicker (anders als die Beigen Modelle davor), und die Stiftspitzen sind sogar etwas solider als in heutigen Intuos-Pads. Es ist selten, dass ein technologisches Werkzeug so zeitlos gut ist – und das neue Intuos 5 setzt diese Tradition hoffentlich fort. Die Kabelführung und die noch etwas wackeligen Treiber sind etwas schade und dass eine Plastikoberfläche nicht diese handschmeichlerische Perfektion des Apple-Trackpads erreicht ist wahrscheinlich nur normal… in der Praxis aber ist das 5er eine Evolution von der Vorgängerversion, die das Geld durchaus wert ist, schließlich arbeitet man ja nahezu jeden Tag damit und es gibt kein näherungsweise so »symbiotisches« Interface-Gerät wie das Intuos, das wie ein Stift auf Papier zur Schnittstelle mit der Arbeit wird, ohne Ruckeln, ohne Gesten, ohne Denken. An dieser Perfektion kann Wacom nichts verbessern und gottseidank hat die Firma den Stift nicht mit mehr Buttons oder anderen Schnickschnack modifiziert, sondern vielmehr mit der Touch-Option eine komplett neue Nutzungsschicht über die bestehende gelegt. An der Touch-Funktionalität gibt es sicher einiges zu verbessern in den kommenden Jahren, und das ist ja auch nur gut so – aber insgesamt ist das fünfte Intuos eine hervorragende Symbiose aus Innovation und Bewährtem.

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Glow-in-the-Dark: Dezente Lichtmarkierungen begrenzen die Touch-Zone (Der Stift nutzt hingegen die gesamte Tablettoberfläche).

14. März 2012 19:10 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . 2 Antworten.

Byword iOS

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Nach Writer setzt jetzt auch das andere «einfache» Schreibprogramm Byword auf iCloud. Neben einem Update für die Mac-Applikation gibt es eine brandneue iOS-Version, universell für iPhone und iPad, die die Texte über Dropbox und iCloud abgleichen kann. Gegenüber Writer verfügt Byword vor allem auf dem Desktop über einige nette Features (Rich-Text-Unterstützung und wunderbar einfacher HTML-Export in die Zwischenablage), die iOS-Version, die allerdings natürlich auch »jünger« ist als Writer, bietet weniger Leistung – insbesonderej fehlt die Sondertastatur-Leiste mit den gebräuchlichsten Sonderzeichen. Update: Doch, die Leiste gibt es, aber etwas versteckt durch einen Swipe auf dem Zeichen/Wortzähler. Leider ohne Guillemets;-). Abgesehen von diesen kleinen Unterschieden sind beide Programme in ihrer Einfachheit natürlich weitestgehend identisch. Seltsam ist, dass Byword kein RTF anbietet, obwohl das inzwischen in iOS unterstützt wird und die Desktop-Variante der Software Rich Text beherrscht. Durch Markdown vielleicht inzwischen weitestgehend egal, aber dennoch hat Metaclassy hier vielleicht eine Distinktionschance vertan. Tatsächlich entkoppelt sich ein Text automatisch und etwas verwirrend von der iCloud, sobald man ihn in formatierten Text umwandelt… man muss ihn komplett neu speichern und kann dies nicht mehr in iCloud tun.

Auf dem Desktop angelegte neue Texte müssen, wie bei Writer, auch zunächst lokal gespeichert und dann in die Wolke «verschoben» werden. Ich kann nur hoffen, dass Apple diesen Humbug mit Mountain Lion systemweit ändert. Es ist nur ein Detail, aber gerade beim spontanen Schreiben ein nicht ganz unnervendes. Auch der Sync neu angelegter oder das synchronisieren gelöschter Dateien zwischen den Geräten ist relativ schleppend – vielleicht eine Kinderkrankheit.

Mein Fazit: Insgesamt hat der Writer etwas die Nase vorn. Ich mag das unverschämt cleane Interface, die Zusatzbuttons vor allem bei iOS, und die Nitti als Typeface (obwohl man die bei Byword, sofern man den richtigen Font besitzt, natürlich auch einstellen kann auf dem Desktop). Byword ist auf dem Mac durch die Möglichkeit zu RTF zu wechseln und die deutlich reicheren Export-Angebote einen Hauch besser und auch durch den Nutzer feiner «einzustellen». Konkurrenz belebt das Geschäft und ich freue mich, durch zwei nahezu identische Apps sozusagen an zwei Texten simultan, durch Applikationen getrennt, arbeiten zu können – und bin gespannt, welcher der beiden Anbieter mit den nächsten Updates noch mehr überzeugt.

15:37 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . Keine Antwort.

Der Writer und die Datenwolke

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In dubio pro Wolke
»Seamless creation« dürfte aus meiner Sicht eines der Zauberworte der nächsten Jahre werden. Nachdem man das Wort »cloud« ja langsam schon kaum noch hören kann, abgegriffen, bevor die Technologie noch richtig funktioniert, überholt Apple mit icloud zumindest in einem Aspekt den großen Favoriten Dropbox: Die nahtlose Synchronisierung von Dateien zwischen Geräten in der Apple-Ökosphäre ist, wenn Apples Server mal keinen schlechten Tag haben, ein Traum. Während bereits Applikationen wie DayOne, die iWork-Suite, iLife und viele andere iCloud nutzen, ist das Vorzeigeprojekt für die Vorteile dieser Art von geteilten Daten aus meiner Sicht derzeit iAWriter, der gerade auch als Universal App das iPhone als Plattform nutzt und damit Desktop und iOS komplett abdeckt. Aufgrund der vergleichsweise kleinen Datenmenge, mit der der Writer operiert, geht der Sync enorm flüssig – so schnell sogar, dass man dabei zuschauen kann, wie sich Texte in Echtzeit auf dem iPad aktualisieren, wenn man sie auf Desktop oder iPhone umschreibt.

Arbeit to go
Obwohl der Writer mit einigen Features gegen Programme wie Byword oder Writings nicht mithalten kann, macht ihn dieses «Schreib, wo du willst»-Denken zur derzeit besten Lösung, um Texte zu verfassen. Es ist weniger die sehr ansehnliche visuelle Reduktion, weniger das wunderbar praktische Markup (das Byword nach wie vor besser löst, etwa mit Export der HTML in die Zwischenablage), nicht einmal die großartige, die für mich inzwischen fast unverzichtbare Keyboard-Ergänzungszeile in iOS (mit nach wie vor falschen Guillemets für mich), sondern vielmehr die Möglichkeit, völlig nahtlos zu schreiben. Menschen, die ihr Geld mit dem Verfassen von Texten verdienen, müssen diese Möglichkeit lieben, aber selbst so ist es eine Freude, jederzeit an Ideen schreiben zu können, spontan und egal, wo man gerade ist und vor allem – völlig unabhängig von der Hardware. Writer und iCloud und die reduzierte Anforderung von reinen Textdateien hebeln die Frage, womit man eigentlich schreibt, völlig aus. Natürlich lässt es sich am Desktop besser schreiben als am iPad und dort besser als mit der Winzigtastatur der iPhone – aber abgesehen hiervon begleitet dich der Text auf jedes Gerät, ist immer up-to-date, ohne dass man noch über manuelles Abgleichen (wie etwa bei Dropbox meist nötig) nur noch ansatzweise nachdenken muss. Man mag – zu Recht! – ganz sicher darüber sinnieren, ob es nicht auch Schattenseiten hat, wenn Arbeit einen so ubiquitär verfolgen kann, aber für uns armen Glücklichen, die zwischen »Privat« und »Arbeit« ohnehin eher eine Drehtür oder hauchdünne Membran haben, ist dieses Mitwandern von Daten ein Segen, weil Ideen genau dort festgehalten oder bearbeitet werden können, wo sie entstehen oder wo die Zeit gerade richtig dafür ist. Bis dieser Ansatz auch mit komplexeren Applikationen so richtig funktioniert, wird es sicher eine Weile dauern, aber Apple zeigt seine Ambitionen bereits damit, dass Garageband ab vorgestern nun auf gleiche Art funktionieren soll.

Faul = funktioniert
Was Writer dabei absolut richtig macht – und es sich damit durchaus einfacher macht als so manche Konkurrenten -, ist, gnadenlos auf das etablierte iCloud-API zu setzen. Andere Anbieter werkeln an eigenen Serverlösungen… und das Ergebnis ist nicht nur ein für den Nutzer unüberschaubares Terrain von Sync-Lösungen, Passwörtern und Datenaustauschplattformen, sondern vor allem auch Ansätze, die eben nicht nahtlos ins Betriebssystem verankert sind. Writer wird so zwar von Apples Stimmungsschwankungen zumindest vorläufig etwas abhängiger, hat aber eine cloud-Plattform out of the box lauffähig und problemlos parat, ohne große Mühe, wo andere Anbieter sich seit Monaten abarbeiten und immer noch keine wirklich funktionalen Lösungen jenseits von Alpha– oder Betastatus vorweisen können. Die information architects binden so nicht nur weniger Ressourcen als CulturedCode, Omni und die vielen anderen Softwareschmieden, die auf Insellösungen bauen, sondern weisen auch den Weg zu einem integrierten Dateisystem online, das von Apple sicher in Zukunft noch deutlich ausgebaut werden muss, da die sich hier bisher abzeichnende Sandbox-Mentalität eher aus Nutzsicht zur Zeit nach hinten losgeht. Sie ist sicher, einfach, portabel, aber leider für alles, was nicht «casual work» ist, völlig unbrauchbar. Fehlendes Dateimanagement wird, je mehr man mit iPad und iPhone »richtig« arbeiten kann, zu einem der größten Mankos von iOS mutieren… ist es, wenn man sich das neue iPhoto anschaut, eigentlich jetzt bereits, der permanente Daten-Roundtrip nervt, das allgegenwärtige «Open in» ist heute schon so anstrengend wie überflüssig. Ein vereinfachter Finder wäre eine gute, überfällige Sache.

Dennoch – iCloud ist in seiner Einfachheit, als unsichtbare Infrastruktur im Hintergrund, der richtige Weg. Zwar hat man vom Desktop aus (noch) keinen direkten Zugriff auf iCloud, was ein großes Manko ist, iAWriter aber relativ mit dem Verschieben von einmal gespeicherten Dateien in den entsprechenden Ordner in der Library elegant umgeht. Auch, dass iCloud anders als Dropbox nicht sichtbar im User-Ordner arbeitet, sondern relativ versteckt ist (wahrscheinlich, um magischer zu wirken), ist für professionellere Anwendungen ein Manko, im Falle von Writer aber eine vernachlässigbare, vielleicht sogar angenehme Sache – es sei denn, man will Text mit einem anderen Programm bearbeiten, dann fangen die Probleme an, weil es eben keinen offenen Zugriff auf die Ressourcen gibt. Was mir für Design und Bildbearbeitung derzeit noch zu hermetisch und user-feindlich scheint (auch wenn Adobe anscheinend ja wiederum selbst an einer Cloud-Lösung arbeitet), macht aber für reine Texte durchaus absolut Sinn, zumal wenn wir vom Schreiben zum Diktieren via Siri kommen.

Hase vs Igel
Als ich vor rund 15 Jahren eine Art Hybridlösung zwischen Computer und TV aus Basis eines ThinClient-Konzeptes im Kopf hatte, dass die verschiedenen Formen interaktiver/multimedialer Daten aus dem Internet über eine dezentrale Serverstruktur bezieht und die so »schwimmenden« Daten absolut mobil und mitnehmest macht, hätte ich nicht erwartet, dass der Weg dorthin so lang sein würde und sich zugleich so viele andere Parameter ändern würden – von soziale Plattformen wie Twitter oder Facebook war damals nur indirekt über Rollenspiel-Plattformen und BulletinBoards ein Vorgeschmack vorhanden, der Kapitalismus war noch rheinisch und nicht neoliberal und Apple war ein Unternehmen auf absteigendem Ast. Mit cloud-Lösungen à la Writer zu arbeiten, Passworte immer dabei zu haben, einen Song auf dem iPhone anzufangen und auf dem MacBook feinzuschleifen – all das fühlt sich insofern weniger revolutionär an, sondern im Kern überfällig. Es bringt uns vor allem einen wichtigen Schritt weiter zur nächsten Entwicklung – der Ablösung des Internets als Ort, in den man sich »begibt« (wie früher durch Modemeinwahl oder heute noch symbolisch durch Browsernutzung) durch einen Informationsäther, in dem man immer schon ist, der vorgelagerten, exoskeletären Charakter hat. Ob das am Ende ein zentraler Anbieter ist – und wer zuckt heute nicht unwillkürlich bei Apples 1984-Spot zusammen, der so ironisch die heutige Wandlung der Rebellen zum Big Brother kommentiert -, ob es viele, wechselnde dezentrale Anbieter sind oder ob wir unsere eigenen Server nutzen werden… Es ist nur noch eine Frage von Speicherplatz und Transferraten, bis unsere Daten im Äther schwimmen und uns wie ein Mantel jederzeit umgeben, immer greifbar sind. Noch ist es ein Unding, dass ein Backup von 4 TB zu Backblaze Wochen in Anspruch nimmt – sind wir hier aber erst einmal bei Stunden angekommen, wird die lokale Festplatte wie die Cassette, wie die CD und der USB-Stick zum toten Medium werden. Es ist verblüffend, dass ein lapidar-minimalistisches Textprogramm wie Writer trotz aller kleineren Mängel einen Vorgeschmack darauf gibt, wie vielversprechend diese Entwicklung sein kann, wenn kreative «Arbeit» nicht mehr durch ein Werkzeug oder spezifische Orte und Zeiten definiert ist, sondern dich immer da erwartet, wo du gerade bist: »Ick bün al dor…«

11. März 2012 17:32 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Eine Antwort.

Mobile Mouse – iPhone zum Diktat

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Dieser Tip ist zu gut, um ihn nicht doch noch einmal zu teilen. Man kann vom iPhone 4S aus problemlos und in Echtzeit auf jeden beliebigen Mac diktieren. Der Trick ist denkbar einfach: Man installiert auf dem iPhone die «Fernbedienung» Mobile Mouse, die viele von euch wahrscheinlich schon haben, um vom iPhone aus einen Laptop bedienen zu können. MobileMouse bietet eine Art Touchpad, dessen Bewegungen durch eine kleine Software namens Mobile Mouse Server, die installiert sein muss und die es gratis im AppStore gibt, an das iPhone übertragen werden. Mobile Mouse kann jedoch nicht nur Mausbewegungen leisten, sondern auch diverse Steuerungsfunktionen übernehmen, etwa Apps starten oder als iTunes-Fernbedienung dienen… oder eben als vollwertige «Ferntatstatur» dienen. Zunächst auf den ersten Blick unspannend, aber wenn man das Mikrophon von Siri aktiviert und in das iPhone spricht, erscheint wie von Zauberhand der gesprochene Text geschrieben am Cursor im Text auf dem Desktop-Mac, im Grunde völlig verzögerungsfrei. Damit wird das iPhone zum Mikrophon für den Mac. Zumindest bis Dragon Express auch auf Deutsch erscheint, ist das eine ideale Zwischenlösung für DIY-Spracherkennung ohne Extrakosten.

(via TUAW)

20. November 2011 23:20 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Keine Antwort.

Scan auf iPad und iPhone

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Für den Fujitsu Snapscan S1100 gibt es ein interessantes Update, das ein direktes Senden von Scans, die mit dem Gerät gemacht werden, auf die ScanSnap-App erlaubt. Ehrlich gesagt würde ich so etwas heute über Fotostream lösen, aber die Entwicklung zeigt, das Fujitsu es mit der Weiterentwicklung der ScanSnap-Umgebung bisher relativ ernst meint. Mehr gibt es hier und hier. Dank an Heidi Schall für den Tipp.

14. November 2011 12:58 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Keine Antwort.

One Less Drop

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Es ist interessant, dass rund um die Marke Apple eine Art Parasitenkultur entstanden ist von kleinen Firmen, die sich mit verschiedensten Produkten an den Wirtskörper von Macs und iDevices angedockt haben – Docks, Taschen, Audio, zusätzliche Kabel und zahlloses anderes mehr oder minder sinnvolles Zubehör, es scheint keine Grenzen der Fantasie zu geben. Die eben etwas lückenhafte Infrastruktur von Apple gibt vielen kleinen Firmen die Chance, sich mit innovativen Produkten, zu etablieren – in etwa der gleichen Art in der Quark als Quasi-Standard, der aber zig Benutzerwünsche offen ließ, zu einem El Dorado für Plug-In Entwickler wurde.

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Der one less drop vom Heckler Design ist hier keine Ausnahme. Das bei Kickstarter geborene und binnen kürzester Zeit finanzierte Projekt ist im Ergebnis ein einfaches Stück Aluminium, poliert und eingefärbt, das keinen anderen Zweck erfüllt, als Kabel von Notebooks und iPhones oder ein Herz zu halten. Kleiner als eine Handfläche, aber schwer genug um Kabel zu fixieren, ist der Aluminiumklotz in Silber, oder grün-gelblich und rot als Sonderedition verfügbar und fasst ein Kabel in einer oberen Schiene und ein weiteres unter dem Block selbst.

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Was was auf den ersten Blick wie ein sinnloses Zubehör wirkt, funktioniert in der Praxis ausgezeichnet – Kabel die vom Tisch herunterrutschen oder auf dem Schreibtisch herumliegengehören mit diesen einfachen Alu-Block der Vergangenheit an. Die Lösung ist dabei zwar ähnlich simpel, aber immerhin etwas eleganter, als einfach ein Buch oder anderes Gewicht auf die diversen Kabel zu legen – und mit dem rutschsicheren Gummi gibt der one less drop sicheren halt für Lade-, Audio- oder Videokabel von Laptops und Smartphones, auch wenn sie nicht von Apple sind. Ein schöner Bonus ist, dass Thunderbolt und HDMI-Kabel ebenfalls präzise und sogar recht fest in die obere Führung passen und man so den Kabelbaum eines ganzen Notebooks sicher stabilisieren kann. Die Zeiten, in denen man hinter einem Regal oder Tisch nach heruntergefallenen Kabeln fischt, sind mit dem one less drop jedenfalls größtenteils vorbei.

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12. Oktober 2011 13:34 Uhr. Kategorie Technik. Tag . Keine Antwort.

Bamboo Stylus

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Mit dem Bamboo Stylus bringt Wacom in diesen Tagen relativ spät einen Stift für das iPad und andere kapazitative Displays auf den Markt – aber das Warten hat sich gelohnt. Der Bamboo beweist, das wider Erwarten eben doch auch bei einem an sich so simplen Konzept wie einem Stift mit einer Gummiblase am Ende noch feine Unterschiede eine Rolle spielen können. Aber gegenüber dem Pogo, dem Erstling auf dem Markt, und auch gegenüber dem AluPen, dem bisher besten Schreibgerät für das iPad, kann der Bamboo spontan überzeugen.

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Wo der Pogo dünn und billig wirkt und aufgrund der eher aus Velcro-artigem Material bestehenden Spitze auch sehr unschönes, kratziges Schreibgefühl vermittelt, wirkt der Bamboo solide und edel verarbeitet, gemessen am noch einmal deutlich solideren AluPen überzeugt vor allem die feinere Form. Wo der Alupen eher an ein Stück Kreide oder einen Wachsmalstift erinnert und etwas schwer in der Hand liegt, ist der Bamboo leichter (aber dabei nicht so fragil wirkend wie der Pogo) und dünner, mehr wie ein normaler Schreiber oder Kuli/Gelroller. Er ist ein bisschen kürzer als ein normaler Stift, liegt aber dennoch gut und natürlich in der Hand, der Clip kann optional mit wenigen Handgriffen entfernt werden.

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Entscheidender Vorteil: Die Weichgummikuppe ist deutlich kleiner als bei vergleichbaren Lösungen und führt zwar nicht zu wirklich «feinerem» Schreiben – das gibt das Display des iPad gar nicht wirklich her, jedenfalls noch nicht – aber zu einem sehr viel natürlicherem Schreibgefühl und einer fast schon «echten» Schreibschrift. Die weniger ausgeprägte Spitze hat allerdings den Nachteil, dass man nicht nur mit einem Hauch mehr Druck auf den Bildschirm drücken muss, sondern auch, dass man aufgrund des dünneren Gummis dabei sehr viel schneller mit dem Metall über dem Gummiball auf den Bildschirm kommt – man muss sich also beim Schreiben etwas umstellen. Ebenso ist die Haltung der Hand etwas anders – mit dem zierlichen Bamboo ist die Hand bei mir eher auf dem Glas abgelegt als mit dem Alupen, dessen Formfaktor eine ganz andere Handhabung des Stiftes bedingt.

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Einziger Nachteil des Bamboo Stylus ist womöglich, dass man ihn eher verlieren wird, weil er so klein ist – beim Preis von rund 30 € heißt es also, aufpassen.

21. Juni 2011 18:35 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . 2 Antworten.

Schreiben auf dem iPad: Bamboo Paper

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Zum Bamboo Stylus Stift für das iPad bringt Wacom eine passende Notizbuch-App heraus – Bamboo Paper – die bis Ende des Monats noch gratis verfügbar ist. Unter den vielen Notizbuch-Applikationen für das iPad und für eine «Corporate App» macht Bamboo Paper überraschend viel richtig, vor allem verglichen mit der sehr enttäuschenden und lang erwarteten Moleskine-App.

Paper ist relativ einfach gehalten, überzeugt aber zugleich mit einem durchdachten Konzept. Die App bietet die gesamte Fläche des iPad als Notiz-Buch, wobei die Schrift nicht wie bei vielen anderen Anwendungen «vektorisiert» wird – das Schriftbild ist nicht nur mit dem BambooStylus, sondern auch etwa mit dem AluPen so flüssig und «natürlich» wie bei Noteshelf und Penultimate, wobei gerade letztere App Bamboo in vieler Hinsicht so ähnelt, das deutlich wird, wo sich Wacom vielleicht auch etwas Inspiration geholt hat. Vorteil gegenüber Penultimate ist aber die elegantere, fast nahtlose Integration der Werkzeuge in das «Blatt», so dass man gefühlt mehr Raum zum Schreiben hat.

Die grundlegenden Funktionen – Stifte in drei verschiedenen Stärken und sechs verschiedenen Farben, Radiergummi, Löschen der ganzen Seite und «Lesezeichen» – ähneln ebenfalls am ehesten Penultimate. Noteshelf liefert hier einen deutlich größeren Funktionsumfang schon bei den Malwerkzeugen – mehr Farben, 21 Stufen «Stiiftgrößen», Bild-Import und Emoji-artige Icons geben dem Schreibenden mehr Freiheit bei der Arbeit mit seinem Text.

Auch bei sonstigen Features schwächelt Wacom, wieder vor allem gemessen an Noteshelf. Noteshelf bietet Evernote- und Dropbox-Integration, kann JPG als auch PDF exportieren, optional mit und ohne «Papier» und Seitenzahlen. Bamboo hingegen exportiert einzelne Seiten als JPG (768×1024) oder das Notizbuch als PDF, jeweils mit «Papier» als Hintergrund. Die Auflösung ist bei allen Apps nicht ideal – besser wäre eine feinere Auflösung, aber hier hat bisher keine Notebook-App einen Vorsprung, wahrscheinlich, weil eine höhere Auflösung den ohnehin spürbaren Latenz-Faktor beim Schreiben erhöhen würde. Wobei Bamboo einen Hauch langsamer zu sein scheint als Noteshelf, weniger schnell hinterherkommt. Dropbox und vor allem Evernote-Sync sind zudem grundlegende Funktionen eines Notizbuchs, da hier das automatische Sammeln von Notizen in einem dafür perfekt geeignetem System ermöglicht wird. So kann man bei einem Meeting mitschreiben, kurz «synchen» und hat die Notizen bereits im richtigen Ordner im Bürorechner, wenn man dort ankommt – komfortabler und sicherer geht es kaum.

Vorteil von Penultimate und Noteshelf ist auch, dass man mehrere Notizbücher verwalten kann. Bamboo merkt man an, dass dieses Feature geplant ist – anderenfalls würden verschiedene Farben für die «Umschläge» und ein Papierkorb im Interfacedesign keinen Sinn machen. Aber die Einschränkung, derzeit nur ein Buch nutzen zu können, ist wie das Fehlen von Synchronisation und Bildimport ein großes Argument gegen Bamboo Paper.

Wo die App dennoch punktet ist das Design – sie ist wunderbar reduziert gestaltet, und trotz der wenigen Optionen scheint beim Schreiben ad hoc nichts zu fehlen. Der Verzicht auf den imitierten Buch-Look im Interface macht das iPad selbst zum Notizblock – und so einfach fühlt es sich definitiv richtig und am besten an. Die dezenten blauen Linien und Karos sind zum Schreiben ideal – und die «Hefte» in der Dokumente-Übersicht sind ästhetisch überzeugend gemacht. Hier ist Penultimate mit seinen braunen «Schreibheften» sehr nahe dran, aber gerade in der Reduzierung und Vereinfachung überzeugt Bamboo schon auf den ersten Blick, verschwendet weniger Platz und gibt den Nutzer die maximale Schreibfläche – definitiv der richtige Ansatz.

Auch der Verzicht auf den nostalgischen «Sepia-Papier-Look» zugunsten einer klaren weißen Fläche, die weniger «retro» ist, gefällt. Das schlimmste Interface weist Noteshelf auf, wo vom Icon bis zur Umschlaggestaltung der «Notizbücher» einfach alles ein bisschen häßlich geraten ist. Noteshelf bietet eine wahre Flut von Vorlagen und Optionen für Buchcover und Seiten, aber nicht eine davon kann gestalterisch überzeugen, keine macht wirklich «Spaß». Ich kann mir fast vorstellen, trotz fehlender Features mehr mit Bamboo zu arbeiten, weil es rein visuell und ästhetisch mehr angenehmer ist, diese Applikation zu benutzen. Es sind nicht immer nur die reinen Funktionen – man sollte als App-Entwickler das Screen-Design und den emotionalen Aspekt der User Experience niemals unterschätzen. Noteshelf ist funktional ungeschlagen, aber nahezu völlig ohne Flair. Bamboo will seltsamerweise deutlich weniger und überzeugt genau deshalb mehr.

Ein zweites, wenn noch unausgereiftes Plus von Bamboo ist der Zoom. Wo Noteshelf eine «Lupe» bietet, die den unteren Bildschirmbereich kompliziert zur Vergrößerung des oberen macht, zoomt die Wacom-App mit einem Zwei-Finger-Pinch die Seite größer oder kleiner. Hier gibt es das Problem, das man dabei versehentlich oft «malt» anstatt zu zoomen, aber der Ansatz fühlt sich insgesamt dennoch intuitiver und natürlicher an. Spätestens mit dem Retina-Display des iPad3 sollte man bei dieser Zoom-Funktion aber eine höhere Auflösung der Notizen andenken, die Pixel sind im Zoom sehr deutlich sichtbar. Abgesehen davon erlaubt der Zoom, trotz des «klobigeren» Schreibens auf dem iPad-Display, im Endergebnis eine lesbare und realistisch «feine» Schrift hinzubekommen. Im Zoom kann man mit zwei Fingern das Papier natürlich weiterbewegen und ein längeres Drücken an beliebiger Stelle lässt die Schreibwerkzeug-Optionen erscheinen, so dass ein ungestörter Workflow möglich ist. Die noch relativ naive Zoom-Umsetzung sorgt allerdings schon dafür, dass man (zu) oft das Radiergummi verwenden muss, um ungewollte Striche zu löschen.

Wenig störend fiel ein weiteres fehlendes Feature auf – Penultimate und Noteshelf haben eine Art «Wrist Protection», die verhindert, dass der Handballen auf der Glasfläche beim Schreiben stört. Wacom hat dieses Feature nicht, dennoch funktioniert die App recht sauber – der Handballen verhindert nur recht selten das Schreiben als solches, macht aber selbst keinerlei «Malstriche». Da die Wrist-Protection auch an sich oft seltsame Nebeneffekte hat und sogar Blattbereiche sperrt, ist ihr Fehlen kein großer Verlust und man gewöhnt sich schnell daran, die Hand nicht auf dem Glas ruhen zu lassen.

Im Resultat überrascht Wacoms Bamboo Paper als Free-App mit einem sehr gelungenen, reduzierten Ansatz, dem es an einigen Features fehlt, die der Hersteller hoffentlich ausbaut. Das perfekte Notizbuch für handschriftliche Mitschrift und Zeichnungen, das intuitiv und natürlich funktioniert wie ein Stift und Papier, aber alle digitalen Vorteile mit sich bringt, gibt es aber auch hiermit (immer) noch nicht, das Rennen um die «perfekte» App, die Ästhetik und Funktionalität zu einem überzeugenden Design verbindet, ist noch offen. Vielleicht kommt das aber auch erst, wenn Apple einsieht, dass eine Stifteingabe für das iPad kein «Fehler» ist, sondern eine wertvolle Ergänzung des Gerätes, und eine entsprechende Hardware/Software-Lösung vorstellt, die dem Feeling eines echten Wacom-Tablett näher kommt.

19. Juni 2011 14:23 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Keine Antwort.

Langsame Revolution

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Ein Jahr nachdem das iPad den Auftakt zu einer globalen neuen Digitalisierungswelle bei «Print»-Medien ausgelöst hat, reibe ich mich als Leser (aber auch als Designer) immer wieder an seltsamen und frustrierenden Elementen dieses Umbruchs, die einzeln jeweils sicher erklärbar sind, kollektiv aber den Buchmarkt und die Anbieter von Hard- und Software vor wichtige Herausforderungen stellen. Ein kritischer (und sehr subjektiver) Blick auf den Stand der Dinge im Bereich des e-Lesens:

Hardware. Ich hatte letztens bei einem Besuch auf dem mediacampus frankfurt die Chance, mehrere aktuelle eReader in der Hand zu halten. Als iPad-Nutzer eine geradezu schockierende Erfahrung. Unhandlich (mit Ausnahme des Thalia-Readers, der ein sehr süßes Format hat, für «Buch» allerdings einen Tick zu klein ist), ein entsetzlich billiges Aldi-Plastik-Feeling, langsam, medial unflexibel, reines Schwarzweiß… da kommt wenig Freude auf. Das Buch ist ein sehr haptisches Medium und Buchleser häufig Menschen mit einem Gespür für schöne Gegenstände und gute Dinge. Das sollte man beim Design von Endgeräten durchweg im Kopf haben und nicht taiwanesischen Plastikschrott anbieten. Je näher der Reader an das Gefühl eines «Hardcovers» herankommt – und je näher auch die digitalen Buchdateien dies emulieren, nicht durch sepia-Hintergründe, sondern im Handling – desto erfolgreicher wird sich das Angebot durchsetzen. Ich denke auch, niemand hat wirklich Lust, einen längeren Text grau auf grau zu lesen? Die Schrift mag ja «scharf» sein bei vielen Readern, aber sie wirkt pixelig und hat in jeder Hinsicht die Anmutung einer Kinder-«Zaubertafel». Die Bedienung der Software, die sinnfrei wirkenden Hardware-Tasten und viele andere Details der Reader erinnern an die Frühzeit des Computers. Ästhetisch ist das iPad somit fast singulär der einzig annehmbare Weg derzeit. Das iPad aber ist noch zu dunkel in der Sonne, zu hell in der Nacht, reizt die Augen zu sehr beim Lesen als aktives Display gegenüber dem «passiven» Papier und braucht dringend eine höhere Auflösung (iPad3 wird Retina-Display haben). Richtig perfekt ist derzeit noch keine Lösung, Jan Tschichold würde an all diesen Geräten verzweifeln. Das iPad ist noch am nächsten dran und trotzdem einige Jahre von «perfekt» entfernt. Seltsamerweise tut dem Gerät auch die Verschlankung von iPad zu iPad2 nicht wirklich gut. Obwohl für die meisten anderen Anwendungen ein Fortschritt, ist das Pad als Buch jetzt zu surreal dünn, zu scharfkantig, zu sehr Glasscheibe. Ein leichteres, aber voluminöseres Gerät wäre an sich überzeugender. Hier haben wir noch einige schwierige Jahre vor uns – in Sachen Interface ist kein Reader dem «echten» Buch gewachsen. Was zugleich auch heißt, das für andere Firmen als Apple noch Raum wäre, ein markttaugliches Angebot zu konzeptionieren – die begeisterte Reaktion auf den dann leider nie realisierten Courier-Entwurf von Microsoft zeigt das sehr deutlich. Monopole sind nie gut und es wäre erfreulich, wenn ein Hardware-Anbieter sich des Themas Digitales Lesen und Schreiben ganz neu und offen stellen würde.

Kaufen. Es ist immer noch eine Art Horrortrip, spontan ein eBook zu kaufen. Es wirkt fast so, als solle man in semi-legale Graubereiche hinein gezwungen werden, wenn man als Nutzer auch nur den geringsten Anspruch stellt – wie etwa den Wunsch, ein gekauftes Buch auf dem eigenen Lesegerät nutzen zu können. Als deutscher Nutzer ist es schwierig, legal ein amerikanisches Buch – das ich «auf Papier» bei Amazon problemlos binnen 24 Stunden erhalte – als ePub zu kaufen. In Apples iBook-Store gibt es ofiziell keine 50 englischen Bücher… verdeckt sind es einige mehr, aber das Angebot ist erschütternd schlecht. Und auch bei den deutschen Büchern ist die Auswahl deutlich zu klein – Apple hat hier viel zu wenig kleine Verlage im Programm, die Bücher erscheinen deutlich nach den Print-Angeboten, die Vorteile einer digitalen Buchhandlung (Große Auswahl, da keine Lagerfläche, niedrige Preise und hohe Geschwindigkeit) kommen nicht zum Zuge.
Das zugleich die wachsende Zahl der Websites, Foren und Blogs, auf denen Bücher illegal zum Download angeboten werden, explodiert, zeugt von großer Nachfrage, die die Verlage und legalen Anbieter einfach nicht befriedigen. Es ist wie mit dem iPhone und dem Jailbreak – je mehr Apple mit jeder iOS-Fassung ganz einfache Wünsche der Nutzer befriedigt, desto weniger werden diese zu aufwendigen Tricks greifen, um die Funktionalität ihrer Geräte auszureizen. Je einfacher man also digitale Bücher kaufen kann, umso weniger Chancen haben die illegalen Quellen.
Bei Comics, einem fluideren, überschaubaren aber der Buchbranche nicht unähnlichen und insofern als Erfahrungsfeld besonders spannenden Bereich, zeigt sich das besonders drastisch. Der interessierte Leser bekommt nahezu jedes Mainstream-US-Comic am gleichen Tag von ungezählten internationalen und illegalen Quellen in perfekter Qualität in zwei Standard-Reader-Formaten als One-Click-Lösung. D.h. die illegale Vertriebslösung ist an Komfort – abgesehen von der langen Suche und Werbeeinblendungen natürlich – kaum zu überbieten im Hinblick auf das Endergebnis, weist aber einen ungemütlichen Weg dorthin auf, der zudem den Makel des Illegalen aufweist. Kein Konsument von Büchern, Musik, Filmen oder eben Comics will, dass die Macher leer ausgehen. Die Verlage aber – die die Direktmarktstruktur schützen und vor den in den USA durchaus recht mächtigen Retailern Angst haben – setzen auf proprietäre Lösungen, die geradezu bizarr inpraktikabel sind. Selbst der Vorstoß von DC, ab September monatlich 52 Hefte day&date, also am gleichen Tag wie die Printversion, digital zu veröffentlichen, ist nur ein halbherziger Schritt – wenn die Formate nur in geschlossenen Systemen verfügbar sind, wird es wenig nutzen, zumal der Preis bei Erscheinen auf Höhe der Printausgabe liegt. Das schützt die Händler, schadet aber den Verlagen und damit den Autoren und Kreativen. Offene Formate wie CBZ oder CBR, einfache Download-Möglichkeiten, kein DRM und attraktive Angebote für Subskriptionen sind die Lösung. Hier ist übrigens aus meiner Sicht eine große Chance für kleinere Verlage oder Strukturen, ihre Hefte nicht als Webcomics, sondern in ein einem bewährten Format per Blogsystem und Paypal in Echtzeit abzusetzen und die etablierten Strukturen zu umfahren. Flatrates wären gerade für Comic-Publisher, in denen mehrere Hefte ja meist zusammengehören und eine Art «Universum» bilden, zudem eine attraktive Möglichkeit, neue Kunden zu gewinnen und alte zu binden. Wichtig ist aber, nicht nur einen digitalen Zugang mit proprietären Readern zu geben, sondern Zugang UND Besitz zu ermöglichen und auf offene, einfache Formate zu setzen. Oder zumindest beides anzubieten, also eine Art Unterschied zwischen «Streaming» bzw. Miete und «Download» bzw, Besitz anzubieten, wie es im Video- und Musikbereich längst getan wird.

DRM. Kaufe ich ein normales Buch, so kann ich es weiterverleihen, beliebig oft. Kaufe ich ein eBook, etwa ein DRM-geschütztes ePub bei iBooks oder Borders, kann ich das nicht tun. Hier verliert sich ein wichtiger Aspekt von Buch – das Weitergeben, weiterempfehlen, Teilen. Nook ist da einen (halbherzigen) Schritt weiter, sicher, aber generell ist diese Paranoia ein Malus für das eBook-Genre, der zudem auch nur für «legale» Bücher gilt, also wieder den Graumarkt stärkt. Der AppStore und iTunes beweisen, dass gerade DRM-freie Medien und der Verzicht auf Seriennummern/Aktivierungen usw. umsatzsteigernd wirken und die meisten User ein Modell wie das des AppStore – ein Account, mehrere Nutzungen möglich – akzeptieren. Es ist also vielleicht nicht klug, gerade angesichts der Erfahrungen der Musikindustrie, immer noch auf Rights Management zu setzen. Rückt den Nutzer in den Mittelpunkt der Anstrengungen, nicht den Raubkopierer. Wer einen Supermarkt hat und diesen mit Selbstschussanlagen und Stacheldraht gegen Einbrecher zu schützen versucht, wird wohl auch nicht viele Kunden mit diesem charmanten Auftritt für sich gewinnen. DRM kills your business.

Formate Die Formatvielfalt – mobi, lit, ePub, PDF und und und – fühlt sich an wie die frühen Tage von Video mit VHS, Beta und Video2000. Warum es diesen Formatkrieg gibt (und das PDF und textbasierte Formate tatsächlich unterschiedliche Vorteile bieten) ist so offenbar wie schade (anscheinend haben die Hardwareanbieter immer noch nichts aus VIdeo- und DVD-Formatkriegen gelernt, so unfassbar das scheint), aber alle Beteiligten – Konsumenten wir Produzenten – können nur von einheitlichen Standards profitieren. Das offene System zumindest halbwegs klarer Standards im Web kann hier Vorbildcharakter haben. Zumindest die XML/HTML-basierten Formate sollten weitestgehend identisch werden. Die flexible Orientierung an populären und simplen Standards ist immer sinnvoll in Umbruchszeiten (es sei denn man hat wie Apple die Marktmacht, eigene Standards einfach durchzudrücken, wie etwa bei iTunes Audio- und Videoformaten… aber diese Macht hat derzeit eigentlich keine andere Unternehmung und selbst Apple musste sich immer wieder dem Markt anpassen, um Erfolg zu haben).

Preise. Warum kostet Wolfgang Büchers wunderbares «Hartland» als ePub im Grunde ebensoviel wie als Hardcover? Obwohl es hier keine materialle Produktion, keine Lieferung, keinen Grossisten, keine Retouren, keine Lagerhaltung gibt und man sozusagen also ein «ideales» Gut hat, das alle Nebenkosten eines realen Objekts nicht mehr aufweist? Das Argument ist nicht neu – und über kurz oder lang werden die Verlage sich dieser (ja berechtigten) Frage stellen müssen und sich möglichst einheitlich auf ein Modell einigen müssen. Hier zu blockieren, auf Zeit zu spielen und erst einmal Anlaufinvestitionen in eine (allerdings nicht sonderlich teure) neue Technologie mitzunehmen, ist nachvollziehbar – aber die Zeit verrinnt. Gut beraten wäre die Branche, schnell ein klar am Kunden orientiertes Modell zu entwickeln. Ich kann verstehen, dass Verlage und vor allem auch Sortiment die identischen Preise phantastisch finden – sie verzögern den Wechsel der Leser zum digitalen Endgerät und sichern so die bestehenden Strukturen – und die Buchpreisbindung hierfür instrumentalisieren. Ich bin auch dankbar für jeden Job, der durch diesen Ansatz gerettet wird. Nur – der Arbeitsplatz wird nicht dauerhaft gesichert, der Wandel kommt sowieso und mit Verzögerung nur umso gewaltiger und durchschlagender. Unnachvollziehbar hohe Preise erzeugen zudem nur einen Graumarkt, an dem dann niemand mehr etwas verdienen wird. Fair Play auch bei den Preisen ist hier ein essentieller Ansatz, den zukünftigen digitalen Markt zu meistern.

Lesen. Man darf sich nichts vormachen – so phantastisch es ist, Bücher digital zu verwalten – kein Regalplatz, grandiose Markier- und Lesezeichenwerkzeuge, Text-Kopierfähigkeit, diverseste Ordnungsmöglichkeiten, so eben doch noch relativ unangenehm ist das Lesen an sich. Neben dem Display ist ein Hauptgrund die Software, die nicht nur generell zu wenig typographisch einwandfreie Schriften bietet sondern eigentlich nur eine winzige Font-Auswahl mit zudem wenig Features. Wichtig wären mehr Schriften, Open-Type-Fähigkeiten und vor allem eine stärkere Möglichkeit für die Gestalter, auch bei textbasierten eBooks Designvorgaben zu machen. Also Schrifteinbettung, optionale Einschränkung der Fluidität des Content und feste Schriftgröße, Zeilenabstand usw (eine Art Designer- vs- Usermode wäre ja denkbar, bei dem ein Buch aussieht wie für das Device «geplant», der Nutzer aber davon abweichend natürlich individuelle Einstellungen vornehmen kann). Sinnvoll wäre eine Balance zwischen Designvorgaben und der Möglichkeit für den Nutzer, gezielt einzugreifen, anstelle des jetzigen Design-Vakuums, bei dem man als Designer in etwa so effektiv arbeiten kann wie im Web vor 10 Jahren. Ich würde gern als Designer eines eBooks gern typographisch und im Layout sehr viel mehr machen können als eine Art aufgebohrte Textverarbeitung. Der erste kleine Schritt hierhin wäre vielleicht eine Möglichkeit geben, eigene Schriften sicher und lizenzrechtlich einwandfrei einzubinden. Ein weiterer Schritt, zudem ein lukrativer, wäre eine kleine Applikation, die gezielt und absolut sicher nur eBooks gestaltet und in der Applikation bereits verschiedene Reader simulieren kann – eigentlich eine Goldidee für den App-Store. Ein Zwischenschritt wäre, PDF deutlich besser in iBooks zu integrieren – GoodReader zeigt ja, das Textauswahl, Markieren und Notizen auch in PDF schnell und einwandfrei funktionieren. So wie es jetzt ist, braucht es beim digitalen Buch keine Designer mehr, das kann jeder Verlagspraktikant (leider!) selbst – und so sehen die Ergebnisse noch aus. An die Schönheit eines gut gesetzten gedruckten Buchs kommt das elektronische Pendant nicht näherungsweise heran. Noch gilt also, dass das Archivieren von Büchern digital mehr Freude bereitet als das Lesen – und das sollte sich mittelfristig drastisch ändern, denn es ist so, als könnte man in iTunes Musik nur in 64 kbit /s und frei von Bässen und Höhen hören oder als könnte das Schlagzeug jedes beliebigen Albums sich nur auf die fünf Drumsounds von Garageband beschränken.

Adobe. Beim Stichwort Gestaltung – es ist ein wenig seltsam, dass man eBooks fast besser in ausgerechnet Pages «layouten» kann als in InDesign, das von zahlreichen kleinen Bugs und einem Adobe-typisch komplizierten Workflow geprägt ist. Auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit ist Adobe derzeit scheinbar dabei, alle sich anbietenden Möglichkeiten einer Re-Etablierung als wichtiger Softwareanbieter zu ignorieren. ePub, PDF und andereAusgabe-Formate (also auch non-Adobe-Formate wie mobi oder lit) sowie Magazine-Apps müssen leicht, mit einem gewissen Spaßfaktor und ohne zusätzliche horrende Kosten (wie derzeit bei Digital Publishing) als integrierte Features der Creative Suite angeboten werden. Ansonsten verliert Adobe in diesem Bereich ebenso wie zuvor bei Flash und HTML. Nachdem Dreamweaver und Flash rapide an Bedeutung verlieren, und der Macromedia-Zukauf insofern rückblickend verspielt wirkt, bleibt Adobe noch die Printgemeinde mit Illustrator, Photoshop und Indesign. Erstere werden inzwischen teilweise von preiswerterer und schnellerer Software ersetzt (z.B. Pixelmator), die zumindest für Nicht-Profis zu einem Bruchteil der Kosten 80% der Leistung liefert. Aber selbst aus professioneller Sicht ist zumindest der Geschwindigkeitsunterschied zwischen 64-bit Pixelmator und 64-bit Photoshop verblüffend, auch wenn um PS de facto fast kein Weg herum führt derzeit. Das Potential eigener iPad-Apps hat Adobe bisher nahezu vollends unterschätzt. Setzt sich dieser Trend ungebrochen fort, wird es Adobe in 5 bis 10 Jahren nicht mehr geben. Der Zeitpunkt war nie besser, die Adobe Creative Suite samt aller Funktionen und Lizensierungsmodelle, Preispolitik und Offenheit von Strukturen genau JETZT komplett neu aufzustellen und zu überdenken, mit einem kritischen Blick auf die Stärken von Adobe und die Zukunft von Designproduktion in Print, im digitalen Publishing (in all seinen Formen) und in der möglichst nahtlosen Zusammenarbeit mit Programmierern. Ride the Wave, Adobe, don’t drown in it.

Es ist eine langsame, schmerzhafte Revolution, die sich hier vollzieht – nicht nur aus Branchensicht, sondern eben auch aus Sicht der Nutzer. Was Not tut, ist Beratung und Kommunikation. Die Verlage und Anbieter müssen sich – über Berater, über Workshops, über Verbindungen wie den Börsenverein, an strategischen Orten wie der Buchmesse – schnell und ehrlich mit ihren Kunden und den Lesern kurzschließen und mutige Strategien entwickeln, die gleichzeitig langfristig und flexibel/schnell sein müssen. Wer dies tut, wer das Produkt am Abnehmer orientiert, wer seine Strategie an der wirklichen Zielgruppe – dem Käufer, nicht dem «Dieb» – orientiert, der wird überraschende Erfolge feiern. Zugleich brauchen wir auf der produzierenden und die Verlage beratenden Seite des Geschäfts bessere und standardisiertere Werkzeuge für e-Medien, die erwachsen und ausgereift sind und effizient in den Workflow hineinpassen und als Medium per se überzeugen. So interessant diese Zeit des Umbruchs, der Irrwege und Experimente ist, so teuer und anstrengend ist sie auch – es wird Zeit, dass das junge eBook zumindest in die Teenagerjahre kommt. Und der iTunes-Store allein kann auf Dauer nicht der einzige Weg sein, die Verlage können an Monopol- und Oligopol-Strukturen nicht interessiert sein. Nie war die Zeit besser – für Verlage, Produzenten, Vertrieb und Sortiment – sich auf eine gemeinsame Strategie entlang der Kundeninteressen zu einigen.

17. Juni 2011 08:09 Uhr. Kategorie Buch, Design, Technik. Tag , , , , , , . 13 Antworten.

Adventures in buying ePub

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Morgen generell noch mehr zu dem Thema digitales Lesen, aber ganz kurz, weil es wirklich zum Verrücktwerden ist:

Ich will ein englisches Buch kaufen. Nach langer Google-Suche und vielen Fehlschlägen, bei denen man als deutscher Käufer kein Buch in Australien oder den USA kaufen kann, etwa bei Borders oder B&N, finde ich endlich mit «kobo» einen Laden, der das gewünschte Buch als ePub anbietet.

Nach der Abbuchung per Kreditkarte kommt ein acsm-Link. Also kein ePub, sondern einen Link. Als Käufer weiß ich nicht, was ich da vor mir habe. In den FAQ finde ich nichts. Ich schicke eine Support-Anfrage. Auf die Antwort warte ich noch.

Mit etwas Suchen in Google wird klar: Ich muss Adobe Digital Editions installieren und erst dann kann ich per Doppelklick die .acsm öffnen, die dann ihrerseits einen Download in Digital Editions einleitet. Vorher muss ich mich mit meiner Adobe ID anmelden bei Adobe. Gottlob habe ich eine – was macht hier eigentlich der Normalverbraucher? Umständlicher geht es wohl kaum und jeder normale Nutzer dürfte bereits an dieser Stelle die Flinte ins Korn geworfen haben. Zudem ist ein Kauf direkt am iPad insgesamt damit völlig undenkbar, was bedeutet, dass die Stores auf eine große potentielle Käuferschaft verzichten. Warum?

Das Buch ist jetzt in Adobe Digital Editions lesbar, einer Art AIR-Applikation und einer der schlimmsten Desktop-Reader, die ich kenne. Es ist vor allem NUR dort lesbar. Weil legendär wir alle ja unser Buch am Desktop lesen wollen. Selbst wenn man die ePub auf dem Rechner nach kurzer Suche doch gefunden hat, funktioniert sie NICHT in iBooks. Das Digital Rights Management macht das Buch auf dem iPad unlesbar. Was angesichts der ja doch sehr geschlossenen Plattform iPad etwas unverständlich ist. Schön, wen Adobe und Apple sich nicht grün sind – aber muss ich darunter leiden?

Jetzt gibt es den Weg – der legal schon eher im dunkelgrauen Bereich liegen dürfte – das Digital Rights Management mit einem Tool oder einfachen Python-Script zu entfernen. Die meisten Tools kosten etwas, die Script-Lösung ist gratis, aber nicht gerade für den Post-PC-iPad-User denkbar. Selbst wer bereit ist, das zu tun, hat also vier bis fünf Schritte zu tun und muss mehrere Softwares installieren und am Ende die Entscheidung zu treffen, doch semilegal zu handeln, um einen einfachen Buchkauf zu tätigen und das Buch auf dem Endgerät und der Software seiner Wahl lesen zu können. Serviceorientiert ist nun wirklich anders. Es fühlt sich in etwa genauso absurd an wie Musikkauf digital vor 10 Jahren – als man noch CDs «rippen» musste, mit Sonys perfiden Schutzmechanismen kämpfte, alles nur, um Musik auf dem iPod hören zu können. Hier hat sich viel geändert – unter dem Druck des Marktes – will die Buchbranche wirklich gar nichts daraus lernen?

Ich kann exzellent verstehen, dass Anbieter ihre Rechte schützen wollen. Aber man darf das Kind doch nicht mit dem Bade ausschütten. So wie es sinnlos ist, Käufer einer legalen DVD mit Raubkopie-Warnungs-Filmchen zu bestrafen oder legale Software-User mit endlosen Ziffernfolgen und Activation-Softwares zu peinigen, die mehr Probleme für legale Nutzer machen als Kopien zu verhindern, so kann es doch nicht sein, dass ein simpler digitaler Buchkauf nicht nur so viel Zeit frisst, sondern am Ende entweder in der Frustration, 20 Euro vergeudet zu haben, oder in der Entscheidung, eben doch Urheberrechte zu verletzten, münden muss.

Es wäre ja vertretbar, wenn es nur diesen einen Weg um Buch gäbe – aber da vergessen die Verlage, dass seit Erscheinen des iPad digitale Bücher in schier unfassbarer Masse eben auch illegal downloadbar geworden sind. Und ich kann nur als Konsument sprechen und immer wieder das gleiche sagen: Seitdem es in iTunes nahezu alle aktuellen Alben zum fairen Preis ohne DRM gibt, kaufe ich ausschließlich dort. Bei Büchern wäre es genau so. Aber würde ich ein Buch, das ich im Buchhandel kaufe, erst lesen können, nachdem ich viermal durch brennende Reifen gesprungen, einen Salto und einen Hochseilakt gemacht hätte, würde ich dort nicht mehr kaufen. Vor allem nicht, wenn es das gleiche Buch an jeder Ecke umsonst ohne jedwede akrobatische Verbiegungen gibt.

Das ist eine ganz essentielle Erkenntnis, die nicht schnell genug bei den Entscheidern ankommen kann. Ob Comics oder Bücher – aus Konsumentensicht machen die Verlage hier derzeit nahezu alles falsch. Zu geringes Angebot, zu hohe Preise (bei deutschen Büchern oft defacto der Hardcover-Preis), internationaler Kauf unmöglich bis schwierig und dass tatsächlich noch jemand glaubt, Digital Rights Management sei ein gangbarer Weg ist zum Weinen. Es ist eine Sache, Raubkopie verhindern zu wollen, aber es ist eine ganz andere Sache, den legalen Kauf zu einem unangenehmen bis nahezu unmöglichen Erlebnis zu machen. Digital ist eine Tatsache – man sollte diesen Markt nutzen statt ihn zu bekämpfen. Der Weg ist nicht, illegale Plattform zu schließen – der Weg ist, legale Plattformen zu eröffnen, die darauf eingehen, was die potentiellen Legalen Nutzer pragmatisch wünschen. Von iTunes lernen heißt hier siegen lernen.

16. Juni 2011 12:22 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , . Eine Antwort.

Schutzengel sind gut, Backup ist besser…

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Obwohl das hier wirklich kein Technik-Blog werden soll – ich wurde kürzlich gebeten, meine Back-Up-Strategie zu erklären und dem will ich natürlich gern kurz nachkommen, auch wenn ich nicht weiß, ob unsere Strategie stellvertretend für ein Designbüro mittlerer Größe ist – seit etwa drei Jahren, mit dem Umzug auf OS X haben wir keine «offizielle» IT mehr und arbeiten mehr mit einfachen, überschaubaren Lösungen.

Zentrales Thema beim Backup ist die absolute und permanente Sicherheit von Kunden-Daten. Im Laufe der letzten 15 Jahre ist es nur einmal bei einem Kundenprojekt vorgekommen, dass wir einen richtig bösen Datencrash hatte, durch einen zerstörten Festplattenkopf und ein nicht-aktuelles Backup, und durch viele Beinahe-Katastrophen sind wir mit den Jahren so sensibel geworden, dass wir fast etwas Overkill betreiben und Daten sehr redundant speichern – und selbst das erscheint mir oft nicht sicher genug. Sowohl Archivdaten als auch laufende Projekte sind mehrfach, mindestens immer zweimal, vorhanden – und ich muss sagen mit dem Wechsel von Windows zurück zu Mac vor einigen Jahren sind die Backup-Methoden deutlich vereinfacht worden, weil OS X etwas Sync-freundlicher ist als Windows, wo Werkzeuge wie Acronis beispielsweise gern mal ein komplettes RAID-System so zerschossen haben, das man sehr froh über doppelte Speicherungen war. Unter Mac arbeiten wir nicht mehr mit RAID 5-System, aber auch Lösungen wie TimeMachine sowie diverse Ordner-Synchronisations-Werkzeuge machen uns das Leben deutlich einfacher.

Der Hintergrund: Wir arbeiten bei nodesign mit fünf Leuten und mit sieben Rechner, vier iMacs, ein MacPro, zwei Air fürs mobile Arbeiten und Präsentationen. Der MacPro ist mit 2TB und 3TB-Platten voll ausgestattet und dient dem Büro sozusagen als Datenserver für Bilder, alte Projekte und als Ort, an dem alle Projekte gespeichert sind (abgesehen von Zwischenstufen, die jeweils auf dem Desktop der Clients stattfinden können) und beinhaltet außerdem alle Medien – Fonts, Softwares, Musik, Filme, Bücher und so weiter. Die iMac-Clients haben jeweils 1 oder 2 TB Platten, die Airs 128 bzw 256 GB.

Es gibt keinen klassischen Backup-Plan und meine Methode dürfte jeden ITler in den Wahnsinn treiben, sieht aber etwa wie folgt aus:

Jeder iMac hat zwei externe HDD, je nach Kapazität 1 TB oder 2 TB. Früher waren das bevorzugt WesternDigital MyBook, seitdem WD diese aber zu «klug» gemacht hat, bevorzuge ich die Elements-Laufwerke, die keine vorinstallierte Software mitbringen, sondern einfache «dumme» externe Volumes sind. Eine der externen HDDs dient als Time-Machine-Backu-Medium, das andere spiegelt via Carbon Copy Cloner (der sich als etwas flexibler erwiesen hat als SuperDuper) einmal täglich die gesamte Festplatte. TimeMachine ist also sozusagen das Kurzzeitgedächtnis für versehentlich überschriebene oder gelöschte Dateien, CarbonCopy das Krisenmanagement für den Fall eines Absturzes, da man von diesen Clones aus komplett neu booten kann, sogar an anderen Rechnern. Die Platten sind Firewire- oder USB, tatsächlich ist vor allem aber TimeMachine so langsam, dass der Anschluß kaum eine wirklich spürbare Rolle spielt, zumal die Backups im Hintergrund stattfinden und CCC erst nach Feierabend um 18.00 alles sichert. Beide Methoden sind inkremental, brauchen also meist auch nicht lang.

Die Air-Macbooks haben das gleiche Konzept, allerdings mit einer LaCie Rikiki und einer Freecom XXS, jeweils 1TB – beide sind groß genug, um TM, CarbonCopy und sogar noch etwas Raum für externe Daten zuzulassen und sind zugleich so klein und mobil, dass sie dem leichtgewichtigen Reisespaß mit dem Air nie im Wege stehen. DIe Rikiki unterstützt USB3, das Air allerdings seinerseits noch nicht. Insgesamt ist die XXS die Platte, die ich von Herzen empfehlen kann, obwohl oder vielleicht gerade wegen der fast verbrecherisch leichtsinnigen Ummantelung, die im Grunde nur aus einer Neoprenhülle besteht. Kleiner geht es derzeit kaum.

Der MacPro ist von Ende 2010 und unterstützt insofern leider noch kein Thunderbolt – also habe ich eine LaCie USB3-Karte eingebaut, die zwei Minimus-Platten ansteuert. Die Platten sind klein uns leise und durch USB3 so schnell, wie die internen Platten (512 GB SSD, 2x 3 TB, 1×2 TB) und der Bus der Platten es eben hergeben. Thunderbolt und externe SSD-Laufwerke dürften hier noch mal einen Leistungssprung bringen. Aber um die Wahrheit zu sagen – siehe oben – bei beiden Sachen kommt es nur beim ersten Backup aufs Tempo an. LaCie hat einen eigenen USB-Treiber im Angebot, der derzeit einzige (meines Wissens nach) für Mac – der Haken bei der Sache ist, das er wirklich NUR LaCie-Produkte unterstützt, durch eine kleine Hardware-Abfrage. Verständlich von Seiten der Herstellers, aber nicht sonderlich sinnvoll auf Dauer. Aber ich denke, mit Thunderbolt dürfte sich die Frage nach der Zukunft von USB3 am Mac erledigt haben. Die Minimus-Platten sind nicht so robust im Handling wie die WD-Platten. Es kann schon einmal vorkommen, dass die Platten sich ungefragt aus dem System verabschieden – und hier hilft nur ein Neustart des Systems. Auch die Hotplug-Fähigkeit ist eher bescheiden, zieht man eine Platte ab, sind beide «unmounted» und auch hier hilft nur erneutes Booten… Kleinigkeiten, die den ansonsten guten Eindruck der LaCie-Produkte etwas trüben. Diese beiden Platten sichern via CCC und TM die SSD-Bootplate und die «Daten»-Platte sowie die wichtigsten Medien (iTunes-Bibliothek usw.), die auf der vierten Platte liegen.

Ein weiteres CCC-Backup läuft einmal wöchentlich und speichert Daten, die beiden 3-TB-Archive und die Media-Platte auf einen 8-TB-Drobo. Der inzwischen drei Jahre alte Drobo ist erste Generation (hat aber mehrere Platten-Updates hinter sich), hat vier Slots à 1 TB, ist per USB angeschlossen und im Schrank versteckt (wegen der doch recht lauten Lüftung) – und bisher tut der Drobo zwar nicht wirklich rasant schnell, aber mit zwei Ausnahmen doch sehr sicher seinen Dienst. Der Drobo ist ein redundanter Speicher – er sichert eigentlich nur Daten ab, die ja bereits im Archiv liegen und gewährleistet eigentlich nur, dass wir bei einem versehentlichen Überschreiben einer Datei im Archiv (was mit InDesign oft genug passieren kann, wenn man in einer Vorlage arbeitet und im Arbeitsfieber CMD-S drückt ) das Original wieder herstellen können bzw. sorgt einem HDD-Crash vor. Er ist keine aktive Platte, insofern ist mir das Tempo vom Drobo relativ egal, zumal die Backups automatisiert am Wochenende laufen. Achtung: Beim Drobo hat es sich als sinnvoll herausgestellt, immer eine Wechselplatte gleichen Formats zur Hand zu haben, falls einmal eine der vier Platten ausfällt und ausgetauscht werden muss. Der Drobo mit vier Slots braucht also eigentlich fünf Platten, der fünfer entsprechend sechs und so weiter.

Per Folderwatch werden in Echtzeit die Mediadaten (iTunes usw) auf einer 2-TB-TimeCapsule synchronisiert, die zugleich ein zweites WLAN neben der Fritzbox liefert. Die Daten sind eine 1:1-Spiegelung und dienen nur als Sicherheit – um versehentliches Löschen von Daten, das ja sofort mit-synchronisiert würde, abzufangen werden diese Daten außerdem einmal monatlich auf einer weiteren 2-TB-Elements-Platte von WD gesichert – in diesem Falle manuell per Forklift-Synclet. Das ist ein wenig Overkill, zugegeben – aber iTunes kann gelegentlich etwas wirsch reagieren und in drei Fällen hat es mich schon gerettet, einfach noch einmal an alte Tracks heranzukommen. Mit iCloud und iTunes Match könnte sich dieser Schritt als überflüssig erweisen, weil man ja ein Backup «in the cloud» hätte.

Apropos in the Cloud – SSD-Laufwerk, Daten und das Archiv 01 (aktuellere Projekte des letzten Jahres oder Projekte gerade akuter Auftraggeber) sowie iTunes werden zusätzlich per Backblaze gesichert. Backblaze ist für die hier bestehenden Datenmengen – etwa 5 TB – alles andere als geeignet, das Erstbackup dauert natürlich selbst bei voll aufgedrehtem Upload und VDSL ohne Frage Monate. Ich bin sicher, Backblaze ist eher für kleinere Systeme gedacht – MacBooks und iMacs dürften ideal sein -, aber es gibt kein tatsächliches Limit und es st ja relativ egal, wie lange der Upload dauert – als letzte Rettungsleine ist es irgendwann sicher dennoch zu gebrauchen und mit 5 Euro im Monat auch preiswert genug (auch wenn man kaum darüber nachdenken mag, wie lange ein Restore von einem solchen Backup dauern dürfte). Backblaze lässt sich einfach konfigurieren – welche Platten, welche Ordner nicht sichern, wie schnell, usw. – und macht dann mehr oder minder unsichtbar im Hintergrund seine Arbeit, sollte nur bei extrem zeitkritischen Uploads vielleicht kurz deaktiviert oder ausgebremst werden, ansonsten merkt man es im Alltag kaum, selbst wenn es permanent hochlädt. Ich glaube, diese Form von Online-Backup wird in Zukunft mehr zunehmen, mit wachsenden Bandbreiten im Web.

Last not least bleiben durch Hardware-Updates eine wachsende Anzahl von 1TB- und 2TB-Platten im Büro, auf die wir mit einem Sharkoon SATA Quickport unregelmäßig manuell wichtige Daten aus dem Archiv spiegeln – falls alle Stricke reißen, ist das besser als nichts. Von wichtigen Daten wie Photos bekommen zudem die Auftraggeber auf Wunsch eine Backup-Festplatte, so dass die Daten auch außer Haus gesichert sind.

Streamer und DVDs setzen wir (gottseidank) seit einigen Jahren gar nicht mehr ein und ich muss zugeben, ich kann es kaum abwarten, bis aus normalen Festplatten durchgehend SSD via Thunderbolt geworden ist und natürlich große Kapazitäten deutlich preiswerter sind – obwohl das noch Jahre dauern dürfte – um endgültig etwas aus den «mechanischen» Unsicherheiten sterbender Festplatten heraus zu sein. Obwohl wir mit unseren Datenmengen ein reines Online-Backup derzeit wirklich nicht als brauchbare Lösung betrachten, ist es für kleinere Systeme eigentlich ein ausgezeichneter Weg – wenn es auch keine Boot-Platte mit einem Clone des Systems ersetzen würde. Langfristig würde mich nicht wundern, wenn Sachen wie TimeMachine aber komplett «in the cloud» passieren und man vielleicht sogar mehr und mehr auch mit den akuten Daten, an denen man kollaborativ arbeitet, direkt auf einem Webserver arbeitet. Dazu müssen bei diesen aber Redundanzen, Versioning und Restores sicher deutlich einfacher und erwachsener werden.

Komplette Sicherheit gibt es selbst so freilich nicht – mit TimeMachine etwa geht es nur immer zur letzten Stunde zurück – aber alles in allem habt sich die Methode als verlässliches Sicherheitsnetz erwiesen, um sowohl kurzfristige Fehler durch Überschreiben alter Daten oder Fehlspeichern sowie komplette Systemausfälle (die wir in den letzten drei Jahren ohnehin nur einmal hatten bei einem Rechner) aufzufangen.

Ich weiß nicht, ob diese Information etwas hilft – zumal wahrscheinlich jeder seine individuelle Methode finden muss, sich «sicher» zu fühlen. Ich kenne Nutzer, die gar kein Back-Up machen und sich auf ihren Schutzengel voll verlassen (durchaus auch mit Erfolg), andere setzen nur auf TimeMachine und die Restore-Disk, andere clonen nur. Ich persönlich finde, das jede Form von Speicherkosten für uns gering ausfällt gegen die Kosten, ein verloren gegangenes Design noch einmal nachbauen zu müssen oder – persönlicher – auch gekaufte Musik und Bücher in großer Zahl nachkaufen zu müssen.

14. Juni 2011 12:13 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Eine Antwort.

Sparrow

hd schellnack

Was als minimalistischer Gmail-Client angefangen hat, mausert sich bereits in der zweiten Überarbeitung zu einem überraschend guten generellen IMAP-Mail-Werkzeug. Sparrow erinnert stark an Reeder (oder umgekehrt) und ist insofern ähnlich intuitiv und angenehm zu bedienen, überzeugt mit vielleicht unnötigen aber ja dennoch schönen Animationen, die ja eben doch auch Teil des Gesamteindrucks sind, und unter der schönen Oberfläche – gegen die das ja auch schon nicht unschöne Mail von Apple relativ altbacken wirkt – wimmelt es von durchdachten Details, die auch auf den zweiten Blick das Arbeiten effizienter machen. Tastatur-Shortcuts bis ins kleinste Details, per Mouse-Geste oder Shortcut zuschaltbare Fensterelemente, eine smarte Nutzung von IMAP-Ordnern als «Label» – unter der schicken Fassade haben sich die Entwickler spürbar Gedanken gemacht, wie eine sehr schmale aber sehr leistungsfähige Mail-Verwaltung funktioniert, die Mail tatsächlich nicht vollständig ersetzt, aber im Alltag für Read-and-Reply mehr als perfekt ist. Mail selbst hat deutlich stärkere Filter-Features, ist sehr viel stärker im Sortieren von Inhalten und beim lokalen Archivieren von Mails – Sparrow fühlt sich dagegen eher so an wie ein iPhone-Client, klein und immer zur Hand. Per Tastaturkürzel steht Sparrow immer für eine neue Mail zur Verfügung, ohne in das Programm selbst wechseln zu müssen – und auch die Quick-Reply-Lösung wird schnell zur festen Angewohnheit, zumal das Zitieren von Mail-Inhalten durch die Arbeit in nur einem Fenster deutlich schneller von der Hand geht. Der Konversations-Modus, wie man ihn im Ansatz schon von Mail selbst oder besser von Postbox kennt, ist hier zwar nicht völlig ideal umgesetzt (warum sind zitierte Stellen und selbst die neuste Mail «eingeklappt»?), aber schon nach kurzer Eingewöhnung die beste Form, um in Dialogform Mails zu schreiben – gerade in der Arbeit an Projekten ein echter Bonus. War Sparrow bis 1.2 eigentlich aus meiner Sicht keine sonderlich überzeugende Lösung, hat das Update die Software überraschend gereift. Eine einheitliche Inbox und zig Details machen das Tool mit wenigen Ausnahmen sehr, sehr alltagstauglich. Die Facebook-Einbindung mag für manche Nutzer Sinn machen, ist aus meiner Sicht aber eher für private Mails sinnvoll, zumal ich die Anzeige von Profilbildern ohnehin deaktiviert habe und ich – ob das nun Paranoia ist oder nicht – möglichst wenig Apps Zugriff auf FB gebe, man muss sich ja nicht freiwillig zu sehr mit der Datenkrake vernetzen. Sparrow setzt auf Übersichtlichkeit und Minimalismus und ist deshalb sicher nichts für jemanden, der massiv mit der Möglichkeit, direkt auf dem IMAP-Server Ordner anzulegen arbeitet, denn diese sind nicht so direkt zugänglich wie etwa in Mail. Andererseits ist die Nutzung eben solcher Ordner als «Labels» eine gute Idee – es wäre nur schön, wenn der Zugriff besser ist. So kann man etwa aus der «Unified Inbox» nicht auf auf die Labels bzw IMAP-Ordner zugreifen, weil diese ja einem bestimmten Account zugeordnet sind. Das sollte man ändern, ebenso wäre es gut, wenn bestimmte Ordner einfach wie gesendete Mail, Papierkorb in die Seitenleiste aufgenommen werden könnten, entweder im Kontext der einzelnen Accounts oder sogar unabhängig davon – zumal unter den Accounts ja noch reichlich Platz bei den meisten Usern sein dürfte. Vielleicht bringt das für 1.3 angekündigte neue Label-Management da ja eine Besserung. Sehr schön gelöst ist der Favoriten-Stern, der im Grunde der «Flag» in Mail entspricht. Mit einem Stern versehene Mails haben einen eigenen Folder im Account und sind so schneller wiedergefunden als mit der dezenten Flagge in Mail (was man im Mail freilich mit einem Smart Folder auch lösen kann). Es wäre fast schön, wenn dieser Stern mehr könnte – etwa farbliche Dringlichkeitsstufen – aber im Grunde ist es so simpel ja auch sehr handlich. Sparrow zeigt den üblichen Kampf zwischen Features und Minimalismus und entscheidet sich überwiegend für letzteres. Einfach gesagt sind Mail oder auch Postbox deutlich bessere Werkzeuge für das Verwalten von Mail, fürs Suchen, Archivieren, Dokumentieren – wo Sparrow sich durchsetzt ist das fast Instant-Messenger-artige Interface, das das Schreiben und Beantworten von eMails enorm beschleunigt. Man kann darüber diskutieren, wie gut das an sich ist – Effizienzexperten raten ja etwas weltfremd oft dazu, nur zwei- oder dreimal am Tag eMails zu beantworten – aber für Nutzer, die relativ viel über Mail kommunzieren ist ein schnelleres und auf Dialogstrukturen optimiertes Mailprogramm natürlich ein Segen. Und Sparrow – trotz aller kleiner Fehler und trotz der Tatsache, dass man dennoch nicht um Mail herumkommt – entwickelt sich kontinuierlich in diese Richtung, wird durch recht viele individuelle Optionseinstellungen minimalistisch und funktional.

29. Mai 2011 09:40 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . 7 Antworten.

Adobe goes iPad

hd schellnack

Ganz generell ist man ja schon fast dankbar, dass Adobe das iPad überhaupt zur Kenntnis nimmt. Jenseits einer eher mauen Photoshop-Express-Version, deren Funktionsumfang nur durch das «Gratis»-Preisetikett zu rechtfertigen ist, scheint der Zwist zwischen Adobe und Apple so tief zu gehen, dass Adobe hier anscheinend einen ganzen Markt verpennt, in dem andere Firmen mit Bildbearbeitung, Filtern und auch den ersten Vektor-Zeichentools durchaus Fuß fassen. Zwei Jahre nach dem Release des iPad gibt es nichts ernsthaftes in Sachen Creative Suite, was auf dem iPad funktioniert – obwohl ich es für durchaus denkbar halte, via Dropbox eine App mit Indesign so zu verzahnen, dass man zumindest Texte und leichte Grafikkorrekturen machen könnte.

Als ersten Schritt in Richtung Apple kommen nun drei Apps von Adobe, die eigentlich ebenso gut auch eine App hätten sein können, dürfen und vielleicht müssen, mit denen man nun ein bisschen Fingermalen darf, Farben anmischen kann und eine Art rudimentäre Fernbedienung für die Werkzeugleiste. Die ersten beiden bringen mir ehrlich gesagt relativ wenig – zumal das Malen mit bloßen Fingern auf dem iPad vielleicht bei David Hockney zu guten Ergebnissen führt, bei mir ist der Finger als Werkzeug nur bei kühlen klimatischen Bedingungen ein geeignetes Mal- und Schreibwerkzeug, wobei das ja mit dem Stift umgehbar ist… nur kann ich dann auch direkt mit dem deutlich überlegenen Intuos direkt in PS arbeiten.

Was «Nav» angeht, so ist inzwischen der Wow-Effekt der Kommunikation zwischen einer Desktop-Applikation und einer iOS-App via WLAN relativ verflogen in Zeiten, wo ich über 3G von jedem beliebigen Ort per Screens meinen ganzen Rechner fernbedienen kann. Das User Interface ist grässlich, die Funktionalität erinnert an eine Amateur-AIR-App. Und was es tatsächlich bringt, abgesehen von einem rasant leergesaugten Akku, ist minimal, weil ein Switch zwischen Werkzeugen oder das Öffnen von Bildern zumindest bei mir schneller und natürlicher über die Tastatur stattfindet – oder zur Not auch per Maus, die man ja eh in der Hand hat und auch in der Hand haben muss, weil «Nav» wirklich nur den Wechsel zwischen Tools erlaubt, nicht aber ihren touchscreenbasieren Einsatz (à la Wacom Cintiq). Der Zusatznutzen von «Nav» eröffnet sich mir insofern eher nicht.

Und hier zeigt sich ein Wandel, den es seit einiger Zeit spürbar gibt, den aber der App Store sehr greifbar und konkret macht – das Ende der großen Software-Anbieter. Ungeachtet der Logistik-Stärken, die eben das Internet als Vertriebsweg zunehmend unwichtig macht, ungeachtet der gefüllten Kriegskassen für Zukäufe von bestehenden Firmen… Microsoft, Adobe und Konsorten schwächeln angesichts eines ätherisierten Verständnisses von Software, das so völlig anders ist als noch vor zehn Jahren. Apple ist die eine noch bestehende Ausnahme, weil sie durch eine glückliche Fügung so viele Standbeine haben, dass die Software halt mitlaufen kann beziehungsweise von den Spielbeinen beflügelt wird, etwa durch die Präsenz im Appstore, und weil die Firma mit Produkten wie Garageband oder Pages/Keynote relativ schnell auf das ja eben eigene Produkt iPad reagieren konnte, während es immer noch kein «Office 2011» für iPad gibt, außer indirekt eben von Drittanbietern. Wobei man sich nichts vormachen darf – nahezu alle Software-Launches der letzten Zeit von Apple hatten Probleme, die auf die Firmengröße rückführbar sind.

Aber generell hat das Web – und die Appstores – die Vorteile großer Softwareanbieter weggewischt, egalisiert. DVD-Brennwerke, Packagedesign – alles egal. Mit einer passablen Website, etwas Eigen-PR via Twitter und den üblichen Gadget-Blogs, Mundpropaganda und gutem Support kann eine gute Software von einer winzigen Firma über Nacht zum Erfolg werden und Standards setzen (und genau so schnell durch die nächstbessere Lösung obsolet gemacht werden). Die Applikationen, die ich auf dem iPad, aber eben auch auf dem Desktop-Rechner zunehmend verwende, stammen von kleineren Anbietern, oft Ein-Mann-Firmen. Das ist ein großer Umbruch in der Entstehung und im Vertrieb von Programmen, der mir derzeit auch unumkehrbar scheint. Und er macht Sinn, wenn man sich die Preise ansieht. Adobe und Microsoft nutzen eine – vor allem bei MS schwindende – Monopolstellung, um überzogene Preise durchzusetzen, und verpassen dabei, wahrzunehmen, wie sehr ihr Monopol wankt. Längst wirkt die Creative Suite so überfrachtet, unnötig kompliziert und schlecht zusammenpassend (während an anderer Stelle wieder an bestimmten Features durchaus eher fehlen), dass es eigentlich nur eine Frage der Zeit ist, bis bessere Alternativen emergieren, so wie Indesign Quark ersetzt hat. Die Entscheidung, iPad-Publishing mit einem hohen Preis als Online-Modell zu realisieren, wird sich hier langfristig als großer Fehler erweisen, ebenso die schlechte Content/Form-Verzahnung bei Indesign. Adobe reagiert nur langsam und schlecht auf Veränderungen im Webdesign und hat Dreamweaver und Flash förmlich verkommen lassen und schlägt selbst aus der Tatsache, mit PDF und SWF zwei grandiose Formate in der Hand zu haben, kein großes Kapital mehr, was an ein Wunder grenzt. Microsoft hat es in zehn Jahren nicht geschafft, aus dem Dauerbrenner Powerpoint auch nur näherungsweise ein vernünftiges Präsentationswerkzeug zu machen, es fühlt sich immer noch an wie Textverarbeitung 1990.

Auf der anderen Seite bieten namenlose Firmen smarte, sehr gut programmierte Tools an, die verblüffend liebevoll gemacht sind und im Alltag exzellente Arbeit leisten. Von welchem Ende der Welt diese Programme dann kommen, ist fast egal, und es ist fast egal, ob es iOS oder OSX-Programme sind, zumal diese künstliche Trennung in den kommenden Jahren sicherlich zunehmend verschwinden wird. All diese kleinen und großen Programme – Reeder, Writings, Byword, FocusWriter, Drops, Forklift, Omniplan und -focus, ComicZeal, iThoughts, TotalFinder, Alarms, GrandTotal, Frizzix, Saldomat, CopyPaster, iOutbank, Screens und und und – stammen von kleinen Firmen und selbst Größen wie Dropbox oder Evernote fühlen sich «klein» an gegen Microsoft und kommen eben mit wachsender Größe an bestimmte Grenzen. Denn gerade bei den kleinen Apps wird klar, wie schnell und reaktiv Updates sein können. Wenn etwa ein Zevrix-Plug-In wie LinkOptimizer ein wichtiges Feature vermissen lässt, reicht eine freundliche Frage und das nächste Update zwei Tage später kann’s. Es ist ein fast surreales Erlebnis in Sachen Service, wie freundlich und offen kleine Firmen für Anregungen sind – und wie klar sie aber auch wissen, was für sie nicht machbar oder gut wäre. Es ist ein extrem faires Modell – und zugleich übrigens der beste Schutz gegen Raubkopie. Von anonymen Großfirmen überteuerte Software «klauen» ist ja vielleicht eine Sache – aber bei kleinen Machern ist schnell klar, dass nur über Verkauf und faires Miteinander eine Pflege und ein Fortbestehen des Programms gegeben ist. Es entsteht so eine vergleichsweise faire, aber kleinere Mikrostruktur, die ein wenig an den Selbstvertrieb von Musik erinnert und es ist nicht ohne Grund, dass Kickstarter auch für Software eine Plattform sein kann. Während es für Monolithen wie Microsoft strukturell fast undenkbar war (und ist), halbwegs direkt mit Endverbrauchern in Kontakt zu kommen, suchen die jüngeren Entwickler diesen Kontakt vom ersten Moment an. Man muss kein Prophet sein, um in diesem Modell ganz generell eine Zukunft für kreative Leistungen aller Art zu entdecken – Musik, Bücher, vielleicht sogar Design und Architektur. Weg von den Moloch-Strukturen, hin zu projektgerechten und engagierten Größen, die ein one-on-one ermöglichen. Ich habe beispielsweise nie verstanden, warum so viele Auftraggeber in der Architektur mit Foster zusammenarbeiten, wo doch klar ist, dass Sir Norman mit der Firma, die seinen Namen trägt, nicht mehr allzuviel zu tun hat und man eigentlich einen Finanzdienstleister beauftragt, dem es primär ums Geld geht und dessen große Struktur man schlicht mit bezahlt. Entsprechend habe ich mich gefreut, dass Google mutig genug war, anders als Apple, nicht auf die übliche Foster-Lösung zu setzen, oder einen der sehr großen US-Architekten zu nehmen, sondern das vergleichsweise kleinere Büro Ingenhoven zu beauftragen, wo eine viel individuellere Zusammenarbeit machbar ist. Das ist eine richtige Entscheidung. Analog bin ich immer geknickt, wenn wir in Pitches gegen Metadesign oder JvM verlieren – Büros, die gar nicht in Pitches gegen uns bzw wir gegen sie spielen dürften -, durchaus auch bei Jobs, wo das Budget solche Großagenturen gar nicht hergibt. Nicht, weil uns ein Auftrag entgeht (es kommt ja immer etwas anderes rein), sondern weil es für den Auftraggeber, mit dessen Problemen und Zielen man sich ja intensiv identifiziert hat im Rahmen einer Lösungsfindung, die falsche, nur vermeintlich «sichere» Lösung ist. Entsprechend mies ist das, was dabei meist am Ende rauskommt.

Der traurige Stand der Dinge bei Adobe belegt, dass ein Ende der «Big is beautiful»-Ära präsent auch in der Softwarebranche angekommen ist. In Zukunft werden sich große Strukturen zunehmend fragen müssen, ob man sie noch braucht. Digitaler Direktvertrieb und das Internet machen es möglich, klein anzufangen und nach Bedarf atmend zu wachsen, sich selbst zu vermarkten. Auf diesen Power Shift in dem Verhältnis zwischen Musikern und Labels (die ja inzwischen mehr Kreditgeber sind) oder Autoren und Verlagen, zwischen Programmierern und Salesmen, ist die Industrie offenbar kaum vorbereitet, auch wenn ich sicher bin, dass in den Strukturen smarte Leute längst die Alarmglocken läuten. Was soll einen Autor noch abhalten – ob Newcomer oder Bestsellerschreiber – seine Werke mit geringer Startinvestition direkt via iBooks oder als App zu vertreiben? Sobald Apple den «Independants» die Tore öffnet wird es den größten Umbruch in der Verlagswelt geben, den man sich vorstellen kann. Mit dem AppStore ist dieser Umbruch – prägnanter noch als in der letzten Dekade per Direktverkauf online – längst im Softwarebereich vollzogen. Größe spielt (fast) keine Rolle mehr, Service, Tempo, Qualität sind entscheidend – und gute Bewertungen, die daraus resultieren.

Adobe täte gut daran, sich schnell und konsequent auf diese neuen Verhältnisse einzustellen, kleiner, fairer, schneller zu werden und sich vom Marketing wieder auf die Programmierung zu refokussieren – denn die Marktmacht des Giganten wird zunehmend unwichtig. Die ja immer noch recht gute Softwarebasis gilt es aufzubauen, auszubauen, reaktiver zu bekommen und für neue Plattformen umzusetzen. Ansonsten wird der Tag kommen, an dem der Preisunterschied zwischen Photoshop und sagen wir Pixelmator nicht mehr zu rechtfertigen ist. Und sich die Frage stellt, ob man iPad-Newsmags wirklich noch mit Indesign layouten will oder ob es nicht eine integrierte, viel bessere Lösung eines kleinen Anbieters gibt, die im Endeffekt besser funktioniert. Und auf diese Frage hat Adobe derzeit keine überzeugende Antwort, leider.

10. Mai 2011 17:32 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , . 2 Antworten.

Freiwild Cases

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Derzeit arbeitsbedingt etwas still im Blog, aber ganz kurz ein wenig Werbung für die Filzcases von Freiwild – Julia Osters Freiwild-Hüllen für iPad, iPhone, 13″ und 15″ Notebooks und – hier im Bild – die beiden Airmodelle – sind wie ja fast alles aus Filz eine augenweide. In der grauen, rauen Variante machen die Cases am meisten Spaß, sie passen ideal und auch wenn Filz an sich natürlich nicht gerade das pflegeleichteste Material ist, bietet es einen ausreichenden Schutz für die Geräte unterwegs. Der dicke Schafsfilz ist solide vernäht, das Ganze wirkt trotz des recht kleinen Ladens nie studentisch «handmade» oder fragil, sondern strahlt den Charme eines hochsoliden professionellen Produkts aus, dem man seine Hardware gern anvertraut. Ich muss zugeben, da ich das Air in einer Tasche transportiere (allerdings für 15″) ist das Case gar nicht SO nötig (außer um das Air zusätzlich zu schützen, zumal das iPad meist im gleichen Fach der Kuriertasche mitreist) – aber wer kann bei so einem tollen Produkt nein sagen?

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12. April 2011 15:35 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . 4 Antworten.

iPad 2

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Im Grunde lohnt sich nach den ausgiebigen Reviews aus den USA und angesichts der ja wenig umwerfenden neuen Features des iPad2 eine echte Auseinandersetzung mit dem Gerät kaum – es ist einfach ein Upgrade und wer das iPad 1 kennt, kennt auch die zweite Generation. Also nur ein paar erste Eindrücke:

Es gab tatsächlich eine Schlange. Ich hab das nicht geglaubt und bisher auch nicht erlebt, aber da standen tatsächlich bis vor die Tür Leute für ein Stück Hardware. Never underestimate the power of smart marketing (and scarce goods). Ich selbst hatte Gott sei Dank vorbestellt und konnte einfach so rein und es abholen, vielleicht auch, weil das 64 GB 3G vielleicht nicht ganz so nachgefragt ist wie die anderen Modelle. Steffi, die draußen wartete, erzählte, ein alter Mann sei im Vorbeigehen stehen geblieben und habe sich nach einigem Betrachten der Schlange erkundigt, was es denn hier gratis gäbe. Sie: Das neue iPad2. Er: Was? Sie erklärt ihm, was es ist, er will wissen, warum die Leute dafür anstehen und was daran nun so toll sei. Nach einer Erklärung fragt er: Und was kostet das Ding? Steffi: So ab 500 Euro. Er tritt drei Schritte zurück und wendet sich an die wartende Menge: Sie haben alle fünfhundert Euro in der Tasche hier? Und wandert kopfschüttelnd weg, um sich auf dem Rückweg noch einmal bei jemand anderes zu erkundigen, wahrscheinlich weil er vermutet hat, Steffi wolle ihn veräppeln. Der Mann hat ja recht, muss man sagen. Wir leben in seltsamen Zeiten, dass man auf ein Luxusgut wartet als wäre es Obst in der DDR.

Das Pad an eine weitestgehend undramatische Weiterentwicklung des Vorgängers. Die Wahrheit ist – und das gilt inzwischen ja fast durchgehend für Apple-Produktzyklen – es keinen zwingenden Grund für iPad1-Besitzer, zu wechseln. Das Gerät wendet sich scheinbar eher an Neueinsteiger, die ohne irgendeine Art von Kamera nicht leben konnten. Ansonsten bietet es zum gleichen Preis eine solide technische Weiterentwicklung, die wie immer ein paar Wünsche offen lässt und wie immer aber auch nett ist. Der größere Arbeitsspeicher, der schnellere Prozessor und die verbesserte Grafikleistung ist im direkten Vergleich zwar spürbar, dürfte im alltäglichen Gebrauch aber nach einer Woche so selbstverständlich geworden sein, dass man es nicht mehr merkt. Apps starten etwas schneller und gerade beim Umblättern von Magazinen «hängt» es einen Hauch weniger. Sync von iTunes scheint schneller zu laufen und auch der Online-Sync wirkt einen Hauch sportiver – oder bildet man sich so etwas vielleicht auch einfach ein? Dennoch sind leistungshungrige Applikationen immer noch langsam und die Arbeit mit großzügig bebilderten PDF in Minimal Folio zwingt die App immer noch zu einem langen verpuzzelten Aufbau der Seite. Auch die Zeit und PDFs in GoodReader haben noch spürbare Aufbauprobleme – ein Wunder darf man also vom iPad2 auch nicht erwarten. Aber etwas «snappier» wie es so schön bei Apple heißt ist die Sache schon – vor allem der Wechsel zwischen Applikationen ist flüssiger geworden. Aber nun auch nichts, was vom Stuhl wirft.

Die Kameras sind in der Tat ein Alptraum. Ich kann verstehen, dass man irgendwo ein Auge auf den Preis haben muss, aber ich hätte mit Vergnügen mehr Geld für die Kameraleistung aus dem iPhone bezahlt. Für mehr als einen kurzen Snapshot in Evernote reicht es einfach nicht. Die Bilder sind düster und rauschig und niedrig aufgelöst. Man kann argumentieren, dass man mit einem 10″-Gerät nun auch keine Unterwegs-Photos machen will, aber tatsächlich macht gerade eine gut aufgelöste Kamera im iPad Sinn, um Dokumente zu «scannen». Die Videoleistung ist entsprechend – vergleichbar mit dem iPod Touch – mau, aber ausreichend. Positiv ist, dass man natürlich mit dem unhandlicheren iPad sehr viel ruhiger, weil zweihändig filmt, als mit dem iPhone, und der Bildschirm dabei die Wucht ist – Video macht hiermit ziemlich viel Spaß. Wie bei allen iGeräten werde ich aber das Gefühl nicht los, dass die Brennweite für Video schlecht ist, du bist immer zu «nah» dran, das 28-mm-Equivalent etwa der Canon fühlt sich sehr viel natürlicher an, wenn man Räume oder Situationen festhalten will.

Der Bildschirm ist weitestgehend unverändert. Als einzigen Unterschied kann ich feststellen, dass bei schrägen Blickwinkel Schwarztöne weniger schnell ins blassrötliche kippen. Mehr Auflösung, und sei es nur 1280 oder 1440, wäre schön gewesen. Aber andererseits kann ich verstehen, dass die Grafikprozessoren damit wahrscheinlich noch zu viel zu kämpfen hätten und vor allem auch die Developer schon wieder nach nur einem Jahr eine Auflösungsanpassung vornehmen müssten – man sieht ja beim iPhone, dass es teilweise anscheinend ein Jahr dauert, bis das mal umgesetzt wird und einige Apps laufen immer noch mit Prä-Retina-dpi. Für ein Lesegerät ist die Auflösung des iPad nur leider eben dennoch einen Tick zu pixelig, da darf man aufs iPad 3 hoffen. Interessant, wie immer bei neuen iOS-Geräten, ist, dass der Bildschirm sich glatter anfühlt, responsiver ist. Ich denke, das liegt wahrscheinlich daran, dass die oleophobische Beschichtung mit der Zeit im Gebrauch abnimmt und das Display sich «stumpfer» anfühlt. Apropros öl- und fettabweisend: Natürlich ist auch dieses iPad binnen weniger Minuten von Fingerabdrücken übersäht. Gar nicht anders denkbar. Dies ist die Sorte Gerät, die man eigentlich nicht mehr rhotographieren kann, sondern nur noch aus Renderings oder Photoshop-Montagen antiseptisch clean hervorkriegt.

Der Sound ist definitiv besser, alles andere wäre auch undenkbar gewesen, schlechter als das iPad1 ist ja kaum denkbar gewesen. Du hast natürlich kein Stereo (immer noch nicht) und von Bass darf gar keine Rede sein, aber man kann Musik tatsächlich wahrnehmen und einen Film sehen und dabei den Ton ohne Kopfhörer hören. Tatsächlich habe ich mich dabei erwischt, dass ich die Lautstärke reduziert habe. Am iPad – wie ungewohnt. Der Sound ist blechern und in voller Lautstärke etwas kratzelig, aber das hier ist ein echter Schritt nach vorn, der eigentlich nur umso deutlicher macht, dass man zwei Speaker bräuchte und zwar ideal einen weiteren oben am Gerät.

Gewicht und Größe sind natürlich wichtige Faktoren für diese Sorte eines mobilen Clientgerätes und das iPad2 legt hier einen soliden Unterschied hin. Einfach gesagt ist etwa die Dicke des jetzt geraden Seitenrahmens einfach verschwunden. Dünneres, aber härteres Glas und dünner Akkus haben den Formfaktor drastisch verjüngt. Auf Photos lässt sich das schwer darstellen, man muss beide Geräte mal in der Hand gehabt haben, das iPad 2 fasst sich einfach (noch) etwas weniger wie ein Stück Hardware an, fühlt sich noch mehr wie etwas an, das eigentlich gar kein Computer mehr sein kann. Durch die sanft abgerundeten Ecken liegt es ausgezeichnet in der hand, wenn auch der jetzt recht spitze Übergang zwischen Display und Aluminium etwas und schön an das Air erinnert. Wer im Bett lesend das iPad auf der Brust abstützt, hat es jetzt nicht mehr einen breiten Rand sondern mit einer eine zwar stumpfen, aber doch deutlich spürbaren und unangenehmen «Kante» zu tun. Da der reine Gewichtsunterschied nicht so drastisch ist wie die reduzierte Größe, fühlt sich das iPad2 ungewöhnlich kompakter an, weil mehr Gewicht auf weniger Fläche verteilt scheint. In der Praxis ist der Gewichtsunterschied von um die 10% kaum spürbar – es ist immer noch subjektiv um ein Drittel bis 50% zu schwer im Vergleich zu einem Buch, selbst einem Hardcover, um sich wirklich «angenehm» anzufühlen.

Das Upgrade läuft wie immer bei Apple – Backup und Neuaufspielen. Ich würde mir wirklich wünschen, dass dabei die Anordnung meiner Apps beibehalten wird. Da Apple es selbst mit iTunes nicht gerade zur reinen Freude macht, zig Applikationen zu sortieren, wäre es nicht zuviel verlangt, wenn diese bei der Migration auf ein neues Gerät dann dort auch wieder genau so vorzufinden wären. Gerade bei einem Gerät, dass sich auch an Einsteiger wendet – obwohl, tut es das wirklich? Ist das iPad nicht teilweise viel komplizierter als jeder Rechner? – ist es seltsam, wenn die Neueinrichtung in zwei Schritten (Wiederherstellung und Sync) stattfinden muss und der Nutzer dann App-Reihenfolge sowie nahezu alle Passworte für Mail, Applikationen, Web und so weiter wieder neu eingeben muss. Man hat den Nerv ja nur einmal im Jahr, idealerweise, aber es erscheint mir unlogisch. Wenn ich ein Gerät wiederherstelle in der Migration sollte es auch weitestgehend 1:1 gespiegelt werden. Die Passworte kann man noch unter «Sicherheit» verbuchen (wäre aber auch eleganter lösbar), für die App-Anordnung finde ich keinerlei logischen Grund. Wer hier viel mit App-Ordnern arbeitet – ich nicht so sehr, aber ich kenne einige Leute, die ihr ganzes System damit verwalten und nur einen einzigen Bildschirm mit Ordnern haben, in denen die Apps abgelegt sind – muss nach einem solchen Wechsel doch schier wahnsinnig werden. Zumal das Ordnen der Apps auf dem Gerät selbst ein Alptraum ist, es geht faktisch nur in iTunes und auch dort weitestgehend spaßfrei. Der Wechsel der SIM-Karte ist zwar etwas frickelig – der Tray ist in den abgerundeten Ecken etwas suboptimal verbaut und es braucht schon etwas Fingerspitzengefühl, um das wieder zusammenzuschieben – aber fast wider meiner Erwartung lief die Sim ohne neue Aktivierung durch O2 einfach bestens weiter, ohne Passworteingabe oder andere Provider-Mätzchen.

Die Software ist identisch mit der vom iPad1, mit Ausnahme der Tatsache, dass iMovie hier natürlich ohne Trickserei läuft und Factetime, das völlig sinnfreie Photobooth sowie Kamera-App dazugekommen sind. Interessant ist, dass die über X-Code zu aktivierenden Vierfinger-Gesten für das Schließen und Wechseln von Apps – die den Home-Button faktisch überflüssig machen – etwas satter und schneller laufen, am iPad 1 war das manchmal etwas ruckelig, hier ist es sanft und glatt, wie es sein sollte. Ich kann verstehen, warum Apple mit Rücksicht auf Einsteiger und App-Kompatibilität diese Gesten deaktiviert hat, aber ehrlich gesagt ist es ein Jammer. Das direkte Wischen zwischen Anwendungen ist unverzichtbar geworden und die Geste zum Schließen von Apps so natürlich, das eine ganz neue Freude an der Bedienung des Gerätes aufkommt, weil man nicht mehr immer den zunehmend dusseligen Button braucht, der nicht in den Flow des Arbeitens am Touchscreen passen will. Fehlt eigentlich nur noch eine Geste für eine Art Exposé, die alle offenen Anwendungen zeigt – das Hochziehen für die Taskbar ist ja nahe dran, aber Expose mit einer Art «Öffnen von Fünf Fingern»-Geste wäre grandios. Jeder, der ein iPad hat, muss sich eigentlich X-Code holen und diese Option nutzen, es wertet das Gerät ungemein auf. Nicht umsonst ist X-Code im MacAppStore ja bei den Bestsellern, so viele Entwickler kann es gar nicht geben ;.-). Facetime dürfte mittelfristig die Art, wie wir über Videotelefonie denken, revolutionieren. Es ist einfach, smart und dürfte in einigen Jahren zumindest bei Benutzern von Apple-Geräten allgegenwärtig sein. Die Sache hat allerdings einige Haken: Ohne 3G macht es die Sache noch sehr eingeschränkt Sinn, man fühlt sich ein wenig in die Zeiten von kabelgebundenen Telefonen zurückversetzt. Richtig genial wird es erst, wenn man von unterwegs auch Video-Abstimmungen machen kann. Auch die Anbindung an eine Apple-ID kann ein Problem sein – einerseits macht es Sinn, wenn ich angerufen werde, dass nun MacPro, Air, iPad und iPhone «klingeln», irgendwo könnte man mich ja erreichen. Andererseits kann ich aber nicht ohne weiteres von einem meiner Devices «nach Hause telefonieren», also von unterwegs ins Büro – jedenfalls nicht an den eigenen Rechner. Die fehlende Möglichkeit, mehrere Userprofile auf dem iPad verwalten zu können, wirft hier ihren Schatten voraus, bei einem Gerät, das so offenbar für gemeinsame Nutzung angelegt scheint. Andererseits will Apple natürlich ein Familiengerät, das nicht geteilt wird, sondern von möglichst vielen Mitgliedern individuell gekauft werden muss. Unschön ist auch, das bei einem Anruf vom iPhone das gesendete Bild des iP ungemein pixelig wirkt auf der viel zu großen 1024er-Fläche, die eine Bildauflösung bräuchte, die die meisten Datenverbindungen heute überfordert. Garageband ist eine der Applikationen, die von dem schnelleren Prozessor bereits spürbar profitiert, der Wartefaktor beim Wechsel von Instrumenten und selbst beim Start ist geringer und «Leistung optimieren» scheint einen Hauch seltener zu erscheinen. Spielt man nicht auf einer harten Oberfläche scheint mir auch die über den Bewegungssensor simulierte Anschlagsdynamik von Tasteninstrumenten zwar immer noch etwas unberechenbar, aber deutlich reaktiver und «echter» als vorher. Ich denke nicht, dass dies am neuen Gyroscope liegen wird, und vielleicht ist es auch nur Einbildung, aber da Garageband eine der besten App fürs iPad schlechthin ist, bin ich für jede Verbesserung der «User Experience» froh. iMovie ist ein weiteres kleines smartes Wunderwerk. Es hat zwar «nur» den Leistungsumfang der ja baugleichen iPhone-Software, bietet also keine Möglichkeiten, die Clips in Farbe, Tempo oder Ästhetik an sich zu verändern, profitiert aber ungemein von dem größeren Bildschirm und der präziseren Arbeit mit den Fingern. Es ist fast unfassbar, wie flüssig selbst 720p-Video, Übergänge, einfache Animationen und so weiter von dem kleinen A5-Prozessor bewältigt werden. Umso mehr fragt man sich allerdings, warum die gleiche Firma mit FinalCut eine so derart miese Videosoftware, die selbst auf Hochleistungsrechnern ohne Pre-Rendering kaum einen kurzen Clip meistert, auf dem Markt hat. Ich muss mehr und mehr sagen, ein FinalCut auf iMovie-Basis mit mehreren Spuren, Blend-Modi, professionellen Plugs, freier typographischer und graphischer Elemente-Anordnung und Animation (à la Keynote beispielsweite) würde mir mehr Spaß machen als das, was derzeit als Express oder Studioversion auf dem Markt ist. Als einfache kreative Lösung für Familienfest-Mitfilmer reicht iMovie allemal, und auch iMovie auf dem Mac hat ja durchaus dramatische Schwachstellen (Multitrack, Plug-In-Mangel) – eine beeindruckende Präsentation der Möglichkeiten des iPad ist es aber allemal, weil ein sehr flüssiges Arbeiten möglich ist und – ähnlich wie in Garageband – das Arbeiten ohne Maus überraschend natürlich und «richtig» scheint.

Das Fazit ist wahrscheinlich, dass das iPad einerseits – ungeachtet aller Hardwaredaten – aufgrund der einzigartigen Hardware/Softwarekombination auf absehbare Zeit völlig konkurrenzlos sein dürfte, nichts anderes kann sich bisher an diesem Standard messen und bis die anderen aufgeholt haben, dürfte Apple sich weiterentwickelt haben. Insofern bestand für die Firma vielleicht kein Anlass, sich beim iPad2 gegenüber den Samsung oder Google-Konkurrenten besonders anstrengen zu müssen. Die zweite Generation ist insofern ein irgendwie lässig wirkendes Upgrade, das ein bisschen mehr leistet, aber keineswegs «wichtig» wirkt. Apples smarte Salamitaktik von zeitlich berechenbaren inkrementellen technischen Upgrades, die alle paar Jahre mal von einem dramatischeren Facelift aufgerüttelt werden, bedeutet auch hier, dass iPad1-Besitzer keine schlaflosen Nächte haben müssen und getrost eine Generation überspringen könnten, wenn Kamera oder schmalere Bauweise nicht wichtige Argumente sind. Für die Benutzer, für die bereits das erste iPad zu einer Art ständigen Begleiter geworden ist, der als Buchersatz, als Browser, als Organisationstool, als Notizbuch, als Schreibmaschine und und und inzwischen in den verschiedensten Situationen immer dabei ist, lohnt sich das Upgrade sicher dennoch, weil sich die zweite Generation unterm Strich einen Hauch selbstverständlicher anfühlt, noch weniger «Gerät» ist, noch weniger Maschinencharakter hat. Geringere Wartezeiten und die fast surreal bleistiftschlanke Bauweise – ein normales Telefonmobilteil wirkt dagegen grobschlächtig – rücken das iPad ein Stückchen weiter der von Apple versprochenen «Magie» näher.

26. März 2011 17:29 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . Eine Antwort.

One Less Drop Kickstarter

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Ich halte Kickstarter ja für eine famose Idee – eine Plattform, die als eine Art Social-Network-Version von Business Angels fungiert und in der das Startkapital für ein Projekt sozusagen durch die ersten Kunden entsteht, ist eine Idee, die wie für das Web geschaffen ist. Und für uns arme Early Adopters die endgültige Hölle darstellt, wo wir von Produkten träumen dürfen, die es vielleicht nie gibt. Nachdem dort bereits die ein oder andere iPod-Nano-Uhr für Furore gesorgt hat, entwickelt sich Kickstarter zu einer relativ ernstzunehmenden Plattform, ich bin gespannt wie das weitergeht.

Mein eigenes erstes Kickstart-Project ist so simpel wie genial: One Less Drop von Dean Heckler. Der einfache Recycling-Aluminiumblock tut nichts anderes als eine Kabelführung für ein oder zwei der üblichen Apple-Kabel darzustellen und ein weiteres Kabel zu fixieren. Das klingt nun wenig spektakulär, wer aber wie ich eigentlich permanent mit vom Schreibtisch herabfallenden iPhone/iPad oder MacBook.Kabeln zu tun hat, wird für die kleine und elegante Form eines postmodernen Briefbeschwerers dankbar sein. So dankbar, dass ich gleich drei «vorbestellt» habe. Dean hat noch 24 Tage um auf die nötige Fördersumme von 12.500 $ zu kommen und ist bereits bei 10.305 $ – wer von euch schon einmal über permanent am Boden liegende oder zertretene Kabel geflucht hat, kann ja mithelfen, die Hürde zu überspringen und ein bisschen Venture-Kapitalist spielen.

Update: Montag und Dean Heckler hat 100% des nötigen Kapitals für seine Kabelklötze zusammen. Nicht schlecht. Bin gespannt, wie die fertigen OLDs aussehen werden.

5. Februar 2011 11:53 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . Eine Antwort.

AluPen

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Sicher, sicher – Steve Jobs glaubt nicht an Stifte und das iPad. Aber natürlich schreibt es sich mit einem Stift viel besser als mit dem bloßen Finger, der ja doch eher unsmooth über die Glasfläche fährt. Nachdem ich den Pogo Stylus eher unhandlich fand und das nicht ganz preiswerte Stiftlein auch binnen von einer Woche seinen Clip verlor, bin ich auf den AluPen gestoßen. Der klobig wirkende Pen wirkt nur auf den ersten Blick unhandlich – der hohle Aluminiumkorpus ist mit Gummi gefüllt und relativ leicht, etwa so schwer wie ein guter Füller, auch die Größe ist sehr angenehm und die große Form passt erstaunlicherweise sehr gut zu der ja auch etwas grobmotorigeren Art, auf dem Pad zu schreiben – weil es einfach noch keinen wirklich guten Stylus fürs iPad gibt, das kapazitative Display lässt keine wirklich «feine» Lösung zu, ist die Schrift ja immer eher so, als würde man mit einem Edding schreiben. Das rundliche Gummiende des Stiftes ist nicht – wie man meinen könnte von Photos – hartes Gummi, sondern innen hohl und federweich, so dass man ganz fluide und natürlich damit schreiben kann und tatsächlich halbwegs lesbare Ergebnisse erzielt … oder in meinem Fall ebenso unleserlich wie meine Handschrift eben auch auf Papier wäre. Auch Skizzen und Zeichnungen gehen hiermit gut von der Hand und mit Software wie Brushes oder Sketch dürfte der AluPen ordentich Spaß machen, sofern man (wie unter anderem ja David Hockney) in der Lage ist, auf dem iPad zu malen. Schön wäre eine Art Clip gewesen, um den Stift zu befestigen – und die große Form lässt sich natürlich durch keine normale Notizbuch-Stiftschlaufe schieben. Andererseits ist der Stift gegenüber dem Pogo so groß, dass man ihn wenigstens nicht permanent verlegt und vergisst und passt ästhetisch und vom Schreibgefühl her absolut makellos zum iPad. Als Notizblock benutze ich meist das wunderschön gemachte Penultimate – eine der wenigen Apps, die nicht meint, Schrift in Vektorformen ummodeln zu müssen, damit es kleine PDFs gibt -, leider gibt es noch keine gute OCR für das iPad (WritePad jedenfalls erkennt bei mir nur Unsinn – hier ist eigentlich eine Marktlücke für FineReader und Co.), aber ich denke, das ist nur eine Frage der Zeit, bis das besser wird.

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Bis dahin der Tipp, die Notizen, die man sich selbst als relativ kleine PNGs (etwa 110 kbpro Seite ) zumailen kann, in Evernote zu speichern – man hat dann zwar trotzdem nicht eine Textdatei (eigentlich schade, Evernote – das wäre doch ein tolles Feature), aber die Notizen werden auf dem Evernote-Server ausgelesen und man kann seine handschriftlichen Notizen je nach Lesbarkeit ziemlich treffsicher nach Textstellen durchsuchen – immerhin. Bei Kundenmeetings wirkt es immer doch sympathischer, wenn man nicht «tippt», sondern notiert (das iPad an sich ist ja immer noch so ein Ding, das bei vielen Meetings nicht gut ankommt), und man kann auch deutlich besser ohne hinzublicken mitschreiben. Mit dem AluPen funktioniert das auf dem iPad wenigstens ansatzweise lesbar – auch wenn es einen Stift und Papier noch nicht ganz ersetzt. Aber wir haben ja auch noch zig nodesign-Notizblöcke, die sollen ja nicht weggeworfen werden…

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15. Oktober 2010 15:18 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . 2 Antworten.

FR auf dem iPad

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Wer hätte das gedacht? Es gibt tatsächlich Hoffnung für eNewspaper auf dem iPad – in Form ausgerechnet der Frankfurter Rundschau. Während sich vor allem das große Wochenblatt Die Zeit mit einer eher extrem mäßigen Lösung präsentierte, die wenig mehr bot als man ohnehin an ePaper und Online-Texten bei der Zeit downloaden kann, präsentiert die FR eine Lösung, die sich für das Medium maßgeschneidert anfühlt. Eine elegante Bibliothek, verschiedene Lese-Modi im Hoch- und Querformat, sehr gelungener und für eine Tageszeitung fast magazinartiger Umgang mit Aufmachern, sogar die schwierigen kürzeren Mengentexte der Zeitung noch halbwegs elegant gelöst und dabei doch weitestgehend im Look der Marke FR – das macht spontan Freude, ebenso die an den iPad-Spiegel erinnernde Inhaltsverzeichnis- und Navigationslösung. Natürlich gibt es noch Raum für Verbesserungen, es fehlt etwa eine Volltextsuche, Lesezeichen, Markierungs- oder Notizwerkzeuge, sowie vielleicht Anbindung an SocialMedia-Tools, aber es muss ja auch noch Verbesserungsspielraum für kommende Updates geben. Auch das Texte mal komplett magazinartig abwärtsrollen, mal aber in scrollbaren kleinen Textboxen sind, ist etwas unlogisch, aber insgesamt ist die Aufbereitung der Inhalte, die zusätzlichen Diashows, Video, Verweise auf Onlineinhalte und die kleinen Zusatz-Info-Boxen eine großartige Umsetzung der Inhalte, die hier (wie etwa die Plassmann-Cartoons) sogar oft besser wirken als in der Printausgabe, weil ihnen mehr Raum zukommt und sie nicht in dem allzu engen Format der geschrumpften FR versumpfen. Und sich die Zeitung plötzlich wie ein gut gemachtes Magazin anfühlt. Gerade Publikationen wie Die Zeit oder Freitag, aber auch ein Magazin wie die Spex (musikkritik mit Soundbeispielen, das wärs doch) könnte ich mir in diesem Format wirklich sehr gut vorstellen. Ein besonderes Bonbon ist der Newsticker, der natürlich auch nur Online-Content anbietet, aber ein wirklich gefälliges Interface hat. Rundum fühlt sich die App vom Start weg rund und ausgereift an und macht einfach Spass.

Obwohl der Wechsel von Papier zu Pad, der hier stattfindet, an sich in seiner Geschwindigkeit auch etwas erschreckendes hat, habe ich bei der FR-Kiosk-App erstmals nicht mehr das Gefühl, eine abgespeckte Light-Kompromiss-Lösung in den Händen zu halten, sondern eine redaktionell gezielt umgestaltete und in diesem Prozess sogar bereicherte Version, selbst wenn die multimedialen Möglichkeiten nur rudimentär genutzt sind. Bleibt zu hoffen, dass app-basierte Zeitungen in Zukunft nicht als Abfallprodukt oder Nebengeschäft betrachtet werden, sondern in den Redaktionen als vollwertiges Medium mit eigenen Designstandards und eigener redaktioneller Aufarbeitung genutzt werden. Denn dann könnte uns eine Renaissance der Postprintmedien nicht nur als Phantasie, sondern als ganz greifbares ökonomisches Moment bevorstehen. Aber auch nur, wenn die Zeitungen selbst aufhören, sich kaputtzusanieren.

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Aufgeräumte Navigation nach Sparten


hd schellnackPrintlayout liebevoll umgesetzt

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Bilder des Tages als formatfüllende Diashow


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Inhaltsübersicht à la Spiegel-App


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Auch Glossen und Artikel ohne Bilder sind sauber umgesetzt, sogar mit typographischen Details


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Wo interaktive Inhalte Sinn machen, werden sie sparsam genutzt

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Schöner Bonus ist der sehr übersichtliche Newsticker der Online-Nachrichten.

24. September 2010 15:14 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Eine Antwort.

iWork Update und iDisk

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Mit Pages, Numbers und Keynote hat Apple bereits bei Erscheinen des iPad gezeigt, wie ausgereift Software auf dem mobilen Client sein kann. Trotz aller 1.0-Mängel und trotz eines etwas süßlichen Interfaces bei Pages gehörte vor allem Keynote zu den Apps, die andeuten, wie angenehm sich auch auf dem kleinen Bildschirm und mit Fingern arbeiten lässt. Zahlreiche von der Desktop-Version bekannte intelligente Features, solide Übergänge und die ruckelfreie Wiedergabe machten zumindest denkbar, Präsentationen auf dem iPad weiterzubearbeiten oder komplett zu erstellen. Nachdem ich in den letzten Wochen etwas mit Windows-Powerpoint arbeiten musste, kann man nur sagen, dass selbst die Light-iPad-Version von Keynote mehr auf dem Kasten hat als Powerpoint. Vom Spaßfaktor, sozusagen mit bloßen Händen Text und BIlder zu layouten und förmlich spielerisch zu arbeiten, ganz zu schweigen. Numbers ist eine Software, die ich faktisch nicht brauche, aber mit Pages sind schon so einige Texte geschrieben worden, auch wenn der Sync via iTunes, Mail oder iWork.com so oder so immer etwas nervig war

In der gestern veröffentlichten 1.1-Version nähert sich Apple den Vollversion nähert sich Apple ein Stück weiter der Desktop-Fassung (PDF/XLS/PPT-Export, mehr Features) und bindet beide Softwares an WebDAV-Anbieter und an den konzerneigenen MobileMe-Cloudservice an. Dass Apple Dropbox – sozusagen die spürbar bessere Konkurrenz zu MobileMes iDisk – nicht unterstützt, ist dabei mehr als schade, denn zumindest bei mir lief der Sync mit MobileMe wie gewohnt langsam und umständlich, und die Daten kamen auf meinem Rechner erst an, nachdem ich den automatischen Sync mehrfach ein- und ausgeschaltet und manuell erneut den iDisk-Ordner aktualisiert habe. iDisk ist nach wie vor, freundlich gesagt, ein Desaster und keine solide Plattform für den permanenten Austausch von Daten. Wer eine Weile mit Dropbox gearbeitet hat, kann an iDisk wirklich nur verzweifeln, hier besteht für Apple (wie an so vielen Baustellen) echter Handlungsbedarf in Sachen schnellere Aktualisierung, Tempo, Backups, Verfügbarkeit und Verlässlichkeit. Erst dann wird sich iDisk wieder gegen den Quasistandard von Dropbox behaupten können. Update-Fehler, nicht stattfindende Syncs, hängende iDisk – das Ganze ist ein Alptraum, man kann eigentlich nur mit der iDisk arbeiten, wenn man auf die lokale Kopie verzichtet und sozusagen nur online auf den MobileMe-Server zugreift, was aber bei größeren Dateien aufgrund des recht langsamen Apple-Servers ein ziemlicher Nerv sein kann und auch nicht der Sinn der Übung. Wer einmal erlebt hat, wie unsichtbar und quasi im Hintergrund Dropbox oder sogar Evernote funktionieren, dem kommt iDisk denkbar antiquiert vor.

Ganz generell kommt man hier an den Punkt, wo Apple sich überlegen sollte, ob eine Art simples Filemanagement für iOs/MacOs nicht doch sinnvoll wäre, zum einen, weil dann mehrere Apps auf die gleichen Daten zugreifen könnten und eine Menge fauler Kompromisse wegfielen (Das unglückliche Senden an etwa) und man generell eine Art Öffnen/Speichern für alle Apps hätte anstelle der fast improvisiert wirkenden Lösungen, die es zur Zeit gibt. Den festen Ordner könnte man dann via iDisk, Dropbox, WebDAV, iTunes, WLAN und wasauchimmer aktualisieren/abgleichen und fertig. Je ausgefeilter die Apps werden – je mehr sie fast den Desktop-Versionen gleichen – umso schmerzhafter vermisst man eine Filemanagement-Struktur, die funktioniert. Es ist natürlich so, dass wir Nutzer ein immer hungriges Biest sind, das mit jeder Verbesserung nach weiteren ruft, aber die Tatsache ist, dass mich derzeit am iPad (neben dem fehlenden iOS4) am meisten ärgert, dass es für alles und jedes eine Art Sonderlösung geben muss, die sich meist extrem selbstgefummelt anfühlt, weil jede App ihre eigene Brücke zum Rest der Welt zimmern muss. Ein einheitliches Filesystem mit entsprechendem API wäre hier ein wichtiger Schritt zur Verschmelzung der Apple-Betriebssysteme.

Seltsamerweise ist iA-Writers primitive Dropbox-Lösung derzeit also tatsächlich intuitiver und schneller als die ausgefeiltere Pages-Version, die eben mit iDisk gestraft ist. An diesem Detail wird deutlich, dass Apple derzeit vielleicht zwangsläufig – getrieben vom eigenen Erfolg – an zu vielen Baustellen gleichzeitig arbeitet und dabei in allen Bereichen keine 100%igen Lösungen mehr anbietet. Eine bündige Cloud-Computing-Idee und ein Dateisystem, das Mac und Ipad nahtlos verzahnt, wird aber immer wichtiger und dürfte nach (halbwegs funktionierendem) Multitasking zu den wichtigsten Aufgaben gehören, wenn man den Erfolg des iPad vorantreiben will. Für iOS 5 wäre es also schön, wenn Apple sich einen Ruck gibt, das UI etwas überdenkt und vor allem eine einfache, aber effektive Finder-Alternative (die ja durchaus unsichtbar im Background laufen kann) erfindet, die das iPad nahtlos und intuitiv ins Netzwerk bringt und mobiles Arbeiten ermöglicht – wofür erweitertes OTF-Management ebenfalls essentiell wäre. Und spätestens dann möchte ich, dass Adobe endlich mal aus dem Koma erwacht und eine iPad-Version der Creative Suite vorstellt.

23. September 2010 11:39 Uhr. Kategorie Technik. Tag . Keine Antwort.

Writer for iPad

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Die Informations Architects legen eine einfache, in ihrer Reduktion etwas an Ommwriter erinnernde Textverarbeitungs-App für das iPad vor. Anders als das vor Features strotzende Pages ist Writer eine extrem reduzierte Software, die wenig mehr bietet als eine Tastatur und ein relativ schmales Textfenster. Nur eine Schriftart, keinerlei Formatierungsmöglichkeiten und ein entsprechend als einfaches .txt gespeichertes Dokument wirken auf den ersten Blick in der auch ansonsten eher spartanisch gestalteten Umgebung wenig vielversprechend. Dass es der Writer aber durchaus in sich hat, zeigen nicht nur Details wie die ständig sichtbare Textmenge und (geschätzte) Lesezeit (man ahnt hier, wofür iA den Writer eigentlich intern entwickelt haben könnten), sondern auch das erweiterte Keyboard und die nahtlose Dropbox-Integration. Die Tastaturergänzung macht endlich möglich, auch ohne Touchscreen zu bestimmten Stellen im Text zu springen, entweder um ganze Worte oder zeichenweise, außerdem lassen sich Klammern einfacher eingeben und Zeichen wie Gedankenstriche oder Doppelpunkt sind etwas näher gekommen. Unschön ist, dass die “-Taste leider nicht wie die eigentliche echte Tastatur von Apple bei längerem Gedrückthalten Zugriff auf anderen Anführungszeichen wie «» oder „“ gibt, sondern wirklich nur die (falschen) Zollzeichen liefert. Un ob ich wirklich ein Semikolon direkt zugreifbar habe, sei mal dahingestellt – die Coder dürfte es aber enorm freuen, denn als reiner txt-Editor dürfte sich Writer auch als fixer Editor nutzen lassen (dafür fehlt allerdings eigentlich noch eine FTP-Anbindung).

Da im reinen .txt gespeichert wird, ist Writer hochgradig kompatibel und eignet sich ideal, um etwa Blogtexte vorzuschreiben – egal, wo man danach ist, sie sind ja via Dropbox universal verfügbar und lassen sich in WP oder Ecto o.ä. in die finale Form bringen (ich warte ja immer noch auf Ecto fürs iPad, aber da selbst das MacOS-Ecto kaum weiterentwickelt wird, darf ich da wohl lange warten :-D). Das bewusst minimalistische Interface könnte im weiteren Verlauf sicher noch das ein oder andere Detail, vielleicht zumindest auch eine dezente Schriftauswahl (so schön die Monospace gewählt ist) brauchen, und wenn man schon am Keyboard herumdoktort, wäre es natürlich grandios gewesen, Umlaute ohne das nervige Tasten-Gedrückt-Halten verfügbar zu machen (nach wie vor DIE nervigste Sache an der iPad-Tastatur, die zumindet im Querformat entspannt mehr Zeichen unterbringen könnte), aber für eine 1.0er-Version ist der iA-Writer eine schöne, einfache Sache, um onthego schnell Texte festzuhalten und dabei etwas netter zu bedienen als Evernote (das ich bisher genau hierfür verwendet habe). Insofern Dank und Glückwunsch an die Kollegen von den information architects, die hier weiter den erfolgreichen Umzug vom Web zum Pad machen!

Update: Der Writer ist leider noch etwas buggy. Bei mir gibt es gelegentlich Probleme beim Wechsel von Horizontal zu Senkrecht, wenn der Umbruch sich nämlich nicht ändert und man plötzlich in einer viel zu langen Zeile schreibt. Die Lupe funktioniert nicht sauber, bei mir wird der Cursor nicht angezeigt. Und die Sondertasten über dem eigentlichen Keyboard sind stumm, was seltsamerweise enorm irritiert. Bemerkenswert positiv ist der superschnelle Start des Writer.

22. September 2010 11:17 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Keine Antwort.

Vorsicht Glas 04: Eintauchen / Auftauchen

Wie immer bei erscheinen einer neuen DMIG kommt der Text aus der Vorausgabe hier ins Archiv, wo ich ihn besser finden kann:

VORSICHT GLAS III
EINTAUCHEN, AUFTAUCHEN

WILLKOMMEN IM ÄTHER
Jeder schreibt dieser Tage über die Revolution iPad und die Auswirkungen, die es auf Webdesign, Lesen, Video, Musik, einfach alles haben wird… und vielleicht auch tatsächlich hat, wenn auch wahrscheinlich anders, als die Autoren derzeit vermuten. Aber ich habe mir letztens etwas gekauft, was auch flach ist, auch eine Glasoberfläche hat, aber aus meiner Sicht deutlich revolutionärer ist, auf eine ganz unscheinbare Art und Weise. Die Withings-Waage ist ein zunächst unscheinbares Gerät zum Messen von Gewicht und Muskel-/Fettanteil, und kommt mit deutlich weniger Marketing-Getöse daher als das «magische» iPad, ist aber tatsächlich einer der ersten Vertreter des «Internets der Dinge» – denn die Waage sendet nach einer nicht ganz einfachen Installation und Kontoeinrichtung ihre Daten direkt per WLAN auf einen Server, und von dort zum Beispiel auf diverse iPhone-Fitness-Applikationen. Sie ist der erste, wie so oft bei wahrhaft umwälzenden Veränderungen eben total harmlos wirkende Vorbote einer neuen Dimension von Internet, die die visuelle Metapher des «World Wide Web» ersetzen wird, das selbst ja vor gut zwei Dekaden das textbasierte Net-Paradigma abgelöst hat. In einem nicht ganz unzynischen Artikel wurde vor kurzem das iPhone (und damit auch das iPad) kritisch als eine Art «Fernbedienung» für das Leben gedeutet. Aber die Wahrheit ist eher, dass es (noch) die Fernbedienung für eine neue Form von Internet-Nutzung ist, deren Dimension sich erst schemenhaft abzeichnet.

Der große Unterschied zwischen dem www und dieser neuen Form von Internet ist zum einen die Mobilität des Nutzers – dieser Shift ist etwa so wichtig wie der Unterschied zwischen Mobiltelefon und dem alten Wählscheibentelefon in der Diele am Telefontischlein, das von den Nachbarn gern auch mal mitbenutzt wurde. Gowalla, Foursquare und -zig andere Dienste machen deutlich, wie sich Geodaten perfekt für eine komplett andere Wahrnehmung von Internet eignen. In einem schönen Stadtviertel zu sein und eben per ImmobilienScout-App herauszufinden, was es denn hier an Wohnungen gibt, ist nicht vergleichbar mit einem «statischen» Internet. Analog ist der Erfolg von Twitter und anderen sozialen Netzwerken natürlich darauf zurückzuführen, dass man mit mobilen Geräten jederzeit eine kurze Notiz versenden kann.

Zum anderen ist die in den nächsten Jahren hinzukommende starke Vernetzung von Alltagsobjekten ein entscheidender Faktor. Die seit einigen Jahren kursierende Vision des Kühlschrankes, der via RFID ermittelt, dass die Milch abgelaufen ist und dem User – dann eventuell über die Schnittstelle iPhone – direkt einen entsprechenden Vermerk auf die Einkaufsliste macht, die wiederum mit dem Einkaufswagen im Supermarkt kommuniziert, der seinerseits den Einkaufsbetrag der Kasse mitteilt, die flugs den Betrag von unserem PayPal-Account abbucht… das ist ja kaum noch Science-Fiction, sondern eher das, was Trixie Bedlam Paleo-Futurismus nennt. Auch hat Apple bereits vor über einem Jahr Programminterfaces für Messgeräte für z.B. Blutdruck oder Glukose vorgestellt – und wenn man sich anschaut, wie erfolgreich eine ja offenbar nicht wirklich ernsthafte Software wie Sleep Cycle bereits war, ist absehbar, wie erfolgreich solche Angebote sein werden. Dass zugleich sehr ernsthaft über die Möglichkeiten des Robotereinsatzes in der Altenpflege nachgedacht wird, mag da nur noch Fußnote sein – bis wir kollektiv so weit sind, haben wir uns längst an elektronische Vollüberwachung gewöhnt.

Der durch die Urbanisierung, durch einzelne Wohnungen und Häuser modular gewordene Mensch, der längst das Gefühl für ein soziales «Ganzes» verloren hat, wird so in einen neuen technologischen Scheinkontext eingebunden, der auf eine seltsame neue Art Isolation und Eingebundenheit ??? hier fehlt ein verb! , in der wir uns selbst zunehmend als Sims-Charaktere erleben dürfen. Die Trennung zwischen der realen Welt und der ästhetisierten Scheinwelt, deren Vorhandensein früher durch mediale Unzulänglichkeiten gegeben war, hebt sich auf. Statt schwarzweißer Fernsehbilder mit niedrig denkbarster Zeilenauflösung haben wir dreidimensionales Kino in 4K-Qualität, statt karger textbasierter Suchmaschinen auf einem Monitor am Arbeitsplatz haben wir kabellose Augmented-Reality-Software in der Hosentasche. Nicht ohne Grund ist «Iron Man», der zynische alkoholkranke Tony Stark, der im AR-Interface seiner Rüstung so ultravernetzt wie grundeinsam ist, der Held unserer Dekade. Diese Permeabilität von Realität und dem, was man früher vielleicht mal Virtuelle Realität genannt haben dürfte, führt zu einem Multitasking-Solipsismus, in dem «Internet» nicht mehr als ein Raum wahrgenommen wird, den man betritt. Internet ist inzwischen das, wo wir permanent sind, es umgibt, umspannt uns. Adieu World-Wide-Web, hallo Äther.

Das grandiose an diesem Wechsel ist, dass er bereits stattgefunden hat. Wir sind zu nah dran, aber eine nach lange Zeit besuchende Tante würde zu dem kleinen Internet sagen: «Mei, bist du aber groß geworden!» Während viele Webdesigner noch hämen, dass Print ja tot sei, merken sie kaum, dass ihre eigene Tätigkeit längst in einem viel tragischeren Umfang unnötig geworden ist – weil das Web der Zukunft kein graphisches Interface in der jetzigen Form mehr haben wird.

DIE BAND SPIELT BIS ZULETZT…

Für die Designer der kommenden Generationen bedeutet dieser Übergang einen Paradigmenwechsel, wie wir ihn in der kurzen Lebenszeit unserer Profession noch nicht erlebt haben, eine Art postindustrielle Revolution. Design ist in den letzten Jahrzehnten – kontaminiert von ihrem pragmatischen Ausfluss Werbung – als steuerbare Kommunikationsspielart verstanden worden. Egal, mit wie vielen Worten man es verbrämen mag, im Grunde ist Design oft nur der ästhetische Zuckerguß über Edward L. Bernays’ «Crystallizing Public Opinion». Aus der unschuldigen Kunst der Typographie, die nur die Lesbarkeit erleichtern wollte, ist eine hochspezialisierte Profession geworden, die nur ungern zugibt, dass bei allem Gerede um Farben, Schriften und Formen (und bei aller Tendenz zur leeren reinen Formalästhetik, Design-for-Designers) im Grunde immer noch um Absatz, um Erfolg, um Manipulation, um Propaganda geht, ergo um Einwegkommunikation. Wie ein Auftraggeber es letztens so schön formulierte, um Handlungsanweisungen. Sei es der Weg zur nächsten Toilette am Airport, die Verknüpfung einer bestimmten «Idee» mit einer Marke oder der simple zielgruppengerecht kodierte «Kauf mich»-Befehl. Wir gestalten ein Buchcover nicht, um die Menschheit zu retten – wir (bzw unser Klient, der Autor oder Verleger) will mehr Bücher verkaufen. Wir gestalten eine Broschüre oder ein Plakat nicht, um Kunst zu machen, wir wollen ein bestimmtes «Meme»????? besetzen, forttragen oder implementieren. Der dahinter steckende Gedanke – ob nun bewusst oder nicht – ist natürlich arrogant und besserwisserisch, die Unterteilung der Welt in Schäfer und Herde, Leiter und Geleitete. Es ist ja kein Wunder, dass auch ein Joseph Goebbels sich von Bernays Methodik anstecken ließ – Steven Heller hat ja weitgehend in Iron Fists dargelegt, wie wunderbar Diktatur und Corporate Design zusammengehen.

Diese Zeiten – so paradox es klingen mag – erreichen derzeit ihren Zenith und Untergang zugleich. Selten wurde mit Marketing und Gestaltung so vielschichtig und gekonnt versucht, Meinungen und Entscheidungen zu beeinflussen, selten war so viel «Design» wie derzeit. Wir werden bombardiert mit Werbebotschaften, Markenphilosophien, mit emotionalen Impacts, die uns wie einen Flipperball in diese oder jene Ecke tillen wollen. Und das zweifelsohne auch mit Erfolg. In unserer postrationalen Welt sind die Sieger dieses Designkrieges um die Aufmerksamkeit die, die am Ende ein positives «Image» auftürmen können, am Wühltisch der Konsumentscheidungen erfolgreich. Warum wir diesen Anzug tragen, jene Milch trinken, dieses Laptop nutzen – all das sind in einer übersättigten Welt natürlich längst Entscheidungen am oberen Ende der Bedürfnispyramide, die kaum noch mit dem inhärenten tatsächlichen Nutzen der Ware zu tun haben, sondern mehr mit ihrer mythischen Aufladung, böse gesagt dem «Wellness»-Faktor. Man darf sich nichts vormachen: Natürlich sind wir von Design verführbar und auch verführt. In einer Gesellschaft, in der Sein und Konsum wie ein Gordischer Knoten verwoben sind, stellt Design zugleich die Wände des Labyrinths – und auch den Ariadnefaden, an dem wir uns entlang hangeln. Konsumentscheidungen sind zu einem kunstvoll-bizarren Tanz zwischen Verführern und Verführten geworden, zwischen Aufklärung und Verbrämung, in dem schon der Kauf einer einfachen Milch zu einem Jonglageakt wird. Nie war so viel – und so widersprüchliche – Propaganda wie heute.

Und eben darum strahlt viel Design heute eine hechelnde Fin-de-siècle-Müdigkeit aus. Die Firmen wechseln und überarbeiten ihre Namen und Logos, Verpackungen und Werbekampagnen zunehmend rascher aus, wanken wie ein Junkie auf der Suche nach dem nächsten großen Kick von einer Agentur zur anderen, von einem Pitch-Fever ins nächste. Das klassische Grafik-Design wird immer mehr zur ästhetischen Onanie, alles sieht irgendwie gleich, irgendwie gut, irgendwie hip aus – es bedeutet aber auch nichts mehr, in der Echokammer endlosen Recyclings ist die inhaltliche Ebene hinter der formalen Geste verloren gegangen. Wie viele andere Aspekte allgegenwärtiger Popkultur nerven Werbung und Design durch Überangebot, und da diese Flut anders als Musik und Film eher unfreiwillig konsumiert wird, ist die Ablehnung umso ausgeprägter. Der Versuch, Werbung zur komplexen multimedialen Immersion aufzubrezeln – wie bei iAd abzusehen – wirkt vor diesem Hintergrund nur umso fehlgeleiteter. Ist der erste Kick, die erste Neugierde, die Novelty, aufgebraucht und ist erst einmal jede zweite App mit einer Werbe-Zusatz-Applikation belastet, wird der Rollback der Verweigerung nur umso spürbarer ausfallen. Die noch am ehesten funktionierende Werbung sind die nahezu unsichtbaren, dezenten Werbe-Text-Links bei Google, die interessanterweise ohne jede Gestaltung auskommen. (Noch…)

Wie die Band an Bord der Titanic spielt die Werbeindustrie bis zuletzt, lauter und schneller als jemals zuvor, hier noch ein Störer aufs Cover, da noch das Logo größer, hier die Headline größer, dort noch etwas mehr Sex-Appeal in den Geschäftsbericht. Die Passagiere haben sich leider aber längst auf den Weg in die Rettungsboote gemacht.
Der Sprung zur Äthergesellschaft ändert auch hier vieles: wenn Werbung nicht mehr in klaren Realitäts-Subcompartements stattfindet – ergo ausblendbar ist, sondern durch den Äther plötzlich so allgegenwärtig wie ultraindividualisiert sein könnte, verschiebt sie sich vom Background Noise zu einer essentiellen Bedrohung.

DER DESIGNER ALS FICTIONAUT
Es ist ein altes Klischee, dass gutes Design eine «Geschichte» erzählt. Tatsache ist aber, dass aktuelles Design eher das Gegenteil versucht – es überschreibt und negiert Geschichte, in dem Versuch, die Marke ewig jung und frisch zu halten. Nur hat ein Dorian Gray eben keine Geschichte, er ist zeitlos. Er hat keine Zukunft, keine Vergangenheit, er will nur die ewige Jugend. «A lot goes on but nothing happens…» – dieses Paradigma von Design wird sich ändern müssen. Design von morgen wird nicht nur «Storyweaving» sein, sondern ein komplexer narrativer Vorgang im Dialog mit dem Auftraggeber und dem Empfänger, der von Anfang an nicht als passiver Teil eines mechanischen Vorgangs, sondern als gleichberechtigtes Element eines enorm volatilen chemischen Prozesses zu denken und einzuplanen ist. Nun ist Tofflers «Prosumer» ein alter Hut – obwohl niemals so wahr wie in Zeiten von Google – aber ohne Frage stellt der Äther die Arroganz einer selbstdefinierten Elite, die «Handlungsanweisungen» und «Navigation» vorgibt, sehr definitiv in Frage. Wie langweilig und baukastenartig wirken die meisten Webdesigns heute, die sich eine wie auch immer zu definierende gute User-Navigation auf die Fahne schreiben, die aber nur das stets gleiche System re-iterieren, das ihnen die Software vorgibt. So wie uns die wie vom Fließband purzelnden immer gleichen Romantic Comedies mit ihren austauschbaren Darstellern und absehbaren Happy Ends langweilen, so öden auch diese ewig gleichen Webdesigns mit ihren ausgelutschen Metaphern von Menüs und Untermenüs, Tags und Links.

Es ist bezeichnend, dass iPhone und iPad dieser Gleichförmigkeit primär eine Art Turboboost verleihen. Apples rigide Store-Politik und der schiere Kontrollfetischismus, der auch bei zahlreichen verschiedenen Apps für ein möglichst homogenes Erscheinungsbild des OS sorgen sollen, frustriert bereits jetzt zahlreiche Entwickler und wird in Zukunft einer der größten Angriffspunkte im Kampf Android vs Apple sein. Der Erfolg von eher «erzählerischen» Apps wie Swanko Lab oder Hipstamatic, die zwar die gleichen Effekte bieten wie zahllose andere Photo-Applikationen, die aus der schwachbrüstigen Kamera des Smartphones eine Art neuzeitliche Lomo zu machen versuchen, zeigt, dass neben dem reinen Nutzen einer Software eben auch ihr spielerischer, emotionaler Aspekt ausschlaggebend ist. Hipsta und Swanko erzählen natürlich die gleiche Lügengeschichte wie alle Emulatoren – das schwache Abbild analoger Photographie im digitalen Gewand – dies aber mit so viel Konsequenz, Charme und gestalterischem Know-how, dass ein Hybrid zwischen Spiel (mit ungewissem Ausgang) und Software mit Nutzwert entsteht. Bleibt zu hoffen, dass sich solche Ansätze gegen Steve Jobs’ Puritanismus auch in Zukunft durchsetzen können.

Bereits heute beginnt gutes Design sich von einem dogmatischen Orientierungssystem zu einem offenen Spielsystem umzudefinieren, weil es die immersive Natur des eigenen Tuns begreift. Ein Designbegriff, der sich nicht mehr in den Käfig des World-Wide-Web oder von Print stecken lässt (oder analog in die Gestaltung von Waschbecken und Autolenkrädern) liegt nahe… schließlich müssen wir uns fragen, was Menschen dazu bringt, bereitwillig stundenlang einen Text zu lesen oder sich einen Film anzusehen und dafür sogar auch noch zu bezahlen. Und so merkt man gutem, langfristigem Design oft an, dass es eine Art Handschrift oder Idee oder eine Art von Autorenschaft hat. Über die Jahre entwickelt es sich, mutiert, irrt, springt wie ein Jump’n'Run-Charakter, es entwickelt ein Protagonisten-Flair. Es kann uns überraschen, verärgern, amüsieren, involvieren. Das kann so simpel funktionieren wie die Lucky-Strike-Identität, die so stoisch wie fluide wirkt, die so wenig zu wollen scheint und gerade deshalb so langen Atem beweist (abgesehen von den eher traurigen Package-Redesigns). Das kann aber auch so komplex sein wie die Fernsehserie «Lost», die eins der wasserdichtesten Designs hat, das man sich denken kann, die nahezu architektonisch wirkt, ein seltsamer Mix aus perfekter Planung und kreativen Sprüngen. Designer werden von Autoren solcher Langzeit-Narrationen lernen, ebenso wie natürlich von Spieleentwicklern, die längst die Einheit von Erzählen und Gestalten verkörpern, auf die Designprozesse sich auch zubewegen. Ein digitales Spiel, das den User auf Stunden binden soll, immer wieder vor den Monitor locken will, das gar erwartet, dass der Spieler Regeln, komplexe Bedienungsabläufe und Lösungsmuster erlernt und trotz wiederholten Scheiterns an einer Spielhürde nicht aufgibt, muss in einem Maße «Involvement» generieren, von dem Design noch weit entfernt ist. Games müssen erzählerisch mit verschiedenen Frustrationsniveaus umgehen, zugänglich sein und doch nicht zu einfach sie haben sich längst (wie etwa in der Demo-Szene) der Idee geöffnet, dass der User selbst aktiv in seine Spielumgebung eingreift und diese weiterentwickeln darf – dieser Aspekt ist inzwischen oft expliziter Bestandteil des Spielreizes.

Diese Idee eines interaktiven Spiels unter dialogischen und fast echtzeitlichen Multi-User-Bedingungen, bei denen bestenfalls noch eine dünne Membran den «Programmierer» vom «Anwender» trennt, es aber dennoch eine (zum Teil aber oft teambasierte) klare und vom Empfänger auch gewünschte Autorenschaft gibt, findet sich eben so auch in erfolgreichen Fernsehserien wieder – beim bereits angeführten Lost etwa gehört das Spiel der Zuschauer um die Hinweise und Rätsel der Serie zum Reiz des Formats, ebenso gab es mehrere zwischen den Staffeln angesiedelte Alternative-Reality-Game-Formate, die die Grenze zwischen Spielformat und herkömmlicher Serie endgültig durchtrennen.

Dieser Mix aus Erzählung, Exploration, Immersion einerseits und Dialog, Teamwork und Offenheit andererseits ist ein deutlicher Schritt weg von der heutigen «Narration» von Design, die immer noch zu sehr von der Auteur-Idee eines einzelnen Urhebers getragen ist, der ein Werk erzeugt, mit dem die Empfänger dann gefälligst zu leben haben, oder das sich nach realitätsfernen Marktforschungs-Vorgaben richtet, die jede Innovation ersticken und dem alten, eben besserwisserisch-manipulativen Modell anhängen. Auch, man mag es hoffen, Corporate Design als Einbahnstraße aus Agenturvorgaben in endlosen Maßketten und Anwendern, die früher oder später der eigenen Kreativität und Naivität folgend, dieser Vorgaben verlassen und somit das militärische CD-Konzept ad absurdum führen (bis es nach einer Weile der Erosion wieder von einer anderen Agentur «relauncht» werden muss, in der Hoffnung, dass es jetzt aber bitte endlich «greift»), dürfte sich gegen einen von Anfang bis Implementierung spielerischen, gemeinsamen Umgang mit der Firmenidentität austauschen lassen, der der gähnenden Langeweile völlig austauschbarer Baukastenlooks im CD-Bereich ein Ende setzt.

Das narrative Design ist open-ended, lebendig, eher eine endlos formbare Skulptur als ein finites «Werk», eher eine Umgebung, ein «Space» als ein spezifischer Ort oder Punkt. Es will nicht mehr verkaufen oder erklären oder dich in diese oder jene Richtung schieben, es will dich in erster Linie erst einmal einbinden, aktivieren, unterhalten, verwirren oder begeistern, einverleiben. Es wird die Grenze zwischen Druck, Print, Lokal und Mobil, Öffentlichkeit und Privatem auflösen. Der Designer als «Fictionaut» taucht ein, tauscht sich aus, taucht auf und hat Stories im Netz. Neben Vektorkurvenziehen und Pixelschubsen gilt es also kulturelles Wissen, Lesen, Hermeneutik, Soziologie, Gruppenpsychologie in den Designbegriff einzubringen – letzthin die Fähigkeit, Spannungsbögen zu erzeugen, Metakontinuität zu wahren, Kohäsion über verschiedenste Plattformen, Cliffhanger zu inszenieren, Handlungen und Identitäten zu entwickeln.

Im Webdesign wird sich diese Tendenz fortschreiben. Mach man sich nichts vor – «Design» im Webbereich ist nicht, eine bunte Site aus Baukastenmodulen in Joomla zusammen zu puzzeln. Design im Webbereich ist, Facebook geschaffen zu haben oder Twitter. Also eine Idee zu haben – und deren diverse Technologien überspannende konkrete Ausformung – und die Gestalt dieser Idee über die Zeit hinweg auszubauen. So wie die erste Staffel einer Serie dabei vielleicht etwas schlechter ist als die zweite (und die siebte vielleicht schlechter als die erste), so ist auch Webdesign heute ein langfristiger Prozess, der ideal transparent und echtzeitig verläuft und auf Input von Usern dynamisch reagiert. Anregungen, Ideen, Bugs – schon heute ist auch eine herkömmliche Site nicht mehr ohne eine Art öffentlichen Betatest denkbar… der Relaunch vom Fontblog hat das exemplarisch gezeigt und dabei vorgemacht, wie so etwas simples wie ein Blog zur Kommunikation von Machern und Nutzern werden kann, zu einer gemeinsamen Untersuchung der Geschichte um die es sich hier eigentlich dreht. Analog zeigt eben die Vernetzung eines simplen Haushaltsgegenstandes wie einer Waage mit einem Webspace und mobilen Applikationen mit Einbindung von Online-Community sozusagen in embryonaler Form, wie aus dem einfachen Akt der Gewichtsermittlung so etwas wie eine gemeinsame Story werden kann. Denkt man sich diese Vernetzung weiter, wird deutlich, wie ganzheitlich Designprozesse in Zukunft in das Leben hineinspielen, welche gegenseitige Einflussnahme hier möglich wird und wie zentral es ist, hier Vertrauen und Transparenz durch Glaubwürdigkeit zu schaffen. Die Äthergesellschaft ist eine Tauschgesellschaft von sozialen Akten, deren Regeln noch ungeschrieben sind, aber es zeichnet sich jetzt schon ab, dass «Echtheit» und Vertrauenswürdigkeit von Marken an Wichtigkeit für die Bereitschaft der User, Informationen zu teilen, immer wichtiger werden. Und für dieses Vertrauen müssen die Marken erst einmal selbst «sharen».

Es ist nach wie vor wahnsinnig schwer bis unmöglich, Auftraggeber von dieser Form fiktionalen Designs zu überzeugen. Die Aufgabe einer hierarchischen Kommunikation mit klaren Zielvorgaben, das einfach Machen um des Machen willens, das oft Afunktionale ist Marketingprofis nur schwer zu erklären. Meine alte These, dass Erfolg in der Werbung bedeutet, möglichst fast keinerlei klare Konsumanreize mehr in den Auftritt zu nehmen, auf Zielgruppenaffinität und Handlungsanweisungen zu verzichten, sondern nur «zu sein» (Zen-Design, wenn man so will), einfach als Unternehmen zu atmen, auf der anderen Seite aber den Konsum, so er denn freiwillig erfolgen will, so angenehm und wunderbar und einfach wie überhaupt eben möglich zu machen, ist heute so akut wie in den letzten Dekaden nicht mehr.

Mit der Auflösung der World Wide Web zu einem Äther-Internet, mit dem Nachlassen der Relevanz von Fernsehen, Radio und Print als zentralen Informationsmedien sterben die Strukturen einer reinen Sender-Empfänger-Kommunikation langsam aber sicher ab. Jede neue mediale Iteration hat schnellere Feedback-Zyklen möglich gemacht, bis wir bereits mit dem Web in einer Fast-Echtzeit-Reaktanz angekommen sind. Das «Internet der Dinge» wird die Gesellschaft tiefer spalten als jeder andere Sprung zuvor – in Mitmacher und Verweigerer, in Datenpreisgeber und Intimsphärenschützer, in Stoiker und Springer. Und weil alte Medien nicht sterben, wird es weiterhin Printanzeigen und Bücher geben, Plakate (wenn auch als animierte Displays), und natürlich auch Websites, die statisch sind, die nicht wachsen oder mutieren – und die vor allem alles immer schon besser wissen als ihre Besucher. Ob sie dem Modell eines Bundesbahn-Fahrplans oder dem eines TV-Senders folgen, solche Sites dürften und dürfen auch gerne aussterben. Emergieren und entfalten mögen sich hoffentlich Modelle, die zum Mitmachen, Mitspielen, Miterzählen einladen – Designs, die ein Lagerfeuer im Wald anzünden und auf Gäste warten und bei denen der glaubhafte Spaß an der eigenen Sache greifbar wird.

Eintauchen, auftauchen, Beute mitbringen, zubereiten und dann teilen – das jahrhundertealte Prinzip aller guten Geschichtenerzähler wird in Zukunft die Designwelt bestimmen. Weg vom Oberflächenaffekt, dem Crack-Hit der Designszene, dem schnellen BlingBling, aber auch weg von der kurzatmig schubsenden Manipulation (aber nicht von der Lüge, so sorry – alle guten Stories sind natürlich nicht ganz ehrlich), hin zu einer modernen Form kollektiver Narrationskultur, die wir im Äther gemeinsam formen, verformen und weiterspinnen, reflektieren und permanent modellieren.

Die Zukunft könnte also hoffentlich kaum spannender werden…

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Nachbemerkung: Die Vorsicht-Glas-Texte sind tatsächlich nur lautes Nachdenken über Design und die eigene Arbeit und die Zukunft… meist in einem Rutsch geschrieben und entsprechend ausufernd, ungeordnet, unstrukturiert. Sie sind nicht mit einem echten Essay zu verwechseln, auch wenn es so niedergeschrieben verdächtig danach aussieht – insofern denkt euch am besten ein Gespräch in einer verrauchten Kneipe morgens um sechs als Umfeld, dann stimmt der Ton schon eher. Sie sollen nicht belehren oder besser wissen, auch wenn es manchmal so klingen mag. Und morgen kann ich vehement das Gegenteil behaupten.

7. September 2010 09:44 Uhr. Kategorie Design. Tag , , , , . Keine Antwort.

And the Cloud goes wild…

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Die neue mobileme-Kalender-Beta zeigt sehr deutlich, wie ernst es Apple mit Cloud-Applikationen ist. Nicht nur die letzten Stellenanzeigen, das fast clandestin verwirklichte Musikstreaming via iDisk und andere Details deuten darauf hin, dass die Firma, die derzeit neben Google vielleicht die meiste Power hat, webbasierte Applikationen durchzudrücken, den Blick klar nach vorn richtet. Der meCal ist die erste Webapp, die die Desktop-Version ebenso wie die schwächelnden iPhone/iPad-Versionen deutlich übertrifft. Es gibt einige sehr klare Mängel bei den Einstellungen, da ist eine «echte» lokale Software immer noch weit voraus, aber das User-Interface macht einfach Spaß. Man mag durchaus kritisieren, dass Apple aus irgendeinem Grunde das simple, schöne verlässt und hier anfängt, «echte» Medien zu simulieren – wie bei den liebevollen, vielleicht aber etwas sinnfreien Details wie abgerissenen Kalenderkanten oder Wire-O-Bindung. Aber abgesehen davon macht die Webapp mehr Spaß als die Desktopversion und ist in den Details durchaus Nutzerfreundlicher, etwa in der Monatsnavigation oder bei der viel besseren Nutzung der bisher recht sinnlosen Tages-Darstellung. Im Bereich «Woche» nehmen sich die beiden Versionen wenig, aber «Tag» ist eindeutig besser als in OS X selbst gelöst. Ganz zu schweigen davon, dass die Online-Version nicht nur den Look der iPad-version absolut übernimmt, diesen aber endlich auch sinnvoll macht, indem man Einträge per Drag’n'Drop verschieben kann, neue Einträge mit einem Doppelklick anlegen kann und so weiter. Was nicht geht ist Verdopplung eines Termins via Alt+Ziehen, und natürlich gibt es keine rechte Maustastenfunktionalität – aber für eine reine Internetanwendung lässt der neue Kalender, ebenso wie das bearbeitete Mailmodul, andere Webapplikationen, oft sogar solche aus Flash-Basis, etwas alt aussehen. Bleibt zu hoffen, dass Apple überhaupt noch Lust hat, die iOS und OS X Applikationen anzugleichen und nicht in Zukunft nur noch auf die Wolke im Web setzt. Denn bisher ist vor allem in Europa die grenzüberschreitende schnelle Internetanbindung beileibe noch nicht so, dass ich mit einem mobilen Client nur noch online arbeiten wollen würde. Und auf dem Desktop fühlt sich «echte» Software immer noch besser und schneller an. Dennoch beweist Apple hier beeindruckend, dass auch ohne Flash/AIR (wo ja zB nike+ schön zeigt, wie so etwas aussehen kann) produktive (und attraktive) Softwarelösungen online möglich sind, die ohne echtes Betriebssystem im Hintergrund funktionieren. Bis wir wirklich alle nur noch «in the cloud» arbeiten dürften es noch einige Jahre sein, aber hier beginnt das erste Mal – viel mehr als etwa bei Acrobat.com oder iwork.com – das Gefühl, die Vorstellung von Applikationen, die keinen Rechner mehr brauchen, sondern universell auf jedem Client laufen können, weil sie vollständig online gehostet sind, seien in greifbare Nähe gerutscht.

5. August 2010 11:10 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , . 3 Antworten.

Amplitube

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Amplitube von ik multimedia ist eine Art Gitarren-Komplettlösung für iPhone und iPad. Ähnlich wie das AmpKit von Peavey liefert Amplitube ein Emulation verschiedener Verstärker, die mit verschiedenen Boxencombos gefahren und sogar mit zwei verschiedenen Mikrophontypen abgenommen werden, sowie die Kombination von bis zu vier Fußpedalen aus insgesamt 11 Effekten von Verzerrung bis Delay (mit optionalem Beat-Sync). Die fünf Amps decken das übliche Spektrum von Fender über Marshall bis Mesa ab und die Simulation ist überraschend gut gelungen – der Federhall des Fender klingt fast genauso miserabel-legendär wie im Original. Die Stompboxes sind berühmten Vorbildern nachempfunden, der Overdrive ist etwa eindeutig von Ibanez, ansprechend im Retrolook gestaltet und klingen ohne Amp fast besser und sauberer als mit Verstärker-Emulation dahinter. Zusätzlich bietet Amplitube einen Tuner, ein Metronom, die Möglichkeit, zu bestehenden Songs zu spielen und Presets ohne Ende, um eigene Effektkombinationen zu speichern. Um den Gitarrensound ins iPhone oder Pad zu kriegen, braucht man das iRig, das das Signal des Kopfhörerausgangs/Mikroeingangs splittet und ein verstärktest Gitarrensignal einspeist, während aus dem Ausgang sauberst der digital bearbeitet Gitarrensound kommt. Das iRig schlägt mit 30 Euro zu Buche, die vollausgestatteten Apps mit jeweils etwa 16 Euro, leider ist Amplitube keine Universal App, so dass für Pad und Phone jeweils bezahlt werden muss. Man kann auf dem Pad aber auch die iPhone-Version laufen lassen, der Sound und die Anzahl von Effekten/Amps ist absolut identisch, nur der Bildschirm wirkt aufgeräumter und man kann schneller gleichzeitig auf alle Fußpedale und den Amp zugreifen.

Puristen werden Amplitube fürs iPhone genauso hassen wie alle anderen digitalen Emulationen analoger Effektgeräte – und sicherlich zu Recht. Auf der Plus-Seite ist es phantastisch, einfach die Gibson an sein Telefon zu hängen und losspielen zu können, sich dabei frei bewegen zu können, oder im Bett zu liegen, ohne an ein großes Effektgerät-Bodenpedalset gebunden zu sein. Das freie Herumspielen mit Amps, Sounds, Effekten ist völlig intuitiv und bedarf keinerlei Einarbeitung, so dass man unmittelbar loslegen und Spaß haben kann, der – etwa bei dem über die Neigung des Phones gesteuerten Wahwah – auch schnell aufkommt.

Getrübt wird der Eindruck von dem aus meiner Sicht mitunter – verglichen mit meinem Zoom-GFX8-Bodenpedal (das zugegebenerweise auch einen Tick teurer ist) – ziemlich muffeligen Gesamtklang, der weder in Bass noch Höhen so richtig überzeugen kann. Ohne die Amp-Simulation wird es deutlich besser, auch das Rauschen reduziert sich etwas. So seltsam es klingt, einen Hauch weniger Authentizität hätte ich mir hier optional gewünscht. Während der mittenlastige Gitarrensound im Mix oder in einer Bühnensituation sicherlich goldrichtig ist und gerade bei den vielen Rock- und Metalamps starke Bässe und Höhen eher deplaciert wären, wäre es unter Kopfhörern sicherlich auch schön gewesen, einen möglichst breiten, fetten Sound zu haben, der weniger «live» klingt und mehr Druck hat.

Womit wir beim zweiten, vielleicht subjektiven Problem sind. Unter Kopfhörern fällt extrem auf, wie monophon die Effekte sind. Es gibt ein winziges bisschen Raum-Ambience, aber das wars. Chorus, Flanger, Delay – alles Mono. Was ebenfalls natürlich im Kontext einer Bandeinspielung sehr richtig ist – Gitarre ist ja nun mal eher ein Mono-Instrument – aber beim Üben oder Komponieren schnell eher den Spaß verdirbt, weil eine einzelne Gitarre einfach sehr viel schöner, weicher, spannender klingt, wenn man mit Stereochorus und einem Cross-Delay spannende Raumeffekte hinkriegt und alles einfach etwas satter, dreidimensionaler klingt. So wie Nanostudio selbst aus an sich recht mageren Analog- oder FM-Synthsounds mit etwas X-Delay und spannenden Flanger/Chorus-Effekten verblüffende Lebendigkeit erzeugt, könnte Amplitube mit an sich wenig Aufwand (sowohl iPhone als auch Pad sind absolut in der Lage, prozessorseitig auch aufwendige Stereoeffekte ohne Latenzprobleme abzuliefern) hier nochmal richtig an Spaßfaktor und Nutzwert gewinnen. So wie es jetzt ist, wird der etwas flache und «enge» Sound nach einer Weile etwas langweilig und man greift doch wieder zum Zoom, weil die Bedienung zwar viel komplizierter und spaßfreier ist, die Sounds am Ende aber räumlich viel überzeugender und satter wirken. Und das müsste nicht sein – das iPad dürfte mehr Prozessorleistung haben als das GFX-8, vom iPhone 4 ganz zu schweigen (das ja noch einmal mehr Arbeitsspeicher mitbringt).

Ebenso wünschenswert wären vielleicht komplexere Effekte, wie sauberes Pitchshifting, Ringmodulation, ein eigener und besserer Hall, Harmonizer und unbedingt ein guter Compressor, der hier leider komplett fehlt – es gibt nur ein recht maues Noise Gate. Der Ansatz, sich nur auf monophone Stompboxes zu beschränken und sozusagen absolut «retro» zu sein, macht bei einer 1.0-Version Sinn, aber auf Dauer wäre es phantastisch, mehr der Möglichkeiten der Desktop-Fassung von Amplitube3 auch mobil zu erleben. Es müssen gar nicht so viele Amps und Effekte sein, aber der Schritt von reiner Stompbox zu Studioeffekten wäre grandios. Niemand kann erwarten, dass man die Power der Desktop-Version für 15 Euro mobil liefert, aber ein satterer Stereosound wäre wirklich deutlich befriedigender.

Und wenn wir bei Wünschen sind, wäre entweder ein einfaches Phrase-Sampling zum «Einfrieren» von Gitarrenläufen, zu denen man dann live weiterspielen kann, grandios. Noch besser wäre sogar eine einfache 4-Spur-Aufnahmemöglichkeit, wie sie andere Apps ja bereits preiswert (aber eben separat) anbieten, um sozusagen live ein kleines Gitarrenensemble aufzubauen. Für schnelle Notizen und etwas Spaß unterwegs wäre das natürlich großartig.

Kurzum, Amplitube ist ein grandioser Schritt in die richtige Richtung und vor allem auf dem iPhone ein Riesenspaß – ein solches Fußpedalarsenal in der Hosentasche zu haben ist die 15 Euro immer und unbedingt wert -, hat aber noch ein riesiges Potential, ausgebaut zu werden. Mit Blick auf die Power des großen Amplitube3-Bruders darf man hoffen, dass IK Multimedia nach und nach mehr Möglichkeiten nachliefert (z.B. als In-App-Kauf) und aus Amplitube ein echtes Arbeitstier macht. Aber selbst die 1.0er Version macht deutlich, dass hier das musikalische Gegenstück zur Hipstamatic-Kamera an Potential und Erweiterungsmöglichkeiten schlummert. Man darf gespannt sein, ob am Ende Ampkit von Peavey oder Amplitube das Rennen machen und sich fragen, warum Roland/Boss diese Chance offenbar komplett verschlafen…

23. Juli 2010 10:00 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Keine Antwort.

Nanostudio ist da

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Die erste digitale Musikstation fürs iPhone (leider nichts für das iPad) ist da. Nanostudio kombiniert vier extrem editierbare polyphone Synths, eine Drummachine, einen Sequenzer, eine Mixing-Einheit, Effekte zu einer Art abgespeckten Cubase/Logic, komplett mit Patternediting und Pianoroll, mehreren Bus-Effektsektionen, Delay, Flanger, Chorus, Distortion, Touchpads für Cutoffs und LFO und und und zu einer kompakten Package, mit der man aus meiner Sicht erstmals halbwegs realistisch und ohne esoterische Interface-Tricksereien arbeiten kann. Die 128 Werksounds machen bereits klar, dass der Synth sehr mächtig ist für ein Telefon, die Editiermöglichkeiten wollen schier gar nicht abreißen, man wünscht sich im Grunde nur noch eine gute externe Tastatur (wie das Akai 25 oder ION, nur mit mehr Tasten und kleiner). Selbst Akais bereits sehr vielversprechende Synthstation sieht gegen Nanostudio mehr als alt aus, aus den vier Eden-Synths, die von analogen Sounds über FM-Synthese bis hin zu durch Filter geprügelte Samples eigentlich alles zulassen, was man sich wünschen kann und sehr umfangreiche Hüllkurven-Soundmodifikationen zulassen und obendrein auch noch einzeln komplett eigene und sehr gute Effekte zulassen. Die Drumsektion ermöglicht eigene Samples und auch hier einfaches Editieren der Sounds, sowie drei Bus-Effekte, die einzelnen Pads einfach zugeordnet werden können. Pragmatisch sehr gut bedienbar, ist das Nanostudio deutlich mehr als nur eine einfach «Scribble»-Möglichkeit für musikalische Ideen, sondern eingeschränkt tatsächlich in der Lage, ganze Songs abzuliefern. Die Einschränkungen sind dabei gegenüber der erdrückenden Optionenvielfalt von Programmen wie Logic fast wohltuend – es ist fast wie einfaches Vierspurrecording mit einer Drummachine und ein paar einfachen Synths, mit denen man schnell und dreckig seine Songs machen kann. Das die App dabei durchaus sehr komplexe Ergebnisse zulässt und man spielerisch und einfach an ganz eigene Sounds kommt, Nanostudio zum Experimentieren also förmlich einlädt, ist ein Bonus. Da es Nanostudio im Betastadium auch als Mac/Win-Desktop-Applikation gibt und Nanosync einen Austausch von Samples und Mixdowns gibt, kommen wir spürbar Schritt für Schritt der Phase näher, wo Apples Mobilgeräte echte Musikoptionen werden. Was noch fehlt ist eine Art MIDI, eine Zusammenkopplung mehrere Apps im Multitasking, ein Dateistandard für Austausch und Weitereditierung mit Desktop-Apps und so weiter. Aber es scheint fast nur noch eine Zeitfrage zu sein, bis es Ableton, Reason, Garageband und Co auch für iPhone oder besser iPad geben wird. Bis dahin ist Nanostudio für 12 Euro aber mehr als eine gute Möglichkeit, unterwegs etwas Musik zu produzieren – die Musikapps verlassen hier erstmals absolut greifbar das «Spielzeug»-Flair. Der einzig offene Wunsch ist eigentlich, dass Blipinteractive das Ganze möglichst schnell fürs iPad umstrukturieren, damit man mehr Tastatur hat und in dem etwas frickeligen Sequencer-Editiorfenster besser arbeiten kann. Ansonsten eine reife Leistung, die wieder zeigt, dass am iPhone weniger das Gerät an sich entscheidend ist, sondern die Kreativität der App-Entwickler.

22. Juli 2010 10:59 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . Keine Antwort.

Comics iPad Copyright

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Die Comicbranche ist im Umbruch. Und nimmt, weil es ein schnell lesbares, «burst»-Medium ist, ein Zwitter zwischen Bild und Text, wie gemacht für eReading, die Entwicklung, die Büchern und Zeitschriften bevorstehen könnte, exemplarisch und hyperbeschleunigt vorweg…. Newsarama hat ein paar Stimmen dazu eingefangen – und zeichnet ein Bild, das so vielversprechend wie düster ist.

«I think they’re going to face the same sad fate of many small book stores, CD shops, and movie rental places». .. «Some will survive, that’s clear, but I think most won’t. I can’t see how trends of this size get reversed.» … «There is a market for this stuff, and it’s being served… “The real problem here is that it’s being served illegally and Marvel and DC (and many, many smaller publishers) are missing out on that money.»

Mehr hier.  

17. Mai 2010 14:14 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , . 13 Antworten.

Flash Gordon and the Apple of Doom

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Ich wüßte zu gern, was Adobe Steve Jobs getan hat, dass er jetzt auch noch – offenbar nervös werdend angesichts der lauter werdenden Kritik an Apples Umgang mit Flash auf dem iPhone/iPad und anscheinend auch im Angesicht des neuen Flash 10.1-Betas – sogar einen offenen Brief schreibt, um Adobes Online-Technologie zu attackieren.

Jobs Kritik an Flash:

1) Offenheit. Jobs kritisiert, das Flash ein geschlossenes System ist. Was natürlich nicht stimmt – es gibt zig Tools, mit denen sich Flash-Content erzeugen lässt. Während ich selbst auch denke, Adobe hätte gut daran getan, die Software in ein OpenSource-Projekt umzuwandeln und selbst eben nur die besten Editor-Tools anzubieten, wirkt diese Kritik etwas bizarr von einer Firma, von deren iPods man Musik kaum jemals wieder runterkriegt (außer mit speziellen Softwares) und deren iPhone man förmlich knacken muss, um seine Funktionalität voll ausreizen zu können. Niemand darf sich weniger über «closed systems» beschweren als Apple, die eines der wasserdichtesten Systeme schlechthin anbieten mit iTunes und iPhone/iPad. Sein Argument, dass alles, was mit dem Web zu tun habe, «offen» sein solle, ist fast unwirklich bei der Firma, die den Weg dafür ebnet, an sich unbezahlte Web-Inhalte auf der iPhone-Plattform zu kommerzialisieren.

2) H.264 ist doch super. Anstatt Flash-Video könnte man doch auch prima das von Apple preferierte H.264-Codec benutzen. Mit der gleichen Logik kann das iPad/iPhone Formate wie AVI nicht, die ja auch kaum benutzt werden. Die Tatsache, dass die Anbieter unter dem Druck von Apple tatsächlich auf H.264 umstellen, ist eigentlich eher das unglaubliche. Wie kann man einerseits ein «offenes Web» fordern und andererseits vorschreiben, welche Codecs denn «die richtigen» sind.

3) Sicherheit/Batterie/Leistung. Hierzu müsste man sich Flash 10.1 genauer ansehen, für den alten Player trifft das absolut zu – aber anstatt zu nörgeln, sollte man nicht einfach mit Adobe zusammenarbeiten um Flash für die iPhone-Plattform funktional aufzustellen? Keine Frage, Adobe hat seit einiger Zeit auf OS X Performanceprobleme und kommt mit Apples Sprung auf 64 bit nicht mit, wechselt erst jetzt mit CS5 auf Cocoa und so weiter. Dieser Punkt ist bisher absolut richtig – sinnvoll wäre aber, Adobe ins Boot zu holen und zu unterstützen, vielleicht sogar zu motivieren, die Flash-Technologie zu öffnen. Wenn es nur um mangelnde Sicherheit und Leistung geht, sollte Apple sich mal ein paar eigene Angebote (*hust* Mobile.me *hust*) ansehen und im eigenen Stall mit dem Flammenwerfer kehren.

4) No Touching please. Ist seit Flash 10.1 eigentlich auch kein Thema mehr, da 10.1 multitouchfähig ist, wie viele Demo-Videos bewiesen haben. Und nebenbei, für Websites wäre das ja egal – ist keineswegs so, dass HTML für Touch ausgelegt wäre. Was sich per Maus bedienen lässt, lässt sich auch Finger bedienen, oder? Ich befürchte fast eher, dass reine Flash-Sites in der speziellen Art, wie Safari das Web abbildet, nicht sauber funktionieren würden (Zoom auf Textbreite usw) – aber das wäre ein sekundäres Problem, das man mit Adobe sicher lösen könnte. Wenn man nur wollte.

Was Jobs unterschlägt ist, das Flash qua Action-Script deutlich mehr ist als ein Animations- oder Video-Abspieltool (ich hab nie ganz verstanden, wieso sich FLV so durchgesetzt hat, kein sonderlich gutes Format), sondern eine hochkomplexe Umgebung, in der sich immersive und vom Absender grundlegend kontrollierbare Sites und Anwendungen erstellen lassen, die mit HTML so nicht näherungsweise zu verwirklichen sind. Welche Möglichkeiten Flash – voll ausgereizt – auf einem mobilen Device bieten würde, ist gänzlich offen, aber durchaus extrem vielversprechend. Aus Designersicht ist Flash so viel mächtiger als HTML, dass es fast unwirklich ist. Und ja, es gibt 90% miese Flash-Sites – aber ist das bei HTML nicht ganz genau so?

Auf der anderen Seite darf Adobe sich zu Recht Sorgen machen. Was Apple zurücklässt, hat schlechte Zukunftschancen. Dass der erste «neue» iMac keine Floppy mehr bot, führte zu einem Aufschrei, vor einigen Tagen hat Sony endgültig die Produktion eingestellt. Der CD und DVD dürften ähnliche Effekte bevorstehen. Auch bei Firewire und USB hat Apple Deutungsmacht. Bei HDMI/MiniDP wird man abwarten müssen, da steht Apples «No» einer massiven Front von Anbietern im Unterhaltungsbereich gegenüber. Für Adobe wird in Zukunft entscheidend sein, ob andere Anbieter Flash massiv unterstützen. Wenn Android – sicher in Zukunft die große Alternative zu OSX – Flash unterstützt und die Ergebnisse gut sind, kann Adobe mit der in der CD5-Suite extrem verankerten und leichten Erstellung interaktiver Inhalte sicherlich punkten. Apple dominiert mit dem iPhone und dem iPad derzeit den mobilen Markt wie selten ein Anbieter zuvor – aber das Beispiel Nokia sollte deutlich machen, wie schnell solche Vormachtsstellungen vorbei sein können. Und Google ist kein Leichtgewicht, im Gegenteil, ein Pad von Google dürfte eine große Alternative für viele User sein – gerade Windows-User -, die vielleicht keine Lust haben, ein Pad nur benutzen zu können, wenn sie gleichzeitig auch einen PC haben müssen, um es überhaupt erst einmal in Betrieb nehmen zu können. Ein völlig autarkes Gerät, das mit dem ersten Einschalten funktioniert, leicht zu bedienen ist und dem großen (aber unattraktiven) Angebot von Google eine ansehnliche Form verleiht, könnte Apples Arroganz schnell ein Ende bereiten.

Steve Jobs hat sich die Zeit genommen, einer Firma, die ihm in einem entscheidenden Moment seiner Karriere nicht geholfen hat, in die Seite zu treten. Mag sein, dass dahinter ein größerer Plan steckt – etwa, Adobe aufzukaufen -, mag sein, dass er Flash nur einfach wirklich nicht mag oder versteht. Mag sein, dass Jobs in Flash nur zu Recht ein Konkurrenzangebot zu Inhalten aus dem eigenen iTunes-Store sieht. Sicher aber ist, dass es schlechtes Karma ist, so zuzutreten und einer anderen Firma so offensichtlich und so rücksichtslos den Fuß auf die Gurgel zu stellen, vor allem angesichts der enorm wachsenden Frustration bei Adobe. Das ist einfach schlechtes Karma – Apple sollte sich im Moment des Erfolges großzügiger und offener zeigen und mit Adobe kooperieren. Zumindest aber sollte die Firma erwachsen genug sein, um die Käufer entscheiden zu lassen, ob man ein Plug-In laufen lässt oder nicht – es wäre ein einfacher Klick in den Systemeinstellungen des iPhone (FLASH OFF/ON), wie man ihn bei Bluetooth usw. ja auch hat. Denn Bluetooth ist auch eine Batteriefresser… aber ich kann es abschalten, wenn ich es nicht brauche und aktivieren, wenn es gebraucht wird. So wie es sein sollte. Bei OS X kann ich via Click to Flash ja auch entscheiden, wann ich auf Flash verzichten will und wann nicht. Das wäre mit Flash 10.1 und dem iPhone sicherlich auch zu realisieren. Alle logischen Argumente gegen Flash werden in dem Moment sinnlos, wo Jobs nicht argumentiert und mir als Nutzer die Entscheidungsfreiheit gibt, sondern dogmatisch eine existierende Webtechnologie mit 95% Verbreitung einfach kategorisch ausschließt. Für Entwickler und Programmierer ist Apple in den letzten Monat eine rätselhafte, frustrierende, bevormundende Erfahrung gewesen… hier wäre der richtige Zeitpunkt, sich zu öffnen, bevor es zu spät ist.

29. April 2010 15:58 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . 5 Antworten.

iCork

hd schellnack
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26. April 2010 18:52 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . 2 Antworten.

Steve is relaxed

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Steve Jobs hat die Aura des uneitlen Guy Next Door wie kein Zweiter perfektioniert. Wer sonst als einer der größten Medienmogule der Neuzeit darf sich mit Alter-Mann-Geste die Brille in die Haare schieben und kurzsichtig auf das offenbar zu kleine Display des iphone blicken?

9. April 2010 13:58 Uhr. Kategorie Stuff. Tag . Eine Antwort.

OS4 – wirklich die Zukunft?

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Eins kann man sagen: Apple arbeitet wie ein Schweizer Uhrwerk. Pünktlich nach einem Jahr wird das neue Betriebssystem des iPhone vorgestellt, im Sommer dürfte dann die Hardware dazu folgen und das Update erscheinen, mehr oder minder auch ein Jahr nach dem iPhone 3Gs. Große Überraschungen dürfte es heute abend nicht geben – das längst überfällige Multitasking, kleine OS-Kosmetik, vielleicht ein Happen mehr Bluetooth, iAd finde ich persönlich eher einen Schritt in die falsche Richtung… und Benutzer von jailbroken iphones werden wieder den Kopf schütteln, warum wie «normalen» User sich diese Politik bieten lassen, wenn die entfesselten Versionen des iPhone mit dem Cydia-Store längst deutlich mehr Funktionalität bieten.

Es wird in letzter Zeit recht erkennbar, dass Apple sich wie Quark und Adobe derzeit verrennt. Davon können auch explodierende Aktienkurse und Umsatzzahlen nicht ablenken. Apple entwickelt mit dem iPad und dem iPhone ein geschlossenes System, das sogar mit sich selbst zunehmend inkompatibel wird und das den User gängelt und einengt – und das hat noch keiner Firma langfristig gutgetan. Bluray, HDMI an den Desktopgeräten und Laptops wegzulassen sind solche Entscheidungen, aber auch und drastischer die operative Entfernung aller Flash-Inhalte aus dem Web via iPhone/Pad oder die restriktive AppStore-Politik, die zum Beispiel alternative Videoplayer wie VLC untersagt. Was fürs iPhone gerade eben noch akzeptabel war, auf dem iPad aber gar nicht mehr. Ich denke, die Wahrscheinlichkeit, dass mehr Leute das iPad jailbreaken, dürfte groß sein, denn auf dieser Plattform sind die Handschellen, die Apple den Usern verpasst, wahrscheinlich deutlich stärker spürbar. Allein das Sync via iTunes klingt sinnlos, es gibt keinen Finder, es braucht dringend eine Möglichkeit, AVI und MPG usw abzuspielen… da dürfte sehr schnell sehr viel passieren, es sei denn Apple reagiert und öffnet sich den Wünschen der User.

Tatsache ist ja, dass es in Cydia mit Lockinfo einen Startbildschirm gibt, auf den reguläre User schon eine Weile warten, Multitasking ist längst gegeben, einfach An- und Abschalten von BT ebenfalls. Die Hacker, mit anderen Worten, und die Bastler, sind weiter als Apple selbst. Solche Inkongruenz geht eine Weile gut, zumal Apple ja alles tut, um den Jailbreak kompliziert zu machen und der Apple-User als solcher ja nicht unbedingt der Hacker-Typus ist. Aber langfristig, je mehr das iPhone zum Alltagsgegenstand wird, werden die Benutzer mehr wollen als was Apple ihnen tröpfchenweise einmal im Jahr anbietet. Der große Vorteil der Windows-Plattform ist lange Zeit der modulare, relativ offene Charakter gewesen – Windows an sich war Dreck, aber man konnte es recht gut modifizieren. Apple hingegen setzt auf eine Strategie, die ein extrem unkompliziertes aber dafür auch völlig unmodifizierbares Blackbox-System anbietet, das inzwischen weniger und weniger am Verbraucher orientiert ist sondern an anderen Interessen von Apple, an Kooperationen, am iTunes-Absatz, an persönlichen Animositäten mit anderen Firmen. Solche aus der Arroganz des Erfolgs geborenen Monopolstrategien gehen nur solange gut, wie keinerlei Konkurrenz in Sicht ist – und man hat gesehen, wie es Quark erging, als InDesign aufkam, und man sieht, wie es derzeit Adobe ergeht, die ähnlich erstarrt sind wie Quark vor ihnen.

Denn es wimmelt ja rund um das iPhone von Dingen, die die meisten normalen User irgendwann nicht mehr mitmachen dürften. Warum kann ich mit dem iPhone/Pad keine Flash-Websites besuchen, aber auch kein WMV, AVI, MPG usw. abspielen? Warum passt der VGA-iPad-Adapter nicht an das iPhone? Warum kann ich mit dem iPad nicht via iPhone online gehen? Warum kann ich Tracks auf dem iPhone nicht mit jedem beliebigen iTunes abspielen? Warum synct iTunes Playlisten auf verschiedenen Geräten nicht via WLAN und 3G? Und so weiter – die Liste ist lang.

Wenn wir heute Abend also einen «Blick in die Zukunft des iPhone OS» werfen, ist paradoxerweise das Gegenteil der Fall. Apple wird noch mehr aus einer Hand anzubieten versuchen und eine Monopolkonfiguration als Anbieter von Hardware, Software und Mediencontent aus einer Hand anstreben – jetzt auch noch als Werbeplattform mit iAd. Die Zukunft des iPhone wird aber sein, dass sich mehr und mehr Entwickler von den absurden Vorgaben im AppStore abwenden und auf eine offene Plattform setzen, sei es ein jailbroken OS, sei es Android. Die meisten Windows-User haben von den Vorteilen des geschlossenen Apple-Systems ohnehin wenig (wie viel weniger Spaß macht das iPhone schon ohne mobile.me, oder ohne zwei drei andere Macs, mit denen es kommunizieren kann? Im Grunde nimmt das iPhone ja das Internet der Dinge vorweg) und werden irgendwann entweder ganz die Plattform wechseln oder nach Lösungen suchen, um ihre avi-Filmchen auch mobil sehen zu können, ohne sie alle nach h.264 konvertieren zu müssen.

Tatsächlich hat mit Einführung des iPad ein Countdown begonnen, ein Shift gegen Apple – die Firma bedient langsam aber sicher nicht mehr einen kleinen Pool von Nerds, sondern eine große Massenzielgruppe, wenn auch (noch) im Highend-Segment. Kein BMW-Fahrer würde es sich bieten lassen, wenn in seinem 5er NUR das BMW-Navigationssystem laufen dürfe und ein TomTom-System einfach verboten wäre. Kein Bulthaup-Küchen-Nutzer würde sich von Bulthaup vorschreiben lassen, welche Messer er benutzen darf, oder welche Gewürze und Nudeln. Auch Fair-Play-Töpfe, die als einzige auf einem Siemens-Herd funktionieren, während alle anderen Töpfe leider nicht angenommen werden und die Herdplatten kalt bleiben, wären undenkbar, ebenso die Idee, dass ein Siemens-Mitarbeiter zu dir nach Hause kommt und deine Mikrowelle demontiert, weil sie leider die Funktionalität des Backofen «doppelt». Aber genau so funktioniert die derzeitige Apple-Politik.

Mit «Zukunft» hat das wenig zu tun. Ganz im Gegenteil, es ist Oligarchentum der übelsten Schule, und damit eher die Vergangenheit. Bleibt zu hoffen, dass Apple möglichst bald die Strategie ändert und sich offenere Strukturen verleiht, raus aus der paranoiden, altrussischen Verbohrtheit kommt und dem Nutzer mehr Macht gibt. Ansonsten kann es mit der Firma schneller vorbei sein, als man heute glauben mag. Es wäre ja schon einmal fast in den 90ern passiert.

8. April 2010 08:17 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . 8 Antworten.

Der Spiegel und das iPad

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Wer bei Spiegel Online über das iPad liest, wundert sich, denn es wimmelt dort nur so von Superlativen, die Apples neuem Gadget eine fast atemlos orgiastische Liebeserklärung hinlegen, die so gar nicht zu früheren eher Apple-kritischen Artikeln des Hamburger Blattes, das ja eher für seinen unbestechlichen Journalismus bekannt sein möchte, klingen.

Einige Beispiele:
besser, schöner, atemberaubender
nach wenigen Minuten will man ohne es nicht mehr leben  
Nirwana
Wunderapparat
auf Anhieb eine Revolution, eine Zeitenwende
sanfte, matt-metallene Rückfläche
Eleganz der schwarzen Hardware
großzügige Layout
enorm viel schneller
Websites öffnen sich in Sekunden
nach zwölf Stunden gerade mal etwas mehr als die Hälfte der Batterie verbraucht
rasante Prozessor-Geschwindigkeit
phantastische High-Resolution-Display
Bildqualität, an die kein iPhone, kein MacBook und auch kein großer Mac herankommt
spektakulärste iPad-App ist iBooks
strahlender, heller, realer
Fotos erscheinen auf dem iPad so klar und plastisch wie rückbeleuchtete Dias
Das iPad könnte nun seine neue Hoffnung sein

Auch wenn es hier und da leicht kritische Untertöne gibt – jeweils sofort korrigiert durch einen rosigen Blick in die Zukunft -, liest der Artikel sich alles in allem so, als habe ihn ein Apple-Marketing-Team persönlich zusammengeschrieben. Selbst dezidierte Apple-Nerd-Sites wie Engadget oder TUAW kriegen das mit mehr Distanz und Fingerspitzengefühl hin und können dem iPad deutlich kritischer und differenzierter begegnen als ausgerechnet der Spiegel und lassen es zum Beispiel im Vergleich mit dem Kindle nicht ungeschoren oder geben sich wenigstens die Mühe, technische Daten – die Apple selbst nicht liefert – herauszufinden. Und im Gegensatz zum Spiegel weisen die meisten Sites darauf hin, dass das 4:3-Display des iPad eben alles andere als ideal für Filme ist, und wo der Spiegel die Gewissheit hernimmt, dass ein HD-Film auf einem 1024×768-Display besser wirken will als auf, sagen wir, einem 27″-iMac-Display, ist mir ein Rätsel. Bei aller allgemeinen Begeisterung über das neue Spielzeug, gibt es reichlich kritische Kommentare zu dem Fehlen von Flash, Multitasking und Kamera, zu der Unhandlichkeit des Geräts beim Schreiben, zum Gewicht, zu mangelnden Output-Optionen, zu der Tatsache, dass Apple jede Menge Adapter überteuert einzeln verkauft und so weiter… Wie kommt es also, dass ausgerechnet der Spiegel so hüperhüper ist?

Und dann schaut man auf die deutsche Apple.de-Site und findet dort die Antwort: auf dem iPad direkt auf der Hersteller-Site ist als ein premium-Inhalt der iPad eben Spiegel Online gefeatured, denn der Spiegel ist in Deutschland ein essentieller Mediapartner von Apple, verkauft seine App auf der iPhone/iPad-Plattform und hofft, hier einen Contentvertrieb für seine diversen Inhalte gefunden zu haben. Im Grunde ist dieser Kniff von Apple genial – wie sollen WallStreetJournal, NYT, Spiegel, Bild usw. diesem Produkt noch kritisch gegenüberstehen, wenn der Hersteller zugleich ein absolut essentieller Vertriebspartner geworden ist, mit dem man eine strategische Partnerschaft eingegangen ist und der es wie kein zweiter versteht, Partner gegeneinander auszuspielen? Wen wundert es da noch, dass das Time-Magazine Jobs gleich auf das Cover holt und dem iPad nicht nur einen weiten Bereich des Heftes widmet, sondern auch noch Apple per se feiert?

Keine Frage, Apple hat es binnen einer Dekade geschafft, vom fast untergegangenen Unternehmen zur globalen Megabrand zu werden und ist gerade im Begriff, die allgemeine Vorstellung von Computernutzung neu zu definieren – aber gerade große Marken wie Nike, McDonalds, Google oder eben Apple brauchen einen ebenso kritischen Journalismus, der die Markenpolitik beobachtet, korrigiert und erdet. Die gar nicht mehr so leise Arroganz von Apple im Verhältnis zu BluRay, HDMI, Adobe, Google oder Amazon ist in den letzten beiden Jahren, oft zum Nachteil der Benutzer, sehr deutlich geworden, und wenn die Marke derzeit eins gar nicht braucht, dann Ticker-Tape-Paraden und teenagerhaftes Jubelgekreische, sondern einen kritischen Blick auf die oft solipsistische Firmenpolitik, auf die bei aller großartigen Innovation oft leidende Qualität im Detail, auf die monopolistischen Strategien der Marke. Anders gesagt: Das Jubeln darf den Apple-Fans überlassen werden, die Presse sollte kritische Distanz wahren. Denn wenn es anfängt, umgekehrt zu werden, muss Apple sich eigentlich eher Sorgen machen.

4. April 2010 14:09 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , . 3 Antworten.

Typographie und iPad

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Einer der traurigen Aspekte des iPads – und aller eBook-Readers – ist, dass die Typographie von den Händen des Gestalters in die des Users überwechselt, und die des Hardware-Herstellers, in dessen System eben nicht Sabons und Bembos, sondern Verdana, Arial, Times und bestenfalls Georgia angeboten werden. Nimmt man dazu falsche Kapitälchen, Blocksatz und einen fluiden Umbruch, der den Text den jeweiligen Bildschirmbedingungen anpasst, ist das Ergebnis ein typographischer Alptraum. Gerade als Leser amerikanischer Bücher ist man ja nicht allzu verwöhnt, und viele neue Bücher aus Deutschland haben teilweise auch einen Blocksatz und Umbruch aus der Hölle, aber die «Bücher» auf dem iPad ähneln eher schlecht gestalteten Homepages aus den frühen 90ern. Ich hoffe, dass es bald Möglichkeiten geben wird, in eBooks verbindliche Schriften einzubingen und typographische Opentype-Features zu nutzen. Denn so, wie das auf Apples Preview-Video aussieht, ist das bestenfalls eine Kompromisslösung, nichts, was mir beim Lesen Spaß bereiten würde.

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30. März 2010 14:40 Uhr. Kategorie Design, Technik. Tag , , . 3 Antworten.

ComicZeal auf dem iPad

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Bitolithic, die Macher der genialen iPhone-App ComicZeal (dem besten Comicreader bisher) preschen vor und haben ComicZeal bereits für das iPad umgebaut, ohne das Gerät tatsächlich in den Händen zu halten. Sie stellen es auf ihren Blog vor – und es sieht absolut phantastisch aus. Ich denke mehr noch als Magazine und Zeitungen oder Bücher werden Comics auf dem iPad einfach Spaß machen, und dieser Preview zeigt, wie sinnvoll ein iPhone mit Mehr Bildschirm einfach sein kann. Vorbildlich scheint mir, dass es so klingt, als würde bei Bitolithic langfristig ComicZeal für iPad und iPhone als eine Applikation für beide Geräte verkaufen. Da ich die Idee nicht besonders mag, mit dem iPad für alle Applikationen in Zukunft doppelt zu bezahlen, finde ich diesen Ansatz einer kombinierten App wegweisend.

26. März 2010 12:08 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , . 2 Antworten.

Swanko Lab

swanklab.jpg

Die Macher der inzwischen ja hochgradig phantastischen Hipstamatic-App für das iphone haben etwas neues ausgeheckt: Swankolab. So wie die Hipsta eine alte Kamera emuliert, ahmt Swankolab offenbar eine komplette virtuelle Dunkelkammer nach, komplett mit Chemikalien, Timer und allen anderen Details. Dabei dürften am Ende wahrscheinlich auch nicht andere Effekte herumkommen als mit normaleren Filtern, das bearbeiten dürfte aber – eben analog zum Feeling der Hipstamatic – einen spielerischen Aspekt bekommen. Aussehen tut das Ganze jedenfalls absolut phantastisch, erscheinen soll es im April – ich bin gespannt. Immerhin mal jemand, der nicht wegen des iPad nahezu jede Weiterentwicklung für das iPhone auf Eis legt, sondern mit einer großartigen neuen Idee kommt. Ich kann alle Leute verstehen, die das «echte Analoge» für unersetzbar halten, aber so wie ich auch Emulationen alter Drummachines und Synthesizer im Westentaschenformat mag, so ist auch diese Idee ausgesprochen witzig.

10:47 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , , . Keine Antwort.

BassJump

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Eines der großen Probleme mit dem MacBook und MacBookPro ist der relativ schlechte Klang des Gerätes. Seit meinem uralten Toshiba-Laptop gab es eigentlich kein Laptop mehr, egal ob Windows oder OS X, das an sich einen halbwegs brauchbaren, klaren, lauten und halbwegs mit Bass versehenen Klang abgibt. Das bedeutet leider, dass man etwa bei Präsentationen teilweise ein komplettes externes Speakerkit mitbringt, um Video und Klang halbwegs druckvoll aufführen zu können. Das MacBookPro etwa hat einen grässlich höhenzergeligen Klang, der an sich kaum zu ertragen ist und mit dem man auf Reisen nicht mal ein Hotelzimmer beschallen mag. Das alles ändert absolut nachhaltig der BassJump von Twelvesouth.

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Das Gerät wird einfach, ohne Stromanschluß, mit einem normalen USB-Minikabel angeschlossen und funktioniert auch über die USB-Weiterleitung des speziell auf das MacBook zugeschnittenen 24″-Displays einwandfrei. Im Grunde versteckt sich in dem Aluminiumgehäuse nichts weiter als ein Subwoofer, der über eine spezielle Weichen-Software angesprochen effektiv ein 2.1-System ergibt, bei dem Bass-Signale aus dem BassJump kommen, Höhen und Mitten aus den beiden Speakern am MacBook.

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Die einfach zu installierende Software bietet einige Optionen (Lautstärke, Frequenztrennung) und ist nach kürzester Einstellung ideal abgestimmt für den eigenen Geschmack (die Presets sind eher schlecht, wie ich finde) und der drastische Soundunterschied kann in Echtzeit wahrgenommen werden, indem man in den Systemeinstellungen oder via Menüleiste den durch einen kleinen VU-Meter angezeigten Treiber aktiviert oder deaktiviert. Um es ganz klar zu sagen: Der Klangunterschied ist beeindruckend. Zwar ersetzt der kleine Subwoofer sicherlich kein teures Logitech-System mit großem Basswürfel, aber für eine Lösung, die in jede bessere Tasche passt, ist der Gewinn an Klarheit, Tiefe, Bass, Dimension und Zeichnung der Musik unglaublich. Für Reisen, Präsentationen, ein bisschen Musik unterwegs und so weiter – ist der Bassjump die absolut beste Lösung, um das Macbook zu erweitern. Dass man dabei auf eine Softwarelösung setzt und die Hardware somit nur auf eine spezifische Plattform abgestimmt ist, mag zunächst beunruhigen, aber für 79 Euro muss es ja auch nicht die Lösung für immer und ewig sein. Elegant, mobil und mit einem ordentlichen Kick in den Frequenzen, die am MacBook sonst verloren gehen, ist der BassJump die Sorte Zubehör, die man sich unbedingt näher anschauen (und -hören) sollte.

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17. März 2010 14:31 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . 2 Antworten.

Hello Spaceboy…

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Immerhin ist Print noch nicht tot – das fast mythenumwobene neue iPad-Produkt von Apple zwischen iPhone und Laptop ist in der ersten Generation noch nicht so ausgereift, dass die Buchhändler sich die ganz großen Sorgen machen müssen. Ein hintergrundbeleuchteter Bildschirm, noch dazu spiegelglänzend, ist alles andere als lesefreundlich – was für Websites und Comics vielleicht gerade noch geht ist beim Lesen von, sagen wir, Infinite Jest, sicher eine Qual für die Augen. Wer längere Zeit im Dunkeln versucht hat, mit Stanza zu lesen, weiß, wie sehr die Augen hinterher sirren – selbst wenn man den Bildschirm schwarz und die Typo weiß macht, was Apple in dem Versuch, das Buchfeeling zu imitieren unergonomischerweise nicht getan hat. Was bei einem an sich als Smartphone deklarierten Gerät okay ist, ist bei einem selbsternannten Kindle-Killer ziemlich entnervend – ein matter Bildschirm und ein deutlich sanfteres Licht in einer Art Lese-Modus wären nötig gewesen. Erst, wenn der iPad  wie ein Buch aussieht und sich auch mehr danach anfühlt, wird er (es?) den ganz großen Erfolg haben… und ich bin auch recht sicher, dass es nicht angenehm ist, ein rigides Stück Metall in der Badewanne in der Hand zu haben oder im Bett. eBook wird auf jeden Fall durch den iBookstore einen großen Boost erfahren, aber noch ist der Sprung nicht so, wie man es nach Apples Ankündigungen vielleicht befürchten durfte.

Denn auch ansonsten ist das iPad sehr deutlich eine 1.0-Version. Keine Kamera, keine Front-iSight-Video, kein USB, kein Flash, kein Multitasking, das für Europäer denkbar miese Tastatur-Layout, der eher etwas albern wirkende Versuch, die Logik des iPhone 1:1 auf ein viermal so großes Display zu übertragen, indem man den Leerraum zwischen Apps ändert, die etwas klobige 4:3-Optik mit dem riesigen Bildschirmrand, und der fehlende Schritt hin zu «echten» Programmen und eben dem normalen OS X, sind deutliche Minuspunkte, und es gibt sicherlich noch mehr (wie etwa die Tatsache, dass das Tastatur-Dock scheinbar nur hochkant funktioniert, die Apps aber teilweise quergedreht besser funktionieren, etwas Mail), wobei die Kamera das wohl ausschlaggebendste ist und Apple scheint dies auch zu wissen – warum sonst einen unschönen Adapter zum Anschließen von Cardreadern anbieten (und vor allem: wieso nicht wenigstens einen USB/SD-Slot einbauen, Platz wäre doch gewesen). Anscheinend ging es hier darum, einerseits dem iPhone noch einen relevanten Vorteil zu belassen sowie den Preis und das Gewicht niedrig zu halten, anders ist auch die Trennung zwischen Geräten mit 3G und ohne 3G-Hardware nicht zu erklären. Dazu kommen die (noch) fehlenden passenden Apps zum Format – iphone-APplikationen dürften sich, von 480 auf 1024 hochskaliert, etwas albern anfühlen. Der iPad wirkt also bis zu einem gewissen Grade ebenso unausgereift, wie das iPhone erster Generation, bis hin zum Aluminium-Rücken. Derzeit ist es mehr eine Art gewachsener iPod-Touch, was trotzdem sicher für einige Millionen verkaufte Geräte reichen dürfte.

Aber man weiß ja, wie das iPhone sich entwickelt hat, insofern sollte klar sein, wie der iPad sich entwickeln dürfte. in 12 bis 18 Monaten wird sich viel getan haben: OS 4.0 fürs iPhone dürfte Multitasking und eventuell ein überarbeitetes UI für Pad und Phone bringen, und der iPad 2 wird sehr wahrscheinlich auch Features wie Kamera, Video usw. mitbringen. Und mich würde wundern, wenn Apple nach der vehementen Kritik an den Glossy-Bildschirmen bei MacBook und iMac nicht längst an einer Methode arbeitet, um die gleiche nahtlose, kratzfeste und oberflächenbeschichtete Art von Bildschirm auch unreflektiv anzubieten.

Wichtig ist vor allem, dass Apple selbst begreift, mit dem iPad keinen aufgeblasenen iPhone-Bruder auf den Markt bringen zu können, sondern ein komplett neues Produkt, das ein anderes Interface und eine eigene Logik braucht. Eine Tastatur, bei der man Umlaute geduldig aufklappen muss, mag am «Handy» okay sein, nicht bei einer Art Miniatur-Laptop, das mit einer eigenen vollen Textverarbeitung reüssieren will.  Es ist fast überraschend, vielleicht nur normal nach all dem Hype, wie unausgereift das Interface in vieler Hinsicht noch wirkt. Man kann nur hoffen, das OS 4 hier Verbesserungen bringt, denn richtig ernsthaft eMails schreiben wird man mit der Tastatur auf keinen Fall können, da sind Umlaute und Zahlen einfach wichtig – und es sollte vom Platz her bei 9,7 auch denkbar sein, diese unterzubringen.

Dennoch darf man sich natürlich nichts vormachen – gestern hat Steve Jobs, der selbst das Zeitalter des «Personal Computers» mit eingeläutet hat, dieses auch beendet. Die Idee vom Computer auf dem Schreibtisch, wie wir sie kennen, ist eigentlich schon mit dem iPhone gestorben, und das Pad ist der nächste logische Schritt – weg von offenen, noch relativ user-kontrollierten Systemen, hin zu einer Art glorifizierten Videorekorder, der einfach zu bedienen, fast unerlässlich praktisch und hochelegant ist, aber ein im höchsten Maße kontrolliertes und geschlossenes System, eine BlackBox, bei der es unter der Oberfläche mehr darum geht, dass damit bestimmte Produkte konsumiert werden. Filme, Fernsehen, Musik, Bücher, Spiele, Applikationen – an denen Apple natürlich jeweils mitverdient. Wer weiß, in welchem Maße bereits das iPhone oft den Gang zum Rechner überflüssig macht – oder diesen auch vervollständigt und neue Programme sinnhaft macht, die ohne eine mobile Lösung nie existieren würden – kann sich bereits heute denken, wie ein iPad in 2 oder 3 Jahren das «Computing» ändern wird. Bereits mit dem iPhone sind uns fast unterschwellig zwei große Revolutionen nahegebracht worden: Unmittelbarere Interface-Interaktion per Berührung statt per Eingabehardware (und wer Apples Patente kennt, weiß, dass sich hier noch einiges tun wird) und die Idee des «Always on», der Tatsache, dass man nicht mehr ins Internet «geht», weil man ja ohnehin schon immer drin ist, dass Notizen, Daten, Applikationen, jederzeit ohne nennenswerte Wartezeit und ohne Browser aus der «Wolke» kommen. In Sachen Multitouch hat das iPad nach vielen Gerüchten seltsamerweise nichts neues geliefert – in Sachen Cloudcomputing wird es aber sicher einen Meilenstein darstellen.

Denn bereits in der ersten Generation braucht man kaum Phantasie, um sich vorzustellen, wie grandios das iPad für Meetings ist, wo man durch PDF und JPG gemeinsam Entwürfe oder Bilder abgleichen kann wie auf Papier, wo man Präsentationen hält, Notizen festhält. Leider keine Photos, leider anscheinend kein WLAN-Beamer-Anschluss, alles noch sehr rudimentär, aber die Idee ist im Raum. Auch im Bereich Logistik, Bildung, Medizin, Pflege – also Bereichen, die sehr weit weg sind von dem, was Apple gestern gezeigt hat – dürfte das Pad oder die sicher zahlreich kommenden Klone große Chancen haben. Apple hat bereits vor einem Jahr gezeigt, wie die API des iPhone den Anschluss von medizinischen Meßgeräten erlaubt, mit dem Pad wird nun denkbar, dass Ärzte eine Art digitales Klemmbrett haben und damit mobiler mit ihren Patienten arbeiten können, die Daten aber trotzdem zentral gesammelt werden. In Schulen sind neben offensichtlichen multimedial/hypertextuellen Lehrbüchern mit Bild und Video auch beispielsweise interaktive Tests denkbar. Und in der Logistik dürfte klar sein, dass ein solches Gerät ganz neue Möglichkeiten der Dateneingabe, Datenbankpflege usw ergibt. Auch im Shoppingbereich, ganz nebenbei – zumal ja bereits mit dem iPhone ein komplettes Kassensystem mit Scanner usw existiert. Ähnlich wie der Smart tut das iPad zwar so, als wäre es ein hippes Produkt für die Yuppie-Zielgruppe, in Wirklichkeit aber wird es sich wahrscheinlich am ehesten auch in anderen Bereichen entfalten – von der Altenpflege bis zum Krankenhaus, von der Uni bis zum UPS-Fahrer. Vorausgesetzt, die Käufer akzeptieren den zunächst relativ hohen Preis von 500 bis fast 1000 Dollar (mit Accessoirs, 64 GB und 3G ist man da ja nun mal… beim Preis eines MacBook).

Ich persönlich war mir vorweg relativ sicher, mir einen iPad zuzulegen, weil er für die Art, wie ich zunehmend arbeite, wie geschaffen ist. Von der mobilen Kommunikation bis zu den grandiosen Interaktionsmöglichkeiten in Meetings ist das Produkt mehr als vielversprechend, und auch die Idee, schnell auf dem Sofa Texte zu schreiben, ohne ein brutzelndes Laptop auf den Knien zu haben, ist attraktiv. Das iPhone hat sich so konsequent in so viele Bereiche des Alltags von mir geschummelt, dass ein großer Bruder völlig logisch wirkt.
Wäre da nicht das Ding mit der Kamera und der Tastatur. Die Kamera weniger als Kamera gedacht, dafür ist das Pad zu unhandlich, sondern als Dateneingabegerät. Eins der magischen Dinge am iPhone ist die Kombination von Tools wie Evernote und der (wenn auch miserablen) Kamera, mit der man ganz fix Notizen, Whiteboards oder ein tolles Photo in einem Magazin festhalten kann. Selbst wenn die Kamera 100% als Accessoire kommen wird, ist das einfach ein großes Manko, fast ein Killer-Argument gegen das jetzige Pad. Und die Tastatur geht in dieser Form nicht, niemand außerhalb der USA wird damit länger schreiben wollen – und Apple scheint das auch zu ahnen, warum sonst ein DOCK mit Tastatur anbieten. Und selbst wenn es die lange überfällige BT-Verbindung zwischen Phone/Pad und der Apple-Tastatur gäbe (technisch ja denkbar, beides Bluetooth, und auch mit Jailbreak bereits möglich), muss es doch bitte machbar sein, eine vernünftige Multitouch-Tastatur anzubieten und nicht eine hochgezoomte Version der ja recht gruseligen iPhone-Tastatur. Seltsamerweise hat Apple es also gestern geschafft, die vorab existierende Begeisterung für das Produkt einerseits zu rechtfertigen – das iPad wird ein ganz zentrales Produkt für Apple werden -, andererseits spontan abzukühlen. Die Tastatur ist Software, da würde ich auf ein neues OS hoffen… aber die Kamera? Die wird unweigerlich bestenfalls erst in der nächsten Hardware-Generation kommen. Es ist also gut möglich, dass ich das iPad 1 überspringe, was ich selbst etwas schade fände, zugegeben. Die Idee, lässig beim Kaffee mit dem Team die kommenden Termine in iCal einzupflegen (oder besser eine voll funktionsfähige App für Merlin zu bekommen – hinthint), hat schon was.

So oder so, bei allen Nörgeleien an einem 1.0-Gerät, ist gestern das Ende einer Ära eingeläutet. Das Ende des Desktop-PC, das Ende von Fernsehen in der bisherigen Art, vielleicht das langsame Ende von Zeitschriften, Magazinen und Büchern in Printform. Wer einmal die Jamie-Oliver-App angetestet hat, weiß, wie schwach gegen diese multimediale, interaktive Präsentation ein gedrucktes Kochbuch wirkt. Und Olivers 20-Minuten-App ist die erste ihrer Art, da wird noch viel kommen. Über die Möglichkeiten, die Videokonferenz/Voip, die WLAN/3G-Vernetzung mehrerer Geräte (Multiplayer!) oder gar RFID und Augmented Reality dem iPad eröffnen, darf man kaum spekulieren, man kommt zu schnell in den Bereich der SF… aber sie dürften gewaltig sein. Das iPad wird daheim und im Business ein ständiger Begleiter werden, wie es das iPhone in den letzten Jahren geworden ist. Mit dem iPhone hat eine Art neue digitale Zukunft begonnen, das iPad – und die folgenden Produkte von Apple – werden diese Idee sicherlich ausbauen. Wer sich also in den letzten Monaten und Jahren Sorgen um den Moloch Google gemacht hat, darf längst begonnen haben, bei Apple alle Alarmglocken läuten zu hören – elegant und unsichtbar wird sich diese Firma in einer Art und Weise in unser Leben graben, gegen die Google weitestgehend harmlos wirken dürfte.

Für die Verlage bedeutet das iPad eine neue Goldgräberzeit. Weg vom reinen Buch, hin zu «lebenden» Applikationen, zu Rich Content. Ich möchte gar nicht wissen, wieviele Programmierer demnächst für Random House und Co arbeiten werden, um iTunes-LP-artige Buchformate anzubieten oder Apps zu entwickeln. Mich würde wundern, wenn bei G&U nicht längst manisch an einer Basic-Cooking-App mit In-App-Kauf von Rezepten, Video, Shoppinglist usw. gewerkelt wird. Jeder Kochbuch-Verlag darf sich die Jamie-Oliver-App ansehen und ein lautes, deutliches KA-CHING dabei hören. Reisebücher und andere Infomationsbücher dito. Für die Belletristik muss man abwarten, ob sich das grandiose Buch-Interface beim genusslesen durch einen kalten glänzenden Computerbildschirm ersetzen lässt. Gerade nicht in Deutschland, wo es durch die Buchpreisbindung keinen nennenswerten Preisvorteil gibt. Dennoch wird iBook auch hier sicherlich mehr Staub aufwirbeln als der Kindle dies bereits tat. Die Verlagsbranche wird einen Umbruch erleben wie seit Erfindung des Rotationsdrucks oder des DTP nicht mehr.

Die Buchhandlungen vor Ort dürfen die Keynote von gestern mit gemischten Gefühlen sehen. Aus der eigenen Erfahrung: Seitdem ich eComics lese, sinken meine Bestellungen bei meinem Händler. Mit schlechtem Gewissen, aber ich habe einfach keine Lust mehr auf Longboxes von Altpapier. Bei Büchern ist das ganz anders – kleiner, besser zu lagern, altern besser, haptischer und digital auch leseunfreundlicher -, aber klar ist, dass auch hier ein Umbruch eingeläutet ist. Für die Sortimenter bedeutet dies, dass sie sich noch mehr auf Service, Beratung und Feeling umstellen müssen, sie (wahrscheinlich sinkende) Leserschaft härter umwerben. Als würde es nicht reichen, dass Lesen eh (zum unendlichen Leidwesen von Kultur und Wirtschaft) immer weniger beliebt ist, kommt jetzt auch noch erstmals halbwegs ernsthafte Konkurrenz zum bedruckten Papier auf. Und von einem Buchbook im AppleStore hätten Thalia, Hugendubel aber auch die kleine Buchhandlung an der Ecke denkbar wenig. Die großen Fillialisten werden hierunter noch härter leiden als die kleinen Sortimenter, die näher am Markt und den Kunden sind – aber auch die werden sich wohl einiges einfallen müssen. Und ehrlich gesagt ist das ja vielleicht auch gut. Eine gute Buchhandlung konnte immer noch gegen Amazon bestehen, sie wird es höchstwahrscheinlich auch gegen Apple können, wenn sie engagiert und sympathisch am Ball bleibt.

Ich bin insofern sehr gespannt, ob wir den Tag gestern als zweiten (nach dem iPhone) Anbruch eines neuen Computerzeitalters betrachten werden, in dem Ubiquitous Computing sich endgültig durchgesetzt hat, oder ihn irgendwann als eine Art endgültigen Sprung in den Abgrund des Internets und der digitalen Medien betrachten, den vielleicht fatalen Abschied aus der Vielfalt der Gutenberg-Galaxis und das wohlige Sich-Ergeben in absolute Monopolstrukturen.

28. Januar 2010 08:55 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . 3 Antworten.

The Shape of Things

So sieht der Spiegel diese Woche aus. Auf dem Cover eine zum Weltkonzern und zum globalen Gesellschaftsfaktor mutierte Gratissuchmaschine, auf der Rückseite eine Anzeige für Handy-Miniatursoftware. Wer über das Ende der Gutenberg-Galaxis nachdenkt, darf dieses Cover gerne meta finden.

12. Januar 2010 10:20 Uhr. Kategorie Leben. Tag , , , . Eine Antwort.

Irgendwo schüttelt Steve Ballmer seine Gigantischen Fäuste…

hd schellnack

Der iMac von 2008 war einer der Gründe, warum wir den Switch zurück von Windows zu Mac gemacht haben. Nach Jahren von eher etwas albern anmutenden Plastikkisten (wobei der Stanley-Kubrick-iMac sicher nicht unschick war auf seine seltsam retrofuturistische Art)  hatten Jonathan Ive und sein Team hier so gründlich eine reduzierte, klare Version von PC vorgestellt, die mit 10.5 auch zudem ein verglichen mit Vista ziemlich gutes Betriebssystem anbot, das ich zumindest neugierig wurde. Noch 2008 haben wir im Büro komplett mit fast allen Rechnern (bis auf einen) auf Mac umgesattelt – und ich bin bis heute sicher, dass ich nicht der einzige bin, den Vista derart verstört hat, dass er oder sie zu Apple wechselt.

2009 ist Windows kurz davor ein neues Vista vorzustellen, dass zwar immer noch aussieht wie ein japanisches Autoradio, aber zumindest solide laufen soll – und nennt es deutlich bescheidener einfach Windows7. Und ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass Apple nicht ganz zwei Tage vor dem Release der diversen Windows-Softwares einen ganzen Kanon von Mac-Produkten auf den Markt wirft, die sich fast unisono an Einsteiger wenden. Ein ziemlich gut gemachtes Plastik-Unibody-MacBook ab 999 Euro, ein 21″-iMac in der gleichen Preisliga und sogar noch den schon totgesagten MacMini in einer Server-Variante. Bemerkenswert dabei ist vor allem das Flaggschiff-iMac-Modell, das mit stolzen 27″Display  aufwartet, einem i7-Nehalem, bis zu 16 GB RAM und bis zu 2 TB Festplatte… und das alles für etwas über 2000 Euro und mit einer Maus, die sich zwar erst wird bewähren müssen, die aber vom Konzept her derzeit einzigartig am Markt sein dürfte. Damit ist der iMac absolut kein Spielzeug mehr, sondern dringt in die Workstation-Klasse vor, mehr als genug Power für jeden Heimanwender und der vielleicht kompakteste Rechner, den man sich derzeit mit so viel Leistung, einem so großen Display, ohne jedes Kabelwirrwar (immer wieder toll ist die Frage: «Und wo ist der Rechner?») und komplett mit einem stressfreien OS kaufen kann. Abgesehen davon, dass der neue iMac mit dem durchgehenden Glas, dem Alurücken (endlich) und der schmaleren Silhouette definitiv besser in ein Wohnzimmer passt als irgendein PC derzeit auf dem Markt, von Büros ganz zu schweigen. Ich selbst habe einen MacPro und einen deutlich überlegenen Quato-Bildschirm und schaue trotzdem manchmal neidisch zu den Kollegen, die keinen Rechner mehr unterm Tisch stehen haben, sondern nur noch ein schmales Nichts vor sich (leider sind iMac-Screens nach wie vor nicht hardwarekalibrierbar, obwohl es gerade bei den iMacs als integrierte Lösung doch so einfach sein könnte). Die Strategie, Kunden mit iPod und iPhone auf Mac neugierig zu machen und dann mit solchen Einstiegsdrogen auf der Computerebene abzuholen, scheint aufzugehen. Bei allen Problemen, die Apple in letzter Zeit hat (Bugs in Snow Leopard,MobileMe-Launch, ein iPhone, das drei Generationen braucht, um alltagstauglich zu werden, Appstore-Verirrungen und und und), scheint der Siegeszug von Steve Jobs fast unaufhaltbar.

Und das ist natürlich etwas beängstigend – denn jede gute Firma braucht auch eine starke Konkurrenz, die sie mobil hält. Und da Apple zu kleinen Sonderbarkeiten neigt und gerne mal technische Standards komplett ignoriert (BluRay, Flash, eSata usw) oder ad hoc neu definiert (DisplayPort), ist das essentiell auch für Apples R&D selbst – wo keine Herausforderung mehr ist, werden die Controller ansonsten die Forschung und Entwicklung ausbremsen, um den Profit zu maximieren.

Und es ist verwirrend. Denn schließlich ist Apples Erfolg relativ leicht nachvollziehbar und auch plausibel, insofern lässt sich deren Strategie leicht auf andere Bereiche, aber eben auch auf das Computer/Entertainment-Geschäft selbst anwenden. Umso seltsamer, dass offenbar keine andere Firma – und wir reden hier ja von Weltkonzernen – in der Lage scheint, diese Strategie zumindest nachzuahmen. Geschweige denn eine eigene, bessere Option zu entwickeln.  Microsoft hat mittlerweile nur noch desaströse Software und nahezu keine Hardware im Angebot, Dell und Sony ihrerseits keine ernstzunehmende Software – integrierte und nahtlose Lösungen, die (wie bei Apple) mit jedem hinzugefügten Baustein mehr Sinn machen, können so nicht entstehen. Es wäre an der Zeit, dass ein großer Player der Branche ein eigenes Betriebssystem entwickelt – offener, schneller, kompatibler als alles bisherige – und eine ganze Reihe von nahtlos darauf abgestimmter Hardware. Ich glaube auch nicht wirklich, dass Apples Erfolg nur an der «architektonischen» Vision von Steve Jobs liegt und insofern nicht wiederholbar ist. Mit der gleichen Logik dürfte es auch nur einen Marc Newson oder nur einen Norman Foster geben – in Wirklichkeit wimmelt es aber von exzellenten Produktdesignern und Architekten. Warum also nicht von Plattformanbietern?

Wie die Dinge derzeit stehen, möchte man nicht in Steve Ballmers Haut stecken, der ohnehin ein zwei extrem frustrierende Jahre hinter sich haben dürfte und dem entsprechend mangels eigener Argumente zunehmend nur noch die Option bleibt, die Konkurrenz anzugiften, die ihm nicht nur wenige Wochen vor Win7 ein komplettes OS-«Upgrade» (Snow Leopard lässt sich auch ohne 10.5 komplett installieren, ist also mehr als nur ein Upgrade) für 29 € vor die Nase setzt und damit zeigt, wie überteuert Windows vergleichsweise ist, sondern jetzt auch noch wenige Tage vorm Start eine komplette «Hey komm rüber zu uns»-Attacke startet, die so kurz vor Weihnachten auch sicher fruchten könnte. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Studenten und Heimanwender auf ein MacBook oder einen iMac wechseln werden.

Es ist entsprechend krude, wenn man anfängt, mit MS so etwas wie Mitleid zu entwickeln – keine Firma hätte das weniger verdient als diese -, und sich wünscht, irgendjemand würde diesen Koloss wieder sportiv und aggressiv kriegen und endlich mit Inhalten und Ideen füllen… wir alle würden davon profitieren.

21. Oktober 2009 08:21 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . 6 Antworten.

iPod 1950

hd schellnack

Sehr süß.

Via Macenstein

16. Oktober 2009 16:30 Uhr. Kategorie Stuff. Tag , . Keine Antwort.

Photo Apps für das iPhone

hd schellnack

Hier wie versprochen eine kleine schnelle Übersicht Photo-Apps fürs iPhone, die ich benutze:

ZoomLens
Beileibe nicht perfekt ist diese Digital-Zoom-Software fürs iphone, aber solange es keine – à la Sony – in das Gehäuse integrierte optische Zoomfunktion gibt, ist es manchmal besser, ein hochskaliertes Photo zu haben als gar keins. Für 0,79 € tut Zoom Lens, was es kann und das recht stabil und schnell. Aber eher ein App, das man sehr selten brauchen kann.

Quad Camera
Die Auflösung der erzeugten Bilder ist, wie bei vielen iPhone-Photoapps, einfach gruselig schlecht. Trotzdem macht QuadCamera schon Spaß, wenn der Vierfach/Achtfach-Lomo-Spaßkamera-Effekt sich natürlich extrem schnell abnutzt. In der Praxis nutze ich QuadCamera so gut wie nie.

Camera Bag

Der Klassiker unter den Filter-Tools fürs iphone simuliert schnell, glaubhaft und in voller Auflösung verschiedene Spaßkameras wie die Holga, die Lomo, Crossentwicklung oder Leica-artigen s/w-Photographie und darf auf keinem iPhone fehlen. Schön wäre hier – wie bei den meisten Apps – wenn man in das Bild hineinzoomen könnte, um den Filter besser beurteilen zu können, oder wenn man auf die Parameter des Filters mehr Einfluss nehmen könnte. In Sachen Quick&Dirty ist CameraBag aber absolut klasse und der Holga-Effekt ist – vor allem gemischt mit anderen Apps – wirklich brauchbar.

CinemaFX
Dieses App von Nexvio ist ein weiterer Klassiker. Schnell, solide, exzellentes Interface und einprägsame, wenn auch nicht immer sinnvolle, Effekte plus die Möglichkeit, das Bild aufzuhellen, den Kontrast zu ändern, zu drehen und zu beschneiden machen CinemaFX zu einem sinnvollen Werkzeug, um Bilder schnell aufzuwerten. CinemaFX speichert die Bilder in voller Auflösung und bietet einige Effekte, die viele andere Tools in dieser Form nicht anbieten.

PhotoFX
Tiffen ist eigentlich als Hersteller von Objektivfiltern für Spiegelreflex-Kameras bekannt, produziert aber auch Photoshp-PlugIns (die allerdings wenig berauschend sind) und iPhone-Filter. PhotoFX ist vergleichsweise teuer, liefert aber auch professionelle Ergebnisse (sofern man das von einer Handy-Applikation überhaupt behaupten kann und will): Die Filter speichern in voller Auflösung, sind in Grenzen editierbar und lassen sich kombinieren. PhotoFX hat eine reiche Auswahl verschiedenster Filter, von denen sich ab der neuesten Generation einige zusätzlich als In-App-Kauf dazu erwerben lassen.

CoolFX
Die kleine Schwester von PhotoFX für 0,79 € liefert einen abgespeckten Umfang, aber durchaus andere Filter als die PhotoF-Sammlung, so deutlich mehr Schwarzweiß- und Noise-Effekte, interessante Lichtdiffusion und feiner abgestufte BleachingBypass-Filter.

HiCon
HiCon war eines der ersten und trotz zahlreicher Abstürze und Softwareprobleme besten Schwarzweiß-Apps und ist immer noch ein ausgezeichnetes Tool, das im Grunde nur eine einzige Sache kann und keinerlei Eingriff zulässt, aber ziemlich gute Ergebnisse zeitigt. Nicht ganz so unberechenbar, aber mitunter auch nicht ganz so dramatisch wie Spica, ist HiCon immer noch ein klasse Tool um etwas Leica-Flair auf das iphone zu bringen. Den Farbfilter kann man, meiner Meinung nach, völlig vergessen.

Spica
Spica ist eine relativ neue B/W-App, die in der neuen Fassung nicht nur live gemachte Photos, sondern auch Bilder aus der Photoroll bearbeiten kann. Im Dunkeln gemachte Bilder werden teilweise extrem rauschig und aufgehellt, aber es gibt derzeit keine App die unter den richtigen Bedingungen sehr dramatischere Schwarzweißmotive erzeugen kann. Spica hat ein ziemlich zufälliges Element – manche Bilder sind regelrecht unbrauchbar und kommen aus anderen Anwendungen deutlich besser, aber andere Bilder werden umwerfend.

Effects Lab
Exzellentes kleines Programm, das relativ normale Bearbeitungsmöglichkeite – Helligkeit, Sättigung, Histogramme, Gamma usw. – liefert und insofern ideal ist, um ein Bild jenseits von Effekten zu optimieren. Die Filter lassen sich kombinieren, Effects Lab arbeitet in voller Auflösung und bringt einen Haufen recht brauchbarer Fertig-Effekte mit.

Photo Forge
Photo Forge ist am nähesten an einer Art Pocket-Photoshop. Trotz des eher gewöhnungsbedürftigen Interface ist der Funktionsumfang mit Pinseln, Retusche, Filtern, Crop usw hervorragend. Auch hier gibt es fertige Filter, aber wichtiger sind die sehr umfangreichen Möglichkeiten, ein Bild an sich zu optimieren.

iFlash Ready

Eines der vielen vielen Pseudo-Blitz-Tools für das iPhone. Die alle an sich nicht viel bringen – dunkle Bilder kann man damit kaum retten, bei an sich guten Bildern aber durchaus, je nach Bild, einen interessanten Effekt erzeugen. Speichert in voller Auflösung.

CameraKit
CameraKit mochte ich zunächst gar nicht, weil es ein hochgradig unintuitives Interface hat und nicht gerade schnell ist, aber die Effekte sind relativ einzigartig und überzeugend – und in der Kombination durchaus überraschend und unkalkulierbar. Dem Look einer Spielzeugkamera, den anderen Tools versprechen, kommt CameraKit überzeugend nahe.Vignettierung, Überbelichtung, Falschfarben und B/W,  Push-Process – mit einer ganzen Reihe von individuellen Einstellungen erzeugt CameraKit am Ende ein meist überzeugendes Bild (nur sollte das Ausgangsbild hell genug sein).

Edwin
Edwin macht eigentlich nur Rahmen um Bilder und wendet einen leichten Effekt an.Nett, aber kein Must-Have-Tool, zumal nur einer der Rahmen brauchbar ist und die Rahmen an sich immer gleich bin, es also keine Variation gibt – womit das Tool leider ein ziemliches One-Hit-Wonder ist.

Lomo
Verspricht, was Camera Kit besser hält – die Lomokamera im iPhone. Eigentlich eine App, das ich kaum noch benutze, die aber bei manchen Bildern (die allerdings ordentlich hell sein müssen) schon gute Effekte bewirkt, ohne dabei aber je an das echte LomoFlair zu kommen. Ist übrigens schade, dass kein Tool wirklich glaubhafte Lomo/Holga-Lichteinstreuungen machen kann. Die App, die ziemlich umfangreiche Lomo-Filter bietet, die man als User aber in keiner Form beeinflussen kann, verschiebt etwas die Farben und dreht am Kontrast, arbeitet auch mit Bildern aus der Photoroll  und ist vor allem als Vorstufe für Weiterbearbeitung in anderen Filtertools gut brauchbar.

Polarize
Polarize hät, was es verspricht – es wandelt iphone-Bilder in Polaroids um. Allerdings ohne den Charme des echten, sehr zufallsbasierten Ergebnisses. Im Grunde scher auch eher eine One-Hit-App, wobei schon erstaunlich ist, wie sinnvoll ein Polaroidrahmen um die schlechten iphone-Pix wirkt.

Naked Touch
Naked Touch hat ein seltsames Konzept, es speichert Bilder in einer eigenen Gallerie, die von der Roll unabhängig ist. Es liefert – sehr schön umgesetzt – die üblichen Bildbearbeitungstools (Farbbalance, Helligkeit, Sättigung, Kontrast/Helligkeit), ibt dem User sehr umfangreiche Farbmanipulationsmöglichkeiten an die Hand, arbeitet in voller Auflösung, und zudem die Möglichkeit, die bearbeiteten Bilder zu facebook, flickr, tumblr oder via Mail zu versenden.

Mill Colour
Und noch eine App, die – sehr fein abgestuft – Manipulationen an Helligkeit, Sättigung, Kontrast, Gamma usw zulässt und auch einige vorgefertigte Filter mitbringt (Crossentwicklung, s/w, Bleached usw). Die Editiermöglichkeiten sind in Vergleich zu anderen Tools etwas eingeschränkt und teilweise so fein unterteilt, dass die Arbeit mit Mill Colour etwas nerven kann, zumal eigene Begriffe wie Gain oder Lift nicht auf den ersten Blick einleuchten. Auf der positiven Seite kann man in die Bilder hineinzoomen und so recht fein entscheiden, ob der gewünschte Effekt erreicht ist.

Best Camera
Best Camera kann eigentlich nicht sonderlich viel, vor allem wenn man von den Photosharing/Social-Web-Funktionen der Software keinen Gebrauch macht, liefert aber durchaus sehr geschmackvoll Out-of-the-Box-Effekte, die sich zwar kombinieren, aber nicht vom Benutzer verändern oder abstufen lassen. Es gibt aber durchaus hässlichere Instantfilter und meist liefert BestCamera ganz solide Ergebnisse.

Perfectly Clear
Perfectly Clear ist eines der zahllosen Bildoptimierung/Aufhell-Tools, die versuchen, den iphone-Bildern den Grauschleier auszutreiben. Wie alle Tools entsteht dabei oft ein stärkeres Rauschen, aber Perfectly Clear ist mit seinen fein einstellbaren Filtern und der sehr smarten Vorher/Nachher-Ansicht eines der besseren Angebote und rettet manche Photos wirklich.

LoMob
LoMob ist eine etwas seltsame App. Auch LoMob wischt nur mit vorgefertigtem Filter über die Bilder und ist langfristig sicher eher ein One-Hit-Wonder, aber eine krudere Versammlung von Lofi-Filtern gibt es derzeit im Appstore wohl kaum. Diverse Effekte und Rahmen, leider ohne große Variationsmöglichkeiten, aber durchaus erfinderisch gemacht – wie etwa neben dem üblichen Lomo/Pola-Sachen auch mit Transfereffekten und TTV-Looks – nutzen sich sicher schneller ab als ein guter, effektvoller und irgendwie ehrlicherer S/W-Filter, machen aber für 1,50 auf jeden Fall lang genug Spaß, um die Investition zu lohnen… außerdem lassen sich aus der Kombination mit anderen Filtern durchaus spannende Effekt erzielen.

Photoshop.com mobile
Was soll ich sagen? Der Klassiker der Bildbearbeitung kommt endlich auch in Deutschland aufs iphone und der erste Eindruck ist: Too little, too late. Wo andere Softwares schon fast Funktionen des «echten» Photoshops simulieren, ist Adobes eigene App eher eine Spar-Bildbearbeitung, fast eher ein Beta-Konzept als eine vollständige Software. Das Interface, bei dem einfach durch Slide-Bewegung auf dem Bild die Werte geändert werden und das generelle Handling ist absolut 1a und professionell, aber die etwas seltsam unstrukturierte Ansammlung recht beliebiger Instant-Effekte und die andererseits sehr begrenzte Auswahl von Editing-Möglichkeiten wirken fahrig und (noch) konzeptlos. Auch die Begrenzung auf die Adobe-eigene Gallery-Plattform wirkt etwas unzeitgemäß, Facebook, Twitter und Flickr dürften hier eigentlich nicht fehlen. Hier wirkt Adobe ein wenig hinter der Zeit – aber wir reden hier von der Firma, die immer noch 32-bit in Sachen Bildverarbeitung auf dem Mac anbietet und bei 3,7 GB den RAM-Riegel vorschiebt ;-). Andererseits ist das App gratis, etwas unerwartet bei Adobe, und wer will da meckern?

Hipstamatic
Diese Simulation einer alten analogen Kamera macht es einem eigentlich schwer, sie zu mögen – Effekte müssen als In-App-Kauf extra bezahlt werden, die Rahmen sind nicht abschaltbar, man kann keine Bilder aus der PhotoRoll  nachträglich bearbeiten, die Einstellmöglichkeiten sind fast nicht vorhanden, es dauert ewig, bis ein BIld gespeichert und bearbeitet ist, und die ersten Versionen des Programms sind eigentlich permanent abgestürzt. Mit anderen Worten: Hipstamatic ist genauso unsicher und unkontrollierbar wie echte alte analoge Photographie. Ohne, dass ich wirklich sagen könnte, warum, ist dieses Programm in den letzten Monaten die Software geworden, mit der ich am meisten Photos mache. Zum einen, weil die Bilder wirklich ordentlich verändert werden und man in der Kombination von Film, Linse und Blitz eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Bildveränderung hat, zum anderen, weil sie bei allem Frust eben auch phantastischen Spaß macht. Und darum geht’s ja.

Plastiq
Die Plastiq Kamera ist ebenfalls eine Simulation, allerdings weniger konkret als Hipstamatic – und obwohl an sich userfreundlicher, macht sie alles in allem keinen Spaß. Unter den vielen Effekt-Apps, die es inzwischen im Appstore gibt, ist dies leider eine der schwächeren. Recht interessant ist das Feature, dass Bilder im Background bearbeitet werden, während man weiter photographieren kann. Man kann sogar die App verlassen und beim nächsten Start werden die Bilder weiter durch den «Darkroom» gezogen. Leider sind Effekte  - s/w, Sepia, Posterize, Lomo, Holga usw – alle schon bei Tools wie CameraBag oder CameraKit deutlich besser vorhanden.

Retro Camera
Einen etwas anderen Weg als die meisten anderen Photoapps geht Retro Camera, bei dem ein Bild sukzessive vom Benutzer nach und nach mit verschiedenen Rahmen und Overlays, Grains und anderen Effekten auf Alt trimmen lässt. Tatsächlich ist hier etwas Geduld gefragt und die Ergebnisse sind nicht immer das, was man eigentlich erwartet, sondern eher ein wenig Kitsch-as-Kitsch-can. Aber grundsätzlich wenigstens einmal ein Programm, das etwas völlig anderes versucht. ich glaube, mit viel Fingerspitzengefühl lassen sich hiermit eigentlich ganz nett auf Alt getrimmte Photos machen, wenn man so etwas braucht.

MonoPhix
Es ist unweigerlich so, dass im Appstore mehr und mehr kleine Programme das im Grunde gleiche leisten – und die Entscheidung, welches davon nun das jeweils Beste ist, wird immer schwieriger. MonoPhix liefert im Kern die gleichen Ergebnisse wie CoolFX, Spica oder HiCon, erlaubt aber dabei eine gewisse Kontrolle der Veränderung von Licht und Dunkelheit in den Bildern. Die Bilder werden nicht ganz so genial wie die gelungenen Spica-Photos, sind aber im Zweifelsfall auch nicht so rauschig-schwarzweiß-zerstört wie Spica es eben oft liefert. Die Oberfläche ist gestalterisch ein Greuel und die Bilder werden etwas matschiger, unschärfer, als ich gut finde – aber die Einstellmöglichkeiten machen das mitunter etwas wett.

15. Oktober 2009 14:23 Uhr. Kategorie Technik. Tag , , . 9 Antworten.

Desperate Times…

hd schellnack
hd schellnack

Es scheint so,als sei die Windows-Welt derzeit etwas verzweifelt. Während Microsoft User in ein Wüsten-Workcamp einlädt, um Ihnen angeblich in der Mojave ihr nächstes Betriebssystem vorzustellen und Statements sammelt, es sich aber in Wirklichkeit – haha – um Windows Vista handelt, versucht Dell einen iMac-Killer an den Start zu kriegen. Vista wird nun aber leider auch im Blindtest und durch schlichte Nutzer-Irreführung nicht besser, ein bisschen rumspielen an etwas, was man für eine Beta halten darf, ist nicht zu vergleichen mit einem echten Test einer Software – und Vista ist und bleibt B-Ware. Dells Hybrid Studio mag den Vergleich mit dem (eventuell bald auslaufenden Mac Mini bestehen), aber als Set mit Monitor sieht es so aus, dass man schlechtere und weniger integrierte Hardware für mehr Geld kauft. Ein Dell Hybrid mit 24″ Monitor  und 4 GB RAM, an den 320 GB Harddisk und der unbefriedigenden OnBoard-Grafik kann man nichts ändern, schlägt mit 1914  zu, das schicke Bambus-Gehäuse kommt nochmals mit 130 Euro extra zu Buche. Ein 24″ iMac mit gleicher Festplatte, 4 GB, aber besserer Grafikkarte liegt bei 1759 €. Und ist generell das integriertere, bessere Gerät. Hat da jemand bei Dell nicht aufgepasst?

Microsoft muss schummeln, um sein OS besser dastehen zu lassen? Dell, der größte PC-Anbieter auf dem Markt, kriegt keinen ordentlichen Rechner hingestellt, der dem iMac den Garaus machen könnte? Es ist schon absurd, dass Marktführer es nicht hinkriegen, ein vergleichbares Produkt auf die Beine zu stellen, obwohl das doch eigentlich machbar sein sollte.

29. Juli 2008 16:52 Uhr. Kategorie Technik. Tag , . 7 Antworten.


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