
Gerrit berichtet in seinem Weblog gerade von seinen Pitch-Erfahrungen und die übliche Aufregung um das Thema wird spürbar (auch von meiner Seite). Erik Spiekermann, Tibor Kalman und zahlreiche andere Designer haben sich ausgesprochen deutlich über die Nachteile von Wettbewerben um Aufträge geäußert – aber was sind eure eigenen Erfahrungen?
Ich bin immer hin- und her gerissen bei der Sache. Einerseits sind Wettbewerbe für die Designer völlig neben dem, was sie eigentlich tun, und die Kunden kriegen entsprechend nur frustrierende Dosenware, andererseits kann es ja auch Spaß machen, völlig frei über ein Thema nachzudenken und ohne viel Kommunikation mit dem Kunden einfach mal eine fiktionale Idee zu entwickeln. Ich fand das bei Architekten eigentlich immer sehr reizvoll, wenn ein Team mehr oder minder einfach mal recht frei über einen Bahnhof, Flughafen oder ein Hochhaus nachdenken kann – und die Ergebnisse freier, als sie vielleicht wären, wenn sie im Kundendialog entstehen. Weniger Kompromisse, mehr reines Design. Und es ist ja auch spannend, sich auf ein total neues Thema stürzen zu dürfen, sich einzuarbeiten und es zu durchleuchten.
Neben der Frage, ob ihr grundsätzlich Pro oder Contra Pitch seid, interessieren mich vor allem persönliche Erfahrungen – gute wie schlechte. Wie geht ihr einen Wettbewerb an, wie präsentiert ihr am liebsten, wie sind eure Erlebnisse in diesem Bereich.
Last not least – was sind die Alternativen und wie kommuniziert man sie? Entzieht ihr euch dem Wettbewerbswahn? Macht ihr nur unter bestimmten Bedingungen mit? Was ist eure eigene Lösung im Umgang mit diesem Thema?
Stellt euch auf die Soapbox, meckert oder feiert und sagt eure Meinung. Let’s exchange stories :-D.
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Die Soapbox gibt es jeden Mittwoch – eine Frage zum Bereich Design im weitesten Sinne, um die wir uns hoffentlich wortstark streiten können. Steigt auf die Seifenkiste und sagt eure Meinung in den Kommentaren. Wenn jemand einen Vorschlag für ein Thema hat, freue ich mich drauf: schellnack@nodesign.com.
3. September 2008 11:27 Uhr. Kategorie Design. 4 Antworten.
Wir nehmen generell nur noch teil, wenn zum einen die Frage “haben Sie eine Aufwandspauschal vorgesehen?” nicht auf Kundenseite direkt als Antwort “Ist ja Ihr Pech, wenn Sie sich deswegen diese wunderbare/großartige/einzigartige Gelegeneheit entgehen lassen wollen” generiert, zum anderen, wenn Kunde und pitchende Agentur sich bereits kennengelernt haben und wissen, worum im Detail überhaupt gepitcht wird – gegen wen man pitcht ist m.E. vollkommen unerheblich, es geht schließlich immer um die beste Lösung, nicht, wen man letztendlich “besiegen” könnte.
Die bisher übelste Story haben wir in einem 3-Agenturen-Pitch (nach vorherigem Screening von 14 Agenturen) um ein Magazin serviert bekommen, als man uns mit dem alten Corporate Design als Gestaltungsgrundlagen “versorgt” hat. Der Pitch ging natürlich verloren, denn es waren “ein wirklich tolles Konzept und frische Ideen, die Sie uns gezeigt haben, aber leider haben Sie ja gar nicht unser neues Logo und das Design berücksicht …”. Diese Absage kam übrgens 9 Wochen später per Post, telefonisch war der potenzielle Kunden in dieser Zeit “verständlicherweise sehr im Auswahl-Stress” und natürlich nicht erreichbar. Habe ich schon erwähnt, dass der Pitch kostenlos und mit den obigen Worten abgehalten wurde? ;-)
Ein mitpitchender Freelancer wurde übrigens danach “hintenrum” mit Teilen unseres Konzepts beauftragt und erzählte nach dem Kick-Off-Meeting, dass sich Marketing-Chef und Agentur-Fräuleins mit Küsschen sowie herzlichen Umarmungen begrüßt hätten. Irgendwie schon merkwürdig, wenn man bedenkt, dass die ja zwei Monate vorher schon das neuen Corporate Design gestalten durften …
Im Endeffekt war es aber dann doch genau richtig so wie es kam, denn keine Woche später haben wir – ohne zu pitchen – einen, zwar etwas kleineren, dafür aber definitiv profitableren Auftrag bekommen. Dass wir mittlerweile seit über drei Jahren mit dem Kunden eine äußerst angenehme, erfolgreiche und auch offene Zusammenarbeit pflegen, sehe ich als persönlches Sahnehäubchen.
C’est la vie! :-)
Ich bin da auch etwas zwiegespalten. Einerseits stellt sich das Problem selten, weil die wenigsten kleineren Auftraggeber um ein CD pitchen lassen. Wenn es dann mal passiert, dann meistens ohne Entschädigung, wo wir nicht mitmachen. Wenn doch, macht es schon Spaß, in kürzester Zeit Ideen aufzustellen und eine fetzige Präsentation zusammenzustellen. Wenn dann noch alte Hasen als Kontrahenten dabei sind und wir die hinter uns lassen, motiviert das natürlich. Andererseits sind bis jetzt aus solchen Pitches um große Projekte noch nie tatsächliche Aufträge geworden. Andere haben sie erhalten, aber wenn wir dann die Entwicklung beobachten, sehen wir, dass es sehr, sehr schleppend vorangeht und die Resultate meist unbefriedigend sind. Mein Schluss daraus: Wer pitchen lässt, will sich eigentlich nicht entscheiden. Und entscheidungsmüde Auftraggeber sind das schlimmste, was es gibt.
>Wer pitchen lässt, will sich eigentlich nicht entscheiden
Seeeehr schön :-D
Der Satz von Markus Widmer hat sehr viel Wahres. Ich selbst pitche recht häufig, nicht um Werbeetats, aber mit Bühnendesigns und es ist schon interessant, daß man in der Regel damit die Phantasielosigkeit des Auftraggebers aufheben soll. Aufwandsentschädigungen sind bei uns leider sehr selten. Und weil man in der Regel in der ersten Runde nur schriftlich präsentieren darf, nicht selten zehn oder mehr Mitbewerber mit im Boot sind, muß man sich schon besondere Gedanken darum machen, wie man den eigenen Beitrag hervorhebt, ohne dann aber zu übertreiben.
Da bei uns dann auch Kosten eine Rolle spielen, hört man dann gerne Sätze wie: “Können Sie Ihr Design auch zum Etat vom Mitbewerber umsetzen ?”. Was in der Regel schwer ist, weil der billigste Mitbewerber im Zweifelsfall eben auch nur die Hälfte des Materials auf der Bühne hat.